Über das Werden der Post in Kripp
von: Weis/Funk

Eine kleine Kripper Postgeschichte

Postwesen
Die eigentliche Entstehung der Post resultiert aus dem Wunsch der Menschen zu kommunizieren, um Nachrichten jeglicher Art, ob es private, dienstliche oder militärische Belange betraf, auszutauschen. Diesem Umstand verdanken wir das Postwesen.

Abgesehen von den altrömischen kaiserlichen Boten, die ausschließlich Dienstpost an der Rheinschiene von Mainz-Koblenz-Köln beförderten, geht der Ursprung des Postdienstes wohl zurück bis in die Zeit des Römischen Reichs Deutscher Nationen, in der schon 1516 die bergamaskische 1) Familie von Thurn und Taxis das kaiserliche Postwesen ausübte und nach 1600 begraft und gefürstet das Amt eines kaiserlichen Generalpostmeisters durch verbrieftes Recht für das gesamte Reich innehatten. 2)

Für unser Gebiet relevant dürften die reitenden Postboten sein, die staatliche Kurierpost für die zersplitterten, weit auseinanderliegenden Besitzungen der Habsburg- Burgundischen Besitzungen infolge Vermählung zwischen Tirol, Belgien und Holland auf der organisatorisch mit Relaissystem eingerichteten Postroute Insbruck- Mecheln (NL) entlang an der hiesigen Rheinschiene vorbeiführend, beförderten. Der Austausch von Kurieren und frischen Pferden in den jeweiligen Relaisstationen erhöhte die Postgeschwindigkeit und verkürzte die Laufzeit normaler Kurierpost mit durchschnittlich über 165 km um das 6fache.

Erst ab 1600 konnten gegen eine Gebühr diesen Postreitern Privatbriefe mitgegeben werden, die in dem so genannten „Felleisen“ des Boten transportiert wurden. Nachweise über naheliegende Poststellen auf dieser Postroute wie Breisig, Sinzig und Remagen ergeben sich aus Abrechnungsbelegen sowie Verträgen der Taxischen Reit- und Fahrpost mit dem jeweiligen Landesherren. So ist u.a. 1636 die Wiederaufnahme der Post von Köln nach Wöllstein im Dreißigjährigen Krieg über Remagen belegt; des Weiteren 1708 kurzfristig ein Posthalter Schneider aus Remagen. 3)

Nach den Befreiungskriegen und der Bildung der Rheinprovinz, die durch die Zusammenlegung der ehemaligen Gebiete „Großherzogtum Niederrhein“ und Provinz Jülich- Cleve- Berg“ durch Preußen entstand, ging das linksrheinische Postwesen an Preußen über.

Die „Reichspost“ ging aus der Umbenennung der „Bundespost“ des Norddeutschen Reiches nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871 aus der Reichspostverwaltung, -jedoch vorerst ohne Bayern und Württemberg- hervor und war bis zum Ende der Monarchie Kaiserlich.

Die noch existierende „Reichspost“ wurde nach der Zerschlagung Preußens unter der Ägide der alliierten Besatzungsmächte nach dem verlorenen II. Weltkrieg 1945 durch eine improvisierte „Deutsche Post“ abgelöst. Die ab dem 1. April 1950 nach einer Neuregelung des Postwesens gegründete „Deutsche Bundespost“ (DBP) wurde infolge der II. Postreform 1991 in „Deutsche Post AG“ umfirmiert.

Postentwicklung in Kripp
Kripp, zweifelsfrei einer der jüngsten Orte im Ahrkreis, ist auch postalisch jung und wurde am 18.September 1849 durch eine „Anordnung des Hohen General Postamtes Bonn“ erstmals erwähnt, indem dem untergeordneten Postwärteramt Sinzig auferlegt wurde, Landbriefzustellungen einzurichten. 4)

Ab dieser Zeit wurde das damals 405 Seelen zählende Dorf Kripp von einem Landzusteller von Sinzig aus zu Fuß dreimal wöchentlich mit an- und abgehenden Briefen, kleineren Geldsendungen und Paketen bis zu fünf Pfund Gewicht versorgt. Das Porto wurde von ihm in roter Tinte auf der Postsendung vermerkt. Somit diente der Landzusteller für Kripp als ein mobiles „Postamt per pedes“. Durch Verfügung der OPD Koblenz vom 1.Juli 1855 wurden 6 Jahre später die Zustellung an allen Orten des „platten Landes“ auf alle Werktage ausgedehnt. 5)

Für die Bewohner des Ortsteiles Kripp, etwas abseits gelegen von der Postlinie Koblenz- Köln, war zuvor die Postversorgung bis zur ersten Landzustellung mit einigen Umständen verbunden.

Erwartete man einen Brief oder ein Paket oder wollte selbiges versenden, so war man gezwungen, die nächstliegende Postanstalten Breisig, Remagen, Sinzig aufzusuchen oder die Postexpedition Linz in Anspruch zu nehmen. Für die Außenwelt war der Ort Kripp für abverlangte oder abzusendende Postsendungen postalisch bis dato nur über die vorgenannten Posthaltestellen Im Zuge der zunehmenden Postbeförderungen mussten zur Verstärkung der Reitpost ab 1704 Postwagen eingesetzt werden, zu denen nun auch Personen zusteigen konnten. In diesem Zusammenhang wird 1723 die Einrichtung einer Reit- und Fahrpost der Kaiserlichen Reichspostanstalt Andernach im Erzstift Köln unter einem taxischen Postmeister, bzw. 1743 die Einrichtung eines Postwagens von Köln bis Mannheim über Köln- Bonn- Andernach- Koblenz bis Worms durch mehrere Verträge der Taxis mit dem Kurfürstentum Trier und Kurpfalz erwähnt. 7)

Infolge der Besetzung des linksrheinischen Rheinlandes durch französische Truppen (1797-1814) kam zeitweise das Postwesen zum Erliegen. Nach einer Regelung wurden laut dem Handbuch des Rhein- Mosel- Departements damals im hiesigen Bereich „die Ufer der Ahr und des linken Rheinufers bis Remagen einschließlich dem Postbureau zu Andernach“ unterstellt. 8)

Ab 1821 wurde von der preußischen Verwaltung eine Schnellpost, die über Sinzig führte, eröffnet und sechs Jahre später um eine weitere erweitert, die bis zur Inbetriebnahme der linksrheinischen Eisenbahn aufrechterhalten wurde. Für die Kripper bestand die Möglichkeit, durch Zusteigen in die Postkutsche an der Haltestelle Sinzig, die Städte Frankfurt in 21 und Amsterdam in ungefähr 34 Stunden zu erreichen. Wollte man nach Ahrweiler, so musste man an der Sinziger Ahrbrücke zusteigen. Um unnötige Wartezeiten der Postkutsche an Chausseebarrieren oder aufkommenden Hindernissen zu vermeiden, blies der Postillon von Weitem schon sein Posthorn, damit eine ungehinderte Weiterfahrt gewährleistet war. Eine solche Barriere befand sich ab 1852 in Kripp, vermutlich im Bereich der Ortsmitte. Mit dem stürmischen Ausbau der konkurrierenden Eisenbahn verlor die Postkutschenbeförderung zusehends an Bedeutung und wurde bald eingestellt.

1850 wurde das für Kripp zuständige „Postwärteramt Sinzig“ aus der Obhut des Postamtes Bonn entlassen und der neu gegründeten Oberpostdirektion Koblenz unterstellt sowie 1851 in eine „Postexpedition“ umgewandelt. Dass die postalische Sicherheit schon zu dieser Zeit recht streng gehandhabt wurde, ergibt sich aus einer Anordnung der königlichen Regierung zu Coblenz von 30ten Dezember 1828, 9) indem Retourebriefe, deren Zustellung nicht zu bewirken gewesen waren, monatlich der Ortspolizeibehörde zur Überprüfung der Angaben des Briefträgers vorgelegt wurden, wobei Retourebriefe aus Dörfern von dem jeweiligen Schulzen, Schöffen oder sonstiger Orts- Behörden auf der Rückseite des Briefes der Grund der Unzustellbarkeit bescheinigt werden mussten. Ab 1851 wurde sogar der Ortsvorsteher ermächtigt, auf Empfangsscheinen „die Richtigkeiten der Unterschrift durch eine mit einem
öffentlichen Siegel versehene Person attestieren zu lassen".
10)

Die Einführung von Briefmarken 1850 als Zahlungsmittel für den Transport von Briefen brachte Veränderungen mit sich. Mit dem Aufkleben der Briefmarke schaffte nun der Absender einen Beleg für die von ihm im voraus entrichtete Gebühr. Zahlte doch bis dato der Empfänger die Gebühr für den Brief. 

Die Entwertung der neuen Postwertzeichen geschah zuerst mittels eines Ringstempels und eines zusätzlichen Ortsstempels, der sieben Jahre später durch einen rechteckigen Nummernvernichtungsstempel (Kastenstempel) ersetzt wurde. Jedes Postamt hatte eine eigene Postnummer. Das für Kripp zuständige Postamt Sinzig führte die Nummer „1400“, dessen Kastenstempel heute eine philatelistische Rarität darstellt. 11)

Mit großem Argwohn und Misstrauen wurde diese Neuerung in Form der Frankierung durch Briefmarken von der Landbevölkerung angenommen.

Wegen dieser Skepsis sah sich die Oberpostdirektion zu folgendem Schreiben veranlasst: “… welcher ich die Mithülfe einzelner Bürgermeistereien zur Verbesserungen der Landbriefbestellungen in Anspruch nahm, hat nur bei einzeln das erhoffte Interesse gefunden..( ).. Es handelt sich hierbei nicht um Befriedigung des augenblicklichen Bedürfnisses allein, sondern auch um das Fundament einer Einrichtung, welche vielleicht erst von einer künftigen Generation in ihrem ganzen Werthe anerkannt werden wird...“.12)

1852 wurde in Kripp der erste Briefkasten angebracht, der gemäß Verfügung in eigener Regie durch die Stadt „aus tannenem Holze, mit starken eichenen Frießen, mit Zinkdächelchen..( )… und einer schmalen Zinkbedeckung auf der Kante wo die Dachbretter zusammenstoßen, mit festem Schlosse (a 20 Sgr.), mit dreimaligem Oelanstrich (hellgrau und schwarz) und der Bezeichnung „Brief- Kasten“ (in schwarzer Oelfarbe)“ gefertigt und „am Haus des Schullehrers“ anzubringen war. 13)

Insgesamt waren um 1860 im Stadtgebiet Remagen mit Kripp drei Briefkästen nachweisbar. 14)

Ab 1874 änderten sich mehrmals der Briefkastentyp sowie die Farben, teils in „Blau“ für die kaiserliche Post bis zur Weimarer Zeit, ab 1934 in „Rot“ bzw. ab 1946 in „Ginstergelb“ (RAL 1032).

Ab 1852 erfolgte die tägliche Entleerung des Briefkasten vom Landzusteller um 8.00 Uhr, wobei die Anzahl der im Briefkasten befindlichen Briefe auf einer mitgeführten Kontrollkarte einzutragen und vom Ortsvorsteher zu beglaubigen war. 15)

Mit Zunahme der Landpostzustellungen erfolgte die Beförderung der Paketpost für Kripp von Sinzig aus bis spät nach dem Ersten Weltkrieg bei Schnee und Eis mit einem Pferdeschlitten, ansonsten mittels Fuhrwerk. 16) Die Zahl der im Bereich Remagen um 1860 vorhandenen Postpferde belief sich auf zehn, der Postwagen drei und der Postillone auf drei. 17)

Insgesamt waren um 1860 im Stadtgebiet Remagen mit Kripp drei Briefkästen nachweisbar. 14)

Ab 1874 änderten sich mehrmals der Briefkastentyp sowie die Farben, teils in „Blau“ für die kaiserliche Post bis zur Weimarer Zeit, ab 1934 in „Rot“ bzw. ab 1946 in „Ginstergelb“ (RAL 1032).

Ab 1852 erfolgte die tägliche Entleerung des Briefkasten vom Landzusteller um 8.00 Uhr, wobei die Anzahl der im Briefkasten befindlichen Briefe auf einer mitgeführten Kontrollkarte einzutragen und vom Ortsvorsteher zu beglaubigen war. 15)

Mit Zunahme der Landpostzustellungen erfolgte die Beförderung der Paketpost für Kripp von Sinzig aus bis spät nach dem Ersten Weltkrieg bei Schnee und Eis mit einem Pferdeschlitten, ansonsten mittels Fuhrwerk. 16) Die Zahl der im Bereich Remagen um 1860 vorhandenen Postpferde belief sich auf zehn, der Postwagen drei und der Postillone auf drei. 17)

Kripper Postanstalten

Die Ausweitung der Wirtschaftsbeziehungen verlangte ein flächendeckendes Netz von Postagenturen auch in kleineren Orten. Aus diesem Grund wurde Kripp am 16. Mai 1883 mit der Eröffnung einer eigenen Postagentur, die der Postexpedition Sinzig unterstellt wurde, mit Telegraphenstation und Fernsprechzelle im Hause des Postagenten Franz Josef Kleine 18) in der Mittelstraße 13, heutiges Haus 16 oder 18, postalisch selbstständig. 


Einkreisstempel mit Ortsname.Datum und 12 Stundenanzeige V für vormittags, N für nachmittags

 Postagentur erfolgte jedoch weiterhin von der Postexpedition Sinzig aus. 19) Zur Deklaration dieser Postagentur wurde am Haus ein emailliertes Schild mit dem Kaiseradler und dem Hinweis „Kais. Postagentur“ angebracht. Eine erste Verlegung der Kripper Kaiserlichen Postagentur in das Haus des Postagenten Gottfried Schäfer in die heutige Quellenstraße / Ecke Mittelstraße. (heute Haus Mittelstr.2) erfolgte 1900. 20)  Am 22.März 1900 wurde in der Kripper Post ein Einbruch verübt. 21) Eine zweite Verlegung der hiesigen Postagentur erfolgte 1908 in den Neubau des Postagenten Gottfried Schäfer in der heutigen Voßstrasse 10 (Haus Pohl) und verblieb dort bis zu dessen Pensionierung 1937. Über die dortige Telegraphenstation wurden am 1.August 1914 die Kripper vom Ausbruch des I.Weltkrieges alarmiert und die Allgemeine Mobilmachung der 8. Armee für die wehrtauglichen Kripper Jungmänner befehligt. In dieser Poststelle wurde bis zum 15.September 1937 der gesamte örtliche Postbetrieb durchgeführt.

Ab 1914 erhielt Kripp einen eigenen Zusteller. In wieweit und ob der im Adressbuch von 1913 in der Voßstr. 2 als anwesend verzeichnete Briefträger Georg Josef Blettner an der Kripper Postzustellung teilgenommen hat, kann nicht mehr nachvollzogen werden. Der Versuch, die Kripper Postagentur versuchsweise dem rechtsrheinischen Postamt Linz zu unterstellen, scheiterte nach einem Jahr wegen aufkommender Schwierigkeiten wie Hochwasser und Winterwetter.

Während der Besatzungszeit nach dem I.Weltkrieg schmuggelte man in Kripp die abgehende Post bei Nacht und Nebel mit einem Kahn über den Rhein ins unbesetzte rechtsrheinische Gebiet, um einer Militärzensur der Post zu entgehen. 22)

Infolge der Hyperinflation Ende 1923 erfolgte Anfang November eine Umstellung der Postgebühren auf die wertbeständige Renten(Gold)Mark, wobei die noch nicht außer Kurs gesetzte entwertete alte Mark (Papiermark), sowie Wertscheine und Notgeld zum Goldkurs, mit Aufrundungen auf volle 10 Millionen Mark, umgerechnet wurden. 

1927 erfolgte eine Unterstellung der hiesigen Postagentur von Sinzig in den Amtsbereich Remagen, die probehalber den Posttransport vom Postamt Remagen nach Kripp auf dem Wasserwege anordnete. Hierzu wurde am 25. Oktober1927 mit der hiesigen Fährgesellschaft eigens für die schiffbare Postbeförderung zwischen Remagen und Kripp mittels Motorboot ein Vertrag abgeschlossen. Das Postmotorboot „Hansa“ legte morgens gegen 7.45 Uhr und 8.15 Uhr und nachmittags gegen 15.55 Uhr und 17.35 Uhr in Kripp an, um den vorbereiteten Postzugang bzw. den Postabgang im Postsack, sowie Pakete zu befördern. Anschließend setzte das Schiff seine Fahrt als planmäßiges Personenbeförderungsschiff zwischen Remagen und Kripp fort. Die im Postamt Remagen für Kripp vorhandene Post wurde während der Schiffsfahrt vom Zusteller Fritz Schäfer vorsortiert und direkt nach dem Anlegen des Bootes mittels eines zweirädrigen Postkarrens an die Kripper Empfänger verteilt. 23)  Ab 29.5.1929 verwöhnte die Post ihre Kunden mit einem besonderen Service, der zweiten Zustellung am Spätnachmittag. Postwart Fritz Schäfer, umgangssprachlich „et Jottsche“ genannt, vergrößerte den Postservice, indem er sogar am Sonntagmorgen nach dem Hochamt vor der Kirche Post verteilte. Zur Weihnachtszeit unterstützte seine Frau Anna Schäfer, geb. Valentin, ihren Mann mit einem Leiterwagen für die Paketzustellungen. 24)

 
Foto: Kreisbildstelle (Repro Slg. Weis/Funk)
Die Kaiserliche Postagentur ab 1908 im Neubau des Posthalters Gottfried Schäfer in der noch nicht befestigten Voßstr.10 (heute Haus Pohl). Deutlich sichtbar angebracht ist das emaillierte Schild der Kaiserlichen Postagentur unmittelbar in Höhe links neben der Laterne mit dem Kaiseradler bis zum Ende der Monarchie 1918. Ehemalige „Kripper Post“ von 1908-1937 sowie 1942- 1966 (Aufnahme 1913). In Ausübung seines Dienstes als Postbeamter war Fritz Schäfer zum Tragen der reichseinheitlichen Dienstbekleidung verpflichtet. Sein jeweiliger Dienstgrad ergab sich anhand der auf dem dunkelblauen Samtkragenspiegel mit orangefarbenen Vorstoß befindlichen Metallsternen. Zur allgemeinen Erheiterung sei angemerkt, dass dies den tanzwütigen Postboten Fritz Schäfer nicht hinderte, nach Verlassen des Postschiffes im „Rheingold- Hotel“ all morgentlich  mit der rothaarigen  Hotelbesitzerin  Frederike  Doerries den Walzer „links errömm“ nach Entledigung seiner Posttasche und Mütze zu drehen. Dieses kleine Dienstvergehen wurde von der hiesigen Bevölkerung dem hier allseits beliebten Postboten gerne verziehen. 25). Leider wurde aus wirtschaftlichen Erwägungen am 1. September 1932 die zweite Zustellung wieder eingestellt.  Nur drei Jahre währte die „Kripper Postschifffahrtslinie“. Wegen den hohen Risikofaktoren im Winter wie Hochwasser, Eisgang oder Nebel, wurde die Schiffsbeförderung eingestellt und die Post von einem besonders verpflichteten Boten über Land von dem Postamt Remagen zur Poststelle Kripp verbracht.

Vom 16. September  1937 bis 30.September 1942 diente das Haus des Posthalters Jakob Nies in der Mittelstraße 8 (heute Haus Scheuer) als neues Postamt. Wegen postinterner Umstellung erfolgte ab 1.April 1939 eine Umstellung in eine  „Poststelle I“. Posthalter I Jakob Nies schied am 11.8.42 auf eigenen Wunsch aus dem Postdienst aus. Eine Übernahme  und erneute Verlegung der Kripper Poststelle erfolgte durch den Postbetriebswart Gottfried Schäfer jun. (genannt Fritz) in die ehemaligen Posträume seines Vaters in der Voßstr.10, wo bis zum Ende des II. Weltkrieges die Postversorgung des Ortes erfolgte.

Zur Verbesserung der Postversorgung versorgte ab dem 1.Februar 1936 eine Landkraftpostlinie von Remagen aus zweimal täglich die umliegenden Orte, so auch Kripp, bis zum Kriegsende 1945. Wie schon bereits nach dem I.Weltkrieg praktiziert, wurde während den Kriegswirren zum Ende des II. Weltkrieges der Hauptpostverkehr wegen des zerbombten Schienennetzes und den darnieder liegenden Bahnposten auf den Wasserweg verlegt. Dafür wurden eigens ab 9.Dezember 1944 bis 16.Januar 1945 auf der Rheinstrecke Köln- Mainz zwei gecharterte Personenschiffe der Köln- Düsseldorfer Dampfschifffahrtsgesellschaft eingesetzt. Die „Großherzog Ernst Ludwig“ und die eingesetzte „Hindenburg“ beförderten planmäßig die Post zu den größeren Postämtern zu beiden Seiten des Rheines. So auch in Remagen die ab- und eingehende Post für unser Gebiet. Wegen Zerstör- ung von Rheinbrücken und der daraus basierenden Unbeschiffbarkeit des Rheines oberhalb Neuwieds konnte sich diese Postlinie nur noch auf die Strecke Porz- Neuwied beschränken, wobei für die „Hindenburg“ die letzte Postfahrt am 1.3.1945 im toten Arm des Rheines bei Honnef endete und ersterer am 5.3.1945 infolge Artilleriebeschuss vor dem Hammersteiner Werth sank. 27)

Feldpostversorgung

 

Aufgefundener alter Kopfhörer der Kripper Post
auf dem Dachboden Haus G. Scheuer, Mittelstr.8

Der gezeigte Feldpostartikel stammt aus unten angegebener Zeitung:

Um im Kriegsfalle eine Verbindung der im Feld stehenden Soldaten mit ihren Heimatangehörigen zu ermöglichen, wurde aus militärischen Gründen eine Feldpost eingerichtet. 28)

Die teils kostenlose feldpostmässige Versorgung der Truppe wurde bereits im Deutsch- Französischen Krieg 1870/71 sowie in beiden Weltkriegen über speziell eingerichtete Feldpostämter der Reichspost praktiziert.

Der militärischen Geheimhaltung wegen war diese Frontpost zur Verschleierung von Truppenbewegungen mit nummernmässigen Codezeichen versehen, die der feindlichen Spionage das Entziffern militärischer Postanschriften erschwerte. Ab dem 23.1.44 wurden zur Feldpostbeförderung aus logistischen Gründen nur noch Feldpostkarten zugelassen.

Nachkriegszeit

Nach dem verlorenen II.Weltkrieg erlosch vorerst jegliche zentrale Postorganisation. Der Wiederaufbau der Post und des Fernmeldewesens erfolgte von 1945 bis 1949 im Rheinland unter der Kontrolle der Militärregierung der französischen Besatzungszone (Gouvernement Militaire de la Zone Francaise – G.M.Z.F.O.). Ab dem 14. Oktober 1945 wurden fast alle Beschränkungen des Postverkehrs innerhalb der französischen Zone aufgehoben, und Ende Oktober bestand für die Kripper wieder die Möglichkeit des Briefverkehrs mit den drei anderen Besatzungszonen, während die letzten Einschränkungen des internationalen Telefonverkehrs erst 1948 fielen.

1946 wurde die gelbe Betriebsfarbe für das Postwesen eingeführt und 1949 das Provisorium „Deutsche Post“ mit der Gründung der „ Deutschen Bundespost“ abgelöst. Die Aufnahme des Postbetriebes erfolgte unmittelbar nach Kriegsende wieder durch Fritz Schäfer bis zum 31.März 1966 – ausgenommen einer behelfsweisen Verlegung vom 14.10. bis 17.12.1955 in einem Nebenraum der Gaststätte „Dorfschänke“ bei Hirzmann, Quellenstraße Nr 42 wegen Renovierungsarbeiten - wieder in den gleichen Posträumen wie vor dem Kriege im Hause des Postbetriebswarts Fritz Schäfer in der Voßstrasse 10, heutiges Haus Pohl. Ab 1.April 1951 erfolgte dann wiederum infolge kriegsbedingter Unterbrechung die Postzustellung zur Poststelle Kripp mit der Landkraftpost.


Auf Grund des hohen Postaufkommens wurde die zwischenzeitlich in ein „Zweigpostamt“ umbenannte Poststelle ab 4.Oktober 1961 in ein „Postamt“ deklariert. Ab 1.4.1966 übernahm Adolf Henneke die örtliche Postversorgung mit der Verlegung der Kripper Poststelle in sein Haus Mittelstraße 29. Sie verblieb dort bis zum bis zum Einzug im Sommer 1990 in die neuen Schalterräume der „Poststelle 3“ des neu erbauten Post- und Bankgebäude in der Ortsmitte im Hause Quellenstraße 70.


Infolge der expansionsbedingten Ortsentwicklung und der somit bedingten umfangreicheren Postzustellungen wurde ab 1965 zur Unterstützung der beiden Ortszusteller die Paketzustellung unmittelbar vom Postamt Remagen aus motorisiert durchgeführt. Aus rationellen Gründen wurde der sonntägliche Ausgabe- und Annahmebetrieb in Kripp ab dem Neujahrstage 1966 eingestellt. Zustellungen von Telegrammen und Eilsendungen erfolgten sonntags nur noch von Remagen. Zwei motorisierte Paketzusteller und zwei Briefpostboten des Postamtes Remagen sorgten für eine reibungslose schnelle Postzustellung jeglicher Art. 29)

Nach der Übernahme der gesamten Postzustellung für Kripp durch das Postamt Remagen am 9.März 1970 wurde die bisherige Poststelle Kripp stufenweise in ein „Annahme-Postamt“, dann in eine "Annahme Poststelle" und später nochmals in eine "Annahme Poststelle" abgestuft. In der Kripper Poststelle erfolgte nur noch der Postschalterdienst, den seit 1985 die KripperPosthalterin Mechtild Gasper ausführte. 30)


                                              

Nach einer postinternen Namensbenennung der Kripper Poststelle in „Remagen 3“ erfolgte letztmals eine Umwandlung in eine „Annahme- Poststelle I.“

Ab 1997 sollte die Postbetreuung des Ortes aus Kostengründen durch eine Postagentur mit einem privaten Betreiber erfolgen. Durch vehementen Einspruch der aufgebrachten Bürgerschaft sowie politischer Einflussnahme seitens des Ortsbeirates konnte dies jedoch in Kripp bis zur endgültigen Schließung der Poststelle am 18.November 2004 hinausgezögert werden.


Postagenturen

Nach der Kripper Poststellenschliessung erfolgte ab 1.9.2004 die Abwicklung des örtlichen Postbetriebes nun in einer privaten Postagentur im Hause Mittelstraße 6 durch die Eigentümerin Hiltrud Delord. Wegen Erkrankung wurde der dortige Postbetrieb ab 1.9.2010 von Frau Ruth Doemen bis zur Schließung aus betriebswirtschaftlichen Gründen am 28.9.2013 übernommen.



Am 1.10.2013 eröffnete Ernst Lategahn seine private Postagentur mit Postshop in den ehemaligen Posträumen im Haus Weis/Funk, Quellenstraße 70.


Kripper Postleitzahlen

Die Idee des 1853 von der Thurn- und Taxischen Postverwaltung eingeführten „Ringnummer Stempels“, deren Nummerierung schon damals für verschiedene Postorte ein bestimmtes Zahlencode- System hatte, wurde von der Reichspost aus organisatorischen Gründen vor dem II.Weltkriege wieder aufgenommen, und Kripp erhielt von den durchnummerierten Leitgebieten die Postleitzahl mit der postalischen Bezeichnung „22 b Kripp am Rhein“, ab 1961 „548 Remagen- Kripp“ und später, Anfang der siebziger Jahre, mit der vierstelligen PLZ „5480 Remagen“.

