Zeppeline über Kripp  ©

© Bericht von Willy Weis und Hildegard Funk


Zeppelin über Kripp, Postkarte am 21.8.1991 gelaufen, C. Schmitz Verlag Sinzig, Slg.Weis/Funk

Am 2. August 1909 wurde die erste Ankunft eines 136 Meter langen, mit einem Durchmesser von 13 Metern 1) lenkbaren Luftschiffes mit der Typenbezeichnung LZ 5 unter dem Namen „Z II" fahrend von der hiesigen Bevölkerung Volksfest artig mit viel Spannung und Spektakel aufgenommen. Vielerorts hatten Musikkapellen an der Flugroute Aufstellung genommen, um dieses Ereignis mit Glockenläuten und Böllerschüssen entsprechend zu feiern.

Die "Z II", mit ihrem Eigengewicht von 13 Tonnen und einer Nutzlast von 4,7 t 2) wurde am 31. Juli 1909 vom Bodensee nach Frankfurt gefahren, um auf der damaligen ILA (Internationalen Luftfahrtausstellung) nochmals gezeigt zu werden. 3) Der Flug zu dem neuen Standort Köln erfolgte am 2. August durch den Erfinder, den ehemaligen Kavalleriegeneral Ferdinand Graf von Zeppelin (8.7.1838- 8.3.1917) 4) selbst und führte rheinabwärts über Bingen, Koblenz und Weißenthurm.

                                                                      
Graf Zeppelin

Von hier aus kämpfte sich der aus 17 Traggaszellen mit einem Gesamtvolumen von 15.100 Kubikmetern Wasserstoff gefüllte 5) Zeppelin bei äußerst schlechtem Wetter bis zur Erpeler Ley durch, wo er jedoch machtlos gegen die Eishagelschauern und Sturmböen bis nach Andernach abgetrieben wurde. Wegen seiner maximalen Höchstgeschwindigkeit von 49 km/h konnte er gegen die widrigen Winde bis zu maximal 20 Sekundenmetern ( = 72 km/h) nicht mehr anfahren. 6) Daraufhin drehte er zum Ausgangspunkt Frankfurt ab.7) Weit über eine Stunde hatte der Kampf über der Sinziger und Remagener Flur um sein Vorankommen gedauert. Graf Zeppelins Kühnheit hätte ihm beinahe das Leben gekostet. Zeitzeugen in Kripp erkannten deutlich das Hin- und Herschlagen der umspannten aus Baumwollstoff leicht verletzbaren Außenhülle über dem Dural-Aluminium-Gerippe, das jederzeit zu zerreißen drohte.8) Nur haarscharf entging der Luftriese einer Katastrophe, als er durch die Unbill der Naturgewalten bis annähernd 20 Meter an die schroffe Felswand der Erpeler Ley gedrückt wurde.9)

Zeppelin über der goldenen Meile zwischen Remagen und Kripp nach dem I. Weltkrieg. Slg. Weis/Funk Repro

Die Kripper staunten nicht schlecht, als sie erstmals die gigantischen Ausmaße eines Luftschiffes sahen, und Jubel entbrannte ringsum bei den auf den Bergkuppen mit Tüchern winkenden angesammelten Menschen, als sie den Luftriesen in Zigarrenform mit dem Surren der motorschwirrenden Propellergeräusche wahrnahmen.10)
Anschaulich beschrieben wird dieses Szenario vor der Erpeler Ley von einem Reporter auf dem Victoriaberg in Remagen: " Der Kampf des Luftschiffes gegen die von Nordwesten heranbrausenden Sturmböen, denen man am Steuerruder durch Höhersteigen, Seitwärtsfliegen und wieder Herabsinken zu begegnen suchte" 11), wird als ergreifend schöner Anblick gepriesen. "Der Anblick des vor dem Leyfelsen eineinhalb Stunden gegen die Naturgewalten ankämpfenden Luftriesen, der sich mitunter von der Sonne grell beleuchtet gegen die schwarzen Gewitterwolken abhob, muß faszinierend gewesen sein, zumal die ganze Zeit über dem Siebengebirge hohe Gewitterstürme standen". 12)
Ein erneuter Startversuch in Frankfurt am 3.August scheiterte an einem zerborstenen Propeller. Nach einer Reparatur konnte am 5. August die Fahrt fortgesetzt werden.13) Gegen 07.15 Uhr überfuhr das Luftschiff den Luftraum der Goldenen Meile bei Kripp, blieb aber für die wartende Kripper Bevölkerung wegen starken Nebels unsichtbar. 14)

