Ein Kripper und der Kaiser


von Willy Weis & Hildegard Funk


Der am 10.November 1894 in Kripp geborene Adolf Apollinaris BREUER, 1) der als junger Soldat 1914 auf Grund damaliger Kriegswirren des Ersten Weltkrieges an die Westfront verschlagen wurde, wurde als sechstes von sieben Kindern des Kripper Tagelöhners Adolf Breuer II. 2) und Ehefrau Theresia, geb. Ulrich in Kripp geboren und am 14. Nov. 1894 in Remagen in Gegenwart der Taufpaten Apollinaris Hecken und Anna Maria Gries 3) getauft.

Seine Familie wurde aufgrund der recht umfangreichen Familiennamen der Breuers in Kripp offiziell unter der Ordnungszahl der Familienfolge als Breuer II. geführt. 4) Laut Militärpass war der Vater bereits vor Beginn des Ersten Weltkrieges verstorben.

 Nach seiner in Kripp verbrachten Kindheit begann seine militärische Laufbahn als Ersatz-Rekrut am 15. Okt. 1914 beim 1. Ersatz Bataillon des Reserve Infanterie-Regiments 25. Nach einem Monat gelangte er durch Versetzung zum Feld-Infanterie 37 an die Westfront nach Frankreich, wo er in der 11. Kompanie des Infanterie Regiments diente,was im berüchtigten Champagner Sektor als kämpferisch recht aktiv bekannt galt, insbesondere bei den Kampfhandlungen bei Souain, Perhes, les Hurlus und Beausejour. 
Adolf Breuer


Adolf Breuer links unten

Wegen einer bei einem Gefecht am 8. Juni 1815 erlittenen Gesichtsverletzung durch Granatsplitter am rechten Ohr und Wange erfolgte eine Notbehandlung im Feldlazarett von Donai mit nachfolgender stationärer Behandlung im Reserve-Lazarett Dörnhausen bei Bad Homburg v. d. Höhe bis 2. Juli 1915.
Zur anschließenden schonenden Genesung erfolgte bis zum 9. April 1916 eine Spezialausbildung beim Infanterieregiment 68, wo er nach Ausbildungsende zum Fronteinsatz als Elitekämpfer zur 4. Sturmkompanie des berühmten Sturmbataillon Nr. 5 (Rohr) des 35. Pionier Ersatz Bataillon zu Kampfeinsätzen abkommandiert wurde. 5)

Die Kompanie bestand ausschließlich aus 19-21 jährigen körpergestählten Musketieren mit stahlharten Nerven, die unter Führung des legendären Hauptmann Rohr ihre Ausbildung, insbesondere im offensiven Nahkampf mit Handgranaten und Bajonett, als flexible geschlossene offensive Kampftruppe erhielt. 6)

Das Geheimnis des militärischen Erfolges der Rohr-Kompanie lag in der Bildung eines neues Konzeptes in der Vorbereitungsphase mittels exakter Aufklärung feindlicher Stellungen und der praktischen militärischen Erfahrung entschlossener Männer. Ein jeder der Sturmtruppe konnte selbst bei Dunkelheit durch Positionierung der Angriffskolonnen mit der Taktik eines „modernen“ Sturmangriffes Verwirrung und Irritationen an der Feindfront stiften. 

Der Militärpass von Adolf Breuer:

  



Bildmaterial einzusehen auf: www. Kaiserscross.com 


Aufgrund von erfolgreichen Kämpfen nach der neuen angewendeten Taktik von Juni bis August 1916 in den Kampfabschnitten Caillette-Wald, Fleury und Chapitre-Wald wurde die Oberste Heeresleitung in Berlin auf die Elite von Frontkämpfern aufmerksam. Der Kaiser mit seiner Entourage wollte den verwegenen Kompanieführer Wilhelm Rohr mit seinen neuen taktischen Ideen so realistisch wie möglich kennen lernen. Zu diesem Zweck stattete er am 14. August 1916 einen Besuch an der Westfront bei Doncourt ab, wo die 4.Sturmkompanie des Sturmbataillon Nr. 5 unter Hauptmann Rohr ihm eine Kampfdemonstration unter „Einsatzmäßigen Bedingungen“ nach seiner Taktik zur vollen Zufriedenheit und Begeisterung des Kaisers vorführte und zum Lieblingsbataillon des Kaisers avancierte. 7)


Wegen voraus gegangenen hervorragenden militärischen Leistungen und Tapferkeit vor dem Feind wurde der Elitekämpfer Adolf Breuer aus Kripp nach dieser Vorführung persönlich durch den Kaiser Wilhelm II. am 16.August 1916 im Felde mit dem EK 2 ausgezeichnet. 8)


Ordensverleihungszeremonie vom Kaiser an die Truppe


Ein persönlicher Kontakt und Händedruck mit dem fast Gott gleichgestellten Kaiser war für den damaligen Zeitgeist ein fast unvorstellbares Ereignis im Leben eines Normalbürgers. Annähernd ein Jahr danach wurde ihm wegen Tapferkeit vor dem Feind in unzähligen Kämpfen am 1. Juli 1917 das Eiserne Kreuz 1. Klasse verliehen. 9)




Nach dem Kriegsende gründete Adolf Breuer in Düsseldorf um 1930 eine Familie, die er durch Arbeit als Oberfeuerwehrmann ernährte. 11)


Quellen:
1) Familienbuch der katholischen Pfarrei St. Peter und Paul, Remagen 1649-1899, Dr. 
Hentschel, S.114, lfd. Nr. 533.6
2) wie 1, lfd. Nr. 533
3) wie 1
4) wie 2, jedoch siehe dazu Vermerk 1
5) Militärpaß Adolf Breuer / www. Kaiserscross.com
6) Willy Martin Ernst ROHR (*19.5.1877 Metz,+ 8.3.1930 Lübeck) preußischer 
Offizier mit maßgeblichen Anteil an der Entwicklung der Sturmbataillone im 1. WK, 
späterer Kommandeur der Sturmbataillone, Oberstleutnant der Reichswehr.

Quelle: „Ehrenbuch von Eberhard Graf von Schwerin“ (Wikipedia)
7) www.kaiserscross.com
8) wie 5, Orden und Ehrenzeichen
9) ebda.,
10) wie 5
11) www.kaiserscross.com



Gasversorgung Kripp ab 1907


von Willy Weis & Hildegard Funk


In früheren Jahren hatte jede Stadt ihr eigenes Gaswerk, in dem die Energie Gas aus Kohle gewonnen wurde und als Nebenprodukt Gaswerkskoks anfiel. So auch in Remagen ab Dezember 1900, dessen recht auffälliger runder Gaskugel-behälter bis nach dem 2.Weltkrieg nähelich der Bahnlinie an der Bundesstraße 9 in Höhe der Straße „Zum Wässiger Tal“ stand.

Nach Beschlussfassung des Remagener Stadtrates von 1905 1) sollte die Ortschaft Kripp unmittelbar nach Erweiterung des Remagener Gaswerkes mit einem Sechser Brennofen energiemäßig an die städtische Gasanstalt angeschlos-sen werden. Ab Oktober 1906 begann man mit den Verrohrungsarbeiten für Kripp entlang der heutigen Mittelstraße zur Ortsmitte bis zum späten Frühjahr 1907. 2)

Im gleichen Jahr erfolgten bereits die ersten Hausanschlüsse, die die örtlichen Haushalte mit dem toxischem Gas des städtischen Remagener Gasbetriebes versorgten. 

Zeitzeugen zufolge wurden auch die damaligen Motoren der Wasser-turmpumpen mit dem städtischen Gas betrieben. 3) Gleichzeitig begann man mit der Umrüstung der drei seit 1866 mit Mineralöl betriebenen Straßenlaternen im Ort auf Gasbetrieb. Am „6ten April 1907“ ersetzte erst-mals das hellere Licht der Gaslaternen das bisherige blässliche Licht der verschnörkelten gusseisernen Straßen-beleuchtung. 4)  Diese auf Gasbetrieb umgestellte Straßenbeleuchtung wurde von städtischen Bediensteten bei aufkommenden Tagesanbruch mittels einer Stange mit Haken am Laternenkopf gelöscht und bei eintretender Dunkelheit wieder entflammt. Letzter Mann im Laternendienst war der Kripper Kefferpütz. 5)
 
 
Versorgungsplanung.

Im Laufe der Jahre kam es zwangsläufig aus Rentabilitätsgründen zur Stilllegung der kleineren hiesigen Gaswerke. Im Zuge der Flurbereinigung wurden die Gaswerke Neuenahr (BV Berggeist) und Mayen (BV Rauscher-mühle) gegen die Stromversorgung in Remagen, Oberwinter und Rolandswerth mit der Energieversorgung Mittelrhein G.m.b.h Koblenz ausgetauscht.

Es erfolgte für unsere Region ein Anschluss an der aus Koblenz ankommenden Leitung des EVM-Netzes, wobei die hiesige Versorgung mit Gas vorerst aus dem Koblenzer Gaswerk erfolgte. Den zum Transport nötigen Druckaufbau bis Remagen erzeugte ein Kompressor.


Seit Kriegsende erfolgt die Gasversorgung im Bereich der EVM ausschließlich durch Ferngasbezug von der Ruhrgas-AG Essen über Gasfernleitungen.
Das linksrheinische mit Ferngasleitungen verbundene Versorgungsgebiet der Energieversorgung Mittelrhein, im Kürzel EVM genannt, erstreckt sich im hiesigen Bereich von Koblenz über Andernach und Remagen bis Rolandswerth, wobei sich in Sinzig eine Abzweigung nach Ahrweiler befindet.

Um jedoch zukünftig eine ausreichende weiträumige Energieversorgung der links-rheinischen Gebiete mit Erdgas zu sichern, entschied man sich 1955 für die Verlegung einer Ferngasleitung, die den Westerwald mit dem linksrheinischen Versorgungsgebiet verband.

Der Planungsidee zufolge sollte das rechtsrheinische Gas über den Rhein mittels einem Gasdüker linksrheinisch zu einer neuen Übernahmestation im Kripper Feld gelangen, um von dort aus eine Aufspeisung des EVM-Fernleitungsnetzes im nördlichen Teil des Versorgungsgebietes zu gewähr-leisten. Für dieses Vorhaben stellte die Ruhrgas-AG den Anschluss an das Ferngasnetz durch den Düker her, und die EVM baute die im Kripper Feld am heutigen Sportplatz liegende Übernahmestation als Reglerstation und eine Verbindungsleitung bis zur ihrer vorhandenen Leitung an der Bundesstraße 9.

 Zu diesem Zweck wurde für die Rheinüberquerung von Kripp nach Linzhausen in Höhe der gegenüberliegenden Burg Ockenfels bei Stromkilometer 630.7 ein unterirdisch verlaufender Gasdüker verlegt. Hierzu wurde mit einem Großbagger im Rheinbett, quer zum Strom verlaufend, ein tiefer Graben für die Aufnahme der Rohrleitungen ausgehoben und der 320 m lange Düker mit starken Drahttrossen von Kripp Zentimeter für Zentimeter auf die gegenüber liegende Rheinseite gezogen. Für den Zeitraum dieses Vorhabens wurde eigens die tal-und bergwärts fahrende Schifffahrt eingestellt 

Die zum Schutz der Isolierung mit einer Bitumendecke und 13.000 Dachlatten gut eingepackten Gasrohre mit einem Gesamtgewicht von 50 t, wovon sich das Gewicht im Wasser auf 17,7 t reduzierte, wurden nach deren Verlegung zum Schutz gegen evtl. Beschädigungen durch Schiffe, wie Ankerwurf, etc. mit einer 2 m starken Überdeckung aus einem Sand-Kiesgemisch ein-gespült. Aus Sicherheitsgründen und zur Warnung der Rheinschifffahrt wurde am dortigen Leinpfad in Höhe Haus 66 ein Ankerverbotsschild angebracht. 6)
Der weitere Verlauf der 200 mm im Durchmesser dimensionierten Gasrohre verläuft über die Breslauer Straße bis zur Römerstraße, um im versetzten Richtungsverlauf in das im Kripper Feld vor der Bahntrasse Köln-Koblenz befindliche Gashäuschen einzumünden. Von dort erfolgte die Aufspeisung in das an der Bundestraße 9 liegende EVM Ferngasnetz für den nördlichen Teil des hiesigen Versorgungsgebietes.
 

Erdgas ist ungiftig. Das Einatmen ist völlig ungefährlich. Früher wurde so genanntes Stadtgas verwendet. Dieses war giftig und führte zu dem allgemeinen Vorurteil, dass Gas generell gesundheitsschädlich ist. Erdgas ist weder toxisch noch krebserregend. Sein Hauptbestandteil Methan sollte aber als potenzielles Treibhausgas nicht unverbrannt in die Atmosphäre entweichen. Zur Wahrnehmung von austretendem Erdgas wird diesem in geringster Konzentration ein stark riechender Geruchsstoff beigemischt (Odonierung). Der ungefährliche Stoff ist stark riechend und wird so bereits bei einer Konzentration von einem Prozent – und damit weit unterhalb der Gefahrengrenze – wahrgenommen.





Die heutige Gasversorgung des Ortes erfolgt über Leitungsstränge von 13,3 km Hauptrohr und 7,1 km Hausanschlussrohr. 631 Hausanschlüsse versorgen Kripp 7) mit dem nötigen Energieträger. Der Gasverbrauch belief sich für Kripp in 2010 auf 23.330.325 m³ . 8)

Noch heute versorgt „EVM“ die Kripper Haushalte und gewerbliche Betriebe mit Erdgas. Sie beschafft das Gas direkt bei verschiedenen Händlern sowie unmittelbar an den Handelsmärkten in Deutschland und den Niederlanden. Die Händler, bei denen EVM die Mengen für Remagen-Kripp beschafft, beziehen ihr Gas wiederum aus verschiedenen Lieferverträgen aus Deutschland und den Niederlanden. Durch eine möglichst breite Streuung auf unterschiedliche Bezugsquellen ist es stets das Ziel unseres Gasversorgers, den bestmöglichen Preis für ihre Kunden zu realisieren.

Quellen:

1) Chronik der Stadt Remagen von 1879-1931, Klaus Flink, Heft 6, S.17
2) Kripper-Tagebuch des Georg Valentin, S.14
3) mündliche Angaben Georg Breuer, Kripp
4) Kripper-Tagebuch des Georg Valentin, S.14
5) Zeitzeuge Michael Schumacher, Kripp +
6) ZA, „Stahlwurm“ fraß sich durch das Rheinbett“, vermutl 1955, Nr.179, Zeitung unbekannt
7) Stand 2010, Auskunft EVM
8) Stand 12/2011, Auskunft EVM




Die erste eiserne Gierponte

(1893 – 1926)

und

spätere Querseilfähre

(1926 – 1937)

von A. Bohrer




Foto: Stadtarchiv Linz BA 91

Vorgeschichte:


Als Karl Benz 1886 das erste Motor betriebene Kraftfahrzeug erfand, konnte er noch nicht ahnen, was für Auswirkungen seine Erfindung auf die Geschichte und die Entwicklung der Fähren haben wurde.

Zwar gibt es Fähren schon viel länger als Automobile, aber die technische Entwicklung änderte sich bis dahin nur langsam und in geringem Umfang, da sie bis dahin nur Menschen, Vieh und kleine Karren, später dann auch Pferde-fuhrwerke und Kutschen zu transportieren waren. So entwickelten sich die bis dahin genutzten Fährschalden und „fliegenden Brücken“ nur langsam weiter.

Die Schalden waren offene, flach gehende Kähne mit an beiden Enden abge-flachten Kopfenden, über die die Fuhrwerke und Karren leichter an Bord gebracht werden konnten. „Fliegende Brücken“ waren größer und bestanden aus zwei Kähnen, die mit einer Plattform miteinander verbunden waren. Sie wurden an Seile gehängt, mit denen sie über den Fluss gieren konnten. Im Gegensatz dazu, konnten die kleineren Schalden auch gestakt oder gerudert werden.

Durch Ihre Bauart bedingt, sie wurden aus Holz gefertigt, waren beiden in Ihrer Konstruktion Grenzen gesetzt in Bezug auf Größe und Tragfähigkeit. Mit der zunehmenden Industrialisierung und der Automobilisierung kamen die alten, hölzernen Gierponten an Ihre Leistungsgrenzen, sie waren schlichtweg zu klein oder verfügten über nicht mehr genügend Tragfähigkeit, um auch moderne Kraftfahrzeuge sicher übersetzen zu können. Es mussten neuen Konzepte entwickelt werden, neue und größere Fährschiffe mit mehr Tragfähigkeit und stabileren Oberdecks, so dass auch moderne Lastkraftwagen transportiert werden konnten. Dies erforderte ein vollständiges Umdenken beim Bau der Fährschiffe, weg vom traditionellen Holzbau, hin zum Eisenbau. Ein aus Eisen gebauter Schiffsrumpf ist bei gleicher Größe leichter, stabiler und er besitzt automatisch eine höhere Tragfähigkeit. Dadurch wurde es möglich größere Fährschiffe zu bauen.

Auch unsere Linzer Fähre war von dieser Entwicklung betroffen. Doch bevor es soweit ist, müssen wir noch ein bisschen weiter in der Geschichte, speziell für die Linzer Fähre ausholen. Bei der Linzer Fährgerechtsame, die hier immer wieder erwähnt werden wird, handelt es sich um ein sogenanntes „Fährregal“. „Regalien“ waren im Mittelalter durch die herrschenden Könige verliehene Rechte, wie z.B. das Zoll-. Jagd-, Fischerei- oder Fährrecht.

Die Stadt Linz war Jahrhunderte lang im ungestörten Besitz der beiderseitigen Überfahrtrechte, existierte doch gegenüber der Stadt Linz keinerlei Besiedlung. Dies änderte sich 1701 mit der Gründung von Kripp und dem Bau des ersten Hauses, genehmigt durch Jan Wellem, Kurfürst von der Pfalz und Herzog von Jülich-Berg. 1706 vergab nun Jan Wellem seinerseits ein Fährrecht vom linken zum rechten Ufer. Dabei berief er sich darauf, das ja nun auch auf Kripper Seite eine Besiedlung vorhanden sei. Somit gab es nun das neue Fährrecht vom linken zum rechten Ufer (von Kripp nach Linz) und das alte Linzer Fährrecht, eingeschränkt auf die Überfahrt vom rechten zum linken Rheinufer.

Dass dies der Stadt Linz nicht gefallen konnte, ist nicht schwer nach zu voll-ziehen, und so kam es zu einem 24 Jahre dauernden Fährkrieg. 1730 schließlich gelang eine Einigung, nachdem sich die Stadt Linz zur Zahlung von jährlich 6 Goldgulden an die kurpfälzische Kasse in Sinzig verpflichtet hatte. Doch die Ruhe währte nicht lange: 1796 besetzte Frankreich das linke Rheinufer und nahm fortan das Fährrecht vom linken zum rechten Ufer in Anspruch, und zwar unter Berufung auf die Tatsache, dass das Fährrecht von links nach rechts Sinzig gehöre, da ja hierfür von der Stadt Linz seit 1730 eine Pacht gezahlt wurde. Einsprüche seitens der Stadt Linz bei der französischen Regierung wurden mehrfach ignoriert.

Als die Rheinlande 1814 unter preußische Verwaltung kam, erneuerte die Stadt Linz wieder einmal ihre Ansprüche, auf Rückübertragung der beiderseitigen Überfahrtrechte, doch ohne Erfolg. Es vergingen weitere Jahre mit der komplizierten Situationen, die einen vernünftigen Fährbetrieb so nicht zuließ. Zwar versuchten die Pächter sich untereinander abzusprechen, aber dies war nicht so einfach und brachte auch Schwierigkeiten bei der Gleichstellung der Fährgäste mit sich.1832 schließlich hatte der preußische Staat ein Einsehen und unterbreitete der Stadt Linz ein Angebot, indem er das Fährrecht vom rechten zum linken Ufer gegen Zahlung einer jährlichen Rente übernehmen wolle.

Mit dem Vertrag vom 13. Oktober 1832 verpflichtete sich der preußische Staat zur Zahlung einer jährlichen Rente von 150 Talern und zur Einrichtung eine Gierbrücke, zur Erleichterung des Fährverkehrs zwischen Linz und Kripp. Dafür trat ihm die Stadt Linz ihre Jahrhunderte alte Gerechtsame ab, womit nun der preußische Staat das Recht zur beiderseitigen Überfahrt besaß.

Aus den Vertragsunterlagen, abgeschlossen zwischen den Linzer Fährpächtern und dem preußischen Staat, vertreten durch die Provinzialverwaltung Neuwied, ist unter den Pachtbedingungen zu entnehmen, das der neue Pächter bei Beginn der Pacht die dem Staat gehörenden Fährgerätschaften übernehmen musste. Diese wurden am Anfang und am Ende der Pachtzeit taxiert, die Differenz (Wertausgleich) musste der abgehende Fährpächter in bar ausgleichen.


Die 1848 gelieferte, hölzerne Gierponte, war mit einem Kostenaufwand von 10.000 Mark auf Staatskosten gebaut worden. Der abgehende Fährpächter Rahm Junior, der seit 1870 Fährpächter war, hatte die Fährgerätschaften mit einem Wert von 6.548,45 Mark übernommen. Zur Ausschreibung am 12.10. 1885 wurde der Wert der Fährgerätschaften auf 5.190 Mark taxiert, so dass Rahm Junior 1.358,45 Mark in bar als Wertausgleich zahlen musste.

Ab 1. Januar 1886 war der Schiffer Christian Lurz, der neue Pächter der Fähre. Er erhielt den Zuschlag auf 12 Jahre. Völlig unerwartet verstarb er, am 21.03.1890. Seine Frau, die Witwe Gertrud Lurz, geborene Hammerstein, stellte

daraufhin den Antrag, man möge Ihr das Pachtverhältnis erhalten, sie stelle den Schiffer Peter Gemünd aus Linzhausen als Fährmeister ein. Ihr Schwager, Simeon Lurz, der bisher schon immer auf der Fähre mitgefahren war, sollte ebenfalls als Fährmeister weiter dort tätig bleiben. Dem Antrag wurde nach Stellung einer Kaution von 7.500 Mark zugestimmt. Sie erhielt den Pacht-vertrag zum 01.01.1891 übertragen.

In einem Bericht des Hauptsteueramtes Neuwied wird erwähnt, das beide, Peter Gemünd und Simeon Lurz, das Rheinschifferpatent haben und somit als Fährmeister befähigt sind. Aus den Akten des Stadtarchiv Linz geht auch hervor, dass Simeon Lurz und die Witwe Lurz zu diesem Zeitpunkt zu gleichen Rechten Pachtteilhaber waren.

