Ehrenfriedhof - Matare

© weis/funk Kripp 2015

„Die Kripper nahmen es mit der Trauer ihrer Helden sehr ernst....“

-Ehrenmal für die Gefallenen der Kripper Lederfabrik befindet sich nun auf dem Ehrenfriedhof-

Das Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges der Kripper Lederfabrik befindet sich seit Mitte Oktober 2014 auf dem Ehrenfriedhof des Kripper Friedhofes und wurde offiziell Ende Januar im Beisein des Kripper Ortsvorstehers Heinz-Peter Hammer von den Verfassern Willy Weis und Hildegard Funk an Bürgermeister Herbert Georgi übergeben. Es stand bis Ende 2012 auf dem Fabrikgelände der ehemaligen Kripper Lederfabrik in unmittelbarer Nähe des an der Ecke Quellenstraße/Römerstraße befindlichen Bürogebäudes, dass um 1922 durch die renommierten Kölner Architekten-persönlichkeit und dem Gründungsmitglied des „Block Kölner Baukünstler “ Fritz Fuss (*1889 +1945 suicid) konzipiert wurde.


                                                                                                                                                Foto: J.Plewa

Geschaffen wurde es um 1921-22 von dem damaligen jungen Künstler namens Ewald Mataré, den die damalige Existenznot Ende des Ersten Weltkrieges nach Kripp verschlug und der später als begnadeter Künstler und Professor der Düsseldorfer Künstlerakademie zu Weltruhm gelangte.

Ehrenmal Kripper Lederfabrik
Im Auftrag der Grafenfamilie Taveggi als Besitzer der Kripper Lederfabrik schuf Matarè auf dem Werksgelände für die Gefallenen der Lederfabrik um 1921/22 ein pyramidenförmiges Ehrenmal, bestehend aus zwei übereinander gelegten konischen Tuffsteinblöcken, das sich bis 2012 auf dem Fabrikgelände befand.


Text Vorderseite

+

WANN
GOTT WILL
SO IST MEIN ZIEL


Text Rückseite

1914
1918

VON DEN
ANGESTELLTEN
DER K R I P P E R
L E D E R F A B R I K
STARBEN DEN
H E L D E N T O D

W. HAMMER · B. BLANK
J. MERSCHER · C. MÜLLER
A. TEMPEL · P. TEMPEL
J. TEMPEL · A. KARRACH · C. BROCK

Hinsichtlich der Dokumentation dieses Denkmals besteht laut Rücksprache mit der Kuratorin des Mataré Museum in Kleve lediglich nur nachfolgender Vermerk:

„Ehrenmal Lederfabrik
Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges , um 1921
Gedenkstein in Form einer vierseitigen Pyramide, im Auftrag der Kripper Lederwarenfabrik als Gedenkstein auf dem Werksgelände errichtet.
Auf der Vorderseite die Inschrift: „1914-1918 / von den Angestellten der / Kripper Lederwarenfabrik / starben den Heldentod +“ mit Namen der Gefallenen
. 1)

„Mataré erwähnte diese Arbeit in seinem Tagebuch nicht; leider sind auch bei der Firma keine Unterlagen über den Auftrag erhalten. Der Gedenkstein hat die Form einer vierseitigen Pyramide, auf deren Vorderseite die Namen der Toten eingemeißelt sind. Die Pyramide ist eine der beliebtesten Denkmalsformen. Ursprünglich von den antiken ägyptischen Grabbauten hergeleitet, verbreiteten sie sich seit dem Zeitalter des Barock in Europa als öffentliches Denkmal und – seit dem 19. Jahrhundert auch als Kriegerdenkmal.“ 2)


         v.l. die Verfasser Hildegard Funk/Willy Weis, Bürgermeister Herbert Georgi und Ortsvorsteher Heinz-Peter Hammer    Foto: J.Plewa

