Pontonbrücke Kripp 1945

Die letzten Kriegstage in Kripp

© weis/funk Kripp 2015

Nach der gescheiterten Ardennenoffensive durch die alliierte Bedrängung einer übermächtigen waffenstarrender Armee als immer größer erscheinenden Streitmacht kam die Hauptkampflinie der Westfront rasch für die Kripper hör-und spürbar näher, so dass man nun ab dem 4. März 1945 den andauernden Geschützlärm akustisch mehr und mehr wahrnehmen konnte. Dabei drängte der Gegner rapide in östlicher Richtung Rhein, wo sich Deutsche Truppen mit starken Ausfällen in Rückwärtsbewegung befanden.

Zusehends flogen immer mehr feindliche Tiefflieger in unser Gebiet ein, wobei die hiesige Luftabwehr gegen die Übermacht feindlicher Luftflotten nur noch eine unbedeutende Rolle spielte. Es begann eine Zeit, wo sich die Kripper überwiegend in Kellern und Luftschutzräumen aufhielten.
Dabei diente dem Kripper Ignatz Jüssen das Mausoleum mit abgestützter Grabkammerdecke und mitgebrachter Matratze als Luftschutzkeller. 1) Die Kripper Schule diente bis zur Ortseinnahme als Gefechtsstand des Hauptmannes Peter Dolgener als örtlicher Flakführer Remagens, dessen ganzer Stolz seiner mobilen Ausstattung ein Fahrrad war, das ihm jedoch in Kripp geklaut wurde. 2)

Am Kripper Ufer annähernd in Höhe der zweiten Fährrampe lagen versenkt ein mit Schmiedekohle beladenes Schleppschiff von "HANIEL" und ein mit Perlkohle beladenes Schleppschiff von Hoesch auf Grund, wobei bei letzteren die Ladung von Ortsbewohnern mit selbst gebastelten Kechern, bestehend aus einem am Stiel befestigten großen Eisenring mit Sack, nach der Methode der Sandfischer gefischt und nach Trocknung zum Heizen verwendet wurde, sowie ein am gegenüber liegenden Ufer in Höhe der Ahrmündung bei Wallen mit Eichenholz beladenes versenktes Schleppschiff.
Ob diese auf Grund liegenden Schiffe einem Tieffliegerangriff zum Opfer gefallen oder teilweise Selbstversenker waren, die, um nicht mit ihrer Ladung in Feindeshand zu gelangen, auf Anordnung von im Kripper Jugendheim liegenden SS-Einheiten von der eigenen Besatzung versenkt wurden, konnte leider derzeit nicht mehr nachvollzogen werden. 3)
Bekannt ist nur, dass der in Höhe Leubsdorf-Ariendorf gesunkene 80 m lange Radschlepper „Gustav Wegge - Braunkohle 4“ 1945 von der deutschen Wehrmacht in Ariendorf versenkt wurde. 4)
Über die Ursachen des Anfang 1945 bei Leubsdorf versenkten Schiffes „ RHENANIA 5 “ 5)
sowie die bei Ariendorf auf Grund liegende „ DAMCO 21“ kann deshalb nur spekuliert werden. 6)

Das gleiche gilt für die von uns eruierten Oberstrom versenkten Schiffe wie das Einschornsteinboot „ FRANZ HANIEL 4 “, 7) oberhalb des Hammersteiner Werth, sowie die beiden bei Leutesdorf versenkten Schiffe „ FRANZ HANIEL 14 “ 8) und „ FRANZ HANIEL 19 “ 9)


