Bankgeschäfte in Kripp ©

© weis/funk 1998

Daseinsvorsorge und Vermögensbildung waren vom Ende des letzten Drittel des 19. Jahrhunderts nicht mehr nur ein Privileg von einigen Prädestinierten und Wohlhabenden. Nach den dringend notwendigen Gründungen der Banken und Sparkassen in den Notjahren Mitte des 19. Jahrhunderts erlebten diese erst in der folgenden Jahrhundertwende ihren eigentlichen Aufschwung, womit die Ära des legendären Sparstrumpfes unter dem Kopfkissen langsam zu Ende ging. Es dauerte jedoch eine geraume Zeit, bis der Argwohn und das Misstrauen der Landbevölkerung gegenüber den Banken verschwanden und sie ihre Ersparnisse den Geldinstituten anvertrauten. Die Landbevölkerung hatte damals große Scheu vor Krediten und Hypotheken.
In Kripp etablierte sich nach dem 1.Weltkrieg eine „Spar- und Darlehnskasse Kripp G.m.u.h“, 1) die durch die ortsansässige Familie Langhardt als ortseigenständige Bank nach dem Raiffeisenprinzip mit dem dazugehörenden genossenschaftlichen Landhandel im heutigen Haus Quellenstraße 135 geführt wurde. Neben dem Kohlen- und genossenschaftlichen Landproduktenhandel wurde dort von der Rendantin Luise Langhardt ein geordneter kleiner Kassenbetrieb geführt, dessen Existenznachweis sich im Zeitraum vor dem Zweiten Weltkrieg verliert. Eine genauere zeitliche Eingrenzung dieser im Kripper
Chargon abwertend genannten „Bauernkasse“ konnte leider bis auf den Verbleib des ehemaligen 7 Zentner schweren Tresors mit der Aufschrift „Spar- und Darlehnskasse Kripp“ im hiesigen Pastorat, der 1945 den US- Besatzern Anlass zu  Nachforschungen gab, nicht mehr nachvollzogen werden 2)
Ein handschriftlicher Protokollbucheintrag des Junggesellenvereines Kripp von 1924 sowie verschiedene Einträge im Kassenbuch der Deutschen Jugendherberge Kripp zwischen 1929 und 1931 an eine Konsumbank in Kripp 3) geben präzise Nachweise über eine weitere Banktätigkeit vor Ort.
Bei der von der christlichen Gewerkschaftsbewegung 1902 in Köln gegründeten Konsum-Genossenschaft „Eintracht“ Köln - Mülheim wurden in der Filiale Kripp von den oben genannten Kripper Vorständen bankübliche Tätigkeiten vorgenommen. Diese Bankfiliale befand sich im Lebensmittelgeschäft „GEG“ einer Margarethe Breuer (heute Quellenstraße 29) und ging in den ersten Kriegsjahren des 2. Weltkrieges in Konkurs, wobei viele Kripper Kleinsparer herbe finanzielle Verluste hinnehmen mussten. 4)
Die Gründe des Konkurses dürften vermutlich politischer Natur gewesen sein, denn die Entwicklungen der unter Kuratel stehenden Genossenschaften wurden von den Nazis ab 1933 gebremst, was 1935 zu einer Umwandlung der „Eintracht“ in eine
Handelsgesellschaft führte. 1941 erfolgte dann die Auflösung aller noch bestehenden Konsumgenossenschaften durch die Nationalsozialisten mit der Überführung in das so genannte „Gemeinschaftswerk der deutschen Arbeiterfront (DAF)“ 5)
Der Mangel an einem Geldinstitut war nach dem 2. Weltkrieg in dem recht entwicklungsfreudigen Kripp für Banken nicht zu übersehen. Durch die steigende Einwohnerzahl des Ortes, der wirtschaftlichen Entwicklung durch das Vorhandensein großer
Betriebe in Kripp sowie die Ausweitung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs etablierten sich nach dem Zweiten Weltkrieg 2 Geldinstitute im Ort.
Die Geldinstitute der Kreissparkasse Ahrweiler (ab 1964) sowie die Volksbank Remagen (von 1967- 2003), die die Ortsansässigen mit dem „Nötigsten“ versorgten, stellten respektable Dienstleistungsunternehmen vor Ort mit der bekannten Persönlichkeit der Kunden- Bank Beziehung dar. Aufgrund ihrer Aufgabenstellung nach dem Sparkassengesetz und der guten
Kenntnis des überschaubaren lokalen Marktes, verbunden mit den daraus resultierenden Anpassungen, nahm die Geschäftsentwicklung für beide Geldinstitute in Kripp einen gedeihlichen Verlauf.
Mit den Bankeröffnungen entfielen für die Kripper die lästigen Fahrten zu den umliegenden Banken in Remagen, Sinzig oder im gegenüberliegenden Linz. Alle Bankgeschäfte konnten von nun ab vor Ort getätigt werden.

