Kripp, Gasversorgung ab 1907

© weis/funk Kripp 2014

  

In früheren Jahren hatte jede Stadt ihr eigenes Gaswerk, in dem die Energie Gas aus Kohle gewonnen wurde und als Nebenprodukt Gaswerkskoks anfiel. So auch in Remagen ab Dezember 1900, dessen recht auffällige runder Gaskugelbehälter bis nach dem 2.Weltkrieg nähelich der Bahnlinie an der Bundesstraße 9 in Höhe der Straße „Zum Wässiger Tal“ stand.

Nach Beschlussfassung des Remagener Stadtrates von 1905 1) sollte die Ortschaft unmittelbar nach Erweiterung des Remagener Gaswerkes mit einem sechser Brennofen energiemäßig an die städtische Gasanstalt angeschlossen werden. Ab Oktober 1906 begann man mit den Verrohrungsarbeiten für Kripp entlang der heutigen Mittelstraße zur Ortsmitte bis zum späten Frühjahr 1907. 2)
Im gleichen Jahr erfolgten bereits die ersten Hausanschlüsse, die die örtlichen Haushalte mit dem toxischem Stadtgas des städtischen Remagener Gasbetriebes versorgten. 1)


Zeitzeugen zufolge wurden auch die damaligen Motoren der Wasserturmpumpen mit dem städtischen Methangas betrieben. 3) Gleichzeitig begann man mit der Umrüstung der drei seit 1866 mit Mineralöl betriebenen Straßenlaternen im Ort auf Gasbetrieb.Am „6ten April 1907“ ersetzte erstmals das hellere Licht der Gaslaternen das bisherige blässliche Licht der verschnörkelten gusseisernen Straßenbeleuchtung. 4)


Diese auf Gasbetrieb umgestellte Straßenbeleuchtung wurde von städtischen Bediensteten bei aufkommenden Tagesanbruch mittels einer Stange mit Haken am Laternenkopf gelöscht und bei eintretender Dunkelheit wieder entflammt. Letzter Mann im Laternendienst war der Kripper Kefferpütz. 5)

Versorgungsplanung.
Im Laufe der Jahre kam es zwangsläufig aus Rentabilitätsgründen zur Stilllegung der kleineren hiesigen Gaswerke.
Im Zuge der Flurbereinigung wurden die Gaswerke Neuenahr (BV Berggeist) und Mayen (BV Rauschermühle) gegen die Stromversorgung in Remagen, Oberwinter und Rolandswerth mit der Energieversorgung Mittelrhein g.m.b.h Koblenz ausgetauscht.

Es erfolgte für unsere Region ein Anschluß an der aus Koblenz ankommenden Leitung des EVM-Netzes, wobei die hiesige Versorgung mit Gas vorerst aus dem Koblenzer Gaswerk erfolgte. Den zum Transport nötigen Druck bis Remagen erzeugte ein Kompressor.

Seit Kriegsende erfolgt die Gasversorgung im Bereich der EVM ausschließlich durch Ferngasbezug von der Ruhrgas-AG, Essen über Gasfernleitungen.
Das linksrheinische Versorgungsgebiet der Energie= versorgung Mittelrhein, im Kürzel EVM genannt, erstreckt sich im hiesigen Bereich von Koblenz über Andernach und Remagen bis Rolandswerth. Die Orte sind durch eine Ferngasleitung verbunden, an die sich in Sinzig eine Abzweigung nach Ahrweiler anschließt.

Um jedoch eine ausreichende weiträumige Energiever= sorgung der linksrheinischen Gebiete mit Erdgas zu sichern, entschied man sich 1955 für die Verlegung einer Ferngasleitung, die den Westerwald mit dem linksrheinischen Versorgungsgebiet verband.
Der Planungsidee zufolge sollte das rechtsrheinische Gas über den Rhein mittels einem Gasdüker linksrheinisch zu einer neuen Übernahmestation im Kripper Feld gelangen, um von dort aus eine Aufspeisung des EVM-Fernleitungsnetzes im nördlichen Teil des Versorgungsgebietes zu gewährleisten. Für dieses Vorhaben stellte die Ruhrgas-AG den Anschluss an das Ferngasnetz durch den Düker her, und die EVM baute die im Kripper Feld am heutigen Sportplatz liegende Übernahme= station als Reglerstation und eine Verbindungsleitung bis zur ihrer vorhandenen Leitung an der Bundesstraße 9.
 