Mit der Einführung eines fünfstelligen Postleitzahlensystem zum 1.Juli 1993 infolge der deutschen Wiedervereinigung erhielt Kripp die Postleitzahl mit postalischer Bezeichnung „53424 Remagen“.


Die Deutsche Post, dessen Geburtsstunde mit der Beförderung von Kurierpost mit Reiterstaffeln zwischen Innsbruck und dem belgischen Mechelen bis ins Jahr 1490 zurückgeht, wurde nach 500 Jahren wegen einer „Einheitlichen Europäischen Akte“ in Bezug auf staatliche Monopolstellungen in einigen Wirtschaftsbereichen als Voraussetzung zur Vollendung des Europäischen Binnenmarktes, sowie der rasanten elektronischen Veränderungen im Kommunikationswesen aus der staatlichen Obhut entlassen. Auf Grund der zweiten Postreform ab 1.1.1995 wurde die Gesamtpost als Aktiengesellschaft in drei Gesellschaften gesplittet und -um eine noch größere Effizienz zu erreichen, teilweise privatisiert. Die neu gegründete Holding der „Bundesanstalt Deutsche Post“ koordiniert die neuen Gesellschaften:

Die „Deutsche Telekom AG“ als Dienstleistungsbetrieb für Fernmeldeanlagen (Nachrichten und Datentechnik), die „Deutsche Post AG“ als Unternehmen für die schriftliche Kommunikation und Transportwirtschaft (Post- und Paketdienst) und die „Deutsche Postbank AG“ als Bank- und Kreditunternehmen.

Durch diese Neuerung wurde die Poststelle Kripp weg rationalisiert und die Postversorgung aushäusig durch einen privaten als Postagenturbetreiber verfügt.

Die Schwestergesellschaft Telekom stellte ab 1991/92 mit unterirdischer Verkabelung Hausübertragungspunkte an den Gebäuden mit insgesamt über 800 Fernsehanschlüssen die Versorgung der Kripper Telekonsumenten mit einen störungsfreien Empfang von seinerzeit 28 Fernsehprogrammen sicher.

In der Nachkriegszeit unterhielt die „Deutsche Kraftpost“ zeitweise einen Linienbus für den Kripper Nahverkehr von Kripp bis Bonn bzw. Altenahr.

 

Quellenverzeichnis:

1) Italienische Nordprovinz Bergamo

2) Brockhaus Konversationslexikon, 1910, Band 15, S.807/ 808

3) Mittelrheinische Postgeschichten 1977, S.10

4) Sinzig und seine Stadtteile, „ Die Post in Sinzig“, S.266, v. H. Kleinpass

5) Mittelrheinische Postgeschichte, Heft 59, 1986, S.61 / 62 „100 Jahre Post in Kripp“ sowie

Die Geschichte der Post unter Berücksichtigung des Kreises Ahrweiler“ (bis 192O)
maschinenschriftliches Manuskript, Kreisarchiv Ahrweiler von Heinz Schmalz, Westum.

6) ebda.

7) Verschiedene Beiträge über Postlinien in den Heften: „Mittelrheinische Postgeschichte“

8) Remagen 1793-1817, v. W.J. Langen, Remagen, S.24

9) königliche Regierungsverfügung- Abtlg. des Innern- Coblenz 30. Dez.1828

10) königl. Reg.Verfügung -Abtlg. des Innern- Coblenz 27. Sept. 1851

11) Angaben August Wingen (Hobby-Numismatiker) +, Bad Bodendorf

12) Anordnung der OPD vom 27.Februar 1852 mit handschriftlichem Vermerk des Landrates
(Nr. 593)

13) wie vor

14) Kreisstatistik 1860

15) wie lfd. Nr.5

16) Angaben Zeitzeuge Michael Schumacher (*1902) +, Kripp

17) Kreisstatistik von 1860, S. 41

18) Adressbuch des Kreises Ahrweiler 1899, Seite 151 (Dorf Kripp, Postagent: Franz Kleine)

(wegen wechselnder Hausnummeringen in der Ortsgeschichte kann derzeit die genaue
Örtlichkeit dieser Poststelle nicht nachvollzogen werden.)

19) wie lfd. Nr.5, S. 63

20) wie vor

21) Kath. Pfarrarchiv Kripp, Eintrag in loser Blattsammlung

22) wie lfd. Nr.16

23) mündliche Angaben Friedel Valentin+, Kripp

24) mündliche Angaben von Hans Moeller,+ Kripp

25) www.Geschichte Kripp.de, siehe Anekdoten „De Walzer links errömm“ von Willy Weis und Hildegard Funk

26) wie lfd. Nr.5

27) Heimatjahrbuch Neuwied 1996, S.159- 162, „Das Postamt Neuwied in den Jahren 1944 und
1945“, von Theo Winterscheid 28) Ahrweiler Kreisblatt, Nr.31 vom 31.Juli 1870,
Titelseite. Rubrik „Feldpost“

29) wie 4

30) mündliche Angaben der ehemaligen Posthalterin Mechtild Gasper

Quellen

Heinz Schmalz, Sinzig- Westum „100 Jahre Post in Kripp“, in: Mittelrheinische Postgeschichte, Heft 59, 1986, Seiten 60 ff 
Heinz Schmalz, Sinzig- Westum, „ Die Geschichte der Post unter Berücksichtigung des Kreises Ahrweiler“ (bis 192O) maschinenschriftliches Manuskript, Kreisarchiv Ahrweiler Rhein- Zeitung, ZA vom 28.3.1974, „Um Christi Geburt in Ricomagus eine Post“ Rhein- Ztg.Nr.266 vom 16/17.11.1985 „Post in Kripp unter neuer Leitung“ General- Anzeiger vom 15.11.1985 „Blumen in der gelben Amtstube“ Informationen im Postmuseum Koblenz 

Post- Chronologie:

Poststellen in Kripp:

16.05.1883 -1900 im Hause des Postagenten Kleine, Mittelstr. 13, heute
Nr.16 oder 18

1900 - 1908 im Hause des Postagenten Schäfer, Quellenstrasse/ Ecke
Mittelstrasse

bis 15.1.1937 im Hause des Postagenten Gottfried Schäfer, heute
Voßstraße 10

bis 30.9.1942 im Hause des Posthalters Jakob Nies, heute Mittelstr.8

bis 31.3.1966 im Hause des Postbetriebswartes Gottfried Schäfer, heute

Voßstraße 10
01.04.1966 -1990 im Hause des Postbetriebsassistenten Adolf Hennecke,
Mittelstr.29

1990- 18.11.2004 im Hause der Volksbank, Quellenstrasse 70

Leitung der Kripper Poststellen:

Datum Name Bemerkung:

16.5.1888 – 1900 Postagent Franz Josef Kleine

bis 15.10.1937 Postagent Gottfried Schäfer (mit 83 Jahren
ausgeschieden)

bis 21.08.1942 Posthalter I Jakob Nies (Schiffer)

bis 01.10.1951 Postbetriebswart Gottfried Schäfer ( Sohn des 1937
ausgesch. G. Schäfer)

bis 01.12.1980 Postbetriebsassistent Adolf Hennecke

bis 15.11.1985 Vertretung durch Postbetriebsassistent Konrad Sternitzke
(PA Remagen)

bis Juni.1991 Posthalterin Mechtild Gasper (letzte ordentliche
Poststellenleiterin)

bis 18.11.2004 (Vermerk: Als Poststelle nicht mehr ausgeschrieben!)


Der Schalterbetrieb wurde ab 2004 bis zur Schließung von verschiedenen Postangestellten des PA Remagen aufrecht erhalten, u.a. von Frau Elke Blumenstein, Frau Ute Jonen, sowie Frau Gaatsch, Letzte Postbedienstete war Frau Ursula Schaaf, die die Schließung der Poststelle am 18.11.2004 vornahm.


Private Postagenturen

ab 19.11.2004 im Hause Delord, Mittelstrasse 6,

ab 01.10.2013 im Hause Weis/Funk, Quellenstr.70


Leitung der privaten Postagenturen

19.11.2004 -31.08.2010 Hiltrud Delord als „Partner der Deutschen Post AG“

01.09.2010 -28.09.2013 Ruth Doemen als „Partner der Deutschen Post AG“

01.10.2013- Ernst Lategahn als „Partner der Deutschen Post AG“

Vermerke:

Postkarten

Ein Nachweis über das Ortsleben erfolgte ab 1872, wo es die Reichspost den Privatleuten erlaubte, selbst Postkarten anfertigen zu lassen. Dabei durften zwischen 1897 bis 1905 schriftliche Miteilungen nur auf der Bildseite erfolgte durfte. Die Rückseite blieb ausnahmslos postalischen Zwecken wie Anschrift und Absender, Abgangsstempel und Eingangsstempel vorbehalten.

Stempelarten

Einkreisstempel mit 12 Stundenanzeige V für vormittags, N für nachmittags sowie die neuen Stempel mit 24 Stundenanzeige z.B. 18-19 (Uhr) um 1927

Kripp Einkreisstempel mit Datum

Wechsel vom Ein zum Zweikreisstempel um 1932

Ankunftstempel Kripp

Ortsdatumsstempel KrippKreisstegstempel von Kripp

Zum Ende der augeführten Postgeschichte sei noch eine heitere Episode, wenn auch ein unverzeihliches Dienstvergehen und gegen geltende Gesetze des Postgeheimnisses verstossend, hier angemerkt:
Postzusteller S. informierte seine Postkunden bereits stets vor der eigentlichen Übergabe der Post über den schriftlichen Inhalt von Postkarten. Er machte sich einen diebischen Spaß daraus, ganz ungeniert die Empfänger über das bereits gelesene zu informieren und schon vorab die Grüße des Absenders persönlich auszurichten.Obwohl es eine gravierende Dienstverletzung darstellte, nahm ihm dies kein Kripper Postkunde übel. 


Tagebuch 1918 – Besatzungszeit

von Horst Krebs

Das Tagebuch von Edward Inman 1918/1919 in Kripp

151th Machine Gun Brigade of the 42th Division
Rang in der amerikanischen Armee: Hornist

(gefunden in Amerika, übersetzt und überarbeitet von Horst Krebs)

Sonntag, 15.Dezember 1918

Habe erfahren, dass der heutige Marsch der letzte sein wird bis zu unserem Ziel. Bislang sind wir etwa 400 Km gegangen, über kurvige Straßen bergauf, bergab. Luftlinie waren es die Hälfte der Strecke. Noch 13 Km bis Waldorf, wo einige von uns in einer Scheune einquartiert sind, jedenfalls ein Dach über dem Kopf. Wenn wir Glück haben, können wir in Wohnungen übernachten. Es sind nur 5 bis 6 Km von hier bis zum Rhein. Jeder Mensch hat den Wunsch, diesen alten Fluss zu sehen und dort für einige Tage hinzugehen. Heute bin ich zur Bewachung der Küche eingeteilt.

Montag, 16.Dezember 1918

Am Nachmittag die Pferdekarren gesäubert. Acht von uns konnten im Wohnzimmer einer Familie übernachten. Rasiert am Nachmittag. Bin eingeteilt für eine besondere Aufgabe. Ich soll lernen, wie man das Horn bläst, aber weit und breit kein Horn zu sehen. Aber Hörner sollen bald zugeteilt werden.

Dienstag, 17.-19. Dezember 1918

Der Unteroffizier schläft auf der Couch hier und der Rest von uns auf dem Boden. Unter oder auf dem Esstisch ist der beste Schlafplatz. Die Leute hier haben Äpfel zu verkaufen, und nach und nach schaffen wir uns einen kleinen Vorrat davon an. Ich bin mal wieder zum Wachgang eingeteilt. Es sollte aber nicht sein, da ich wegen meiner speziellen Aufgaben eigentlich heute nicht zu patroulieren hätte. Der 1. Sergeant hat den Fehler eingesehen und wollte sich beim nächsten mal daran erinnern. Heute haben wir endlich neue Schuhe bekommen, die wir dringend brauchten. Leutnant Andres hat hier eine Cousine, die in diesem Dorf wohnt. Heute ist Zahltag, das Geld für November wird ausgezahlt.

Freitag, 20.Dezember 1918

Wir bekommen Befehl, weiter in Richtung Rhein zu maschieren, da es hier zu wenig Quartiermöglichkeiten gibt. Man sagt uns, das sei ein Marsch von 9 Km. Wir kommen durch eine schmale Stadt, Sinzig, die mit deutschen militärischen Fahrzeugen vollgestopft ist. Gleich hinter der Stadt sind drei deutsche Flugzeuge, die von unseren Piloten inspiziert werden. Von hier sind es noch einen Kilometer bis zu einem großen Dorf, Kripp, am Ufer des Rheins gelegen, und die Quartierungen sind schon vorgenommen. Die meisten von uns werden in einem großen Schloss einquartiert, während der Rest des Bataillons in den Häusern einquartiert wird. Das Schloss ist bislang noch nie vom Militär besetzt worden und wurde 1914 zu Beginn des Krieges erbaut. Es trägt den Namen „Bethelm“. Es ist ein modernes Gebäude, mit fließendem Wasser in einigen Zimmern. Es gibt dort Bäder, Toiletten, heizbare Öfen und ein großes Solarium, ein Babybett aus Stahl mit Federn, alles wird uns zur Verfügung gestellt. Elf von uns, Corporal Herr und Caldwell, Pvts. Hanby Meiser, Sauer, Jones, Kirsch, Humphries, Childs, McKale und ich selbst besetzen einen Raum in der zweiten Etage, es gibt dort 3 Etagen. In einer Ecke steht eine große Porzellan Waschschüssel für kaltes und warmes Wasser. Neben unserem Zimmer gibt es noch einen kleineren Raum, der besetzt wird mit Corporal Holbrook, Mechaniker May und Frederek, Pvts. Anderson, Johnson, Knox und Ryan.
Von unseren Fenstern können wir den Rhein in 500m Entfernung sehen. Er windet sich mit Krümmungen zwischen den gegenüberliegenden Hügeln. Zwischen uns und dem Fluss gibt es einige Kilometer weiter eine größere flache Häuseransiedlung, die eine andere Stadt erkennen läßt. (Remagen hat circa 3000 Einwohner). Auf dieser Seite von Remagen überquert eine Eisenbahnbrücke den Rhein. Man sieht Erdarbeiten auf einem der Hügel auf der anderen Flußseite zwischen hier und der Brücke. Sieht aus wie eine Einlagerung der Big Bertha mit einer Reichweite von 75 Meilen. Direkt über dem Fluß von Kripp ist ein größerer Ort namens Linz. Kripp hat eine Bevölkerung von 1200. Die beiden Städte sind durch eine Fähre verbunden. Schlepper ziehen flache Boote, Lastkähne, viele hundert Meter in der Länge und geladen, bis nur noch ein paar Zentimeter von dem Schiff über Wasser herausragt. Die beladenen Boote fahren den Fluss hinunter, die leeren fahren den Fluß hinauf. Jeder Schlepper zieht 2-4 Lastkähne und immer im Tandem. Militärische Vorschriften verbieten diesen Verkehr

Morgen ist Samstag, so werden wir den ganzen Nachmittag mit Waschen verbringen und unsere Patronengürtel und Rucksäcke in Ordnung bringen. Hoffe, wir bleiben hier, bis wir nach Hause zurückbeordert werden. Wir haben einen herrlichen Ausblick, können gut in den Betten schlafen, und der Ofen gibt uns die nötige Wärme. Als Packesel benutzt zu werden ist nicht angenehm, trotz der herrlichen Landschaft hier. Heute haben wir einen Ochsen, eine Kuh und ein Maultier gesehen. Sogar ein Pferd, welches mit einer Kuh zusammen auf dem Feld arbeitete. Nie haben wir 2 Pferde im Tandem gesehen, ein Zeichen, dass Pferde hier selten sind. Die deutschen Kinder hier haben sich genau so verhalten wie die französischen Kinder, sie sind neben uns her gelaufen und haben Pennies erbettelt. Die Leute haben uns höflich und mit offenem Herzen empfangen. Die Freundlichkeit und Unbeschwertheit traf uns im heiklen Gegenteil zu dem Verhalten der Franzosen, die immer Angst hatten, wir würden ihnen etwas wegnehmen. Die Franzosen haben eine feinere Art, eine liebevolle und sind emotionalere Menschen als die Deutschen. Die Deutschen sind fleißig, lieben ihre Heimat und sind ein gebildetes Volk. Ihre Ausbildung wird vollständig von Berlin geleitet und sie lernen ihre so genannte deutsche Kultur, deutsche Macht, ihr Recht und die Überlegenheit mit dem „Bündnis mit Gott“. Der französische Schimpfname für die Deutschen ist „Boche“, dem Sinn nach „Dummkopf“. Auf den Schulen der Deutschen steht immer“ Gott ist mit uns“ oder „Deutschland über alles“. Ich glaube nicht, dass unsere Kompanie diese Lieder gesungen hatte, bis wir hier ankamen. Der Grund war der, dass wir nicht dazu die Laune hatten. In der Kompanie habe ich den Ruf, der beste Maschierer zu sein. Heute ist Post für mich gekommen. 4 Briefe, sie waren Monate lang unterwegs.

Samstag, 21.Dezember 1918

Inspektion am Nachmittag. Wir vom ersten Zug müssen es immer wieder ausstehen, weil unsere Ausrüstungen nicht den Anforderungen entsprechen. Wir müssen bei diesen Inspektionen immer am untersten Level beginnen. Gunner Ward von der 2. Schwadron hatte ein Problem, das uns umhaute. Corporal Herr schickte ihn ins Dorf, dort, wo die Wagen geparkt waren, und er kam zurück ohne Maschinengewehr. Er sagte, dass er es hatte nicht mehr finden können und das ein anderer es wahrscheinlich ergriffen hätte. Da ich dieser Schwadron nicht mehr angehörte, machte ich den Vorschlag, dass ich das Maschinengewehr abholen würde, derweil die anderen mit der Inspektion hätten weitermachen können, aber es wurde von der Schwadron abgelehnt, da die Inspektion anscheinend wichtiger war. Heute Nachmittag schlendern wir hinunter zum Fluss um uns an der Rheinstrasse mit Hutchens in einem Cafe zu treffen. Es war schon eine Zeit lang her, dass wir miteinander geredet hatten.

Sonntag, 22.Dezember 1918

Schreibe Briefe heute. Man kann Schreibmaterial in jedem der Dörfer in Deutschland kaufen, aber das Limit ist damit schon erreicht.

Montag, 23-24 .Dezember 1918

Kompanie erledigt eine regelmäßige Übungseinheit, welche nur am Vormittag durchgeführt wird. Der Nachmittag ist frei, es sei denn, wir bekommen neue Wachinstruktionen, die jeden vierten Tag anfallen. Ich übe derweil mit meinem Horn, welches einer der Stipendiaten bei einer Wanderung hier gefunden hatte. Wir sind 8 Leute, die ein Horn haben, von jeder Kompanie zwei. Zum Üben gehen wir immer hinunter zum Ufer des Rheins.

Mittwoch, 25. Dezember 1918

Weihnachten, aber man fühlt es nicht richtig, obwohl es gestern etwas geschneit hatte. Wir fuhren heute morgen zum Kirchplatz. Dort in der Dorfschule haben wir Schokolade und Plätzchen bekommen. Gegen späten Nachmittag machten wir hier im Chateau ein Unterhaltungsprogramm mit Weihnachtsliedern. Wir hatten ein paar Hühner eingekauft, und so gab es heute Abend Chicken Dinner. Seitdem wir in Kripp sind, bekommen wir drei Mahlzeiten am Tag.

Freitag, 27. Dezember 1918

Für heute haben wir unser Treffen mit den anderen Einheiten verlegt in einen Stall mit langen Tischen und mit Stühlen bestückt. Am Ende dieser Halle gibt es eine Bühne und in der Tat muss es sich hier um den Unterhaltungstreffpunkt der Bevölkerung handeln. Ungefähr zwei Drittel unserer Kompanie hat heute ihre Weihnachtsgeschenke aus der Heimat erhalten mit vielen Briefen und Karten. Ich hatte leider kein Glück, meine Weihnachtsgeschenke von meiner Familie zu bekommen, eine Lastwagenladung dieser Geschenke ist in Frankreich verbrannt, und ich bin mir sicher, dass meine Geschenke dort auch dabei waren. Heute war der Schnee durch den Regen wieder weg.

Montag, 30. Dezember 1918

Die Zähne von all unseren Männern wurden heute von einer Gruppe von dafür ausgebildeten Offizieren kontrolliert. Meine Zähne sind erstklassig. Männer mit ganz schlechten Zähnen bekommen diese in den nächsten Tagen gezogen. Diese Maßnahmen sind schlecht bei uns angekommen, da viele Zähne bestimmt noch hätten repariert werden können, anstatt sie rauszuziehen. Aber Befehl ist nun mal Befehl. Das gesamte Bataillon traf sich heute wieder auf dem Dorfplatz. Es wurde eine Liste erstellt, um herauszufinden, welche berufliche Ausbildung jeder hatte, um sicher zu stellen, dass bei der Rückkehr in die Staaten die entsprechenden Arbeitsplätze vorhanden sind. Anschließend wurde auf dem Dorfplatz mit deutschen Musikern Lieder gespielt. Die meisten Deutschen können irgendein Lied spielen.

Mittwoch, 1. Januar 1919

Kein Training heute. Es ist ein klarer Tag für eine Veränderung, und ich mache einen Spaziergang am Fluss der zugewandten Seite Remagen. Die Flussufer sind bis unter die Wasserlinie mit Basaltsteinen ausgelegt. Der Flußpegel ist deutlich gestiegen, seit den Regenfällen der letzten Tage. Es ist die Zeit abends früh zu Bett zu gehen, wir bekommen keine Kerzen aus militärischen Gründen. Wenn es ein Unterhaltungsprogramm auf dem Dorfplatz gibt, dann wird es auch schon mal später. Viele von uns gehen ins Bett statt in die Cafes. Meiser ist ein ganzer Kerl, wenn es um das Essen geht. Er ist immer irgendwo im Dorf auf der Jagd nach etwas Essbarem in den Restaurants. Heute Nacht hatten wir ihm einen Streich gespielt. Wir hatten seine Bettsachen mit Stroh gefüllt und mit all dem Unrat, der hier rumlag. Er wird eine schöne Zeit haben, wenn er ins Quartier kommt und im Dunkeln seine Bettsachen ordnen muss.

Freitag, 3. Januar 1919

Auf dem Dorfplatz spielt heute die 166th Infantery Band

Sonntag, 5. Januar 1919

Schreibe Briefe und nehme am Gottesdienst gegenüber des Dorfplatzes teil. Unser Bataillion hat jetzt einen Kaplan, einen ehemaligen Sergeanten von der 166th Infantery. Der Fluß ist über die Ufer getreten, und die Uferstraße ist mit mehreren Stäben gekennzeichnet. Die Straße entlang des Ufers ist ein paar Meter unter Wasser und auch die Gebäude stehen im Wasser.

Montag, 6. Januar 1919

167th Infantery Octet am Dorfplatz. Nachricht vom Tod des ehemaligen Präsidenten Roosevelt. Bataillion in Formation zum Gruße um 04:00 Uhr zu Ehren von Roosevelt.

Dienstag, 7. Januar 1919

Filmvorführungen auf dem Dorfplatz. Die Stromversorgung der Filmmaschinen erfolgt über einen Lastwagen. Die Filme wurden an verschiedenen Orten des Dorfes gezeigt. Die Filmmanschaft zieht zu verschiedenen Orten mit amerikanischen Regimenter, um die Zeit für die Soldaten zu verkürzen.

Mittwoch, 8. Januar 1919

Boxkämpfe auf dem Dorfplatz für uns Männer

Donnerstag, 9. Januar 1919

Ringkämpfe auf dem Dorfplatz für uns Männer

Freitag, 10. Januar 1919

Auf dem Dorfplatz werden Süßigkeiten und Kekse verkauft, aber das hält nicht den ganzen Tag an. Rainbow Sheldon hat sich mit Rotwein betrunken. Die Patrouillen haben ihn verhaftet, aber sie ließen sich viel Zeit dabei.

Samstag, 11. Januar 1919

Inspektion am Vormittag. Am Abend spielt die 168th Infantery Band auf dem Dorfplatz. Wurde heute zum Hornisten ernannt.

Sonntag, 12. Januar 1919

Schönes Wetter, noch kein Schnee. War in der Kirche gewesen am Dorfplatz und anschließend einen Kuchen gekauft. Wenigsten heißt es Kuchen aber ich würde es eher einen verkrusteten Tortenboden nennen mit Marmeladenfüllung. Es ist mit der einzige essbare Artikel, den man hier unbedenklich kaufen kann. Zuckerbrot mit Marmelade, Möhren mit schwarzen Beeren, die hier in einer Fabrik hergestellt werden. Die ersten Tage, wo wir hier waren, gab es einen kleiner Metzgerladen. Das meiste Fleisch dort war gewöhnungsbedürftigt und das Fleisch war stets mit Blut gemischt. Wir hatten es versucht, zu essen, aber unser Magen streikte. Kurze Zeit später wurde der Verkauf von Fleisch an uns von den Deutschen verboten, auch andere Lebensmittel durften an Soldaten nicht mehr verkauft werden. Der Grund war der Mangel an Lebensmittel für die Deutschen selbst.

Dienstag, 14. Januar 1919

Seit langer Zeit wieder Post bekommen. Alfred ist sehr krank und Roma ist gestorben.

Mittwoch, 15. Januar 1919

Ein Bischof aus New York war heute auf dem Dorfplatz. Nach der Predigt brachte ich Parks nach Ahrweiler zum dortigen Hauptquartier. Parks ist eigentlich der Chauffeur vom Major und fuhr einen alten Ford. Auf dem Weg nach Ahrweiler kam ich durch Neuenahr, wo die Divisional Supply Base stationiert ist.

Donnerstag, 16. Januar 1919

Heute vormittag mit dem Horn geübt,  anschließend einen Spaziergang nach Sinzig gemacht. Wir durften eigentlich ohne einen Passierschein dort nicht hin, aber wir hatten uns nie die Mühe gemacht, einen zu beantragen. Kaufte dort drei Ringe als ein Souvenier. Auf dem Rückweg, am Ortsrand von Sinzig, kam plötzlich eine Kompanie auf mich zu. Ich duckte mich hinter einer Hecke an der Seitenstraße. Ich ging duckend hinter dieser Hecke entlang, die ein Feld von 3 bis 4 ar umspannte. Ich kam dann wieder auf die Straße zurück, und an der Ecke der Hecke stand dann plötzlich der Anführer der Kompanie neben mir, der mit seinen Leuten etwas besprach. Ich konnte mich gerade noch abwenden und an der Hecke warten, bis die Truppe in Richtung Sinzig weiterging.

Aus obiger Zeichnung sieht man die verschiedenen Positionen einzelner Armeen und die neutrale Zonen die entlang des Rheins von den Alliierten ausgekleidert sind. Die Brückenköpfe werden aus den drei großen Städten Köln, Koblenz und Mainz mit einem Durchmesser von 30 Km überspannt. Die neutralen Zonen haben auch einen Durchmesser von 30 Km. Keinen deutschen oder amerikanischen Truppen ist es erlaubt, in diese neutralen Zonen zu gehen. Bei Widerständen und Kampfhandlungen ist es den Alliierten allerdings erlaubt, überall hinzugehen. Dieses entspricht den Bedingungen der Besatzung. Jede Kompanie in allen Divisionen haben bestimmte Positionen ausgewählt für einen plötzlichen Angriff. Im Falle eines Angriffs, unser Major General Bn. wird sich auf die vorher festgelegten Positionen zurückfallen lassen auf die Höhen nahe der Stadt Sinzig, dort, wo die Infantry ihre Positionen aufgebaut hat. Jedes Bataillion und Regiment ist so einquartiert, dass sie in kürzester Zeit zu Stelle ist, wenn es irgendwo mal Ärger gibt. Natürlich glauben wir alle nicht, dass es dazu mal kommen wird.