Endphase

Die zu Kriegsende gegründete Organisation „Volkssturm“ war in der Tat das letzte verzweifelte Aufgebot des Reiches.
Hitlers fatale Faszination vom finalen Opfergang, als letztes Verbrechen am eigenen Volk, erfolgte auf dessen Anordnung vom 25. 9.1945 durch die Einberufung aller bisher nicht eingezogenen Männern von 16-60, auch bei leidlicher Gesundheit, zum „Volkssturm“. Diese sollten als letztes Aufgebot des nationalsozialistischen Deutschen Reiches mit der Waffe in der Hand für den Endsieg mit Fanatismus und „Treue zum Führer“ ihr Scherflein zur Vaterlandverteidigungg beitragen.
Ihr Kombattantenstatus war im Sinne des Kriegsvölkerrechtes wegen des Tragens von Zivilkleidung durch eine Armbinde mit der Aufschrift „Deutscher Volkssturm-Wehrmacht“ erkennbar. 10)

Ihre Aufgabe war es, zur Ortsverteidigung ausgebaute Stellungen u.a. Panzersperren zu errichten. Sonntags beim Kirchgang stand eine für den Ort maßgebliche Parteiperson vor der Kirche und forderte junge Kirchgänger auf, unverzüglich mit den Schanzarbeiten zum Bau von Panzersperren am damaligen Haus Moeller und Luchs in der Mittelstraße sowie in der Römerstraße anzufangen. 11)

Die in Kripp liegende Propagandakompanie der HGrp B, verstärkt durch den Volkssturm Kripp, in 3 Gruppen gegliedert, hatte den Auftrag, den Südrand Kripps mit 2 Gruppen aus Stellungen heraus zu verteidigen derweil eine Gruppe mit Lkw als Jagdkommando eine Reserve des Kampfkommandanten bilden sollte, wurde jedoch wegen der schnell vorrückenden Front in den rechtsrheinischen Raum befohlen. 12)
Durch Einquartierungen zurückweichender Deutscher Wehrmachtsteile war das ehemalige Sanatorium Dr. Karsten auf dem Batterieweg von hohen deutschen Wehrmachtsoffizieren belegt, wobei während eines Saunaganges dem Leiter der Heeresgruppe B, Generalfeldmarschall Model, die Meldung über den Durchbruch der Amerikaner im nahe liegenden Frontabschnitt ereilte. Aus Zimmer 17 wurde der "letzte" Deutsche Wehrmachtsbericht des Westens von SS-Kriegsberichterstattern gesendet. 13)
Hektische und chaotische Absetzbewegungen der deutschen Wehrmacht über den Rhein bestimmten von nun an das Ortsbild. Die kläglichen Überreste einer sonst siegesgewohnten Armee in einem endlosen Strom kampfesmüder deutscher Soldaten, teils mit depressiven, ausgemergelten und vom Kampf gezeichneten Gesichtern, wälzten sich pausenlos mit ihrer restlichen militärischen Habe durch die auf Grund des großen Andranges hoffnungslos verstopften Straßen Kripps zum Rhein, dessen gegenüberliegendes Ufer noch eine natürliche Verteidigungsposition bildete, um sich dort neu geordnet und kampfbereit den alliierten Truppen entgegenzustellen.
Ein geordneter Rückzug war kaum noch möglich. Aller überflüssigen Kriegsgeräte entledigte man sich noch schnell vor dem Rheinübergang in Kripp. An vielen Häuserecken waren Kriegswaffen zu finden. (Zeitzeuge: Ludwig Rüth, Kripp) Für den militärischen Uferwechsel der zurückweichenden deutschen Truppen zum rettenden rechten Rheinufer wurde alles aufzutreibende Schwimmbare eingesetzt. Angefangen von mit Matrosen der Rheinfährenkompanie Nr.1 bemannten Schraubenbooten, bis hin zu geruderten vollbesetzten Nachen. 14) Hierzu hatte man noch eigens einen Anlieger unterhalb des zweiten Fähranlegers errichtet.
Mit raschen Schritten verlagerte sich nun die Westfront in das Gebiet der Goldenen Meile, wo sie am 7.3.1945 mit der unerwarteten Einnahme der intakten Remagener Ludendorffbrücke durch die US-Army den Rheingraben bei Remagen als Hauptkampflinie zwischen Bonn und Koblenz bildeten. Dieser unvorhergesehene militärische Coup - wenn auch weit vom eigentlichen Angriffsziel Ruhrkessel entfernt- stellte zur Überwindung des großen Wasserhindernis eine große militärische Bereicherung dar und wurde zum Schauplatz eines spektakulären Unternehmens in der Kriegsgeschichte. Die Scheinwerfer der Welt waren schlagartig auf uns gerichtet, als man mit der "Operation Plunder" General Hodges 1.US- Armee am 7.3.45 in Remagen die intakte rheinüberspannende Ludendorffbrücke, auf der sich ein Gewimmel fliehender Truppen General von Zangens 15. Armee befanden, eroberte. 15)
Zur Unterstützung anderer Panzereinheiten näherten sich zur beabsichtigten Eroberung der Ludendorffbrücke von Kripp aus kommend nach erfolgreicher vorheriger Einnahme der Sinziger Ahrbücke, die ersten 3 Panzer der Südflanke der 9. US-Panzerdivision der 1. US-Armee und postierten sich gegen 15.30 h schießend zwischen Remagen und Kripp. 16)