Nach dem Niedergang der Kripper Lederfabrik 2006 stand das marode und stark verwitterte Ehrenmal nicht im Einklang mit den zukünftigen Planungsideen des neuen Eigentümers und wurde nach dem Abriss den Verfassern übereignet, die nun nach Abschluss umfangreicher und aufwändiger Renovierungsarbeiten das über 4t schwere hiesige Kulturgut wieder der Allgemeinheit andern Orts als Leihgabe der Gemeinde zur Verfügung stellten.
Als neuer würdiger Standort für dieses Kultmal wurde mit einvernehmlicher Zustimmung des politischen Gremiums des Ortsbeirates auf dem hiesigen Ehrenfriedhof, ein Platz vis a vis dem vom gleichen Künstler 1919 geschaffenen Ehrenmales, dass nunmehr an die Gefallenen beider Weltkriege erinnert, gewählt.



Konstruktionszeichnung                                                                                              erstellt Weis


 
   vor der Restaurierung                                                                                 Foto: Weis       nach der Restaurierung                 Foto: Weis

Als Werkstoff für sein zu schaffendes Ehrenmal wählte der junge Künstler den Tuffstein (lat.=tofus), ein regionales Weichgestein als Auswurfprodukt des Eifelvulkanismus.
Dieses für Steinhauerarbeiten auf Grund vulkanischer Gaseinschlüsse gerne verwendete poröse Steinmaterial „Tuff“ besteht petrographisch gesehen aus verfestigten pyroklastischen Ablagerungen vulkanischer Asche aller Korngrößen und wird von den Bildhauern gerne zu Skulpturen bearbeitet.


Wer war der Künstler Ewald Mataré?
Ewald Wilhelm Hubert Matarè wurde am 25. Januar 1887 als jüngster von drei Söhnen der Eheleute Franz Joseph Mataré und Elisabeth, geb. Dohlen in Aachen-Burtscheid geboren. Die seit 1798 in Aachen ansässige Familie stammt ursprünglich aus der katholischen Hafenstadt Materò bei Barcelona und gelangte unter Karl V. in die katholischen südlichen Niederlande, wo sie sich laut Eintragungen in den Kirchenbüchern von Bardenberg seit Ende des 17. Jahrhunderts in dem Grenzort als Bauern, Gastwirte und Baumeister niederließen.

Sein künstlerischer Anfang begann für den schulisch wenig aufgeschlossenen, jedoch zur Förderung seiner künstlerisch Neigung talentierten Ewald Wilhelm Hubert MATARÈ bereits mit 18 Jahren als Privatschüler bei Bildhauer Prof. Karl Kraus, Dozent für Modellieren Bossieren an der TH-Aachen mit weiteren Ausbildungsstationen bei den Kunstmalern Eugen Klinkenberg sowie Prof. J. Ehrentraut an der Berliner Akademie der Bildenden Künste.
Nach der Auszeichnung mit der Silbernen Medaille der Akademie als Schüler von Lovis Corinth und 1915 als Meisterschüler beim Historienmaler Arthur Kampf erhielt er mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges seinen Stellungsbefehl, wurde 1916 jedoch als „unbrauchbar“ aus der Armee entlassen.
1917 wandte er sich der ihm damals von der Militärpolizei verbotenen Freilichtmalerei zu und schloss sich 1918 als Mitglied der „Novembergruppe“, einer revolutionären Künstlergruppe in Berlin, die den radikalen Expressionismus vertraten, an. Ein damaliger nachvollziehbarer Aktionismus vieler Künstler und Intellektueller während der unmittelbaren Nachkriegszeit.
Als politischer Außenseiter registriert, wurden ihm zwangsläufig staatlicherseits alle bezuschussten öffentlichen Aufträge vorenthalten, wodurch er in eine lebensbedrohliche Existenznot geriet.
In seiner misslichen Lage erinnerte er sich an seinen alten Freund aus der Jugendzeit, den Architekten und Planer des Kripper Mausoleums Karl Schmitz, der in Aachen ein gleichklassiger Schulkamerad seines Bruders Josef war und in Kripp weilte. Es ist überliefert, dass der Architekt Karl Schmitz (1881-1952) in Aachen später ein wichtiger Förderer von Mataré wurde. 3)


