Kripper Hagelkreuz

Bericht von Horst Krebs 2008

Das Kripper Hagelkreuz wurde 1693 errichtet und ist damit das erste Bauwerk von Kripp. Es steht heute unter Denkmalschutz.

Das erste Wohnhaus wurde 1705 in Kripp erbaut. Das Steinkreuz steht zwischen Römerstraße und Mittelstraße in Richtung Remagen auf freiem Feld. Es handelt sich hier um ein barockes Gliederkreuz, welches durch verschiedene Bauteile unterteilt ist. Durch die Höhe des Kreuzes musste das Bauwerk aus einzelnen Werkstücken zusammengelegt werden. Die Werksteine sind mit geschmiedeten Eisenklammern verbunden.

                         
                                                                                                                                                                                Foto: H.Sander

Die Basis des Steinkreuzes ist zweistufig, wobei die obere Stufe profiliert ist. Der Sockel ist hochrechteckig und von einer Randleiste eingerahmt. Über dem Sockel die profilierte , nach vorne auskragende Zwischenplatte. Hochrechteckiger Mittelteil mit Kielbogennische, darüber Inschrift von einem Steinprofil begrenzt. Darüber Anno 1693, das Datum des Steinkreuzes.
Auf der leicht konkaven Abdeckhaube der Kreuzfuß mit konischem Abschluss.
Dann das Kreuz mit der Darstellung der fünf Wunden. Sie sind flach reliefiert und aus dem Steinblock des Kreuzes gehauen. Dargestellt sind die beiden ausgebreiteten Hände, die nicht überkreuzten Füße, das Herz und darüber die Dornenkrone. An der Spitze des Kreuzes die Aufschrift "INRI".
Die Kreuzbalken sind extrem kurz, sie enden rund mit dreifachen Nasen. Diese Form der Kreuzbalken sind im Rheinland sehr selten.

                       

Die Buchstabenfolge HJM und AGB deuten auf den Namen der Stifter hin. Das Zeichen im hochrechteckigen Sockel muss noch untersucht werden. Die ältesten Kreuze aus dem 17.Jahrhundert, sind aus dem Drachenfelser Trachyt gearbeitet worden. Dieser eignete sich wegen seiner großen Sanedineinschlüsse nicht besonders für feine Profelierungen, da die Einschlüsse leicht ausbrechen. Mitte des 17. Jahrhunderts (1650) kam der Steinbruchbetrieb am Drachenfels zum Erliegen und wurde Anfang des 19. Jahrhunderts wieder aufgenommen. Bei dem oberen Teil des Hagelkreuzes, dem eigentlichen Kreuz, wurde bestätigt, dass dieser Teil aus Trachyt gemeißelt wurde.

Das Wappen mit dem Zirkel stellt beim Kripper Hagelkreuz ein Steinmetzzeichen dar.
Im 16./17. Jahrhundert wurden die Steinmetzzeichen durch eine Rahmung mit einem Wappenschild, in expornierter Lage am Projekt hervorgerufen.

Die Steinmetzzeichen gehören ebenso wie die Meisterpunze, zu den Zeichen mit denen die Handwerker ein Objekt als ihr Werk kennzeichneten.

Um sich als Werkmeister am Bauwerk abzugrenzen, beziehungsweise deutlich hervorzuheben, hat sich dieser mitunter durch eine bildliche Darstellung verewigt. Diese plastischen Darstellungen wurden mit den typischen Werkzeugen als Attribute in den Händen, wie Knüpfel, Eisen, Winkel und Zirkel ausgestattet .

                                

                                   konkave Abdeckhaube, Kreuz mit eingearbeiteten 5 Wunden Cristi, Aufschrift "INRI"