Vor einigen Tagen hatten die Infanterie und die Artillerie eine Schein Attacke angesetzt. Die Artillerie von einem Hügel zwischen hier und Remagen, ein Stück weg vom Fluss, vorangetrieben von ihren Positionen über die Felder in Schlachtordnung bis Kripp zum Flussufer. Der Deutsche wusste nicht, was los war, die Hände ringend weinten die Frauen und die alten Leute hatten Angst. Es war Sport für uns. Verdammt, lasst sie einmal Angst haben, sollen sie ihre Medizin nehmen. Wenn es sie nicht geben würde, bräuchten wir nicht hier zu sein, wären zu Hause bei unseren Familien. Aber so wie es ist, wir sind hier in diesem Gott verlassenen Nest, wo man nichts kaufen kann, nichts essen und wo es keinen Platz gibt, wo man sich amüsieren kann. Wir müssen diese Zeit vorbei gehen lassen. Ein neues Lied wurde hier geboren „Alles was wir haben ist eine Heimat am Rhein“. Es ist für uns ein populäres Lied, weil wir so fühlen, und wir singen es mit trauriger Melodie. Meiser, der Kerl, startet jeden Tag nach dem Aufwachen mit dem Spruch “ Einen Tag näher an Zuhause“. Obwohl wir abends früh zu Bett gehen und morgen um 07:00 Uhr aufstehen, mögen wir nicht aufstehen. So singen wir denn das Lied von dem gekillten Trompeter, ein sehr beliebtes Lied. Ich brauche morgens an den Drillübungen nicht teilnehmen. Meine Kameraden hassen diese Übungen, auch wenn sie nur einen Teil des Vormittages ausmachen. Wir haben Sehnsucht etwas zu essen, etwas Süßes. Wenn man uns nur zum Dorfplatz schicken würde, es würde uns helfen. Man brachte uns Schreibpapier, Zeitungen und Bücher. Die Zeitungen sind voll mitdem Kriegszeug, wir wollen das nicht mehr lesen. Natürlich müssen wir hier in unseren Quartieren die Kriegszeit überstehen, aber es gibt hier nichts mehr zu erzählen, es sei denn, es kommen neue Gerüchte. Vor einigen Tagen kamen Unmengen an Pferde hier nach Kripp von Divisionen, die ihre Heimatreise antraten. So denken wir, dass auch unsere Heimreise bald kommt, sobald die Pferde weg sind. Aber nun wird unsere Artillerie neu ausgestattet mit Traktoren zum Transport unserer Waffen, und wir bleiben hier bis zum Rest unseres Lebens.

Sehr oft bekommen wir auf dem Dorfplatz die Zeitungsausgaben des New York Herald und der Chicago Tribune, die für uns als Kontakt zur Außenwelt dienen. Die Deutschen haben aufgehört, uns zu unterstützen, keine Musik auf dem Dorfplatz, ich weiß nicht warum, aber ich weiß, dass es für die deutschen Jungen und Männer kaum noch Platz auf dem Dorfplatz gab. Neulich hatten wir die älteren Jungen auf dem Dorfplatz mit Stöcken geärgert, und jetzt geht keiner der Deutschen mehr dort hin. Nun, wir leben mehr nach den Armeeregeln und dürfen mit den Deutschen keine Verbindungen aufbauen, jedenfall so wenig wie möglich. Bei den gleichen Regularien ist es den Deutschen verboten, nächtliche Treffen abzuhalten, egal welcher Art. Auch tagsüber dürfen sie es nicht, außer der Besuch in der Kirche. Mehr als drei Deutsche zusammen auf der Straße ist verboten, und sie bekommen Passierscheine von unseren Büros, wenn sie das Dorf verlassen wollen in Richtung der neutralen Zone. Absolut alle Waffen müssen den Alliierten abgegeben werden während der Besatzungszeit. Jeder Haushalt hat eine Liste, wo draufsteht, welche Personen in dem Haus wohnen. Wir haben keine Probleme mit den Deutschen, da sie diese Vorschriften beachten. Ich glaube nicht, dass der Krieg einen Einfluss auf die „Kinderbettelei“ hatte, aber du kannst mir glauben, sie brauchen und suchen Schuhe. Während die Kinder spielen in den Pausen habe ich alle Arten von Schuhwerk bei ihnen gesehen. Jungen und Mädchen, im alter von 8-10 Jahren, tragen die Schuhe ihrer Mutter oder des Vaters. Alte, abgenutzte mit schweren dicken Sohlen aus Holz mit Oberteil aus Leder. Schuhe von ihren älteren Brüder und Schwester, unpaarige Schuhe vielleicht von demselben Fuss, die Fersen meist abgenutzt. Kein Kind trug Holzschuhe in der Schule und auch ältere Menschen hier tragen keine Holzschuhe.

Jeden Freitagnachmittaggehen die Lehrer mit den Kindern wandern, immer in geordneten Reihen. Sowohl die Jungen als auch die Mädchen singen beim wandern. Selbst ihre Spiele haben den Anschein einer militärischen Formation. Schon von Geburt an werden sie gelehrt an eine Ordnung und um ihr Vaterland zu verteidigen. Das hatte den Ursprung der alten Regierung unter Kaiser Wilhelm, wo ein uneheliches Kind kostenlos eine Ausbildung erhielt, als Säugling schon, später mal ein guter Soldat zu sein. Die Jungen wurden erst freigegeben, wenn sie ein bestimmtes alter erreicht hatten. Uneheliche Mädchen wurden auf die gleiche Weise aufgenommen. Sie wurden gelehrt in Näh-, Pflege- und Reinigungsservice. Alles Militarismus nach dem Motto „Deutschland über alles“. In Kripp werden die Nachrichten und die Verordnungen der alliierten Armee durch einen Ausrufer bekannt gegeben, statt Zeitungen. Er geht durch das Dorf, läutet seine kleine Glocke an jeder Ecke, um seine Nachrichten zu erzählen. Wie ich hier ankam, hatte ich eine Kripper Frau, die mir die Wäsche machte, aber ich glaube nicht, dass sie diese Wäsche gekocht hat oder irgendein Seifenstück verwendet hatte. So wasche ich meine Wäsche jetzt selber. Jeder Offizier wird, wenn er an der Reihe ist, nach Frankreich für drei Wochen in ein Trainingslager gesteckt. Ein Leutenant von der S.O.S wurde uns geschickt uns taktische militärische Dinge in Trainingseinheiten zu unterrichten, aber er war nicht sehr geeignet für so etwas. Er war nie an der Front, und er hatte den gleichen Level wie unsere Kameraden hier. Major Winn hat seinen Auftrag als Oberstleutenant erhalten und Captain Peacock von einer anderen Kompanie des Bataillions.

Donnerstag, 16. Januar 1919

150. Artillerie-Saxophon Sextett auf dem Dorfplatz. Höre das Lied „Jada“ zum ersten Mal.

Freitag, 17. Januar 1919

Na, wenn wir heute auf dem Dorfplatz keine Süßigkeiten bekommen, dann werden sie liberal

Samstag, 18. Januar 1919

Heute ist Zahltag und das obligatorische Trinken. Einige von uns machen den Tag zur Nacht, wenn Zahltag ist. Aber es gibt hier nicht viel zum Trinkgelage. Ich habe noch nie gesehen, dass hier Soldaten alkoholische Getränke dabei hatten, wenn sie zur Front gingen. Französische, Britische und Deutsche werden meistens mit Bier versorgt. Habe ich überhört, das sie nicht betrunken werden, wie die amerikanischen Soldaten. Wir bekommen unser Geld in Deutsche Mark statt Franc. Vor dem Krieg war die Mark noch 24 cents wert, jetzt sind es nur noch 8 cents. Einige von uns haben Passierscheine um einige Meilen rheinabwärts mit dem Zug zu fahren, nach Bonn. Bonn ist ein britischer Brückenkopf und wird von Kanadier besetzt. Die kanadische Division befindet sich neben der 42th Dvision auf der linken Seite.

Sonntag, 19. Januar 1919

Auf dem Dorfplatz führt Chaplin eine Singschule vor.

Montag, 20. Januar 1919

Teile unserer Kompanie fahren mit Passagierschein nach Koblenz. Unser Bataillion bekam heute neue Maschinengewehre und Pistolen der Marke Browning. Diese Waffen haben noch die alten Stempel des 339th Machine Gun Regimentes und der 85th Division. Ein Teil unserer Männer mag die neuen Waffen, aber für die meisten von uns sind sie zu kompliziert.

Dienstag, 21 Januar, 1919

Teile unserer Kompanie mit Passagierschein nach Bonn. Heute bekam ich meine Box mit den Weihnachtsgeschenken. OK.

Mittwoch, 22 Januar, 1919

Hornist Walker ist krank. Regierung startet jetzt regelmäßig die Lieferung von Süßigkeiten, Kaugummi, Tabak und Cookies.  Diese Lieferungen sollen jetzt öfter die Woche durchgeführt werden. Einge Sergeanten von uns werden den Verkauf jetzt besser organisieren, und wir freuen uns, jetzt diese Sachen hier zu bekommen.

Donnerstag, 23. Januar, 1919

Wir üben eine Bataillion Parade für den Besuch des Generals in einigen Tagen. Wir haben nun einen neuen General bei S.O.S., einer, der von unserem alten General vorgeschlagen wurde und hier bei uns die Sachlage überprüfen möchte.

Freitag, 24. Januar, 1919

Post ist heute gekommen. Unsere Kompanie erhält eine Ausgabe von Kaugummi, Kekse und Marmelade. Die Sergeanten teilen die Sachen gruppenmäßig auf, und jeder zahlt dann seinen Anteil.

Freitag, 31. Januar, 1919

Heute war die Parade für den neuen General. Das 150th Machine Gun Bataillion wurde überprüft und von Generalmajor Fauser bewertet.

Donnerstag, 6.Februar, 1919

Die Zeit geht schrecklich langsam voran. Die Veranstaltungen auf dem Dorfplatz werden weniger und die Abstände zwischen den Veranstaltungen werden immer länger. General Pershing hat eine Liste aller Divisionen aufgestellt, die mit Schiffspassagen nach Hause transportiert werden und auch die Monate, wann diese Rückkehr stattfinden soll. Der Monat für unsere Division ist April. Wird April jemals kommen? Nun, jetzt werden sicher die Gerüchte verstummen, wann die Rückkehr erfolgen wird. Aber erst in zwei Monaten? Muss darüber nachdenken. Einige meiner Kameraden sagten, sie würden lieber wieder in die Schützengräben gehen, so wie damals in der Ausbildung im vergangenen Winter an der lothringischen Front, als in diesem Loch in Kripp. Es gibt kaum einen Mann hier, der nicht müde, krank und einsam ist, von dem Leben hier. Natürlich wissen wir, dass wir nicht alle gleichzeitig nach Hause kommen können. Da sind wir uns alle einig, wir sind vereint, bis auf den letzten Mann hier bei der AFE. Von Beginn an mit der Armee zu leben war ein Aussonderungsprozess. Zuerst werden die Drückeberger aussortiert, dann die, die nicht wollen, dann diejenigen, die vorgeben kranke Füße zu haben, nicht marschieren zu können. Aber jetzt wissen wir, dass es bald nach Hause gehen wird.

Heute ist das Fußballspiel unserer Division gegen die Mannschaftder vierten Division bei Koblenz. Ein Dutzend von uns, mich eingesclossen, erhalten Passierscheine, um mit dem Lastwagen, der unsere täglichen Rationen transportiert, in Richtung Koblenz zu fahren. Wir verließen Kripp um 08:30 Uhr aber einige Kilometer hinter Sinzig brach unser Lastwagen zusammen. Ich hatte das Glück, auf einen anderen Lastwagen umzusteigen, und so erreichte ich Koblenz. Koblenz ist 32 Kilometer von Kripp entfernt. Am Vormittag ging ich mit Knox noch etwas durch die Stadt und am Nachmittag gingen wir zum Fußballfeld südlich der Stadt am Flußufer. Ein Sergeant unser Kompanie hat in der Manschaft mitgespielt, aber wir haben das Spiel verloren. Am Abend haben wir auf dem Platz unser Abendessen bekommen. Wir wurden von deutschen Kellnern bedient. Anschließend haben Knox und ich noch die Räume des Roten Kreuzes besucht, und wir erhielten dort einen Pullover mit Aufdruck. Um 22:00 war das Fest dann zu Ende und wir bekamen gerade noch den letzten Lastwagen, der uns nach Sinzig fuhr. Von dort gingen wir dann zu Fuß zu unseren Quartieren nach Kripp.

Freitag, 7 Februar, 1919

Die Hälfte unserer Kompanie, mich selbst eingeschlossen, machen heute eine Bootsfahrt auf dem Rhein. Auch die drei anderen Kompanien erhielten Passagierscheine und circa die Hälfte aller nahmen an der Bootsfahrt teil. Jeder Offizier hat die Verantwortung für seine eigene Kompanie. Es gibt keine Anlegestelle in Kripp, so dass wir bis Remagen marschierten mussten. Abfahrt des Bootes ist 08:30 und wir mussten uns beeilen, da wir uns vorher noch für das Mittagessen eintragen lassen mussten. Das Boot ist ein Ausflugsboot, wo man das Deck aufschieben konnte , gedacht für Touristen, die hier in großer Zahl solche Fahrten genießen, vor allem ausländische Touristen. Das Schiff wird von einer deutschen Besatzung betrieben und für unsere Tour sind einige amerikanische US Mariners an Bord um zu sehen, dass die alliierten Sicherheitsvorschriften ausgeführt werden. Alle zwei bis drei Kilometer sehen wir Ortschaften auf jeder Seite des Flusses, Brücken gibt es nur in irgendwelchen Städten. Eine Eisenbahn gibt es auf jeder Seite des Flusses. Der Fluss ist einige hundert Meter breit und hier und da gibt es eine kleine Insel in der Mitte des Stromes. Wir sehen viele malerische und historische Sehenswürdigkeiten, aber am meisten interessierte uns der mittelalterische Prinz auf seinem Pferd und die alten Stellungen der Schlacht von Napoleon, wo er gezwungen wurde über die alte Festung Ehrenbreitstein wieder zurückzukehren, direkt gegenüber des Rheins in Koblenz, wo die Mosel in den Rhein mündet. Obwohl, es tat gut die amerikanische Flagge dort im Wind wehen zu sehen, vor allem durch die Prahlerei von Kaiser Wilhelm. An der Einmündung der Mosel steht an der alten Festung dieses Monument des Kaisers Wilhelm mit seinem Pferd. Ein amerikanischer Soldat bewacht dieses Monument, da einige Tage zuvor ein amerikanischer Soldat schüße auf den Kopf des Kaisers abgegeben hatte um die Härte des Materials zu prüfen.

Eine amerikanische Ponton Brücke über den Rhein verbindet beide Ufer und der Verkehr ist auf Soldaten beschränkt.

Ein paar Kilometer hinter Koblenz dreht unser Boot und wir fahren an dem steilen Berghang westlich des Ufers zurück, an eine der vielen Burgen des Kaisers. Diese Burg heißt Stolzenfels. Ein gutes Mittagessen wurde uns im Speisesaal von deutschen Kellnern serviert, mit Fleisch belegte Brötchen, Kekse und Kakao. Gegen 15:30 kamen wir wieder in Reamgen an. Es war ein klarer Tag mit etwas rauhem Wind.

Eine amerikanische Armee Platoon Brücke verbindet die Festung Koblenz mit derzeit wird der Verkehr auf Soldaten beschränkt. Ein paar Kilo über Koblenz unser Boot dreht sich um und zurück, bis an einem steilen Berghang am westlichen Ufer ist eine der vielen Burgen Kaisers, wird dieser ein Stolzenfels genannt. Ein gutes Mittagessen mit Fleisch belegte Brötchen und Kekse und Kakao wird von den deutschen Kellner im Speisesaal serviert. Kommen Sie zurück in Remogen auf 15.30 Uhr Es war ein klarer Tag, aber mit ein rauer Wind.

Samstag, 8.Februar 1919

Inspektion wie gewohnt. Es war Zahltag heute. Die Armeevorschriften besagen, dass vor dem 10. eines jeden Monats die Bezahlung der Soldaten zu erfolgen hat. Jeder hat ein Soldbuch, und wer am Zahltag nicht anwesend ist, bekommt seinen Sold später unter Vorzeigen des Soldbuches von einem Officier oder Sergeanten ausgezahlt, egal wo man sich gerade befindet. Seargent Deets
bekam heute einen Orden von der Regierung für seine Tapferkeit im Einsatz in 
Belgien. Captain Means hat diese Ehrung vor der Division vorgenommen.

Sonntag, 9.Februar 1919

Briefe geschrieben. 168th Infantery Band spielt auf dem Dorfplatz

Dienstag, 17.Februar 1919

Der Kaplan erzählte uns heute die Geschichte von einem Soldaten in Toul und Nancy, der dort sein Gepäck hatte liegen gelassen. Er kämpfte dort am 22. Februar im Schützengraben. Meiser wusste die Details.

Donnerstag, 27.Februar 1919

Wir erhalten Passagierscheine für einen Ausflug nach Köln am Rhein. Der Grund für diesen Ausflug ist, uns etwas die Zeit zu vertreiben und uns die Monotonie des Alltags etwas vergessen zu machen. Statt der vielen Sehenswürdigkeiten wollen wir lieber unsere Freiheitsstatue wieder sehen. Wir wollen das ganze Land hier noch nicht mal als Geschenk, Frankreich auch nicht. Was immer wir auch machen, diese schönen historischen Sehenswürdigkeiten interessieren uns nicht so sehr. Es ist nichts zum Vergleich des Elends, der Qualen, Verwüstung, des Schreckens und des Todes beim Anblick des Krieges. Diese historischen Sehenswürdigkeiten aus längst vergangener Zeit haben keinen Einfluss auf uns alle hier, da die Wirklichkeit der Krieg ist. Vielleicht sehen wir unsere Rolle in dieser historischen Welt etwas anders, später, wenn wir wieder Zuhause sind. Wir passieren Rolandseck , wo die 166th Infanterie einquartiert ist. Hier beginnt das britische Territorium mit den kanadischen Soldaten. Bad Honnef und das Wunder der sieben Berge, Bonn, eine große Stadt, das Zentrum der riesigen Zeigelschornsteine säumen den Fluß. Hier gibt es private Schulen und viele Landhäuser. Hier gibt es Aktivitäten aller Art, viel mehr als unten in Koblenz.
Dann Köln, eine große Stadt mit flachen Häusern, unterbrochen von Kathedralen, Kirchen und öffentlichen Gebäuden. Vor allem die Kathedrale mit ihren steilen Spitzen fesseln uns für einige Minuten.
Gegen 16:00 Uhr sind wir wieder zurück in Kripp. Meiser hat einen Brief von zu Hause bekommen, war nur 2 Wochen unterwegs, Rekordzeit, das war noch nie.

Sonntag, 9.März 1919

Heute hatten wir ein Basketballspiel unseres Tems gegen das 168th Bataillion für die Meisterschaft unserer Division. Wir haben 28-10 verloren. Am Abend konnten wir uns das Spiel auf der Leinwand auf dem Kripper Dorfplatz nochmal anschauen. 

Dienstag, 11.März 1919

Den schönen sonnigen Tag haben die Landwirte genutzt, um ihre Felder zu pflügen. Kurz nach dem Abendessen kam Sergeant Drawbaugh auf unser Zimmer, auf der Suche nach Wegbegleiter für das Basketballspiel in Andernach zwischen unserem Team und einer Abteilung der 3.Division. Ein Lastwagen voll mit unseren Leuten gehen dorthin. Die 42th Division gewann das Spiel mit 26:28. Albert Cunningham ist in der 7th Infantery der 3. Division, und ich hatte gehofft, ihn beim Spiel zu treffen, da er in Andernach stationiert ist. Wir hatten uns nicht gesehen, zumal wir nach dem Spiel gleich wieder zurück nach Kripp fuhren.

Mittwoch, 12.März 1919

Zahltag

Donnerstag, 13.März 1919

Auf dem Dorfplatz in Kripp das Bataillion Minstrel Show Tweet-TWA. Meiser ist hingegangen

Sonntag, 16..März 1919

Seit einigen Tagen bringen wir unser Quartier auf Vordermann. Wir haben Reinigungs- und Poliermittel bekommen, um in Bereitschaft für eine Inspektion des Generals John J. Perching zu sein.

Unsere Ausrüstung soll einer Inspektion unterwofen werden und alles wird gesäubert, damit alles in bester Ordnung ist, wenn „Black Jack“ durch die Quartiere geht. Die größte Aufmerksamkeit soll aber unserer Kleidung gelten. Der Major versucht alles, dass die Präsentation erfolgreich wird, alle unsere Uniformen und Mäntel wurden gebügelt. Des weiteren wird sichergestellt, dass alle Armstreifen, Abzeichen und Bereichsleiterinsignien ordnungsgemäß vorhanden sind. Viele dieser Überprüfungen haben auch in anderen Bataillionen in den letzten Tagen stattgfunden, um ein einheitliches Bild abzugeben.

Nun endlich, der Tag ist gekommen, wo General Pershing nach Kripp kommt. Ein kalter, feuchter und kühler Tag, aber wir haben Glück, dass die Empfangstruppe hier an den Wohnungen entlang des Rheinufers stehen muss, und so haben wir nur einen kurzen Weg im Gegenzug zu anderen Bataillionen, die einen längeren Weg machen müssen. Es wurden keine Pferde oder zu ziehende Geräte überfrüft, es gilt nur die Inspektion des Soldaten. Bis 10:00 sind wir alle positioniert, der Empfang ist für 11:00 angesagt, soweit die 
Gerüchte es sagen.

Seit 08:00 Uhr sind die Truppen unterwegs zu ihren Empfangsstellungen. Unser Bataillion ist schon um 09:00 aufgestellt und marschiert über den Paradeplatz um sich als letztes Bataillion zu positionieren. Die Gesichter der ersten Reihe sind nach vorne gerichtet, links die Reihen stehen in einem Abstand von zwei Meter gegenüber. Am Ende der Reihe kommt dann General Pershing, der Kommandeur der amerikanischen Besatzungsarmee gefolgt vom kommandier= enden General des gesamten Army Corps, dem General unseres A rmy Corps sowie die Kommandoführer der Regimenter und Bataillione und den Captains. In der Wartezeit dürfen wir uns bewegen und uns umdrehen, aber nicht die Position verlassen. Die Truppen der Hauptquartiere stehen etwas höher zum Fluß, da wo die Wohnhäuser stehen. Es ist 11:00, es ist 12:00 und kein General Pershing. Wir bewegen uns etwas, um uns warm zu halten. Warum in der Welt kommt er denn nicht, und wenn er am Nachmittag kommt, warum stehen wir denn schon so früh hier. Dieser Besuch des Generals soll der erste Schritt unserer Heimreise sein, und wenn dieser Tag schon so schlecht in der Zeit organisiert ist, wie wird das denn aussehen, wenn wir den Rückzug aus Deutschland antreten sollen.

Mehrere kleine Gruppen von Zivilisten sind hier und da auf den höher gelegenen Flächen versammelt um General Pershing persönlich zu sehen. Um 13:00 ertönt ein Hornsignal von der HDG Truppe, welches jetzt unsere Aufmerksamkeit erfordert. Wir hören die Stimmen der Kompaniechefs und sehen, wie eine Limousine vor uns auf der Straße erscheint. Der Trompeter bläst den Ruf: „DerGeneral“. General Pershing montiert sein Lieblingspferd, einen weißen Schecken, genau, wie es die anderen Generäle auch tun. Dann reitet er im schnellen Galopp um die Außenseite der Division, während die HDG Band Musik spielt. Dann beginnt am anderen Ende die Inspektion. Insgesamt gibt es elf Musikeinheiten, es wird ohne Unterbrechung gespielt.

Um 15:30 erfolgt die Inspektion bei uns. General Pershing beeilt sich, es gibt bei jedem Regiment nur ein oder zwei kurze Stopps, um den Männern Fragen zu stellen, wie schnell sie antworten und wie qualitativ die Antworten sind. Der General lobt die Ordentlichkeit des Machine Gun Bataillions und erklärte dem Captain, dass es das ordentlichste Bataillion gewesen ist, dass er bislang gesehen hatte. Die Inspektion ist um 4:00 beendet. General Pershing steigt auf die Ballustrade eines Gebäudes und hält eine 10 minütige Rede. Er lobte unsere Division und bekräftigte unseren Anteil, diesen Krieg gewonnen zu haben, und er versprach, dass wir alle bald nach Hause kommen werden. Wir bedankten uns bei dem General und sagten ihm, das es das gewesen ist, was wir hörten wollten. Oh, boy, wir waren glücklich. Was für ein wunderbarer Tag. Damit löste sich die Ansammlung auf, alle traten den Heimweg an. Manche hatten nur ein bis zwei kilometer zu marschieren, so wie wir, andere kamen erst gegen morgen an. Und waren sie alle glücklich? Ja, der General sagte, wir kommen jetzt alle nach Hause, nur das zählt für uns. Jetzt haben wir Hunger wie ein Bär, und es tun uns diejenigen leid, die erst morgen früh etwas zu essen bekommen.

Montag, 17..März 1919

Heute ist unsere Division der S.O.S übertragen worden, als Vorbereitung für den Rückzug. Wir sind zwar nur „technisch“ in der S.O.S eingegliedert, aber das hindert uns nicht zu sagen:“ Wer gewann den Krieg – die S.O.S.“ In den Zeitungen lesen wir, dass die Bevölkerung von Frankreich, England und den Vereinigten Staaten jeder für sich beansprucht, den Krieg gewonnen zu haben. Sogar hohe Regierungsbeamte dieser Staaten kommen mit irgendeiner Aussage daher, diesen Krieg gewonnen zu haben. Das ist eigentlich zu einfach und dümmlich. Tatsache ist, dass keine von zwei Nationen die Möglichkeit hatte, den Krieg zu gewinnen, ohne eine dritte Nation. Es darf wahrlich bezweifelt werden, dass die Franzosen und die Engländer es ohne die Amerikaner alleine geschafft hätten. Die deutschen Truppen waren gute Kämpfer im Stellungskrieg bei Massenangriffen, aber auch bereit, gerne ihren eigenen Hals zu retten. Was uns Amerikaner angeht, da sollen andere richten.

Saver und ich gingen zum Dorfrand um zu helfen, die Esel und Pferde von Läusen zu befreien. Dazu standen Bottiche voll Wasser bereit, und wir schrubbten sie ab. Die Tiere konnten an die belgische Regierung verkauft werden, und deshalb wurden alle Tiere unserer Division nach hierher gebracht.
Die Bottiche sind so schmal, dass sich die Tiere darin nicht drehen können. Hinter dem Bottich müssen sie eine Rutsche runter und bis an das andere Ende schwimmen. Die Rutsche ist an beiden Seiten eingezäunt, damit sie nicht entfliehen.

