Wasserversorgung Kripp
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Eine Chronologie der Kripper Wasserversorgung.

Wasser, unser unentbehrlichstes Lebensmittel, das auch durch garnichts zu ersetzen ist, ist ein Naturprodukt, das in unserem Bereich bis 1998 aus dem Rheinuferfiltrat des hiesigen Grundwassers entnommen wurde. Kaum einer denkt heute darüber nach, mit welcher Mühe unsere Vorfahren in Kripp trotz des reichlichen natürlichen lokalen Wasserangebots sich mit der Beschaffung des wichtigsten Lebensmittels abplagen mussten.
Mit einer Selbstverständlichkeit erwartet man heute, dass zu jeder Jahreszeit Tag und Nacht ausreichend, qualitativ einwandfreies Trinkwasser zur Verfügung steht. Ab 1998 ist die hygienische Wasserversorgung komplikationslos gewährleistet durch das Frischwasser des Wahnbachtalsperrenverbandes.

Dies war nicht immer so!
Über die Versorgung mit Trinkwasser in Kripp konnte außer einer in 1821 getätigten Ausgabe von "23 Thaler und 3 Silber= groschen für Aufwendungen der Kripper Wasserversorgung“ 1) bis 1862 nichts in Erfahrung gebracht werden, jedoch aufgrund des reichlichen Wasserumfeldes dürfte es für den damaligen kleinen Ort Kripp keine Versorgungsprobleme gegeben haben. Unabhängig von dieser ersten Quellenlage war jedoch davon auszugehen, dass die am Rhein wohnenden Kripper Pioniere vor 300 Jahren ihren Wasserbedarf aus selbst errichteten einfachen Ziehbrunnen deckten, deren Wasserförderung mittels einer vertikal angebrachten Holzrolle mit Schwengel und einem am Seil befestigten Schöpfeimer erfolgte.
Der Ziehbrunnen ist eine von Menschenhand senkrecht geschaffene meist zylindrische Schachtung im Erdreich, deren Abteufung in die Grundwasser führende Schicht erfolgte.
Diese bisherige vage Vermutung fand unsere Bestätigung 2007, als bei Abrissarbeiten an der ehemaligen Villa Nagel während unserer zufälligen Anwesenheit ein solcher Brunnen mit dem Baggerlöffel angeschnitten wurde. Die Brunnenwand des fast zugeschütteten Brunnens mit einem lichten Maß von 120 cm im Durchmesser bestand aus verschiedenen unbearbeiteten hiesigen Natursteinen, teils auch aus großen Rheinkieseln. Es dürfte sich dabei vermutlich um den ersten Brunnen in Kripp gehandelt haben. Seine exakte Lage war an der heutigen nordwestlichen Gebäudeecke der heutigen „Rheinresidenz“, Quellenstr.1, circa 7 m von der Bordsteinkante entfernt. 2)



Mit fortschreitender Wassertechnik Anfang mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Wasserversorgung auf den Dörfern vereinfacht. Es folgten nun manuell betriebenen Schwengelpumpen, die zur Deckung des damaligen Wasserbedarfs das Grundwasser mittels eines Saugkolben an die Oberfläche förderten.

1862 ist dokumentiert, dass im „September die dritte Gemeinde­pumpe mit Brunnenschacht an der Unterkripp am Hof des Adolf Breuer neben der Bezirksstraße“ (heute Rheinallee 21) angelegt wurde. 3)
Bis 1905 stellten fünf dieser manuellen Schwengelpumpen in der heutigen Rheinallee, Quellenstraße (Kirchenvorplatz), Quellenstraße (Dorfschänke), Quellenstraße (Hochwassernotkapelle) und in der Mittelstraße (Karrak), die örtliche Wasserversorgung sicher. 4)
Unseren Recherchen zur Folge dürften diese von der Sinziger Firma F.H.Ott erstellt worden sein. Gleicher Pumpentyp befindet sich noch heute in Grafschaft-Oeverich und wurde nachweislich 1911 von der 1859 durch Friedrich Hermann Ott gegründeten Sinziger Schlosserei errichtet. 5)