Im Frühjahr 1891 beschwert sich die Witwe Lurz über Simeon Lurz, er habe die Fähre sehr vernachlässigt. Der Wasserbauinspektor Bretting von der Strombau-verwaltung, der als Sachverständiger hinzugezogen wurde, weist die Beschwer-de als unbegründet zurück. Im Mai 1891 tritt der Schiffer August Römer aus Mühlheim / Ruhr als Brückenknecht ein. Auch er muss nachweisen, dass er ein Rheinschifferpatent besitzt.

1892 war der Zustand der hölzernen Gierponte altersbedingt höchst bedenklich geworden. Dazu kam, das die Einnahmen, seit dem die Witwe Lurz Buch führte, sehr niedrig ausgefallen waren. Für das Jahr 1890 gab sie an, sie habe seit dem Tod Ihres Manns nur 4.550 Mark eingenommen. 1891 seien es 7.202 Mark gewesen und in den ersten Monaten des Jahres 1892 bis zum Beginn der Vertragsverhandlungen wären es nur 2.623 Mark gewesen. Daher begann Sie mit der Provinzialverwaltung über die Beschaffung einer neuen Gierponte auf Staatskosten und über die Verlängerung der Fährpacht zu verhandeln.

Der Wasserbauinspektor Bretting befürwortet den Bau einer neuen Gierponte und zwar aus Eisen. Schließlich einigte man sich dahingehend, das die Witwe Lurz von der Zahlung des taxierten Minderwertes für die staatliche Ponte entbunden wurde, sie dafür aber eine eigene, eiserne Gierponte beschaffen solle. Der Pachtzins wurde auf 1590 Mark festgelegt und die Pachtzeit ab dem 01.01. 1893 um weitere 12 Jahre verlängert. Von einer Teilhaberschaft mit Ihrem Schwager Simeon Lurz, war in den Verträgen keine Rede mehr.


1893 (Eiserne Gierponte am Längsseil)

Im Juli 1893 war es dann soweit, die von der Pächterin Witwe Lurz fur 10.000 Mark (Goldmark) angeschaffte eiserne Ponte wurde durch die Strombauver-waltung abgenommen. Erklärend muss dazu gesagt werden, das nur der Rumpf aus Eisen war, das Deck und die Aufbauten bestanden weiterhin aus Holz. Durch den eisernen Rumpf war es nun möglich, die Ponte größer und leichter als ihre Vorgänger zu bauen, womit eine größere Tragfähigkeit erreicht und genügend Platz für Pferdefuhrwerke und Motorwagen geschaffen wurde.

Nach einem weiteren Umbau (1926), war dann auch ausreichend Platz für größere und moderne Lastkraftwagen vorhanden, so dass man bei dieser Gierponte tatsächlich vom Urahn der Linzer Autofähren sprechen kann.


AK: Wwe D. Brückmann, Linz / Rhein, Ansicht um 1904,

Quelle: Stadtarchiv Linz BA 1190


Die alte hölzerne Gierponte von 1848, die ja noch dem preußischen Staat gehörte, wurde ausrangiert und allein gelassen. Sie versank einige Zeit später in den Fluten des Rheins. Sie wurde am 17.07.1893 fur 54 Mark inklusive Inventar an einen Janssen versteigert. Was dieser damit anstellte, ist leider nicht über- liefert.

1896 und 1901 stellte die Witwe Lurz den Antrag, der Staat, vertreten durch die Strombauverwaltung, möge Ihr die eiserne Gierponte abkaufen, doch die Anträge wurden abgelehnt.

Bei dem am 30.08.1904 öffentlich angesetzten Termin zur Versteigerung der Fährpacht auf 6 Jahre fand sich kein Bieter, erst die Erhöhung auf 12 Jahre hatte Erfolg. Johann Kill aus Linz bot 1000 Mark, Alexander (Joseph) Lurz aus Linz-hausen (der Sohn der Witwe Lurz, den alle nur „Alex“ nannten), bot 1200 Mark und Johann Breuer 1250 Mark. Zuschlag erhielt „Alex“ Lurz aus Linzhausen

Johann Kill erhob dagegen Einspruch, er habe zum Ende hin 1300 Mark geboten, was der Versteigerer wohl überhört habe. Der Einspruch wurde vermutlich abgelehnt, jedenfalls findet sich dazu nichts in den Akten. Das Johann Breuer den Zuschlag nicht erhalten hat, konnte mit seinem Leumund und mit einem anonymen Beschwerdebrief zusammen hängen, der bei der Stadt Linz von einem Unbekannten eingereicht worden war.

In diesem wurde behauptet:

Am 25.07.1888 sei ein Fährnachen umgeschlagen und dabei ein Mann aus Kripp ertrunken.

Der Fährpächter Breuer soll dabei bis halbwegs Remagen abgetrieben sein.Er solle Betrunken gewesen sein und das er sich häufiger in diesem Zustand befinde. Es seien überhaupt traurige Verhältnisse bei der Fährponte, da der Pächter Lurz niemals nüchtern, sondern Tag für Tag von früh bis spät besoffen sei. Von den 3 auf der Ponte beschäftigten Leute seien meistens 2 zugleich betrunken.“

Der Absender dieser Mitteilung konnte nicht ermittelt werden und der Ober-steuerkontrolleur berichtete, das Klagen gegen Lurz bislang nicht erhoben worden seien. Der ebenfalls in dem Brief erwähnte Unfall sei auch nicht in einem Kahn der Fähre, sondern in einem Privatkahn passiert; ein nicht von Lurz eingestellter Mann namens Breuer habe über gefahren.


01. Januar 1914 (Pächter Albert Dörries)

Ab 01. Januar 1914 ging die eiserne Gierponte in den Besitz des neuen Pächters, dem früheren Lehrer und Wirt Albert Dörries aus Kripp über.

Er hatte bei der Ausschreibung im Mai 1913 den Zuschlag bei einer Gebotshöhe von 1200 Reichsmark (Jahrespacht) erhalten. Er verpflichtete sich gegenüber der Wasserstraßendirektion, binnen einer Frist von einem Jahr, die Gierponte in eine frei fahrende Fähre umzuwandeln sowie die dazu nötigen Uferbauten auf eigene Kosten auszuführen.

Weiterhin sollte er auch ein Motorboot zum Übersetzen von Personen halten.

Durch den Ausbruch des 1. Weltkriegs kam es aber nicht mehr dazu. Der Fähr-dienst wurde wegen der Verlegung der Kölner Schiffsbrücke nach Linz ausge-setzt. Dörries erhielt zwar eine Beteiligung am erhobenen Brückengeld und setzte bei geöffneter Brücke Personen mit seinem Motorboot über, doch waren die Einnahmen durch den Krieg und in den Folgejahren gering. Er konnte oder wollte die Auflagen auch in den Folgejahren nicht erfüllen. Im März 1915 wurde die Kriegsbrücke wieder abgebaut. Zu den ganzen Unwägbarkeiten, die der Fährbetrieb mit sich brachte, kamen in den späteren Kriegsjahren auch noch Materialprobleme hinzu. So beschwerte sich ein Fuhrunternehmer bei der Stadt Linz, das beim Auffahren auf die Gierponte sein Fahrzeug beschädigt worden und nur knapp einem Unfall entgangen sei und das nur, weil der Fährpächter Dörries unsachgemäß und fahrlässig gehandelt habe.

Dörries konterte dagegen, er hätte alles Menschen mögliche getan um ein Unglück zu verhindern und Schuld sei allein der Fahrer des Fuhrunternehmers, der grundsätzlich immer zu schnell auf die Ponte auffahre und auch diesmal zu schnell gefahren sei und so das Holzdeck der Ponte beschädigt habe, da das Deck alt und morsch sei. Schuld sei weiterhin die ausbleibende Versorgung mit geeignetem Ersatzholz für das Deck und wenn es mal geliefert wurde, sei es von so minderer Qualität, dass es nicht lange vorhalte. Wie sich die beiden geeinigt haben ist leider nicht überliefert.


April 1920 (Verpachtung an die Städte Linz und Remagen)

Ab April 1920 wurde die Rheinfähre an die Städte Linz und Remagen verpachtet. Dazu wurde die Linz-Kripp GmbH mit einem Gründungskapital von nur 14.000 Reichsmark gegründet. An Betriebsmittel standen die Gierponte und das Motorboot zur Verfügung. Auch der Linz Kripp GmbH, wurde von der Wasserstraßendirektion Köln (dem Nachfolger der Strombauverwaltung) die Auflage zur Anschaffung einer frei fahrenden Fähre gemacht. Seit in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhundert die ersten Dampfschiffe den Rhein befuhren und die traditionelle Treidelschiffahrt zu ersetzen begannen, wurde es immer wichtiger, die Behinderung des Schiffsverkehrs durch die vielen Gierseilfähren zu beseitigen. Auch die Linzer Gierponte machte da keine Ausnahme, da sie an der Ahrmündung verankert war und so das Fahrwasser, wenn die Fähre auf der Linzer Seite lag, für die Schifffahrt völlig gesperrt war. Immer wieder kam es vor, das Schiffe das Längsseil übersahen oder nicht mehr rechtzeitig stoppen konnten, so das das Seil oftmals riss und die Gierponte teilweise bis nach Remagen abtrieb. „Das Verlangen der Wasserstraßendirekt-ion, die Gierfähre am Längsseil in eine frei fahrende Fähre umzuwandeln, konnte bis 1926 nicht erfüllt werden, weil die finanziellen Mittel hierzu noch nicht vorhanden waren. Es erfolgte eine Einigung mit dem Wasserstraßenamt Köln dahingehend, dass Anstelle der Längsseilfähre eine solche am Querseil beschafft werden sollte. Dies bedeutete eine wesentliche Verbesserung in der Fahrmöglichkeit der Fähre, da diese dann auch auf der Linzer Seite liegen bleiben konnte.“


Aus dem Geschäftsbericht von 1925

Der Fährbetrieb musste wegen Eisgang vom 5. bis zum 12. Dezember 1925 und wegen Hochwasser vom 23. Dezember 1925 bis zum 07. Januar 1926 eingeschränkt, bzw. eingestellt werden. Eine Überholung der Fähre war beabsichtigt, konnte jedoch wegen des früh einsetzenden Verkehrs im Frühjahr nicht durchgeführt werden. Es soll dies im Herbste, bzw. Winter nachgeholt werden.“

Mit Schreiben vom 11. Dezember 1925 forderte das Wasserbauamt Köln, laut Vertrag vom 10.04.1920, die Gesellschaft auf, die Gierfahre durch eine frei fahrende Fähre zu ersetzen. Es wurden daher mit verschiedenen Werften und mit dem Wasserbauamt Verhandlungen eingeleitet, die allerdings noch zu keinem Ergebnis geführt haben.

Quelle: C2, E5, A4,A5 aus Band 3


Foto: Stadtarchiv Linz BA 208, Rheinfahrt, Querseilfähre 1930er Jahre (1932 - 1934)


21. Oktober 1926 (Erste Querseilfähre)

Von 1926 an setzte man mit viel Hoffnung auf die umgebaute^Querseilfähre. Sie ist als die eigentliche Vorläuferin der heutigen Motorfähren zu betrachten, weil sie schon damals Wagen und schwere Lasten übersetzen konnte. Ihre Größe reichte zwar gerade mal zum Transport eines Lastkraftwagens mit Anhänger und einem PKW. Im Vergleich zur Längsseilfähre konnte die Querseilfähre jetzt aber auch an der Linzer Fährrampe liegen bleiben, ohne dabei den Schiffsverkehr auf dem Rhein zu stören. Somit war die Grundlage für einen regelmäßigen Übersetzverkehr geschaffen.

Quelle: C3,E5,D5


Das Prinzip des Gierens blieb gleich, nur das die Fähre jetzt nicht mehr an einem Längsseil, sondern an einem quer durch den Rhein gespanntem Grundseil hing. Durch entsprechendes „fieren“ (lösen) der seitlichen Halteseile und durch setzen (heben oder senken) der Seitenschwerter wurde die Querseilfähre so von der Strömung von Ufer zu Ufer getrieben. Eine Überfahrt konnte so bis zu einer viertel Stunde dauern.

Im Zuge des Umbaus wurde die Fähre auch erweitert, das seitliche angebaute Wartehäuschen, wurde um 1m weiter nach außen über gebaut, sodass die Fahr-spur nun ebenfalls 1m breiter wurde. Damit wurde es nun auch möglich, moderne PKW und große Lastkraftwagen zu befördern.

Zu den Abmessungen der Fähre liegen leider keine Daten mehr vor, aber anhand der Bilder lasst sich die Größe ungefähr abschätzen: Die Fahrspur bot einem PKW und einem LKW mit Anhänger Platz, also kann man bei der Rumpfbreite von etwa 4-5 Meter und bei der Länge von ca. 20 Meter (ohne Fährklappe) ausgehen. Nach einer Garagenbauverordnung aus den 1920er wurden die Mindestbreite von Tiefgaragenstellplätzen für PKW mit 2,35 m vorgeschrieben.

Demzufolge können wir bei der Ponte eine Fahrspurbreite von ca. 2 – 2,5m annehmen plus seitlich einen Rand für die Deckaufbauten und schiffstech-nischen Einrichtungen, was somit eine maximale Deckbreite von ca. 4 Metern ergibt.

Quelle: C3,E5,D5 aus Band 3


Aus dem Geschäftsbericht von 1926 bis 1929

Die Ponte musste ausgefahren werden vom 19. bis zum 27. Juni 1926 wegen Hochwasser und vom 27. bis zum 29. Dezember 1926 wegen Eisgang.

Am 21. Oktober 1926 wurde der Betrieb am Querseil aufgenommen. Der Betrieb ist dadurch bedeutend erleichtert worden und die Betriebsart hat sich, wie zu erwarten war, recht gut bewährt.

Im Geschäftsjahr wurde die Fähre gründlich in Stand gesetzt,sodass sie jetzt in der Lage ist die größten Lasten befördern zu können. Das Wartehaus wurde um 1m über gebaut, wodurch die nutzbare Fläche der Fahrbahn gleichfalls um 1m breiter wurde.An der Warteraum wurde ein kleiner Abort angebaut.“

Quelle: A4, A5, A6 aus Band 3


Für das Geschäftsjahr 1927 wurde notiert:

Der Betrieb am Querseil hat sich weiter gut bewährt. Die Lebensdauer der Seile beträgt rund ein halbes Jahr. Die Fähre musste wegen Hochwasser ausgefahren werden am 2. März, vom 08. bis zum 14. April, vom 28. September bis 01.Oktober und vom 11. bis zum 15. November 1927, sowie wegen Eisgang vom 20. bis zum 23. Dezember 1927. Ebenfalls wurde in diesem Jahr die Fähre mit elektrischer Beleuchtung (Akkumulatorenanlage) versehen.“

Quelle: A4, A7 aus Band 3


Im Geschäftsjahr 1928 wurde notiert:

Die Fähre musste wegen Hochwasser ausgefahren werden vom 27. November bis zum 02. Dezember 1928 und wegen Eisgang vom 02. Februar 1928 bis 05. März 1929. In dieser Zeit wurde der Personenverkehr mit einer kurzen Unter-brechung durch Motorboote aufrecht gehalten, sodass auf der Strecke zwischen den Brücken in Bonn und Koblenz nur in Linz die einzige Übersetzmöglichkeit bestand, da alle anderen Fähren den Betrieb vollständig eingestellt hatten.“

Quelle: A4, A8 aus Band 3


15. Dezember 1937

Am 15. Dezember 1937 schlug für die vertraute Querseilfähre die letzte Stunde.

                Foto: Verlag Gertrud Schäfer, Linz, Aufnahme ca. 1932-1935


Rede von Stadtbaurat i.R. Walter Fuchs:


"Entwicklung der Rheinfähre Linz-Kripp"

Die im Jahre 1848 gelieferte hölzerne Fahre tat ihren Dienst bis ins Jahr 1893, wo die Pächterin Wwe. Lurz in Linzhausen eine neue eiserne Ponte beschaffte, die 10.000 Mk kostete. …

... im Jahre 1921 wurde die Fähre dann an die beiden Städte Linz und Remagen verpachtet, die hierzu die heute bestehende GmbH mit einem Kapital von 14.000Mk gründeten. Die Fährgeräte bestanden damals aus der Fähre selbst und dem kleinen Motorboot.

An Betriebsmittel besaß die GmbH so gut wie nichts und musste dauernd mit Bankkredit arbeiten. Hierzu kam noch die Inflation und im Dezember 1923 ersuchte die Städtische Sparkasse Linz die Abdeckung des Schuldensaldos von 123.233.124.000.000.Mk. Es wurde nun zunächst eine kaufmännische Buchführung eingerichtet, die Fähreinnahmen mussten täglich abgeliefert werden und wurden an die Stadtsparkasse eingezahlt, so dass langsam eine Besserung in den finanziellen Verhältnissen eintrat. Durch die Mehreinnahmen und Über-schüsse im Laufe der Jahre war es dann möglich, auch die technischen Betriebs-mittel zu vervollkommen und zu vermehren. 

Das Verlangen der Wasserstraßendirektion, die Gierfähre am Längsseil in eine frei fahrende Fähre umzuwandeln, konnte nicht erfüllt werden, weil die Mittel hierzu noch nicht vorhanden waren. Es erfolgte eine Einigung mit dem Wasserstraßenamt Köln dahingehend, dass anstelle der Längsseil-Fähre eine solche am Querseil beschafft werden sollte. Dies bedeutete eine wesentliche Verbesserung in der Fahrmöglichkeit der Fähre, da diese jetzt auch auf der Linzer Seite liegen bleiben konnte. Mit dieser Verbesserung ging Hand in Hand die Anschaffung zwei größere Motorboote. Auf der Kripper Seite wurde eine Schienenanlage geschaffen, um Boote aus dem Wasser zur Vornahme von Instandsetzungsarbeiten herausziehen zu können. Auf beiden Seiten wurden Beleuchtungsanlagen geschaffen, so dass der Betrieb auch bei Dunkelheit und auch wahrend der Nacht aufrecht erhalten werden konnte. Linz war die einzige Fähre, auf der man auch zur Nachtzeit übersetzen konnte. Außer dem Fähr-betrieb selbst beteiligte sich die Fährgesellschaft an anderen Unternehmungen, die zum Vorteil der Fähre gereichten. So wurde bei der Anlage des Strandbades Sinzig, gegenüber Leubsdorf, eine Mtorbootverbindung zwischen Linz und Strandbad und eine Fährverbindung zwischen Strandbad und Leubsdorf eingerichtet.


Aus der Geschichte der Rheinfähre Linz-Kripp

von Josef Siebertz (Stadtarchivar)


Die 1848 gelieferte hölzerne Fähre blieb bis 1893 in Betrieb, als die Pächterin Wwe. Christian Lurz eine neue eiserne Ponte für 10 000 Mark anschaffte. Der Schiffer Christian Lurz aus Linzhausen trat ab 1. Januar 1886 als Fährpächter auf. Nach seinem Tod übernahm seine Witwe vom 1.1.1891 bis 31.12.1904 den Fährdienst.

1920 wurde die Fähre an die Städte Linz und Remagen verpachtet, welche eine GmbH mit einem Kapital von 14 000 Mark gründeten. Die Fährgeräte bestand-en damals aus der Fähre selbst und einem kleinen Motorboot. Da die GmbH keine Betriebsmittel hatte, musste sie mit Bankkredit arbeiten. Im Dezember 1923 hatte sie 123 233 124 000 000 Mark Bankschulden. Nach der Inflation besserten sich die Verhältnisse.

Es war nur möglich, die Gierponte mit dem Längsseil in eine frei fahrende Fähre umzuwandeln; vorerst wurde eine solche mit einem Querseil angeschafft, so dass die Ponte auch am Linzer Ufer liegen bleiben konnte. Dazu kam dann die Anschaffung von 2 größeren Motorbooten. Da an beiden Ufern eine Be-leuchtungsanlage geschaffen wurde, war ein Betrieb auch nachts gewährleistet. Linz war die einzige Fähre am Mittelrhein, auf der man in der Dunkelheit übersetzen konnte.

Zur Verbesserung des Verkehrs zwischen Remagen und Kripp setzte man ein planmäßiges Motorboot ein. Auf die Anschlussverbindungen mit Sinzig und Remagen wurde großer Wert gelegt. Die GmbH konnte dadurch einen guten finanziellen Erfolg verzeichnen.


Seit 550 Jahren ist die Rheinfähre Brücke zwischen Westerwald und Eifel 1995

von Hermann Josef Fuchs


1893 schaffte die Pächterin Witwe Christian Lurz fur 10.000 Mark eine Eisenponte an. Das erste Motorboot läutete 1905 die technische Neuzeit ein. Von 1914 bis 1930 war Albert Dorries aus Kripp Fährpächter. 1920 wurde die Rheinfähre an die Städte Linz und Remagen verpachtet. Am 29. April erfolgte im Gebäude der Villa Nagel in Kripp die Gründung der Fährgesellschaft mit Eintragung im Register des Amtsgerichtes in Linz. Die Bürgermeister Dr. Paul

Pieper (Linz) und Josef Froitzheim (Remagen) besiegelten mit Unterschrift das Vertragswerk zwischen beiden Städten.

Von 1926 an setzte man mit viel Hoffnung auf die Querseilfähre. Sie ist als die eigentliche Vorläuferin der heutigen Motorfähren zu betrachten, weil sie schon damals Wagen und schwere Lasten übersetzen konnte.

Am 15. Dezember 1937 schlug für die vertraute Querseilfähre die letzte Stunde. Von der Fährgesellschaft Bad Honnef hatte man die Motorfähre „Franziska" erworben. In den schweren Kriegsjahren hat sie so manches Schicksal gesehen

und wurde manchem zur letzten Brücke. Die Franziska erhielt beim Bomben-angriff am 9. Februar 1945 einen Volltreffer. Dabei fanden der Fährmeister Peter Valentin, seine Ehefrau und weitere 16 Kripper Bürger den Tod.

Die Jahre des Zusammenbruchs wurden zu einem traurigen Kapitel in der Fährgeschichte. Nach den Kriegswirren erfolgte der Übersetzverkehr von Personen mit einem Nachen. Die französische Militarregierung genehmigte nur den Bau einer Querseilfähre. Der Neubau wurde bei der Firma Hilgers in Rheinbrohl in Auftrag gegeben.



