Kripper Kaminrohrfabrik 1881
© weis/funk  Kripp 2014

Auf der Suche nach alten Fotos für einen Beitrag 1) der alten Bahnschranke am Godenhaus, die bis zum Ausbau der B 266 hinter dem westlichen Ortsausgang von Kripp die Gleisüberquerung der ehemaligen Kripper Chaussee der Bahnstrecke Köln-Koblenz in Höhe des ehemaligen Rittersitzes sicherte, stießen wir im Godenhaus zufällig, Dank der leihweise Überlassung alter Unterlagen und Dokumente der heutigen Gutsbesitzerfamilie Knops, auf historische Quellen. Neben dem gesuchten Foto, unter anderem auch auf eine recht interessante „Acte der Gräflich von Speeschen Rentei Düsseldorf betreffend der Verpachtung von Ackerfeldern zum Ausziegeln an der Kripp“, die uns einen recht interessanten Aufschluss über ein ortsbekanntes Areal offenbahrte. 2)

                                            

Einem unter der Nr. 26331 vom 19.April des Jahres „achtzehnhundert ein und achtzig (1881)“ des Königlichen Notars Justizrath Carl Otto zu Düsseldorf geschlossenen Pachtvertrag zwischen dem Rentmeister Norbert Berenbrok, handelnd namens des Königlichen Kammerherrn Herrn Reichsgrafen Franz von Spee zu Cromford und Bernard Goedkoop, Kaufmann zu Linz am Rhein zu Folge, wurden nachfolgende 6 Ackergrundstücke vom 1. April 1881 auf die Dauer von 10 Jahren verpachtet,

Gegenstand dieses in 9 Artikeln geregelten Pachtvertrages waren die „dem Reichsgrafen Franz von Spee zugehörigen in der Gemeinde Remagen an der Kripp belegenden im Kataster unter Flur 6 Parzelllennummer 418, 480, 481, 482a, 482b und 651/483 eingetragenen Ackergrundstücke, in einer Gesamtgröße von 2 Hektar und 5,5 a und 31 qm“ 3)



Der 1849 geborene Pächter Bernard Goedkoop war der Sohn des Kaufmanns Lerucha Goedkoop, der bereits 1878 in der Liste der Meistbeerbten von Kripp anlässlich der Loslösungsbestrebungen von Remagen Erwähnung findet und dem zufolge in Kripp über Besitz verfügte. 4)
Er vermählte sich 1878 in Kripp mit Berta Volk, aus deren Ehe im gleichen Jahr in Kripp die Tochter Dorathea Amalie entspross. 5)

                        

Dem Reglement laut Art. 3 des notariell geschlossenen Pachtvertrages zur Folge durfte der Pächter den Boden nur bis zu einer Tiefe von „8 rheinischen Fußen“ (2,52 m) ausziegeln.
Des weiteren regelte Artikel 5 des Pachtvertrages, dass nach Pachtablauf die ausgeziegelten Grundstücksparzellen planiert und frei von allen Ziegelbrocken und sonstigen nicht zugehörenden Gegenständen geräumt zurückgeliefert werden. Des weiteren durfte von diesem Pachtgrundstück die Zufuhr von Kohlen und Materialien sowie Abfuhr der Ziegel ausschliesslich nur über die „alten Straße“ (heutige Römerstraße) erfolgen.

Als einmaliger Pachtzins wurde eine Summe von 13.670 Mark vereinbart, obwohl im Allgemeinen als damalige Grundlage für die Pachtkalkulation eine angenommene Ausbeute von 500 Ziegel je Kubikmeter Lehmboden diente.
Das ergab pro Morgen (2.500 qm) bei 1 m Lehmstärke eine Ausbeute von 1.250.000 Ziegel, bei 2 m Lehmstärke von 2.500.000 Ziegel und bei 3 m Lehmstärke von 3.750.000 Ziegel, die hätten geformt werden können.
Der Pachtzins lag je nach Lage und Lehmgüte pro 1.000 Ziegel zwischen 1 bis 1½ Mark pro Jahr.