Sein Wirken in Kripp

Durch ihn gelangte Mataré in den noblen Kreis des Grafen Taveggi sowie einiger finanziell Unabhängigen von Kripp, wie u.a. Kurt Schmitz, Wegner, Nagel, etc.. In diesem Kreis konnte er seine existenzbedrohende Lage infolge vieler privater Kleinaufträge sowie Aufträge der Kirchengemeinde überbrücken.
Im Auftrag der Gemeinde Kripp entwarf und gestaltete er u.a. 1919 das Ehrenmal für die Gefallenen des Ortes auf dem hiesigen Friedhof. 4)

Mehrere Arbeiten in Kripp sind nachvollziehbar, und mehrere noch zu vermuten. Die Nachweise stammen teils aus mündlichen Überlieferungen von Zeitzeugen oder aus Tagebucheintragungen des Künstlers selbst.

1.) Ehrenmal für die Gefallenen von Kripp um 1919 (Friedhof)
2.) Ehrenmal für die Gefallenen des 1. WK der Kripper Lederfabrik um 1921/22
3.) Gedenktafel für die im ersten Weltkrieg gefallenen Gemeindemitglieder in der Pfarrkirche
St. Johannes Nepomuk (Eine Stiftung des Kripper Saftfabrikanten E.Nagel) 1919-1920
4.) Ausmalung der Kirche mit dem Kripper Kunstmaler Felix Lüttgen
5.) Ausmalung der Hochwasser-Notkapelle mit Felix Lüttgen, dsgl. Gemälde
6) Zwei steinerne Löwen vor dem Mausoleum (Zeitzeuge: Michael Schumacher +, Kripp)


Im Tagebuch von Ewald Mataré ist unter dem 18. Januar 1920 nachzulesen:
„Aufträge nach Kripp a. Rhein rissen mich aus allem heraus. Hier in Kripp herrliche Verpflegung im Hause von K. Schmitz, wo die Offiziersmesse eingerichtet ist. Malte ein Portrait eines Kriegsgewinnlers, saumäßig. Dann noch Frau Schmitz. Baute einen Pavillon im Park von Grebe. (Anmerkung: Grebe war ein Fabrikant in Kripp am Rhein; der Pavillon wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört). Tische und Stühle zeichnete ich. Für die Pfarrkirche dort einen Kriegsgedenkstein und nun die Entwürfe für die Ausmalung der Kirche. Ich war der glücklichste Mensch. Der Verdienst war nicht groß, aber der Gedanke war herrlich, doch lehnte man schließlich meine genauen Entwürfe ab, und um überhaupt etwas zu machen , machte ich neue Entwürfe, lustlos und voller Konzessionen, das wurde dann ausgeführt, und ich schäme mich dieser Arbeit, die oberflächlich von mit ganz ohne Stimmung gemacht wurde, man hatte mich eben kaputtgemacht. Nie mehr für diese Leute arbeiten, war meine feste Überzeugung, und das das einzige Wesentliche, was ich dabei profitierte.“ 5)


                                                                                         Matare malt in Kripp am Sandweg

Seine Kripper Mäzene bereiteten dem jungen eigenwilligen Künstler jedoch einigen Verdruss.
Fast wiederholend bemängelte er in seinen Tagebuchaufzeichnungen deren naiven Kunstverstand, in dem er mit Vorgaben seiner Kripper Auftraggebern in seinen Ausführungen dermaßen bevormundet und eingeengt wurde, dass er keine Entfaltung seiner künstlerischen Tätigkeit mehr sah und seine Arbeiten fast lustlos zu Ende brachte. Je krampfhafter er versuchte, sich an die naiven Vorgaben seiner Auftraggeber zu halten, desto größer wurde sein künstlerischer Widerwillen.
Er sei zwar „tätig gewesen, aber eigentlich künstlerisch nicht so richtig zur Entfaltung kam, da jeder ihm, weil er Auftraggeber war, ihm dareinredete und er des Geldes wegen nichts unternehmen bzw. seine Arbeit beenden konnte.“ bzw. sich durch Bevormundungen des Kirchenvorstandes nicht nach seiner eigentlichen Art entfalten konnte.
Auf Grund seiner damaligen prekären Lebenslage obsiegten sie jedoch letztendlich über den Kunstverstands Mataré s.“