Hochwassernotkapelle

von Willy Weis & Hildegard Funk


Eine kleine wunderschöne Kapelle in den Maßen von 6,87 m Länge und 4,25 m Breite ziert das Kripper Grundstück Quellenstraße 101, unmittelbar gegenüber der Einmündung Voßstraße gelegen. Grund für die Erbauung dieser Kapelle auf dem Hochpletau bei 66,2 NN war das Hochwasser, da die ehemalige Kripper Kapelle (Johannessaal genannt), die im Geburtsjahr Napoleons 1769 auf einer Meeresspiegelhöhe von 58,20 Meter errichtet, des öfteren von Hochwasser überflutet wurde. Dieser ehemalige Johannessaal in der Quellenstr.34 dient heute als Wohnhaus. 



Foto: W.Weis 2010

Der Überlieferung und den wenigen vorhandenen Unterlagen nach soll das kleine sakrale Bauwerk als Hochwassernotkapelle durch eine Stiftung des Grafen Spee von Schloss Ahrental den Krippern zur Unterbringung des Aller-heiligsten während des bei Hochwasser überfluteten Johannessaales ab 1845 in einer fünfjährigen Bauphase errichtet worden sein, damit die Kripper auch in Notzeiten ihren Gottesdienst verrichten konnten. Auf Verlangen der Kripper Gläubigen an den Remagener Pfarrer und Denfinitor Windeck, eine kleine Kapelle zur Aushilfe in den Zeiten der Not zu Kripp zu errichten, erhielt dieser zwei Wochen nach seiner Anfrage von dem hochwürdigsten Herrn Bischof die Erlaubnis zur Grundsteinlegung, die am 8. September 1845 durch den Remagener Vikar Schauppmeyer, stellvertretend für den an einem Schwächean-fall erkrankten Herrn Definitor Windeck erfolgte. 



Nebst einer knappen Baubeschreibung meldete am 7. Dezember 1846 Vikar Schauppmeyer der bischöflichen Behörde den Vollzug des Kapellenbaues. Auf die Anfrage des Bischöflichen Generalvikars vom 18.12.1846 über Einzelheiten dieses Kapellenbaues teilte Dechant Klein des Dekanates Ahrweiler zu Nieder-breisig am 7. Januar 1847 informationshalber mit, „...daß die Kapelle noch nicht fertiggestellt sei. Neben den Fenstern, der Türe, einem ordentlichen Fußboden fehle noch die gesamte Inneneinrichtung. Die Unterhaltung des Baues sei keineswegs gesichert und müsse durch Beiträge geschehen und die Übertragung des Bodens, auf dem sie errichtet wurde, sei nicht durch einen rechtsgültigen Akt geschehen. Sie sei darüber hinaus zu klein (Maximum 20- 30 Personen fassend) und des-halb ungeeignet, darin das hl. Messopfer darzubringen. Der Kripper Gemeinde könnte sie höchstenfalls als Heiligenhäuschen dienen.“

Daraufhin sah sich der Remagener Pfarrverwalter Schauppmeyer veranlasst, am 11.1.1847 das Bischöfliche Generalvikariat über die näheren Umstände des Baues dieser neuen Kripper Kapelle zu berichten und 4 Tage später einen geschlossenen Vertrag über den Ankauf des Bodens, auf dem die Kapelle errichtet ist, zu übersenden. Am 2. Januar 1849 wurde dem Remagener Pfarrer Knoeppel durch Generalvikar Martini des Bischöflichen Generalvikariats in Trier die vom 23.Dez.1848 erbetene Erlaubnis der Einsegnung der Kapelle „und das hl. Messopfer darin in dem Falle darzubringen, wo dieses in der alten Kapelle nicht geschehen kann" erteilt, jedoch unter dem Aspekt, dass sich die Ortsgemeinde Kripp schriftlich zur Bauunterhaltung verpflichtet. 


Das in der Kapelle meines Hauses Ahrenthal befindliche Altärchen mache ich der Gemeinde Kripp
zu ihrer neu erbauten kleinen Kapelle hierdurch zum Geschenk.
Düsseldorf den 15. Mai 1848.
gez. Graf Spee

(Kopie Slg. Weise/Funk


Mit Schreiben vom 1.1.1847 des Kripper Gemeindevorstehers Hertgen verpflichtete sich die Ortsgemeinde Kripp, für den Unterhalt der neuen Kapelle Sorge zu tragen. 1) Der in der neuen Kapelle zu installierende Altar wurde am 15.Mai 1848 von dem Grafen von Spee gestiftet. 2)

Mit der Fertigstellung übernahm die kleine zu Ehren der „schmerzhaften Muttergottes“ geweihte Notkapelle bei Hochwasser stellvertretend die Funktion des Johannessaales als Gotteshaus, damit dem starken religiösen Bedürfnis der Kripper Gläubigen auch und gerade während Katastrophenzeiten Rechnung getragen werden konnte, denn am „1850, 4. Febri stand der Rhein wieder in der Kirche" (Johannessaal)

Letzmalig wurde am 30. Nov. 1882 das Allerheiligste bei einem Hochwasserstand in der Kapelle von 80 cm (Bonner Pegelstand 9,30 m) mit einem Kahn aus dem Tabernakel der Johanneskapelle geholt und in für die eigens dafür an einer hochwasserfreien Stelle errichteten Hochwassernotkapelle verbracht. Einem Eintrag im Kirchenbuch "Ein Glöckgen ins Kapellgen an Schäfer Sinzig" zufolge wurde die Notkapelle am 18. Mai 1871 mit einer Glocke für 5 Taler, 1 Sgr und 8 Pfg ausgestattet. 3)

Mündlichen Überlieferungen nach befand sich bis vor dem Ersten Weltkrieg auf der Außenwand der Kapelle in großen Lettern der einladende Spruch:

"BEVOR DU SETZEST HIER EINEN FUSS,
ENTBIETE DER HL. FAMILIE EINEN GRUSS“


Hauptstraße um 1900. Die Kapelle befindet sich zwischen den beiden Bäumen


Bis zum Ausbau der Quellenstraße um 1967 standen rechts und links neben der Kapelle zwei riesige Bäume, die im Zuge des Ausbaues der neuen B 266 weichen mussten.

Mit der Zeit verwitterte die Kapelle langsam vor sich hin, da keiner sich wegen unklarer Eigentumsverhältnisse für die Instandhaltung verantwortlich fühlte. Erst bei einer Erbauseinandersetzung wurde klargestellt, dass die Stadt Remagen Eigentümer der Kapelle der Quellenstraße Nr. 101 ist, worauf der Ortsbeirat die Instandsetzung beantragte und ein Kapellenbauverein in Erwägung gezogen wurde.

Das Aufnahmejahr des Fotos liegt vor 1960, Renovierungsjahr 1977

Von uns angestellte Recherchen ergaben, dass die „innen wie außen an der Kapelle wertvollen Gemälde aber derart stark in Mitleidenschaft gezogen waren, so dass man fast von einer Vernichtung sprechen konnte. Alleine die Restaurierungskosten dafür wurden damals mit 7.000 DM veranschlagt“.4)

Durch mündliche Angaben von Zeitzeugen ist bekannt, dass die Ausmalung der Kapelle vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges von dem Kripper Kunstmaler Felix Lüttgen begonnen wurde, jedoch durch Kriegseinberufung des Künstlers erst nach Kriegsende fertiggestellt wurde. Des weiteren, dass die halbrunde 
Gewölbedecke der Kapelle als oberer Abschluss in himmelblau mit gelben Sternen ausgemalt war, die bei der Renovierung 1977 übertüncht wurde und teilweise bei der letzten Renovierung 1995 zum Vorschein kam. 5) 

Nach neueren Recherchen dürften die damaligen wertvollen Innen- und die Außengemälde von Felix Lüttgen und und seinem Künstlerfreund Ewald Mataré, dem späteren Professor der Düsseldorfer Malerschule, der sich der damaligen Not gehorchend nach dem Ersten Weltkrieg in Kripp seinen Lebensunterhalt durch künstlerische Arbeiten verdiente, geschaffen worden sein. So auch das Rundgemälde über dem Eingang. Nach Angaben von Zeitzeugen soll dieses schon immer dort gewesen sein. 1977 erfolgte eine umfangreiche Renovierung des kleinen sakralen Bauwerkes. Dabei wurde das in einem runden Steinrahmen über der Eingangstüre befindliche verblichene Bildnis der Hl. Familie von dem zugezogenen Kripper Maler Negenborn restauriert. 6)

1995 wurde eine umfassende Sanierung der Kapelle auf Initiative des Bürger-und Heimatverein Kripp e.V. durchgeführt. 

1995 wurde eine umfassende Sanierung der Kapelle auf Initiative des Bürger-und Heimatverein Kripp e.V. durchgeführt. Wegen aufsteigender Mauerfeuchtigkeit wurde zur Gebäudesubstanzsicherung eine Horizontalisolierung mit thermisch flüssigen Wachs im drucklosen Verfahren durchgeführt. Zu diesem Zwecke musste der nicht konsekrierte Altar vollständig abgerissen werden. Dabei kam eine alte verdeckte unkonsekrierte Altarweiheplatte aus weißem Marmor mit einer unbenutzten Reliquien-einlassmulde zum Vorschein. 

Wegen einer bisher unbemerkt gebliebenen akuten Einsturzgefahr während den Sanierungsarbeiten musste unvorhergesehen der marode Dachstuhl dringend erneuert werden. Der starke Holzwurmbefall dürfte aus der Neuverschalung des Dachstuhles 1977 mit unbehandelten Holzschwarten zurück zu führen sein, wobei der Holzwurm ins Gebälk eingeschleppt wurde. Zur Vermeidung von Erschütterungen und der damit verbundenen Gefahr des Deckeneinsturzes musste im Schraubverfahren eine neue Dachstuhltragkonstruktion der alten Dachstuhlkonstruktion beigelegt werden. Nach Abschluss der Dachdecker-arbeiten in Naturschiefer durch die Remagener Dachdeckerfirma Röhrig erfolgte die Innen-und Außenrenovierung.

Das über der Eingangstüre befindliche stark verwitterte Rundgemälde der Hl. Familie von 2 m Durchmesser, deren offizielle Restaurierungskosten damals mit 12.000 DM veranschlagt wurde, wurde vom Verfasser in seiner damaligen Eigenschaft als 1. Vorsitzender des hiesigen Bürger-und Heimatvereines der Kosten wegen erneuert. Die im roten Sandsteinton gehaltenen Fensterfaschen wurden mit einem anthrazitfarbenen Begleitstrich umgeben, der sich von der in Alabasterton gehaltenen Innenhaut aus denkmalverpflichtender Silikatfarbe unaufdringlich nuanciert. Erhellt wird der Innenraum an den Längsseiten durch je zwei gegenüberliegende Rundbogenfenster mit rautenförmiger schlieriger Bleiverglasung, die 1977 von Frau Käthe Schumacher gestiftet wurden. 


Fresko vor der Restauration 1985

Die neuerliche fast zehnmonatige Gesamtrenovierung in den Jahren um 1995 durch den hiesigen Bürger-und Heimatverein belief sich mit einem Kostenaufwand von annähernd 30.000 DM. Die finanziellen Mittel wurden aus Erlösen der Gemeinschaftsveranstaltung „Rhein in Flammen“ der Kripper Ortsvereine unter der Regie des Kripper Bürger-und Heimatvereines gesammelt. Der fehlende Restbetrag wurde von beherzten Spendern sowie Zuschüssen der Katholischen Frauengemeinschaft aus Erlösen der Weihnachtsbasare 1997 und 1998, der Stadt Remagen und des Kripper Bürger-und Heimatvereines e.V. getragen.

Im Jahre 2014, fast 20 Jahre nach dieser Sanierung wurde eine erneute Mauerwerkssanierung im Erdbereich seitens der Stadt Remagen durchgeführt.


Fresko nach der Restauration 1995

Die Kapelle, von der Ortsbevölkerung liebevoll "et Kapellche" genannt, dient der Marienverehrung und ist der "Schmerzhaften Gottesmutter" geweiht. Öffnet man die verglaste, mit einem geschmiedeten Schutzgitter versehene Holzeingangstüre, so fällt der Blick unausweichlich auf den Altar in der Apsis, der mit einer recht ausdrucksvollen "Muttergottesstatue mit göttlichem Kind" ausgestattet ist, vor der täglich eine Anzahl von Gläubigen Kraft und innere Ruhe bei einem Gebet finden.

Über die genaue Herkunft dieser aus einem hohlen Stamm geschnitzten und unproportional wirkenden colorierten Muttergottesfigur sowie des Künstlers gibt es zwei verschiedene unbestätigte Versionen. 


Während eine Version eine Schenkung im Zeitraum um 1980 von einem unbekannten Holzschnitzer als Dank und Anerkennung der Gemeinde Kripp darlegt, da man ihn in Kripp während seiner Notzeit als Obdachloser nicht abgewiesen hätte, spricht eine zweite Legende für eine Stiftung des in Kripp im ehemaligen Sanatorium bei Dr. Karsten wohnhaften Bildhauers Hans Preiss. Genaueres blieb leider bisher unbekannt. Vorher stand einem Foto zu Folge auf dem Altar eine weiße Muttergottesstatue aus Porzellan. Bei dem vorgehängten colorierten Altarbild aus Holz mit dem Bildnis "Kaiser Karl V." als Einsiedler vor dem Kruzifix kniend, zu Füßen Krone und Schild" dürfte es sich von den Maßen 182 x 80 cm nach entsprechend um das im ehemaligen Johannessaal befindliche Antipendium aus der Zeit um 1770 handeln, dass nach einem Altarbrand anno 1802 entfernt wurde. 7) 

Über eineinhalb Jahrhunderte und zweier Weltkriege hat sich dieser kleine Kultraum zum Beten Generationen von Gläubigen als begehbare Andachtsstätte unmittelbar an der heute pulsierenden Bundesstraße 266 und gegen die Hektik der heutigen Zeit behaupten können. Anwohner der Nachbarschaft und einige Ortsbewohner sind stets um die Pflege und Erhalt ihrer Hochwasserkapelle bemüht.

Viele Ortsbewohner benutzen den "für in Zeiten der Not zu Kripp" gedachten Kapelleninnenraum für eine kurze Rast, um hier Einkehr und Ruhe zu finden. Auch heute noch deuten brennende Kerzen auf Besucher hin, die täglich diesen Ort der Ruhe zum Verweilen aufsuchen. Eine kleine Kapelle, die dem Besucher Einkehr zur Besinnung und Meditation bietet. Mögen hier Besucher weiterhin Schutz, Andacht und Besinnung finden.



Quellen:
1) Bistumsarchiv Trier, Abtlg.70, Faszikel Nr.5113 ,5114 -Schriftwechsel zwischen Bischöflichen Generalvikariat und Pfarrei; hier: weltliche und geistliche Verwaltung)
2) Kopie beim Verfasser
3) Manual für die Kapelle zu Kripp 1830-74, Kath.-Pfarrarchiv Kripp
4) ZA, General-Anzeiger 13.10.77
5) Michael Schumacher+, Walter Lüttgen+, beide Kripp
6) mündliche Angaben von Frau Eva Marie Adamek
7) Geschichte der zum ehemaligen kölnischen Ahrgaudekanat gehörenden Pfarreien der Dekanate Adenau, Ahrweiler und Remagen., Pfarrer Peter Schug, Trier 1952


Hausinschriften und Hausmarken


von Willy Weis & Hildegard Funk


Hausinschriften

auch Hofmarken oder Merkzeichen, waren im Mittelalter bis zur Frühneuzeit übliche persönliche Rechtszeichen, die immer an eine Person oder an Hofbesitz gebunden zur Bestätigung von Rechtsgeschäften genutzt wurden, als die Kommunikation noch eine andere war. Neben den Unterschriftszeichen auf Urkunden und Quittungen dienten sie auch zur Kennzeichnung der festen und fahrenden Habe des damaligen Zeicheninhabers. Daher wurden Hausmarken häufig ins Fachwerk von Giebeln oder Türstürzen an Häusern und Scheunen eingeschnitten. Sie wurden erst um 1800 durch die persönliche Unterschrift, oder wie bei Schreibunkundigen durch die berühmten, jedoch der Verarmung darstellenden drei Kreuze ersetzt. 1)

Nebenher besteht noch die berechtigte Annahme, dass neben der eigentlichen Aussage über Besitztum diese Inschriften an den eher ärmlichen schmucklosen Fachwerkhausfassaden von der ländlichen Milieu geprägten Bevölkerung auch als Fassadenschmuck angesehen wurden.

Eine solche Inschrift, die neben der Hausmarke die Namen der Erbauer und die Jahreszahl der Errichtung angibt, befindet sich in einem stichbogenartigen Querbalken des ehemaligen Scheunentores des Fachwerkhauses Quellenstr. 56.


obiger Balkentext in Schriftdarstellung nach Willy Weis 2012



Archiv Weis/Funk

Das Datum der Balkeninschrift vom 3. November 1814 verkündet stolz das Ereignis der Vollendung des Neubaues oder den Einzug in demselben. Die eigentliche Spruchaussage fehlt jedoch. Ein kleiner Teil von unleserlichen Schnitzereien wurde in einem Balken an anderer Stelle gefunden. Es kann davon ausgegangen werden, dass ein solcher, wie damals infolge Armut üblich, wegen Umbau als brauchbarer Balken an anderer Stelle in Teilen Wiederverwendung fand. 

Anhand des Kirchenbuches konnte nachvollzogen werden, dass der Erbauer dieses Hauses Heinrich SIEBERZ, SIBERZ, SIBERTZ aus Leubsdorf stammte. Sein Geburtsjahr ist im Kirchenbuch nicht vermerkt, jedoch anhand des eingetragenen Sterbetages 31.12.1846 (Kripp) und des Sterbealters von 84 Jahren konnte das Geburtsjahr 1762/63 ermittelt werden. Folglich konnte in Erfahrung gebracht werden, dass Heinrich S. dieses Haus als 52jähriger mit seiner zweiten Frau Eva (55 Jahre) für seine Familie errichtete.
In erster Ehe heiratete er am 7.2.1792 im Alter von 30 Jahren eine Gertrud KIRSCHBAUM aus Kripp, die am 6.12.1795 verstarb. (Trauzeugen: Matthäus Rick/ Johann Braun). Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor. (Lorenz,*18.11.1792 / + 1842) und (Elisabeth, *9.11.1794 bis + 23.10.1869)
Vier Jahre danach heiratete der Witwer in zweiter Ehe eine Anna Eva BRANDENBERG, BRANGENBERG aus Hohn, die am 6.5.1827 im Alter von 68 Jahren in Kripp verstarb. Das Geburtsjahr wurde um 1759 ermittelt.
Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor, die jedoch leider schon im Kindesalter starben. (Maria Gudula,*16.9.1797, +19.3.1800, Maria Gudula, *30.8.1800, +3.11.1806 und Helene, *9.11.1804, +10.8.1806)


Die noch lebenden beiden Kinder aus erster Ehe waren beim Einzug 22 Jahre (Lorenz) und Elisabeth 20 Jahre alt. Der Sohn Lorenz heiratete erst 1828 eine Maria Magdalena Schäfer und die Tochter Elisabeth 1826 einen Peter Josef Dahm. 2)

Auf Grund der Größe des Hauses kann davon ausgegangen werden, dass die Kinder bis zu ihren Hochzeiten im Elternhaus logierten. Dieses liebevoll gepflegte Haus, das vormals dem ehemaligen Zeitzeugen Michael Schumacher (*1902, +2000) als Elternhaus diente, blieb bis heute nach fast 200 Jahren im großen und ganzen äußerlich im Original der Urform erhalten.

Bei diesem Haustyp handelt es sich um ein giebelseitig zur Straße hin ausgerichtetes rationelles, den kleinbäuerlichen Lebensformen und landwirtschaftlichen Notwendigkeiten angepasstes Wohn- und Wirtschafts-gebäude in Fachwerkausführung mit einer nach Osten hin rechtwinklig angebauten Scheune. Ein damals ortstypisches und zweckmäßig ausgerüstetes Ackerbürgerhaus in etwas größerer Ausführung, das als Ausdruck eines gewissen behäbigen Ortswohlstandes der damaligen unteren Sozialschicht, deren Lebensverhältnisse die Kripper Normalität darstellte.

Viele dieser Fachwerkhäuser, insbesondere auf der Quellenstraße, angefangen von der Mittelstrasse Richtung Rhein, existieren zwar heute noch im Grundriss der einzelnen Bauepochen, haben jedoch stilistisch ihr äußeres Aussehen ursprünglicher Form durch laufende Aus- und Umbaumaßnahmen zur zweck-mäßigen Anpassung an die Neuzeit stark verändert. So wurden z. B. im Laufe der Zeit die ehemaligen Fachwerkfassaden wegen der laufenden Pflege einfachheitshalber unter Putz versteckt, obwohl die Gestaltung einiger Häuser äußerlich die typische Stilform des 18. bzw. 19 Jahrhundert erkennend wiedergeben oder verschiedenartigster (heterogener) Baubestand aus mehreren Entwicklungsperioden erkennen lassen. Die meisten Inschriften gingen dadurch der Nachwelt verloren. Nur wenige Fachwerkhäuser haben es durch intensive Renovierung über die Zeit gebracht. Noch so manches Fachwerkhaus wartet geduldig auf seine Freilegung.

Hausmarken.

Des Weiteren war es in den vorigen Jahrhunderten bis zur Anlegung des Katasters üblich, seine Revieransprüche durch Grenzsteine kenntlich zu machen. Um den Besitztum zuzuordnen wurden die Grundstücke mit damaligen Hausmarken versehenen Grenzsteinen an den Eck-bzw. Messpunkten durch „Steingeschworene“ im Beisein eines Schöffen abgesteckt. Diese vereidigte Personen hatten ihr Amt wie geschworen, bei Grundstücksstreitigkeiten und Vermarkung verantwortlich auszuüben.

Eine solche Abbildung von Hausmarken auf Grenzsteinen ist unter einem Testament von 1777 der Kripper Eheleute Hermann TEMPEL (Gastwirt und Schiffer, + 8.1.1778), der am 27.9.1729 die Tochter Elisabeth des Kripper Pioniers Johann BREW(U)ERS heiratete, ersichtlich. Elisabeth TEMPEL, geb. Brewers, die als „Erstgeborene“ von Kripp 1795 im Johannessaal bestattet wurde, hatte mit ihrem Ehemann als Hausmarke den Kapellengrundriss mit ihren Initialien gewählt. 3)

EB steht für Elisabeth Brew(u)er, HT für Hermann Tempel.
Unter dem Testament findet sich ein Hinweis auf die Hauszeichen „Die zwey Felder seyens gezeichnet mit zwey Merkstein (Markstein?) worauf gehauen“. 