Wie gelangte dieses Areal in Spee`schen Besitz?
Einem geometrischen Kartenvergleich mit alten Flurkarten und den heutigen Messtischblättern entnahmen wir, dass es sich bei diesen vorgenannten Parzellen um das heutige Gelände der Kripper Grundschule bis hin zur Römerstraße handelte. 6)
Der Urkatasterkarte des Weilers Kripp zu Folge, „angefangen am 18. Oct. und beendigt am 29. Oct.1827 durch den Katastergehülfen Herrn Reiff“ gefertigten Handriß der Flur VI, genannt Weiler Kripp“, gibt es erstmals Aufschlüsse über die damaligen  Eigentumsverhältnisse dieser bezeichneten Parzellen.


                            

Neben den damaligen Eigentümern der Parzellen 482/483 sowie 481, Heinrich und Hermann Tempel sowie ein Johann Josepf Palm von Kripp ist in Parzelle 480 ein Heinrich Borckmann vom Gutenhaus (Godenhaus) verzeichnet. Gewisser Leutnannt Heinrich Borckmann aus Berlin war zu dieser Zeit Eigentümer des Godenhauses.


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In den Zeiten französischer Fremdherschaft (1794-1815) stand das Godenhaus im Besitztum des Generaleinnehmers de Neuville zu Düsseldorf. Nach der Inbesitznahme der Rheinlande durch Preußen (1815) konnte bis zum Verkauf an Graf Spee 1864 und späterer Verpachtung besagter Ziegelfelder durch die gräfliche Verwaltung in 1881 keine Ankaufsdokumente der restlichen im Pachtvertrag nachbarlichen Feldparzellen von Palm und Tempel aufgefunden werden. In wie weit und wann die benannten nachbarlichen Ackergrundstücke, ausser Nr. 480, in den Besitz des Godenhauses gelangten, konnte von uns nicht mehr nachvollzogen werden.

Ende dieser Ziegelei
Der erweiterten Korrespondenz der gräflichen Rentei entnehmen wir, dass der Pächter auf diesen auszuziegelnden Ackerparzellen ab 1881 neben dem Verkauf von Brennmaterial, Ziegelsteine. Dachziegeln und Kaminrohre fertigte und vor Ablauf der Pachtzeit durch einem uns unbekannten Umstand in Konkurs geriet.
Mit der Abwicklung der Konkursangelegenheit wurde die Liquidationsfirma Fa. P.W. Schiefelbusch beauftragt, die sich jedoch während ihrer Tätigkeit ebenfalls aus uns unbekannten Umständen, vermutlich wegen familiärer Probleme, auflöste. Dies entnehmen wir aus einem Verzeichnis des 1859 geborenen Liquidators Peter Wilhelm Schiefelbruch, der 1889 eine Johanna Emilie Kamberg heiratete und im gleichen Jahr die Geburt eines Sohnes Peter Wilhelm und 1892 die Geburt eines Sohnes Paul Schiefelbruch angezeigte.

Nunmehr wurde zwecks weiterer Konkursabwicklung der zu Kripp wohnende Ziegeleibesitzer Adolf Martin mit den liquidatorischen Obliegenheiten der aufgelösten Handelsgesellschaft Schiefelbusch & Co. amtlich beauftragt. 8)



Einem Schreiben gemäß vom 9.2.1894 des zwischenzeitlich zum Oberentmeister beförderten Berenbrok befanden sich noch nach dem Konkursantrag auf dem ehemaligen Ziegelgelände zwei große Ziegelhütten als Produktionsstätten, „welche, da das Land wieder in Kultur genommen werden soll, zu diesem Zwecke dem Hofpächter Kröll verpachtet ist, an den Zimmermeister Schlagwein zu Löhndorf zum Preise von 55 Mark auf Abbruch verkauft sind.“