Wegen jahrelanger hygienischer Trinkwasserprobleme durch Brunnenverunreinigungen und des ständig steigenden Wasserkonsums in Kripp infolge Bevölkerungszuwachses erwog der Kreis unter der Ägide des Landrates Heising (1889- 1923) als vordringlichste Aufgabe seiner kommunalpolitischen Aktivitäten, die Schaffung gemeindlicher Wasserleitungsnetze durch ein zentrales geschlossenes Wasserleitungssystem.
Verfechter dieser Idee war um 1900 das Remagener Stadtratsmitglied Vincenz Voß aus Kripp, der sich mit Vehemenz für ein solches Wasserdruckleitungssystem für den Ort einsetzte. Mit dieser neuzeitlichen Versorgungsanlage war man in der Lage, die Versorgung der zunehmenden Bevölkerung mit hygienisch einwandfreiem Trinkwasser zu gewährleisten, wobei neben dem Aspekt der Hygiene sich unter anderem mit den Einbau von Hydranten den Kripper erstmals der Anfang einer modernen Brandbekämpfung anbot. Diese Tatsache ist aus den Annalen der Kripper Feuerwehr herauslesbar, wo erstmals ein Franz Adenacker als Hydrantenführer dokumentiert ist.

Um jedoch das Wasser über ein geschlossenes Wasserrohrnetz in die Haushalte zu transportieren, musste durch einen Hochbehälter Druck erzeugt werden. Aus dieser physikalischen Notwendigkeit heraus wurde das emblematische Wahrzeichen von Kripp, der Wasserturm, 1904 an der höchsten Stelle des Ortes in der Weinbergstraße gebaut, der leider heute durch seinen derzeitigen baulichen maroden Zustand ein Ärgernis und eine Gefahrenstelle für die Bevölkerung darstellt. 


Des weiteren wurden zur Speisung des 80 Kubikmeter großen Wasserhochbehälters unterhalb des Wasserturmgeländes ein Pumpenschacht und ein Pumpenhaus errichtet. Zum Schutz des Trinkwasservorkommens wurde dieses Pumpenumfeld entsprechend als Wasserschutzzone ausgewiesen. 6)


Laut Tagebucheintragung des Kripper Bürgers Georg Valentin für das Jahr 1904 zu Folge wurde bereits im gleichen Jahr in Kripp mit der unterirdischen Verlegung der ersten öffentlichen Wasserleitungsrohre begonnen. „Im Frühjahr wurde mit dem Bau einer Wasserleitung begonnen. Anfangs November des nähelichsten Jahres war dieselbe fertig“ 7)
Dieser Eintrag steht jedoch im zeitlichen Widerspruch zu dem Eintrag im Lagerbuch der kath. Pfarrarchivs. „ Im Sommer 1905 wurde im Ort mit dem Bau des Wasserleitungsnetzes begonnen und im November in Betrieb genommen.“ 8)
Das geförderte Grundwasser, dass mittels Motorpumpen in den Hochbehälter gepumpt wurde , drückte nun das Trinkwasser aufgrund des hohen Gefälldruckes durch ein geschlossenes Rohrnetz zu den Konsumenten.

                                                                   Kripper Wasserturm mit Pumpenhaus 1952                                         (Foto: M.Schumacher+)

Diese Errungenschaft zog nun auch eine komfortablere Bauweise mit sich, indem nun die Wasserklosett auf den Halbetagen seitlich der Treppenhäuser angebaut wurden und sukzessive die Plumpsklos im Hof entfielen.

Des weiteren war mit einer zentralen geschlossenen Wasserversorgung über das gesamte Jahr witterungsunabhängig und problemlos ausreichend hygienisches Qualitätswasser zu erhalten. Die historischen Schwengelpumpen und Pützen, die neben der Dorfidylle von jeher durch einem Schwatz, Neuigkeiten-und Nachrichtenaustausch immer als Kommunikationszentrum galten, verloren mit zunehmender Rohrvernetzung und jedem neuen Wasserhausanschluss allmählich an Bedeutung.