Dienstag, 18.März 1919

Seit einiger Zeit hat sich Ahrweiler, wo unser Hauptquartier ist, als Sonderstelle für unsere Division entwickelt. Jeden Tag bekommen einige von uns Passagierscheine, um mit den Versorgungswagen einzelne Stellen anzufahren. Letzte Nacht wurde ich von Knox geweckt. Knoy kam gerade von Ahrweiler zurück. Die Schießerei fand in dem Moment statt, wo er in Kripp ankam. Als ich dann heute morgen wach wurde, wusste ich nicht, ob ich geträumt hatte oder nicht, deshalb sprach ich mit meinen Kameraden über den Vorfall. Niemand wusste etwas von der Ankunft Knox in der Nacht. Ich ging zu Knox an das Bett, weckte ihn, um herauszufinden, was geschehen war. Kieth starb in dem Ambulanzwagen auf dem Weg ins Krankenhaus nach Ahrweiler. Wir waren noch am essen, als die Wache Spangler nach unten in die Küche brachte. Er fragte:“ Was haltet ihr jetzt von mir?“ und niemand hatte die geringste Symphatie für ihn. Kieth hatte ihn geärgert wegen eines alten, rothaarigen deutschen Weibes, dem er freundlich gesonnen war und Spangler, ungebildet und voller Temperament schoß ihn nieder. Das rothaarige Weib hatte ihren Mann im Krieg verloren. 
(Spangler wurde von einem Gericht zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Spangler wurde von dem Wachpersonal unseres Bataillions gefangen gehalten, bis wir Brest in Frankreich erreichten, wo er übergeben wurde an die Leitstelle in Fort Leavensworth, Kanas.)

Heute hatte es geschneit. Der erste Schnee seit Weihnachten.


Freitag, 21.März 1919

Die letzten drei Tage hat es ständig geregnet und geschneit. Der Schnee schmolz, sobald er den Boden berührte. Heute gab es in Kripp eine Hochzeit. Man konnte frei seinen Kaffee trinken, alle waren heute etwas unbekümmerter als sonst. Man kann hier eine Beerdigung sehr schwer von einer Hochzeit unterscheiden. Natürlich fehlt der Sarg, aber die Leute tragen alle schwarze Kleidung. Nach der Hochzeit wurde ausgiebig getrunken.

Samstag, 22.März 1919

Statt einer Inspektion wurde heute vormittag geprüft, woran es den Soldaten fehlt und was wir nicht mehr gebrauchen.

Sonntag, 23.März 1919

Ein schöner sonniger Tag. Ein Teil unserer Truppe auf einer Flußfahrt auf dem Rhein. Heute Nachmittag hat ein älterer deutscher Fotograf ein Bild von mir gemacht. In einem Gebäude mit Duschen und Badewannen konnten wir uns heute mit warmen Wasser baden. Wir mussten unsere Pistolen und Munition abgeben, wegen der Schießerei mit Kieth. Red Layman hatte vor einigen Tagen in betrunkenen Zustand fast einen Deutschen erschossen. Die Alabahma Jungs in Sinzig haben wild um sich geschossen, nur um einige Deutsche in heißem Wasser zu halten. In Koblenz kamen einige Amerikaner mit Deutschen in Streit, und einige Deutsche wurden erschossen. Unsere Leute werden langsam ruhelos, da sie wissen, dass sie ohne die Deutschen schon Zuhause sein würden, aber wenn man die Umstände betrachtet, kommen die Truppen und die Deutschen gut miteinander aus. Die Provinz zwischen dem Rhein, Frankreich und Belgien heißt Rheinland. Hier haben die Menschen weniger Sympathie für den Kaiser

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und seinen Anhang, als in jeder anderen Provinz. Es gibt ernsthafte Gespräche, Rheinland zu einer separaten Republik zu machen, nachdem der Kaiser nach Holland geflohen ist. „Deutschland über alles“ und ihr Hass gegen die Franzosen ist immer noch akut, sie sind arme Verlierer, und sie warten sicher auf eine Chance, in Frankreich wieder einzufallen. Eine Republik ist nie eine Kriegsmaschine, so, wie es eine Monarchie ist. Wir haben die Friedenskonferenz mit Neugierde verfolgt. Wilson verhandelt hart, um die Freidensbedingungen anzuerkennen. Wir wissen nicht, wie die Friedensbemühungen Einfluss haben werden, für unsere Rückkehr in die Heimat, und wir werden das Gefühl nicht los, dass es eher länger dauern wird, als kürzer.

Kirche und Filmabend auf dem Dorfplatz.

Montag, 24.März 1919

Überprüfung unserer Halfter. Körperliche Überprüfung unten in einem Gebäude an der Straße am Fluss. Es schneit fast den ganzen Tag, aber der Schnee schmizt so schnell, wie er gekommen ist. Aus irgendeinem Grunde wurde unser Quartier die letzten Tage nicht beheizt. So gehen wir ins Dorf, um etwas Koks zu sammeln und Treibstoff zu kaufen. Treibstoff ist knapp und wurde pro Haushaltsvorstand knapp ausgeteilt.

In Kripp gibt es einen kleinen geschrumpften Engländer mit einer kleinen geschrumpften deutschen Frau, die hier seit 9 Jahren miteinander leben. Sie haben ein Kind, ein Junge, 4 Jahre alt, der Liebling unserer Soldaten. Er kann nicht englisch sprechen, aber wir bringen es ihm bei, als würde ein Papagei englisch sprechen. Der Vater ist so eine Art Hauptbuchhalter und Manager in einer Kripper Fabrik.

Dienstag, 25.März 1919

Heute wieder Schnee, vermischt mit Regen. Teile des Battaillions gehen in andere Orte, um dort Vorstellungen zu geben. Meiser ist heute geimpft worden, andere kommen morgen dran. Wir müssen alle hier geimpft werden, bevor wir nach Hause können. Meiser ist durch die Impfung krank wie ein Hund geworden, und Jones macht sich lustig über ihn.

Mittwoch, 26.März 1919

Schon wieder Schnee und Regen. Die Truppe wird heute nach der Größe der Männer gerichtet. Die größten stehen an der Spitze die Kleineren dahinter. In dieser Formation werden wir bald nach Hause marschieren. Viele bekommen noch vor dem Zubettgehen ihre Impfungen, viele sind krank einschließlich Jones, der am meisten belächelt wird.

Donnerstag, 27.März 1919

Fast jeder ist krank an diesem Morgen. Vielleicht ein Dutzend fühlen sich ok, mich eingeschlossen. So haben wir heute das gesamte Frühstücksbuffet für uns alleine. Humpreys und ich gehen heute alleine nach Sinzig, um uns einige Souvenirs zu kaufen.

Freitag, 28.März 1919

Schneeregen, Platzkonzert auf dem Dorfplatz. Heute bekomme ich meine bilder, die der Fotograf für mich entwickelt hatte.

Samstag, 29.März 1919

Schnee und Inspektion. Wir können es kaum erwarten, bis der Startschuss fällt für den Antritt unserer Heimreise. Wir wissen nicht, wie bald es sei wird, aber jeden Tag mehr verspüren wir anzeichen, dass es bald los gehen wird. Unruhe und Angst sind allgegenwärtig, dass noch etwas Unvorgesehenes passieren könnte. Es wimmelt überall von Gerüchten. Unsere Abteilung wird die Erste sein, die den Rhein verläßt, dann die 32th, 89th, 90th, 4th, 2nd, 1st, 3rd.

Sonntag, 30.März 1919

An diesem Morgen gehen Meiser und ich zur evangelischen Kirche. Kirche am Abend ist gegenüber dem Dorfplatz. Auch heute wieder Schnee. Die Armee hat gerade eine große Kantine hier in Kripp errichtet. Warum das organisiert wurde, ist uns nicht verständlich, da unsere Rückkehr doch vor der Tür steht. Ja, wir hätten sie früher gebraucht, den ganzen Winter haber wir draußen gesessen, sie sagen jetzt, dass es sich durch den Mangel an Holz verzögert hätte. Oft hatten wir in der kleinen Küche gesessen, oder in der kleinen Scheune auf dem 2 ha großen Garten, wo der Hausmeister des Schlosses Sträucher, Blumen, Gemüse und Rasen verwaltet. Der Hausmeister hat den Boden umgegraben, den ganzen Winter lang, wenn der Boden nicht zugefroren war. Einige von uns hatten seinem Hund eine Blechdose an den Schwanz gebunden, aber der alte Mann nahm nie seinen Kopf aus der Tür. Wir hatten ihn im Verdacht, dass er uns einige Decken und Schuhe aus dem Quartier geworfen hatte.

Montag, 31.März 1919

Am Nachmittag ging ich alleine nach Sinzig. Am Abend hatte unser Batallion einen Kostümball. Viele der Kameraden hatten sich Frauenkleider ausgeliehen, so richtig zum Lachen. Drei kleinere Männer sahen in den Mädchenkleider ganz schön cool aus. Zur Musik spielte das 165th Infanterieregiment.

Mittwoch, 2.April 1919

Befehl erhalten, dass unsere Heimkehr am Samstag um 09:00 in Sinzig beginnt. Wir werden der erste Zug sein und wir werden in amerikanischen Lastwagen transportiert, besser als die kleinen, fremden Wagen. Jeder bekam einen leeren Strohsack, für eine komfortable Heimreise. Heute Unterhaltungsshow und Cabaret. Einige von uns waren als Frauen verkleidet, das war wirklich lustig, und es war eine Tradition in der A.F.E.

Donnerstag, 3.April 1919

Noch 2 Tage, oh boy. Inspektion des Batallions unten am Rheinufer. Salisbury überprüft unsere Messer, Gabel und Löffel. Wenn wir meckern, schreit er lauter. Wenn es auf dem Dorfplatz candy oder cookies geben sollte, dann wird jeder von uns einen Anteil bekommen.

Freitag, 4.April 1919

Wenn der Befehl nicht geändert wird, dann geht es morgen los.

Kücheninspektion, Inspektion der Männer unten auf der Strasse am Rheinufer. Dann haben alle von uns noch ein Bad genommen und unsere Quartiere gesäubert.

Samstag, 5.April 1919

Um 05:00 in der Frühe sind wir alle beschäftigt, unsere Rucksäcke zu packen und zu verschnüren. Um 08:30 ergeht der Marschbefehl. Wir schauen nicht mehr zurück auf unser Quartier. Wir gehen singend durch Kripp, die meisten Bewohner stehen an den engen Straßen, um uns zu verabschieden, und viele Kripper haben Tränen in den Augen. Wir gehen über Felder, wo die Ahr in den Rhein mündet, Richtung Sinzig. Dort stehen die Trucks bereit, um uns nach Brest zu bringen, zu unserem Schiff.


Abriss Unterkripp
von Willy Weis & Hildegard Funk

Das Projekt zur Verlegung von Kripp

Geplante Verlegung des hochwassergefährdeten Ortsteiles „UNTERKRIPP“ aus dem Überschwemmungsgebiet.

Auf Grund seiner Tieflage mit 55-57 m NN in der Niederung des Rheines und der Ahrmündung gelegene „Unterkripp“ hat dieser Ortsteil stets im besonderen Maße mit dem Hochwasser zu kämpfen. Infolge der rückblickenden schrecklichen Ereignisse der Hochwasserfluten von 28. Nov.1882 (Pegel Andernach 10,40 m), 16. Jan.1920 (Pegel Andernach 10,30 m) und des Neujahrshochwassers 1926, mit einem damals noch nie gemessenen Scheitelpunkt von 10,43 m (Pegel Andernach 1.1.1926) wurde ab 1927 aus kommunaler Sicht eine Verlegung der permanent von Hochwasser umspülten „Unterkripp“ in ein hochwasserfreies Gebiet auf der Oberkripp in Erwägung gezogen. Man kam zu der Einsicht, dass eine Verlegung des Ortsteiles von Kripp das einzige probate Mittel zur Behebung der sich wiederholenden Schäden sei. 


Hochwasserursachen 1926


Kripp liegt im vollen, von Niederbreisig auf eine Länge von 7 km geradlinig herankommenden Hochwasserstrom absolut ungeschützt. In früheren Jahren war dieses Vorgelände besetzt mit dichten, aufeinanderfolgenden Barrieren von Weiden, Hecken und Pappeln, die die Gewalt des Stromes brachen und erheblich reduzierten im Gegensatz zum damaligen Zustand, wo diese teils auf Strombau- teils auf Privateigentum liegenden Barrieren zum Ende des 19. Jahrhunderts entfernt worden sind, eingewiegt in der Sicherheit, vor zukünftigen Hochwasserkatastrophen verschont zu sein. 


Diese natürlichen Barrieren waren von entscheidender Wichtigkeit, insbesondere bei Eisgang, wenn sich die herankommenden Eismassen in dem von Kripp nach Sinzig ca. 2 km ins Land ausweitenden Hochwasserüberflutungsbecken stauten und sich zwischen die Hauslücken gewaltig strömend von rückwärts hemmungslos in den Ort ergossen, und die Siedlung der Unterkripp umfassten und fast erdrückten. Das Hochwasser floss mit voller Stromgewalt durch den Ort mangels jeglichen Stromschutzes. Mitgeführte Eismassen wirkten dann in diesem Strom rammend und pressend und den Ort zerreibend.

Die gleiche Gefahr besteht bei normalen Hochwasser, wenn Gegenstände von Gewicht mit zu Tal schwimmen. In dieser Hinsicht hat Kripp bisher unbegreifliches Glück gehabt. Würde, wie 1882, sich ein Schleppkahn losreißen und gegen den Ort treiben, so wären die Schäden katastrophal.

Allein der Schaden in Kripp bei den letzten 4 Hochwassern seit 1919 betrug ca. 750.000 Mark, wobei die Kosten der Nachfolgeschäden in der Schadenssumme unberücksichtigt blieben.


Verlegungsidee

Die bisherigen geflossenen Geldsummen aus Spenden und Hochwasserhilfen des Staates ließen die Frage einer sinnvollen einmaligen Investition aufkommen, um die von den Hochwasserfluten stark in Mitleiden-schaft gezogene und lädierte „Unterkripp“ endgültig mit einer einmaligen Verlegungsaktion auf ein hochwasserfreies Gebiet des Kripper Plateaus oberhalb des Batterieweges zu verlegen und somit von der immer wiederkehrenden Hochwassergefahr zu befreien und zukünftige staatliche Unterstützungsgelder einzusparen.

Des weiteren, um dem Vorwurf der Ungerechtigkeit und Verärgerung der Kripper Hochwassergeschädigten bei der Spendenverteilung entgegenzutreten, denn schon 1882 wurden Beschwerden und Vermutungen laut „dass die Hilfe auf verschlungenen Pfaden guter Beziehungen gründlich versickert seien.

Leider sind dieselben aber durch das hinzu bestimmende Ortskomitee nicht immer an den richtigen Mann gekommen. Es gab Familien, welche nachher in besseren Verhältnissen gelebt haben wie vorher.““ 1) bzw. 1920 „Es sind tüchtige freiwillige Summen geflossen, aber die sind in noch größere Löcher hinab gefallen. 1882 hat es genau so gegangen.“2)


Unter anderem sollte auch den Kritikern der Garaus gemacht werden, nach jedem Hochwasser einen Schuldigen zu finden und fruchtlose Endlosdiskussionen zu vermeiden.

Man beabsichtigte annähernd über 65 Häuser aus dem Hochwasserabflussgebiet hochwasserfrei zu verlegen. Mit Ratsbeschluss wurde der Remagener Bürgermeister Froitzheim Ende April 1927 gebeten, dieserhalb die Preußische Regierung Koblenz „für sofortige Maßnahmen, um die Verlegung des Ortsteiles von Kripp aus dem Hochwassergelände beschleunigt durchzuführen und diese Aktion nicht hinter anderen zurückstehen zu lassen“ zu ersuchen.

Da die Federführung in der Bearbeitung von Hochwasserschutzmassnahmen bei der Staatregierung lag an den Provinzialausschuss weitergeleitet wurde, wurde auf Empfehlung des Herrn Oberpräsidenten der Rheinprovinz dem Herrn Landwirtschaftsminister die Bildung einer Kommission aus dem Ministerium angetragen, die sich in Kripp über die Sachlage informierte.

Nach jahrelangen Verhandlungen in den Regierungs- und Ministerialinstanzen sowie dem Landeshauptmann, wurde die Stadt Remagen nunmehr beauftragt, ein endgültiges Projekt umgehend vorzulegen. Die Bewilligung mit einem veranschlagten Projektkostenaufwand zwischen 1,5 bis 2 Millionen wurde von der Regierung in Aussicht gestellt, sowie ein Versprechen abgegeben, dass die Regierungs- und Ministerialinstanz das Projekt nach besten Kräften fördere.

Eigens in dieser Angelegenheit reiste der Landrat, Bürgermeister Froitzheim sowie Beisitzer E.A. Nagel und einigen Ratsmitgliedern als kleine Delegation am 11.11.1926 nach Berlin, um dort die maßgebenden Referenten der beteiligten preußischen Ministerien persönlich zu informieren.


Ablauf


Die Kripper Stadtverordneten Johann Hammer, Anton Rieck, Karl Werner und A. Dörries, gleichzeitig Vorsitzender des damaligen „Bürger –Vereins Kripp a./ Rhein“ und Hochwasserbetroffener, sowie E. Konrad Nagel als Beisitzer des Remagener Stadtrates, gleichzeitiger Vorsitzender des „Schutzverbandes der Hochwassergeschädigten E.V. Sitz Köln, Ortsgruppe Kripp“ und als Besitzer der Rheinischen Konservenfabrik Kripp selbst Hochwasserbetroffener, geizten in den zwischen den Jahren 1927 und 1930 zu der Ortsverlegung betreffenden Ratsversammlungen unter Bürgermeister Froitzheim im Einklang mit den Remagener Stadträten in ihren Beschlüssen, Anträgen und Schreiben an die Obrigkeit nicht mit plausiblen Argumenten.

Unter anderem wurde angeführt, dass man bei Ausführung des Verlegungsprojektes neben der Ersparnis von 150.000-200.000 Mark für den Wegfall geplanter Deicharbeiten dankbare Verhältnisse zur Zeit der herrschenden Wirtschaftskrise schaffe, wobei neben dem Aspekt der Schaffung dauernder Verhältnisse die Verlegung gleichzeitig wegweisend für die weitere Ausdehnung des Ortes sein würde.

Aus vielen Schreiben ist ersichtlich, mit welcher Vehemenz die politischen Kripper Mandatsträger ihr Anliegen vorgetragen haben. Der städtische Vorschlag vom 9.3.1928, die Verlegungsmaßnahme als kleines Projekt zu vollziehen, wurde von der Regierungsseite wegen Unzulänglichkeiten abgelehnt und das große Bauprojekt mit einem Volumen von 1,5 Millionen Mark, jedoch mit der Maßgabe der strikten Ablehnung dieser Ausführung durch eine Baugenossenschaft, festgelegt.


Auf Vorschlag wurde eine Kommission, bestehend aus dem Bürgermeister Froitzheim, dem Beigeordneten Langen, Lindecke und Werner (Kripp), sowie der Stadtbaumeister Fortein und 3 Bürger aus Remagen und 2 Bürger aus Kripp gebildet. (Rhein- Zeitung Nr. 61 vom 13.3.1928.)


Nach der Gesamtabklärung des umfangreichen Fragenkomplexes war vorgesehen, ohne Zwang mit den Hauseigentümern zu verhandeln. Wer aber am Erbgut seiner Väter zu sehr festhielte und glaubte den Hochwassern des Rheines gewachsen zu sein, dürfe wohnen bleiben. Ältere Leute, die aus sozialen Gründen keine weiteren finanziellen Belastungen tragen könnten, sollten einer Sonderbehandlung unterzogen werden. Grundsätzlich dürfe ein jeder über sein eigenes Schicksal selber entscheiden können.

Grundsätzliche Einigkeit herrschte darüber, eventuellen Spekulanten entsprechend entgegenzutreten und den Hochwassergeschädigten in der Bauplatzsuche innerhalb des Stadtgebietes Remagen ziemliche Freiheit zu lassen. Unterstützt vom Landrat zu Ahrweiler und dem Remagener Bürgermeister wurde dieses Vorhaben der Regierung unterbreitet und wohlwollend befürwortet, jedoch mit der Maßgabe, dass als Bauträgerin die Stadt Remagen fungieren sollte.




Dieses Bauvorhaben, damals das einzigste derart in ganz Deutschland, wurde geradezu als genial empfunden und debattenlos im Landtag mit einem Volumen bis 1,8 Millionen Mark zur Annahme empfohlen.


Strombau


Lebhaftes Interesse für das Verlegungsprojekt bekundete auch die Rheinstrom- bauverwaltung, die nach dem Abriss der Baulichkeiten die am Rhein verbleib- ende „Kripper Mulde“ nach strompolizeilicher Vorschrift angesichts der hier herrschenden natürlichen Abflussverhältnissen landschaftlich derart entsprechend wirkungsvoll auszugestalten plante, „damit der gewünschte hemmungslose Ablauf des Hochwasserstromes gesichert ist.“ 


Geplante Lage


Für die Umsiedlung waren folgende Grundstücke auf der Oberkripp vorge- sehen.

Das Spee´sche Grundstück an der Hauptstraße westlich der Voßstraße (heutige Mosellandsiedlung). Die Grundstücke zu beiden Seiten der Mittelstraße, westlich und nördlich der Villa Hettlage (heute Vito - Irmen), für die Dampfwaschanstalt das Werner´sche Anwesen an der Hauptstraße zu Kripp, für die Nagel´sche Fabrik das Gelände südlich von der Gärtnerei Beldy an der Provinzialstraße zu Remagen, für die Gastwirtschaft Dörries, Rheinstraße 3 (ehemals Hotel Rheingold) an der Mittelstraße, für die Kalkbrennerei Marx das Gelände an der Alten Straße gegenüber der Lederfabrik an der Sinziger Straße und für die an der Rheinallee 14 liegende Villa Aschauer, am Wässigertalweg zu Remagen. (Für den Grund und Boden wurde vom Ministerium das Enteignungsrecht in Aussicht gestellt)


Ideenwettbewerb


Dem neuen Verlegungsplanzufolge sollten bis zu 67 auf der Unterkripp befindliche Gebäulichkeiten im Bereich bis 58 m NN abgerissen und auf das Hochplateau verlegt werden. Für die Gewinnung von Vorschlägen für die Umsiedlung eines Teiles der Ortschaft Kripp aus dem Hochwassergebiet erfolgte durch die Stadt Remagen im Einvernehmen mit dem Regierungspräsidenten zu Koblenz am 10. Juli 1928 eine Ausschreibung eines  mit 3000 Mark dotierten städtebaulichen Ideenwettbewerbes entsprechend den Grundsätzen des Verbandes Deutscher Architekten. Hierzu trat erstmals am 16.10.1928 ein Gutachterausschuss aus 9 Mitgliedern der Bezirksregierung, der Verwaltung der Rheinprovinz, des Kreises und der Stadt Remagen zusammen. 6 namhafte heimische Architekten wurden dazu aufgefordert, genaue Pläne über die Gesamtsiedlung zu entwerfen, die jedoch nicht den Eindruck einer Kolonie machen durften.

Man beabsichtigte den Batterieweg etwas bastionsartig als neue Rheinfront repräsentabel und dementsprechend herzurichten, damit eine schöne Rheinfront geschaffen werden solle, „anstelle der jetzt überhässlichen, geschmacklosen Front von Kripp“.


Nach den Vorstellungen der Stadtväter sollten 50 % der Gesamtkosten geschenkweise aus verlorenen Staatszuschüssen und 20 % aus verbilligten Staatsdarlehen bestehen. Die Restfinanzierung von 30 % sollte laut Stadtratsbeschluss vom 5.11.1928 durch ein kommunales Darlehen „gegen verbilligte Zinsen nach dem Grade der Leistungsfähigkeit oder auch an Bedürftige zinsfrei weitergegeben werden.“

Entsprechende Detailbesprechungen über Höhe und Anweisungen von Staatszuschüssen sowie des noch zu lösenden Fragenkomplexes fanden im April 1928 im Staatsministerium unter Teilnahme der Regierung, des Kreises und der Bürgermeisterei Remagen statt.



Verlegungsgenossenschaft

Als Voraussetzung für eine Durchführung dieses Projektes gründeten die Kripper Beteiligten eine von der Staatsregierung zwingend vorgeschriebenen Genossenschaft, in der die in Frage kommenden Grundstücke mit Aufbauten als Anteile eingebracht und die Werte den Einbringenden von der Genossenschaft gutgeschrieben wurden. Die Genossenschaft durfte jedoch über die eingebrachten Werte nicht verfügen. Sie dient nur als Sammelstelle und einheitliche Vertretung der Beteiligten zum Zwecke der Verlegung des hochwasserbedrohten Ortsteiles.

In einer Versammlung Geschädigter, die 51 Anwesen vertraten, erklärten sich fast alle einstimmig und unterschriftlich zum Beitritt bereit. In Anwesenheit einer Urkundsperson wurden bis auf wenige „alte Gegner“ bindende Verpflichtungserklärungen abgegeben.

Unterschriftverweigerung leisteten die „alten Gegner“ Nr.13, 22 und 41 sowie Nr. 36, 37 und 53 wegen außergewöhnlicher Überforderung, die jedoch zu verlegen bereit wären.

Vorab hatte eine Kommission von Bausachverständigen, die die Neubauwerte ermittelten, mit allen Beteiligten verhandelt.

Nach der bindenden Erklärung der Beteiligten zufolge ergab sich vorab eine geschenkweise gesamte Projektsumme von 1. 372 951,00 RM, darin eingeschlossen die geschenkweisen 200. 000 RM für Fabriken und 150. 000 RM für Grunderwerb, Straßenbau und Elektrizität.


Projektende

Die Neigung des Provinzialausschusses, einer finanziellen Beteiligung des Kripper Hochwasserprojektes nach derzeitigen Sachstand zuzustimmen, sind sehr gering. So entnehmen wir einem Schreiben des Oberpräsidenten der Rheinprovinz in Koblenz an den Regierungspräsidenten in Koblenz vom 11.10.1928: “Das Projekt wird nach der vorstehenden dargelegten Stellungnahme der Provinz nur gerettet werden können, wenn Kreis und Gemeinde sich ganz erheblich beteiligen.“

Weitere vom Provinzialausschuss getroffenen vagen Zusagen entnehmen wir einem Schreiben vom 25.10.1928 ..wenn sich nicht die örtlichen Stellen (Gemeinde und Kreis) dazu entschließen, bei der Finanzierung des Projektes mitzuwirken, erscheint eine Unterstützung des Projektes aus Provinzialmitteln völlig ausgeschlossen. Als Höchstgrenze eines Provinzialzuschusses haben 2/5 von 50% der Gesamtkosten des Unternehmens zu gelten“. 

Mit Beschluss des Remagener Stadtrates vom 5.11.1928 wurde die grundsätzliche Beteiligung an der Projektfinanzierung mit dem Kreis beschlossen

Um der Angelegenheit mehr Dynamik zu verleihen, erging vom Stadtrat 3 Monate später am 4.2.1929 folgender Beschluss: „Die Stadtverordneten bitten alle maßgebenden Instanzen im Interesse des bedrückten Stadtteils Kripp eine Entscheidung über das Projekt baldigst zu fällen, ungeachtet dessen, ob die Ausführung ein Jahr früher oder später stattfindet“.