Nachdem nun die auf dem Pachtgrundstück bevorrateten Ziegelsteine nun liquidatorisch verwertet wurden und die Ziegelhäuser auf Abbruch an den Zimmermeister aus Löhndorf gelangten, erfolgte neben der Verfüllung des errichteten Wasserbrunnens die Räumung des Areals von Steinbrocken und Planierung des Pachtgrundstückes in den übernommenen Zustande von 1881, so dass nach der Übergabe das Grundstück wieder durch den Godenhauspächter Kröll in Kultur genommen werden konnte.

Nach Erfüllung seiner Aufgabe meldete der Kripper Ziegelmeister Adolf Martin als amtlich eingesetzter Liquidator dem gräflichen Oberrentmeister Berenbrok Vollzug mit dem positiven Bemerken.: „da dass zur Ausnützung verpachtete Ziegelgrundstück tatsächlich zum großen Teile nicht ausgenutzt worden ist und dadurch bedingter Wertertragnis des Grundstückes zu Gunsten des Eigentümers verbleiben dürfte.“

Eigentumswechsel

Auf Grund der Notwendigkeit einer dringend benötigten neuen Grundschule erkannte man seitens der Stadtgemeinde den geeigneten Wert dieser ehemaligen Ziegelgrundsstücke durch ihre zentrale Grundstückslage im Flurdistrikt „Im Maar“ sowie ihrer Größenordnung von 12.650 m².
Diese Größenordnung bot nun neben der Planung einer vierklassigen Schule mit ausreichendem Schulplatz noch die Möglichkeit der Erstellung einer Sportanlage 9)
Ab 1955/56 erfolgten die ersten Verkaufsgespräche zwischen den Grundstückseigentümern der Erbengemeinschaft Dr. Niessen als ehemalige Gutsbesitzer des Godenhauses und der Stadt Remagen. Nach mehreren Stadtratssitzungen entschloss man sich nun zur Realisierung dieses Vorhabens.
Demnach war das heutige Schul- und Sportplatzgelände von der Pastor-Keller-Straße bis zur Römerstraße von 1881 bis 1891 zur gewerbsmäßigen Lehmausbeutung teilweise ausgeziegelt.

Neue Kripper Grundschule 1963 von der Voßstraße aus gesehen.

Einem in der Akte befindlichem Schreiben einer Wwe. Frau Joseph Coenzler aus Sinzig vom 9.6.1899 zur Folge, soll sich in der Nähe gegenüber dem Garten eines Herrn Prof. Andrea noch eine Ziegelei eines gewissen J.Schütz mit tiefem Lehmvorkommen befunden haben.
Vermerk: (Ein gewisser Prof. Dr. Hans Andreae war laut General-Anzeiger Nr.157 vom 19.7.2014 Fabrikant in Burgbrohl und Begründer des Eifelvereines Burgbrohl 1889)

Willy Weis & Hildegard Funk, Kripp

Quellen:
1) siehe www.Geschicht-Kripp.de/Anekdoten/Godenhausschranke.
2) Acte der Gräflich von Speeschen Rentei Düsseldorf betreffend der Verpachtung von Ackerfeldern
zum Ausziegeln an der Kripp.
3) Speescher Pachtvertrag Nr. 26331 vom 19.4.1881
4) LHAKo 635/465
5) Dr. Hentschel, „Evangelische Bürgerliste von Remagen“
6) lt. Angaben des Vermessungstechnikers Georg Scheuer, Kripp
7) Urkataster des Weilers Kripp von 1827
8) Acte der Gräflich von Speeschen Rentei Düsseldorf betreffend der Verpachtung von Ackerfeldern
zum Ausziegeln an der Kripp. (Korrespondenz)
9) Schulchronik; unbekannter ZA: “Beratungen über den Schulneubau in Kripp"