Abriss Unterkripp  ©

© Bericht von Willy Weis und Hildegard Funk  1999


Das Projekt zur Verlegung von Kripp

Geplante Verlegung des hochwassergefährdeten Ortsteiles „UNTERKRIPP“ aus dem Überschwemmungsgebiet.

Auf Grund seiner Tieflage mit 55-57 m NN in der Niederung des Rheines und der Ahrmündung gelegene „Unterkripp“ hat dieser Ortsteil stets im besonderen Maße mit dem Hochwasser zu kämpfen. Infolge der rückblickenden schrecklichen Ereignisse der Hochwasserfluten von 28. Nov.1882 (Pegel Andernach 10,40 m), 16. Jan.1920 (Pegel Andernach 10,30 m) und des Neujahrshochwassers 1926, mit einem damals noch nie gemessenen Scheitelpunkt von 10,43 m (Pegel Andernach 1.1.1926) wurde ab 1927 aus kommunaler Sicht eine Verlegung der permanent von Hochwasser umspülten „Unterkripp“ in ein hochwasserfreies Gebiet auf der Oberkripp in Erwägung gezogen. Man kam zu der Einsicht, dass eine Verlegung des Ortsteiles von Kripp das einzige probate Mittel zur Behebung der sich wiederholenden Schäden sei.

 
       Die Kripper Rheinfront beim Hochwasser 1926, bei dem auch die anderen Orte am Rhein schwer geschädigt wurden.

Hochwasserursachen 1926

Kripp liegt im vollen, von Niederbreisig auf eine Länge von 7 km geradlinig herankommenden Hochwasserstrom absolut ungeschützt. In früheren Jahren war dieses Vorgelände besetzt mit dichten, aufeinanderfolgenden Barrieren von Weiden, Hecken und Pappeln, die die Gewalt des Stromes brachen und erheblich reduzierten im Gegensatz zum damaligen Zustand, wo diese teils auf Strombau- teils auf Privateigentum liegenden Barrieren zum Ende des 19. Jahrhunderts entfernt worden sind, eingewiegt in der Sicherheit, vor zukünftigen Hochwasserkatastrophen verschont zu sein.
Diese natürlichen Barrieren waren von entscheidender Wichtigkeit, insbesondere bei Eisgang, wenn sich die herankommenden Eismassen in dem von Kripp nach Sinzig ca. 2 km ins Land ausweitenden Hochwasserüberflutungsbecken stauten und sich zwischen die Hauslücken gewaltig strömend von rückwärts hemmungslos in den Ort ergossen, und die Siedlung der Unterkripp umfassten und fast erdrückten. Das Hochwasser floss mit voller Stromgewalt durch den Ort mangels jeglichen Stromschutzes. Mitgeführte Eismassen wirkten dann in diesem Strom rammend und pressend und den Ort zerreibend.
Die gleiche Gefahr besteht bei normalen Hochwasser, wenn Gegenstände von Gewicht mit zu Tal schwimmen. In dieser Hinsicht hat Kripp bisher unbegreifliches Glück gehabt. Würde, wie 1882, sich ein Schleppkahn losreißen und gegen den Ort treiben, so wären die Schäden katastrophal.
Allein der Schaden in Kripp bei den letzten 4 Hochwassern seit 1919 betrug ca. 750.000 Mark, wobei die Kosten der Nachfolgeschäden in der Schadenssumme unberücksichtigt blieben.


