Der Friedhof in Kripp ©

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Bis zur Anlegung eines Begräbnisplatzes in Kripp anno 1872 hatte unsere Gemeinde kein örtliches Begräbnisrecht. Der Ort Kripp gehörte der "Civilgemeinde Remagen an und ist zur Pfarrkirche dahier eingepfarrt, hat auch keinen eigenen Begräbnißplatz, sondern werden ihre Leichen hierhin gebracht um auf dem hiesigen gemeinschaftlichen Friedhof beerdigt zu werden. Die Einwohnerschaft Kripps bekennt sich mit Ausnahme einiger Personen insgesammt zur katholischen Confeßion." 1) 

Bis zu diesem Zeitpunkt wurden die Leichen der Kripper „Dahingeschiedenen“ auf Karren oder Pferdefuhrwerke gela­den und nach Remagen transportiert, um auf dem dortigen gemeinschaftlichen Friedho­f begraben zu werden. Ab 30. Juni 1834 diente ein neu eingerichteter Friedhof in Remagen als Begräbnisplatz für die Verstorbenen beider Konfessionen. 2) 

Eine Ausnahme jedoch bildete nach neuesten Erkenntnissen zur damaliger Zeit das Begräbnis der am 19.4.1795 verstorbenen 86 jährigen Tochter des Kripper Pioniers Johann Breuer (Brewers) -Maria Elisabeth TEMPEL-. Sie wurde mit spezieller Ausnahmegenehmigung der Düsseldorfer Behörde, vermutlich wegen ihres Privilegs als „E R S T G E B O R E N E “ von KRIPP (getauft 21.5.1708), am 21.4.1795 in der ehemaligen Kripper Kapelle (Johannessaal, heute Haus Quellenstr. 34) bestattet. 3)
Ein solcher Grabplatz in der Kirche war bis zum ausgehenden Mittelalter jedoch nur den ritterbürtigen bzw. adligen Herren und Damen vorbehalten.
Die Überlassung der Begräbnisplätze für "auswärtige Bürger" und "Unkatholische" verlief aber zur damaligen Zeit bei der erzkonservativen Bürgerschaft in Remagen nicht immer ohne Störungen. 4)
So kam es 1763 bei einer Leichenprozession zwischen verschiedenen konfessionellen Anhängern in Remagen zu einem Eklat. Zu dieser Zeit wurde die Störung eines Leichenzuges anlässlich der Beerdigung eines „auswärtigen“ verstorbenen Protestanten durch höhnisches Gespött und Gelächter sowie Sperrung des Prozessionsweges durch Fuhrwerke bekannt. Dieser Zwischenfall wurde in einer Protestnote des Consistoriums der reformierten Gemeinde zu Remagen als „frivoler und temerärer (temporärer ?) Attentaten zu graviren, jedoch haben wir diese Unbill als einen bloßen Muthwillen und Unbesonnenheit einiger Ochsentreiber und Kahrenjungen lieber verschmerzet und vergessen, als dieserwegen die Obrigkeit zu ...“ festgehalten. Als anerkannte Sache seitens der katholischen Bürgerschaft Remagens sei erkannt, dass „ausheimische Todte , was ehrliche Leute und der protestantischen Religion zugethan sind, auf ihr geziemendes Ansuchen bei uns, auf unserem eigenthümlichen und freien Kirchhof zu beerdigen, solche in die Stadt zu tragen, selbige bei uns nieder zu setzen, bis mittels Läutung der Glocken ein Zeichen zum Ausgang zum Kirchhof gegeben wird. Exempel hat man davon genugsam kundiger Massen, von Sinzig, von der Kripp ...“ auf dem Remagener Friedhof ohne Störung beerdigt wurden. 5)
Wie aus einem weiteren Eintrag " ein oder anderer im Wasser Ertrunkener in ein Bund Stroh gebunden, ohne Glockengeläut und Formalität in der Eil mag außerhalb getragen und beerdigt worden..." hervorgeht, wurden fremde Tote, Gehenkte oder gelandete unbekannte Wasserleichen damals außerhalb der Stadt aus Kostengründen ohne förmliches Begräbnis von einem Abdecker gegen ein kleines städtisches Entgelt in den nächst umliegenden "ungeweihten" Ort, einer so genannten "Schindskaul"(aufzufüllende ehemalige Kiesgrube) regelrecht verscharrt. 