Gasdüker

 Zu diesem Zweck wurde für die Rheinüberquerung von Kripp nach Linzhausen in Höhe der gegenüberliegenden Burg Ockenfels bei Stromkilometer 630,7 ein unterirdisch verlaufender Gasdüker verlegt.
Hierzu wurde mit einem Großbagger im Rheinbett, quer zum Strom verlaufend, ein tiefer Graben für die Aufnahme der Rohrleitungen ausgehoben und der 320 m lange Düker mit starken Drahttrossen von Kripp Zentimeter für Zentimeter auf die gegenüber liegende Rheinseite gezogen. Für den Zeitraum dieses Vorhabens wurde eigens die tal-und bergwärts fahrende Schifffahrt eingestellt.

Die zum Schutz der Isolierung mit einer Bitumendecke und 13.000 Dachlatten gut eingepackten Gasrohre mit einem Gesamtgewicht von 50 t, wovon sich das Gewicht im Wasser auf 17,7 t reduzierte, wurden nach deren Verlegung mit einer 2 m starken Überdeckung aus einem Sand-Kiesgemisch eingespült, damit diese gegen Beschädigung durch Schiffe, wie Ankerwurf, etc. geschützt sind. Aus Sicherheitsgründen und zur Warnung der Rheinschifffahrt wurde am dortigen Leinpfad in Höhe Haus 66 ein Ankerverbotsschild angebracht. 6) 


Der weitere Verlauf der 200 mm im Durchmesser dimensionierten Gasrohre verläuft über die Breslauer Straße bis zur Römerstraße, um im versetzten Richtungsverlauf in das im Kripper Feld vor der Bahntrasse Köln-Koblenz befindliche Gashäuschen einzumünden. Von dort erfolgte die Aufspeisung in das an der Bundestraße 9 liegende EVM Ferngasnetz für den nördlichen Teil des hiesigen Versorgungsgebietes.

                      

Erdgas ist ungiftig. Das Einatmen ist völlig ungefährlich. Früher wurde so genanntes Stadtgas verwendet. Dieses war giftig und führte zu dem allgemeinen Vorurteil, dass Gas generell gesundheitsschädlich ist. Erdgas ist weder toxisch noch krebserregend. Sein Hauptbestandteil Methan sollte aber als potenzielles Treibhausgas nicht unverbrannt in die Atmosphäre entweichen. Zur Wahrnehmung von austretendem Erdgas wird diesem in geringster Konzentration ein stark riechender Geruchsstoff beigemischt (Odonierung). Der ungefährliche Stoff ist stark riechend und wird so bereits bei einer Konzentration von einem Prozent – und damit weit unterhalb der Gefahrengrenze – wahrgenommen.

Die heutige Gasversorgung des Ortes erfolgt über Leitungsstränge von 13,3 km Hauptrohr und 7,1 km Hausanschlussrohr. 631 Hausanschlüsse versorgen Kripp 7) mit dem nötigen Energieträger. Der Gasverbrauch belief sich für Kripp in 2010 auf 23.330.325 m³ . 8)

Noch heute versorgt „EVM“ die Kripper Haushalte und gewerbliche Betriebe mit Erdgas.
Sie beschafft das Gas direkt bei verschiedenen Händlern sowie unmittelbar an den Handelsmärkten in Deutschland und den Niederlanden. Die Händler, bei denen EVM die Mengen für Remagen-Kripp beschafft, beziehen ihr Gas wiederum aus verschiedenen Lieferverträgen aus Deutschland und den Niederlanden. Durch eine möglichst breite Streuung auf unterschiedliche Bezugsquellen ist es stets das Ziel unseres Gasversorgers, den bestmöglichen Preis für ihre Kunden zu realisieren.


Willy Weis & Hildegard Funk, Kripp


1) Chronik der Stadt Remagen von 1879-1931, Klaus Flink, Heft 6, S.17
2) Kripper-Tagebuch des Georg Valentin, S.14
3) mündliche Angaben Georg Breuer, Kripp
4) Kripper-Tagebuch des Georg Valentin, S.14
5) Zeitzeuge Michael Schumacher, Kripp +
6) ZA, „Stahlwurm“ fraß sich durch das Rheinbett“, vermutl 1955, Nr.179, Zeitung unbekannt
7) Stand 2010, Auskunft EVM
8) Stand 12/2011, Auskunft EVM