Nochmals wird höheren Orts auf die finanzielle Leistungsfähigkeit der Stadt, diese nicht zu stark in Anspruch zu nehmen, mit der Bemerkung hingewiesen, „dass die höheren staatlichen Aufsichtsbehörden und der Herr Landeshauptmann doch kein Interesse daran hätten, die unteren Kommunen zu ruinieren.

Mit Erlass vom 10.12.28 verfügte der Oberpräsident, das die finanzielle Beteiligung von Kreis und Gemeinde nicht genügten. Er sei der Ansicht, dass die Stadt Remagen gar nicht in der Lage sei, eine Summe von 24.000 RM jährlich „ohne Erschütterung des Etats“ aufzubringen.

Auf Vorschlag des Kreistages könne eine Zinsbewilligung von jährlich 6.000 RM in den Etat eingestellt werden, wobei die Quotenregelung Kreis/ Stadt noch zu beschließen sei. Diese in Aussicht gestellten 6.000 RM würden bei 4 % Verzinsung ein Kapital von 150 000 RM ergeben, die man als verbilligtes Darlehen zu 4 % seitens des Staates bewilligen könnte.

Im übrigen trete bei dieser vorgeschlagenen Regelung für den Staat und die Provinz eine unwesentlich höhere Belastung ein.

Eine anderweitige Durchführung des Verlegungsprojektes sehe man als unmöglich an, da die Betroffenen die Finanzierung zu halb Geschenkweise und im übrigen Darlehensweise wegen zu großer Belastung ablehnen.

Wie aus einem Schreiben des Remagener Bürgermeisters Froitzheim an den Landrat vom 14. März 1929 mit der Aussage „meines Erachtens ist auf der Grundlage 50% - 20 % - 30 % das Projekt endgültig als gescheitert anzusehen“ hervorgeht, scheiterte das Kripper Jahrhundertprojekt als fabelhaftes Angebot des Staates schließlich und letztendlich an der Restfinanzierung, weil ein von der Stadt Remagen zu finanzierendes und zur Weitergabe an die betroffene Bürgerschaft zinsgünstiges Darlehen nicht aufgebracht werden konnte.

Letztmalig fasste die Stadtverordnetenversammlung, ungeachtet vorausgegangener schriftlicher Auflagen höherer Dienststellen auf Antrag des Beigeordneten Nagel aus Kripp am 13.8.1930 folgenden Beschluss:

Vom Reich und Staat sind große Mittel bereitgestellt für Arbeitsbeschaffung, Wohnungsbauförderung, Westhilfe usw. 


Besonders für die Westhilfe ist ausdrücklich vorgesehen, um größere Projekte daraus zu finanzieren. Die Finanzierung soll im Wege der Zuschüsse und Hergabe verbilligter Darlehen erfolgen.

Seit mehreren Jahren schwebt das Projekt der Verlegung der Verlegung des hochwassergefährdeten Ortsteiles von Kripp, das trotz dringender Notwendigkeit ständig zurückgestellt worden ist.

Betriebseinschränkungen, völliger Auftragsmangel beim Handwerk, allgemein steigende Not fordert für unsere Stadt dringende Hilfe.

Das Projekt schafft im Gegensatz zu vielen anderen vielseitige Beschäftigung und absoluten Hochwasserschutz. Überschreitungen der vorgesehenen Summen sind ausgeschlossen.

Die Stadtverwaltung beantragt hiermit wiederholt bei den zuständigen Stellen, jetzt endlich auf Grund obiger Finanzierungsmöglichkeiten das Projekt durchzuführen und insbesondere die Finanzierung durch Hergabe verbilligter Darlehen an die Beteiligten zwecks Aufbringung von deren Pflichtanteilen zu ermöglichen.

Es besteht das Projekt der Ahrregulierung, welches die Gefährdung von Kripp wesentlich zu erhöhen geeignet ist. Es wird ausdrücklich beantragt, dass das Ahrprojekt nicht vorgenommen wird ohne Verbindung mit dem Verlegungsprojekt Kripp“.


Trotz dieses fast flehentlichen Ersuchens kam ein hochwasserfreies Kripp nicht zustande. Die Unfinanzierbarkeit des Projektes für Kommune und des Kreises ergab sich aus der Weigerung des Provinzialausschusses, mehr Mittel für das Kripper Jahrhundertprojekt auszukehren.


Närrischer Spott


Das Scheitern des kommunalen Kripper Bauvorhabens nahm man allerdings 1929 zum Anlass des närrischen Spotts. Es diente unter anderem als Motto eines kleinen örtlichen Karnevalsumzuges.


Unter dem Slogan: „ Hurtig et Dorp eropp“, versuchte ein kleiner Karnevalszug wie ein närrischer Lindwurm, bestehend aus mehreren von Pferden gezogenen Plateauwagen, auf denen zum Spott exponierte Kripper Häuser und Fabriken aufgebaut waren, über die heutige Quellenstraße vom Rhein in Richtung Oberkripp zu gelangen. Dieser von den Hochwassern betroffenen niedrigen Bürgerschicht gegen die Idee der vom Hochwasser betroffenen Fabrikanten organisierte vereinslose Protestumzug endete jedoch frühzeitig vor dem Erreichen seines Zieles auf der Oberkripp infolge der damals herrschenden klirrenden Kälte des Jahrhundertwinters in unserem Raum, der als der kälteste Winter seit über 90 Jahren und kältester Februar seit 200 Jahren mit


Minustemperaturen am Rosenmontag zwischen 32° bis 36 ° in die Annalen einging. Der eigentlich Grund für den Umzug soll der mündlichen Überlieferung nach das Ärgernis über die Vorstellungen der Fabrikanten Werner, Nagel und Schmitz gewesen sein, zuerst ihre Fabriken und Villen hochwasserfrei zu errichten, damit man ihre Abrisssteine zum Bau der neuen Wohnhäuser der Umsiedler vermarkten könnte.

In Remagen war es sogar Gegenstand für einen Karnevalsschlager der Stadtnarren, der sich jahrelanger Popularität erfreute und oft gesungen wurde. In diesem Lied hieß es:


Seit Jahren wollen se de Kripp hühe läge,
Seit Jahren wollen sie Kripp höher legen,

dat wär für Klein- Algier* wirklich en Säaje,

das wäre für Klein-Algier (Kripp) wirklich ein Segen

se dunn emme nur Redde haale,

sie tun immer nur Reden halten

de Remagener sollen widde helfe bezahle,

die Remagener sollen wieder helfen bezahlen

doch vunn Jeld hüut un sitt me keen Spur,

doch von Geld sieht und hört man keine Spur

ach lööch doch Kripp nur in de Sinzije Flur!“

ach läge Kripp doch nur in der Sinziger Flur


(*= im Volksmund frühere abschätzige Bezeichnung für Kripp)


Quellen.

1.) Tagebuch der Gottfried Valentin, Kripp, 1876-1920,S. 5, 6) 2.) Tagebuch der Gottfried Valentin, Kripp, 1876-1920,S. 35, 36)

3.) Festschrift zum 125 jährigen Bestehen des Junggesellenvereines Kripp 1982, H.P.Kürten

Kreisarchiv Ahrweiler (KAW 01/ 553, komplette Akte zum Verlegungsverfahren Kripp)

Mündliche Angaben des Zeitzeugen (* 1902) Michael Schumacher, Kripp +

LHKO 635/ 901, ZA: Bonner-General- Anzeiger Nr.:13128 vom 10.6.1928

Festschrift zum 125 jährigen Bestehen des Junggesellenvereines Kripp 1982, H.P.Kürten

Mündliche Überlieferung durch Josef Marx, nach Angaben von Josef Bruder (+) und Johannes Breuer (+), alle Kripp.

LHKO 635/ 901, ZA, Kölner Zeitung Nr.157 vom 20.3.1929

Sinziger Chronik, Bruchhäuser, S. 69

Heimatjahrbuch 2010 Kreis Ahrweiler, „Das Projekt zur Verlegung von Kripp“

S.201-205, von Willy Weis und Hildegard Funk, Kripp

Karnevalsfoto von Michael Schumacher, jetzt Slg.Weis/ Funk


Wertaxen der Liegenschaften von Hochwassergeschädigten


1 Schäfer, Gottfried Geschwister Badenacker 1 7.000 RM

2 Breuer, Adolf Wwe. II Hauptstr. 119 7.000 RM

3 Breuer, Adolf Wwe. II. Hauptstr. 117 13.700 RM

4 Schwäbig, Joeb Hauptstr. 115 13.000 RM
5 Thelen, Peter Hauptstr. 113 7.000 RM

6 Eidam, Heinrich Hauptstr. 111 12.300 RM

7 Rick, Josef (Schlacht+Kühlhaus) Hauptstr. 107 22.000 RM

8 Nagel, E. Konrad Hauptstr. 109 10.000 RM

9 Dahm, Geschwister Hauptstr. 105 18.000 RM

10 Wahl, Gottfried (Backofen) Hauptstr. 103 13.500 RM

11 Wahl, Gottfried Hauptstr. 101 5.000 RM

12 Wahl, Ludwig Hauptstr. 99 17.000 RM

13 Ross, Wilhelm (Alter Gegner) Hauptstr. 97 9.268 RM

14 Palm, Michael Hauptstr. 95 14.000 RM

15 Thelen, Peter Wwe Hauptstr. 88 9.000 RM

16 Thelen, Jakob (Werkstätte) Hauptstr. 88 1.350 RM

17 Schmitz, Eduard – Hammer Hauptstr. 90 8.000 RM

18 Schäfer, Peter Josef Hauptstr. 92 10.000 RM

19 Nagel, E. Konrad Hauptstr. 94 12.000 RM

20 Delord, Michael (eigene Baustelle) Hauptstr. 98 10.500 RM

21 Schmitz, Johann Hauptstr. 102 16.000 RM

22 Valentin, Wwe. (alte Gegnerin) Sandweg 1 7.431 RM

23 Olligschläger, M.J. Sandweg 2 8.000 RM

24 Brenner, Peter I (eigene Baustelle) Sandweg 2 18.000 RM

277.249 RM

25 Riffert, Lambert Sandweg 8 9.500 RM

26 Küpper, Josef Sandweg 6 11.813 RM

27 Förster, Hermann Sandweg 7 11.500 RM

28 Luchs, Heinrich Sandweg 9 17.000 RM

29 Brenner, Wwe- Klems Sandweg 11 7.500 RM

30 Syberz, Lorenz Sandweg 15 12.000 RM

31 Dahm, Hilarius Sandweg 19 10.000 RM

32 Ausshauer Pauls Rheinallee12 30.000 RM

33 Asteroth, Wwe. (Altersbedgt.Verkauf) Rheinallee 10 26.100 RM

34 Werner, Karl Ehefrau Rheinallee 6 52.000 RM

35 Hönigs, P. – Winkelmann Rheinallee 7 10.000 RM

36 Oehms, Theodor Rheinallee 5 42.000 RM

37 Diedenhofen, Gustav Rheinallee 4 29.000 RM

38 Marx, Margarete Rheinallee 3 22.854 RM

39 Dörries, Albert Ehefrau (Aquarium) Hauptstr.23 30.000 RM

40 Blank, Hermann Rheinstr.22 10.000 RM

41 Breuer, Johann (alter Gegner) Rheinstr. 21 15.587 RM

42 Betzing, Gottfried Wwe. Rheinstr. 20 32.500 RM

43 Charbon, Geschwister Rheinstr. 18 6.000 RM

44 Dörries, Albert Ehefrau Rheinstr. 17 18.000 RM

45 Immendorf Frau Rheinstr. 16 10.000 RM

46 Blechmann, Hugo Rheinstr. 22 12.000 RM

47 Bruder, Josef (w. hohen Alters k.Verkauf) Rheinstr.14 12.500 RM

48 Breuer, Johann Wwe. Rheinstr.12 16.542 RM

49 Lüttgen, Helene Rheinstr.11 6.000 RM

50 Stoffels, Heinrich Rheinstr.10 7.000 RM

51 Brochhausen, Jakob Rheinstr. 9 7.000 RM

52 Betzing, Gerda Rheinstr. 8 9.450 RM

53 Breuer, Anton Rheinstr. 7 9.856 RM

54 Betzing, Johann Chr. (eigene Baustelle) Rheinstr. 6 20.000 RM

55 Steil, Hugo (Restaurant) Rheinstr. 5 30.000 RM

822.951 RM

56 Lindlohr, Cornelius Rheinstr. 4 8.000 RM

57 Dörries, Albert Rheinstr. 3 83.000 RM

58 Lampferhoff, Karl Auf der Schanze 4 19.000 RM

59 Zander, Margarete (eigene Baustelle) Auf der Schanze 3 23.000 RM

60 Breuer Heinrich Rheinstr. 7 12.000 RM

61 Kath. Kirchengemeinde (Baustellenverzicht) Sandweg 19.000 RM

62 Robrecht, Peter Ehefrau Remagen 14.000 RM

63 Langen, Heinrich (eigene Baustelle) Remagen 22.000 RM (eigene Baustelle)

1.022 951 RM dazu Nagel und Schmitz 2 00.000 RM

1.222.951 RM

Grunderwerb, Straßenbau, Elektrizität 150.000 RM

72 951 RM


Bemerkungen: Gegner: Nr. 13, 22, 41 / Ablehnung: Nr. 36, 37, 56


Quelle: Kreisarchiv Ahrweiler (01- 553)

Hinweis: Die Rheinuferstrasse war damals unterteilt in „Rheinstrasse“ bis zur Fähre und dahinter in Richtung Remagen in „Rheinallee“.



Kripper Fähren  1914- 1933

Von Alex Bohrer

15. April 1914 / Dörries und die Badeanstalt


Am 15. April 1914 schrieb der Pächter Dörries einen Brief an den Wasserbauwart Hill zu Brohl (Außenstelle des Wasserbauamtes Köln) mit der Bitte um Verlegung der Linzer Badeanstalt, da diese an der jetzigen Position eine Gefährdung seines Fährbetriebes dar-stellen würde. Hill leitet das Schreiben an den Bürgermeister der Stadt Linz zur Stellungnahme weiter. Diese Antwortet am 25. April 1914, nach Anhörung der zuständigen Kommission, mit einer Ablehnung des Gesuchs. Als Grund wurde angeführt, das die Badeanstalt bereits seit 20 Jahren an dieser Position liege und sie nie ein Hindernis für den Fährverkehr dargestellt hätte. Gleichwohl wäre aber die Lage bedeutend für die Rentabilität der vor zwei Jahren neu angeschafften Badeanstalt.

Eine Verlegung würde einen Umsatzeinbruch bedeuten, da Sie dann nicht mehr zentral und bequem genug liegen würde und so weniger Bürger sie nutzen würde. Gleichfalls wäre auch nicht die Badeanstalt die Ursache für die Gefährdung der Fähre gewesen, sondern ein unglücklicher Zufall und die mangelhaften Betriebseinrichtungen der Fähre. Das Fährschiff ist nach diesseitigen Feststellungen an der Köln- Düsseldorfer Dampferanlegestelle ab und gegen die Badeanstalt getrieben worden. Die gleiche Gefährdung wäre auch eingetreten, wenn Anstelle der Badeanstalt ein Schiff gelegen hätte. Daher sei der Antrag des Pächters Dörries mangels eines zwingenden Grundes und mit Rücksicht auf die oben geschilderten Verhältnisse abzuweisen. Im selbem Schreiben teilte man dem Wasserbauamt Köln auch mit, das man nach Rücksprache mit den Gewerbe- treibenden der Stadt Linz, für das neue Fährschiff eine Breite von 12m als notwendig erachte, wenn die Fähre tatsächlich eine Verbesserung bringen solle. Gleichwohl erlaube man sich noch darauf hinzuweisen, „dass der Betrieb so wie in den letzten Monaten von dem neuen Fährpächter geführt worden ist, nicht länger ertragen werden kann.“


01. Mai 1914 / Besprechung mit Baurat Eichentopf in Köln


In der am 01. Mai 1914 in Köln stattgefundenen Besprechung zwischen Baurat Eichentopf und den Vertretern der Stadt Linz erklärte Baurat Eichentopf, das die Grundlage für die Neueinrichtung der Fähre nach wie vor der bestehende Vertrag vom 30. April 1913 sei. Mit Rücksicht auf gewisse Umstände sei dem Fährpächter die Frist für die Einstellung der freifahrenden Fähre, die am 01. des Monats abgelaufen war, bis zum 01. Juli des selben Jahres verlängert worden.

Sollte bis dahin die Fähre nicht eingestellt sein, werde ab dann eine Vertragsstrafe von 10 Mark je Tag fällig. Die freifahrende Fähre sei so einzurichten, das ein Lastautomobil mit Anhängerwagen gleichzeitig übergesetzt werden kann. Überhaupt soll nach Ansicht des Herrn Baurates Eichendorf die Neueinrichtung so beschaffen sein, das sie den billigenden Anforderungen genügt. Der Herr Baurat schätzt den aufzuwendenden Kostenbetrag auf 80.000 -100.000 Mark und erklärt gleichzeitig, dass der Fährpächter einen besonderen Gutachter für die Planung und Überwachung der Neueinrichtung angenommen habe und ferner die Konstruktion mit Rücksicht auf die Erzielung einer größeren Tragfähigkeit wesentlich verstärkt sei. Wegen der Erhebung des höheren Tarifs, ohne das eine Änderung der Einrichtung erfolgt sei, verweist Herr Baurat Eichentopf auf die der Stadt mitgeteilte Verfügung des Herrn Ober-Präsidenten. Mit Rücksicht auf die bevorstehende baldige Einstellung der freifahrenden Fähre hält der Herr Baurat weitere Schritte in dieser Angelegenheit nicht für opportun. Was die Verlegung der Badeanstalt betrifft, so will er nochmals an Ort und Stelle Einsicht dazu nehmen und gegebenenfalls Rücksprache mit der Stadt Linz halten, damit die Wünsche der Stadt nach Möglichkeit gewahrt bleiben. Die Ergebnisse der Besprechung wurden in der Sitzung der Stadtverordneten am 07. Mai bekannt gegeben.


16. Mai 1914 / Erneute Besprechung an der Fähre


Am Sonnabend, dem 16. Mai fand eine erneute Besprechung mit den Vertretern der Rheinstrombauverwaltung, den Interessen und Vertretern der Stadt Linz und dem Pächter Dörries am Rhein statt. Dörries legte seine vom Wasserbauamt genehmigten Pläne über das einzustellende Fährschiff vor, welches ein 9 Meter breites und 25 Meter langes Fährboot vorsahen. Damit waren die Stadt Linz und Ihren Interessenten nicht einverstanden; man beanspruchte eine größere Breite des Fährschiffs. Die Vertreter der Rheinstrombauverwaltung lehnten diese Forderung als zu weit gehend ab. Auch das Recht der Stadt, welche sich auf die Grundlage des Vertrag von 1832 berief, um die weitergehende Ansprüche, als die durch den Vertrag festgelegten zu stellen, wurde von der Rheinstrom= bauverwaltung bestritten. Die ganze Angelegenheit sei letztlich Sache der Rheinstrombauverwaltung, die darüber selbstständig befinden könne. Die von Dörries propagierte Idee statt des freifahrenden Fährschiffs einen Fährschaldendienst einzurichten, wurde von den Vertretern der Rheinstrombau= verwaltung als die beste Lösung bezeichnet und der Fährpächter Dörries beauftragt, neue Pläne vorzulegen. Auf den Einwand der Stadt Linz, das diese Einrichtung gegen den Vertrag verstoßen würde, entgegnete man nur, das die Verträge ohne weiteres geändert werden könnten.


11. Juli 1914 / Beschwerde an Herrn Minister der öffentlichen Arbeiten


In einem Beschwerdebrief vom 11. Juli 1914, wendet sich die Stadt Linz an den Minister der öffentlichen Arbeiten, Herrn von Breidenbach, in Berlin: In diesem beschwert sie sich wiederholt über die Umstände der Verpachtung der Fähre an den der Schifffahrt nicht kundigen, früheren Lehrer und Wirt A. Dörries zu Kripp und über die mangelhaften Zustände bei der Fähre. Die Stadt Linz, welche ja ursprünglich auch die Absicht hatte, in den Fährpachtvertrag einzutreten, wurde dadurch abgeschreckt, dass ihr als Kosten für die Neueinrichtung der Fähre durch Einstellung eines freifahrenden Fährschiffes ein solch hoher Kostenbetrag genannt wurde, der eine Verzinsung ohne bedeutenden Zuschüsse der Stadt nicht mehr zuließ. Die Stadt habe infolgedessen auf die Pachtung verzichten müssen. Obwohl Dörries vertraglich zur Neueinrichtung verpflichtet sei, hätte sich bisher nichts geändert. Nachdem eine Zeitlang der Schaldenbetrieb mittelst eines Motorbootes erfolgte, ist seit mehreren Monaten schon die alte bewährte Gierponte wieder in Betrieb und derselbst wie früher bei dem alten Pächter, nur mit den Unterschieden, das ein erhöhter Tarif in Kraft getreten ist und die Fähre von Angestellten des Fährpächters in völlig ungenügender und der Sicherheit des Publikums recht häufig gefährdeten Weise betrieben wird. Das neutrale Verhalten der Rhein- strombauverwaltung gegenüber dem Fährpächter Dörries sei ebenfalls nicht zu verstehen.


28. Juli 1914 / Beginn des 1. Weltkrieg


Durch den Ausbruch des 1. Weltkriegs ruhte die Fähr-Angelegenheit. Dr. Pieper übernahm die Amtsgeschäfte des Bürgermeisters der Stadt Linz. Die Verhältnisse an der Fähre verschlechterten sich zunehmend. Der geplante Bau des Kraftschiffes für den Schaldenbetrieb mit der eisernen Gierponte wurde durch den Ausbruch des 1. Weltkriegs verhindert. Dörries hatte zu diesem Zeitpunkt kaum eine Chance, die benötigten Mittel zum Bau aufzutreiben, daher sah die Rheinstrombauverwaltung von der vereinbarten Zahlung der Vertragsstrafe ab. Hintergrundwissen: Vor dem Ausbruch des 1. Krieges gab es keinerlei Behörden, die sich mit der Kriegswirtschaft be einzelnen Teilstaaten aufgeteilt. Aufgrund des Belagerungszustands, der im August 1914 ausgerufen wurde, begannen sich militärische Stellen verstärkt in die Wirtschaftsverwaltung einzumischen. Kurz nach Kriegs-beginn gab es Bemühungen um eine Reform der Wirtschaftsverwaltung. Anlass war die sich abzeichnende Munitionskrise. Im August 1914 reichten die Vorräte nach Einschätzung von Industriellen nur für ein halbes Jahr. Angesichts dieser Lage gründete das Kriegsministerium am 13. August die Kriegsrohstoffabteilung. Ihre Hauptaufgabe sah sie in der Versorgung der Privatwirtschaft mit den benötigten Rohstoffen. Dazu wurden diese zentral bewirtschaftet, was auch Beschlagnahmung und Neuverteilung umfasste. Anfang November 1914 stand nur noch Munition für sechs Tage zur Verfügung. Danach begann die Wirtschaftssteuerung zu greifen und die Versorgungslage im deutschen Militär entspannte sich langsam.


Quelle: Wikipedia


18. September 1914 / Die Antwort des Oberpräsidenten der Rheinprovinz


In der Antwort auf das Beschwerdeschreiben der Stadt Linz an den Minister für öffentliche Arbeiten vom 11. Juli des Jahres, weist der Oberpräsident der Rheinprovinz sämtliche Anschuldigungen zurück und verweist darauf, das der Pächter Dörries nur deshalb den Fährbetrieb in der früheren Weise fortgeführt habe, weil die Stadt Linz und ihre Interessenten Einspruch gegen den Entwurf für ein freifahrendes Fährschiff erhoben hätten.

Die verlangten Breitenabmessungen hätten, bei Beibehaltung der gewählten Länge des Fährschiffes, dieses für eine Querfahrt auf dem Rhein untauglich gemacht. Da auch in der am 16. Mai 1914 stattgefundenen Besprechung vor Ort keine Einigung erzielt werden konnte, wurde dem Fährpächter Dörries aufgegeben, die freifahrende Fähre einzurichten, dass die den jetzigen Verkehrsverhältnissen genügende eiserne Gierponte durch ein starkes Kraftschiff von einem Ufer zum anderen gefördert wird. Weiterhin habe der Fährpächter Dörries, Mitte Juli 1914, die Zeichnungen für das Kraftschiff dem königlichen Wasserbauamt zu Köln mit dem Bericht vorgelegt, das er die Lieferung desselben der Mannheimer Firma DMG (Benz) übertragen habe. Hiernach hat der Fährpächter Dörries sein Möglichstes getan. Außerdem erscheine im Hinblick auf die durch den Krieg geschaffenen Verhältnisse weitere Schritte in der Angelegenheit unangebracht.


01.10.1914 / Dörries und die Kölner Schiffsbrücke


Waren die Zustände während des Fährbetriebs schon uner- träglich, so änderte sich die Situation mit der Verlegung der Kölner Schiffbrücke nach Linz dramatisch, denn damit ging vorübergehend der Fährbetrieb ein. Von den Beschränkungen bei der Benutzung der Schiffbrücke mal abgesehen, wurde von der Militärverwaltung auch noch ein Brückengeld erhoben. Vom 01. Oktober 1914 an übernahm Dörries die Brückengeld- erhebung und fuhr zugleich mit dem Motorboot bei geöffneter Brücke P ersonen über. Von den Einnahmen wurden die Kosten der Gelderhebung und der Betriebsmaterialien des Bootes in Abzug gebracht und die verbleibende Summe zwischen der Militärverwaltung und Dörries geteilt. In diesem Sinne wurde mit Dörries ein Vertrag geschlossen. Anfang März 1915 wurde die Kriegsbrücke in Linz wieder entfernt.


Quelle: *Vertrag


11. Februar 1915 / Erneute Beschwerden


Da sich die Verhältnisse bei der Fähre nicht besserten, wurde in der Stadtverordnetensitzung am 11. Februar 1915 beschlossen, erneut bei höherer Stelle Einspruch zu erheben und eine Besserung des Fährbetriebes anzustreben. Der Bauausschuss beschäftigte sich daraufhin in seiner Sitzung am 14. Februar 1915 erneut mit der Angelegenheit und beauftragte den Vorsitzenden und den Beigeordneten Legewie beim Wasserbauamt in Köln nochmal Rücksprache zu nehmen und besonders dahin wirken zu wollen, das die Fährgerätschaften sicherheitspolizeilich einwandfrei und in genügender Menge zur Verfügung gehalten werden müssen. Diese Besprechung fand am 8. März beim Wasserbauamt in Köln statt. Bürgermeister Dr. Pieper trug die vorgebrachten Beschwerden vor. Baurat Eichentopf sagte zu, das die Fährgerätschaften nachgesehen werden sollen, wies gleichzeitig aber darauf hin, das nach seiner eigenen Kenntnis, der Fährpächter derzeit nicht in der Lage sei, geeignete Fährleute für den Betrieb zu erhalten und die notwendige Instandsetzung am Fährgerät ausführen lassen zu können.

Die Kriegsnotwendigkeiten ließen weder eine Reklamation von Fährleuten, noch die Ausführung von Schiffsreparaturarbeiten zu. Baurat Eichentopf schlug nun seinerseits vor, die Stadt Linz möge doch vor Einleitung weiterer Maßnahmen sich zuerst über den einzuschlagenden Weg klar werden und entscheiden, ob eine Anpachtung der Fähre durch Sie oder einer Ihr genehmen Verbindung erfolgen könnte. Im Falle der Pachtübernahme bei der nächsten Gelegenheit wäre die Stadt dann in der Lage, alles das zu tun, was im Interesse der Stadt notwendig sei.

