Kripper Ordensschwester  ©

© Bericht von Willy Weis und Hildegard Funk

Die karitativen Tätigkeiten und die christlichen Vereine bilden seit jeher einen lebendigen Baustein der Pfarrgemeinde. Ordensgemeinschaften oder Kongregation sind meist mehr dem aktiven Leben der Krankenpflege, der Caritas, der Schule und der Erziehung verpflichtet.

Eine kaum zu überschätzende Lebendigkeit stellte für den Ort Kripp die Ansiedlung von Ordensleuten dar. Mit deren Antritt began für Kripp eine segensreiche Wirksamkeit, die bis in die jüngste Vergangenheit währte. Sei es, dass man den Kripper Bürgern in seelischen Nöten als Ansprechpartner Hilfestellung oder im medizinischen Bereich Beistand leistete.

                                              


Das wenig bodenständige und ruppige Kripper Völkchen benötigte zu damaliger Zeit dringend eine intensive Fürsorge und verlangte von den geistlichen Betreuerinnen ein hohes Maß an Arbeit, Durchsetzungsvermögen und Fingerspitzengefühl. Bald stellte sich das fürsorgerische Umfeld als äußerst schwierig heraus.Eine hervorragende Vorarbeit leisteten die Schwestern vom Heiligen Herzen Jesu aus dem Kripper Frauenkloster, die in einem Haus auf dem Kripper Batterieweg- dem späteren Sanatorium- untergebracht waren und aus Überzeugung von der dringenden Notwendigkeit einer organisierten gemeinsamen Wohlfahrtspflege tätig waren.

Nach dem Fortgang 1925 folgten die Franziskanerinnen aus dem badischen Erlenbad. Erst waren es drei, nachher vier Schwestern, die neben ihrer Fürsorgearbeit 1930 auch noch das Haus am Batterieweg umbauten. Seit 1934 war das Kloster im Eigentum der Marienschwestern des Apostolischen Bundes von Schönstatt.

 Am 18.November 1934 begannen die Schönstatt-Schwestern mit ihrer Sozialrbeit und der seelsorgerischen Betreuung. Zu den Schwestern der ersten Stunde gehörte die beliebte Schwester Eleonore, sowie die Schwestern Johannita und Fabiola als Krankenschwestern. Die Schwestern betrieben neben der fürsorgerischen Arbeit noch eine ambulante Krankenbetreung und -pflege, richteten eine Nähschule ein und erstmals in Kripp eine Kinderverwahrschule im Johannessaal.

Ihre erste Bleibe fanden die Schwestern im Haus des Pfarrers Brückert auf dem Batterieweg, zeitweise bis zur Bombadierung in der Villa Nagel, im Pfarrhaus hinter der Kirche und später im alten Jugendheim auf dem Batterieweg. 1951 zog die Schwesterngemeinschaft endgültig in das Schwesternhaus in der Mittelstraße 4, unmittelbar an der ehemaligen Volksschule. Das Haus wurde im Zuge der Ortsmittenplanung 1987 abgerissen.

Als besonderes organisatorisches Talent erwies sich Schwester Eleonore, in dem sie Veranstaltungen mit Kindern im damaligen Johannessaal aufführte und mit dem Erlös Bauvorhaben im alten Kindergarten durchführte. Außerdem unterhielten die Schwestern eine Einrichtung zur Bildung der weiblichen Jugend.

Das Jugendheim diente den Schwestern als Bleibe und Schwesternstation mit Kindergarten. 1948 kamen die Schwestern Luzina und Bonvita nach Kripp. Schwester Eleonore verließ 1935 für einige Jahre Kripp, um das Amt einer Oberin in Brodorf an der Saar zu übernehmen. 1942 kehrte sie wieder nach Kripp zurück.

Die letzten in Kripp tätigen Schwestern waren waren Bonvita und Eleonora. Trotz ihren hohen Alters ließen bei beiden die Energie, die Nächstenliebe und die Opferbereitschaft nie nach. Ihre beeindruckende, charismatische Persönlichkeit, verankert in tiefer Gottgläubigkeit und gepaart mit viel Güte und Menschlichkeit, war Vorbild all derjenigen, die jemals mit ihnen in Kontakt waren.

Ganz besonders Schwester Bonvita besaß das Charisma, eine Atmosphäre stillen Friedens und warmer Herzlichkeit um sich zu verbreiten. Ihre menschliche Wärme war für viele Hoffnung auf dem Weg der Gesundung, oder sie spendete den Sterbenden in der letzten Stunde Trost. Schwester Bonvita, die sich die Fürsorge der Kranken zum Ziel gesetzt hatte, widmete sich als hämopathische Krankenschwester über 37 Jahre der Not und der Krankheit, besonders der Hauspflege älterer, gebrechlicher Kripper Bürger, in grenzen- und selbstloser Nächstenliebe. Sie war über Kripp hinaus für ihr hämopathischen Fähigkeiten bekannt. Sie lernte durch ihre Hausbesuche die soziale Situation der Kripper in ihrer zeit genaustens kennen. Mit schier unerschöpflichen Vorrat an Güte und Geduld verzehrte sie sich in selbstloser Nächstenliebe als "Schwester aller Kranken und Leidenden"

Für viele Kripper ist das erzieherische Wirken von schwester Eleonore, die über drei Generationen im Kindergarten besonders die Akzente in der Vor- und Früherziehung setzte, auch heute noch unauslöschlich im Gedenken rthalten geblieben. Ihre Aufgabe bestand in der offenen Erziehungs- und Sozialarbeit außerhalb des Klostergemäuers.

Die bis 1975 tätige Kindergartenschwester Eleonora, die sich ab dieser Zeit als Küsterin für die Belange der Kirche einsetzte, war bis zu ihrem Abschied aus Kripp noch aktiv, obwohl sie seit 1984 eigentlich im Ruhestand leben sollte. In Folge des hohen Alters und akuten Nachwuchsmangels sah sich das Mutterhaus gezwungen, ihre Kripper Schwestern 1986 auf das Altenteil nach Wildburg bei Vallendar zurückzubeordern, um ihnen dort den wohl verdienten Ruhestand zu bieten.

Hier verstarb 1989 Schwester Eleonora und am 11. Januar 1996 Schwester Bonvita. Unter großer Anteilnahme der Kripper Bevölkerung wurde sie dort beigesetzt.

Über ein halbes Jahrhundert widmeten sich die Schönstatt-Schwestern ausschließlich karitativ dem Wohle ihrer Mitmenschen in Kripp und haben auf Grund ihrer langjährigen Tätigkeit Gewaltiges auf dem Gebiet der Wohlfahrtspflege, insbesondere für die Armen und Kranken, geleistet. Mit ihrem Fortgang hinterließen sie in der Sozialstruktur von Kripp eine große Lücke.

Als Dank und Würdigung für ihr karitativen Dienste an der Kripper Bevölkerung wurde Schwester Bonvita zu Ehren schon zu Lebzeiten eine geplante Straße in der Ortsmitte auf dem ehemaligen Gelände des Schwesternhauses und Kindergartens nach ihr benannt.