LHAKO635/179 - nach Zeichnung Willy Weis

Quellen:
1) HJB Kreis Ahrweiler „Hausmarken von Bodendorf“, Dr. K. August Seel)
2) Familienbuch der kath.Pfarrei Skt. Peter und Paul Remagen 1649-1899, Dr. Hentschel, 2007. S.698
3) Familienbuch der kath.Pfarrei Skt. Peter und Paul Remagen 1649-1899, Dr. Hentschel,. 2007, S.719
4) LHAKo 635/179



Kriegsende 1918


von Willy Weis & Hildegard Funk


Rückzug deutscher Truppen durch Kripp.

Der 1. Weltkrieg endete als verlustreicher und erschöpfender Stellungskrieg an der Westfront, wobei die Stellungen manchmal nur eine Handgranatenwurfweite entfernt waren mit einem Waffenstillstandsabkommen am 11. November 1918, auf Grund der aussichtslosen militärischen Lage Deutschlands unter Anerken-nung der militärischen Niederlage.

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Der Nymbus der Deutschen Unbesiegbarkeit war nun dahin. Mit der Abdankung des Deutschen Kaisers Wilhelm II. am 9. November 1918 und seinem anschließenden immerwährenden Thronverzicht am 28. gleichen Monats aus seinem holländischen Exil Doorn endete nach 503 Jahren die Hohenzollerndynastie und mit ihm als letzter Thronfolger der preußischen Königs-und deutscher Kaiserwürde die Monarchie in Deutschland.
Gemäß den am 11.11.1918 geschlossenen Waffenstillstandsbedingungen der Alliierten mit der deutschen Verhandlungsdelegation unter Leitung des Reichstagsabgeordneten Matthias Erzberger in einem Eisenbahncoupé im Wald von Compiegne in der französischen Picardie hatten sich die deutschen Truppen sofort aus den besetzten Gebieten Belgien, Frankreich und Luxemburg zurückzuziehen. Außerdem wurde das linke Rheinufer einschließlich der rechtsrheinischen Brückenköpfe bei Köln, Koblenz, Mainz und Kehl entmilitarisiert und musste bis zum 5. Dezember 1918 von deutschen Truppen geräumt sein, zusätzlich einer 50 km breiten entmilitarisierten rechtsrheinischen Zone, in der weder deutsche Wehrmacht noch militärische Befestigungsanlagen unterhalten werden durften.

November-Revolution
Für die Kripper brach nun politisch eine neue Zeit an, an die sie sich von nun an zu gewöhnen hatten. Es gab keinen Kaiser mehr! Die Bildung einer Räterepublik nach dem Kaiserreich vollzog sich im Kreisgebiet eher ruhig. Revolutionäre Exzesse wurden im Ahrkreis nicht bekannt. Die eher von der wilhelminischen Gesellschaftsprägung und der preußischen Tradition verhaftete Ortsbevölkerung standen der jungen Republik skeptisch gegenüber. Der Wunsch nach Frieden überwog dem revolutionärem Gedankengut.
Die Aufgabe der gebildeten Räte bezog sich hier nur auf den geordneten militärischen Ablauf der Waffenstill-standsvereinbarungen.



Zurückweichende deutsche Truppen zum Uferwechsel in Kripp

in Höhe der ehemaligen Villa Nagel.



Rückzug deutscher Truppenkontingente in Kripp, Höhe Rheinufer Villa Nagel,
heute Quellenstr.1


Die aus dem Kriegsgebiet zurück flutenden niedergeschlagenen Truppenteile der deutschen Armee überfüllten ab der dritten Dekade im November 1918 die Straßen Kripps, um vereinbarungsgemäß im geordneten Rückzug - wenn auch die Verbände teils schon in völliger Auflösung begriffen - auf das rechte Rheinufer zurückzuweichen.

Die Moral der auf dem Rückzug befindlichen deutschen Truppen war voller Bitterkeit über die Kapitulation auf dem Tiefstpunkt angelangt. Während des Durchzuges scharten sich Kripper um Soldaten, die zu Schleuderpreisen noch vorhandene Restgegenstände von brauchbaren Wehrmachtsgut zur Auf-besserung ihres Soldes illegal feilboten. Sie wurden vor dem Übersetzen auf das rechte Rheinufer von der Kripper Bevölkerung auf den letzten Metern des linken Rheinufers mit Girlandenschmuck und Fahnen in Höhe der Villa Nagel verabschiedet. 

Girlandenschmuck zum Abschied der deutschen Truppen zwischen der ehemaligen Villa Nagel und der ehemaligen Dampfwäscherei


Laufende Einquartierungen der zurückziehenden deutschen Truppen nach dem Waffenstillstandsvertrag bestimmten vom 11.11. bis 3.12.1918 in Kripp den Tagesablauf. Der Schulunterricht wurde während dieser Zeit wegen Ein-quartierungen in den hiesigen Schulräumen zur Freude der Kinder eingestellt.
Die Quartiersentschädigungshöhe pro Tag betrug 1,46 Mark für Offiziere, 0,15 Mark für Mannschaften und 0,09 Mark für Pferde. Insgesamt waren 670,04 Mark an 73 Kripper Haushalte, davon 36 mit Pferdeunterkünften, von der Stadtkasse Remagen unter dem Titel II des Kriegsetats Art.2 für Quartierentschädigungen in Ausgabe zu stellen. Unter anderem auch der in Kripp wohnenden jüdischen Familie des Siegfried Cahn für die Einquartierung von Soldaten mit Pferden von insgesamt 6,63 Mark. 1) Des weiteren wurden nochmals gemäß einer Nachtrags-Quartierliste in der Stadtgemeinde Remagen-Kripp an Quartier-Entschädigungen für die abziehenden deutschen Truppen nach dem Waffenstillstand für den Zeitraum vom 13.11.1918 bis 3.12.1918 an die Kripper Schmitz, Karl Batterieweg 11 24,41 Mark, Huth, Wilhelm Haupt-str.1 18,90 Mark, Schneider, Matthias Hauptstr. 41 32,76 Mark, Palm, Michael 15,54 Mark, Breuer, Johann Rheinstr. 2 9,00 Mark, Konservenfabrik Nagel, Emil Rheinstr.1 (Offiziere) 166,88 Mark vergütet 2), wovon alleine auf die Volksschule Kripp 2271,01 Mark entfielen. 3)

Für die zurück flutenden demobilisierten deutschen Truppen von der Westfront wurde eigens mittels eines behelfsmäßigen Anlegers eine Notüberfahrt über den Rhein eingerichtet. Die letzten Feldgrauen waren am 4. Dezember in Kripp zu sehen. Dies war Bestandteil der Waffenstillstandsbedingungen der Alliierten.

Hierzu vermerkt der Kripper Bürger Valentin in seinem Tagebuch: "Nach dem Waffenstillstand kamen zuerst die Flieger in östliche Richtung an Kripp vorbei, dann die Fuhrparkskolonnen immer mehr und mehr. Die Straße stand voll von der Ponte (Fähre) bis an die Kirche, das hat sehr lange gedauert, eh die alle übergesetzt waren. Dazwischen kamen auch noch Fußtruppen, welche dann mit einem Köln-Düsseldorfer- Dampfer übergesetzt wurden. Bei der Gärtnerei Parkow (direkt an der Rheinallee ) war eine Landebrücke hergestellt worden und von mehreren kleinen Schiffen Pontons zurechtgemacht worden, wo die Wagen drauf fuhren und dann mit einem Schrauber nach Linz gezogen wurden.(...) An der Remagener Brücke waren die Auffahrtsrampen noch nicht ganz fertig und wurde Tag und Nacht an derselben gearbeitet, bis sie soweit hergestellt waren, das Fuhrwerk, Attlerie, Kavalerie und Fußvolk noch rechtzeitig hinüber konnten. Unsere Truppen waren am 4. Dezb alle auf der östlichen Seite. Die Westfront war also planmäßig am 5. Dezb geräumt...“ 4)

Mit der Freiheit hatte es nun ein Ende. Die ersten Besatzungstruppen hielten planmäßig am 5. Dezember 1918 Einzug in Kripp und verblieben wechselweise bis zum 1. Januar 1926. 



Einen Tag später (6.Dez. 1918) erfolgt die Besetzung von Kripp durch US-Truppen.
Hier Einquartierung im Gasthof Rhein-Ahr. 

Quellen:

1. LHKO 635/ 593 
2. LHKO 635/ 891  
3.LHKO 635/ 891 
Tagebuch des Gottfried Valentin, Kripp, S.31-32 



Die Spitze des Wasserturms

von Horst Krebs

Wenn mich heute einer fragt:
"Was macht der Wasserturm?"
dann sage ich:
"Er steht noch"

Seit Jahren war ich nicht mehr in Kripp. Wöchentlich fahre ich mit dem Zug von Luxemburg nach Dortmund und jedes mal, wenn der ICE durch den Sinziger Bahnhof fährt, stehe ich auf und schaue durch das Zugfenster. Für einige Millisekunden sehe ich den Ahrlauf, und dann ......... den Wasserturm von Kripp, alles überragend und dominant.

Für Sekunden sind das immer die gleichen Gedanken, rechts vom Turm sind wir Schlitten gefahren, und links vom Turm die Kiesgrube Wahl, da sind wir auch Schlitten gefahren. Dann sehe ich den Schornstein von der Lederfabrik und weiß, da war die Ziegelei, wo wir als Kind so oft gespielt hatten. Und gleich danach ist Kripp wieder zu Ende, die Züge fahren hier viel zu schnell.

Natürlich fiel mir auf, dass dem Wasserturm irgendwann mal das eiserne Sahnehäubchen fehlte. Das hatte ich eigentlich schon vergessen, die metallene Spitze erledigt 1988, bis eines Tages, im Januar 2003, der Zug fuhr mal wieder schnell, ich den Wasserturm nicht mehr sah. Das gewohnte Bild war weg. Vielleicht war es ja auch nur eine Täuschung, und zu Hause, im Sauerland angekommen, ging ich ins Internet und stöberte auf einigen Seiten, bis ich im Gästebuch der Kripper Magic Dancers las, dass ein Besucher es bedauerte, dass der Wasserturm jetzt weg war. Also doch!! Mein innerlichstes Imperium, da, wo ich alles über Kripp abgespeichert hatte, wurde leer.

Auf der Rückfahrt nach Luxemburg stand ich schon seit Oberwinter am Zugfenster. Ich hatte keine Ruhe, und plötzlich, hinter Remagen ........ da sah ich ihn wieder. Er war nur kleiner geworden, aber er stand noch da. Nach langer Zeit mal wieder ein Tränchen im Auge.

Später ließ ich mir die Geschichte des Wasserturmes der letzten 20 Jahre erzählen. Das Erfahrene von der Turmspitze gebe ich hier wieder:


1988 Das Sahnehäubchen wird entfernt

Ein wahres Zeichen unseres Wahrzeichens war stets nach starkem Regen oder Sturm zu beobachten. Auf dem Erdboden lagen kleine Steine von der Spitze des Wasserturmes. Im Winter 1988 war es dann soweit. Die Kreisverwaltung ordnete an, das Sahnehäubchen, die schadhafte Turmspitze zu entfernen. Zahlreiche Schaulustige säumten die Straße, als die Freiwillige Feuerwehr, Remagener Handwerker und ein gewaltiger Kran sich ans Werk machten.

Dachdeckermeister Mathias Röhrig und Schlossermeister Hans Kessel sicherten die Spitze und trennten sie vom Turmhelm ab. Per Kran wurde diese Turmspitze dann zum Boden abgelassen und für Jedermann wurden die enormen Schäden erkennbar. Damit waren die Kripper zufrieden, das Wahrzeichen lebte noch





Kripper Badespaß


von Willy Weis & Hildegard Funk


Aus Mangel an Hausbädern wurden früher aus Hygienegründen und aus Badespaß an heißen Sommertagen hier in Rhein und Ahr Flussbäder ge-nommen. Da es aber noch keine bestimmten festen Badeplätze gab und meistens in Kripp Badehosen noch nicht in Mode waren, gaben die Badenden an den Flussufern zwangsläufig Anlass, die herrschende Moralität zu unter-graben. So kam es, dass es schon damals die Obrigkeit mit dem Badespaß sehr ernst nahm. Dies geht aus etlichen Verordnungen und Meldungen hervor. So hat es in Rücksichtnahme auf Anstand und Sittlichkeit schon zur Kurfürstenzeit besonders von vorbeiziehenden Schiffsgästen vermehrt Anlass zur Klage von Badeunsitten gegeben. 1)


In diesem obigen Bereich der Rheinfront wurde das Badeverbot in nachfolgenden Paragraphen festgelegt. (Foto 1910 Slg.Weis/Funk)


So verbot Kurfürst Karl Theodor, Herzog von Jülich und Berg seinen Untertanen in einer Order vom 14. Oktober 1796 das öffentliche Baden in Flüssen und drohte für Zuwiderhandlungen eine Strafe von 25 Reichstalern an. Freilich war das zu diesem Zeitpunkt in den linksrheinischen Territorien ohne Bedeutung, denn 1794 waren diese ja von französischen Revolutionstruppen besetzt worden und Verstöße blieben daher ohne Wirkung, Die damalige Verordnung lässt uns heute eher schmunzeln. Sie lautete:

" Wir haben mißfälligst vernehmen müssen, dass seit einiger Zeit nicht nur junge, sondern auch erwachsene Leute keine Scheu tragen, in öffentlichen Flüssen, Bächen und Teichen zu schwimmen und sich zu baden. Da Wir nun dieses ärgerliche Beginnen um so mehr gänzlich abgestellt wissen wollen, als solches, wie einigere jüngere Beispiele Ieider ausgewiesen haben, nicht nur mit Lebensgefahr verbunden, sondern auch aller Ehrbarkeit und Zucht zuwider ist. So verordnen Wir gnädigst, daß der, oder diejenige, welche hinführo in öffentlichen Flüssen, Bächen und Teichen zu schwimmen und sich zu baden erkühnen, bei jedesmaliger Betretung mit 25 Reichsthaler im Unvermögenheits-Falle aber mit Gefängnisstrafe unnachsichtlich belegt werden sollen. Ihr habt daher dieses zu jedermanns Nachachtung behörend verkündigen zu lassen, etc. " 2)


Polizeiverordnung 1855

Spätere Polizeiverordnungen aus preußischer Zeit verboten dann nicht mehr grundsätzlich das Baden am Rhein, sondern reglementierten es, um das wilde Baden zu verhindern und die „Sittlichkeit“ nicht zu verletzen, was besonders in Kripp angeblich wiederholt „provozierend in schamloser Weise“ oft geschehen war.

Was hier für Kripp und anliegende Orte ausgeführt wird, galt wohl auch mit lokalen Besonderheiten für die meisten Städte und Orte am Rhein. Im Rheinstrom gebadet wurde ja auch in den anderen Rheinorten des Kreises zwischen Rolandswerth und Brohl.

Die Polizeiverordnung der Stadt Remagen vom 21. Juni 1855 beschränkte das Baden in Kripp auf bestimmte „Badeplätze“

§ 1

Zu den Badeplätzen im Rhein in der Ortschaft Kripp werden die eine Stelle unterhalb der Kripp, vom Ziegelofen des Josef Hertgen (Höhe zweite Fähranlegestelle) ebendort bis gegen das oberste Haus der gegenüberliegenden Ortschaft Linzerhausen und die andere Stelle oberhalb Kripp, von der Ahrmündung abwärts bis zum Garten des Krautfabrikanten Kolk (später Nagel, heute Quellenstr.1) bestimmt.

§ 2

Das Baden an jeder anderen offenen Stelle des Rheines innerhalb des Ortsbezirks Kripp ist untersagt.

§ 3

Kinder dürfen nur in Gegenwart und unter persönlicher Aufsicht ihrer Eltern oder Lehrer baden.

§ 4

Jeder Badende muss mit einer Schwimmweste versehen sein und darf sich am Ufer nicht länger aufhalten als unbedingt zum An- und Auskleiden nöthig ist.

§ 5

Die Badenden müssen sich von den Dampfschiffen fernhalten. Zuwiderhand-lungen werden mit einer Geldbuße bis zu drey Thalern oder entsprechenden Gefängnisstrafen bestraft.

Strandbadehaus 1911

Welche Wirkung diese Verordnung auf das Badeverhalten hatte, ist nicht überliefert. Bekannt ist allerdings, dass dann 1911 in Kripp vom damaligen Bürgerverein ein Strandbadehaus an der Ahrmündung entstand. Allerdings war dessen Existenz laut Zeitungsmeldung in der Rhein-Ahr Zeitung vom 17.August 1911 nicht von langer Dauer:

Schon am zweiten Tage wurde von Seiten der Polizei das Baden dort verboten. Nun steht das neu angestrichene Strandbadehaus einsam und verlassen auf der Kiesbank der wilden, jetzt fast vollständig trockenen Ahr. „

Ursache hierfür war wohl auch der extrem trockene Sommer 1911, bei dem viele Menschen, die bei der großen Hitze Abkühlung im Rhein suchten, im Strom ertrunken sein sollen. So ist belegt, dass 1911 bei Rodenkirchen 11 Menschen an einem Tag ertranken.

Strandbad

Pläne für eine „gemeinsame volkshygienische Badeanstalt für Linz, Kripp, Leubsdorf und Sinzig“ scheiterten dann 1927/28, weil Kripper und Linzer Bürger bei den Fragen des Standortes nicht einlenkten. So baute Sinzig 1928 ein eigenes Strandbad am Rheinufer gegenüber von Leubsdorf dort, wo sich heute das Sinziger Bootshaus befindet und wo nach wie vor das Ufer im Sommer als Spielplatz und für Freizeitaktivitäten am und im Wasser genutzt wird.


Kripper Jugend am Rhein 1925

Das Sinziger Strandbad wurde fortan natürlich auch von Kripper Badegästen gerne genutzt. So genannte „Bade-Unsitten“- hierzu rechnete man vor allem das nicht nach Geschlechtern geschiedene Baden- bewegten um 1931 die Gemüter im gesamten Rheinland.

Verbote der Kirche, Interventionen der Zentrums-Partei und von den auf „Sittlichkeit“ bedachten Bürgern und Vereine, änderten aber vielerorts nichts mehr an dem gemeinsamen Baden der Geschlechter. Allerdings waren diese gehalten, durch züchtige „Bademode“ ihre Körper vor neugierigen Blicken zu verhüllen. Auch das Sinziger Strandbad blieb ein Gemeinschaftsbad. Hierfür sprach sich sogar der Stadtrat mehrheitlich aus.


Getrübte Badefreuden

Am Ende der 1920 er Jahre bereitete es guten Schwimmern im Rhein großes Vergnügen, Schleppkähne anzuschwimmen und sich von diesen ein Stück rheinaufwärts schleppen zu lassen, und dann mit der Strömung wieder rheinabwärts zu schwimmen. Das war ein gefährliches Vergnügen, bei dem auch geübte Schwimmer im Rhein ertrunken sind. Die Schiffseigner sahen dies zudem nicht gerne und versuchten es durch frisch geteerte Kahnränder zu verhindern. Mitunter wehrten sie solche „Passagiere“ auch mit Teerbesen ab. Ganz verhindert wurden diese Abenteuer dadurch aber nicht.



Wirklich verleidet wurden dann die Badefreuden erst nach dem zweiten Weltkrieg in den 1950er und 1960er Jahren mit zunehmender Verschmutzung des Stromes, die das Schwimmen im damals mehr und mehr vergifteten Rhein, aus Gesundheitsgründen sogar polizeilich verboten. Dies hat sich aber geändert. Durch vielfältige Umweltschutzmaßnahmen in den 1980er und 1990er Jahren ist der Rhein sauberer geworden, sodass zur Sommerzeit Schwimmer das Baden im Rhein wieder genießen können, wenn auch nach wie vor davor gewarnt wird. Großer Beliebtheit erfreut sich wie einst der Bereich des ehemaligen Strandbades Sinzig.

Heute kann aber jeder in den Hallenbädern der Region in Bad Breisig und Bad Neuenahr-Ahrweiler Schwimmsport betreiben oder einfach nur das Baden genießen. Während der Badesaison im Sommer ist dies dann auch noch u.a. in den nahen Freibädern im gegenüber liegenden Linz, in Bad Bodendorf, Bad Neuenahr-Ahrweiler und seit 1976 auch im Allwetterbad von Remagen möglich.


Quellen:

1) zitiert nach Herbert Weffer: Überhaupt ist das Baden nicht allgemein Sitte.

In: Jahrbuch Rhein-Sieg-Kreises 1989, S. 179-181.

2) LHAKo 635/395

3) LHAKo 635/ 738 ZA

4) vgl.Tagebuch des Kripper Georg Valentin, S.20ff.

5) vgl. Hans Kleinpass: Sinzig 1815-1969. In: Sinzig und seine Stadtteile-
gestern und heute. Sinzig 1983, S.276

6) vgl. General-Anzeiger Bonn vom 22.Mai 1931

7) vgl.Kleinpass S.276



Das Kripper Gericht zur Zeit des Kulturkampfes


von Willy Weis & Hildegard Funk


Dem Kripper Völkchen wird seit eh und je von den Bewohnern umliegender Ortschaften nachgesagt, dass es für seine Aufmüpfigkeit und seine provokante Sturheit recht bekannt sei. Die nachfolgende Begebenheit aus der Zeit des Kulturkampfes spiegelt eindrucksvoll die damalige Situation und die Loyalität der Ortsbewohner zur katholischen Kirche wider. Insbesondere zeigt sie, mit welchen Mitteln sich die Rheinländer gegen die verhasste preußische Obrigkeit wehrte. Die Geschichte begann, als bekannt wurde, dass sich der Weihbischof Dr. Krafft am 23. Mai 1876 während einer Visitationsreise in Linz aufhalten würde.