Urfriedhof 1872

Damit die Kripper auch nach ihrem Ableben in der heimischen Scholle begraben zu ihrer irdischen Ruhe finden konnten, wurde im Frühjahr 1872 auf Kosten der Stadt in Kripp am westlichen Ortsausgang an der damaligen Linz-Altenahrer-Provinzialstraße (Quellenstraße), zwischen den heutigen Hausgrundstücken 139-147, ein ei­gener Friedhof angelegt. "Der Friedhof ist nicht pfarreigen sondern steht im Gemeindeeigentum und nimmt alle Toten jeglicher Konfession des Ortes auf." 6)
Man wählte diese Lage auf Grund der damaligen preußischen Verordnung zur Trinkwasserhygiene, indem neue Friedhöfe nur außerhalb von Ortschaften auszuweisen und anzulegen waren.
Der 30 x 40 Meter große geweihte Gottesacker war versehen mit einem Eisengittertor, einem Kreuz und einer Weißdornhecke, die als vollständige Einfrie­dung des Friedhofsarreals diente, um dem Leben in Kripp einen würdigen Abschluss zu geben. Dieser Urfriedhof hatte seine südlichste Begrenzung unmittelbar hinter dem heutigen großen Kastanienbaumstamm.
Schon vor der offiziellen Eröffnung des Kripper Gottesackers im Frühjahr 1872 erfolgte bereits am 2. Januar die Beisetzung des am 25. Dezember verstorbenen 71 jährigen Kripper Gastwirtes Josef Adam Hertgen, einem Zwillingsbruder des Kripper Bezirksvorstehers Heinrich Josef Hertgen, als erste Friedhofsbelegung. Alle Gräber dieser bekannten wohlhabenden Kripper Familie befanden sich an der damaligen Südmauer in unmittelbarer Nähe der Kastanie auf der rechten Seite.
Schon im gleichen Jahr erhoben sich Grabhügel, deren Leichenplätze bis zu seiner offiziellen Einweihung von den Geistli­chen „einzeln in loco“ eingesegnet wur­den.
Mittelpunkt des damaligen Friedhofes bildete ein von "Collekten in Höhe von 6 Thalern, 21 Silbergroschen und 2 Pfennige" der Kripper Kapellengemeinde 1872 gestifteter Christuskörper, der von einem Dillmann aus Linz für 5 Taler und 18 Silbergroschen erworben wurde. 7)
Der Nachweis einer bereits 1896 vorhandenen Friedhofsmauer geht aus einem Antrag des Kripper Bezirksvorstehers Rick über eine Reparatur hervor, die laut Angebot des Maurers Christian Betzing aus Kripp für 0,70 Mark /qm "...von Schmutz zu reinigen, die Fugen auszukratzen, zu nässen und mit verlängertem Zementmörtel bei vorheriger Ausmauerung der Löcher- aufzutragen" mit insgesamt 91 qm Mauerfläche instand zu setzen sei.

Friedhofserweiterungen

Die Einwohnerzahl von Kripp wuchs ständig, so das die vorhandene Friedhofsfläche von 12 ar nicht mehr ausreichte und durch Ankauf einer dahinter liegenden Ackerparzelle
erweitert werden musste.
Diese traurige Tatsache ergab sich aufgrund der damaligen hohen Sterblichkeitsrate, die um 1860 bei einem vierjährigen Kreisdurchschnitt mit 34,5 % bis 14 Jahre, 58,5 % bei 14-60jährigen und 7 % über 60 Jahre betrug, wobei bei Kindern 40,5 % bis 3 Jahre und 59,5 % bei 3-14 jährigen belief und auf 17 Geburten 1 Totgeburt lag, statistisch ermittelt wurde.8)
Der ermittelte Leichendurchschnitt für Kripp um 1880 betrug jährlich vier Kinder unter 12 Jahren und acht Erwachsene. 7) Legte man eine Fläche von vier Quadratmeter für einen Erwachsenen und zwei Quadratmeter für ein Kindergrab zugrunde, so kam man auf einen jährlichen Friedhofsflächenbedarf von 40 qm. Bei einer erneuten Erweiterung 1913 um 10 ar (1000 qm) in den Parz.-Nr. 15496/ 467, 165/ 121, 466/ 126 war man von einer Vorausplanung von 25 Jahren ausgegangen.
Ein zu diesem Zweck 1913 erstelltes kreisärztliches Gutachten, dem eine sanitätspolizeiliche Untersuchung anhand von Bodenproben des zukünftigen Friedhofsareals vorausgegangen war, ergab eine Bodenbeschaffenheit von einem 40 cm starken Mutterboden, danach 80 cm Lehmschicht, dann Mergelboden. Erfahrungen über die Verwesungsdauer infolge der Bodenverhältnisse des Kripper Friedhofes lagen nicht vor. Nach Angaben des damaligen Bezirksvorstehers betrug diese 15 Jahre. Auf Grund des Lehmbodenaufkommens und der dadurch lang andauernden Verwesungsfrist musste die Tiefe bis zur Sarghöhe mindestens 90 cm vorgeschrieben werden. 9)
Zur Preußenzeit war um 1880 ein Erwachsenengrab 7 Fuß lang und 3 Fuß breit. 10) . Diese 21 Quadratfuß wurden gemäß königlichem Beschluss von 1853 stiguliertem Preis von 3 Mark pro Quadratfuß berechnet. Den Betrag hatte man direkt beim damaligen Kripper Bezirksvorsteher Rick zu entrichten. 11)
Als Grenze der ersten Erweiterung vom Kastanienbaum aus in südlicher Richtung diente die heutige Hecke hinter dem Mausoleum. 12)
Ein weiterer Hinweis auf eine Erweiterung der Friedhofsmauer ergibt sich aus einem Schreiben des Kreishochbaumeisters Honsberg vom 14. 1.1914, wo dieser auffällige überhöhte Preisabsprachen zwischen den Kripper Bauunternehmer Rick und Küpper reklamierte und deren Angebote unter Androhung von Konkurrenzfirmen aus Sinzig dem damaligen Gemeindevorsteher von Kripp zur erneuten Angebotsabgabe zurück gegeben wurden. 13)