           
Salon des Zeppelins

Voller Begeisterung vermerkte der Kripper Bürger G. Valentin die Einzelheiten in seinem Tagebuch:
" Am 2 ten August 1909 kam Graf Zeppelin mit seinem Luftschiff von Frankfurt kommend über unseren Ort geflogen. Er wollte nach Köln, mußte aber im Remagener Flur die Weiterfahrt wegen plötzlich eintretenden starken Sturmes (West-Nordwest) aufgeben und fuhr wieder nach Frankfurt zurück. Es war großartig, wie derselbe so langsam gegen den Sturm ankämpfte und wir hatten Zeit genug, denselben in der Fahrt zu beobachten. Auf vielen Bergkuppen hatten sich hunderte Schaulustige schon am Morgen eingefunden, bis er gegen 4 Uhr erst ankam. Er hatte unterwegs viel mit widrigen Winden zu kämpfen. Am 5 ten August kam derselbe morgens 7 Uhr 15 wieder hier vorbei, konnten aber wegen des starken Nebels nichts sehen. Wohl hörten wir das Heulen der Motoren. Er flog mit einer sehr großen Geschwindigkeit, denn viertel nach 8 Uhr war er schon in Köln." 15)



Spontan beschloss der Gemeinderat von Erpel, auf der 191 Meter hohen Erpeler Ley einen Gedenkstein zur Erinnerung an die Sturmfahrt zu errichten. Von dieser Ehre erhielt Graf von Zeppelin am 4. August 1909 telegraphisch Kenntnis. In einem persönlichen Handschreiben vom 13. August 1913 bedankte sich der Graf bei der Ortsgemeinde Erpel für ihre Idee. 16)
Des Ruhmes bewusst, wurde auf dem Plateau der Erpeler Ley 1 Jahr später ein sich heute noch dort befindlicher Gedenkstein zur Erinnerung an die erste Fahrt eines Luftschiffes in diesem Gebiet aufgestellt, die infolge widriger Ereignisse auch hier endete. Die Inschrift des 2,40 Meter hohen und 100 Zentner schweren, oberhalb der ehemaligen Ludendorffbrücke stehenden Monolithen lautet: "Gedenkstein der ersten Fahrt eines lenkbaren Luftschiffes über den Rhein , Sturmfahrt SR. EXL. des Grafen von Zeppelin mit Z II am 2ten August 1909. Gewidmet von der Gemeinde Erpel." 17)

Zwei Wochen später, am 19. August, überfuhr erneut ein Zeppelin, das Luftschiff LZ 6, ein Schwesterschiff des "Z II", das bereits mit stärkeren Motoren ausgerüstet war, das Gebiet der "Goldenen Meile."



Zeppelin über der Erpeler Ley Slg. Weis/Funk (Repro)

In der Folgezeit waren Zeppelin-Luftschiffe keine Seltenheit mehr. Fast wöchentlich beobachtete man die Luftkreuzer in ruhiger Fahrt über dem Rheintal. Die Kripper gewöhnten sich allmählich an den Anblick weiterer Luftschiffe. 18)

Die Entwicklung der Luftschiffe schritt weiter fort. 20 Jahre später, am 3.Oktober 1929, überfuhr das legendäre Luftschiff LZ 127, "GRAF ZEPPELIN", mit 70 Gästen an Bord, gegen 15.00 Uhr den Ortsteil Kripp in Richtung Bonn. Anlässlich des Abzuges der Besatzungskräfte der Franzosen fuhr das Luftschiff "GRAF ZEPPELIN" nochmals in der so genannten "Befreiungsfahrt" am 6. Juli 1930 in Richtung Andernach an Kripp vorbei.
Am 29. März 1936 berührte "GRAF ZEPPELIN"19), bereits bekannt als Veteran der Lüfte, den Kripper Luftraum in Richtung Andernach. Gefolgt wurde er vom größten Luftschiff der Welt, dem gigantischen Luxusdampfer der Lüfte, dem 248 Meter langen und 41 Meter im Durchmesser großen Luftschiff "HINDENBURG", das durch den Antrieb von 4 Dieselmotoren von je 1050 PS 20) eine Geschwindigkeit von maximal 135 km/h erreichen konnte 21) und für die Kripper der Namenszug sowie die Olympischen Ringe in ihren fünf olympischen Farben recht deutlich zu sehen waren. 22)

Hinweis Kriegszeppeline

Während dem Ersten Weltkrieg fanden diese Luftschiffe für Kriegszwecke, wie Aufklärung und Bombenabwürfe, Verwendung. Hierzu wurden die vom Heer und Marine gekauften Luftschiffe für den militärischen Einsatz entsprechend umgerüstet. Zum Schutz dieser Zeppeline wurden in einigen Städten Luftschiffhallen errichtet, wie in der nahe der Westfront liegenden Stadt Düren, wo der Kripper Musketier Lohmer (rechts im Foto) an dieser Halle während seiner Militärzeit die Dachdeckerarbeiten ausführte .