Infolge Luftkriegsschäden kam in den letzten Kriegsmonaten zeitweise die zentrale Wasserversorgung des Ortes Kripp zum erliegen. Zur Wasserversorgung des Ortes musste wieder auf Pumpen und Brunnen zurückgegriffen werden. Desgleichen im strengen Winter 1945/ 46, als streckenweise die Unterflur liegenden Hauptwasserleitungsrohre infolge Frosteinwirkung barsten.
Die eiligst zu Kriegsende hergerichtete ehemalige Schwengelpumpe an der Kirche erfüllte somit wegen Versorgungsengpässe nach vierzigjähriger Ruhezeit als Kriegsnotpumpe nochmals ihren Dienst zur örtlichen Wasserversorgung. 9)
Nach dem Zweiten Weltkriege wurde wegen verschärfter Hygienebestimmungen des Trinkwassers und des erhöhten Wasserkonsums infolge der weiteren raschen Ortserweiterung eine neue Pumpstation unumgänglich. Mit der Inbetriebnahme der Wasseraufbereitungsanlage "Im Sand", wodurch nur noch aufbereitetes Wasser in das Kripper und Remagener Netz eingespeist wurde, erfolgte 1973 eine Trinkwasserqualitätsverbesserung. Als Reservebrunnen dienten nun die zwei Kripper Brunnen Weinbergstraße und Sandweg, deren Abschaltung danach vorgenommen wurde. 10) Der nun funktionslose Wasserturm fand bis zum Verkauf 1980 an einen Privatmann Verwendung als Feuerwehrgerätehaus.
Um die Wasserergiebigkeit zu erhöhen, wurde 1980 im Sand ein weiterer Brunnen abgeteuft
Nach Einstellung der Brunnenförderung am Wasserturm wurde die dortige Wasser­schutzzone aufgehoben. 11)

Planungsvorhaben Wasserverbund "Goldene Meile"
Durch den überregional gesehen erneut gestiegenen Wasserbedarf bedurfte es für den östlichen Ahrkreis einer neuen Konzeption. Planungsvorhaben eines Wasserverbundes für den östlichen Ahrkreis mit einem Wasserwerk in der nähelich gelegenen hydrologisch wertvollen Sinziger Niederau, deren mächtige Niederterrassensedimente sich förmlich für eine recht leistungsfähige Trinkwassergewinnungsanlage aufdrängten, standen zur Diskussion. Aufgrund der absolut positiven Aspekten einer Grundwasserhöffigkeit durch die vorhandenen quartären Lockersedimente sowie einer Analyse des dortigen Rheinuferfiltrates mit positiven Werten in puncto Wasserqualität signalisierte 1993 der Remagener Stadtrat, dem geplanten Wasserverbund "Goldene Meile" mit einer leistungsfähiger zentraler Trinkwassergewinnungsanlage in der Sinziger Niederau mit einem Kostenanteil von 26 % zuzustimmen. 12)
Das mehrheitlich von den Kommunalpolitikern für Sinzig, Remagen, Bad Breisig, Bad Neuenahr-Ahrweiler und der Grafschaft gewünschte zentrale Wasserwerk in der Sinziger Niederau wurde jedoch vorerst
zurückgestellt und 1998 ein neuer Wasserliefervertrag für nördliche Stadtteile Remagens für die nächsten 10 Jahre mit der Stadt Bonn abgeschlossen. 13)
Die seit 1971 angestrebte kleine Lösung eines Wasserzweckverbandes „Wasserversorgung Goldenen Meile“ in der Sinziger Niederau als Verbundlösung für das östliche Kreisgebiet wurde durch einen Wasserversorgungsvertrag ab 2001 durch die Stadt Bonn auf die Dauer von 30 Jahren gemäß der Mitgliedschaft Remagens im Wahnbachtalsperrenverbandes gesichert. Dabei soll der Brunnen in Nähe des Balthasarkreuzes in Rheinnähe mit einer täglichen Kapazität von 60.000 m³ als Notbrunnen erhalten bleiben.

Seit April 2002 versorgt nun komplikationslos der Wahnbachtalsperrenverband täglich 591 Kripper Hausanschlüssen mit einwandfreiem Trinkwasser mittels eines 21,137 km langen örtlichen Rohrnetzes, wobei die aktuelle Länge der Versorgungsleitungen ohne Hausanschlüsse 13,464 km beträgt. 14) 


Zur Erhöhung der Versorgungssicherheit des Trinkwassers in Notzeiten wurden jedoch präventiv die vorhandenen niedergebrachten Brunnen mittels einer Verbundleitung zwecks Einspeisung in das Versorgungsnetz für den Notfall aufrecht erhalten .