Erste Leichenhalle

1914 wurde der Bau einer Leichenhalle mit einem Kostenvoranschlag des Kreisbaumeisters in Höhe von 1850 Mark auf dem Friedhof zu Kripp für nötig erachtet, geplant und am 23.7.1914 durch den Bürgermeister der Stadt Sinzig genehmigt, da die Gemarkungsgrenze von Sinzig teils diagonal durch den Friedhof verlief und sich die zu bebauende Friedhofsparzelle 465/121 "an der Kripper Straße" in jener Zeit in Flur 6 der Sinziger Gemarkung befand. Aus diesem geographischen Kuriosum rührt auch die damalige stadtbekannte spöttelnde Redewendung der Sinziger über die Kripper:

                                             „...de Duude von Kripp leije met em Kopp in Sinzig, un met em Arsch in Krepp.“
                                                    (Die Toten von Kripp liegen mit dem Kopf in Sinzig; und mit den Hintern in Kripp)

Aus Rücksicht auf das bereits bestehende Mausoleum sollte anhand der Baubeschreibung durch den Kreisbaumeister Honsberg „Damit die Architektur des östlich liegenden Mausoleums des Grafen Taveggi nicht beeinträchtigt wird, ist die Anlage als untergeordnet behandelt worden“ der Bau der geplanten Leichenhalle in der südwestlichsten Ecke des Friedhofes als untergeordnete Bauanlage mit verputztem Mauerwerk und Schieferdach in Deutscher Deckung erfolgen. Recht auffällig erscheint die Baubedingung zur damaliger Zeit, dass im Dachraum eine Fledermausluke einzubauen Vorschrift war. 14)
Der Bau dieses Gebäudes verzögerte sich durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges. Dieses kleine Gebäude, das in seiner ursprünglichen Bauweise nicht mehr vorhanden ist, dient heute als Abstellplatz für die Arbeitsgeräte des Totengräbers. Hier wurden auch 1945 die provisorischen Särge aus alten Munitionskisten vom städtischen Totengräber Klaus Ronken für die im Lager bei einem Fluchtversuch erschossenen Gefangenen oder Lagertoten gezimmert, die bis zur Umbettung auf dem Bad Bodendorfer Ehrenfriedhof bzw. auf Heimatfriedhöfen vor der östlichen Friedhofsmauer am heutigen Ehrenmal beerdigt wurden.

                            
           Der Kripper Ehrenfriedhof diente während der Besatzungszeit nach dem II. Weltkrieg als Übergangsfriedhof für Lagertote des hiesigen                                             Kriegsgefangenenlager bis zur Umbettung auf den Bad Bodendorfer Ehrenfriedhof oder heimischen Gräbern.

1932 stand abermals eine erneute Friedhofserweiterung an, wozu sich der Ankauf der angrenzenden Ackerparzelle von 3,18 ar, welche im Eigentum des Mathias Schmidt stand, anbot. Zur Realisierung des Kaufpreises von 500 RM streckte der Gastwirt des Rhein-Ahr-Gaststätte Ignaz Lohmer eine Anzahlung von 250 RM vor, die sukzessiv mit der anfallenden Gewerbesteuer verrechnet wurde.
Ende 1963 beschloss die Stadt ein Grundstück für die Friedhofserweiterung im Tauschwege zu erwerben. Abermals wurden 1968 Friedhofserweiterungen südlich zum Badenackerhang auf Sinziger Gebiet geplant und die Verwaltung mit Vorgesprächen beauftragt. 15)
Bei der letzten südlichen Erweiterung stieß man Ende August 1990 auf römische Funde, die einem Herrenhaus, einer sogenannten „villa rustica“ zugeordnet werden konnten.