Kriegerdenkmal der Kripper Gefallenen
1919 schuf er das auf dem Friedhof befindliche Ehrenmal für die Gefallenen des 1.Weltkrieges mit dem Hinweis in seinem Tagebuch: „Die Kripper nahmen es mit der Trauer ihrer Helden sehr ernst, indem sie kurz nach dem Ende des 1. Weltkrieges, notabene (wohlgemerkt), noch während der alliierten Besatzungszeit zu deren Gedenken auf dem Friedhof ein Ehrenmal für die Gefallenen Söhne des Ortes errichteten“, dass fast identisch mit dem heutigen abgeänderten Ehrenmal für beide Weltkriege ist.
Die Genehmigung für diese Arbeit der Heldenbekennung, zur damaligen Zeit während der alliierten Besatzungszeit fast eine Provokation darstellend, dürfte Mataré vermutlich dem guten Einvernehmen des hiesigen Grafen Taveggi mit hohen US-Besatzungsoffizieren, unter anderem Brigade-General George C.Marshall (Initiator des Marshallplanes) zu verdanken haben, der als Gast in der gräflichen Villa logierte.


Eintrag vom 15.Juni 1919 des US-Brigade-Generals G.C.Marshall im Gästebuch des Grafen Taveggi in Kripp             Archiv Krebs

Das marode Ehrenmal wurde nach 1950 neu stabilisiert und die Frontflächen entsprechend der neuen Symbolik für beide Weltkriege geschaffen. Initiator war der damalige von den Alliierten eingesetzte Ortsvorsteher Dannemann.
Im Zuge des Baues der neuen Friedhofskapelle 1994 wurde das an dortiger Stelle einst befindliche Ehrenmal an die heutige Stelle auf dem Ehrenfriedhof versetzt.



Gedenktafel (Ritterplatte)
Zwischen 1919-1920 schuf Matarè für die hiesigen Gefallenen des Ersten Weltkrieges die Ritterplatte, laut Werkverzeichnis die Ritterlichkeit darstellend mit darunter liegender Namenstafel. Dieser Gedenkstein befindet sich im Eingangsbereich der katholischen Pfarrkirche rechts.

Diese Bildtafel, eine dunkelbraune, bemalte Sandsteinplatte, in den Maßen von 140 x 60 x 8 cm und einer Namensplatte gleichen Materials von 40 x 60 x 8 cm wird im Werkverzeichnis von Sabine Maja Schilling, Nr. 2 wie folgt beschrieben:
„Gedenktafel für die im ersten Weltkrieg gefallenen Gemeindemitglieder in der Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk. Stiftung des Kripper Saftfabrikanten Karl E. Nagel, dessen Name auf einer Inschrift auf dem Stein erwähnt wird.“
(Vermerk der Verfasser: Inschrift heute nicht mehr ersichtlich, wurde vermutlich entfernt.)

  
beide Fotos: Weis

„Auf einer bräunlichen Sandsteinplatte sind mit dunkelbrauner Farbe die Umrisse eines Ritters aufgezeichnet. Er trägt einen Harnisch und hat seinen Helm zwischen seinen Füssen abgelegt. Seine Hände sind betend aneinandergelegt. Sein Schwert auf den Oberarmen. Hinter ihm steht ein Knochenmann, der ein Leichentuch ausbreitet, um den Ritter darin einzuhüllen. Mataré nahm hier das im späten Mittelalter entstandene Bildthema des Totentanzes auf, in dem der Tod die Vertreter verschiedener Stände der Gesellschaft zum Tanz aufführt. Die häufig als Fresken in Kirchen dargestellten Totentänze entstanden unter dem Eindruck des Massensterbens während den Pestepidemien. Nach dem Ersten Weltkrieg griffen die Künstler wieder auf dieses alte Thema zurück, um den verheerenden Eindruck des Massensterbens ihrer Zeit zu verarbeiten. Druckgraphische Serien boten sich für die neuen Totentänze an, wie sie die Künstler, wie z.B. Ernst Barlach und Alfred Kubin, gestalteten. Auch Matare´s Kripper Totentafel ist in diesem Zusammenhang zu verstehen“. 6)