                                                                                  Kripp versank 1926 im Hochwasser

Verlegungsidee

Die bisherigen geflossenen Geldsummen aus Spenden und Hochwasserhilfen des Staates ließen die Frage einer sinnvollen einmaligen Investition aufkommen, um die von den Hochwasserfluten stark in Mitleidenschaft gezogene und lädierte „Unterkripp“ endgültig mit einer einmaligen Verlegungsaktion auf ein hochwasserfreies Gebiet des Kripper Plateaus oberhalb des Batterieweges zu verlegen und somit von der immer wiederkehrenden Hochwassergefahr zu befreien und zukünftige staatliche Unterstützungsgelder einzusparen.
Des weiteren, um dem Vorwurf der Ungerechtigkeit und Verärgerung der Kripper Hochwassergeschädigten bei der Spendenverteilung entgegenzutreten, denn schon 1882 wurden Beschwerden und Vermutungen laut „dass die Hilfe auf verschlungenen Pfaden guter Beziehungen gründlich versickert seien. Leider sind dieselben aber durch das hinzu bestimmende Ortskomitee nicht immer an den richtigen Mann gekommen. Es gab Familien, welche nachher in besseren Verhältnissen gelebt haben wie vorher.““ (Valentin, S. 5, 6) bzw. 1920 „Es sind tüchtige freiwillige Summen geflossen, aber die sind in noch größere Löcher hinab gefallen. 1882 hat es genau so gegangen.“(Valentin, S. 35, 36)

Unter anderem sollte auch den Kritikern der Garaus gemacht werden, nach jedem Hochwasser einen Schuldigen zu finden und fruchtlose Endlosdiskussionen zu vermeiden.
Man beabsichtigte annähernd über 65 Häuser aus dem Hochwasserabflussgebiet hochwasserfrei zu verlegen. Mit Ratsbeschluss wurde der Remagener Bürgermeister Froitzheim Ende April 1927 gebeten, dieserhalb die Preußische Regierung Koblenz „für sofortige Maßnahmen, um die Verlegung des Ortsteiles von Kripp aus dem Hochwassergelände beschleunigt durchzuführen und diese Aktion nicht hinter anderen zurückstehen zu lassen“ zu ersuchen.
Da die Federführung in der Bearbeitung von Hochwasserschutzmassnahmen bei der Staatregierung liegt und an den Provinzialausschuss weitergeleitet wird, wurde auf Empfehlung des Herrn Oberpräsidenten der Rheinprovinz dem Herrn Landwirtschaftsminister die Bildung einer Kommission aus dem Ministerium angetragen, die sich in Kripp über die Sachlage informierte.
Nach jahrelangen Verhandlungen in den Regierungs- und Ministerialinstanzen sowie dem Landeshauptmann, wurde die Stadt Remagen nunmehr beauftragt, ein endgültiges Projekt umgehend vorzulegen. Die Bewilligung mit einem veranschlagten Projektkostenaufwand zwischen 1,5 bis 2 Millionen wurde von der Regierung in Aussicht gestellt, sowie ein Versprechen abgegeben, dass die Regierungs- und Ministerialinstanz das Projekt nach besten Kräften fördere.
Eigens in dieser Angelegenheit reiste der Landrat, Bürgermeister Froitzheim sowie Beisitzer E.A. Nagel und einigen Ratsmitgliedern als kleine Delegation am 11.11.1926 nach Berlin, um dort die maßgebenden Referenten der beteiligten preußischen Ministerien persönlich zu informieren.


