Heilbad Kripp  ©

© Bericht von Willy Weis und Hildegard Funk

Die Traditionder Badekuren reicht bis in die Antike zurück. Seither dienen Thermal- und Mineralquellen zur Linderung und Heilung von Krankheiten aller Art. In unserer Region verdanken wir diese Quellen dem vulkanischen Erbe der Eifel. Mit der Erbohrung von Heilquellen in Sinzig, Neuenahr, Bodendorf, Niederbreisig und Kripp begann im 19. und 20. Jahrhundert die Geschichte der Kurorte im Kreis Ahrweiler, die den Ruf der Region als Gesundheits- und Fitnessregion begründet haben. Besonders Bad Neuenahr erlebte ab der ersten Kursaison im Jahre 1858 einen rasanten Aufstieg zu einem der führenden Bäder Deutschlands. Im Reigen der Kurorte im Kreis Ahrweiler war Kripp das jüngste Bad. Seine Geschichte ist zugleich auf Grund kurzer Lebensdauer aber nur ein" balneologisches Intermezzo" geblieben

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                                           Feuerwehrmann Ignaz Lohmer. Entdecker der Kripper Maria Luisen Quelle.

Unabhängige Gutachter attestierten dem Mineralwasser eine hervorragende zusammensetzung. Die Quelle erhielt nach dem Vornamen der Besitzerin den Namen "Maria-Luisen-Quelle". Der neu entdeckte säuerling, er weist mehr als ein Gramm Kohlensäure pro Liter auf, würde nach der Analyse durch ein namhaftes Institut als "Heilkräftige Quelle" offiziell anerkannt. Er kann als "Natrium-Hydrogenkarbonat-Chlorid-Säuerling bezeichnet werden. Die Temperatur erreicht mit 18,3 Grad noch nicht den für eine "Therme" geforderten Grenzwert von 20 Grad. In der Analyse fällt neben dem Kochsalzgehalt der größere Anteil an Maqgnesiumionen gegenüber den Kalziumionen auf. Unter den Heilquellen des Kreises Ahrweiler nahm die Maria-Luisen-Quelle in Kripp mit ihren salinischen Anteilen eine Sonderstellung ein.

                                            

Dank seiner chemischen Zusammensetzung besitzt das Kripper Heilwasser eine Heilkraft, die zur gezielten medizinischen Behandlung verschiedener Krankheiten eingesetzt werden kann: chronische Magenkatarrhe, mit und ohne Säureanomalien, Magengeschwüre, Übersäuerung des Magens, mäßige und allgemeine Übersäuerung bei Stoffwechselleiden und Nierenleiden, Leber- und Gallenleiden, Gicht, Störungen des Harnsäurestoffwechsels, Nierensteinleiden, insbesondere Harnsäuresteine, auch zur Nachkur nach Operationen in Form von Trink- und Badekuren.
Die hervorragenden Werte des Heilwassers gaben den Weg frei für die Errichtung einesn Heilbads

Der Traum vom Heilbad

Die Quellbesitzer entschlossen sich zur Errichtung von Kur- und Badeanlagen. Zur Finanzierung eines Badebetriebes wurde eine Gesellschaft mit dem Namen "Heilbadbetrieb Maria-Luisen-Quelle" in Kripp gegründet. Kurdirektor war Walter Werner, Sohn der Besitzer. Auf dem Quellgrundstück wurde ein kleines bescheidenes Badehaus errichtet und für den ganzjährigen Badebetrieb am 9.9.1934 eröffnet.

Das Heilwasser musste in einem, im Pumpenhaus befindlichen Heizkessel für die Sitzbäder in den Holzbadezubern erwärmt werden. Zur Hebung und Förderung des Fremdenverkehrs, der Errichtung und Unterhaltung öffentlicher Anlagen und für die Werbung, wurde von 25 Ortsbewohnern bereits am 3.Mai 1934 ein "Bade- und Verkehrsverein Kripp a/Rhein e.V. gegründet. Vereinsführer war Jean Schlitzer, seine Vertreter Graf Taveggi und Peter Dahm jun.

Kripp erhielt 1935 die offizielle Anerkennung als Heilbad.

Als aufstrebender kleiner Kurort zog Kripp in seiner reizvollen Rheinlage schnell Badegäste an, viele wurden Stammgäste. Der Badebetrieb florierte aber auch durch zahlreiche Gäste der NS-Gemeinschaft Kraft-durch-Freude (KdF) und nahm eine günstige Entwicklung.