Geplanter Bischofsempfang

In dieser Zeit waren offizielle Empfänge kirchlicher Würdenträger bei empfindlicher Strafe untersagt, ebenso das Schmücken der Häuser aus kirchlichen Anlässen.Die Freude der Bevölkerung über den angesagten Besuch des Weihbischofs war jedoch derart groß, dass die Linzer Schiffergilde, an der Spitze der Fährmann Rahm, beabsichtigte, trotz amtlichen Verbotes den kirchlichen Würdenträger mit einem Empfang zu würdigen.Verrat sorgte jedoch dafür, dass dieses Vorhaben den Behörden nicht unbekannt blieb. Daraufhin warnte der Linzer Bürgermeister Lerner den Fährmann Rahm eindringlichst unter strengster Strafandrohung, eine Begrüßungsfeier in Linz zu Ehren des Bischofs abzuhalten. Rahm, der nunmehr die offizielle Begrüßung nicht mehr in Linz ausführen konnte, ersann einen neuen Plan, ohne jedoch diesmal die Schiffergilde in Kenntnis zu setzen. Den Bürgermeister beruhigte er mit un-schuldiger Miene, indem er diesem versicherte, die Begrüßungszeremonie in Linz finde nicht statt. Um sein neues Vorhaben zur Ausführung bringen zu können, weihte er nur drei verschwiegene Kripper ein, die Gebrüder Breuer, die wegen ihrer aufmüpfigen Mentalität für „Späßchen“ jeglicher Art gegen die verhasste Obrigkeit stets zur Mithilfe bereit waren, und einen Nachtwächter.


Lichterspektakel in Kripp

Rahm engagierte auf rechtsrheinischem Gebiet einige Teertonnen und transportierte diese, in einer Schalde hinter der Gierponte hängend, auf die linke Rheinseite nach Kripp. Bei Einbruch der Dunkelheit zündeten die Kripper die Teertonnen am Rheinufer an, und der Bischof konnte sich während des Abendessens in Linz an den lodernden Flammen und dem widerspiegelnden Farbenspiel auf den Fluten des Rheins erfreuen. Seine Freude nahm zu, als er erfuhr, dass dieses Lichtspektakel ihm zu Ehren veranstaltet wurde. Der Bischof veranlasste, dass der Kripper Kirchengemeinde sein Dank ausgesprochen wurde. Die unterdessen wut-schnaubend am Linzer Rheinufer auf und ab galoppierenden Gendarmen riefen vergeblich dem Fährmann, um ans Kripper Rheinufer zum Löschen der Teertonnen übergesetzt zu werden. Dieser aber lag mit seiner Ponte am gegen-überliegenden Ufer und freute sich diebisch über das gelungene Werk. Der Rhein, als natürliche Barriere, hatte sich also als Mithelfer erwiesen.

Die Auswüchse dieses politischen Streiches wurden Gegenstand einer vom Landrat zu Ahrweiler angeordneten Gerichtsverhandlung auf Antrag des Neuwieder Landrates, der den Fall mit der Bitte um Aufklärung zuständig-keitshalber dem linksrheinischen Kreischefs übertrug.


Foto zeigt als zweites Haus das 1903 abgebrannte Hotel, das als Rheingold-Hotel wieder aufgebaut wurde. 
                                                                     In diesem Haus tagte das "Kripper Ortsgericht"

Nachspiel Gerichtsverhandlung Kripp

Aus Angst, dass sich die angestaute Aggressivität der Kripper Bevölkerung gegen die Obrigkeit auf die Kreisbevölkerung übertragen könnte, wurde zur Vermeidung einer Eskalation die Verhandlung vor Ort in Kripp geführt.

Als Gerichtssaal diente das Lokal der damaligen Gaststätte Hertgen am Kripper Rheinufer, dem heutigen Hotel „Arte“. Der Zusammenhalt und die Verschwiegenheit der Angeklagten sorgten für einen prozessualen Eklat, denn die Angeklagten, nicht auf den Mund gefallen, parierten die Fragen der Obrigkeit mit Bauernschläue und rheinischer Gelassenheit.

Nachfolgende recht amüsante Vernehmung mit der gespielten „Unwissenheit“ der Angeklagten geben die Unterlagen der Ortschronik wieder, aus der vor-trefflich die unerschütterliche Ruhe der Kripper zu erkennen ist, die den Vorsitzenden zur Weißglut brachte, aber zur Sache nichts beitrug.


Zeugenaussagen

Als Angeklagte erschienen die drei Gebrüder Breuer, der Nachtwächter und der Fährmann Rahm. Als erster wurde der 64 jährige Edmund Breuer vernommen. Auf die Frage, was er über diesen Vorfall wisse, erklärte er;“ Jo, ühr Häre, do hat ech kein Ahnung vun, ech hat des mettags e klein Ferkel krich und hann stundelang Arbeit domit gehat, ech han üverhaup vun dem janze fürgessen!“

(Ja, ihr Herren, da weiß ich nichts von. Ich habe mittags ein kleines Ferkel bekommen und habe stundenlang Arbeit damit gehabt, ich habe ohnehin alles vergessen)

Als nächstes erklärte der 60 jährige Adolf zur Sache. „Wat soll ech davon wesse? Ech soß in de Köch und hat ming Pief angemach, do hoor ech, wie drusse alles bäken dääht, am Ring brennt es. No, dooch ech, jank och emol sehn, un söns weiß ech och vun nix, ühr Häre.“. ( Was soll ich davon wissen? Ich saß in der Küche und habe meine Pfeife angemacht, da hörte ich, wie draußen alles schrie, es brenne am Rhein. Na, dachte ich mir, geh auch mal nachsehen, und sonst weiß ich auch nichts davon, ihre Herren.)

Aufgrund der bisherigen „sachlichen“ Aussagen wurde der 49 jährige Johann besonders scharf attackiert und erklärte mit der reuigsten Miene der Welt:“ Uehr lev Häre, ech sooß an den Ovend om Hüsge, hat minge Rehme om de Hals jehange un wor esu für mich hin am dussele, do kütt op einmol ming Frau und schreit: Hannes kom flöck eruss, et brennt! Do künnt ühr öch denke, dat ech flöck op ming Bein kohm. Wie ech noh sooch dat et e paar Täärtunne wohre, do wor ech beruhig. Äweer, wenn ech üch sage soll, wie dat passeert eß, dat kunnt ech nit. Et eß jo en Gemeinheit, einer esu verschreck zemaache.“

(Ihr lieben Herrn, ich saß an dem Abend zu Haus auf dem Abort, hatte meinen Leibriemen um den Hals gehangen und war so vor mich hin am dösen, da kommt auf einmal meine Frau und schreit: Hannes, komm schnell heraus, es brennt! Da können sie sich denken, dass ich flink auf meine Beine zu stehen kam. Wie ich nun sah, dass es ein paar Teertonnen waren, da war ich beruhigt. Aber, wenn ich ihnen sagen soll, wie das passiert ist, das kann ich nicht. E ist ja eine Gemeinheit, jemanden so zu erschrecken.)69

Nach dem Nachtwächter, der überhaupt nichts gesehen hatte, wurde der Fähr-mann vernommen. Auf die Frage, wen er einer solchen Tat für fähig halte, erwiderte er treuherzig:“ Herr Richter, wenn ech offe spreche soll, dann haalen ech de Nachswächter, de Voirsteher un die drei Bröder allzusamme dafür fähig, awer mer welle doch keine zo Unrech veruurdeile!“ (Herr Richter, wenn ich offen sprechen soll, dann halte ich den Nachtwächter, den Vorsteher und die drei Brüder allesamt einer solchen Tat für fähig, aber wir wollen doch keinen zu Unrecht verurteilen!)

Nachdem der Richter gemerkt hatte, dass er sich an der Kripper Sturheit die Zähne ausbiss, beendete er vor lauter Verzweiflung und insgeheimer Wut ergebnislos die Verhandlung mit den Worten;“ Schluss!- aus dieser Bande ist doch nichts heraus zu bekommen.“

Über die Nachricht der juristischen Niederlage der Obrigkeit brach Freude und Begeisterung unter den Linzern und Krippern aus und gab hüben wie drüben Anlass zu feuchtfröhlichen Feiern.

Diese historische Gerichtsverhandlung hat im Kripper Bewusstsein einen festen Platz eingenommen. Ob sie allerdings Anlass für das stets in Kripp beginnende Lichterspektakel „Rhein in Flammen“ ist, dürfte fraglich sein.


Quellen:

  • Chronik von Kripp 1982, anlässlich des Bestehens JGV v. H.P.Kürten

  • Unbekannter älterer Zeitungsausschnitt, ohne Datum und Namensangaben

  • Heimatjahrbuch Kreis Ahrweiler 1999.“Das Kripper Gericht zur Zeiten des Kulturkampfes“. S91-95, Willy Weise & Hildegard Funk

  • Stammbaum des Kripper Schiffers Anton Breuer von 1812 – 1837



Die Ahrbrücken in Kripp


von Willy Weis & Hildegard Funk


Flussregulierungen und Brücken im Ahrmündungsbereich.

Legende
Im Ahrmündungsbereich befand sich stets ein Flussübergang, der die Gemeinde Sinzig mit der Gemeinde Remagen am Ortsteil Kripp verband. Sie war und ist die letzte Brücke im Flussverlauf der Ahr, unmittelbar vor dem Einfließen in den Rhein gelegen und galt als Leinpfadbrücke an der Ahrmündung. Ganze Heerscharen von Treidelschiffern, die ihre Schiffe an Leinen vom Ufer aus mit Pferden bergwärts zogen, dürften über hunderte von Jahren diese damaligen Brückenstege passiert haben.

Die Pflege des Leinpfades und der Brücken waren aufgrund der Zolleinnahmen ein damaliges Muss der Treidelschiffer und militärisch gesehen gewährte die Brücke beim Rückzug napoleonischer Truppen nur kurzfristig „eine wichtige militärische Position; deshalb fanden auch bei dem Vorrücken der Verbündeten im Januar 1814 einige Scharmützel bei derselben Statt, als die Franzosen, nach dem Übergange der Verbündeten über den Rhein, noch einige Tage lang sich am linken Ufer der Ahr zu halten versuchten.“ 1)

Das sich nachweislich im Mündungsbereich über der Ahr schon eine Brücke befand ergibt sich aus der Tatsache, dass bereits schon 1830 zur Überwachung und Unterhaltung der Treidelpfade ein Strommeister eingesetzt und 1841 von Kripp aus der Neuausbau des Leinpfades bis hin zur Ahrmündung erfolgte. Der Anschluss an den Leinpfad im Ahrmündungsdelta erfolgte über die 3 Hauptarme der Ahr mit Holzbrücken von je 41,4 m, 54,5 m und 18,8 m in 3 m Höhe über dem Normalwasser, die nach der Ahrmündungsregulierung1855 durch eine neue 71 m lange Brücke mit massiven Widerlagern und hölzernem Oberbau mit erhöhten Leinpfad in Höhe von 5m Koblenzer Pegel und mit 3,80 m Kronenbreite bis zum Anschluss an den alten Leinpfad ersetzt wurde. 2)

Dabei dürfte nach dem Rückgang der Treidelschifffahrt diese Brücke den zukünftigen Bedürfnissen angepasst und einspurig für Pferde-und Ochsenfuhrwerke konstruiert worden sein. Hier sei angemerkt, dass sich vor dem I. Weltkrieg ein Unfall in der Form zugetragen hat, indem durch Unacht-samkeit eine Kutsche mit Pferd und Kutscher mittig von der Brücke in die Ahr gestürzt sein soll. 3)

Bevor jedoch die 1851 gegründete Rhein-Strombauverwaltung 1855 mit einem wasserbaulichen Eingriff die Ahr künstlich mit einem 565 m langen einbettigen Strombett von 33,90 m Sohlenbreite unter Anlehnung an das stromab gelegene Hochufer spitzwinklig zum Rhein verlagerte und mit einer 71 m langen Brücke überspannte, mündete die Ahr durch eine sumpfige Niederung rechtwinklig in Deltaform gefächert mit drei Mündungsarmen in den Rhein. 4)



Das Ahrmündungsdelta bei Kripp um 1800
Tranchot-Karte, Linz 5409, „©GeoBasis-DE/LvermGeoRP2011-12-07“


Beim näheren Betrachten der obigen Kartierung von Kripp wird deutlich das verwilderte Flussbett der Ahr im Mündungsbereich vor der Flussregulierung ersichtlich. Deltaförmig fließt die Ahr dort unweit der Gemarkungsgrenze mit abwechselnd verzweigenden und in sich wiedervereinigenden, teils gegen die Fußrichtung mäandrierenden Flussarmen in den Rhein. Durch den Zustand der Mündungsverschleppung brachte das unkontrollierte Geröllgeschiebe des Ahr-schwemmkegels im Rheinbett für die Schifffahrt stets zunehmende Probleme mit sich. Langjährige Hochwassergeschübe der Ahr drückten den Rhein gegen den Steilhang bei Linz und verursachten mit seiner dort eingeengten Fahrrinne und seinen verursachten Fehltiefen eine gefahrvolle Behinderung der Rheinschifffahrt.


Regulierungsmassnahmen
Um dieser stets wiederkehrenden Gefahr künftig entgegenzutreten, wurden im Ahrmündungsbereich 18 Buhnen (Kribben) rechtwinklig in den Strom hinein als Regulierungsbauwerke durch die Rhein-Strombauverwaltung errichtet.

Diese nadelartige Querbauwerke als Strombrecher wurden erfahrungsgemäß an einer Stelle errichtet, um dort als künstliche Flussverengung den Strom-durchfluss zu beschleunigen und durch die veränderte Schubkraft des Wassers für das Abschwemmen des hier angelagerten Gerölles und dessen Weiter-transportes rheinabwärts zu sorgen und somit die Sohle tief zu halten. So wurden im Jahre 1856 und 1857 das linke Rheinufer oberhalb und unterhalb der Ahrmündung bis auf 282 m vom rechten Ufer durch den Bau von 18 Buhnen, deren Kopf auf +3,50 m Linzer Pegel und deren Wurzel am Leinpfade auf 5 m Linzer Pegel gelegt wurde, vorgeschoben. Davon lagen 13 Buhnen oberhalb und 5 Buhnen unterhalb der Ahrmündung. Der Abstand der Buhnen wurde auf 132 m bemessen und das an der Brücke befindliche Richtwerk an der Ahrmündung um 94 m verlängert.

Nach einer Abgrabung des linken Ufers im Jahre 1871 wurde dann im Jahre 1883 mit dem Bau von acht Grundschwellen vorgegangen, deren Kronen auf minus 6 m Linzer Pegel gelegt wurden.

Die Entfernung der Grundschwellen untereinander wurden auf 80 m, die Krone derselben auf 4 m bemessen. Die vorhandene Kiesbank an der Ahrmündung wurde bis minus 1 m am Pegel und bis auf 150 m vom rechten Ufer ab fort gebaggert und der vor dem Linzer Bach liegende Schuttkegel ebenfalls durch Baggerung beseitigt. Dabei wurden die gewonnenen Bodenmassen zum Ausbau des rechten Ufers, zur Ausfüllung der am linken Ufer gelegenen Buhnen-intervalle und vor dem Dorfe Kripp verwendet.




Eine Beseitigung der Kiesbank vor der Ahrmündung bis auf 200 m vom rechten Ufer wurde im Jahre 1885 vorgenommen und die gebaggerten 146 596 m³ Kies zum Ausbau der Eisenbahn verwendet. 5) Spätere gemeindebaulichen kleinere Ahrregulierungen oberhalb der Ahrmündung mittels Verwendung von Faschinen verringerten die Geschiebemassen der Ahr im Rhein.

Nach der 3 Meter breiten für Tiergespanne zugelassenen Brücke kam eine schmälere mit Holzbohlen beplankte aufliegende Eisenbrücke. Über das genaue Baujahr konnte bisher nichts in Erfahrung gebracht werden. Es dürfte jedoch kurz nach dem Ersten Weltkrieg vermutet werden. Die auf Fotos recht auffallenden der rechts und links überstehenden Balken der Auflagentraversen dürften jedoch von dem Auflager der ehemaligen Brücke zeugen. Genau wissen wir es aber nicht! 


Diese Brücke hielt nur bis 1984 stand, nachdem ein extremes November-hochwasser Teile des Radwanderweges im südlichen Brückenbereich samt Baumbestand von der Größe eines Fußballfeldes wegschwemmte und die Brücke instabil wurde.

Der neu ausgebaute Radwanderweg des Leinpfades war somit jäh unterbrochen und die Benutzer mussten einen Umweg bis zum Sinziger Sportplatz unternehmen, um trockenen Fußes über die Ahr zu kommen. Eine Schadensbesichtigung vor Ort erfolgte am 25.1.1985 durch 18 Vertreter zuständiger Behörden - angefangen von der Unteren Wasserbehörde des Kreises bis hin zum Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten - mit einer Abschlussbesprechung im Kripper Hotel "Fährhaus". Pro und Contra wurde dabei in die Waagschale geworfen.

Während die Wasser-und Schifffahrtsverwaltung des Bundes als Eigentümer der Ufergrundstücke unter dem Aspekt des Gefahrenhinweises für die internationale Schifffahrt ihr Veto einlegte, plädierten die Vertreter von Natur und Umwelt-schutz für den Abriss der beschädigten Brücke und einer Neuverlegung der Brücke oberhalb des Mündungsbereiches in Höhe des Sendemastes und des Klärwerks Sinzig, um das Naturschutzgebiet unberührt zu lassen. Die Vertreter der Städte Sinzig und Remagen sprachen sich dagegen für den Neubau einer Brücke an alter Stelle aus. Diese Forderung könne sich auf ein Gewohn-heitsrecht stützen, zudem solle die Naherholungsfunktion durch den kurz vorher ausgebauten Radwanderweg auf dem früheren Leinpfad erhalten bleiben. Dieses Anliegen wurde mit einer gemeinsam verfassten Resolution aller Fraktionen des Kripper Ortsbeirates unterstützt und den entsprechenden Behörden mit Dringlichkeitsvermerk zugeleitet.

Eine in Sinzig gegründete Bürgerinitiative "Rettet den Brückensteg" unterstützte den Stadtrat mit über 1000 Unterschriften. Der emotionell geladenen Kripper Bürgerschaft fehlte ebenfalls jegliches Verständnis für eine Verlegung der Ahrbrücke und bekundete dies mit 500 Unterschriften. Nach zähem Ringen gab man dem Anliegen der Bürgerschaft nach. 6)


Neue Ahrmündungsbrücke

Nach den immer wiederkehrenden Hochwasserdesastern sollte nun eine Brücke gebaut werden, die auch auf Dauer hielt, um die bisherigen jährlichen Folgekosten von 30.000 bis 50.000 DM für aufwendige Brückenreparaturen auszuschließen.

Der Rat der Stadt Sinzig beschloss daher den Bau einer Ahrbrücke in "schwerer" Ausführung aus tropischen Bongossiholz, die Ahr überspannend sich harmonisch in das Landschaftsbild einfügen sollte. Bauwerk, Natur und Landschaft waren in Einklang zu bringen.

Mit den Gründungsarbeiten des mittigen Strompfeilers und der beidseitigen Uferlager in Betonausführung mit Bruchsteinverblendung wurde bei günstigem Wasserstand begonnen.

Über die Kripper Quellenstraße wurden die von der Sinziger Holzbaufirma Schmickler in achtwöchiger Bauzeit vormontierten 2 Brückenteile von je 20 Tonnen Gewicht und 20 m Länge, 2,6 m Breite und 3,05 m Höhe mit Spezial-tiefladern bis zur Ahrmündung transportiert, wo ein 40 t Kran sie in die endgültige Positionen der vorbereiteten Aufnahmelager hievte. Über 3.500 Edelstahlschrauben sorgten für den nötigen konstruktiven Zusammenhalt. Nach kurzer Montagezeit wurde der Holzboden eingearbeitet und ein Satteldach aus kanadischen Holzschindeln diente als Regenschutz.

Am 10.8.1988, nach fast dreijährigem Umweg, konnte die direkte Verbindung des Leinpfades zur Freude der Radfahrer, Wanderer und Kripper Bevölkerung wieder benutzt werden. Die Kosten beliefen sich auf 708.722,- DM, von denen 641.750,- DM zuwendungsfähige Kosten waren. Die 70% ige Hilfe des Landes betrug 449.225,- DM und der 15% ige Kreisanteil 96.262,- DM. Der Zuschuss von der Stadt Remagen betrug 25.000,- DM. Somit verblieb der Stadt Sinzig noch ein Anteil von 138.285,- 7)


Quellen: 

1) „Eifla Illustrat“, J.F. Schannat, Leipzig 1852, S. 566
2) "Der Rhein aus der Sicht des Kreises Ahrweiler", H. Schmalz, Sinzig 1967, Manuskript Kreisarchiv Ahrweiler
3) mündliche Überlieferung durch Josef Marx, Kripp
4) Tranchot Karte Nr. 5409 (Linz a/ Rhein), „© GeoBasis-DE/L vermGeoRP2011-12-07“
5) Mündl. Angaben RAR Melchers Strombauverwaltung, Aussenstelle Brohl nach Unterlagen von Jasmund
6) Rhein-Zeitung Nr. 27 vom 1.2.1985, Rhein-Zeitung vom 4.5.1985, sowie Einsichtnahme in die Handakte des
damaligen Ortsvorstehers Christian Iven, Kripp
7) Einsichtnahme Handakte des damaligen Ortsvorstehers Christian Iven, Kripp

Besichtigungsteilnehmer 25.1.1985
1.) Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ( Bonn)
2.) Ministerium für Soziales, Gesundheit und Umwelt (Mainz)
3.) Landesamt für Umweltschutz und Gewerbeaufsicht Rheinland-Pfalz (Oppenheim)
4.) Wasser-und Schifffahrtsamt (Bingen )
5.) Wasserwirtschaftsamt (Koblenz)
6.) Obere Landesbehörde der Bezirksregierung Koblenz
7.) Stadt Sinzig
8) Kreisverwaltung Bad Neuenahr-Untere Wasserbehörde-Untere Landespflegebehörde-Referat Fremdenverkehr


Kripper Congregation


von Willy Weis & Hildegard Funk


Katholische Jungfrauencongregation Kripp a./Rhein (KJC)

Der heute nicht mehr existente kirchliche Verein der „Jungfrauen-Congregation-Kripp a./Rhein“ wurde 1906 durch Kaplan Josef von Mehring unter dem Titel:

Maria Verkündigung“


als ein umsichtig organisiertes Gemeinwesen mit ausgeprägter Geschäftigkeit ins Leben gerufen.


Ziel und Zweck des Vereines mit konfessionellem Charakter war die Zusammenkunft aller Kripper Jungfrauen, um diese erzieherisch in Sitte, Anstand und Haushaltsangelegenheiten für die Gründung eines evtl. späteren Familienstandes vorzubereiten.