                                                                   Die untere Quellenstraße in Kripp beim Hochwasser 1926

Ablauf

Die Kripper Stadtverordneten Johann Hammer, Anton Rieck, Karl Werner und A. Dörries, gleichzeitig Vorsitzender des damaligen „Bürger –Vereins Kripp a./ Rhein“ und Hochwasserbetroffener, sowie E. Konrad Nagel als Beisitzer des Remagener Stadtrates, gleichzeitiger Vorsitzender des „Schutzverbandes der Hochwassergeschädigten E.V. Sitz Köln, Ortsgruppe Kripp“ und als Besitzer der Rheinischen Konservenfabrik Kripp selbst Hochwasserbetroffener, geizten in den zwischen 1927 – 1930 zur Ortsverlegung betreffenden Ratsversammlungen unter Bürgermeister Froitzheim im Einklang mit den Remagener Stadträten in ihren Beschlüssen, Anträgen und Schreiben an die Obrigkeit nicht mit plausiblen Argumenten.
Unter anderem wurde angeführt, dass man bei Ausführung des Verlegungsprojektes neben der Ersparnis von 150 000-200 000 Mark für den Wegfall geplanter Deicharbeiten dankbare Verhältnisse zur Zeit der herrschenden Wirtschaftskrise schaffe, wobei neben dem Aspekt der Schaffung dauernder Verhältnisse die Verlegung gleichzeitig wegweisend für die weitere Ausdehnung des Ortes sein würde.
Aus vielen Schreiben ist ersichtlich, mit welcher Vehemenz die politischen Kripper Mandatsträger ihr Anliegen vorgetragen haben.
Der städt. Vorschlag vom 9.3.1928, die Verlegungsmaßnahme als kleines Projekt zu vollziehen, wurde von der Regierungsseite wegen Unzulänglichkeiten abgelehnt und das große Bauprojekt mit einem Volumen von 1,5 Millionen Mark, jedoch mit der Maßgabe der strikten Ablehnung dieser Ausführung durch eine Baugenossenschaft, festgelegt.
Auf Vorschlag wurde eine Kommission, bestehend aus dem Bürgermeister Froitzheim, dem Beigeordneten Langen, Lindecke und Werner (Kripp), sowie der Stadtbaumeister Fortein und 3 Bürger aus Remagen und 2 Bürger aus Kripp gebildet. (Rhein- Zeitung Nr. 61 vom 13.3.1928.)

Nach der Gesamtabklärung des umfangreichen Fragenkomplexes war vorgesehen, ohne Zwang mit den Hauseigentümern zu verhandeln. Wer aber am Erbgut seiner Väter zu sehr festhielte und glaubte den Hochwassern des Rheines gewachsen zu sein, dürfe wohnen bleiben. Ältere Leute, die aus sozialen Gründen keine weiteren finanziellen Belastungen tragen könnten, sollten einer Sonderbehandlung unterzogen werden. Grundsätzlich dürfe ein jeder über sein eigenes Schicksal selber entscheiden können.
Grundsätzliche Einigkeit herrschte darüber, eventuellen Spekulanten entsprechend entgegenzutreten und den Hochwassergeschädigten in der Bauplatzsuche innerhalb des Stadtgebietes Remagen ziemliche Freiheit zu lassen.
Unterstützt vom Landrat zu Ahrweiler und dem Remagener Bürgermeister wurde dieses Vorhaben der Regierung unterbreitet und wohlwollend befürwortet, jedoch mit der Maßgabe, dass als Bauträgerin die Stadt Remagen fungieren sollte.
Dieses Bauvorhaben, damals das einzigste derart in ganz Deutschland, wurde geradezu als genial empfunden und Debattenlos im Landtag mit einem Volumen bis 1,8 Millionen Mark zur Annahme empfohlen.


                                                                                   ... und beim Hochwasser 1993


Strombau


Lebhaftes Interesse für das Verlegungsprojekt bekundete auch die Rheinstrombauverwaltung, die nach dem Abriss der Baulichkeiten die am Rhein verbleibende „Kripper Mulde“ nach strompolizeilicher Vorschrift angesichts der hier herrschenden natürlichen Abflussverhältnissen landschaftlich derart entsprechend wirkungsvoll auszugestalten plante, „damit der gewünschte hemmungslose Ablauf des Hochwasserstromes gesichert ist.“