                                                

1937 eröffnete Dr.Dr.Hermann Karsten im ehemaligen Schwesternheim auf dem Batterieweg ein Sanatorium als private Krankenanstalt. Es verfügte über die erste Sauna Deutschlands. Dr.Dr. Karsten führte im Sanatorium seine Zahnarztpraxis, bot aber auch eine Palette von Möglichkeiten an ambulanten, offenen und geschlossenen Badekuren mit der Heilquelle an.
Sein Sanatorium empfahl sich u.a bei Erkältungskrankheiten, Nervenleiden, Rheuma, Stoffwechselerkrankungen und Kreislaufstörungen.
Zu seinem Naturheilverfahren gehörten Anwendungen nach Pfarrer Kneipp, aber auch Duft-, Farb- und Tontherapien, sowie das Japanbad und eine ärztlich geleitete Heilsauna. Das Sanatorium lag in unmittelbarer Nachbarschaft der Kuranlagen in ausgedehnten Parkanlagen.

Zu den Sanatoriumsgästen zählten Mitglieder des Mittelstandes, aber auch Prominente. So zum Beispiel die bekannten Pianistin Elly Ney. Die Unterbringung der Badegäste in Kripp erfolgte zum Teil im Sanatorium, den Rheinhotels und Gaststätten, überwiegend aber in Familienpensionen. Die Gäste, die vielfach 6-8 Wochen blieben, kamen überwiegend per Bahn in Linz und Remagen an, wobei die Sanatoriumsgäste mit der Kutsche abgeholt wurden.

Der Kurhausgarten, das Sanatoriumsgelände und die gepflegten Rheinanlagen boten den Erholungssuchenden ausgiebig Gelegenheiten zu Spaziergängen. Der florierende Badebetrieb brachte für das kleine Kripp einen wirtschaftlichen Aufschwung durch Arbeitsplätze im Badebetrieb, private Zimmervermittlung und zusätzliche Einnahmen in den örtlichen Geschäften.

Durch den Zweiten Weltkrieg wurde der Aufschwung des Badebetriebs gehemmt. Er kam zeitweise zum Erliegen.

Nachkriegszeit

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam der Badebetrieb nur langsam wieder in Gang, nahm aber in den 1959er Jahren wieder einen guten Aufschwung. Für die steigenden Besucherzahlen wurde der Bäderkomplex mit Bäder- Trink- und Ruhehalle sowie Massagenräume erweitert. Ganzjährig wurden in dem neuen Badehaus Sitzbäder, Massagen und Trinkkuren durchgeführt. Der Badeort mit seinem Kurhaus und dem renomierten Sanatorium Dr.Dr. Karsten erfreuten sich steigender Beliebtheit. Sehr geschätzt wurde das Sauna- und Thermalbad (25-27 Grad) im Sanatoriumsgarten der Privatkrankenanstalt.

   Sanatorium von Dr.Dr.Karsten. Stand bis zum Abriss 1981 im Batterieweg.

Das Kurhaus des Bades, das ehemalige Wohnhaus der Quellenbesitzer, auch "das Rheinschlößchen" gennannt, erhielt 1948 eine Vollkonzession, die aber 1966 zurückgezogen wurde.
Die Pächter wechselten mehrfach.
Der Badebetrieb von Kripp ging langsam aber stetig bergab.

Fehlende Investitionen und die Nichtanpassung an die gestiegenen Bedürfnisse der Gäste, die schließlich mehr und mehr ausblieben., waren u.a. die Gründe für den Niedergang.

Der Badebetrieb wurde um 1958 eingestellt.

Auch der Mineralwasserbetrieb, der 1958 an die Firma Lehnig übergegangen war, hielt sich nur bis 1963. Die Idee des Dr.Dr. Karsten, den Kripper Kurgarten in ein Heilzentrum umzubauen, fand leider keine Verwirklichung. Die letzte Chance zur Erhaltung des Heilbades zerfloss.

Die Quellenanlage ist zwar versiegelt, jedoch weiterhin im betriebsbereitem Zustand. Das Kurhaus mit samt den Kur- und Badeanlagen sowie das Sanatorium sind längst der Spitzhacke zum Opfer gefallen. Verwildert ist der herrliche Garten des Kurhauses. Lediglich die Bezeichnung "Quellenstraße" erinnert daran, dass Kripp für etwa 30 Jahre ein Heilbad war. Hoffnung auf eine Wiederbelebung des Badebetriebes gibt es nicht.