US Operationsplan



Nach einer missglückten Brückensprengung durch die Brückenwache um 16.00 Uhr stand die Eroberung der Brücke von Remagen im militärischen Mittelpunkt der Combat Command B der US-Panzerdivision. Nun galt es, schnell einen Brückenkopf zu bilden, um die in aller Eile von der Deutschen Wehrmacht am Ostufer reorganisierte neue Kampflinie aufzureiben. Mit dieser Brückeneinnahme fiel die letzte Frontlinie der deutschen Wehrmacht im Westen.
Pausenlos strömten bereits innerhalb 24 Stunden 8000 US-Soldaten über die Ludendorffbrücke aufs Ostufer nach Erpel ins rechtsrheinische Gebiet. 4 Divisionen hielten den Stützpunkt Remagener Brücke und dehnten ihn zu einem Brückenkopf aus. Die gegenüber liegende Stadt Erpel glich nun einem Heerlager.

Ernst Dannemann, zeitweise inhaftierter Nazi-Gegner, wurde in aller Eile von den einrückenden Amerikanern als Ortsvorsteher eingesetzt. Er hatte dafür Sorge zu tragen, dass aus Sicherheitsgründen alle Bewohner im Kampfgebiet der Rheinfront ihre Häuser zu verlassen hatten. 17)

Pontonbrücken

Zur Entlastung der beschädigten, aber intakten Remagener Eisenbahnbrücke und zur Erweiterung des Brückenkopfes wurden in aller Eile rechts und links neben der Ludendorffbrücke je eine Pontonbrücke errichtet.
Die für den Ausbau der Schwimmbrücken benötigten Pontons, Schlauchbooten und Higginsboote wurden durch das 81. und 552.Heavy Ponton Bataillon herangeschafft.

                                           Transport der Pontons und Higginsboote kurz vor Remagen, Repro: Slg. H.Krebs)

Insgesamt benötigte man für die erste Rheinüberquerung über Pontonbrücken von Kripp nach Linz und von Remagen nach Erpel in Höhe der Fährgasse 60 Pontons und 57 Schlauchboote.


                                               Transport der Pontons und Higginsboote kurz vor Remagen, Repro: Slg. H.Krebs)

Für die weitere Ausdehnung des Brückenkopfes Erpel-Linz wurden bis zum 22. März noch weitere Schwimmbrücken zwischen Rolandseck und Honnef, Mehlem-Königswinter und Remagen-Erpel (Deichweg) errichtet, um unter absoluter Luftherrschaft mit massiven Kräften zum weiteren Vorrücken über den Westerwald, Sauerland zum Ruhrgebiet schnellstens die Rheinhöhen einzunehmen.
Der rasche Ausbau dieses Brückenkopfes war für die bevorstehende Ruhrgebietsschlacht und dem damit verbundenen schnelleren Kriegsende entscheidend.