Geplante Lage


Für die Umsiedlung waren folgende Grundstücke auf der Oberkripp vorgesehen.
Das Spee´sche Grundstück an der Hauptstraße westlich der Voßstraße (heutige Mosellandsiedlung). Die Grundstücke zu beiden Seiten der Mittelstraße, westlich und nördlich der Villa Hettlage (heute Vito Irmen), für die Dampfwaschanstalt das Werner´sche Anwesen an der Hauptstraße zu Kripp, für die Nagel´sche Fabrik das Gelände südlich von der Gärtnerei Beldy an der Provinzialstraße zu Remagen, für die Gastwirtschaft Dörries, Rheinstraße 3 (ehemals Hotel Rheingold) an der Mittelstraße, für die Kalkbrennerei Marx das Gelände an der Alten Straße gegenüber der Lederfabrik an der Sinziger Straße und für die an der Rheinallee 14 liegende Villa Aschauer, am Wässigertalweg zu Remagen. (Für den Grund und Boden wurde vom Ministerium das Enteignungsrecht in Aussicht gestellt)

Ideenwettbewerb


Dem neuen Verlegungsplanzufolge sollten bis zu 67 auf der Unterkripp befindliche Gebäulichkeiten im Bereich bis 58 m NN abgerissen und auf das Hochplateau verlegt werden. Für die Gewinnung von Vorschlägen für die Umsiedlung eines Teiles der Ortschaft Kripp aus dem Hochwassergebiet erfolgte durch die Stadt Remagen im Einvernehmen mit dem Regierungspräsidenten zu Koblenz am 10. Juli 1928 eine Ausschreibung eines mit 3000 Mark dotierten städtebaulichen Ideenwettbewerbes entsprechend den Grundsätzen des Verbandes Deutscher Architekten. Hierzu trat erstmals am 16.10.1928 ein Gutachterausschuss aus 9 Mitgliedern der Bezirksregierung, der Verwaltung der Rheinprovinz, des Kreises und der Stadt Remagen zusammen. 6 namhafte heimische Architekten wurden dazu aufgefordert, genaue Pläne über die Gesamtsiedlung zu entwerfen, die jedoch nicht den Eindruck einer Kolonie machen durften.
Man beabsichtigte den Batterieweg etwas bastionsartig als neue Rheinfront repräsentabel und dementsprechend herzurichten, damit eine schöne Rheinfront geschaffen werden solle, „anstelle der jetzt überhässlichen, geschmacklosen Front von Kripp“.

Nach den Vorstellungen der Stadtväter sollten 50 % der Gesamtkosten geschenkweise aus verlorenen Staatszuschüssen und 20 % aus verbilligten Staatsdarlehen bestehen. Die Restfinanzierung von 30 % sollte laut Stadtratsbeschluss vom 5.11.1928 durch ein kommunales Darlehen „gegen verbilligte Zinsen nach dem Grade der Leistungsfähigkeit oder auch an Bedürftige zinsfrei weitergegeben werden.“(H.P. Kürten/ JGV)
Entsprechende Detailbesprechungen über Höhe und Anweisungen von Staatszuschüssen sowie des noch zu lösenden Fragenkomplexes fanden im April 1928 im Staatsministerium unter Teilnahme der Regierung, des Kreises und der Bürgermeisterei Remagen statt.


                              

Verlegungsgenossenschaft

Als Voraussetzung für eine Durchführung dieses Projektes gründeten die Kripper Beteiligten eine von der Staatsregierung zwingend vorgeschriebenen Genossenschaft, in der die in Frage kommenden Grundstücke mit Aufbauten als Anteile eingebracht und die Werte den Einbringenden von der Genossenschaft gutgeschrieben wurden. Die Genossenschaft durfte jedoch über die eingebrachten Werte nicht verfügen. Sie dient nur als Sammelstelle und einheitliche Vertretung der Beteiligten zum Zwecke der Verlegung des hochwasserbedrohten Ortsteiles.
In einer Versammlung Geschädigter, die 51 Anwesen vertraten, erklärten sich fast alle einstimmig und unterschriftlich zum Beitritt bereit. In Anwesenheit einer Urkundsperson wurden bis auf wenige „alte Gegner“ bindende Verpflichtungserklärungen abgegeben.
Unterschriftverweigerung leisteten die „alten Gegner“ Nr.13, 22 und 41 sowie Nr. 36, 37 und 53 wegen außergewöhnlicher Überforderung, die jedoch zu verlegen bereit sind.
Vorab hatte eine Kommission von Bausachverständigen, die die Neubauwerte ermittelten, mit allen Beteiligten verhandelt.
Nach der bindenden Erklärung der Beteiligten zufolge ergab sich vorab eine geschenkweise gesamte Projektsumme von 1 372 951,00 RM, inklusive der geschenkweisen 200 000 RM für Fabriken und 150 000 RM für Grunderwerb, Straßenbau und Elektrizität.