Kirchenausmalung

Gemeinsam mit seinem Freund und Kripper Kunstmaler Felix Lüttgen schuf er danach über den beiden Seitenaltären der Kath. Pfarrkirche St.Johannes Nepomuk zwei größere Gemälde der Hl. Familie. Zeitzeugen zufolge fielen bei den Figuren die überproportional wirkenden Hände auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg bestand der etwas eigenwillige Maler auf Übertünchen dieser Altargemälde, weil die Josefsfigur zur sehr Hindenburg gleiche. 7)


Ausmalung der Hochwassernotkapelle

Des weiteren dürfte er sich gemeinsam mit Felix Lüttgen an der Ausmalung der Hochwassernotkapelle beteiligt haben, weil Lüttgen infolge der Kriegseinberufung die bereits in blau mit gelben Sternen angefangene Kapellendecke als Himmel nicht vollenden konnte. Es ist mündlich überliefert, dass diese nach Kriegsende gemeinsam von beiden Künstlern künstlerisch vollendet wurde. 8)
Einem Zeitungsbericht von 1977 entnahmen wir, dass „innen wie außen an der Kapelle wertvolle Gemälde sind, die aber stark in Mitleidenschaft gezogen waren, so dass man fast von einer Vernichtung sprechen konnte“und aus Kostengründen nicht mehr restauriert und somit einfach übertüncht wurden. „Alleine 7.000 DM soll ihre Restaurierung kosten“ 9)
Des weiteren könnte das außen über der Eingangstür der Hochwassernotkapelle befindliche Rundgemälde der Hl. Familie von über 2 m Durchmesser, dessen Restaurierung 1995 anlässlich des 150 jährigen Bestehens der Kapelle durch den Verfasser erfolgte, ebenfalls wie die Wandgemälde als eine Gemeinschaftsarbeit der Kunstmaler Lüttgen und Mataré zugeschrieben werden.
Diese Vermutung wurde, wie beim Altarbild in der Pfarrkirche wiederum durch die auffallend überproportional wirkende Hände erhärtet, die bei der Restaurierung durch den Verfasser 1995 leicht verkleinert wurden.
Der Überlieferung nach wäre jedoch mit Sicherheit auch Felix Lüttgen daran beteiligt gewesen.
Für diese Vermutung konnten aber ebenfalls keine gesicherten Nachweise, außer dem Hinweis aus dem Zeitungsbericht von 1977 und der Aussage des Zeitzeugen Michael Schumacher gefunden werden.

Deprimiert über die Kriegsauswirkungen floh Matarè 1944 aus dem Düsseldorfer Raum nach Kripp und später in das Kloster Eberbach. Seinem Tagebuch zufolge kurte seine Ehefrau im hiesigen Sanatorium Dr. Dr. Karsten. Während dieser Zeit logierte er in der damaligen Villa Anker, heute Haus Rheinallee 34.

  
Hierzu Tagebuchauszug-Seite 117: Kripp am Rhein, 2.Juni 1944.


Ich wollte den Sommer wieder in Kloster Eberbach verbringen, leider war das Zimmer nicht frei, und da man zur Zeit ohne rechte Beziehungen nirgendwo Unterkunft bekommen kann (überall sind Fliegergeschädigte), so wusste ich gar nicht, wohin ich mich wenden sollte. Hanna war hier in Kripp in einem Kurheim von Dr. Karsten, also niemand zu Hause, der mich versorgen konnte, dazu die dringende Absicht, mich von dort auch wenigstens für kurz zu entfernen, um endlich wieder einmal ganz ohne Alarm zu sein, und der Gefahr des Bombenabwurfs einmal aus dem nahen Weg zu gehen....( )...Ich habe nun hier in Kripp ein Zimmer in der Villa Anker direkt am Rhein noch gefunden, aber nun ist die Sorge, warmes Essen zu bekommen, denn die Wirtschaften haben so viel Sorge um das Heranschaffen der Lebensmittel, so dass sie niemand mehr gerne aufnehmen, und da auch mit dem einzunehmenden Geld fast nichts mehr zu kaufen ist, so ist ihre Anteilnahme an neu Eintretenden in die Gaststube recht gering, ja man steht mit der Tasche voll Geld wie ein Bettler da und harrt der Milde des Wirtes“.