Dabei sah sich der Verein als Vorreiter für die Vorbereitung aller erzieherischen und familiären Aufgaben, ausgerichtet auf ihre Rolle als spätere Hausfrau und Mutter in grundlegender Hauswirtschaftskunde. Die Jungfrauen wurden in die Grundkenntnisse von Kochen, Backen, Nähen, Stricken, Häkeln, Stopfen vorbildlich eingewiesen wurden. Des weiteren erfolgte die Vermittlung von Grundkenntnissen der Kinder- und Krankenpflege sowie gesellschaftlicher Rahmenbedingungen.
In Gruppenarbeit erfolgte ferner die Unterweisung der Mitglieder in Sport, Spiel, Musik, Theater und Volkstanz. Eine Nähschule und eine Heimsparkasse wurden eingerichtet.

Ein präzis geführtes Protokollbuch gibt Aufschluss über viele Tätigkeiten. Aus diesem Verein entstanden u.a. der Agnesverein, der Herz-Jesu-Verein, ein 1918 mit 31 Mitgliedern gegründeter Gesangverein und 1928 ein Turnverein.
Um christliche Gemeinschaft zu demonstrieren, erlegten sie sich die Pflicht auf, alle 6 Wochen gemeinschaftlich die hl. Sakramente zu empfangen, sowie an kirchlichen Festen wie Maria Lichtmess, Verkündigung, Himmelfahrt und der Unbefleckten Empfängnis gemeinsam am Kirchenbesuch teilzunehmen. Als äußerliches Symbol der Gemeinschaftlichkeit trugen die Jungfrauen bei der Generalkommunion, Prozessionen und Beerdigungen von Mitschwestern eine Medaille an blauen Bändern, wobei die Bänder ab 1927 durch eine blaue silberne Kordel ersetzt wurden. Die Aspirantinnen trugen zu diesen Gelegenheiten eine Agnesmedaille an einer grünen Kordel hängend.

Das Titularfest war alljährlich das Fest „Maria Verkündigung“, das mit einem feierlichen Hochamt mit Opfergang begann. Am ersten Stiftungstag der Congregation, dem 8. Dez. 1906, wurde ein feierliches Hochamt durch den Hochwürden Herrn Kaplan Josef von Mehring unter Assistenz der Hochwürden Herrn Rektor Windhausen (St. Anna-Kloster Remagen) und Pater Nazarius (St. Apollinarisberg- Remagen) in der Kirche zelebriert. Nachmittags fand die Aufnahme von 72 Aspirantinnen in die Congregation durch den Hochwürden Herrn Dechanten Karl Müller aus Remagen statt. Die erste gewählte Präfektin dieser Congregation, Frl. Josefine Franzen, Lehrerin zu Kripp ab 1.4.1903, legte wegen Eintritt in das Nonnenwerther Kloster anno 1907 ihr Amt nieder. Präses war der jeweilige zuständige amtierende Ortsgeistliche. Erster Vizepräses war Kaplan Josef von Mehring.


Am 6.3.1910 konnte eine angeschaffte Fahne mit der Inschrift: „Maria, segne Deine Kinder“ geweiht werden. Als Vereinslokal diente der Johannessaal. Näh, Flick-und Kochkurse wurden in dem ehemaligen Schwesternhaus auf dem Batterieweg abgehalten.


Aus den Statuten ist ersichtlich, dass die Jungfrauen stets zur Sittsamkeit und Höflichkeit angehalten wurden.


Infolge andauernder Krankheit des späteren Ortsgeistlichen und Präses Brückert sowie der Abberufung von Schwestern hatten sich einige Missstände bei den Jungfrauen eingeschlichen, die in einer dringend einberufenen Mitglieder-versammlung mit folgenden Ermahnung gerügt wurden. „...die Mitglieder der Congregation sollen stets ehrbar gekleidet sein; und besonders an der Kommunionbank nicht mit ausgeschnittenen, durchsichtigen Kleidern erscheinen, um nicht Gefahr zu laufen, bei der Austeilung der hl. Kommunion übergangen zu werden, oder den ausspendenden Priester in Verlegenheit zu bringen“.

(Quelle: Niederschrift der Mitgliederversammlung am 9.7.1925 , TOP 3, Chronik der Jungfrauenkongregation Kripp 1906-1933, Kath. Pfarrarchiv Kripp)


Präfektinnen:
1906 Josefine Frantzen (Lehrerin) schied 1907 aus wegen Eintritt in den Orden
1917 Frl. Sybille Syberz
1920 Frl. Kath. Breuer (vom Rhein)
1922 Frl. Anna Schittko
1925 Frl. Elisabeth Dahm

1927 Kath. Weiler (Lehrerin)

1933 Elisabeth Linden
1933-38 Maria Syberz (ernannt)
8 Jahre Ruhezeit (NS- Zeit)
1946 Kath. Breuer
1948 Neugründung (hier endet das Buch) letzter Eintrag 8.12.1948 mit K. Breuer.
Quelle: Chronik der JFC 1933-46
Tätigkeitennachweis-Congregationsschwestern in Kripp

Chronik der KJC ab 1906

1915 Johannessaal ein Harmonium vorhanden (S.59)
1918 Exerzitien, Küster 15 Mark, Balgtreter 5 Mark extra
1918 Muttergottes- und Herz-Jesu-Statue angeschafft. (S. 93)
1918 26. Juni, Gesangverein gebildet, 31 MG, Proben jeden Mittwoch um ½ 9 Uhr (S. 95)
1918 am Weihnachtstag sang der Gesangverein der Congregation...(S.99)
1919 gemischter Chor gegründet -- 16 Mädchen sangen zum 1.Male das feierliche Hochamt bei Maria Lichtmess. (S. 99, 100)
1919 17. Juni. Namenstagsständchen für den Pastor vom Kirchenchor (Gemischter Chor) gebracht (S.103)
1920 12.9. Schw. Elenteria in die Congregation eingeweiht.
1920 bis 1922 mehrmals Versuche gestartete, die Paramentenarbeit wieder aufleben zu lassen.
1920 Theateraufführung für die Hochwassergeschädigten veranlasst, Erlös 507,82 Mark (S.106)
1920 13.7. Beschluss, für die C. neue leichtere Fahne zu beschaffen, Schwester hört man erstmals 1921 von Verwahrschulkindern (Kindergarten)
1921 Auftritt des gemischten Chors (Kirchenchor?) (S.124)
1921 Theateraufführung mit dem Jugendverein, Erlös: 1500 Mark für Glocken
1922 Zur Glockeneinweihung, Basar eingerichtet, wo Handarbeiten amerikanisch versteigert wurden. Erlös 1.000 DM
1922 12.11. Mitgliedschaft im Diözesan-Verband
1923 28.05. Es soll aus den Mitgliedern ein Gesangverein gegründet werden. Versammlungen bisher im Johannessaal und im Schwesternhaus, ab 1924 werden Räume der Villa Hettlage (heute Geschäftshaus der Fa.Vito-Irmen, Mittelstr.74) zum Vereinslokal bestimmt.

1923 Mädchenchor der J.C. singt am Grabe...
1924 Schwester Friedberta
1925 Aloysiusstatue gekauft, Vereinigung Katholischer Jünglinge und Jungfrauen J: M:= Herz-Jesu-Verein, Agnes-Verein, K. J. C.
1926 neue Schwester Jemma
1927 2 neue Schwestern für Kripp.
1928 Errichtung eines Turnvereines unter Leitung von Frl. Weiler
1929 Gemischter Chor = Kirchenchor (S.175) Stempel des K:J:V: umrandet im Rechteck von 10 x15 mm: (K:J:V. oben, darunter Kripp =vermutlich Kath. Jugendverein Kripp. (Quelle= Blatteinlage des Contobuches der vereinigten Jugendsparkasse zu Kripp 1910-1921)
1934 3 neue Schwestern, 1935 Eleonora weg, neue Schwester Theoflora
1936 Bannerweihe.



Kripper Malaria


von Willy Weis & Hildegard Funk


Wie aus alten Karten ersichtlich , verliefen die Mündungsarme der Ahr wild ohne eigentliches Flussbett unkontrolliert in den Rhein. Im unteren Münd-ungsbereich bis Sinzig mäandrierte das kleine Eifelflüsschen stark auf Grund ihres Gefällmangels, teils gegenläufig zur Flussrichtung fließend und hinterließ naturbezogen eine aus vielen Biotopen und Sümpfen bestehende Fluss-uferlandschaft, in der sich kleine Seen und Sümpfe bildeten.1)


Das Ahrmündungsdelta bei Kripp um 1800
Tranchot-Karte, Linz 5409, „©GeoBasis-DE/LvermGeoRP2011-12-07“


Neben seltenen Pflanzen bargen diese stehenden Gewässer auch Brutstätten für allerlei Mikroben und Tiere, insbesondere einer damaligen unbekannten giftigen Fliegenart. Vermutet wurde zu damaligen Zeiten, dass diese giftige Fliegenart und / oder der ausströmende Dunst der Sümpfe wohl die Ursache einer bösen, fast ausnahmslos hier auftretenden häufigen Krankheit sein könnte, deren Symptome mit Wechselfieber wie Sumpf-oder Tropenfieber bis kurz vor 1900 auftraten. 2) 

Glaubt man den mündlichen Überlieferungen der Altvorderen, so wurden von dieser im Volksmund benannten Krankheit „Freese“, wohl von frieren herrührend, fast ausschließlich Personen befallen, die sich im Ahrmündungs-bereich aufgehalten hatten. Hierzu wurde folgendes dokumentiert:Gesund gingen unsere Leute zur Arbeit an oder über die Ahr, um dort urplötzlich von heftigem Schüttelfrost befallen zu werden, der dann in wenigen Minuten einer großen Hitze wich, um mit ihr bald wieder zu wechseln.“ 3)

Betroffene Bürger berichteten von einem über Wochen- oft monatelangen andauernden Zustand der „quälenden Übelkeit, Mattigkeit in den Beinen, die sie zwang, sich ins Bett zu legen“, die, wenn man einen Heißhunger oder großes Verlangen nach einer besonderen Speise gehabt und diese bekommen hätte, im gleichen Augenblick verschwunden sei. Man hätte sich diese Krankheit sprichwörtlich im wahrsten Sinne des Wortes regelrecht „abessen“ können. 4)

Nach den erfolgten einbettigen Regulierungsarbeiten der Ahr und dem größtenteils zunehmenden Verschwinden der Sümpfe nach 1880 verschwand auch eigenartiger Weise die sogenannte Ahrmündungskrankheit “FREESE“, über die man wegen den Fieberschüben im Volksmund ab der Kolonialzeit mit der spöttelnden Bemerkung „Kripper Malaria“ witzelte. 5) Der richtige Name dieser damaligen Krankheitserscheinung konnte nicht in Erfahrung gebracht werden.

Nachtrag:

In der Kreisstatistik 1860 von Ahrweiler finden wir hierzu unter "Sümpfe" noch folgenden Hinweis: "Sümpfe, wenn auch vom geringen Umfang und Tiefe, trifft man noch immer an der Unterahr in Umgebung eines Flusses. Außer dem Nachteil, dass dieselben Land und Cultur entziehen, äußern sie eine schädliche Wirkung auf den Gesundheitszustand, indem ihre Ausdünstungen die Entstehung der Intermittens begünstigen. Ihre Beseitigung (... ) wodurch dann allmählich auch die Sümpfe mit ihren schädlichen Ausdünstungen gänzlich verschwinden". 6)Des weiteren wird noch auf einen Beitrag "Moose des Ahrtales" von Ruprecht Düll hingewiesen, indem nachfolgender interessanter Hinweis vermerkt ist: "Das Delta der Ahrmündung und seine Nachbarschaft waren bis nach der Mitte des 19. Jahrhunderts regelmäßigen Über= schwemmungen ausgesetzt und entsprechend versumpft. Damit waren sie ideale Brutplätze für die Malaria-Mücke (Anopheles). Als Folge waren sie bis nach der Mitte des 18. Jahrhunderts ständig wiederkehrenden Malariaepidemien ausgeliefert (GROMMES,G 1930). Bei langwährender Sommerwärme führte das regelmäßig auch zu Neuinfektionen". 7) Nach den Lehren Hippokrates von Kos dürften "MIASMEN" (u.a.giftige Ausdünstungen von Sümpfen, Insekten. etc.)als Ursache dieser Krankheit zu sehen sein. (Die Brutstätten keimüber-tragender Mücken als verantwortliche Miasmen wurden durch das Trockenlegen von Sümpfen beseitigt.) 

Quellen:

1) Tranchot-Karte 1803-1820 

2) mündl. Überlieferung Franz Breuer, Kripp+ 

3) Heimatkalender 1928, „Etwas von den ehemaligen Sümpfen an der Unterahr“, J. Mies, S. 118-119

4) wie 3

5) mündliche Überlieferung Franz Breuer und Friedel Valentin, Kripp +

6) Kreisstatistik Ahrweiler 1860, S.4/5)

7) duell.kilu.de/Ahrtal/Ahrtalmoosflorakorr22 3 11.pdf  


Holzkreuz am Sandweg


von Willy Weis & Hildegard Funk


Ein Wegkreuz aus Holz aus jüngerer Zeit mit einem steinernen Blumenkasten ziert die Ecke Sandweg/Quellenstraße. Über dieses Kreuz ist lediglich bekannt, dass es nach dem Ersten Weltkrieg in dieser Ausführung von einer im Unterdorf wohnenden Familie gestiftet und errichtet wurde. Der nähere Grund der Stiftung konnte leider nicht in Erfahrung gebracht werden.

Bei dem Holzkreuz, das bei jedem mittlerem Hochwasser in dem nassen Element stand, war durch Fäulnisschäden die Standsicherheit im Laufe der Jahrzehnte nicht mehr gewährleistet und es wurde somit Opfer des Jahrhunderthochwassers 1993/94. Im Januar 1994 wurde es als Treibgut von einem verantwortungsbewussten Bürger aus den Hochwasserfluten gefischt. Der Bürger-und Heimatverein erneuerte das desolate Kreuz durch ein neues Kreuz aus Eichenholz, original nach den Vorgaben des alten Kreuz. Dank einiger beherzter spendenbereiter Bürger konnte das neue Kreuz im Mai 1994 wieder aufgestellt und durch Pfarrer Birtel eingesegnet werden.


Das Holzkreuz lädt mit den aufgemalten Spruch auf dem Querbalken "Willst Du Gottes Liebe sehn, so bleib vor diesem Kreuze stehn " den Betrachter zum kurzweiligen Nachdenken ein. Mündlichen Überlieferungen älterer Bürger soll an dieser Stelle ein Kreuz mit einem Opferkasten für die Schiffer und ein Ewiges Licht gewesen sein. Recherchen in älteren geographischen Karten-aufnahmen bezeugen an dieser Stelle der Nachweis eines Kreuzstandortes als Landmarke in Form eines kleinen Kreuzes. Des Weiteren sind im Kapellenbuch verschiedene Eintragungen von Einnahmen aus einem Opferkasten am Ewigen Licht ersichtlich, sowie Ausgaben für die Kosten von Reparaturverglasungen für zerbrochenes Glas am Ewigen Licht. 


Letzte Kriegstage in Kripp 1945


von Willy Weis & Hildegard Funk


Nach der gescheiterten Ardennenoffensive durch die alliierte Bedrängung einer übermächtigen waffenstarrender Armee als immer größer erscheinenden Streitmacht kam die Hauptkampflinie der Westfront rasch für die Kripper hör-und spürbar näher, so dass man nun ab dem 4. März 1945 den andauernden Geschützlärm akustisch mehr und mehr wahrnehmen konnte. Dabei drängte der Gegner rapide in östlicher Richtung Rhein, wo sich Deutsche Truppen mit starken Ausfällen in Rückwärtsbewegung befanden. Zusehends flogen immer mehr feindliche Tiefflieger in unser Gebiet ein, wobei die hiesige Luftabwehr gegen die Übermacht feindlicher Luftflotten nur noch eine unbedeutende Rolle spielte.

Es begann eine Zeit, wo sich die Kripper überwiegend in Kellern und Luftschutzräumen aufhielten. Dabei diente dem Kripper Ignatz Jüssen das Mausoleum mit abgestützter Grabkammerdecke und mitgebrachter Matratze als Luftschutzkeller. 1) Die Kripper Schule diente bis zu ihrer Ortseinnahme als Gefechtsstand des Hauptmannes Peter Dolgener als örtlicher Flakführer von Remagen, dessen ganzer Stolz seiner mobilen Ausstattung ein Fahrrad war, das ihm jedoch in Kripp geklaut wurde. 2)

Am Kripper Ufer annähernd in Höhe der zweiten Fährrampe lagen versenkt ein mit Schmiedekohle beladenes Schleppschiff von "HANIEL" und ein mit Perlkohle beladenes Schleppschiff von Hoesch auf Grund, wobei bei letzteren die Ladung von Ortsbewohnern mit selbst gebastelten Kechern, bestehend aus einem am Stiel befestigten großen Eisenring mit Sack, nach der Methode der Sandfischer gefischt und nach Trocknung zum Heizen verwendet wurde, sowie ein am gegenüber liegenden Ufer in Höhe der Ahrmündung bei Wallen mit Eichenholz beladenes versenktes Schleppschiff.

Ob diese auf Grund liegenden Schiffe einem Tieffliegerangriff zum Opfer gefallen oder teilweise Selbstversenker waren, die, um nicht mit ihrer Ladung in Feindeshand zu gelangen, auf Anordnung von im Kripper Jugendheim liegenden SS-Einheiten von der eigenen Besatzung versenkt wurden, konnte leider derzeit nicht mehr nachvollzogen werden. 3)

Bekannt ist nur, dass der in Höhe Leubsdorf-Ariendorf gesunkene 80 m lange Radschlepper „Gustav Wegge - Braunkohle 4“ 1945 von der deutschen Wehr-macht in Ariendorf versenkt wurde. 4)

Über die Ursachen des am Anfang 1945 bei Leubsdorf versenkten Schiffes „ RHENANIA 5 “5), sowie die bei Ariendorf auf Grund liegende „ DAMCO21“kann deshalb nur spekuliert werden.6)

Das gleiche gilt für die von uns eruierten Oberstrom versenkten Schiffe wie das Einschornsteinboot „ FRANZ HANIEL 4 “, 7) oberhalb des Hammersteiner Werth, sowie die beiden bei dem Ort Leutesdorf versenkten Schiffe „ FRANZ HANIEL 14 “ 8) und dem Schiff „ FRANZ HANIEL 19 “ 9) .


Ponton Brücke in Kripp 1945

Endphase

Die zu Kriegsende gegründete Organisation „Volkssturm“ war in der Tat das letzte verzweifelte Aufgebot des Reiches. Hitlers fatale Faszination vom finalen Opfergang, als letztes Verbrechen am eigenen Volk, erfolgte auf dessen Anordnung vom 25. September 1945 durch die Einberufung aller bisher nicht eingezogenen Männern von 16-60, auch bei leidlicher Gesundheit, zum „Volkssturm“. Diese sollten als letztes Aufgebot des nationalsozialistischen Deutschen Reiches mit der Waffe in der Hand für den Endsieg mit Fanatismus und „Treue zum Führer“ ihr Scherflein zur Vaterlandverteidigung beitragen.

Ihr Kombattantenstatus war im Sinne des Kriegsvölkerrechtes wegen des Tragens von Zivilkleidung durch eine Armbinde mit der Aufschrift „Deutscher Volkssturm-Wehrmacht“ erkennbar. 10) Ihre Aufgabe war es, zur Ortsver-teidigung ausgebaute Stellungen unter anderem Panzersperren zu errichten. Sonntags beim Kirchgang stand eine für den Ort maßgebliche Parteiperson vor der Kirche und forderte junge Kirchgänger auf, unverzüglich mit den Schanzarbeiten zum Bau von Panzersperren am damaligen Haus Moeller und Luchs in der Mittelstraße sowie in der Römerstraße anzufangen. 11)

Die in Kripp liegende Propagandakompanie der HGrp B, verstärkt durch den Volkssturm Kripp, in 3 Gruppen gegliedert, hatte den Auftrag, den Südrand Kripps mit 2 Gruppen aus Stellungen heraus zu verteidigen derweil eine Gruppe mit Lkw als Jagdkommando eine Reserve des Kampfkommandanten bilden sollte, wurde jedoch wegen der schnell vorrückenden Front in den rechtsrheinischen Raum befohlen. 12)


Durch Einquartierungen zurückweichender Deutscher Wehrmachtsteile war das ehemalige Sanatorium Dr. Karsten auf dem Batterieweg von hohen deutschen Wehrmachtsoffizieren belegt, wobei während eines Saunaganges dem Leiter der Heeresgruppe B, Generalfeldmarschall Model, die Meldung über den Durchbruch der Amerikaner im nahe liegenden Frontabschnitt ereilte. Aus Zimmer 17 wurde der "letzte" Deutsche Wehrmachtsbericht des Westens von SS-Kriegsberichterstattern gesendet. 13)


Hektische und chaotische Absetzbewegungen der deutschen Wehrmacht über den Rhein bestimmten von nun an das Ortsbild. Die kläglichen Überreste einer sonst siegesgewohnten Armee in einem endlosen Strom kampfesmüder deutscher Soldaten, teils mit depressiven, ausgemergelten und vom Kampf gezeichneten Gesichtern, wälzten sich pausenlos mit ihrer restlichen militärischen Habe durch die auf Grund des großen Andranges hoffnungslos verstopften Straßen Kripps zum Rhein, dessen gegenüberliegendes Ufer noch eine natürliche Verteidigungsposition bildete, um sich dort neu geordnet und kampfbereit den alliierten Truppen entgegenzustellen. Ein geordneter Rückzug war kaum noch möglich. Aller überflüssigen Kriegsgeräte entledigte man sich noch schnell vor dem Rheinübergang in Kripp. An vielen Häuserecken waren Kriegswaffen zu finden. (Zeitzeuge: Ludwig Rüth, Kripp) Für den militärischen Uferwechsel der zurückweichenden deutschen Truppen zum rettenden rechten Rheinufer wurde alles aufzutreibende Schwimmbare eingesetzt. Angefangen von mit Matrosen der Rheinfähren-kompanie Nr.1 bemannten Schraubenbooten, bis hin zu geruderten vollbesetzten Nachen. 14) Hierzu hatte man noch eigens einen Anlieger unterhalb des zweiten Fähranlegers errichtet. Mit raschen Schritten verlagerte sich nun die Westfront in das Gebiet der Goldenen Meile, wo sie am 7.3.1945 mit der unerwarteten Einnahme der intakten Remagener Ludendorffbrücke durch die US-Army den Rheingraben bei Remagen als Hauptkampflinie zwischen Bonn und Koblenz bildeten. Dieser unvorhergesehene militärische Coup - wenn auch weit vom eigentlichen Angriffsziel Ruhrkessel entfernt - stellte zur Überwindung des großen Wasser
hindernisses eine große militärische Bereicherung dar und wurde zum Schau-platz eines spektakulären Unternehmens in der Kriegsgeschichte. Die Scheinwerfer der Welt waren schlagartig auf uns gerichtet, als man mit der "Operation Plunder" General Hodges 1.US- Armee am 7.3.45 in Remagen die intakte rheinüberspannende Ludendorffbrücke, auf der sich ein Gewimmel fliehender Truppen General von Zangens 15. Armee befanden, eroberte. 15)

Zur Unterstützung anderer Panzereinheiten näherten sich zur beabsichtigten Eroberung der Ludendorffbrücke von Kripp aus kommend nach erfolgreicher vorheriger Einnahme der Sinziger Ahrbücke, die ersten 3 Panzer der Südflanke der 9. US-Panzerdivision der 1. US-Armee und postierten sich gegen 15.30 h schießend zwischen Remagen und Kripp. 16)


US Operationsplan  

Nach einer missglückten Brückensprengung durch die Brückenwache um 16.00 Uhr stand die Eroberung der Brücke von Remagen im militärischen Mittelpunkt der Combat Command B der US-Panzerdivision. Nun galt es, schnell einen Brückenkopf zu bilden, um die in aller Eile von der Deutschen Wehrmacht am Ostufer reorganisierte neue Kampflinie aufzureiben. Mit dieser Brücken-einnahme fiel die letzte Frontlinie der deutschen Wehrmacht im Westen. Pausenlos strömten bereits innerhalb 24 Stunden 8000 US-Soldaten über die Ludendorffbrücke aufs Ostufer nach Erpel ins rechtsrheinische Gebiet. 4 Divisionen hielten den Stützpunkt Remagener Brücke und dehnten ihn zu einem Brückenkopf aus. Die gegenüber liegende Stadt Erpel glich nun einem Heerlager.
Ernst Dannemann, zeitweise inhaftierter Nazi-Gegner, wurde in aller Eile von den einrückenden Amerikanern als Ortsvorsteher eingesetzt. Er hatte dafür Sorge zu tragen, dass aus Sicherheitsgründen alle Bewohner im Kampfgebiet der Rheinfront ihre Häuser zu verlassen hatten. 17)


Pontonbrücken
Zur Entlastung der beschädigten, aber intakten Remagener Eisenbahnbrücke und zur Erweiterung des Brückenkopfes wurden in aller Eile rechts und links neben der Ludendorffbrücke je eine Pontonbrücke errichtet. Die für den Ausbau der Schwimmbrücken benötigten Pontons, Schlauchbooten und Higginsboote wurden durch das 81. und 552.Heavy Ponton Bataillon herangeschafft. 