Projektende


Die Neigung des Provinzialausschusses, einer finanziellen Beteiligung des Kripper Hochwasserprojektes nach derzeitigen Sachstand zuzustimmen, sind sehr gering. So entnehmen wir einem Schreiben des Oberpräsidenten der Rheinprovinz in Koblenz an den Regierungspräsidenten in Koblenz vom 11.10.1928: “Das Projekt wird nach der vorstehenden dargelegten Stellungnahme der Provinz nur gerettet werden können, wenn Kreis und Gemeinde sich ganz erheblich beteiligen.“
Weitere vom Provinzialausschuss getroffenen vagen Zusagen entnehmen wir einem Schreiben vom 25.10.1928 ..wenn sich nicht die örtlichen Stellen (Gemeinde und Kreis) dazu entschließen, bei der Finanzierung des Projektes mitzuwirken, erscheint eine Unterstützung des Projektes aus Provinzialmitteln völlig ausgeschlossen“...“als Höchstgrenze eines Provinzialzuschusses haben 2/5 von 50% der Gesamtkosten des Unternehmens zu gelten“.

Mit Beschluss des Remagener Stadtrates vom 5.11.1928 wurde die grundsätzliche Beteiligung an der Projektfinanzierung mit dem Kreis beschlossen
Um der Angelegenheit mehr Dynamik zu verleihen, erging vom Stadtrat 3 Monate später am 4.2.1929 folgender Beschluss: „Die Stadtverordneten bitten alle maßgebenden Instanzen im Interesse des bedrückten Stadtteils Kripp eine Entscheidung über das Projekt baldigst zu fällen, ungeachtet dessen, ob die Ausführung ein Jahr früher oder später stattfindet“.

Nochmals wird höheren Orts auf die finanzielle Leistungsfähigkeit der Stadt, diese nicht zu stark in Anspruch zu nehmen, mit der Bemerkung hingewiesen, „dass die höheren staatlichen Aufsichtsbehörden und der Herr Landeshauptmann doch kein Interesse daran hätten, die unteren Kommunen zu ruinieren.
Mit Erlass vom 10.12.28 verfügte der Oberpräsident, das die finanzielle Beteiligung von Kreis und Gemeinde nicht genügten. Er sei der Ansicht, dass die Stadt Remagen gar nicht in der Lage sei, eine Summe von 24.000 RM jährlich „ohne Erschütterung des Etats“ aufzubringen.
Auf Vorschlag des Kreistages könne eine Zinsbewilligung von jährlich 6.000 RM in den Etat eingestellt werden, wobei die Quotenregelung Kreis/ Stadt noch zu beschließen sei. Diese in Aussicht gestellten 6.000 RM würden bei 4 % Verzinsung ein Kapital von 150 000 RM ergeben, die man als verbilligtes Darlehen zu 4 % seitens des Staates bewilligen könnte.
Im übrigen trete bei dieser vorgeschlagenen Regelung für den Staat und die Provinz eine unwesentlich höhere Belastung ein.
Eine anderweitige Durchführung des Verlegungsprojektes sehe man als unmöglich an, da die Betroffenen die Finanzierung zu halb Geschenkweise und im übrigen Darlehensweise wegen zu großer Belastung ablehnen.