Das Kripper Hagelkreuz ist in seiner ersten Motivation als Pilgerkreuz einzustufen. Es kann anfangs nicht zu den Bittkreuzen der 7 Kniefälle gehört haben, da Kripp noch nicht entstanden war. Der ganze Bereich bis zum Rhein und bis zur Ahr war freies Feld. Die angrenzenden Gemeinden führten jedes Jahr an den Bitttagen vor Christi Himmelfahrt auf den Feldern eine Flurprozession durch, um für eine gute Ernte zu beten. Hierzu wurden an den Gemarkungsgrenzen der Felder Steinkreuze oder Bildstöcke mit einer Nische von privaten Stiftern errichtet. Bei den Prozessionen wurde die Monstranz in der Nische aufgestellt, während der Segen über die Felder und das Saatgut erteilt wurde.
Dieser Brauch fand mit dem ausgehenden 17.Jahrhundert sein Ende, als der Papst die theophonische Formen der Feldbegehung untersagte.
In der weiteren Folge ist nicht erwiesen, ob das Kripper Hagelkreuz eine Funktion bei den Karfreitags - oder bei den Fronleichnamsprozessionen innehatte. Es ist aber erwiesen, dass die Flurkreuze mit Nische, zur Aufnahme der Monstranz, als Altar genutzt wurden.
Später, nach der Erstehung des Ortes Kripp, wurde das Hagelkreuz integriert in den Bittweg der Sieben Kniefälle. Die Bezeichnung "Kniefälle" rührt daher, dass sich die Gläubigen vor dem Kreuz mit beiden Knien gleichzeitig zur Erde fallen ließen. Die Sieben Kniefälle wurden am Palmsonntag durchgeführt. Am Nachmittag des Palmsonntag fand diese Bittprozession statt und sollte eine Nachahmung des römischen Brauchtums sein, zu den Sieben Hauptkirchen Roms zu wallfahrten.
Zu dieser Zeit, 18.Jahrhundert, begann man in Kripp sieben Wegkreuze aufzubauen, um analog zur Römerfahrt eine Prozession durchzuführen. Zu diesen Kreuzen gehörte das Hagelkreuz nicht.

Die Hagelkreuze sind die ältesten Feldkreuze und tauchen schon sehr früh, im 8. Jahrhundert, auf. Sie sollten die Früchte des Feldes vor Sturm und Hagel bewahren. Hier fanden auch so genannte Hagelfeiern statt. Die Gemeinde zog in einer Prozession zum Hagelkreuz und legte Spenden unter das Kreuz. Kirchlicherseits wurde in der preußischen Zeit die Hagelfeier auf den Mittwoch in der vierten Woche nach Ostern festgelegt. Die "Sieben Kniefälle", die die Leiden Jesu darstellen, kamen um 1700 auf.
            
                                  Wer kann Angaben machen über das senkrechte Zeichen im hochrechteckigen Sockel?

                                                   

Wie knapp das Kripper Hagelkreuz dem Bombenangriff vom 30.Januar 1945 entkommen ist, sieht man auf der Luftaufnahme unten:

                                                   

In einem Artikel über die vier lehrreichen Remagener Flurnamen schrieb Wilhelm Langen:

„Am Hagelkreuz" bezeichnet einen Distrikt in Flur 32 in der Nähe von Kripp.
Das Kreuz, dem der Distrikt seinen Namen verdankt, wurde 1693 errichtet anläßlich „ein in festo St. Johannis entstandenes Ungewitter und dabei sich ereignete ungewöhnliche Wasserflut, die Länderey und Weingarten vollends abgeschwemmt". Aber älter als dieses „Hagelkreuz" sind in Remagen (auch in Sinzig und Ahrweiler) die Hagelfeiern. An Christi Himmelfahrt ging alljährlich eine Prozession durch die Flur, die zur Abwendung des Schadens durch Hagel und Gewitter auch „Hagelfeier" genannt wurde. Die Prozession ging nach 1693 immer bis zum Hagelkreuz.

Im Rheinischen Wörterbuch Band 3, Spalten 86 -81 liest man:

Hagel-kreuz -kryts, krys Rip, Nfrk; holkryts MüEif n.: Kr. am Felde, früher da errichtet, wo einmal ein Feld schwer unter H.schaden gelitten hatte, zum Schutze gegen Hagel u. Unwetter errichtet; am Markustage zieht die Prozession zu ihm hin, um um gedeihliche Witterung zu beten.


                                                                                                                                                                       Bildarchiv Weis

Hier ein interessanter link von Herbert Wagner, der die Hagelprozessionen im Heimatbuch von Hillesheim erläutert. http://www.jahrbuch-daun.de/VT/hjb1974/hjb1974.21.htm