Transport der Pontons und Higginsboote kurz vor Remagen, Repro: Slg. H.Krebs

Insgesamt benötigte man für die erste Rheinüberquerung über Pontonbrücken von Kripp nach Linz und von Remagen nach Erpel in Höhe der Fährgasse 60 Pontons und 57 Schlauchboote.

 

Transport der Pontons und Higginsboote kurz vor Remagen, Repro: Slg. H.Krebs)

Für die weitere Ausdehnung des Brückenkopfes Erpel-Linz wurden bis zum 22. März noch weitere Schwimmbrücken zwischen Rolandseck und Honnef, Mehlem-Königswinter und Remagen-Erpel (Deichweg) errichtet, um unter absoluter Luftherrschaft mit massiven Kräften zum weiteren Vorrücken über den Westerwald, Sauerland zum Ruhrgebiet schnellstens die Rheinhöhen einzunehmen. Der rasche Ausbau dieses Brückenkopfes war für die bevorstehende Ruhrgebietsschlacht und dem damit verbundenen schnelleren Kriegsende entscheidend.


Kripper Pontonbrücke

Der Bau der schweren Pontonbrücke von Kripp in geradlinier Verlängerung der zum Rhein hin abschüssigen damaligen Hermann-Göring-Strasse (heutige Quellenstrasse) im Bereich der ehemaligen Villa Nagel stand unter dem Kommando von Lieutenant Colonel Harvery R. Fraser des 51.Engineer Combat Bataillon.
Ungeachtet der Feindlage im gegenüberliegenden Linz wurde die Pontonbrücke der militärischen Wichtigkeit wegen, auf Anordnung des Chief Engineers Colonel Lyons des III. Corps der 1159th Engineer Group am 10. März gegen 
16:00 Uhr unter massiven Artilleriebeschuss aus den nun rechtsrheinischen Mündungsrohren deutscher Geschütze gebaut. Dabei kam direkt zu Beginn ein US Soldat zu Tode und ein weiterer Soldat der helfenden 181st Haevy Ponton Battalion wurde verwundet.


Um die Pontonbrücke während ihrer Bauzeit der Sicht der schießenden deutscher Artillerie zu entziehen, wurden von den Amerikanern Nebelfässer gezündet. Oberbefehlshaber war Major Robert B. Gates vom 51.Engineer Batallion. Ihr Gewicht betrug 25 Tonnen und die Konstruktion bekam für etwaige besondere Aufgaben zusätzliche Verstärkungen. Sie war eine Class -40 Brücke und demnach für 40 Tonnen Tragkraft ausgelegt. Die Klassifizierung der Pontonbrücken war eine Notwendigkeit für die Logistik beim Transport und Aufbau, aber bestimmte auch die Anzahl der Transporteinheiten, die gleichzeitig den Rhein überqueren konnten. Die Brücke mit einer Länge von 969 foot bekam später unter anderen den Namen des Majors, welcher der kommandierende Offizier des 552nd Engineer Haevy Ponton Battailons war und durch den Abwurf einer Bombe getötet wurde. 18) 

Beplankung der Kripper Brücke 1945 kurz vor dem Linzer Ufer. Repro Slg. H.Krebs

Über die Umstände beim Bau der Pontonbrücke von Kripp nach Linz mit der offiziellen Bezeichnung „ROZICH– BLACKBURN – TOMPKINS – BRIGDE“ hinterließ Brigade General John W. Barnes, Captain und Batallionsoffizier der 51.Engineer Combat Battalions nachfolgende detaillierte Beschreibung:

Am 7. März 1945, Brigadier General William M. Hoge`s Kampfgruppe B von der 9th Armored Division erreichten den Rhein bei Remagen und stellten fest, dass die Ludendorffbrücke immer noch stand. In eigener Initiative bildete er einen Brückenkopf. Diese Aktion wurde sofort General Eisenhower gemeldet, der diese Initiative unterstützte und weitere Truppen zum Brückenkopf schickte.
Das 51st Engineer Combat Battalion bekam am 8. März den Befehl, eine 25 Tonnen schwere Pontonbrücke zu errichten mit der Materialunterstützung des 181st und 552nd Engineer Haevy Ponton Battalions. Als der „S3“ der 51th war ich verantwortlich für die Planung, Vorbereitung der Befehle und Instruktionen um die Aufgaben zu erfüllen und Verantwortung zu Übernehmen in den Aktivitäten der Konstruktion. Die Pontonbrücke sollte den Rhein überqueren von Kripp nach Linz, 2 kleine Orte, die sich gegenüber lagen und ca. 3 km flussabwärts von der Ludendorffbrücke entfernt waren. Am Morgen des 10.März erreichte das 51st Batallion den Ort Kripp, rund 40 Meilen entfernt von der vorherigen Position des Bataillons. Alle Teile und Werkzeuge zum Bau der Kripper Pontonbrücke standen zur Verfügung. Der Bau der Brücke begann um 16:00 Uhr am Kripper und Linzer Rheinufer mit den Zugangsrampen, unterbrochen von periodischen Artillerieattacken und sporadischen Beschuss von leichten Maschinengewehrfeuer. Zum Schutz des Brückenbaus wurden Rauchfässer aufgestellt, um die feindliche Beobachtung zu verhindern. Trotzdem gab es sporadisch die Beschussattacken um die Arbeiten zu behindern. Einige Brückeningenieure wurden bei den Arbeiten verwundet, sechs fielen den Angriffen zum Opfer, darunter auch der Commandant des 552nd Haevy Ponton Batallion.


US-Pontonbrückenschutz. Im. Hintergrund der Kripper Wasserturm.
Foto: US-Nationalarchiv Washington/Repro: W.Weis 

Durch das verschieben der Gummiboote in die jeweiligen Positionen verlängerten wir die Brücke vom Ufer und vergrößerten dadurch den Zug der Ankerseile, die wir ständig in Position halten mussten. Dreifach Ankerseile mussten wir nun benutzen, da gegen Mitte des Stromes die Strömung immer stärker wurde. Die Ankerseile waren jedoch zu schwach und die speziellen Powerboote waren nicht stark genug, die Brücke in Position zu halten, um die Anker zu platzieren. Wir brauchten Hilfe, und die bekamen wir durch das Anfordern von LCVP Booten. LCVP steht für „Landing Craft Vehicle Personal“, wie man sie bei der Anlandung in der Normandie benutzte. Man kannte sie auch unter dem Namen „Higgins“ Boote.

Zehn dieser Higgins Boote kamen uns zur Hilfe, und sie waren in der Lage, die Brücke zu halten, damit wir ein „one-inch“ Stahlseil (25,4 mm) über den Rhein spannen konnten, an denen die Anker eines jeden Pontonteiles befestigt werden konnte. Damit hatten wir das Befestigungsproblem gegen die starke Strömung des Rheines gelöst, der bei cirka 4 Meter pro Sekunde lag. So konnten wir die restlichen Pontonteile montieren bis zur Linzer Seite des Rheines. Endlich, um 19:00 Uhr am 11. März, 27 Stunden nach Beginn der Arbeiten, war die 969 foot lange Pontonbrücke fertiggestellt. Es war die längste fließende Brücke, die jemals unter Artilleriefeuer erstellt wurde. Um 23:00 Uhr begann nun die Übersetzung des Verkehrs. Tagsüber übersetzte alle 2 Minuten ein Fahrzeug die Brücke, darunter auch Panzerfahrzeuge.

Die zweite Pontonbrücke, unterhalb der Ludendorfbrücke war für leichtere Fahrzeuge vorgesehen. Beide Pontonbrücken wurden für den Weg an die Front benutzt und waren in beide Richtungen zu benutzen. Dadurch konnte die Ludendorfbrücke für Reparaturarbeiten geschlossen werden. Die Reparaturarbeiten an der Ludendorffbrücke konnten aber nicht fertiggestellt werden, da die Brücke wegen Materalermüdung einstürzte.“ 19)

Vermerk: LCVP Boote waren Landungsboote mit 8 Mann Besatzung. Man nutzte sie in Remagen und Kripp, um Truppen über den Rhein zu bringen. Beim Bau der Pontonbrücke in Kripp mussten sie den amerikanischen Ingenieuren zu Hilfe eilen, da durch die starke Strömung der Druck zu groß war, um die Ankerseile der Pontons an den Drahtseilen zu befestigen.

Pausenlos rollte nun der amerikanische Nachschub mit militärischen Bedarfs-gütern über diese Notbrücke in die Hauptkampflinie des rechtsrheinischen Westerwaldes. Das Kripper Unterdorf glich vom wartenden Andrang des 9. US-Panzerdivision her einem riesigen Heerlager und Armeedepot.

Geschütze, Panzer, Jeeps drängten sich auf der damaligen Hermann-Göring-Straße an der einzusetzenden US-Kampftruppen vorbei. Alle Straßen, besonders die dortigen Nebenstraßen, waren vollgestopft mit Panzerfahrzeugen und jeglichen militärischen Geräten. Damit der militärische Nachschub komplikationslos über die Pontonbrücke erfolgen konnte, wäre nach unbe-stätigten Aussagen einiger Dorfbewohner aus militärischer Sicht in Erwägung gezogen worden, die Unterkripp mit Bulldozern dem Erdboden gleich zu machen, wobei vorerst nur der Abriss der unterhalb der Mittelstraße beginnenden linken Häuserzeile der heutigen Quellenstraße erfolgen sollte. Es besteht jedoch die unausgesprochene Vermutung, dass wegen der raschen Frontverschiebung sich der geplante Abriss des Unterdorfes erübrigte. 20)  


Eventuelle Abrissplanung der Unterkripp.
Foto: US-Nationalarchiv Washington/Repro: W.Weis

 

Die ersten Fahrzeuge setzen im 2 Minutentakt über die Pontonbrücke nach Linz.
In der Flußmitte stabilisierenden Higginsboote. Repro: Slg.H.Krebs

 Deutsche Störversuche

Mit der Errichtung dieses groß angelegten gewaltigen US-Brückenkopfes erwuchsen gegnerische Militäraktionen deutscher Truppen 21) von den Anhöhen des Westerwaldes, die den ungehinderten Blick über die Ebene der Goldene Meile im Kampfbereich freigaben. Alle feindlichen Frontbewegungen in Kripp und Umgebung lagen zur Zeit der Brücken-und Ortseinnahme sowie der Bildung des Brückenkopfes im unbehinderten Feuer- und Beobacht-ungsbereich der gegenüberliegenden rechtsrheinischen deutschen Truppen, von denen die Ortsperipherie und die offene Feldmark Kripps mit Maschinengewehren bestrichen werden konnte. Von hier aus konnten die deutschen Artilleriebeobachter Feuer auf jegliche militärische Bewegung im operierenden Gefechtsfeld anfordern, um dem Feind erhebliche Verluste zuzufügen bzw. dessen Vordringen einzuschränken, wobei die Pfarrkirche durch einen Treffer im rechten oberen Giebelbereich beschädigt wurde.
Des weiteren folgten nun zur Störung des Rheinüberganges wegen des dichten Flakgürtels unter größten Verlusten, unaufhörlich geflogene deutsche Fliegerangriffe sowie Kampfschwimmerattacken. Erstmals wurden am 14. März Strahlenflugzeuge vom Typ Arado 234 als Vorläufer des Düsenjägers eingesetzt. Diese Neuentwicklung mit Schallgeschwindigkeit, aufgestiegen auf den west
fälischen Flughäfen Achmer und Hesepe, hatten Einsätze gegen die Ponton-brücke Linz-Kripp zu fliegen, wobei am 14.März bei einem Gleitangriff aus 500 m Höhe die gegen diese Brücke abgeworfenen Bomben ihr Ziel verfehlten und eine davon als Volltreffer in eine in Nähe des Linzer Neutores befindliche Flakstellung des 535.(US) AAA Aw Btl niederging und 22 US-Soldaten tötete. 22)

Momentaufnahme, Rauchwolke nach Explosion der verfehlten Bombe in Linz.
Repro:Slg. Jakob Weiler

Zum erweiterten Schutz der Kripper Pontonbrücke gegen deutsche Tiefflieger-angriffe wurde neben dem Flaksperrgürtel zusätzlich durch eine Ballonsperre der in Belgien liegenden britischen Sperreinheit der 974th P Squadron der Royal Airforce erweitert, die mit ihren an Leinen befestigten mit Wasserstoff gefüllten " 25 Mark IV ballons" ab dem 19. März 1945 Tieffliegerangriffe gegen die  Kripper Pontonbrücke unmöglich machten. Die Angriffe nahmen nach dem 17. März infolge der immer weiter drängenden Frontverlegung in Richtung Osten ab. 23)

Insgesamt versuchte die deutsche Luftwaffe im Großraum des Brückenkopfes Remagen bis zu dem 17. März 1945 mit 369 erfolgten Bombenangriffen den Rheinübergang der US-Armee zu stören, wobei die massive US-Luftabwehr aus allen Rohren schießend 109 Abschüsse erzielt haben soll. 24) 


Kripper Pontonbrücke mit Ballonsperren

Foto: Geographisches Institut Keele/ GB/ Repro: Slg.W.Weis

Zur Sicherung der Rheinübergänge des Brückenkopfes gegen deutsche Sabo-tageattacken und Treibminen wurden neben den aus Benzinbehältern und Baumstämmen errichteten Stromsperren zur Nacht auch CDL-Tanks eingesetzt.


US-Pionier bei der Einrichtung einer Minensperre über den Rhein oberhalb der Ahrmündung 

 Foto: US-Nationalarchiv Washington/Repro: W.Weis 

Pioniermaterial zum Bau von Treibminensperren in Höhe der Ahrmündung

Foto: US-Nationalarchiv Washington/Repro: W.Weis

Attacke der Kampfschwimmer

Auf Grund der damaligen militärischen Wichtigkeit entwickelte sich die Lage am Brückenkopf Remagen nach der Einnahme der intakten Ludendorffbrücke durch die 9. US-Armee mit den errichteten Pontonbrücken als spezielle Angelegenheit des Reichssicherheitshauptamtes in Berlin.

Was bisher mit Artillerie, Luftangriffen und Panzerbeschuss nicht gelungen war, sollte nun durch Kampfschwimmer auf allerhöchsten Befehl des Ober-kommandos der Wehrmacht vollendet werden. Der unmissverständliche Befehl des OKW lautete:

„ZERSTÖRUNG DER RHEINBRÜCKE BEI REMAGEN UND DER PONTONBRÜCKE IN KRIPP “.

Alle militärischen Operationen zu Wasser im hiesigen Gebiet unterlagen dem Einsatz des deutschen Marineeinsatzstabes und wurden unter dem Decknamen "Lederstrumpf" und "Puma" geführt. 25) Für diese militärischen Operationen wurde am 11. März 1945 Untersturmführer (gleich Lt der Waffen-SS) Schreiber als Leitender der Spezialgruppe Deutscher Kampfschwimmer der Jagdeinheit Donau im SS-Jagdverband Südost mit seinem Team aus 11 Kampfschwimmern vom Oberkommando der Wehrmacht befohlen, als Kommandierender seiner Truppe unverzüglich vom Flughafen Wien mit einem Militärflugzeug nach Frankfurt am Main zu fliegen und mittels eines Militärlasters nach Bad Ems zu gelangen, um sich mit Hauptmann Hellmers, dem Leiter der Kampfschwim-mertruppen, der verantwortlich für die Zerstörung britischer Pontonbrücken bei Nimwegen und Kreyskansgogo in der Nähe von Antwerpen war, zu treffen.

Hauptmann Friedrich Hummel, auch unter dem Pseudonym Wimmel, Wimmer bzw. Hellmer bekannt, stand bis September 1944 als Kommandant der Meeresjäger-Abteilung „Brandenburg“ vor und gehörte nach seiner Versetzung bis Kriegsende zur Einsatzleitung als Einsatzplaner der Kampfschwimmer im Reichssicherheitshauptamt (RSHA Abt. VI-S), die im SS-Jagdkommando „Donau“ zusammengefaßt waren. Er stand unter dem Kommando von Otto Skorzeny, ein wegen seiner 1943 legendären Duce-Befreiung eingegangener SS-Waffenoffizier im damaligen Range eines Hauptmannes. Als Kommandeur der Frontaufklärung II der Waffen-SS war Hellmers im jetzigen Range eines Hauptsturmbannführes der operative Leiter zur Zerstörung der Rheinübergänge am Brückenkopf Remagen. 26) Er hatte den Auftrag eine an den Brückenkopf befohlene Kampfschwimmereinheit der Waffen-SS zu führen. 27)


Hellmers ordnete Schreiber an, sich in Waldbreitbach den Marine-Kampf-schwimmern von Hauptmann Bartels anzuschließen. Der gemeinsame Zusam-menschluss beider Kampfschwimmergruppen sollte dazu führen, die auf zwei Widerlagern und zwei Pfeilern ruhende Ludendorffbrücke mit 4 angebrachten Torpedominen sowie parallel dazu die Pontonbrücke bei Kripp zu zerstören.
Beide Einheiten waren Teil der Deutschen Marine und hatten das gleiche Trainingsprogramm wie das SS-Team Schreiber durchlaufen.

Der eigentliche Plan der Deutschen Wehrmacht zum Einsturz der Eisenbahn-brücke sollten je 2 zusammen gekoppelten Torpedominen vom Typ C a. 700 kg sein, die mittels einem 9,6 t Einmann-U-Boot "Biber" an die Pfeiler der Ludendorffbrücke herangeführt werden sollten.

Jede der beiden Torpedominen waren der Tiefenbalance wegen mit sechs Schwimmkörpern versehen und sollten sich mit der Strömung des Rheines unter Wasser treibend der Brücke nähern.

Das Sprengmaterial für die Remagener Brücke musste man folglich unter die Kripper Pontonbrücke untertauchend transportieren. Um ein gefahrloses und unerkanntes Untertauchen der Minen an der Kripper Pontonbrücke zu gewährleisten, musste die Tauchtiefe der Sprengkörper entsprechend mit angebrachten Schwimmern zwischen der Rheinsohle und Pontonbrücke ausbalanciert werden.

Parallel zu diesem Einsatz sollte eine zweite Mission laufen, die Sprengung der von amerikanischen Pionieren gerade fertiggestellten etwa 2,5 km Oberstrom liegenden Pontonbrücke in Kripp, deren Zerstörung wegen laufender Truppenübersetzungen auf das andere Ufer höchste Priorität eingeräumt wurde.