Wie aus einem Schreiben des Remagener Bürgermeisters Froitzheim an den Landrat vom 14. März 1929 mit der Aussage „meines Erachtens ist auf der Grundlage 50% - 20 % - 30 % das Projekt endgültig als gescheitert anzusehen“ hervorgeht, scheiterte das Kripper Jahrhundertprojekt als fabelhaftes Angebot des Staates schließlich und letztendlich an der Restfinanzierung, weil ein von der Stadt Remagen zu finanzierendes und zur Weitergabe an die betroffene Bürgerschaft zinsgünstiges Darlehen nicht aufgebracht werden konnte.

Letztmalig fasste die Stadtverordnetenversammlung, ungeachtet vorausgegangener schriftlicher Auflagen höherer Dienststellen auf Antrag des Beigeordneten Nagel aus Kripp am 13.8.1930 folgenden Beschluss:

„Vom Reich und Staat sind große Mittel bereitgestellt für Arbeitsbeschaffung, Wohnungsbauförderung, Westhilfe usw. Besonders für die Westhilfe ist ausdrücklich vorgesehen, um größere Projekte daraus zu finanzieren. Die Finanzierung soll im Wege der Zuschüsse und Hergabe verbilligter Darlehen erfolgen.
Seit mehreren Jahren schwebt das Projekt der Verlegung der Verlegung des hochwassergefährdeten Ortsteiles von Kripp, das trotz dringender Notwendigkeit ständig zurückgestellt worden ist.
Betriebseinschränkungen, völliger Auftragsmangel beim Handwerk, allgemein steigende Not fordert für unsere Stadt dringende Hilfe.
Das Projekt schafft im Gegensatz zu vielen anderen vielseitige Beschäftigung, und absoluten Hochwasserschutz. Überschreitungen der vorgesehenen Summen sind ausgeschlossen.
Die Stadtverwaltung beantragt hiermit wiederholt bei den zuständigen Stellen, jetzt endlich auf Grund obiger Finanzierungsmöglichkeiten das Projekt durchzuführen und insbesondere die Finanzierung durch Hergabe verbilligter Darlehen an die Beteiligten zwecks Aufbringung von deren Pflichtanteilen zu ermöglichen.
Es besteht das Projekt der Ahrregulierung, welches die Gefährdung von Kripp wesentlich zu erhöhen geeignet ist. Es wird ausdrücklich beantragt, dass das Ahrprojekt nicht vorgenommen wird ohne Verbindung mit dem Verlegungsprojekt Kripp“.

Trotz dieses fast flehentlichen Ersuchens kam ein hochwasserfreies Kripp somit nicht zustande. Die Unfinanzierbarkeit des Projektes für Kommune und des Kreises ergab sich aus der Weigerung des Provinzialausschusses, mehr Mittel für das Kripper Jahrhundertprojekt auszukehren.

Närrischer Spott

Das Scheitern des kommunalen Kripper Bauvorhabens nahm man allerdings 1929 zum Anlass des närrischen Spotts. Es diente unter anderem als Motto eines kleinen örtlichen Karnevalsumzuges.



Unter dem Slogan: „ Hurtig et Dorp eropp“, versuchte ein kleiner Karnevalszug wie ein närrischer Lindwurm, bestehend aus mehreren von Pferden gezogenen Plateauwagen, auf denen zum Spott exponierte Kripper Häuser und Fabriken aufgebaut waren, über die heutige Quellenstraße vom Rhein in Richtung Oberkripp zu gelangen. Dieser von den Hochwassern betroffenen niedrigen Bürgerschicht gegen die Idee der vom Hochwasser betroffenen Fabrikanten organisierte vereinslose Protestumzug endete jedoch frühzeitig vor dem Erreichen seines Zieles auf der Oberkripp infolge der damals herrschenden klirrenden Kälte des Jahrhundertwinters in unserem Raum, der als kältester Winter seit 90 Jahren und kältester Februar seit 200 Jahren mit Minustemperaturen am Rosenmontag zwischen 32° bis 36 ° in die Annalen einging.
Der eigentlich Grund für den Umzug soll der mündlichen Überlieferung nach das Ärgernis über die Vorstellungen der Fabrikanten Werner, Nagel und Schmitz gewesen sein, zuerst ihre Fabriken und Villen hochwasserfrei zu errichten, damit man ihre Abrisssteine zum Bau der neuen Wohnhäuser der Umsiedler vermarkten könnte.