Mausoleum

Ein Mausoleum von dem in Kripp lebenden italienischen Grafen Taveggi um 1906/07 errichtet, erinnert noch heute an das Wirken des ehemaligen Grandseigneurs. Die über dem Eingang eingemeißelte Inschrift "PAX IN AETERNITATE" gibt Aussage über das Bedürfnis nach Frieden in der Ewigkeit. Dieses Gebäude, ein Werk des Aachener Architekten Karl Schmitz, befindet sich mit seinem Eingang in der Mittelachse des Altfriedhofes, im südlichen Grenzbereich der ersten Erweiterung des Urfriedhofes, dessen Ausmasse 40 x 60 m betrugen. Der dem eigentlichen Gebäudeteil etwas vorgelagerte Eingang zum oberirdischen Baukörper wird durch einen Zahnschnittfries sowie einer Vase in einer Halbbogennische und der Inschrift: „PAX INTERNITATE“ zusätzlich betont. Der Baukörper des Mausoleums besteht aus einem Untergeschoss mit 6 Grabkammern mit Zugang an der Rückseite und einem oberirdischen oktogonalen Baukörper aus cremefarbigem Tuffstein, dessen Abschluss aus einer geschieferten Kuppel besteht.
Wegen der weichen Eigenschaft des Tuffs dürfte die Annahme berechtigt sein, dass das aus Vulkanasche bestehende und sich das im Laufe von Jahrtausenden verfestigte Weichgestein der Osteifel hier nur eine Verwendung als Aussenverblendung fand.
Vier von jeweils eine an einer Oktogonseite befindlichen Fenstern -seitlich neben dem Hauptzugang sowie dem rückwärtigen Grabkammereingang- sorgen für die innere Aushellung. Die Wände des Innenraumes des Erdgeschosses sind durch Pilaster gegliedert. Die vermutliche künstlerische Originalausmalung der Kuppel war bis zu seiner heutigen Neugestaltung 2007 mit einem großformatigen, geschweiften sternförmigen Band bemalt. Des weiteren befinden sich zusätzlich aufgesetzte kleinere Sterne, Ordenssterne entsprechend im inneren Kuppelansatz. Der obere Abschluss der Kuppelscheitel bildet eine gerahmte Blindöffnung. Jeweils 4 beidseitig in der Nord- Südachse flankierende Birkenbäume sowie 2 rechts und links vor dem Portal liegende steinerne Löwen, die damals als bossierte Rohlinge vor Ort in ihrer endgültigen Form gemeißelt wurden, (Zeitzeuge Michael Schumacher) verleihen dem Eingangsbereich des Kripper Denkmals einen würdigen Rahmen.
Durch eine beantragte Unterschutzstellung durch die Denkmalpflegebehörde kam man einer eventuellen Integration der im Jugendstil errichteten architektonischen Attraktion mit den Planungsideen einer neuen Leichenhalle um 1980 zuvor.
Das eigentliche Vorhaben des Grafen, in seinem erbauten Kripper Mausoleum beigesetzt zu werden, ging nicht in Erfüllung, da dieser 1936 nach Mailand verzog und nach unserem derzeitigem Wissensstand in einer der Familiengrabkammern 31-32 in der Via de Cimitri, Montecchio/ Regio Emilia, beigesetzt wurde.
Mit Urkunde 600/42 des Notars Adams zu Sinzig wurde am 11.9.1942 das Mausoleum als ehemals gedachte gräfliche Grabstätte für 1.000 RM von der nun in Mailand lebenden Gräfin Elfriede Taveggi an die Stadt Remagen verkauft und auf Antrag der Katholischen Pfarrgemeinde Kripp auf 99 Jahre mit der Massgabe verpachtet, dass die Pfarrgemeinde die laufende Unterhaltuing und Reparaturkosten trägt, sowie das Mausoleum für alle Konfessionen zur Verfügung zu stellen.

  


Aufgrund gesetzlicher Veränderung im Bestattungswesen, die ab 1964 die Aufbahrung von Leichen in Wohnräumen untersagte und somit die Beerdigungen vom Trauerhause aus wegfielen, diente das ehemals gräfliche Mausoleum bis zur Fertigstellung der neuen Friedhofskapelle mit Leichenhalle in 1994 den Kripper „Dahingeschiedenen“ aller Konfessionen als Provisorium ihrer „letzten irdischen Räumlichkeit vor der Grablegung.“
Bis dahin war es üblich, dass die Verstorbenen nach der Leichenwäsche im Trauerhaus bis zur Beerdigung aufgebahrt und eine kleine Totenwache in der Form abgehalten wurde, indem alle Verwandten, Freunde und Nachbarn sowie die Bekannten in stetiger Abwechslung am Totenbett von dem Verstorbenen Abschied nahmen und ihr Mitgefühl gegenüber den Hinterbliebenen und Verehrung gegenüber dem Verstorbenen zollten.
Mit einem mit schwarzen Fransen bedeckten Schabracke umhängten trauergeschmückten offenen Pferdewagen wurde der Sarg am Tag der Beerdigung vom Trauerhaus zum Friedhof während einer Trauerprozession überführt. Später ersetzte ein Leichenwagen das bisherige Pferdefuhrwerk.17)