                       Die taktische US-Pontonbrücke zwischen Kripp und Linz kurz nach der Fertigstellung  Foto: Repro Weis


Dazu hatte man erst unter der hiesigen Pontonbrücke das erforderliche Sprengmaterial anzubringen und sich dann auf das eigentliche Ziel, die Eisenbahnbrücke Remagen zu konzentrieren. Die Zündung der Kripper Pontonbrücke sollte gleichzeitig mit dem Anbringen der Minen an der Remagener Brücke erfolgen. Eine große Herausforderung an die Kampfschwimmer wegen des erheblichen Brückenschutzes durch die Amerikaner an beiden Brücken. Zu diesem Zweck setzte KorvKapt Hans Bartels, der unter dem Decknamen „Lederstrumpf“ die Einsätze der Kampfschwimmer an der Westfront führte, bereits am 9. März das Kommando „Puma“ unter Oblt zur See Erich Dörpinghaus nach Hönningen in Marsch.
Das Kommando „Puma“ bestand aus 12 Kampfschwimmern, einem Funk-fahrzeug mit 3 Funkern, 3 Mannschafts-LKW mit den Sperrwaffenspezialisten, einem VW-Kübel, einem B-Krad und 3 Lkw`s zum Transport der Torpedominen. Die besondere Schwierigkeit des Einsatzes war die vom Feind unbemerkte Wasserung der „Biber“ und deren schweren Minen am rechtsrheinischen Ufer.Da man die schweren Geräte nicht alleine wassern konnte, musste bereits wegen fehlender zugesagter Pionierunterstützung der erste geplante Einsatz am 9.März abgebrochen und die Einsatzgeräte zur Sicherheit gegen Artilleriefeuer nach Rengsdorf verlegt werden. 28)

Obwohl die Chance einer unbemerkten U-Bootwasserung wegen erheblicher Ausdehnung der Brückenkopffront -die Amerikaner standen bereits am 12.3. am nördlichen Ortsrand von Hönningen und hatten das westliche Rheinufer fast von Remagen bis Koblenz eingenommen- immer geringer wurden, wurde ein erneuter Versuch am 13. März von insgesamt 23 „Puma“ und Waffen-SS Männern in Rengsdorf gestartet. Infolge Ariebeschuß und fast trans-portunfähigen Straßen musste der Einsatz vor Leutesdorf wiederum abgebrochen werden, da der Gegner das Vorhaben geräuschmäßig erfasst hatte. Die schweren Kampfmittel wurden aus dem Einsatzraum bis zur endgültigen Entscheidung durch OB West bei Dierdorf abgestellt. 29)


Zu einem erneuten und letzten Versuch des Einsatzes von Torpedominen traf man sich am16. März morgens auf einem Bauernhof bei Waldbreitbach, wo Kampfschwimmer der Gruppe Bartels die Torpedos mit 2 Minen mit hoch-explosivem Sprengstoff, aussehend wie zwei dunkelgrüne Metallzigarrenteile, für den vorgesehenen Wasserungstransport auf einen zweiachsigen Anhänger gelagert hatten, der als Minentransport zur Wasserung nach Leutesdorf vorgesehen war. Der Transport endete jedoch 3 km vor dem eigentlichen Ziel, wobei der schwere Anhänger wegen des schlechten Straßenzustandes während des Transportes derart beschädigt wurde, dass eine Weiterfahrt unmöglich war und die geplante Wasserungsaktion unverrichteter Dinge abgebrochen werden musste. 30)

Wegen derzeit fehlender Einsatzmöglichkeiten wurden die Kampfmittel jedoch präventiv trotz größter Transportschwierigkeiten außerhalb des Artillerie= bereiches bereitgehalten. 31)

Auf Grund der gegenwärtigen Feindlage infolge laufender Frontveränderungen ist laut Einsatzbeurteilung von KorvKpt Bartels an die Heeresgruppe von dem Einsatz mit vorgesehenen schwerem Marinekampfmaterial wegen der derzeitigen Unmöglichkeit der Wasserung abzuraten. Ein erfolgversprechender Auftrag wäre nunmehr derzeit nur noch mit zugesagten Kugeltreibminen und Lichtzündgeräten durchführbar und zu befürworten.Wegen Erfolglosigkeit verschiedener Einsätze des Marinekommandos und dem Einsatz von insgesamt 10 V2-Raketen für die Zerstörung der Ludendorffbrücke mit dem Punktziel „Ziel 0309“ der Werferabteilung 500 der Waffen-SS „Gruppe Nord“ aus Einsatzstellungen in der Nähe von Deventer/Niederlande in den Vortagen, erfolgte ein neuer Befehl, die Remagener Brücke durch den Einsatz beider Kampfschwimmereinheiten in der Nacht zum 16. März durch eine punktuelle Sprengung eines der beiden Brückenpfeiler mittels 28 Sprengstoffpakete „Plastit“ a 3 kg zum Einsturz zu bringen. Die Aktion scheiterte ebenfalls wegen unerwarteter Kampfhandlungen während des Transportes, da die eingesetzten 12 Kampfschwimmer erst bei Tagesanbruch verspätet das Rheinufer beim OrtHönningen erreichten und somit nach Abbruch der Mission auf den 17.März verschoben wurde. 32) 


Eine geplante Einsatzwiederholung zum 17.3. wurde auf Grund schwerer Häuserkämpfe der letzten Nacht in Hönningen für die kommende Nacht weiter Flussaufwärts nach Hammerstein verlegt, was die Erfolgsaussicht des Unternehmens auf Grund der nunmehr 12 km Entfernung vom Angriffsziel bei einer Wassertemperatur um 8° Grad Celsius reduzierte. Der geplante Kampfeinsatz gegen die Remagener Ludendorffbrücke erübrigte sich am gleichen Tage durch den unerwarteten und völlig überraschenden Brückeneinsturz. Nunmehr ging es nur noch um die Zerstörung der Pontonbrücken. 

Seitenaufnahme der 58 Tagebrücke zwischen Kripp und Linz

18. März 1945, letzte SS-Kampfschwimmerattacke

Um nun den raschen Übergang von US-Truppen zum anderen Ufer über die Kripper und Remagener Pontonbrücken zu stören, erhielt Schreiber bei der erneuten Befehlsausgabe in Dierdorf durch Hellmers den Befehl, mit einem zu bildenden siebenköpfigen SS-Kampfschwimmertrupp die Verankerungen der Kripper Pontonbrücke durch Unterwassersprengungen mittels Knetspreng-stoffen zu zerstören. „Schwimmt zu der Kripper Brücke und zerstört sie. Sendet zwei Leute mit einem Lastwagen nach Römlinghoven. Gebt dort den Licht= signalcode und wartet auf den Rest der Kampfschwimmergruppe. Stellt das Startsignal auf 14 Stunden. Die drei anderen Kampfschwimmer werden mit Bartels weiterziehen“.

Die 7 Froschmänner, die die Attacke auf die Pontonbrücke in Kripp durchführen sollten, waren SS- Untersturmführer Walter Schreiber, von September 1944 bis März 1945 Leiter des „SS-Jagdkommandos DONAU“, SS Rottenführer Kretchmann, die Sturmmänner Weidemann, Egelhoff und Westmann, sowie die Schützen Vogelsang und Westbelt. Diese sieben gehörten zur Kampfschwimmergruppe SS Jagdkommando „Donau“ und standen unter dem Befehl des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) . 33)


Für die geplante Aktion wurden mit einem Militär-LKW sieben Kanister, 28 Sprengstoffpakete „Plastit“ a 3 Kg und Nylonsäcke, indem das ganze Tauchgerät eingebunden war, sowie sieben finnische Messer, die einzige Waffe der Kampfschwimmer und luminierte Handkompasse zur neuen Wasser-einstiegsstelle nach Hammerstein transportiert, weil infolge erweiterter Frontlinien Hönnigen durch die Amerikaner bereits eingenommen war. Ein mitgeführter Erlaubnisschein B garantierte bei Militärkontrollen eine ungehinderte Durchfahrt.


Bereits vor Hammerstein kam zur örtlichen Einweisung ein Leutnant der 227.Division als Lotse an Bord des Militärlasters. In einer Hausruine am rechten Rheinufer zog man sich Schwimmanzüge mit schwarzen Ledergürtel an und rieb sich zum Schutz vor Kälte und zur Verschleierung mit dunkelgrünem Fett ein. Nach einem Zeitabgleich bestiegen die Kampfschwimmer ein Boot und ruderten zur Südspitze der Insel Hammerstein, wo sie mit ihrer Ausrüstung in die kalten Rheinfluten stiegen.

Für den Taucheinsatz hatte man sich trotz niedriger Wassertemperatur für leichte Tauchanzüge ohne lange warme Wollunterwäsche, Flossen und speziellen Atemschutzmasken entschieden, da man schwere Tauchanzüge mit Sauerstoffflaschen und Atemschläuchen wegen Beschädigungen infolge Stacheldrahthindernisse an den Pontonbrücken nicht für sinnvoll erachtete.
Hellmers verabschiedete sich von der Gruppe Schreiber mit den Worten, dass sich alle morgen wie vereinbart in Römlinghoven treffen werden. Es sollte jedoch anders kommen!

Den Behälter mit dem Sprengstoff haltend, stiegen die Kampfschwimmer in zweier Reihen im Abstand von 5 Metern in die Fluten. Bei eventuell auftretenden Schwierigkeiten hatte jeder Schwimmer die Pflicht, dies mit erhobener rechter Hand mit dem Finnmesser anzuzeigen. 

Bereits beim Eintauchen der 7 SS-Kampfschwimmer gegen 21:45 Uhr 34) in die Rheinfluten gerieten sie vom gegenüber liegendem Ufer unter starken amerikanischen Infanteriebeschuss.

Bei Kripp gefangener SS-Kampfschwimmer in Taucherausrüstung 
Foto: US-Nationalarchiv Washington, SC 207 478 Repro.W.Weis

                                                        Bildrückseite

US-Bemerkung Fotorückseite: SC 207 478, Here is a German saboteur, captured white swimming along the Rhine River near Remagen, in an attempt to destroy U.S.First Army brigdes. His equipment consits of a rubber helmet and gloves, oxygen mask, convas jacket lined with chemicals that give off heat when immersed in water, rubber paints, canvas shoes on which ar fastened hard rubber web feet. 164the Eng.Bn. 3/18/45

Durch diesen Zwischenfall alarmiert, begannen nun die Amerikaner die Wasseroberfläche des Rheines mit ihren Speziallampen abzuleuchten, wobei zwei SS-Kampf-schwimmer nur mit kurzen Messern bewaffnet in „rubber swimming uniforms“ gegen 23:45 Uhr -vermutlich wegen Unterkühlung- nördlich von Hönnigen ans Ufer schwimmend durch Angehörige des 164 th Engineer Bataillon gestellt wurden. Bei der weiteren Ausleuchtung der Rheinfluten konnte stromab oberhalb der Ahrmündung UstFhr Schreiber mit einem weiteren Kampfschwimmer, der durch die Explosion infolge Beschusses eines mitgeführten Sprengmittelpaketes verletzt wurde, gefangen genommen werden.*(Namensdifferenz je nach Quellenlage)

Ein weiterer Kampfschwimmer wurde bei der Explosion getötet. (*unterschiedliche Opferzahl je nach Quellenlage) Zwei der SS-Kampf-schwimmer mit ihren Sprengstoffpäckchen " Plastit" gelang es jedoch, unbeobachtet die Netzsperren der Pontonbrücken zu untertauchen, jedoch ohne ihre mitgeführten Knetsprengstoffe wegen der Blendwirkung der eingesetzten Speziallampen an den Verankerungen der Pontons gefahrlos zu positionieren. Sie trafen sich in Römlinghoven, um am vereinbarten Treff teilzunehmen.
Nach dem Treff wurde einer von ihnen am 20. März gefangen genommen, 
während der siebte Kampfschwimmer unentdeckt blieb. Der letzte Befehl der Deutschen Seekriegsleitung für Kripp, die Pontonbrücke zu sprengen, kam durch diese Umstände nicht mehr zur Ausführung.

Die überlebenden Kampfschwimmer wurden sofort verhört, wobei der Kommandant der 99 th Infantry Divison, Major General Walter E.Lauer, den verletzten Schreiber in seinem Kriegsbericht als „...fanatischen öster-reichischen Nazi....der erst nach 6 Stunden anfing, zu reden“, beschrieb


Zwei vor Kripp aufgefischte SS-Kampfschwimmer beim Verhör

Fotorückseite

US-Bemerkung Fotorückseite: SC 207 478, Here is a German saboteur, captured white swimming along the Rhine River near Remagen, in an attempt to destroy U.S.First Army brigdes. His equipment consits of a rubber helmet and gloves, oxygen mask, convas jacket lined with chemicals that give off heat when immersed in water, rubber paints, canvas shoes on which ar fastened hard rubber web feet. 164the Eng.Bn. 3/18/45

Durch diesen Zwischenfall alarmiert, begannen nun die Amerikaner die Wasseroberfläche des Rheines mit ihren Speziallampen abzuleuchten, wobei
zwei SS-Kampf-schwimmer nur mit kurzen Messern bewaffnet in „rubber swimming uniforms“ gegen 23:45 Uhr -vermutlich wegen Unterkühlung- nördlich von Hönnigen ans Ufer schwimmend durch Angehörige des 164 th Engineer Bataillon gestellt wurden. Bei der weiteren Ausleuchtung der Rheinfluten konnte stromab oberhalb der Ahrmündung UstFhr Schreiber mit einem weiteren Kampfschwimmer, der durch die Explosion infolge Beschusses eines mitgeführten Sprengmittelpaketes verletzt wurde, gefangen genommen werden.*(Namensdifferenz je nach Quellenlage)

Ein weiterer Kampfschwimmer wurde bei der Explosion getötet. (*unterschiedliche Opferzahl je nach Quellenlage) Zwei der SS-Kampf-schwimmer mit ihren Sprengstoffpäckchen " Plastit" gelang es jedoch, unbeobachtet die Netzsperren der Pontonbrücken zu untertauchen, jedoch ohne ihre mitgeführten Knetsprengstoffe wegen der Blendwirkung der eingesetzten Speziallampen an den Verankerungen der Pontons gefahrlos zu positionieren. Sie trafen sich in Römlinghoven, um am vereinbarten Treff teilzunehmen, während der siebte Kampfschwimmer unentdeckt blieb. Der letzte Befehl der Deutschen Seekriegsleitung für Kripp, die Pontonbrücke zu sprengen, kam durch diese Umstände nicht mehr zur Ausführung.

Die überlebenden Kampfschwimmer wurden sofort verhört, wobei der Kommandant der 99 th Infantry Divison, Major General Walter E.Lauer, den verletzten Schreiber in seinem Kriegsbericht als „...fanatischen öster-reichischen Nazi....der erst nach 6 Stunden anfing, zu reden“, beschrieb.

US-Bemerkung Fotorückseite: SC 207 478, Here is a German saboteur, captured
white swimming along the Rhine River near Remagen, in an attemp to destroy U.S.First Army brigdes. His equipment consits of a rubber helmet and gloves, oxygen mask, convas jacket lined with chemicals that give off heat when immersed in water, rubber paints, canvas shoes on which ar fastened hard rubber web feet. 164the Eng.Bn. 3/18/45


CDL-Tanks
Durch den von General Eisenhower zum Absuchen des Rheinstromes autori-sierten Einsatz am Brückenkopf durch CDL-Tanks (Canal Defence Light), einer britischen Erfindung, wurde durch deren Blendleuchten des 488th AAA Aw mobilen Battalion Oberstrom von Kripp am 17. März die bevorstehende SS-Kampfschwimmerattacke unter dem Befehl Schreibers vereitelt und Gefangene gemacht. Diese enorme Helligkeit von 13.000.000 Kerzenstärke des CDL kam von einem auf einem Schlitten im Panzer montierten Kohlelichtbogen, dessen Strom durch einen 9,5 kV Generator separat angetrieben wurde. Dieser intensive Lichtstrahl wurde von einem Sammelspiegel erfasst, der eine Parabel in seiner Vertikal-achse und eine Ellipse in seiner Horizontalachse war, um einen konvergierenden, und anschließend, von einem Knotenpunkt etwa 150 bis 180 cm von der Lichtquelle entfernt, einen divergierenden, Strahl zu erzeugen. Dieser Strahl, etwa auf dem halben Wege zu seinem primären Brennpunkt durch einen gewöhnlichen Planspiegel aus poliertem Aluminium zurückgeworfen, war auf 1000 m Entfernung in der Lage, ein Gebiet von 340 x 11 m
taghell auszuleuchten. 35)


19/20. März - Letzter Sprengversuch gegen die Pontonbrücken

Nach dem gescheiterten SS-Kampfschwimmereinsatz sollten nunmehr die Pontonbrücken in Kripp und Remagen mittels der 63 Kugeltreibminen und UMA-Netzsprenggeräten durch die Marine Kampfeinheit zerstört werden.


Auf Grund der neuen Feindlage konnten die zwischen Leutesdorf und Hammerstein zu wassernden 63 Kugeltreibminen a 50 kg jedoch nicht mit Lkw und Pferdegespanne zum Rhein transportiert werden, sondern wurden in der Nacht vom 19/20. März von Monrepos aus von einem aus 126 Soldaten bestehenden Trägerkommando über Steilhänge und dichtem Wald nach einem 10 stündigen mühseligen Marsch in Richtung Hammerstein transportiert. Während einer eingelegten Rast der Trägerkolonne im dichten Unterholz des Bachmühltales kurz vor Leutesdorf wurde durch ein Vorauskommando zur Erkundung der vorgesehenen Wasserungsstelle unter Leitung von Oblt z.S. Dörpinghaus, der mit seinen Kampfschwimmern und Mechaniker-Matrosen den eigentlichen Einsatz zu erledigen hatte, nämlich das Gefechtsfertigmachen und Wassern der 63 Minen, dort bereits US-Panzer und Infanteristen gesichtet.

Die im Waldgebiet versteckte Trägerkolonne wurde von 50 US-Infanteristen bemerkt und mit Panzer-und Artillerieunterstützung unter großen Verlusten aufgerieben 36) Somit scheiterte der letzte Plan der Deutschen Seekriegsleitung zur Zerstörung der Schwimmbrücken im hiesigen Bereich.


Die Beendigung der Kampfschwimmereinsätze und der Luftkämpfe infolge der östlichen Frontverschiebung Richtung Ruhrgebiet bedeutete für Kripp endlich das langersehnte Ende von Kampfhandlungen.

Die ehemals hart umkämpften Pontonbrücken blieben bis zum 7. Juni 1945 weiterhin rein präventiv in Höhe Dattenberg durch 2 Netzsperren gesichert. 37)

Durch das gute Einvernehmen und Vermittlung des von der US-Armee eingesetzten Ortsvorstehers Dannemann war es unter seinem Ehrenwort möglich, aus humanitären Gründen täglich einen Lkw mit Kripper Zivil-personen auf das gegenüberliegende Ufer zu transportieren. 38)


Quellen:
01) Mündliche Angaben Ignaz Jüssen
02) „Remagen im März 1945“, Lothar Brüne/ Jakob Weiler, S.69
03) Zeitzeuge Josef Marx +, Kripp
04) „Oldtimer der Rheinschifffahrt“, S.135, gebaut 1925, 1900 PS, Tiefgang 1,50 m, 1946 gehoben
05) „Oldtimer der Rheinschifffahrt“, S.119, gebaut 1911, 1150 PS, Tiefgang 1,20 m, gehoben 1946
06) „Oldtimer der Rheinschifffahrt, S. 141, gebaut 1922, 1200 PS, Tiefgang 1,15 m, gehoben 1945
07) „Oldtimer der Rheinschifffahrt, S. 145, gebaut 1886, 850 PS, Tiefgang 1,35 m , versenkt 1945, gehoben und verschrottet 1947.

08) „Oldtimer der Rheinschifffahrt, S. 133, gebaut 1909, 1500 PS, Tiefgang 1,50 m, 1945 versenkt, gehoben 1946.+
09) „Oldtimer der Rheinschifffahrt, S. 131, gebaut 1896, 900 PS, Tiefgang 1,30 m, 1945 versenkt, 1947 gehoben.
10) „Remagen im März 1945“, Lothar Brüne/ Jakob Weiler, S.44
11) mündliche Angaben Gerd Dannemann
12) wie 10, jedoch S.63
13) „Dr. Hermann Karsten-Ein Ja zum Leben“, von Mathilde Karsten, Kripp, S.48
14) Remagen im März 1945, Lothar Brüne/ Jakob Weiler, S.51
15) "Endkampf am Rhein". D.und W.Withaker,Ullstein Verlag 1994
16) wie 14, jedoch S.208
17) mündliche Angaben des Sohnes Gerd Dannemann
18) Bericht der amerikanischen 30th Armored Division
19) Voices of my comrades,-amerikanische Reserve Offiziere erinnern sich an den 2. Weltkrieg. Editiert von Carol Adele Kelly, © Fordham University Press
20) mündliche Angaben von Franz Breuer+und Friedel Valentin+,Kripp
21) „Sinzig im Dritten Reich", Band II, Kreisarchiv, Manuskript von Heinz Schmalz
22) „Remagen im März 1945, Lothar Brüne/ Jakob 
Weiler S.167 

23) wie 22, jedoch S.163
24) Zeitungsartikel: Remagener Nachrichten 10/2005

25) „Remagen im März 1945“, L.Brüne- Jakob Weiler, Remagen 1993, S.172 ff.
26) „German Combat Divers“ Library of Congress Catalog Number 2008924542 by Michale Jung, page 136
27) wie Nr. 25, Seite 175
28) wie Nr. 27, S.173-174 , FN 533
29) wie Nr. 27, S. 175
30) „The Underwater saboteurs“, B. Brou, Paris 1955. (Foreign Literature P publishing House, 1957 Moskau)
31) „Remagen im März 1945“, L.Brüne- Jakob Weiler, Remagen 1993, S.173, Fußnote 533
32) wie Nr. 31, S.180 ff,
33) „U.S.Army in WWII European Theater of operations: The Last Offensiv“, by Charles B.Mac Donald, Washington 1973
34) Zeitdifferenzen je nach Quellenlage unterschiedlich
35) Damals und Heute, -Die Überquerung des Rheines, S.50-53
36) wie Nr. 31, S.177-180

37) „1100 Jahre Linz, S.119, Tgb.-Aufzeichnungen Dr. Fr- J. Wuermeling
7.6.1945
38) mündliche Angaben: Gerd Dannemann, Sohn des damaligen Ortsvorstehers

Literatur:
„Remagen im März 1945“, L.Brüne- Jakob Weiler, Remagen 1993
„German Combat Divers“ Library of Congress Catalog Number 2008924542 by Michale Jung, Page 136
„The Underwater saboteurs“, B.Brou, Paris 1955. (Foreign Literature Publishing House, 1957 Moskau)
„U.S.Army in WWII European Theater of Operations: The Last Offensiv“, by Charles B.MacDonald, Washington 1973
„Damals und Heute“, -Die Überquerung des Rheines, S.50-53) „1100 Jahre Linz“, S.119, Tgb.-Aufzeichnungen Dr. Fr- J. Wuermeling 7.6.45) sowie das Diskussi
onsforum: Feldgrau.net


Anmerkung:
Was das Geschehen der Kampfeinsätze der Marineeinheiten betrifft, so sind fast alle Angaben in den aufgeführten Quellen bis auf geringe Abweichungen identisch. Selbst persönlich durchgeführte Recherchen im US-National Archiv in Washington ergaben ebenfalls keine anderen Ergebnisse.

Militärische Operationen mit derzeit nicht gesicherter Quellenlage fanden in unserem Beitrag Berücksichtigung.



Fotos vom alten Kripp

vorgestellt von Horst Krebs


Das Kripper Kurhaus um 1955

Kripper Wehr im Großeinsatz beim Brand der Möbelfabrik Atzenroth 1960er Jahren

Alter Schulhof Kripp um 1955

Jupp und Jüppche

Transportfahrzeug der Gebrüder Breuer Möbelfabrik Kripp um 19??. Rechts Friseurgeschäft Hammer