In Remagen war es sogar Gegenstand für einen Karnevalsschlager der Stadtnarren, der sich jahrelanger Popularität erfreute und oft gesungen wurde. In diesem Lied hieß es:


„Seit Jahren wollen se de Kripp hühe läge,
dat wär für Klein- Algier* wirklich en Säaje,
se dunn emme nur Redde haale,
de Remagener sollen widde helfe bezahle,
doch vunn Jeld hüut un sitt me keen Spur,
ach lööch doch Kripp nur in de Sinzije Flur!“

(*= im Volksmund frühere abschätzige Bezeichnung für Kripp)




Quellen.
Kreisarchiv Ahrweiler (KAW 01/ 553, komplette Akte zum Verlegungsverfahren Kripp)
Mündliche Angaben des Zeitzeugen (* 1902) Michael Schumacher, Kripp +
LHKO 635/ 901, ZA: Bonner-General- Anzeiger Nr.:13128 vom 10.6.1928
Festschrift zum 125 jährigen Bestehen des Junggesellenvereines Kripp 1982, S. 14 v. H.P.Kürten
Mündliche Überlieferung durch Josef Marx, nach Angaben von Josef Bruder (+) und Johannes Breuer (+), alle Kripp.
LHKO 635/ 901, ZA, Kölner Zeitung Nr.157 vom 20.3.1929
Sinziger Chronik, Bruchhäuser, S. 69
Heimatjahrbuch 2010 Kreis Ahrweiler, „Das Projekt zur Verlegung von Kripp“
S.201-205, von Willy Weis und Hildegard Funk, Kripp
Karnevalsfoto von Michael Schumacher, jetzt Slg.Weis/ Funk


Wertaxen der Liegenschaften von Hochwassergeschädigten

1 Schäfer, Gottfried Geschwister Badenacker 1 7.000 RM
2 Breuer, Adolf Wwe. II Hauptstr. 119 7.000 RM
3 Breuer, Adolf Wwe. II. Hauptstr. 117 13.700 RM
4 Schwäbig, Joeb Hauptstr. 115 13.000 RM
5 Thelen, Peter Hauptstr. 113 7.000 RM
6 Eidam, Heinrich Hauptstr. 111 12.300 RM
7 Rick, Josef Hauptstr. 107 22.000 RM (Schlacht+Kühlhaus)
8 Nagel, e. Konrad Hauptstr. 109 10.000 RM
9 Dahm, Geschwister Hauptstr. 105 18.000 RM
10 Wahl, Gottfried Hauptstr. 103 13.500 RM (Backofen)
11 Wahl, Gottfried Hauptstr. 101 5.000 RM
12 Wahl, Ludwig Hauptstr. 99 17.000 RM
13 Ross, Wilhelm Hauptstr. 97 9.268 RM (Alter Gegner)
14 Palm, Michael Hauptstr. 95 14.000 RM
15 Thelen, Peter Wwe Hauptstr. 88 9.000 RM
16 Thelen, Jakob (Werkstätte) Hauptstr. 88 1.350 RM
17 Schmitz, Eduard – Hammer Hauptstr. 90 8.000 RM
18 Schäfer, Peter Josef Hauptstr. 92 10.000 RM
19 Nagel, E. Konrad Hauptstr. 94 12.000 RM
20 Delord, Michael Hauptstr. 98 10.500 RM (eigene Baustelle)
21 Schmitz, Johann Hauptstr. 102 16.000 RM
22 Valentin, Wwe. Sandweg 1 7.431 RM (alte Gegnerin)
23 Olligschläger, M.J. Sandweg 2 8.000 RM
24 Brenner, Peter I Sandweg 2 18.000 RM (eigene Baustelle)
277.249 RM