Notbrunnen
Zur Prävention für den Fall aller Fälle wurde im Rahmen des Ausbaues des Dorfmittenplatzes neben der Schwengelpumpe ein Notbrunnen abgeteuft, dessen Wasser notfalls im Lufthebeverfahren mittels Kompressor an die Erdoberfläche gehoben werden kann.

Sonderstatus
Um die damalige wassermäßige Eigenversorgung im westlichen Ortsteil von Kripp, der bis zum Gebietsänderungsvertrag 1973 ab dem Friedhof gemarkungsrechtlich zu Sinzig gehörte, zu gewährleisten, wurde 1921 ein Brunnen, ugs. Pötz genannt, an der damaligen Kripper Straße, heute Anwesen Becker, Quellenstraße 171, errichtet, der, ebenso wie die Pumpe vor der Pfarrkirche kurz vor Kriegsende als Kriegsnotpumpe zur Wasserversorgung des westlichen Ortes in der weise diente. indem von kommunaler Seite ein manuelles Brunnendrehwerk zur Wasserschöpfung mittels Eimer und Seil installiert wurde. Zu geregelten Zeiten versah ein behördlich abgestellter "schwelgender Wassermann“seinen Dienst, um die wassernotleidende Kripper Westgemeinde mit dem nötigsten "eimergeschöpften Nass" zu versorgen. 15)

Letzte Schwengelpumpe
Als einzigste unserer fünf Kolbenpumpen ist heute nur noch die Schwengelpumpe auf dem Ortsmittenplatz geblieben, die bis zur dortigen Aufstellung bei der Anlegung dieses Platzes über Jahre verwaist in einer Ecke vor dem Hotel Rhein-Ahr ihr Schattendasein fristete.
Ab 1996 hatte der hiesige Bürger-und Heimatverein e.V. unter dem Vorsitz des Verfassers sich zur Aufgabe gestellt, die letzte Pumpe, die einst unsere Vorfahren per Hand bedienten, als Denkmal an einen prädestinierten Platz zu würdigen. Unter Federführung gleichen Vereines konnten durch Gemeinschaftsveranstaltungen aller Ortsvereine anlässlich des jährlichen Lichterspektakels „Rhein in Flammen“ für dieses Vorhaben über 10.000 DM gesammelt und auf einem Sonderkonto hinterlegt werden.


Somit fand die historische Schwengelpumpe, die neben der ehemaligen Wasserversorgung auch noch ein markanter kommunikativer Treffpunkt der Ortsbevölkerung darstellte, ab 2003 auf dem neuen Dorfmittenplatz, wenn auch jetzt in ihrer Aufgabe funktionslos, als Relikt ehemaliger Wasserversorgungstechnik mittels eines Wasserspiels nach 100 Jahren als dekoratives Element einen angemessenen würdigen Platz inmitten des Ortes


Quellen:
1) LHAKO 635/ 465, Loslösungsbestreben (Verzeichnis der Gemeindekasse Remagen von 1817-1846
laut Regierungsanordnung vom 5.3.1847, Nr.358 )
2) Zeitzeuge und Foto von Willy Weis, Kripp 2007 3) Chronik von Kripp zum 125jährigen Bestehen des des JGV Freundschaftsbund Kripp e.V.,v. H.P.Kürten, S. 8
4) Zeitzeuge Michael Schumacher Kripp (1902-2000)
5) Hinweis Ottmar Prothmann, Oeverich 6) Heimatjahrbuch 1995, Kreis AW, S.141 ff, Willy Weis & Hildegard Funk, Kripp, „Der Kipper Wasserturm“
7) Tagebuch Valentin, S. 11 (1904)
8) Lagerbuch Kath. Pfarrarchiv Kripp (lose Blatteinlage)
9) Zeitzeuge: Heribert Ueberbach, Kripp +
10) Rundschau 10.1.1974
11) Chronik von Kripp zum 125jährigen Bestehen des des JGV Freundschaftsbund Kripp e.V.,v. H.P.Kürten,S.22 12) Rhein Ztg. Nr. 123 v.29.5.1996 „Knopfdruck mit großer Wirkung“ 13) Rhein-Ztg. Nr.154 Freitag 5.7.96, „Weiter Wasser aus Bonn" 14) EVM Remagen, Koblenz, Stand 3/2014 15) mündl.Angaben Albert Becker, Kripp, +