Heutzutage wird auf Grund von veränderten Vorschriften im Bestattungswesen unmittelbar nach ärztlicher Feststellung des Todes die Leiche durch eine Bestattungsfirma zur Leichenhalle überführt und dort gekühlt bis zu ihrem Beerdigungstermin aufgebahrt.
Am Vorabend des Begräbnistages findet in der Kirche eine Rosenkranzandacht für den Verstorbenen statt. Am Beerdigungstag geht nach Abhaltung einer kleinen Andacht am Sarg bzw. Urne in der Friedhofskapelle nunmehr der Leichenzug direkt von der neuen Friedhofskapelle aus zur Grabstelle. 2007 wurde das Mausoleum durch den Bürger-und Heimatverein mit einem erheblichen Kostenaufwand im Absprache mit der Denkmalpflegebehörde restauriert. 18) Links vor dem Mausoleum befindet sich ein Massengrab für die zivilen Bombenopfer vom 9.2.1945, in dem laut Totengräberliste des hiesigen Totengräbers Ronken zur Folge sieben Personen beigesetzt wurden. 19) Totengräberliste Ronken

Neue Friedhofskapelle

Rund 470.000 DM ließen sich 1994 die Kripper ihre "letzte irdische Unterkunft" kosten, um sich nach einem gelebten Leben einen würdigen irdischen Abgang zu verschaffen. Ein in der Stirnwand der Kapelle dominierendes bleiverglastes Rundfenster symbolisiert farblich die vier Jahreszeiten und wurde von den Remagener Glasmalern Barbara und Peter Kessler- Kötting geschaffen. Die Einsegnung der neuen Friedhofskapelle mit integrierter Leichenhalle erfolgte am 30. Mai 1994 durch den katholischen Pfarrer Klaus Birtel und dem evangelischen Pastor Udo Grub. Von der Planung bis zur Einsegnung dieser Friedhofskapelle gingen 17 Jahre infolge politischer Unstimmigkeiten im hiesigen Ortsbeirat ins Land, die mit einer 11jährigen Kapellendiskussion 1979 nach einem Entwurf des Architekten Strassberger über 500.000 DM begann. Als Baubeginn ist der 27.3.1992 nach den Bauplänen des Architekten Erwin Lynen entworfenen Friedhofskapelle mit integrierter Leichenhalle dokumentiert. 20) Seit der Inbetriebnahme der neuen Friedhofkapelle mit integrierter Leichenhalle wurde das gräfliche Mausoleum nicht mehr genutzt. Eine neue, von der Eifeler Glockengießerei Hans August Marck in Brockscheid gegossene Glocke wurde nach der Segnung am 16.12.2006 durch den katholischen Pfarrer Dr. Johannes Meyer und der Presbyterin in den Glockenturm der neuen Friedhofskapelle eingestellt. 21) Diese 40 kg schwere Bronzeglocke mit einem Durchmesser von 378 mm und dem Klangton „ c “ wurde aus dem Einnahmeüberschuss der 300 Jahrfeier von dem eigens für dieses Ortsjubiläums gegründeten Traditionsverein gestiftet. Im unteren Glockenkranz umlaufend ist die gegossene Inschrift „ Friedhof 2005 „ verteilt. Die automatische Glockenbedienung geschieht mittels eines Mobilsenders.