25 Riffert, Lambert Sandweg 8 9.500 RM
26 Küpper, Josef Sandweg 6 11.813 RM
27 Förster, Hermann Sandweg 7 11.500 RM
28 Luchs, Heinrich Sandweg 9 17.000 RM
29 Brenner, Wwe- Klems Sandweg 11 7.500 RM
30 Syberz, Lorenz Sandweg 15 12.000 RM
31 Dahm, Hilarius Sandweg 19 10.000 RM
32 Ausshauer Pauls Rheinallee12 30.000 RM
33 Asteroth, Wwe. Rheinallee 10 26.100 RM (Altersbedgt.Verkauf)
34 Werner, Karl Ehefrau Rheinallee 6 52.000 RM
35 Hönigs, P. – Winkelmann Rheinallee 7 10.000 RM
36 Oehms, Theodor Rheinallee 5 42.000 RM
37 Diedenhofen, Gustav Rheinallee 4 29.000 RM
38 Marx, Margarete Rheinallee 3 22.854 RM
39 Dörries, Albert Ehefrau Hauptstr.23 30.000 RM (Aquarium)
40 Blank, Hermann Rheinstr.22 10.000 RM
41 Breuer, Johann Rheinstr. 21 15.587 RM (alter Gegner)
42 Betzing, Gottfried Wwe. Rheinstr. 20 32.500 RM
43 Charbon, Geschwister Rheinstr. 18 6.000 RM
44 Dörries, Albert Ehefrau Rheinstr. 17 18.000 RM
45 Immendorf Frau Rheinstr. 16 10.000 RM
46 Blechmann, Hugo Rheinstr. 22 12.000 RM
47 Bruder, Josef Rheinstr.14 12.500 RM (w. hohen Alters k.Verkauf)
48 Breuer, Johann Wwe. Rheinstr.12 16.542 RM
49 Lüttgen, Helene Rheinstr.11 6.000 RM
50 Stoffels, Heinrich Rheinstr.10 7.000 RM
51 Brochhausen, Jakob Rheinstr. 9 7.000 RM
52 Betzing, Gerda Rheinstr. 8 9.450 RM
53 Breuer, Anton Rheinstr. 7 9.856 RM
54 Betzing, Johann Chr. Rheinstr. 6 20.000 RM (eigene Baustelle)
55 Steil, Hugo (Restaurant) Rheinstr. 5 30.000 RM
822.951 RM

56 Lindlohr, Cornelius Rheinstr. 4 8.000 RM
57 Dörries, Albert Rheinstr. 3 83.000 RM
58 Lampferhoff, Karl Auf der Schanze 4 19.000 RM
59 Zander, Margarete Auf der Schanze 3 23.000 RM (eigene Baustelle)
60 Breuer Heinrich Rheinstr. 7 12.000 RM
61 Kath. Kirchengemeinde Sandweg 19.000 RM (Baustellenverzicht)
62 Robrecht, Peter Ehefrau Remagen 14.000 RM
63 Langen, Heinrich Remagen 22.000 RM (eigene Baustelle)
1.022 951 RM
dazu Nagel und Schmitz 200.000 RM
1.222.951 RM

Grunderwerb, Straßenbau, Elektrizität 150.000 RM
1.372 951 RM

Bemerkungen: Gegner: Nr. 13, 22, 41 / Ablehnung: Nr. 36, 37, 56

Quelle: Kreisarchiv Ahrweiler (01- 553)
Hinweis: Die Rheinuferstrasse war damals unterteilt in „Rheinstrasse“ bis zur Fähre und dahinter in Richtung Remagen in „Rheinallee“.