Kripper Pontonbrücke
Der Bau der schweren Pontonbrücke von Kripp in geradlinier Verlängerung der zum Rhein hin abschüssigen damaligen Hermann-Göring-Strasse (heutige Quellenstrasse) im Bereich der ehemaligen Villa Nagel stand unter dem Kommando von Lieutenant Colonel Harvery R. Fraser des 51.Engineer Combat Bataillon.
Ungeachtet der Feindlage im gegenüberliegenden Linz wurde die Pontonbrücke der militärischen Wichtigkeit wegen, auf Anordnung des Chief Engineers Colonel Lyons des III. Corps der 1159th Engineer Group am 10. März gegen 16:00 Uhr unter massiven Artilleriebeschuss aus den nun rechtsrheinischen Mündungsrohren deutscher Geschütze
gebaut. Dabei kam direkt zu Beginn ein US Soldat zu Tode und ein weiterer Soldat der helfenden 181st Haevy Ponton Battalion wurde verwundet.
Um die Pontonbrücke während ihrer Bauzeit der Sicht der schießenden deutscher Artillerie zu entziehen, wurden von den Amerikanern Nebelfässer gezündet. Oberbefehlshaber war Major Robert B. Gates vom 51.Engineer Batallion.
Ihr Gewicht betrug 25 Tonnen und die Konstruktion bekam für etwaige besondere Aufgaben zusätzliche Verstärkungen. Sie war eine Class -40 Brücke und demnach für 40 Tonnen Tragkraft ausgelegt. Die Klassifizierung der Pontonbrücken war eine Notwendigkeit für die Logistik beim Transport und Aufbau, aber bestimmte auch die Anzahl der Transporteinheiten, die gleichzeitig den Rhein überqueren konnten. Die Brücke mit einer Länge von 969 foot bekam später unter anderen den Namen des Majors, welcher der kommandierende Offizier des 552nd Engineer Haevy Ponton Battailons war und durch den Abwurf einer Bombe getötet wurde. 18)

  

Bild links :Beplankung der Kripper Pontonbrücke 1945 kurz vor dem Linzer Ufer. Repro Slg. H.Krebs
Bild rechts:US-Pontonbrückenschutz. Hintergrund der Kripper Wasserturm. Foto: US-Nationalarchiv Washington/Repro: W.Weis

Über die Umstände beim Bau der Pontonbrücke von Kripp nach Linz mit der offiziellen Bezeichnung „ROZICH – BLACKBURN – TOMPKINS – BRIGDE“ hinterlies Brigade General John W. Barnes, Captain und Batallionsoffizier der 51.Engineer Combat Battalions nachfolgende detaillierte Beschreibung:

„Am 7. März 1945, Brigadier General William M. Hoge`s Kampfgruppe B von der 9th Armored Division erreichten den Rhein bei Remagen und stellten fest, dass die Ludendorffbrücke immer noch stand. In eigener Initiative bildete er einen Brückenkopf. Diese Aktion wurde sofort General Eisenhower gemeldet, der diese Initiative unterstützte und weitere Truppen zum Brückenkopf schickte.
Das 51st Engineer Combat Battalion bekam am 8. März den Befehl, eine 25 Tonnen schwere Pontonbrücke zu errichten mit der Materialunterstützung des 181st und 552nd Engineer Haevy Ponton Battalions. Als der „S3“ der 51th war ich verantwortlich für die Planung, Vorbereitung der Befehle und Instruktionen um die Aufgaben zu erfüllen und Verantwortung zu Übernehmen in den Aktivitäten der Konstruktion. Die Pontonbrücke sollte den Rhein überqueren von Kripp nach Linz, 2 kleine Orte, die sich gegenüber lagen und ca. 3 km flussabwärts von der Ludendorffbrücke entfernt waren. Am Morgen des 10.März erreichte das 51st Batallion den Ort Kripp, rund 40 Meilen entfernt von der vorherigen Position des Bataillons. Alle Teile und Werkzeuge zum Bau der Kripper Pontonbrücke standen zur Verfügung. Der Bau der Brücke begann um 16:00 Uhr am Kripper und Linzer Rheinufer mit den Zugangsrampen, unterbrochen von periodischen Artillerieattacken und sporadischen Beschuss von leichten Maschinengewehrfeuer. Zum Schutz des Brückenbaus wurden Rauchfässer aufgestellt, um die feindliche Beobachtung zu verhindern. Trotzdem gab es sporadisch die Beschussattacken um die Arbeiten zu behindern. Einige Brückeningenieure wurden bei den Arbeiten verwundet, sechs fielen den Angriffen zum Opfer, darunter auch der Commandant des 552nd Haevy Ponton Batallion.