29. März 1915 / Die Antwort des Wasserbauamtes auf die Beschwerde


Die auf die Mitteilung vom 18. des Monats gegen den Fährpächter Dörries zu Kripp eingeleitete Untersuchung und vom Wasserbauwart Hill vorgelegte Verhandlungsniederschrift hat nicht ergeben, dass der Beschuldigte sich eines von der hiesiger Stelle zu achtenden Vergehens schuldig gemacht hat.


06. April 1915 / Erneute Beschwerden und eine Überprüfung


Aufgrund der Beschwerden einiger Linzer Bürgern vom 5. des Monats über den Pächter Dörries und seine Mitarbeiter, wurde seitens des Wasserbauamtes Köln eine Überprüfung angeordnet. Als Ergebnis kam heraus, das der Fährmeister der Gierponte Linz - Kripp das Patent zur Führung eines Dampfers und Schiffes auf dem Rhein besitzt, auch schon viele Jahre das Schiffergewerbe betrieben und 1903 ein Jahr lang die dortige Ponte geführt hat: Er sei 39 Jahre alt. Der Fährknecht Josef Bruder zu Kripp, 50 Jahre alt, ist zwar kein gelernter Schiffer, war aber einige Jahre bei der Rheinstrombauverwaltung als Strombauarbeiter beschäftigt und hat sich eine genügende Fertigkeit im Fahren erworben. Zeitweilig ist auch der Fährpächter im Fährbetrieb mit tätig oder stelle einen Ersatzmann, wenn er verhindert sei. Für die Dauer des Krieges kann der Betrieb als genügend angesehen werden, dagegen müssen nach Beendigung des Krieges die von der vorgesetzten Behörde vorgesehenen und dem Fährpächter auferlegten Verbesserungen im Betrieb der Fähre Linz - Kripp sofort getroffen werden. Es erscheint unbillig, jetzt bereits den Fährpächter zur Ausführung der Verbesserungen anzuhalten, da er kaum in der Lage sein wird, zur Zeit die erforderlichen Geldmittel zu beschaffen.


01. März 1918 / Bitte zur Erhöhung des Fährtarifes


Am 01. März 1918 bittet der Fährpächter Dörries die königliche Rheinstrom= bauverwaltung zu Koblenz um die Zeit- entsprechende Erhöhung der Fährtarife, da nach seiner Aussage auch die umliegenden Rheinfähren eine solche Erhöhung erhalten hätten. Seinem Schreiben fügt er eine Reihe von Berechnungen und Listen seiner aktuellen Einnahmen und den gewünschten Tariferhöhungen bei. So habe er Beispielsweise seit der Erhöhung einzelner Tarife vom 30. November 1917 bis zum 15. Februar diesen Jahres 117 Kühe bzw. Ochsen, 35 Fahrräder, 161 Karren und 52 Handwagen kostenpflichtig befördert. Lastkraftwagen, mit Ausnahme einzelner, freifahrender Militärwagen wurden nicht befördert. Die durch die Erhöhung entstandenen Mehreinnahmen betrugen für volle 2 Monate 6,51 Mark. Der Personentarif, der gegenüber den Nachen- und Motorbootfähren um 50% erhöht wurde, hat so für jene eine ausgleichende Mehreinnahme geschaffen, aber für den Betrieb der hiesigen Gierfähre ist er nicht ausreichend, obwohl sie zeitweise durch das Motorboot oder den Nachen ersetzt wird. Auch seien seine Kosten erheblich höher, da er immer mit zwei Mann fahren müsse. Weiterhin würde ein neues 450m langes Ersatz-Fährseil ca. 1000 Mark, ein neuer Bodenbelag für die Gierponte 1360 Mark (170 Mark pro cbm) kosten und infolge des Mangels an geeignetem Fährpersonal sei ihm im Laufe des letzten Jahres durch Schiffskollisionen ein Schaden von 5000 Mark entstanden. Auch seien ihm infolge von Hochwasser Bohlen für mehrere 100 Mark abgetrieben worden Am 09. März 1918 befürwortet Baurat Eichentopf, von der königliche Rheinstrombauverwaltung Koblenz, die Tariferhöhung und leitet das Schreiben mit einer diesbezüglichen Stellungnahme am 16. März 1918 weiter an den Oberpräsidenten der Rheinprovinz beim Wasserbauamt Köln. Dort wird die Bitte zur Tariferhöhung am 11. Mai 1918 zur Vorlage an den Landrat zu Neuwied weiter gesandt. Dort sieht man die gewünschte Tariferhöhung deutlich kritischer und leitet sie an den Bürgermeister der Stadt Linz zur Stellungnahme. Unter anderem wird durch den Landrat die Erhöhung der Monats- und Jahreskarten abgelehnt, da Sie umgerechnet auf Einzelfahrten zu teuer kommen und keine Ersparnis für die Bürger darstellen. Der Bürgermeister zu Linz befürwortet die Stellungnahme des Landrats und lehnt in seiner Antwortet vom 25. Mai 1918 die Erhöhung einzelner Tarife gleichfalls ab.

24. April 1918 / Die Verhandlung

 Vor dem mit unterzeichnenden Wasserbauwart Hill zu Brohl erscheinen aufgefordert der Fährpächter Albert Dörries zu Kripp, um über eine Beschwerde des Spediteurs Johann Lück zu Linz / Rhein vernommen zu werden, derselbst zur Aussage der Wahrheit ermahnt, sagt aus wie folgt: Am fraglichen Tage hielt ein mit 3 Pferden bespannter Möbelwagen geleitet von Kriegsgefangenen vor der Fähre in Linz, zum Auffahren bereit. Auf meine Frage, wie schwer der Möbelwagen wäre, antwortete mir Lück 90 Zentner.
Foto: LKW Schulte&Söhne auf der Fährrampe.
Quelle: Stadtarchiv Linz BA unverzeichnet

Ich hielt diese Gewicht, das wohl doch mindestens das Minimum war, mit den 3 Pferden für die zeitige Beschaffenheit der Fähre zu schwer, wäre aber in Anbetracht des starken Gefälles der Rampe infolge des äusserst niedrigen Wassers und der eigenartigen Fuhrleute doch dazu bereit gewesen, wenn der Eigentümer Lück sich bereit erklärt hätte, für den Schaden aufzukommen, der eventuell gefahren würde. Durch die Beförderung eines Lastautomobils, das voll geladen war und ca. 200 Zentner wog, sind an der Fähre Schienen verbogen und eingedrückt. Es ist mir aber, da die Fähre das einzigste Verkehrs mittel noch ist, das mir geblieben, nicht möglich, dieselbe zwecks größerer Reparatur aus dem Betriebe zu ziehen. Mit den vorhandenen Mittel muss ich solange den Betrieb aufrecht erhalten, bis andere Zeiten eine größere Reparatur zulassen. Ein neuer Bohlenbelag wird die Beförderung auch schwerer Fuhrwerke wieder zulassen. Leider ist das für das schneiden der Bohlen in Betracht kommende Sägewerk in Linz wegen Mangel an Kohlen nicht in der Lage gewesen, die seit ca. 3 Monaten schon angefahrenen Stämme zu verarbeiten. Sobald das Holz geschnitten ist, findet die Neudeckung statt, solange bin ich aber im Interesse zur Aufrechterhaltung des täglichen Verkehrs gezwungen, äußerst schwere Lasten abzuweisen. v.g.u. gez. A. Dörries / g.w.o. gez. Hill, Kgl. Wasserbauwart


Quelle: Abschrift Protokoll


01. Mai 1918 / Die Antwort auf die Beschwerde der Gebr. Lück

In der Antwort vom Wasserbauamt Köln vom 01. Mai 1918 an die Spedition Gebrüder Lück, stand zu lesen: Ihre, an das stellvertretende Generalkommando des VIII. Armeekorps gerichtete Beschwerde vom 3. April des Jahres ist durch die Rheinstrombauverwaltung des Wasserbauamtes Köln zur weiteren Veranlassung zugefertigt und der Fährpächter Dörries vernommen worden. Anliegend erhalten Sie die Abschrift der Verhandlung vom 25. April 1918 mit dem Bemerken, dass es nicht getadelt werden kann, wenn darauf bedacht genommen wird, dass Beschädigungen der Fährgeräte vermieden werden, da auf einen schnellen Ersatz und umgehende Beseitigung der Beschädigungen unter den jetzigen Zeitverhältnissen nicht gerechnet werden kann. Es muss Ihnen überlassen bleiben, dem Fährpächter stets rechtzeitig mitzuteilen, wann eine schwere Last mit der Fährponte übergesetzt werden soll, damit die erforderlichen Verstärkungen ausgeführt werden können. gez. Eichentopf.

05. Mai 1918 / Das Antwortschreiben der Gebr. Lück

Das Antwortschreiben der Gebrüder Lück an das Wasserbauamt Köln folgte am 05. Mai 1918. Darin stand zu lesen: Im Besitz Ihrer Zuschrift vom 01. Mai cr. Erlaube ich mir die Aussage des Fährpächters Dörries zu bestreiten und erkläre hiermit folgendes: Der Fährpächter behauptet ganz richtig, das der Wagen mit 3 Pferden bespannt gewesen sei. Dieses war aber nicht nötig wegen der schwere des Wagens, sondern wegen der außer-ordentlich schlechten Beschaffenheit der An- und Abfahrtstraße zu der Fähre. Es ist unmöglich, bei der Steilheit dieser Wege mit Lastfuhrwerk ohne die nötigen Vorspanne herauszukommen. Was die „eigenartigen“ Fuhrleute betrifft, so waren dieses gefangene Russen, welche schon über ein Jahr bei dem Fuhrunternehmen Löhr in Oberasbach beschäftigt sind, als zuverlässig bekannt, und mit Fuhrwerk die Fähre dutzende Male passiert haben, ohne jede Beanstandung seitens des Pächters. Auch war mein Schwager Anton Nietzard, ein alter gelernter Fuhrmann und ich persönlich dabei. Dieses hätte wohl genügen dürfen, wenn der gute Wille da gewesen wäre. Die Behauptung, das Sägewerk von D. Schoop hätten ihm die Bohlen nicht schneiden können, dürfte auf einen anderen Grund zurückzuführen sein, als auf Kohlemangel. Fast jeden Tag arbeitete die Säge; so hat die Firma Schoop u. a. der Stadt Linz ungefähr 2000 Zentner Brennholz geschnitten, was jedenfalls nicht so wichtig war, als ein Bodenbelag für eins unserer wichtigsten Verkehrsmittel. Es scheint also auch hier der gute Wille gefehlt zu haben. Am 25. April des Jahres hat der Wasserbauwart Hill dem Pächter zu Protokoll verhört, am 26. morgens gegen 10 Uhr lieferte die Holzfirma Weinstock & Co. einen schweren Wagen voll Bohlen an der Fähre an. Diese hätten genügt, die Fähre in einen Zusatz zu setzen, dass sie eventuell auch ein Lastauto von 200 Zentner hätte befördern können. Aber nein, die Bohlen wurden auf die Seite nach Kripp gefahren, dort abgeladen, wo sie noch heute lagern, ohne das eine Ausbesserung der Fähre vorgenommen wurde. Also Holz war doch zu haben. Was Herr Dörries von dem einzigen Verkehrsmittel, also der „Ponte“ spricht, so ist dieses ja leider war, da sowohl kein Boot wie auch keine Schalde in Ordnung ist. Aber dann dürfte doch darauf gedrungen werden, dass diese wenigstens in Ordnung wäre, denn sonst ist die hiesige Fähre ja ganz zwecklos, und dürfte aus der Liste des Dagewesenen gestrichen werden. Ich habe übrigens bis heute schon dreimal Beschwerde gegen den Fährpächter erhoben, aber jedesmal einen solchen Bescheid erhalten, dass ich mich nicht damit zufrieden geben kann. Ich bin deshalb gezwungen, mich an eine andere höhere Instanz zu wenden und lasse deshalb eine Abschrift meiner Beschwerde und das Protokolls Hill an den Herrn Minister für öffentliche Arbeiten zur weiteren Verfolgung meiner Sache zugehen. Eine Einsendung des Aktenmaterials an unseren Herrn Reichstagsabgeordneten behalte ich mir vor. Meine Angaben beruhen auf strengster Wahrheit, und dürfte die hiesige Polizeibehörde gern bereit sein, meine Aussagen zu beglaubigen. Hochachtend J. Lück.

11. November 1918 / Ende des 1. Weltkriegs

Am 11. November 1918 wurde der Waffenstillstand von Compiegne unterzeichnet. Damit war der 1. Weltkrieg beendet. In der Folge übernahmen die Alliierten die Kontrolle über Ämter und Behörden. Nichts ging mehr ohne Genehmigung durch die zuständigen, alliierten Behörden. Auch der Fährbetrieb viel unter die Kontrolle durch die amerikanischen Besatzungsbehörde und wurde durch den neuen Ortskommandanten von Kripp erst mal eingestellt.

16. Dezember 1918 / Sitzung des Bau-Ausschusses

In der Sitzung des Linzer Bau-Ausschuss vom 16. Dezember 1918, die auf Wunsch der Gebrüder Lurz zum Zwecke der Besprechung der zeitigen Zustände an der Fähre einberufen worden war, wurden die Vertragsbestimmungen über die Kündigungsfrist durchgesprochen und hierauf beschlossen, ein Gutachten über den Zustand der Fähre und Schaffung einwandfreier Zustände einzuholen. Alexander Lurz übernahm die Aufgabe, mit Herrn Lemmerz von der Königswinterer Fähr-Gesellschaft und mit einem vereidigtem Dispacheur über die Erstattung dieses Gutachtens zu verhandeln und einen Zeitpunkt für die Erstattung zu vereinbaren. Diese Gutachten soll dann der Rheinstrombau- verwaltung zugefertigt werden und um Kündigung des jetzigen Fährpacht- vertrages mit dem Pächter Dörries ersucht werden. Die Kündigung muss spätestens zum 01. Oktober 1919 erfolgen, damit der Pachtvertrag zum April 1920 beendet werden kann und ab dann wieder geordnete Verhältnisse eintreten können. Dementsprechend sollen auch weitere Verhandlungen mit der Rheinstrombauverwaltung geführt werden.

15. Mai 1919 / Schifffahrtsgruppe West

In der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung vom 12. Mai 1919 wird der Beschluss gefasst, das die Übernahme der Fähre durch die Stadt Linz erneut zu prüfen und sofort ein Antrag an die Schifffahrtsgruppe West zu richten sei, das wenigstens der Fährverkehr vorläufig wieder aufgenommen wird. Diesem Beschluss kommt der Bürgermeister mit seinem Schreiben an die Schiff- fahrtsgruppe West in Köln vom 15. Mai 1919 nach. Darin bittet der Bürgermeister um die Wiederinbetriebnahme der Linzer Gierfähre durch den derzeitigen Pächter, den Wirt Dörries aus Kripp. Man möge doch bei der zuständigen Alliierten-Kommandostelle die Dringlichkeit der Wiederinbetrieb= nahme betonen und alles was dazu erforderlich sei veranlassen. Der Fährbetrieb mit der Gierponte, welcher seit mehreren Monaten auf Veranlassung des Ortskommandanten von Kripp eingestellt worden ist, wird nun von einem anderen Fährmann mittels Fährnachen notdürftig aufrecht erhalten. Die Fähre ist aber dringend erforderlich, da Arbeiter und Schüler regelmäßig vom rechten zum linken Rheinufer und umgekehrt übergesetzt werden müssen; eine polizeiliche Kontrolle, wie an den Fähren in Königswinter und Honnef sollte auch hier wenn nötig, leicht einzurichten sein. Sollte die Person des jetzigen Fährpächter nicht die nötige Gewähr für einen einwandfreien Betrieb der Fähre bieten, dann sei die Stadt Linz bereit, in den Fährvertrag unter noch näher zu vereinbarenden Bedingungen einzutreten. Im Antwortschreiben der Schifffahrtsgruppe West, vom 21. Mai 1919 an den Bürgermeister der Stadt Linz, wird darauf hingewiesen, das nicht die interalliierte Binnenschiff- fahrtskommission für den Betrieb der Rheinfähre, sondern einzig und allein der lokale Militärkommandant, also der Ortskommandant von Kripp, für die Wiederinbetriebnahme zuständig ist. So ergeht am 23. Mai 1919 ein Schreiben an den Ortskommandanten von Kripp, mit der dringenden Bitte um Freigabe und Wiederinbetriebnahme der Fähre Linz Kripp. Sollte es der Ortskommandant für nötig erachten, so ließe sich eine Passkontrolle leicht auf der Fähre oder durch einen am dortigen Ufer aufzustellenden Posten ermöglichen lassen. Man habe sich auch mit dem gleichen Gesuch an die Schifffahrtsabteilung beim Chef der Feldeisenbahnwesens Schifffahrtsgruppe West in Köln gewandt, welche mitteilten, das hierfür alleine der Ortskomman- dant von Kripp zuständig sei.

21. Juli 1919 / Die Fähre fährt wieder und ein Unfall

Nachdem die Fähre monatelang außer Betrieb war, ist der Fährbetrieb nun wieder freigegeben.

An diesem Tag fuhr die Gierponte vom Linzer Ufer ab, als der Raddampfer „Deutschland“ Kilometer 127 bereits zu Tal passierte. Bemannt war die Fähre mit nur 2 Mann (Dörries und Giß). Der Kapitän des Dampfers wollte Kurs längs zur Kripper Seite nehmen. Es ist zweifelsohne, das die Fährbesatzung den Kurs des Dampfers nicht bemerkte, sonst hätte die Ponte am Linzer Ufer unbedingt festgelegt werden müssen. Die Deutschland fuhr etliche 100 Meter oberhalb der Verankerung der Fähre mit schneller Fahrt zu Tal als die Ponte am rechten Ufer loslegte und drohte das Fahrwasser des Dampfers zu sperren. Um einem Zusammenstoß zu entgehen, nahm die Deutschland Kurs hart Steuerbord (rechts), jedoch war es schon zu spät und kam der Dampfer in schräger Lage vor die kurz hinter der Verankerung liegende Schalde, welche in Ermangelung einer Boje zur Verankerung dient. Die Kette riss und die Ponte trieb ab. Die Schalde blieb dem Dampfer im Backbordrade hängen. Nach vergeblichen Bemühungen, die Schalde vor dem Triebrade (Radkasten) wegzubringen, setzte der Kapitän die Maschine an um ein Auflaufen des Schiffes zu verhindern. Die Ponte warf dann Anker, jedoch riss die Ankerkette und alles, Ponte, Gierseil, Buchtnachen, Bojen und Schalde trieb ab. Die Passagiere der Ponte wurden durch eine Schaluppe ans Ufer gefahren, wobei 3 Menschen-leben in Gefahr gebracht wurden. Der kleine Nachen war voll Kinder und durch unfach= männische Handhabung ging das kleine Fahrzeug unter der Pontenschletter her, wobei 3 Fahrgästen der Kahn unter den Füßen weggezogen wurde und diese, mit den Beinen im Wasser an der Ponte hängend, um Hilfe schrien. Über die erbärmliche Ungeschicklichkeit des Fährpersonals entstand unter den am Ufer stehenden Leuten große Aufregung. Die Ponte, welche noch abtrieb, wurde nun durch ein vorbei-fahrendes Motorboot ans Ufer geschleppt. Alles andere, das Gierseil mit Nachen, Boje und Schalde trieb ab bis an die feste Rheinbrücke Erpel-Remagen, wo das Gerät hängen blieb. In der Zeit des Treibens von Kripp nach Remagen waren Rad und Schraubendampfer und die auf sich fahrenden Schiffe in großer Gefahr. Vornehmlich die Schraubenschlepper mussten öfters ganz geschickte Bewegungen ausführen, um der Gefahr zu entgehen, mit den Schiffsschrauben in das Gierseil zu kommen. Die Buchtnachen gingen nach und nach einzeln unter und waren auch später noch ein gefährliches Hindernis für die Schiffahrt. Dieser Vorfall wäre durch fachmännische Bedienung vermieden. Wenn der Fährmeister die Kurssteuerung des Raddampfer beobachtet hätte, so wäre er am rechten Ufer liegen geblieben. Kaum 8 Tage später hätte sich der Vorfall mit den selben Folgen wieder ereignet, wenn nicht das Fährpersonal durch Zurufen vom rechten Ufer auf einen zu Tal fahrenden Schleppzug aufmerksam gemacht worden wäre. Quelle: 11. August 1919 / Neuer Fährbetrieb, alte Klagen Da sich nach dem Ende des Krieges nichts bei den Fähre verändert hatte, weder das neue Fährschiff eingestellt worden war, noch fähiges und geeignetes Fährpersonal eingestellt wurde, hielt es der Bürgermeister für seine Pflicht, erneut das Wasserbauamt Köln auf die Unzulänglichkeiten des hiesigen Fährverkehrs hinzuweisen und auf die Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen zu pochen. Daher schreibt er am 11. August 1919 einen Brief an das Wasserbauamt Köln, indem er unter anderem von dem Vorfall bei der Gierponte berichtet, der sich am 21.07.1919 zugetragen hatte. Weiterhin berichtet er über die Ihm zugetragenen Klagen der Bürger und Fuhrleute über die Unzulänglichkeit des Fährpersonals und die hohen Fährgebühren. So schreibt er: „Nachdem die Fähre durch die Einwirkung der amerikanischen Besatzungsbehörde monatelang außer Betrieb gesetzt worden war, - es wurde in dieser Zeit nur ein ganz unzureichender Nachenverkehr zugelassen, - ist sie seit einigen Wochen wieder in Betrieb und schon werden wieder die gleichen Klagen über die unzureichende Einrichtung wieder laut, wie früher.“ Die Klagen beziehen sich auf die Erhebung ungerechtfertigt hoher Fährgebühren, unzureichendes und mangelhaft vorgebildetes Fährpersonal und mangelhaftes und fehlendes Fährgerät, so Bürgermeister Dr. Pieper in seinem Brief an das Wasserbauamt in Köln. An Fährgeld erhob der Fährpächter von den überzusetzenden Personen Mitte Juli 60 Pfennig, und später 30 Pfennig. Ob der Tarif in dieser Höhe genehmigt wurde, sei Ihm nicht bekannt. Es hätte zwar einen Antrag des Fährpächters zur Erhöhung der Fährtarife gegeben, der im Mai hier durchgelaufen sei, aber er habe sich in Übereinstimmung mit dem Landrat von Neuwied in seinem Bericht vom 19 Mai 1918 nur für die angemessene Erhöhung der Einzelgebühren, dagegen gegen eine Erhöhung der Gebühren für Monats- und Jahreskarten ausgesprochen. Ob und inwieweit diese Erhöhung von der Rheinstrombauverwaltung genehmigt wurde, ist ihm nicht bekannt. Auch beschwert er sich erneut darüber, das das Fährpersonal noch keinen Befähigungsnachweis für die Bedienung der Fähre erbracht hat und wohl kaum den Anforderung genügen wird. Als Begründung führt er den Vorfall an, der sich am 21. Juli 1919 ereignet hatte. Zum Schluß des Briefes stellt der Bürgermeister fest, das es m. E. in jeder Beziehung an der erforderlichen Einsicht und Sachkenntnis des Fährpersonals fehlt, sonst hätte sich der geschilderte Vorfall, der eine Reihe von Vorgängern hat, nicht ereignet. Bezüglich des Fährinventars sei zu bemerken, das nach dem monatelangen Stillliegen der Fähre nichts zur Instandsetzung und Ergänzung des Gerätes getan wurde. Das Fährgerät ist zum größten Teil nicht mehr vorhanden und der Zustand des noch vorhandenen Gerätes ist in jeder Beziehung ein schlechter und die Sicherheit des die Fähre benutzenden Publikums ein gefährdender. Das vorhandene Motorboot kann nicht mehr benutzt werden. Die Motorboot= landebrücken sind beide nicht mehr vorhanden, von der einen ist überhaupt nichts mehr da, die andere ist weg gesackt. Fährnachen kennt man schon seit Jahren nicht mehr, die Passagiere werden mit einer, in sehr schlechtem Zustand sich befindende Schaluppe übergefahren. Schaldenfahrt kennt man auch nicht mehr. Es ist zwingend notwendig, dass das gesamte Fährgerät hinsichtlich seiner Stückzahl und Beschaffenheit von unparteiischer sachverständiger Seite besichtigt und dem Fährpächter aufgegeben wird, die im öffentlichen Interesse so dringend notwendigen Instandsetzungen und Ergänzungen auszuführen.

In der Besprechung vom 08. März vorigen Jahres betonte Herr Baurat Eichentopf die besonderen Schwierigkeiten, welche der Fährpächter durch die Kriegsverhältnisse hatte. Es sei Ihm nicht möglich, für brauchbares Fährpersonal und gutes, ausreichendes Fährinventar zu sorgen. Dieser Einwand kann heute zurecht nicht mehr erhoben werden. Der Krieg ist zu Ende und können heute sowohl Leute eingestellt, wie Instandsetzungen und Ergänzungs= arbeiten ausgeführt werden. Wenn auch die Kosten hoch sind, so ist andererseits doch zu bedenken, dass die öffentliche Sicherheit die einwandfreie Beschaffenheit des Fährpersonals und der Fähreinrichtung bedingt. In der genannten Besprechung empfahl Herr Baurat Eichentopf vor Einleitung weiterer Maßnahmen, das sich die Stadtverwaltung über den einzuschlagenden Weg klar werden müsse. Die Stadtverordnetenversammlung hat in der Sitzung vom 31. vorigen Monat beschlossen, den Fährbetrieb zu übernehmen. Ich gestatte mir daher, hierdurch ergebenst zu bitten, bei der vorgesetzten Stelle die Auflösung des Pachtvertrages mit dem bisherigen Pächter zum 1. April nächsten Jahres in die Wegen zu leiten und den Pachtvertrag am 1. Oktober diesen Jahres zum oben genannten Zeitpunkt aufzukündigen. Wenn die Stadt unter annehmbaren Bedingungen die Pachtung der Fähre übernimmt, dann ist zu hoffen, das diese es sich angelegen sein lassen wird, einwandfreie Verhältnisse zu schaffen und den zeitigen unhaltbaren Zuständen und berechtigten Klagen der Bevölkerung ein Ende zu machen. 

20. September 1919 / Besprechung in Köln

Am 20. September 1919 fand eine Besprechung mit Herrn Oberregierungsrat Dr. von Gal auf dem Oberpräsidium in Köln statt. Dr. von Gal teilte mit, das man den Fährpachtvertrag mit dem derzeitigen Pächter Dörries unter Vorbehalt zum 1. April nächstes Jahr gekündigt hätte. Gleichzeitig habe man die Rheinstromverwaltung aufgefordert, vom Remagener Bürgermeister einen Bericht anzufordern. Auf jedenfall sei es nötig, das die Linzer Verwaltung erkläre, in den bestehenden Fährvertrag einzutreten. Auch müsse sich die Stadt klar sein, das sie keine fiskalische Politik betreiben dürfe und schließlich bereit sein müsse, wenn die Unkosten durch die aufkommenden Fährgelder nicht gedeckt würden, Zuschüsse zu leisten. Über die Dauer des Fährpachtvertrages und sonstige Einzelheiten könnten in späteren Verhandlungen Vereinbarungen getroffen werden. Auch sei Oberregierungsrat von Gal der Meinung, das die Gemeinde der gegebene Anpächter der Fähre sei und würde sich auch hierfür einsetzen. Gleichzeitig bittet er darum, die Sache vertraulich zu behandeln und vor allem dem Fährpächter bei der Übernahme der Fährgerätschaften durch angemessene Preisvereinbarungen möglichst entgegen zu kommen, weil der jetzige Pächter doch große Unkosten und Verluste während des Krieges hat hinnehmen müssen.

