Kripper Jugendheim  ©

© Bericht von Willy Weis und Hildegard Funk

Die vertragliche Bindung der Stiftung "Brüder in Not" war für den Kripper Geistlichen Brückert die Initialzündung für den Bau eines sozialen Universalgebäudes zum Wohle der Jugend. Brückert engagierte sich seinerseits unter Einsatz von erheblichen persönlichen Vermögenswerten für den sozialen Gedanken, besonders für die Kripper Jugend.

                   
                       Nach der Errichtung eines modernen Pfarrheims 1983 in der Voßstraße, verfiel das ehemalige
                       "Heim für Brüder in Not" zusehends und wurde nach Grundstücksverkauf 1999 abgerissen.

Unterstützend sollte zur weiteren Kapitalbildung für diese Idee das Erbe im Nachlass Tempel an dem gesamten Haus Hauptstraße im Werte von 4.000 Mark (Friedensmark) für den Neubau eines neuen Jugendheimes mitverwendet werden. (Protokollbuch für die Kirchengemeinde Kripp vom 8.11.1911 bis 8.11.1924). Pfarrer Brückert setzte für diese soziale Kripper Idee zum Wohle der Jugend sein ganzes Privatvermögen ein und verlor schließlich alles durch einen Bankenkrach in Amsterdam. Dennoch konnte er sein Werk vollenden.

Das für die Jugend errichtete, kirchliche Sozialgebäude am Batterieweg diente in den ersten Jahren als Nähschule, Kindergarten, Vereinsunterkunft und Kulturraum mit einer Theaterbühne. Es wurde zur Jugendherberge (DJH) ausgebaut und unterstand zunächst dem Reichsverband Deutscher Jugendherbergen, später dem Reichsverband Rheinland im Hauptverband für Jugendherbergen und Jugendwandern in Bordenbach/Mosel. Herbergsvater war um 1928 Herr Mannroth.

Nach der Gleichschaltung durch die Nazis diente das Jugendheim kurzfristig als geschlossenes Lager des Reichsarbeits= dienstes, wobei die Betten und die Küche der ehemaligen Jugendherberge Verwendung fanden. Ab 1934 wurde das Gebäude in ein Landjahrheim umgewandelt.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden auf dem kircheneigenen Gelände von der französischen Besatzungsmacht marokkanische Truppen einquartiert. In dem auf dem Gelände befindlichen Oekonomiegebäude am Sandweg wurde von den Marokkanern trotz erheblicher Proteste der hiesigen Bürgerschaft ein Bordell errichtet, wo angereiste "verliederlichte" Frauenzimmer dem Gewerbe der Unzucht nachgingen. Für jeden Kripper ein Dorn im Auge, demonstrierte der Kirchenvorstand vergeblich bei der französischen Militärverwaltung. Nach Auflösung des Lagers wurde das Ökonomiegebäude abgerissen.

Nach der Errichtung eines modernen Pfarrheims 1983 in der Voßstraße, verfiel das ehemalige "Heim für Brüder in Not" zusehens und wurde, nachdem das Grundstück 1999 verkauft wurde, abgerissen. Geblieben sind jedoch für viele ältere Kripper Erinnerungen an eine unbeschwerte Zeit in einem Gemäuer.