                                                                                                                                                                         Sammlung Weis
Zur Erinnerung an die gefahrvolle Arbeit an der Luftschiffhalle Düren/Rhld.    
Dachdecker Klemm Rolf / Musketier Lohmer aus Kripp 6/61. 9. August 1915



    
2cm Kanone                                 Bombenaufhängungen                                                                              Heck MG Stand

 


Quellen:
1) Zeppelinmuseum Friedrichshafen, schriftl. Auskunft (Dr.Mgh/he/Dokument 3) vom 6.8.1996.
2) ebda.
3) ebda.
4) Theo Felten, "Das werde ich nie vergessen". ZA , Kirchenzeitung des Erzbistums Köln, Nr.30-31 vom 26.7.197
5) wie Fußnote 1
6) ebda.
7) W. Sauerbrei, "Zeppeline über Neuwied und Umgebung" In: Heimatjahrbuch Neuwied 1996
8) Mündliche Angaben der Zeitzeugen Alois Ueberbach, geb.1901 und Michael Schumacher,* 1902
9) Mündliche Auskunft des Heimatchronisten Willi Christmann, Erpel, nach Rücksprache mit einigen
Zeitzeugen.
10) Tagebuch der Fam. Valentin, Kripp 1876-1920, Seite 18-19, desgl. mündl. Angaben wie Fußnote 8
11) wie Fußnote 4
12) ebda.
13) W.Sauerbrei, siehe Fußnote 2
14) ebda, desgl. Valentin, siehe Fußnote 10
15) Valentin, siehe Fußnote10
16) Christmann, siehe Fußnote 9
17) ebda.
18) Sauerbrei, siehe Fußnote 7.
19) ebda.
20) Zeppelinmuseum Friedrichshafen, schriftl. Angaben von Dr.Meighörner v.27.8.96 (Dr.Mgh/he)
21) Zeitungsbericht v. Theo Felten ,siehe Fußnote 4 22) Willy Weis/ Hildegard Funk, Zeppeline über der Goldenen Meile, in: Heimatjahrbuch Kreis Ahrweiler
1998, S. 105 ff.
23) 2 Sammelalben „Zeppelin- Weltfahrten“ einer Zigarettenfirma
24) Spezialgeschirr „Graf Zeppelin“, Geschenk der Porzellanmanufaktur Heinrich & Co. (Foto 96) ???


Literatur:
Heimatjahrbuch des Kreises Neuwied 1996, "Zeppeline über Neuwied und Umgebung", v. Wolfgang Sauerbrei, S.150-154.
Tagebuch der Familie Valentin, Kripp, von 1876-1920, Seite 18- 19, Überarbeitete Ausgabe von Willy Weis , Kripp , 1994
Bonner Rundschau vom 10./.1988, ZA : "Der Querkopf wurde zum Nationalhelden" von Peter Mittenzwei.
Kirchenzeitung d.Erzbistums Köln Nr.30-31 vom 26.7.1974, ZA: "Das werde ich nie vergessen" von Theo Felten.
General-Anzeiger Bonn vom 2.8.1989, ZA: "Wetter zwang Zeppelin zur Umkehr".
Neuwieder Zeitung vom 2.8.1984, ZA: Als der Zeppelin in schweren Sturm geriet".
Schrifttum des Heimatforschers Willi Christmann, Erpel, "Luftschiff, genannt Zeppelin, erstmals bis Erpel am Rhein"
(Maschinenschriftliche Aufzeichnung)
Schrifttum des Heimatforschers Willi Christmann , Erpel, "Hinweise zu den Ereignissen am 2.8.1909 und dem Zeppelin Gedenkstein auf der Erpeler Ley" (Maschinenschriftliche Aufzeichnung)
Mehrteiliges Foto-Sammelalbum einer deutschen Zigarettenmarke von Zeppelinweltfahrten