04. Oktober 1919 / Sitzungsprotokoll

Aus dem Sitzungsprotokoll vom 4. Oktober 1919 geht hervor, das am 24. September auf dem Bürgermeisteramt in Remagen eine Besprechung zwischen Beigeordneten der Städte Linz und Remagen stattgefunden hat. In dieser Besprechung wurde von Remagen Seite der Gedanke der gemeinschaftliche Pachtung der Fähre durch Linz und Remagen angeregt. In der 2 Tage später stattfindenden Besprechung wurden die Remagener dann über den aktuellen Verhandlungsstand informiert. Auch geht daraus hervor, das die Stadt Linz gegenüber der Rheinstrombauverwaltung den Eintritt in den Fährpachtvertrag erklärt hat. Per Schreiben teilt sie der Rheinstrombauverwaltung mit, das man bereit ist, in den Fährpachtvertrag einzutreten, aber unter dem Vorbehalt der Neuverhandlung der Vertragsbestimmungen insbesondere in Bezug auf die Neueinrichtung der Fähre. Auch teilt Sie mit, das die Stadt Remagen möglicherweise sich an der Pacht beteiligen werde und diese dann zu gleichen Teilen getragen werden solle, diesbezügliche Verhandlungen seien aber gerade erst angelaufen. Sollte die Stadt Remagen aus den weiteren Verhandlungen zurücktreten, so werde die Stadt Linz alleinige Pächterin werden.

29. April 1920 / Gründung der Fährgesellschaft Linz-Kripp GmbH

Ab April 1920 wurde die Rheinfähre an die Städte Linz und Remagen verpachtet. Am 29. April 1920 erfolgte im Gebäude der Villa Nagel in Kripp die Gründung der Fährgesellschaft mit Eintragung in das Register des Amtsgerichtes in Linz. Die Bürgermeister, Dr. Paul Pieper (Linz) und Josef Froitzheim (Remagen), besiegelten mit ihrer Unterschrift das Vertragswerk zwischen beiden Städten. 

Das Gründungskapital der Fährgesellschaft betrugnur 14.000 Mark. An den Betriebsmitteln waren nur noch die Fährgeräte vorhanden, bestehend aus der eisernen Gierponte selbst und einem kleinen Personenmotorboot. Mit der Übernahme des Pachtvertrags wurde auch der Linz- Kripp GmbH, genauso wie dem vorhergehenden Pächter Dörries, von der Wasserstraßendirektion Köln die Anschaffung einer freifahrenden Fähre zur Auflage gemacht. Sie sollte nach Aufforderung innerhalb von 4 Jahren beschafft werden. Diese willkürlich klingende Auflage war deshalb nötig geworden, da die Schifffahrt auf dem Rhein immer weiter zunahm und eine Gierseilfähre eine Behinderung des Längsverkehrs darstellte.  

Da die GmbH praktisch mit nichts angefangen hatte, konnte das Verlangen der Wasserstraßendirektion, den Ersatz der Fähre durch eine freifahrenden Fähre nicht nachgekommen werden. Es blieb keine andere Wahl als abzuwarten, bis genügend Finanzmittel zur Verfügung standen, wobei erschwerend hinzu kam, das seit 1915, aufgrund der Kriegswirtschaft, eine stetig steigende Inflation unaufhaltsam ihrem Höchststand (1923) entgegen strebte. So kam es, das im Dezember 1923 die städtische Sparkasse in Linz die Abdeckung der Schulden in Höhe von 123.233.124.000,00 Mark ersuchte. Es wurde nun zunächst eine kaufmännische Buchführung eingerichtet, die Fähreinnahmen mussten täglich abgeliefert werden und wurden an die Stadtsparkasse eingezahlt, sodass langsam eine Besserung in den finanziellen Verhältnissen eintrat.

Quelle: E5, D

1925 / Anschaffung Motorboot "J. v. Keller"

Im Laufe des Geschäftsjahres 1925 wurde ein neueres und besseres Personenmotorboot, das "Jos. von Keller" angeschafft und vor der ersten Indienststellung einer gründlichen Instand- setzung unterworfen. Es wurde auf der neu geschaffenen Fährverbindung zwischen Linz und Remagen eingesetzt. Das bis dahin verwendete, altersschwache Motorboot, welches mit den Fährgerätschaften vom Vorpächter Dörries übernommen worden war, wurde abgeschafft. Ohne die Sonderfahrten wurden mit den Motorbooten, 13.639 Personen befördert. Wegen des guten Zuspruchs der Personenfähre, wurde der Betrieb auch in den Wintermonaten mit 2 Fahrten aufrecht erhalten. Seit dem 1. Dezember 1925 findet auch eine zweimalige Postbeförderung von Remagen nach Kripp statt.

Quelle: Geschäftsbericht 1925 + Bericht StAL_10_7_1933 vom 01.05.1933

11. Dezember 1925 / „Der Blaue Brief“ des Wasserbauamtes

Mit dem Schreiben vom 11. Dezember 1925 forderte das Wasserbauamt Köln unter Bezugnahme auf den Vertrag vom 10. April 1920 die Gesellschaft dazu auf, die Gierfähre durch eine freifahrende Fähre zu ersetzen. Trotz entsprechenden, schwebenden Verhandlungen mit ver- schiedenen Werften, gelang es aber nicht, eine geeignete Fähre zu finden. Schließlich einigte man sich mit dem Wasser- bauamt Köln darauf, die vorhandene Gierseilfähre zur Querseilfähre umzurüsten. Dies bedeutete eine wesentliche Verbesserung in der Fährmöglichkeit der Fähre, da diese jetzt auch auf der Linzer Seite liegen bleiben konnte und dabei den Schiffsverkehr auf dem Rhein nicht mehr behinderte.

Quelle: E5, D5

21. Oktober 1926 (Die erste Querseilfähre) 

 
Am 21.Oktober 1926 wurde der Betrieb am Querseil aufgenommen. Der Fährbetrieb ist dadurch bedeutend erleichtert worden und die Betriebsart hat sich, wie zu erwarten war, recht gut bewährt. Im Geschäftsjahr 1926 wurde die Fähre auch gründlich in Stand gesetzt, so daß sie jetzt in der Lage ist die größten Lasten befördern zu können. Das Wartehaus wurde um 1m über gebaut, wodurch die nutzbare Fläche der Fahrbahn gleichfalls um 1m breiter wurde. Am seitlichen Warteraum wurde ein kleiner Abort angebaut. 

 Foto links: Ansichtskarte Stadtarchiv Linz BA 1307

Quelle: StAL, E5

Aus den Geschäftsberichten von 1926 - 1929

Im Geschäftsjahr 1926 erfolgte auch die Anschaffung zwei größerer Motorboote. Weiter wurde mit Genehmigung der Stromverwaltung auf der Kripper Seite eine Gleisanlage (Slip - anlage) zum Herausziehen der Motor-boote geschaffen, um kleinere Instandsetzungsarbeiten und den Anstrich der Boote selber vornehmen zu können. (Die Slipanlage wurde auch als Werft bezeichnet.) Auf beiden Seiten wurden Beleuchtungsanlagen geschaffen, so dass der Betrieb auch bei Dunkelheit und auch während der Nacht aufrecht erhalten werden konnte. In Kripp wurde eine elektrische und in Linz eine Gasbeleuchtung angelegt.

 
Links das Gleis der Slipanlage
  

Die Fährverbindung Linz - Kripp war zu diesem Zeitpunkt die einzige Fähre, auf der man auch zur Nachtzeit übersetzen konnte. Außer dem Fährbetrieb selbst beteiligte sich die Fährgesellschaft an anderen Unternehmungen, die zum Vorteil der Fähre gereichten. So wurde bei der Anlage des Strandbades Sinzig, gegenüber Leubsdorf, eine Motorbootverbindung zwischen Linz und Strandbad und eine Fährverbindung zwischen Strandbad und Leubsdorf eingerichtet. Zur Verbesserung des Verkehrs zwischen Remagen und Kripp wurde ein planmäßiges Motorboot eingesetzt, das eine Zeitlang auch die Postbestellung von Remagen für den Ortsteil Kripp übernahm. Später im Jahr soll dann noch eine Kraftfahrlinie Kripp – Sinzig - Remagen geschaffen werden, mit Anschluss an die Züge in Sinzig und Remagen, um den Reisenden die Erreichung der Fähre zu erleichtern. Zum Schluss des Geschäftsjahres ist der Gesellschaft dann noch die Genehmigung zum Betrieb der Kraftfahrtlinie Kripp-Sinzig-Remagen erteilt worden. Den Vertrag, zum Betrieb auf eigene Rechnung, erhielt der Unternehmer Albert Dörries in Kripp. Im Jahre 1927 wurde für die Fahrgäste auf jeder Seite ein Warteraum durch Anmietung zweier dafür geeigneter Räume geschaffen. Im Jahre 1929 wurden die beiden Anfahrrampen verstärkt und neu gepflastert und die Linzer Rampe, aus verkehrstechnischen Gründen, gleichzeitig verbreitert und teilweise höher gelegt, um so bei Hochwasser länger fahren zu können.

Das Inventar der Rheinfähre bestand am Schluss des Geschäftsjahres 1929 aus:

Querseilfähre mit 2 Nachen, ● 3 Motorboote, (Hansa, Egon v. Fürstenberg, J. v. Keller) ● 4 Landebrücken, ● 2 Auffahrtsrampen, ● Querseil mit 2 Windenvorrichtungen, ● 1 Gleisanlage mit 2 Wagen zum Herausziehen der Boote.

Quelle: *Stadtarchiv Linz Geschäftsbericht 1926 – 1929 Bericht StAL_10_7_1933 vom 01.05.1933

1933 (So nicht... )

Der finanzielle Erfolg der Gesellschaft zeichnete sich bereits 1932 ab, so betrug die Bilanz-summe 84.000 Mark, das Bankguthaben 35.000 Mark und das obwohl in den vergangenen Jahren die beiden beteiligten Städte Linz und Remagen je 41.000 Mark aus den Überschüssen erhalten hatten. So ging die Fährgesellschaft mit den besten Betriebsmitteln und finanziell außerordentlich gesund in das Jahr 1933 ein. Diese günstige Entwicklung war nur möglich durch das verständnisvolle Entgegenkommen des Wasserbauamtes Köln, besonders in Bezug auf die Verpflichtung der Fährgesellschaft, eine freifahrende Fähre anzuschaffen. Man wartete stillschweigend ab, bis die Fährgesellschaft die Mittel aufgesammelt hatte, um sowohl die freifahrende Fähre, wie auch die erforderlichen Uferbauten aus eigenen Mittel bezahlen zu können. Dieses wohlwollende entgegenkommen des Wasserbauamtes hielt bis 1933, da die beiden neu eingesetzten Bürgermeister der Städte Linz und Remagen die Sachlage vollkommen falsch verstanden und glaubten, dem Wasserbauamt, bzw. dem Staat nun ihrerseits Bedingungen stellen zu können. 1935 wurde, nach vorhergegangener Kündigung und nach vielen Verhandlungen ein neuer Vertrag abgeschlossen. Quelle A59 Da die GmbH aber noch immer nichts tat, um Ihrer Verpflichtung nachzukommen und baldigst eine freifahrende Fähre bauen zu lassen, wurden die Barmittel, die hierfür bestimmt waren, vom Wasserbauamt Köln sichergestellt und alle Überschüsse der Fähre mussten auf diese gesperrten Konten einbezahlt werden.

Quelle: E5

Gesamtquellenverzeichnis:Quellen:

Fotos / Ansichtskarten aus dem Stadtarchiv Linz am Rhein

StAL BA [unverzeichnet_1] Foto: Dreharbeiten auf der Fähre „Stadt Linz“

StAL BA [unverzeichnet_2] Foto: Dreharbeiten auf der Fähre „Stadt Linz“

StAL BA [unverzeichnet_3] Foto: Dreharbeiten auf der Fähre „Stadt Linz“

StAL BA [unverzeichnet_4] AK: Neuwieder Postkartenverlag Ernst Gronemeyer, Neuwied am Rhein, Rheinufer Linz mit Gierponte (ca. 1907 - 1910)

StAL BA [unverzeichnet_5] Foto: Fähre „St. Martin“ und Personenboot „Egon von Fürstenberg“ II StAL BA 1 AK: Rheinufer Linz mit Gierponte, (ca. 1894 – 1902)

StAL BA 34 AK: Blick vom Kripp i. HG Hummelsb., Luftbildaufnahme: Anmerkung: identisch mit StAL BA 520

StAL BA 91 Foto: Rheinfahrt, Die Aufnahme zeigt die umgebaute Querseilfähre im Zeitraum ab 10.1926 - 1932:

StAL BA 184 AK: Linz von Kripp aus gesehen, Autofähre „St. Martin“ und Personenfähre „Egon von Fürstenberg“ (II) Ende 1950er Jahre

StAL BA 208 Foto: Rheinfahrt, Querseilfähre, Aufnahme aus den Mitte 1930er Jahre (1932 – 09.1935)

StAL BA 219 Foto: Fährpächter, Bekanntmachung 1846

StAL BA 520 AK: Gertrud Schäfer, Linz a. Rhein, (gel. 15.09.35) Luftbildaufnahme: Rheinbefliegung 1931, Linz + Kripp mit Fähre Kern Luftbild 1145 R.L.M. freigegeben

StAL BA 633 AK: Neuwieder Postkartenverlag Ernst Gronemeyer, Neuwied, Stadtansicht von Kripp mit Gierponte um 1912 (gelaufen: 17.8.1926)

StAL BA 662 Foto: Stadtansicht von Kripp, Querseilfähre an der Anlegestelle in Linz Aufnahme aus den 1930er Jahren

StAL BA780 Foto: Rheinfahrt, 1. Fähre nach dem Krieg

StAL BA781 Foto: Rheinfahrt, Fähre mit Kahn

StAL BA 836 Foto: Rheinfahrt, Aufnahme aus den 1930er Jahren (1932 – 09.1935)

StAL BA 964 AK: siehe BA 520

StAL BA 1151 Foto: Blick vom Kaiserberg (ca. 1990 – 1997) mit Autofähre „Linz-Remagen“ (I) und „St. Johannes“ (II) und Personenfähre „St. Apollinaris“

StAL BA 1190 AK: Wwe D. Brückmann, Linz am Rhein, Rheinufer Linz mit Gierponte um 1903 StAL BA 1243 Foto: 6 Fotos vom Neubau des Arbeitsboot „St. Martin“ der Fährgesellschaft, vom Bauzustand am 8. Juni 1998 in der Werfthalle von Stahlbau Müller

StAL BA 1251 AK: Rheinufer Linz mit Personenfähre „Egon von Fürstenberg“

StAL BA 1307 AK: Hotel-Restaurant Kölner Hof und Blick nach Kripp mit Querseilfähre (Zeitraum 1932 – 1935)


Quelle A: Akten aus dem Stadtarchiv Linz:

StAL 2/10-7 Verwaltung des Gemeindewesens Gerechtsame Rheinfähre Linz-Kripp 1913-1919 auch 1933-1947 mit Zeichnungen, Vortrag etc. (siehe Sammlung Fuchs)

Quellenabkürzung:

StAL 2/10-7 (1862) = StAL 2/10-7 Rheinfähre zu Linz 1862

StAL 2/10-7 (1913) = StAL 2/10-7 Rheinfähre Linz - Kripp 1913-1919

StAL 2/10-7 (1933) = StAL 2/10-7 1933 Fähre Linz – Kripp


A1 StAL 2/10-7 (1862) Fährtarif zu Linz vom 27.05.1829

A2 StAL 2/10-7 (1862) Allgemeine Kontrakts-Bedingungen zur Verpachtung von Staatsfähren 1849 (5 Seiten)

A3 StAL 2/10-7 (1862) Allgemeine Bedingungen zur Verpachtung von Staatsfähren 1849

A4 StAL 2/10-7 (1862) Geschäftsbericht Zusammenfassung 1925 – 1929 (2 Seiten) + Übersicht ausgegebene Monatskarten

A5 StAL 2/10-7 (1862) Geschäftsbericht 1925

A6 StAL 2/10-7 (1862) Geschäftsbericht 1926 (2 Seiten)

A7 StAL 2/10-7 (1862) Geschäftsbericht 1927

A8 StAL 2/10-7 (1862) Geschäftsbericht 1928 (2 Seiten)

A9 StAL 2/10-7 (1913) 28.02.1913 Wasserbauamt an die Stadt Linz betreffs Kündigung des


Pachtvertrages des Pächters Dörries

A10 StAL 2/10-7 (1913) 10.04.1913 Wasserbauamt an die Stadt Linz betreffs Entscheidung Übernahme der Verpachtung

A11 StAL 2/10-7 (1913) 19.04.1913 Handschriftliches ?

A12 StAL 2/10-7 (1913) 30.04.1913 Pachtvertrag Dörries (6 Seiten)

A13 StAL 2/10-7 (1913) 31.04.1913 Beschluss der Stadtverordnetenversammlung (2 Seiten)

A14 StAL 2/10-7 (1913) 21.08.1913 Mitteilung vom Wasserbauamt betreffs der Verpachtung der Fähre an den neuen Pächter A. Dörries

A15 StAL 2/10-7 (1913) 13.11.1913 Bürgermeister Linz an Bürgermeister in Emmerich wegen Erkundigungen zum dortigen Fährbetrieb (2 Seiten)

A16 StAL 2/10-7 (1913) 17.11.1913 Heymann Simon an Bürgermeister Linz betreffs geplanten Fährbetrieb mittels Schalde oder Fährschiff (2 Seiten)

A17 StAL 2/10-7 (1913) 17.11.1913 Abschrift des Abtretungsvertrags vom 03.03.1832 über die Fährgerechtsame der Stadt Linz, für die Überfahrt vom rechten zum linken Rheinufer, an die königliche Regierung zu Koblenz

A18 StAL 2/10-7 (1913) 18.11.1913 Heinrich Wassmuth (Spediteur) an Bürgermeister betreffs geplanten Fährbetrieb mittels Schalde oder Fährschiff

A19 StAL 2/10-7 (1913) 20.11.1913 Schulte & Söhne (Eisengroßhandlung) an den Bürgermeister A20 StAL 2/10-7 (1913) 21.11.1913 Antwort des Bürgermeisters aus Emmerich betreffs den angefragten Erkundigungen zum Fährbetrieb

A21 StAL 2/10-7 (1913) 27.11.1913 Weinstock (Holz- & Baumaterialien) an den Bürgermeister betreffs geplanten Fährbetrieb mittels Schalde oder Dampffähre

A22 StAL 2/10-7 (1913) 15.12.1913 Bürgermeister Linz an das königl. Wasserbauamt Köln betreffend der offenen Sachstandsanfrage und Mitteilung über die Ablehnung des geplanten Schaldenbetriebs (2 Seiten)

A23 StAL 2/10-7 (1913) 22.12.1913 Wasserbauamt an Bürgermeister Linz: Antwort zum Sachstand der Planungen zum Fährbetrieb (2 Seiten)

A24 StAL 2/10-7 (1913) 24.04.1914 Bürgermeister an Wasserbauamt betreffend Vorschlag von Dörries wegen Verlegung der Badeanstalt / Entwurf (2 Seiten)

A25 StAL 2/10-7 (1913) 25.04.1914 Bürgermeister an Wasserbauamt betreffend Vorschlag von Dörries zur Verlegung der Linzer Badeanstalt (2 Seiten)

A26 StAL 2/10-7 (1913) 29.04.1914 Einladung an BM zu einer Besprechung am 01. Mai 1914 beim Wasserbauamt

A27 StAL 2/10-7 (1913) 02.05.1914 Protokoll der Besprechung vom 01. Mai 1914 beim Wasserbauamt (2 Seiten)

A28 StAL 2/10-7 (1913) 11.07.1914 Schreiben des Verein zur Wahrung städtischer und gewerblicher Interessen in Linz an Herrn Minister für öffentliche Arbeiten mit der Bitte um Hilfestellung in Sachen Fährangelegenheit Dörries (2 Seiten)

A29 StAL 2/10-7 (1913) 18.09.1914 Bescheid der Rheinstrombauverwaltung an den Verein zur Wahrung städtischer und gewerblicher Interessen in Linz betreffs der Eingabe des Herrn Minister für öffentliche Arbeiten bezüglich der Linzer Fährangelegenheiten

A30 StAL 2/10-7 (1913) 29.03.1915 Wasserbauamt an den Bürgermeister betreffs Mitteilung des Ergebnisses zur eingeleiteten Untersuchung vom 18.05.1915 gegen den Fährpächter Dörries

A31 StAL 2/10-7 (1913) 06.04.1915 Wasserbauamt an den Bürgermeister betreffs Mitteilung des Ergebnisses der eingeleiteten Untersuchung aufgrund der eingereichten Bürgerbeschwerden vom

80

05.04.1915 gegen den Fährpächter Dörries (2 Seiten)

A32 StAL 2/10-7 (1913) 01.03.1918 Antrag des Fährpächters Dörries an den Landrat wegen Erhöhung des allgemeinen Fährtarifs (4 Seiten)

A33 StAL 2/10-7 (1913) 25.04.1918 Protokoll des Wasserbauwart Hill über die Vernehmung des Fährpächter Dörries betreffs der Beschwerde des Linzer Spediteurs Johann Lück



A34 StAL 2/10-7 (1913) 01.05.1918 Antwort vom Wasserbauamt an die Gebr. Lück betreffen der eingereichten Beschwerde

A35 StAL 2/10-7 (1913) 05.05.1918 Antwort der Gebr. Lück an das Wasserbauamt (2 Seiten)

A36 StAL 2/10-7 (1913) 07.05.1918 Protokoll zum Beschluss des Bau-Auschusses vom 03. Mai 1918 betreffs Fährangelegenheit

A37 StAL 2/10-7 (1913) 16.12.1918 Protokoll der Sitzung des Bau-Ausschuss vom 15. Dez. 1918 betreffend der Zustände an der Linzer Fähre

A38 StAL 2/10-7 (1913) 12.05.1919 Beschluss der Stadtverordneten vom 12. Mai 1919 betreffend Schreiben an die Schifffahrtsgruppe West

A39 StAL 2/10-7 (1913) 15.05.1919 Bürgermeister an Schifffahrtsgruppe West betreffs der Wiederaufnahme des Fährbetriebs Linz - Kripp

A40 StAL 2/10-7 (1913) 21.05.1919 Antwort der Schifffahrtsgruppe West an den Bürgermeister A41 StAL 2/10-7 (1913) 23.06.1919 Eingabe d. Bürgermeister an den Ortskommandanten von Kripp zur Wiederaufnahme des Fährbetriebs

A42 StAL 2/10-7 (1913) 11.08.1919 Bürgermeister an Wasserbauamt betreffend Fährangelegenheit, Tariferhöhung, Beschwerden (4 Seiten)

A43 StAL 2/10-7 (1913) 23.09.1919 Beschluss der Stadtverordneten vom 15. Sept. 1919 betreffs Überwachung und Einleitung weiterer Schritte zur Eintritt in die Fährpacht (2 Seiten)

A44 StAL 2/10-7 (1913) 04.10.1919 Protokoll zur Sitzung der Stadtverordneten vom 08.10.1919 betreffen den gefassten Beschlüssen vom 29. Sept. 1919 mit aktuellem Sachstand bezüglich des Fortschritt bei Übernahme der Fährpacht sowie dem aktuellen Stand bei den Verhandlungen mit Remagen (2 Seiten)

A45 StAL 2/10-7 (1913) 04.10.1919 Bürgermeister Linz an den Oberpräsidenten betreffs Eintritt in den Pachtvertrag zur Fähre Linz

A46 StAL 2/10-7 (1913) 06.11.1919 Sachstandsanfrage des Bürgermeister Linz an den Bürger- meister von Remagen betreffend der gemeinsamen Pachtung der Linzer Fähre

A47 StAL 2/10-7 (1913) Abschrift der Baubeschreibung des Fährschiff Königswinter (11 Seiten) A49 StAL 2/10-7 (1913) Abschrift des Liefervertrags für eine Doppelschrauben- Dampffähre für Königswinter (6 Seiten)

A50 StAL 2/10-7 (1913) Zusammenfassung Fährangelegenheit v. 1913 – 1920 (8 Seiten)

A51 StAL 2/10-7 (1933) Plan Landebrücken 01.09.1931

A52 StAL 2/10-7 (1933) 01.05.1933 Bericht über die Entwicklung der Fähr-Gesellschaft seit der Gründung 1920 (6 Seiten)

A53 StAL 2/10-7 (1933) 04.05.1933 Bericht über die kaufmännische Überprüfung der Rheinfähre Linz-Kripp GmbH (9 Seiten)

A54 StAL 2/10-7 (1933) 21.05.1933 Antworten und Bemerkungen zur kaufm. Überprüfung durch den Geschäftsführer Unkel (2 Seiten)

A55 StAL 2/10-7 (1933) 14.01.1935 Ausbietung Fährpacht zu Linz

A56 22.01.1953 Schreiben vom 22.01.1953 an den Bürgermeister wegen Behinderung der Fähre durch die Ausflugsschiffe an den Landungsbrücke

A57 Jahresbericht von 1926 an das Bauamt bzgl. Nutzung der Fähre

A58 StAL MA15 Chronik Rheinfahrt von Fuchs

A59 Auszug aus den Akten der Provinzial-Steuerverwaltung Neuwied betreffend die Fähre Linz / Rhein (9 Seiten) A60 StAL 4 Nr.17 Rheinwerft (2 Seiten)


Quelle B: W. Langes ( www.fjordfaehren.de ):

Webseite über Wagenfähren (Autofähren) damals und heute und umfangreiches Privatarchiv

Quelle C: Traditionsverein Kripp (Horst Krebs und Willy Weis):

C1 Webseiten: www.mein-kripp.de / www.ons-kripp.de / www.geschichte-kripp.de und umfangreiches Privatarchiv

C2 Chronik von Kripp, Herausgeber Traditionsverein Kripp, verantwortlich: Dr. Peter Ockenfels

C3 Zeitungsbericht: „Kripp: Tödlicher Irrtum! von W. Weis und H. Funk
Quelle D: Bücher D1 Anton und Anita Rings: „Linz ein Stadtbild im Wandel“

D2 „1100 Jahre Linz am Rhein 874 – 1974“ Kapitel 5. Verkehr, Post und Nachrichtenübermittlung (Seite 317 - 319)

D3 „Aus der Geschichte der Rheinfähre Linz – Kripp“ von Josef Siebertz veröffentlicht 1974 im Festbuch zur 1100 Jahrfeier von Linz.