Durch das verschieben der Gummiboote in die jeweiligen Positionen verlängerten wir die Brücke vom Ufer und vergrößerten dadurch den Zug der Ankerseile, die wir ständig in Position halten mussten. Dreifach Ankerseile mussten wir nun benutzen, da gegen Mitte des Stromes die Strömung immer stärker wurde. Die Ankerseile waren jedoch zu schwach und die speziellen Powerboote waren nicht stark genug, die Brücke in Position zu halten, um die Anker zu platzieren. Wir brauchten Hilfe, und die bekamen wir durch das Anfordern von LCVP Booten. LCVP steht für „Landing Craft Vehicle Personal“, wie man sie bei der Anlandung in der Normandie benutzte. Man kannte sie auch unter dem Namen „Higgins“ Boote.
Zehn dieser Higgins Boote kamen uns zur Hilfe, und sie waren in der Lage, die Brücke zu halten, damit wir ein „one-inch“ Stahlseil (25,4 mm) über den Rhein spannen konnten, an denen die Anker eines jeden Pontonteiles befestigt werden konnte. Damit hatten wir das Befestigungsproblem gegen die starke Strömung des Rheines gelöst, der bei cirka 4 Meter pro Sekunde lag. So konnten wir die restlichen Pontonteile montieren bis zur Linzer Seite des Rheines. Endlich, um 19:00 Uhr am 11. März, 27 Stunden nach Beginn der Arbeiten, war die 969 foot lange Pontonbrücke fertiggestellt. Es war die längste fließende Brücke, die jemals unter Artilleriefeuer erstellt wurde. Um 23:00 Uhr begann nun die Übersetzung des Verkehrs. Tagsüber übersetzte alle 2 Minuten ein Fahrzeug die Brücke, darunter auch Panzerfahrzeuge.
Die zweite Pontonbrücke, unterhalb der Ludendorfbrücke war für leichtere Fahrzeuge vorgesehen. Beide Pontonbrücken wurden für den Weg an die Front benutzt und waren in beide Richtungen zu benutzen. Dadurch konnte die Ludendorfbrücke für Reparaturarbeiten geschlossen werden. Die Reparaturarbeiten an der Ludendorffbrücke konnten aber nicht fertiggestellt werden, da die Brücke wegen Materalermüdung einstürzte.“
19)


Vermerk: LCVP Boote waren Landungsboote mit 8 Mann Besatzung. Man nutzte sie in Remagen und Kripp, um Truppen über den Rhein zu bringen. Beim Bau der Pontonbrücke in Kripp mussten sie den amerikanischen Ingenieuren zu Hilfe eilen, da durch die starke Strömung der Druck zu groß war, um die Ankerseile der Pontons an den Drahtseilen zu befestigen.

Pausenlos rollte nun der amerikanische Nachschub mit militärischen Bedarfsgütern über diese Notbrücke in die Hauptkampflinie des rechtsrheinischen Westerwaldes. Das Kripper Unterdorf glich vom wartenden Andrang des 9. US-Panzerdivision her einem riesigen Heerlager und Armeedepot.