Seine Rückkehr an die Düsseldorfer Kunstakademie erfolgte 1945, nachdem er dort 1933 von den Nazis kurz nach seiner angetragenen Professur als „entarteter Künstler“ von seinem Lehrauftrag befreit wurde.
Unmittelbar nach der Nachkriegszeit erkannte man Mataré als überragende künstlerische Persönlichkeit unter den rheinisch und westfälischen Bildhauern an und widmete ihm mehrere große Ausstellungen.
Infolge zahlreicher Werke, wie u.a. das Relief an vier Türen des Südportals des Kölner Doms sowie die Türen der Weltfriedenskirche in Hiroshima, erlangte er als großer begnadeter Künstler Weltruhm. Durch seine leitende Tätigkeit an der Düsseldorfer Kunstakademie übte er großen Einfluss auf eine ganze Generation von Künstler aus. Nicht zuletzt auf seine bedeutenden Schüler Josef Beuys und Erwin Heerich.


Professor Ewald Mataré (*1887-1965+),einer der herausragendsten Künstlerpersönlichkeiten des Rheinlandes im 20. Jahr- hundert und einer der wichtigsten Protagonisten der Klassischen Moderne in Deutschland, verstarb am 29. März 1965 in Büderich an einer Lungenembolie.
In seiner rastlosen Schaffenszeit hat er mit seinem künstlerischen Oeuvre unzählige Werke hinterlassen, die heute in der Kunstwelt begehrt sind.

Kripp ist in der glücklichen Lage, einige seiner Werke zu besitzen.

Der Kripper Feuerwehr und dem Bauhof der Stadt Remagen sei für ihre Hilfeleistung bei der Umsetzung der Pyramide gedankt.



Willy Weis & Hildegard Funk, Kripp

Quellen:
1) Werkverzeichnis von Sabine Maja Schilling, Nr.3 ,Museum Kurhaus Kleve, Haus B.C.Koekoek
2) Inge Zacher, Ewald Mataré zwischen den Weltkriegen, in Ewald Mataré. Der „Tote Krieger“ in
Kleve, Hrsg. Vom Städtischen Museum Haus Koekoek und dem Stadtmuseum Düsseldorf,
Kleve, 1985, S. 13
3) Ewald Matarè -Namensgeber unserer Schule- Gemeinschaftsarbeit des Matarè Gymnasium
Meerbusch (Vita)
4) Goldenes Buch der Stifter der Pfarrgemeinde Kripp)
5) Ewald Matare´, Tagebücher, J. Hegner Verlag Köln, 1974, S.24, 18.Januar 1920
6) Inge Zacher, Ewald Matare´zwischen den Weltkriegen, in: Ewald Matare´. Der „Tote Krieger“
Kleve, Hrsg. Vom Städtischen Museum Haus Koekkoek und dem Stadtmuseum Düsseldorf,
Kleve, 1985, S. 9-13)
7) Zeitzeugen: Herbert Sieberz, Michael Schumacher +, Kripp) 8) Zeitzeugen :Michael Schumacher+, Franz Breuer +, Kripp 9) ZA: General-Anzeiger 13.10.1977 „Kripper sagten Mark für Mark „Ja“ zur Restaurierung.

Literatur: Bildhauer sehen den Ersten Weltkrieg, Bildhauermuseum.de, Seite 157-163 von Ron Manheim, 2014
Tagebuchaufzeichnungen Ewald Matarè, Tagebücher, J. Hegner Verlag Köln, 1974
Ewald Matarè, Aquarelle 1920-1956, Schirmer/Mosel, München 1983