D4 1100 Jahre Langst-Kierst und Ilverich, „Die Rheinfähre Langst –Kaiserswerth“ von Franz-Josef Radmacher

D5 „Seit 550 Jahren ist die Rheinfähre Brücke zwischen Westerwald und Eifel“ Artikel im Heimatjahrbuch des Kreis Ahrweiler von Hermann Josef Fuchs von 1995

Quelle E: Sonstige Quellen E1 Stammtafel Heinrich Lurtz (Eigene Recherchen und Auskünfte von Herrn Lurz, Ockenfels)

E2 Rechercheergebnisse Fähren Rolandseck

E3 Rechercheergebnisse Personenfähren / Motorboote Nonnenwerth

E4 Rechercheergebnisse Fähren aus Kaiserswerth – Langst-Kierst

E5 Stadtarchiv Remagen: Rede von Stadtbaurat i.R. Walter Fuchs: "Entwicklung der Rheinfähre Linz-Kripp" gehalten zur Einweihung der Querseilfähre am 7. Juli 1948 im Lokal "Zur Fähre" in Kripp

Kurzchronik der Fährgesellschaft
(Excel-File von der Fährgesellschaft selber)

03.11.1834 1. Gierponte 1893 neue eiserne Gierponte durch die Pächterin Wwe. Christian Lurz 1920 Gründung einer GmbH mit 14.000,- DM, Beteiligung durch die Städte Linz und Remagen 1937 erste freifahrende Fähre 09.02.1945 Zerstörung der Fähre durch Bombenvolltreffer 07.07.1948 Beschaffung einer kleineren Fähre 1949 Beschaffung der Fähre "St. Martin", verkauft 09.06.1971 1953 Beschaffung der Fähre "Finte", verkauft 1960 nach Langst 30.06.1960 neue Fähre "St. Johannes", Erbauer - Hilgers-Werft, Rheinbrohl 08.05.1971 neue Fähre "Stadt Linz", Erbauer - Schiffswerft Oberwinter 03.10.1973 Beschaffung - Fährboot "Nixe", (verpachtet für die Verbindung Remagen - Erpel ), Erbauer - Schiffswerft Oberkassel 26.02.1983 neues Fährboot "St. Apollinaris", Erbauer - Schiffswerft Oberwinter 14.10.1987 neue Fähre "Linz-Remagen" (später St. Johannes), Erbauer – Schiffswerft Germersheim 10.03.1990 Verkauf Fähre "St. Johannes" (gebaut: 1960) nach Tansania 30.06.1997 Fähre "St. Johannes" ex "Stadt Linz" verkauft an die Fähren Bremen - Stedingen 15.07.1997 neue Fähre "Linz-Remagen" Erbauer - Meidericher Schiffswerft, Duisburg 16.03.1998 Verkauf der Fähre "St. Apollinaris" an Bernd Steußloff, Kröpelin 31.08.1998 neues Arbeitsschiff "St. Martin" 01.06.2006 neue Fähre "Nixe", (Betreibung zwischen Remagen und Erpel in Eigenregie) Erbauer - Stahlbau Müller, Spessart

Schwedenschanze Kripp 1632

von Willy Weis & Hildegard Funk


Schwedische Militäraktionen während des „ Dreißigjährigen Krieges“ im hiesigen Bereich.

Seinen eigentlichen Anfang nahm der „Dreißigjährige Krieg“ (1618-1648) durch die Erhebung der böhmischen Stände gegen die Herrscher der Habsburger mit dem legendären „Prager Fenstersturz“, der als Signal zum Widerstand gegen die Rekatholisierung am 23.5.1618 überregional entbrannte und sich durch die Einmischung außerdeutschen Staaten um die Hegemonie zwischen den Mächten Europas zum europäischen Krieg entfachte. Die militärischen Auswirkungen dieses Religionskrieges der hinter den Glaubensgegensätzen verborgener Machtinteressen der „Katholischen Liga“ und der „Protestantischen Union“, die die kirchliche Einheit des Heiligen Römischen Reiches spaltete, erreichten die Rheinlande um 1632.

So geriet unser Gebiet in die Wirrnisse eines wütenden nicht endenden Glaubenskrieges mit der Einnahme der gegenüberliegenden Stadt Linz am 30.10.1632 durch die Soldatesken des verwegenen Schwedengenerals Wolff Henrich Baudissin, der nach herkömmlicher unbekümmerter und brutaler Landsknechtsart die Protestantische Union vertrat. Mit dieser Eroberung und dortiger Verlegung seines Hauptquartiers schaffte er von Linz aus einen Ausgangspunkt für seine geplanten linksrheinischen Eroberungszüge zur Versorgnung seiner Truppen. Zur Sicherung der dortigen Rheinüberfahrt ließ Baudissin auf dem heutigen Kripper Gebiet im Fährbereich, wo sich ehemals im Burgundischen Krieg 1475 das Bollwerk befand, eine starke Schanze errichten, um von hier aus mit Feuer und Schwert brandschatzend und plündernd das Ahrtal heimzusuchen und in die linksrheinischen rheinanliegenden Orte einzufallen, die Feldmarschall Pappenheim durch Abzug seiner Truppen für den Beistand Wallensteins in der Schlacht bei Lützen dem schwedischen Feind schutzlos preisgegeben hatte.

Eine geplante Zerstörung dieser hier vorhandenen Schwedenschanze durch eine Abteilung von annähernd 300 „Kurfürstlich cölnischer“ Soldaten konnte vereitelt werden. „Damit nun die Schanze gegen etwaige erneute Angriffe auch stark genug wäre, ließ Baudissin dieselbe nicht allein bedeutend verstärken, sondern belagerte auch mit 6 Geschütze Andernach, welches nach kurzer Gegenwehr in der Nacht vom 16. zum 17. November erlag. Alles was mit Waffen in der Hand angetroffen wurde, wurde niedergehauen, die Stadt den Soldaten preisgegeben undausgeplündert“. 1)

Obwohl der für unser Gebiet herrschende Herzog Wolfgang Wilhelm zur Schonung seiner Untertanen strengste wehrlose Neutralität dokumentierte, konnte er einen Einfall schwedischer Truppen in sein Territorium nicht verhindern.
Entgegen der schriftlichen Schutzgewährung Baudissins, der als Generalleutnant des kurz vorher bei der Schlacht von Tilsit gefallenen Schwedenkönigs Gustav Adolf II. und Kommandant der niederrheinischen Kreisarmee die Ämter Remagen, Sinzig, Oberwinter mit samt den dazugehörenden Dörfern durch die„Salveguardia" (Schutzbrief) schriftlichen Schutz garantierte, kam es jedoch durch seine marodierende Truppenabteilungen anders wie Archivunterlagen belegen.

Des durchlauchtigsten Grossmechtigsten Fürsten und Herren, Herren Gustavi Adolphi, der Schweden, Gotthen vnd Wenden König, Grossfürsten in Finland, Hertzogen zu Ehsten vnd Carelen, Herrn vber Ingermannland, bestellter General: Lientenant vber dero Kön. May.Cavallrie vnd Commandant bey dero Niederrheinischen Craises Armée, Ich Wolff Henrich von Baudissin fuge hiemit zu wissen vndt thue kundt gegen meniglich, dass Ich die Embter Sintzig, Remagen vnd Oberwinteren sampt deroselbigen angehörigen Doerfferen vnd allen Adpertinentien, in sonderbahre Ihrer Kön.May. zu Schweden, meines gnedigsten Herren, Schutz vnd Protection genohmen vnd daruber diese schrifftliche Salveguardie ertheilt habe. Glangt hierauff an Alle vnd Jede der Königlichen Schwedischen Armée hohe vnd niedere Officirer, wie auch insgemein alle Soldaten zu Ross vnd Fuess, mein ernster scharffer Befelch, dass sie obermeldte Embter Sintzig, Remagen vund Oberwinteren sampt allen angehörigen Doerfferen vnd allen andern Adpertinentien vnd Zugehorungen an Menschen Viehe vnd Gütteren, beweglich vnd vnbeweglichen, wie die seyn vnd Namen haben mögen, nichts davon ausgenommen, frey vnd unmoglestirt, vund mit eigenwilligen Einquartierungen, Geldexactionen, Plünderung Viehraubung vnd dergleichen, allerdings vnbeschwerdt vnd verschont bleiben lassen, vnd diese Salveguardie gepürlich respectiren, auch deroselben Copeyen in obspecificirten Embtern, gleich dem Original selbsten achten vnd halten wollen, hieran vollbringen sie meinen ernstlichen schrffen Befelch, bey vnauspleiblicher hoher Straff, warnacher sich ein Jeder zu richtn vnd für Schaden zu hueten wissen wird.Signatum Lintz, den 4./14. Novembris aô 1632. W.Baudissin“ 2)

Das Bild unten gibt Auskunft: Die angelegte Schwedenschanze auf unserem Territorium (Rekonstruktionszeichnung des Verfassers nach Vorlage eines Flugblattausschnittes, Kupferstich 31 x 39 cm anno 1633. Inventar Nr: 13815, LA für Denkmalpflege Rhld.-Pfalz) 

Ein Intermezzo von kurzer Dauer, da es einen Monat danach unter blutigsten Umständen wieder in die Hände der Schweden gelangte, wobei 106 Häuser und der Kirchturm in Brand gerieten und die Spanier nierdergemacht wurden. 3).
Oder 1642, als Remagen von Hessisch- Weimarischen eingenommen wurde, wogegen Melander,der neuankommende kurcölnische General, im Dezember 1645 das Städtchen,worin Neuburgische Besatzung sich befand, petardiren ließ und seine Soldaten 300 einlegte". 4)

Nach dem Ende des 30jährigen Krieges durch den Westfälischen Frieden (1648) wurde in Kripp zur Erinnerung an diese Schwedenschanze die ehemalige Flurbezeichnung „Am Bollwerk“ aus der Zeit des Burgundischen Krieges 1475 durch die neue Flurbezeichnung „Auf der Schanz“ (vnder der Schanzen 1670, an der Schanzen 1781) abgelöst. 5) Heute erinnert die Straßenbezeichnung „Auf der Schanze“ an den Bereich des einstigen wehrhaften militärischen Bauwerkes.


Alte Wegkreuze in Kripp – Balthasar Kreuz

von Willy Weis & Hildegard Funk


Untersuchungen unbekannter Zusammenhänge zur Errichtung von Kreuzen mit Ereignissen der Ortsgeschichte.

Als mannigfache Zeugen kulturgeschichtlicher Vergangenheit zählen außer den Kapellen und Kirchen u.a. auch Gedenkkreuze, Bilderstöcke und Heiligenhäuschen als altehrwürdige frömmigkeitsbezeigende Denkmäler.
Als sichtbare Kulturdenkmäler stellen sie als stumme Zeugen den Ausdruck des religiösen Lebens und Verbundenheit der Ortsgeschichte dar. Regional bedingt wurden sie im Rheinland wegen des hier geherrschten Vulkanismusses aus Witterung resistentem heimischen Steinmaterial Trachyt, Andensit oder Basaltlava hergestellt. Diese, teils steinernen Gottseligkeiten, entstanden vermutlich aus dem Bedürfnis, ein kultisches Abwehr- und Schutzdenkmal zu errichten. Sei es zur Abwehr von Unwetter, als Denkmal eines Unfalles oder wie bei Votivkreuzen die Einhaltung eines in Not getanes löbliches Versprechens.
Votivkreuze (votum : Gelübde) sind Kreuze mit Benennung der Stifter und wurden von diesen meist selbst in Auftrag gegeben. Stets steht hinter ihrer Errichtung ein Versprechen, sei es aus Situationen einer Lebensgefahr, unverhoffter Gesundung oder Dankbarkeit. 

In Kripp stehen sie in ländlicher Idylle, wie das Hagelkreuz dominant inmitten weiter Feldflur, oder wie unter anderem das Balthasarkreuz an Wegkreuzungen oder-gabelungen. Vier von diesen alten Kreuzen stehen auch heute noch an ihren ursprünglichen Standorten.

Davon dürften die zwei ältesten steinernen Hochkreuze in der Feldflur als Wetterkreuze und Segensaltar gedient haben, um die Flure durch gemeinschaftlich geführte Bitt-und Flurprozessionen am 25. April (St. Markustag) sowie an 3 aufeinanderfolgenden Tagen vor "Christi Himmelfahrt" (40 Tage nach Ostern) vor Unwetter und Hagel zu schützen. Diese Flurprozessionen dienten dem Glauben nach dem Zweck, um Gott für Gedeih und Verderb von Feldfrüchte und Vieh gnädig zu stimmen. Dabei war es naheliegend, dass der Leib Christi in Form einer in der Monstranz befindlichen Hostie bei den Bittgängen zu den Segensaltären mitgeführt wurde, um sinngemäß als Amulett dienend, den Verderb und das Böse abzuwehren.

Zur Aufnahme der Monstranz dienten die vorhandenen Kreuznischen während der Segen über die Feldflur und das Saatgut erteiltwurde. Anhanddieser noch Prozessionen haben die Wege-und Prozessionskreuze heute leider ausgedient.

Während der französischen Zeit (1794-1814) waren im Zuge der Sekularisierung die Errichtiung von Wegekreuzen verboten. Unter Pastor Kern (1951-1968) wurden die Feldprozessionen zuerst in verkürzter Form abgehalten und später gegen den Willen der Kripper Gläubigen gänzlich eingestellt.
Diese Denkmäler und Kleinode, die sich im Kreisgebiet über Generationen hinweg als Andachtsstätte oder Stätte der Besinnung arn Wegesrand behaupten konnten, wurden 1995 von der Kreisverwaltung aus denkmalpflegerischen Gründen mittels einer "Schnellerfassungsliste" erfasst und katalogisiert. Dabei wurden die Kripper Kreuze und die Hochwassernotkapelle nicht aufgeführt. Die Gründesind uns unbekannt geblieben.

Eine systematische Dokumentation zur Aufarbeitung der Ortsgeschichte gab uns 1993 die Inspiration zu einer internen Bestandsaufnahme der Wegekreuze von Kripp. Die Kreuze und ein kleiner Hausaltar sind in Kripp noch erhalten und werden hier in der Kripper Schriftenreihe beschrieben. 

Das Balthasar Kreuz

Das alte steinerne Hochkreuz steht als zweitältestes und zweitgrößte Kreuz in Flur 5 direkt am Baumstamm einer mächtigen Linde von annähernd 18 Meter Kronendurchmesser an der Weggabelung des verlängerten Sandweges zur Mittelstraße, unmittelbar an der Bereichsgrenze der Feldfluren von Remagen und Kripp. Dieses Hochkreuz steht auch heute noch 1,545 km von der Kripper Pfarrkirche entfernt an seinem ursprünglichen Standort. Es symbolisierte seit eh und je optisch die Ortsgrenze zu Remagen und ab 1910 nach Erhebung Kripp zur Kapellengemeinde nachweislich, wie in Punkt 6 nachfolgender Urkundenabschrift zu ersehen ist, die nördlichste Bereichsgrenze der neuen Kripper Kirchengemeinde.


Abschrift der Urkunde über die Errichtung der Kapellengemeinde Kripp. Pfarrei Remagen Kreis Ahrweiler. (KPA Kripp, Kopie Slg. Weis/ Funk):


Nach Anhörung und Zustimmung der zur Sache Berechtigten und an ihr Beteiligten wird hierdurch festgesetzt und verordnet wie folgt:
Unter Punkt 1. Die Filiale Kripp, Pfarrei Remagen, wird zu einer selbstständigen Kapellengemeinde mit besonderer Unterhaltung und Vermögensverwaltung erhoben

Unter Punkt 6. Als Grenze zwischen der Pfarrgemeinde Remagen und der Kapellengemeinde Kripp soll gelten der Weg welcher vom ,,Balthasarkreuz" in gerader Linie fast senkrecht zum Rhein führt, ferner der vom Balthasarkreuz führende ,,Zaunweg" (heute Mittelstr..) bis zu dem zweiten vom Zaunweg nach rechts im rechten Winkel abgehenden Feldwege, weiter diesem Feldweg bis zur "alten Straße" (heute Römerstraße), und endlich über die alte Straße der dem letztgenannten Feldwege fast gegenüberliegenden, in derselben Richtung führende Feldweg bis über die Geleise der Eisenbahn Cöln-Bingerbrück an die Grenze der Sinziger Gemeinde.

Die gegenwärtige Verwendung wird in der Pfarrkirche zu Remagen und in der Kapelle zu Kripp am 30. September 1910 verkündigt und gilt damit als voll= zogen.

Trier, den 29. August 1910
Der Bischof von Trier.
gez.
+ M. Felix (mit bischöflichem Prägestempel Michael Felix Episcopus Treviren)

Auf der gegenüberliegenden Urkundenseite die Bestätigung unter IIa 2894 der kgl. Reg.zu Coblenz

,,Die nach der vorstehenden Urkunde vom 29. d Mts. von dem Bischof von Trier kirchlicherseits ausgesprochene Errichtung und Umschreibung der katholischen Kapellengemeinde Kripp wird auf Grund der von dem Minister der geistlichen Angelegenheiten mittels Erlasses vom 18. Juli d Jhr -G II 4740- uns erteilten Ermächtigung hierdurch von Staatswegen bestätigt und in Vollzug gesetzt.

Coblenz, dem 26. September 1910
(Randstempel der Königl. Regierung Koblenz)
Königliche Regierung
Abteilung fir Kirchen- und Schulwesen
gez. Flurschüa o.ä"

Nach dem späten Mittelalter präsentierte man bei den Feldprozessionen den Leib Christi in Form einerHostie mittels einer Monstranz, die in der dortigenRundnische Aufnahme fand.


Das 2,87 m hohe Gliederkreuz mit tiefer Halbrundnische im Mittelteil gründet sich auf einem oberhalb dem Erdreich 18 crn herausragenden quadratischen Sockel von 52 cm. 
Auf diesen ruht ein quadratischer Steinquader von 33 cm und 60 cm Höhe, auf der sich eine 5 cm dicke gewulstete Steinplatte von 40 cm Breite befindet, die zur Vorderseite hin halbrund mittig um 5 cm vorsteht und optisch durch ein darunter befindliches steinemes Blatt gestützt wird. Ein über dieser Platte befindlicher zweiter und dritter Steinblock gleichem Außenmaßes verjüngt sich ab 80 cm profilierend um weitere 10 cm nach oben auf 20 cm im Quadrat. In diesen Blöcken befindet sich eine Halbrundnische von 26 cm Breite und 63 cm Höhe, die im oberen Abschluss als 5 strahlige Muschel ausgebildet ist. Diese Nische diente zur Aufnahme der Monstranz. Durch diese Gegebenheit ist dieses Kreuz als Prozessionskreuz (Segenskreuz) einzustufen. Oberhalb des Muschelabschlusses befindet sich die Jahreszahl 1711 der Erstellung. Der Abschluss oberhalb des quadratisch profilierten Steinkörpers bildet ein aufstehendes 10 cm schlankes Steinbalkenkreuz von 93 cm Höhe und 73 cm Breite. Auf der Vorderseite des Unterteils ist in fünf Zeilen noch gut lesbar der Namen der Stifter eingemeißelt.

 BALTHA
SAR.VAS
BENDER
EVA.SCHV
LERS.

Zur Geschichte des Balthasar Kreuzes

1711 wurde dieses Hochkreuz von den Eheleuten Balthasar Vasbender (1722 Schöffenbürgermeister zu Remagen, + 7.9.1723), und der 1699 vermählten Eva Schuellers gestiftet. (gestorben 8.7.1751)

Beide ließen es 1711 an der südlichen Bereichsgrenze zu Kripp am Mittelwege errichten. Der Grund der Stiftung blieb bisher unbekannt.

Überwiegend wurden die von den Pfarrern eingesegnete Steinkreuze jedoch nicht von der Kirche errichtet. Die Stifter waren überwiegend Privatleute, die meist religiöse Hintergründe hatten.

Diese Annahme ist aus einem Ratsprotokoll und einem Schreiben des Remagener Pfarrers von 1863 über den Einsturz dieses Hochkreuzes ohne jegliche fremde Gewalteinwirkung infolge des ruinösen Zustandes zu entnehmen. (LHAKo 635/370)


Der Korrespondenz zu Folge bittet der Remagener Bürgermeister Beinhauer den amtierenden Pfarrer zwecks Herbeiführung des Eigentumsverhältnisses des Kreuzes Stellung zu nehmen, der dies mit Antwortschreiben wie folgt klärt (Abschrift)


,,Sehr geehrter Herr Bürgermeister !

Auf lhr gefälliges Schreiben in Betreff des sogenannten Balthasarkreuzes (...?.) habe ich noch zu erwiedern, daß daselbe von einem Privatmann, Balthasar Faßbender, errichtet, und zuletzt von dem verstorbenen Michel Joseph Schäfer restauriert worden ist. Wenn nun jetzt kein Wohltäter sich findet, welche daselbe auf seine Kosten wiederherstellt, so wäre es ratsam, daß die Gemeinde dieses thäte. Von meiner Seite ist keine Betheiligung nothwendig.


Freundschaftlichst zurück


Ihr ergebenster
Remagen, 10 März 1863

Knoeppel, Pfr." (LHAKo 635/370, Kopie Slg. Weis/Funk)

Unter dem Tagesordnungspunkt VIII der Stadtverordnetenversammlung vom 12. März 1863 ist unter dem Betreff:

,,Die Wiedererrichtung des zusammengestürzten massiven Kreuzes des sogenannten Balthasarkreuzes am Wege von Remagen zur Kripp" folgendes zu veranlassen.

92
Nach Verlesung des von dem Herrn Pfarrer Knöppel dahier erhobenen Auskunftsschreiben vom 10 d-M. bezüglich der Gründung und Eigentumsverhältnissen des zusammengestürzten Kreuzes und da es nicht bekannt und nicht anzunehmen ist, daß der Zusammensturz des Kreuzes durch fremdelnde Hand und Gewalt verursacht worden ist, wird dem Bürgermeister anheim gegeben, die Wiederaufrichtung des Kreuzes sofort auf Rechnung der Gemeinde zu bewerkstelligen.

v.g.u. Eingetragen in das Protokollbuch der Stadtverordneten den 16. März 1863. gez. Beinhauer Bürgermeister "

(Quelle= LHAKo 635/370- Abschrift)


1939, annähernd 75 Jahre später während der Naziherrschaft, ist einem empörenden Zeitungsbericht zuentnehmen, dass dieses Kreuz mutwillig einer Zerstörung zum Opfer fiel. ".....ehrwürdige alte Kreuz derart zerstört, daß nur noch der Sockel standhielt. Das Kreuz ist in mehreren Teilen zerbrochen. Man kann sich denken, daß nur niedrigste Gesinnung und fanatischer Haß jemand verleiten kann, an solchen frommenZeichen christlicher Glaubensliebe sich zu vergreifen..." (Quelle= ZA: Rhein-und Ahr Zeitung v. 5.3.1939- Abschrift)
Über den Wiederaufbau ist uns derzeit nichts bekannt. Eine Restaurierung dürfte jedoch unmittelbar danach erfolgt sein, denn nach Angaben von Zeitzeugen hätte dieses Kreuz die unmittelbare Nachkriegszeit trotz geballter Menschenmassen infolge des dortigen Kriegsgefangenenlagers respektvoll behütet ohne Schaden überstanden.

Vermutlich dürfte es wohl damals als einziger Anhaltspunkt geholfen haben, Lebensmut und Kraft zum Überleben in der damaligen Not zu spenden.
Im Laufe der Nachkriegsjahre nagten schädliche Umwelteinflüsse an der Natursteinsubstanz des Kreuzes, so dass nach 1980 eine Kommission für dieses Bauwerk eine Denkmalwürdigkeit feststellte und die Restaurierungskosten mit 6.000 DM bezifferte, wovon der Kreis und das Land jeweils 1.700 DM bereit stellte. Im Januar 1985 wurde das Kreuz in einer nächtlichen Aktion von Unbekannten schwer beschädigt.

Das durch den Restaurator Gehring vor Ort fachlich zerlegte Kreuz wurde nach Andernach verfrachtet, wo es in mühevoller und zeitraubender Arbeit restauriert wurde. Unzählige kleine Natursteinpartikel sowie kleine Löcher und Risse mussten mit "Mineros", einem Material das den Stein verbindet und gleichzeitig etwa dessen Farbe annimmt, zusammengesetzt und geschlossen werden. Zwei Jahre nach Beginn der Zerlegung fand das Kreuz nunmehr im neuen Glanz zur Freude der Kripper wieder Aufnahme an seinem Stammplatz.

Die Flur, auf dem das Kreuz steht, erhielt die Bezeichnung "Am Balthasarkreuz". Das im Volksmund nach dem Vornamen des Spenders genannte Balthasarkreuz verdrängte mit der Zeit die dortige alte Flurbezeichnung "Am Herskaul", so daß bei Errichtung des neuen Katasters der neue Flurname "Am Balthasarkreuz" aufgeführt wurde.


Zur Familie der Stifter:


Es ist zu berichten das der Stifter Balthasar Vassbänder das erste Kind der Eheleute (Heirat vor 1680) WemerVassbänder von Oberwinter (+29.11.1708 in Remagen) und Anna Gertrud Roland von Niederbachem (+23.10.1723) war, die zwischen 1682 und 1693 nach Remagen verzogen. Werner Vassbänder ist der Stammvater der in Remagen weit verzweigten Familie Faßbender. 1698Ratsmandat, 1699 Ratsbürgermeister. (Langen, S.22) und ab 1700 als Schrötermeister bekannt. (Nr. <961>,S.195 Familienbuch)


Der Stifter Balthasar Vassbänder vermählte sich vor 1700 mit Eva Schüller, gt.(genannt) Vassbänder, (+8.7.1751). Sie betrieben in Remagen erfolgreich den Gasthof ,,Zur Treppe". Dieser Nachweis ergibt sich aus Eintragungen im Remagener Familienbuch mit verschiedenen Vermerken: wie ,, Wirtin Zur Treppe",bzw. ,,Gastgeber Auff der Trappen". (Nr.: 462>, S.195 Familienbuch)
,,Fassbänder, Vassbender Balthasar, Gastwirt,(,,Gastgeber auff der Trappen", Schöffe und Bürgermeister, + 7.9.1723, oo yor 1700 mit Schüller, Eva, + 8.7.1751 Remagen", ,,gt. Vassbender, Wirtin ,,Zur Treppe")." (Nr.: <188,3>, S.37 Familienbuch)


Über die Stifter ist zu berichten, das sie als Wohltäter auffallend viele Patenschaften übernahmen, wie u.a. dem Kirchenbuch zu entnehmen ist, teils als Eheleute, oder einzeln wie bei der Taufe des Anton Merzenich am 23.12.1703, wo Eva Schüller, genannt Vassbänder,,Wirtin zur Treppe" mit einem Anton Korff, Halfmann b. Gudenaw (Godenhaus) als Paten aufgeführt sind. <Nr.188.3> S.37 Familienbuch)


Beide Familiennamen erscheinen unter anderem auch am 7.11.1727 bei der Taufe eines Heinrich Breuer, Sohn des Kripper Eheleute Heinrich Breuer und Christina Gerardt im Remagener Kirchenbuch als Paten.
(Eintrag: P= Heinrich Vasbänder (Bruder des Stifters) und eine Eva Schüller <492.3>, S.102, Familienbuch)

In den Amtslisten von Remagen ist der Stifter 1703 als Ratsbürgermeister, 1714 und 1722 als Schöffenbürgermeister aufgeführt. (Langen, S. 23-25)


Handriss des Verfassers vor Ort 21.2.1994

Quellen:
1) LHKo 635/ 370 , Wiederaufrichtung des Balthasarkreuzes zwischen Remagen und Kripp
2) Langen= Amtslisten von Remagen von Wilhelm J. Langen, Renagen 1925
3) Familienbuch = Familienbuch der katholischen Pfarrei Sankt Peter und Paul Remagen 1649-1899, von Dr. G. Hentschel, Sinzig. - Bad Bodendorf 2007,
(in dem Zeichen < > befindlichen Zahlen zeigen die jeweilige lfd. Nummerierungen an.)
4) KPA Kripp=Kath. Pfarrarchiv St. Nepomuk Kripp