                                           Die ersten Fahrzeuge setzen im 2 Minutentakt über die Pontonbrücke nach Linz.
                                           In der Flußmitte stabilisierenden Higginsboote. Repro: Slg.H.Krebs

Geschütze, Panzer, Jeeps drängten sich auf der damaligen Hermann-Göring-Straße an der einzusetzenden US-Kampftruppen vorbei. Alle Straßen, besonders die Nebenstraßen, waren vollgestopft mit Panzerfahrzeugen und jeglichen militärischen Geräten.
Damit der militärische Nachschub komplikationslos über die Pontonbrücke erfolgen konnte, wäre nach unbestätigten Aussagen einiger Dorfbewohner aus militärischer Sicht in Erwägung gezogen worden, die Unterkripp mit Bulldozern dem Erdboden gleich zu machen, wobei vorerst nur der Abriss der unterhalb der Mittelstraße beginnenden linken Häuserzeile der heutigen Quellenstraße erfolgen sollte. Es besteht jedoch die unausgesprocheneVermutung, dass wegen der raschen Frontverschiebung sich der geplante Abriss des Unterdorfes erübrigte. 20)

Eventuelle Abrissplanung der Unterkripp.
Foto: US-Nationalarchiv Washington/Repro: W.Weis

Deutsche Störversuche

Mit der Errichtung dieses groß angelegten gewaltigen US-Brückenkopfes erwuchsen gegnerische Militäraktionen deutscher Truppen 21) von den Anhöhen des Westerwaldes, die den ungehinderten Blick über die Ebene der Goldene Meile im Kampfbereich freigaben. Alle feindlichen Frontbewegungen in Kripp und Umgebung lagen zur Zeit der Brücken-und Ortseinnahme sowie der Bildung des Brückenkopfes im unbehinderten Feuer-und Beobachtungsbereich der gegenüberliegenden rechtsrheinischen deutschen Truppen, von denen die Ortsperipherie und die offene Feldmark Kripps mit Maschinengewehren bestrichen werden konnte. Von hier aus konnten die deutschen Artilleriebeobachter Feuer auf jegliche militärische Bewegung im operierenden Gefechtsfeld anfordern, um dem Feind erhebliche Verluste zuzufügen bzw. dessen Vordringen einzuschränken, wobei die Pfarrkirche durch einen Treffer im rechten oberen Giebelbereich beschädigt wurde.
Des weiteren folgten nun zur Störung des Rheinüberganges wegen des dichten Flakgürtels unter größten Verlusten, unaufhörlich geflogene deutsche Fliegerangriffe sowie Kampfschwimmerattacken. Erstmals wurden am 14. März Strahlenflugzeuge vom Typ Arado 234 als Vorläufer des Düsenjägers eingesetzt. Diese Neuentwicklung mit Schallgeschwindigkeit, aufgestiegen auf den westfälischen Flughäfen Achmer und Hesepe, hatten Einsätze gegen die Pontonbrücke Linz-Kripp zu fliegen, wobei am 14.März bei einem Gleitangriff aus 500 m Höhe die gegen diese Brücke abgeworfenen Bomben ihr Ziel verfehlten und eine davon als Volltreffer in eine in Nähe des Linzer Neutores befindliche Flakstellung des 535.(US) AAA Aw Btl niederging und 22 US-Soldaten tötete. 22)

Momentaufnahme, Rauchwolke nach Explosion der verfehlten Bombe in Linz.
Repro:Slg. Jakob Weiler

