"De Walzer links erömm!" (Den Walzer links herum)

© weis/funk 1995


….... und da war noch die fast tägliche Dienstverfehlung des Posthalters Schäfer aus tänzerischer Leidenschaft, ohne jedoch seinen wohlbekannten Service am Postkunden zu vernachlässigen. Schon auf dem Schiffswege von Remagen nach Kripp sortierte er seine auszutragende Post blitzschnell vor, um die später bei der rothaarigen Frederike verlorene Zeit wieder wett zu machen. In Kripp an Land gekommen, führte der erste Weg fast immer in das Rheingold- Hotel, das sich damals im Besitztum der Familie Albert und Frederike Dörries befand. Die tanzwütige Hoteliersfrau hatte bereits beim Erscheinen ihres leidenschaftlichen Tanzpartners ihr Hausorchester, ein Grammophon, angekurbelt, um so schnell wie eben möglich bei Walzermusik die recht kurzfristige Zeit der selbst angeordneten Dienstbefreiung in seinen Armen beim "Walzer links herum", zu genießen. Um die Tanzzeit so zivil wie möglichst zu gestalten, wurde sich der Dienstmütze und der Posttasche flugs entledigt. Nach der so genannten tänzerischen Trainingseinlage, die wohl nach jetzigen medizinischen Erkenntnissen sehr zur berufsbedingt erforderlichen Geschmeidigkeit und Beweglichkeit seiner Beine beigetragen hatte, begann für ihn wieder zum Ausgleich der berühmte Dienst am Kunden. Trotz seines internen Dienstvergehens genoss Kripp während seiner Zeit den größten postalischen Service, indem er zweimal täglich die Post zustellte und sogar Sonntags die Post vor dem Hochamt an der Kirche an die Empfänger verteilte. 1)
Diese sich fast täglich wiederholende lustige Unterbrechung der Arbeit des Posthalters Schäfers war allen Krippern wohlbekannt und ist noch heute eine gern erzählte Episode aus alter Zeit. Das Grammophon wurde später durch ein elektrisches Klavier ersetzt.

1) mündliche Überlieferung Friedel Valentin, Kripp 1993