Verwaltung

Gemäß Bekanntmachung in der Lokalzeitung vom 17.1.1887 unterhielt die städtische Gemeinde Remagen Totengräber, die auch für die Totenstätte Kripp zuständig waren. Diese arbeiteten für eine jährliche Pauschalgebühr von 60 Mark, zuzüglich 1,80 Mark für den manuellen Grabaushub eines Erwachsenengrabes, bzw. 1,20 Mark für das Grab eines Kindes unter 14 Jahren bei einer vorgeschriebenen Tiefe von 1,75 Metern. Dem Totengräber wurde außerdem noch die Pflicht zur Führung eines Begräbnisregisters auferlegt.
Der Tagelöhner Matthias Reuter, der dieses "traurige Amt" ab 1.1.1887 ausführte, beantragte 1908 von der Stadtkasse für einen erlittenen Dienstunfall in Kripp einen Lohnausgleich von täglich 0,80 Mark "gütigst vergüten zu wollen", da er vom Polizeiserganten Klinke beauftragt worden war, "abends gegen halb elf Uhr" eine angelandete Wasserleiche in Nähe der Ahrbrücke zu bergen, wobei er auf dem glitschigen Ufersaum ausrutschte und sich am linken Fuß derart schwer verletzte, dass er vom 3. Mai bis 12. Juli 1908 " nichts verdienen" konnte. Die Kripperin Katharina Hausmann übernahm ab 1.7.1911 auf Antrag die Pflege des hiesigen Friedhofes nach der Vorgabe der Verwaltung für eine jährliche Pauschale von 40 Mark, wobei eine Arbeitszeit von 30 Stunden monatlich veranschlagt wurden. Diese Arbeiten übernahm später eine Frau Mallmann. 22)
Die jährliche Vergütung für das Totengräberamt erhöhte sich 1919 in Folge der allgemeinen Teuerungsrate auf 1000 Mark. Das Amt des Totengräbers wurde nach 1920 von Herrn Henscheid und nachfolgend durch Herrn Sting, Herrn Klaus Ronken und Herrn Lachmann ausgeführt.

Die Zuständigkeit des Bestattungswesen liegt beim Friedhofsamt der Stadt Remagen, die sowohl neben der Administration die gesamte finanzielle Abwicklung als auch den Beerdigungstermin nach Absprache mit dem städtischen Bauhof vorgeben. Die Friedhofpflege erfolgt heutzutage von städtischen Bediensteten des Bauhofes, ohne dass Kripp ständig einen lokalen Friedhofswärter unterhält. Der Bauhof übernimmt, ausgestattet mit den entsprechenden Maschinen, die heutige Friedhofspflege. Die aktuelle Friedhofsgröße beträgt 9.842 m², wovon 2.254 auf den neuen Teil entfallen, mit einer Belegungskapazität von 580 Doppelgräber und Einzelgräber sowie 185 Urnengräber. Anonyme Urnengräber befinden sich an der Westseite des alten Friedhofes entlang der Hausmauer des angrenzenden Hauses Quellenstr.147 sowie an der anschließenden alten Friedhofsmauer bis hin zum alten Eingangstor.

Weil die Kommune in einem rechtlich klar abgestecktem Rahmen handelt, legen sie den Großteil der Kosten für die Friedhofunterhaltung auf die Grabgebühren um, wobei sich derzeit die Belegungskosten eines Doppelgrabes zwischen 3.147 € und 4.671 €, eines Einzelgrabes zwischen 1.569 € und 2.198 €, eines Urnengrabes 805 € und eines Kindergrabes 300 € bei 30jähriger Pachtzeit belaufen. Ein Reiheneinzelgrab mit 20jähriger Belegung kostet dagegen 569 €. 23)



Fazit

             

Ein Friedhof spiegelt das Symbol des traditionellen christlichen Verständnis und Kultur im Umgang mit dem Tod wieder. Viele liebevoll gepflegte Grabstätten geben recht eindrucksvoll neben der Wertschätzung die enge Verbindung zum Verstorbenen zum Ausdruck.
Allerheiligen versammeln sich die Angehörigen vor den Pastorengräber unter dem großen Kastanienbaum und gedenken in Gebet und Gesang ihrer Toten, wonach der Priester im Anschluss mit den Messdienern durch die Grabreihen der Kripper Kultstätte schreitet und die einzelnen Gräber im Beisein der Angehörigen segnet. Durch die Vielzahl der angezündeten Grablichter auf den geschmückten Gräbern gleicht der Totenacker bei Einbruch der Dunkelheit einem Lichtermeer.
Die ehemaligen Pastöre von Kripp wie Brückert, Rohsmann und Dr. Keller fanden hier wunschgemäß ihre letzte Ruhestätte. Ihre Grabstellen werden von der Pfarrgemeinde gepflegt.



Ehrenmal

Wie in vielen Orten, so wurde auch hier der gefallenen Söhnen beider Weltkriege in ehrendem Gedenken gedacht, deren Geist in unserer Gemeinde noch fortleben soll.
So wurde unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg noch während der Besatzungszeit ein schlichtes Ehrenmal für die Gefallenen Söhne des Ortes ohne die Symbiose des Heldentums auf dem Ehrenfriedhof von dem 1887 gebürtigen Aachener Maler und Bildhauer Ewald Mataré geschaffen und am Standort der heutigen Friedhofskapelle errichtet. Auf der Front-und Seitenfläche des Steinquaders von zwei mal zwei Meter und 1,35 m Höhe waren mit dem jeweiligen Kriegsjahr die Namen der Kripper Gefallenen eingemeißelt. Die Jahreszahl der Errichtung dieses Mahnmales ist im „Goldenen Buch der Stifter der Pfarrgemeinde Kripp“ mit 1919 dokumentiert.

