Kripp: Die Anfänge der örtlichen Stromversorgung

© weis/funk  Kripp 2014

Bis Anfang der zwanziger Jahre des 20.Jahrhunderts dienten teils mit Rapsöl getränkte lichtspendende Öllampen und geruchsintensive Kerzen aus Unschlitt, einem Gemisch aus Rinder-bzw. Hammeltalg mit Wachs oder die blakenden Petroleumlampen den Kripper Haushalten bei einbrechender Dunkelheit als Lichtquellen. Diese Lichtquellen wurden teils ab 1907 durch das aufkommende Gaslicht erweitert. 1)

Dies änderte sich schlagartig durch die revolutionäre Erfindung der Dampfmaschine, die mittels einem aufgesetztem Dynamo elektrische Energie erzeugte und man nun technisch in der Lage war, diese als hochgespannten Strom mittels einer oberirdischen Leitung über fernere Strecken an die Verbraucher zu transportieren.

„Am 18.Dezember 1911 beschloss der Kreistag für die Gesamtversorgung des Kreises die erforderlichen Schritte zu unter= nehmen. Es wurden Verhandlungen mit dem Kreis Mayen und dem auf der Grafschaft bereits bauenden „Berggeist“ angeknüpft, die zum Abschluss führten. Diese Verträge wurden vom Kreistag am 20. Dezember 1912 einstimmig angenommen, am 13. Februar 1913 die inzwischen endgültig festgesetzte Fassung durch den Kreisausschuss gut geheißen und am 21. Februar 1913 rechtsgültig vollzogen“. 2)
So kam es 1914 zwischen dem Stromerzeuger Berggeist AG Brühl, der jetzigen Rheinisch-Westfälischen-Energie (RWE) und der Stadt-und Landbürgermeisterei Remagen als Großabnehmer und Stromversorger für ihre Gemeinde zum Abschluss eines Konzessionsvertrages, einem sogenannten A-Stromlieferungsvertrag. Die Weitergabe der elektrischen Energie an die Haushalte sollte nun zu Lasten der Gemeinde erfolgen, die mittels Kleinverträgen die Abrechnungen direkt mit den einzelnen Stromkon= sumenten vornehmen sollten. 3)

                       

Der geplante Kreismäßige Netzausbau wurde jedoch durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges eingestellt.

Von 1920 bis 1922 kam es zu vertraglichen Änderung zwischen Remagen, Oberwinter und Rolandswerth als Großabnehmer und der „Berggeist AG Brühl“ als Stromerzeuger. Für den Verkauf ihrer Energie an Großkunden wurde nunmehr eine Vermittlungs= gesellschaft -die Thüringer Gasgesellschaft- als Makler zwischengeschaltet, die im Auftrag den Strom en Gros von „Berggeist“ kaufte und an die Gemeinde Remagen als Großabnehmer weiterverkaufte. 4)

Im Frühjahr 1921 erfolgte der Ausbau des Leitungsnetzes von Sinzig aus. Während die Hochspannung von Berggeist gebaut wurde, errichtete die Thüringer Gasgesellschaft das Niederspannungsnetz auf Grund der im Jahre 1914 abgeschlossenen Verträge. 5)

Der erste elektrische Strombezug wurde in der Gegend der ehemaligen alten Schule in der Ortsmitte durchgeführt. Damals erfolgte die elektrische Versorgung durch Hausanschlüsse mittels direkt am Haus angebrachten Porzellan-Isolatoren an der Fassade, deren zweiadrigen Stromleitungen über ein Porzellellanrohr ins Haus zum Stromzähler geführt wurden.
Mit dieser schwachen zweiadrigen Stromleitung, die im Hause gegen Stromschlag mit einer ummantelten Stoffisolierung überwiegend in einem mit Teerpapier isolierten Blechrohr Überputz verlegt wurde, konnte man lediglich nur eine Beleuchtung betreiben.
1921 erhielt die Katholische Kirche elektrisches Licht. 6) 1926 wurde das Haus Quellenstraße 82 elektrifiziert. 7)

Eine Ausnahme bildeten jedoch die zwei Villen des Lederfabrikgründers Heitemeyer und des Grafen Taveggi auf dem Batterieweg, heute Nr. 16-18 und 22. Hier dürfte bereits um 1905, also über 15 Jahre vor der eigentlichen Ortselektrifizierung schon das erste elektrische Licht in Kripp gebrannt haben.
Für diese Behauptung spricht eine alte von uns aufgefundene Bauzeichnung, in der dokumentiert ist, dass dort in einer vom Pferdestall umgebauten Autogarage mittels eines benzinbetriebenen Generators elektrischer Strom für das dortige Anwesen erzeugt wurde. 8)
Clemens Heitemeyer, Lederfabrikbesitzer in Amerika und Kripp, dürfte diesen Generator als damalige Errungenschaft bei seiner Übersiedlung nach Kripp mitgebracht haben, um hier im Ruhestand nicht auf diesen in Amerika gewohnten Luxus zu verzichten.

Die zu damaligen Zeiten leuchtschwache Glühlampe von 16 Watt, die eine Leuchtstärke von 16 Normalkerzen hergab, verdrängte die bisherigen verschiedenen schummrigen Lichtquellen.
Hieraus resultiert auch die damals geläufige Leuchtstärkebezeichnung der Glühbirnen "16 kerzig".
Mit zunehmender Verbesserung der Stromqualität wurde später sukzessiv das Ortsnetz mit mehr Power verstärkt. Mit deren Energie war man nun in der Lage, Maschinen direkt mit Elektroenergie zu betreiben.
Dadurch entfielen die in den Betrieben zum Maschinenantrieb dampfbetriebenen ledernen Transmissionsanlagen. Einen Sonderstatus bildete jedoch die Lederfabrik, die für ihre Eigenstromerzeugung bereits über einen eigenen dampfgetriebenen Generator verfügte.



Leider ließen sich keine genaueren Aufzeichnungen oder alte Rechnungsbelege mehr finden, die einen genaueren Aufschluss über den Stromausbau in Kripp aufzeigen.

Gebietsweise wurden nach 1980 die über den Hausdächern vorhandenen alten Freileitungen für die Hausanschlüsse durch neue Erdleitungsanschlüsse ersetzt, ausgenommen gewisse Teilgebiete im Hochwassergebiet der Unterkripp,
Die heutige strommäßige Grundversorgung für Kripp erfolgt durch den Energiekonzern RWE- Regionalzentrum Rauschermühle.

      

1) Vereinschronik 1912 der Schützengesellschaft 1837 Kripp zum 75 jährigen Jubiläum 2) Heimatjahrbuch Kreis Ahrweiler 1971, S.100, Josef Hoss
3) Archiv Berggeist Brühl
4) Archiv Berggeist Brühl 5) Chronik der Stadt Remagen von 1879-1931, Heft 6, S.42, Klaus Flink 6) Kath. Pfarrarchiv Kripp 7) Angaben des Zeitzeugen Paul Ueberbach+, Kripp 8) Baugenehmigungsunterlegen 1905 /Kopie: Archiv Weis/Funk