Zum erweiterten Schutz der Kripper Pontonbrücke gegen deutsche Tieffliegerangriffe wurde neben dem Flaksperrgürtel zusätzlich durch eine Ballonsperre der in Belgien liegenden britischen Sperreinheit der 974th P Squadron der Royal Airforce erweitert, die mit ihren an Leinen befestigten mit Wasserstoff gefüllten " 25 Mark IV ballons" ab dem 19. März 1945 Tieffliegerangriffe gegen die Kripper Pontonbrücke unmöglich machten. Die Angriffe nahmen nach dem 17. März infolge der immer weiterdrängenden Frontverlegung in Richtung Osten ab. 23)
Insgesamt versuchte die deutsche Luftwaffe am Brückenkopf bis 17. März 1945 mit 369 erfolgten Bombenangriffen den Rheinübergang der US-Armee zu vereiteln, wobei die massive US-Luftabwehr aus allen Rohren schießend 109 Abschüsse erzielte. 24)

                          Kripper Pontonbrücke mit Ballonsperren Foto: Geographisches Institut Keele/ GB/ Repro: Slg.W.Weis

Zur Sicherung der Rheinübergänge des Brückenkopfes gegen deutsche Sabotageattacken und Treibminen wurden neben den aus Benzinbehältern und Baumstämmen errichteten Stromsperren zur Nacht auch CDL-Tanks eingesetzt.

                                US-Pionier bei der Einrichtung einer Minensperre über den Rhein oberhalb der Ahrmündung
                                Foto: US-Nationalarchiv Washington/Repro: W.Weis

Pioniermaterial zum Bau von Treibminensperren in Höhe der Ahrmündung Foto: US-Nationalarchiv Washington/Repro: W.Weis

Quellen:
01) Mündliche Angaben Ignaz Jüssen
02) „Remagen im März 1945“, Lothar Brüne/ Jakob Weiler, S.69
03) Zeitzeuge Josef Marx +, Kripp
04) „Oldtimer der Rheinschifffahrt“, S.135, gebaut 1925, 1900 PS, Tiefgang 1,50 m, 1946 gehoben
05) „Oldtimer der Rheinschifffahrt“, S.119, gebaut 1911, 1150 PS, Tiefgang 1,20 m, gehoben 1946
06) „Oldtimer der Rheinschifffahrt, S. 141, gebaut 1922, 1200 PS, Tiefgang 1,15 m, gehoben 1945
07) „Oldtimer der Rheinschifffahrt, S. 145, gebaut 1886, 850 PS, Tiefgang 1,35 m , versenkt 1945, gehoben und verschrottet 1947. 08) „Oldtimer der Rheinschifffahrt, S. 133, gebaut 1909, 1500 PS, Tiefgang 1,50 m, 1945 versenkt, gehoben 1946.+
09) „Oldtimer der Rheinschifffahrt, S. 131, gebaut 1896, 900 PS, Tiefgang 1,30 m, 1945 versenkt, 1947 gehoben.
10) „Remagen im März 1945“, Lothar Brüne/ Jakob Weiler, S.44
11) mündliche Angaben Gerd Dannemann
12) wie 10, jedoch S.63
13) „Dr. Hermann Karsten-Ein Ja zum Leben“, von Mathilde Karsten, Kripp, S.48
14) Remagen im März 1945, Lothar Brüne/ Jakob Weiler, S.51
15) "Endkampf am Rhein". D.und W.Withaker,Ullstein Verlag 1994
16) wie 14, jedoch S.208
17) mündliche Angaben des Sohnes Gerd Dannemann
18) Bericht der amerikanischen 30th Armored Division
19) Voices of my comrades,-amerikanische Reserve Offiziere erinnern sich an den 2. Weltkrieg. Editiert von Carol Adele Kelly, © Fordham University Press
20) mündliche Angaben von Franz Breuer+und Friedel Valentin+,Kripp
21) „Sinzig im Dritten Reich", Band II, Kreisarchiv, Manuskript von Heinz Schmalz
22) „Remagen im März 1945, Lothar Brüne/ Jakob Weiler S.167
23) wie 22, jedoch S.163
24) Zeitungsartikel: Remagener Nachrichten 10/05