                                                        Ehrenmal 1919 des 1.Weltkrieges mit den Namen der Kripper Gefallenen. 


                                    Foto: Weis

       Verändertes Ehrenmal nach dem 2. Weltkrieg mit einem schlichten Spruch, ohne namentliche Aufführung der Gefallenen.

Für die Rettung des in die Jahre gekommenen maroden Kripper Ehrenmales von 1919 und einer Aktualisierung nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich recht intensiv der ehemalige Ortsvorsteher Ernst Dannemann ein. Auf dessen Betreiben wurde 1949 ein Förderverein zur Rettung des Mahnmales gegründet. Unzählige Verhandlungen führte er mit einigen Steinmetzen, so z.B auch mit den Steinmetzen von Maria Laach, die jedoch unbedingt auf einen Stacheldrahtkranz um den Helm bestanden. 24)
Nach dem Willen des Fördervereins sollte das bestehende Ehrenmal zwar aufgearbeitet aber weiterhin in unveränderter Form ein Symbol der Vergangenheitsbewältigung und Mahnung der Sinnlosigkeit von Kriegen darstellen.
Lediglich ein schlichter aufliegender Stahlhelm soll den Krieg als Zeugnis gewaltiger und gewaltsamer Menschenverluste und das Eiserne Kreuz als schlichter Ausdruck des Zeichen des Mutes und persönlicher Tapferkeit symbolisieren.

Man einigte sich auf einen schlichten mahnenden Spruch auf der Vorderseite, jedoch ohne namentliche Aufführung der Gefallenen. Das Ehrenmal wurde im Rahmen der Neubaumaßnahme der Friedhofskapelle 1993 von dem Remagener Steinmetz Diwo seitlich im Haupteingangsbereich der Friedhofskapelle, wo alljährlich die Kripper Bürgerschaft und Vereine mit einem Trauermarsch am Totensonntag zu Ehren der Toten eine Kranz niederlegen, versetzt.

                                   

Möge der Sinn des Ehrenmales stets vor unseren Augen an den Hass und Neid, die Sinnlosigkeit der Zerfleischung und Vernichtung ganzer Völker mahnend erinnern, denn Frieden ist keine Selbstverständlichkeit.

Bevor jedoch das Ehrenmal in seiner Gestaltung nach dem Zweiten Weltkrieg aktualisiert und verändert wurde, wurde als Provisorium zur Ehren und Erinnerung an die Kripper Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkrieges ein hohes Holzkreuz errichtet. Einen darunter befindliche schwarze Granitplatte mit der Inschrift: „Zum Gedenken der Gefallenen und Vermissten des Krieges 1939-1945“ weist auf den Sinn und Zweck des Kreuzes hin. Es befindet sich unweit rechts neben dem heutigen Standort des Ehrenmales. Der marode Christuskorpus wurde um 1995 von dem Remagener Verschönerungsverein durch einen neuen ersetzt.

                                                   

Ehrenmal Lederfabrik

Seit Oktober 2014 befindet sich auf dem Ehrenfriedhof vis a vis des Kriegerdenkmals das Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges der Kripper Lederfabrik. Dieses anno 1921/22 im Auftrag des Grafen Taveggi ebenfalls vom Bildhauer Ewald Mataré in Form einer Pyramide geschaffene Ehrenmal befand sich bis 2012 neben dem Bürogebäude der Kripper Lederfabrik. Dieses ruinöse, stark verwitterte Ehrenmal, seit 2012 im Besitz der Verfasser, wurde von diesen nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten der Kultstätte der Ortsgemeinde als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.

    
                                                                                                                                                                                                        beide Fotos: Weis
Findlinge

Kaum Beachtung finden 2 Findlinge von je über 50 Zentnern, die rechts und links die Parkplatzeinfahrt des Friedhofes in der Quellenstraße begrenzen. Diese Steinkolosse kamen bei einer Kiesgrubenausbeute in der Flurdistrikt „Im Bruch“ (zwischen der heutigen Römerstrasse und der Bahntrasse Köln-Koblenz weit hinter der ehemaligen Lederfabrik) zum Vorschein, als man dort 1918 enorme Mengen an Kies für die Anschüttung des Eisenbahndammes für die Ludendorffbrücke mit einem überdimensionalen Eimerkettenbagger bis zu einer Tiefe von annähernd 15 Meter abbaute. Der ehemalige Kriegerverein kam um 1923 zu der Überlegung, diese Findlinge als Verschönerung des hiesigen Friedhofes zu gebrauchen. Der Transport stellte zur damaliger Zeit ein schier unlösbares Problem dar, zumal keine Kosten entstehen durften.
Nach reiflicher Überlegung kam man zu dem Schluss, die Findlinge bis zu ihrem Zielort mittels einer schmalspurigen Feldlorenbahn zu transportieren. Über mehrere Tage wurde jeder Stein unter größten Kraftanstrengungen einzeln auf eine Feldlore geladen.
Infolge des geringen vorhandenen Schienenmaterials der Grube von nur 200 m wurde die Lore mit vorgespannten Pferden des Fuhrunternehmers Anton Schumacher nur bis zum jeweiligen Ende des verlegten Schienenstranges gezogen, wobei die Steigung aus der Grube mit einem an der Lore seitlich angespannten Lastkraftwagen der damaligen hiesigen Konservenfabrik Nagel bewältigt wurde.
Die bereits zurückgelegte Gleisstrecke montierte man ab und verlegte sie wieder neu auf die vorliegende noch zu befahrende Strecke bis zum Friedhof. 25)

                                                  


Kinderfriedhof ?

Nur hinter vorgehaltener Hand wurde uns von einigen der bereits verstorbenen Kripper Generation etwas von einem angeblichen Kinderfriedhof in Kripp bekannt, ohne dass wir jedoch etwas Präzises erfahren konnten. Man hätte dies lediglich von ihren Vorfahren gehört.
Als grobe Lagebezeichnung wurde das Areal zwischen der Mittelstraße und dem Batterieweg weit hinter den im dortigen Bereich liegenden Hausgärten der Quellenstraße angedeutet, wo bis 1872, dem Anlegen des eigenen Ortsfriedhofes, aus Kostengründen ohne großen Aufwand stillschweigend die Totgeburten bzw. die kurz nach der Geburt verstorbenen ungetauften und unregistrierten Kleinstkinder von Kripp aus Kostengründen vergraben worden seien. Einen glaubhaften Nachweis konnte jedoch bis jetzt nicht erbracht werden.






1) LHKO 635/466, Die Kapelle zu Kripp und der Gottesdienst in derselben
2) Rigomagus 3, „Chronik der Stadt Remagen 1813-1879“, Klaus Flink, S. 18, 1972 Stadt Remagen
3) Familienbuch der kath. Pfarrei Sankt Peter und Paul Remagen 1649 bis 1899 von Dr. Hentschel, siehe lfd.Nr. 3848,[1] und lfd. Nr.
492.1, der genaue Geburtstermin ist unbekannt, getauft 21. 5.1708, Paten Johann Moschbach & Maria Elisabeth NN (= Non Nominatus -
Name unbekannt), verheiratet mit Hermann Tempel, vermutlich um 1729
4) LHKO 635/412, Beerdigungen, Transport von Leichen, Aufsicht, Einrichtungen von Friedhöfen
5) Rheinischer Antiquarius, 3.Abtlg, Bd.9, S.254-257
6) LHKO 635/875
7) Kirchenmanual 1831-1877
8) Kreisstatistik 1860, Seite 14-16
9) LHKO 635/875, Kreisärztliches Gutachten v. 4.9.1913, Tgb.-Nr.A
10) LHAKO 635/759, Quittung des Bezirkvorstehers Rick v. 2.Mai 1880 11) LHKO 635/759, Schreiben des Rg. Bürgermeisters an die Ww. Josef Hertgen v. 19. Juni 1883
12) mdl. Angaben des Zeitzeugen Michael Schumacher, Kripp, *1902 13) LHAKO 635/ 875 14) LHAKO 635/875, Genehmigungsschreiben der Kreisbauverwaltung vom 23.7.1914, Lageplan 15) Chronik von Kripp aus Anlass zum 125jährigen Bestehen des JGV Kripp, S.18, von H.P.Kürten 16) wie lfd. Nr.12 17) mündliche Angaben Christel Schumacher, ehemals Kripp 18) www.Geschichte Kripp.de/Zeitdokument/Mausoleum) 19) handschriftliche Beerdigungsliste des Kripper Totengräbers Klaus Ronken 20) ZA: Remagener Chronik Nr.15/ 89, S.22
21) ZA: Remagener Nachrichten Nr. 20, S.11 vom 21.05.07. 22) LHKO 635/951 23) mdl. Angaben Gisbert Schmitz, Stadtverwaltung Remagen -Friedhofsamt- 24) mdl. Angaben Gerhard Dannemann, Hamburg 25) angeblich durch den ehemaligen Kriegerverein laut mündl. Angaben des Zeitzeugen Michael Schumacher, *1902, +2000.