Quellen:
1) Adressbuch Kreis Ahrweiler von 1913, S..39. (Original im Besitz der Verfasser) und mündl. Angaben des Zeitzeugen
Michael Schumacher (*1902, + 2001), Kripp.
2) Landeshauptarchiv Koblenz, Bestand 635/ 838, Bürgermeisterbesprechungsprotokoll beim Landrat
zu Ahrweiler vom 26.8.1945.
3) Kassenbuch Deutsche Jugendherberge Kripp, unter Eintrag 10/ 1929 bis 2/ 1931, Kath. Pfarrarchiv Kripp

4) mündl. Angaben des Zeitzeugen Michael Schumacher

5) Chronik der Konsumgenossenschaft Köln eGmbH 1946- 1971, Alfred Bosbach 1983


Volksbank RheinAhrEifel eG - Zweigstelle Kripp -

© weis/funk 2006

Der 1902 von Remagener Bürgern auf der Basis des Genossenschaftswesens gegründete Remagener Spar- und Darlehns= kassenverein eGmbH, der 1949 in „Volksbank Remagen eGmbH“ umfirmiert wurde, expandierte 1967 nach Kripp. Die Idee zur Eröffnung einer Volksbankfiliale entstammt aus der aufkommenden und boomenden Erdbeerzeit im hiesigen Bereich um 1960, als die Besorgungen der Bankgeschäfte in Kripp nur ambulant von der Remagener Volksbank wahrgenommen wurden. Auf Grund dessen war ein ansehnlicher Kundenstamm in Kripp vorhanden, was die Volksbank veranlasste, am 1.Dezember 1967 in den Parterreräumen des Delord´schen Hauses, Mittelstraße 15 a, ihren halbtägigen Bankbetrieb zu eröffnen.

Als erste Bankkundin am Eröffnungstage genoss Frau Maria Bargel den gewohnten banküblichen Service vom ernanntem Zweigstellenleiter Rainer Lellmann mit einem dazugehörenden Geldgeschenk. 1963 erfolgte die Verschmelzung mit der Raiffeisenkasse Bad Bodendorf eGmbH, vormals Bodendorfer Darlehnskassenverein eGmbH.
Die Entwicklung in Kripp verlief derart erfolgreich, dass man mit Erstellungskosten von 1,5 Millionen DM ein dreigeschossiges Wohn- und Geschäftshaus in der Ortsmitte auf dem früheren Gelände der abgerissenen Knabenschule errichtete und als „Herr im eigenen Hause“ am 16. Juni 1990 die eigene 130 qm große neue Zweigstelle in der Ortsmitte, Quellenstraße 70, eröffnete.
Wegen wettbewerbsorientierten Marktrichtlinien fusionierte die Voba Remagen 1991 mit der Voba Bad Neuenahr- Ahrweiler unter letzterem Namen und 2000 mit der Volksbank Andernach unter der Firmierung „Volksbank Rhein- Ahr“, um dem Konkurrenzdruck infolge der Neuordnung des europäischen Binnenmarktes entgegenzutreten.
Eine erneute Fusionierung erfolgte 2002 mit der Volksbank „Vulkaneifel eG.“ mit Sitz in Mayen unter dem neuen Namen „Volksbank RheinAhrEifel eG“.
Durch die Schaffung von „Kompetenzzentren“, einer geschäftspolitischen Entscheidung des neuen Vorstandes, wurde am 30. November 2003 die Volksbankfiliale in Kripp geschlossen und das Gebäude am 15. Dezember 2004 verkauft. Die 36 Jahre gewährte Betreuung der „ehemaligen Kripper Volksbankkunden“ erfolgt seit der Schließung durch das Kompetenzzentrum Remagen.

Bisherige Filialleiter(Innen) der ehemaligen Filiale Kripp:

Herr Rainer Lellmann 1.10.1967 - 31.12.1979
Herr Wolfgang Delord 1.01.1980 - 31.12.1982
Frau Beate Strohe        1.01.1983 - 31.12.1993
Frau Rita Ockenfels     1.01.1994 - 30.04.2003
Frau Corinna Ohm       1.05.2003 - 30.11.2003

Von Herrn Rainer Lellmann, dem damaligen Leiter der Volksbank Kripp in den Jahren 1967 - 1979 bekam ich unten stehenden Glaskrug geschenkt. Dieser geeichte 0,3 L. Freibierkrug von 13 cm Höhe und 70 mm Durchmesser wurde eigens für den Freibierausschank zur Eröffnung des neuen Volksbankgebäudes am 16. Juni 1990 hergestellt und nach "Entleerung" an die Besucher verschenkt. Er fristet jetzt, im Jahre 2012, stolz und mit Würde sein Dasein in unserer Glasvitrine.

       

Quellen:
Festschrift 100 Jahre Volksbank Bad Neuenahr- Ahrweiler.
ZA: Rhein- Zeitung vom 5.12.1967, „Volksbank Remagen kam näher zu ihren Kunden in Kripp.“
ZA: Bonner Rundschau (Datum unbekannt) „Neue Kripper Zweigstelle“
ZA: Rhein- Ahr- Rundschau vom 5.8.1989, „Belebung für den Ortskern“.
ZA: Rhein- Ahr- Rundschau vom 16. Juni 1990, „Volksbank ist nun auch in Kripp vertreten“
Mündliche Angaben Herrn Manfred Linden, Marktbereichsleiter des Voba- Kompetenzzentrum Remagen.
Mündliche Angaben Herrn Rainer Beyer, Privatkundenberater des Voba – Kompetenzzentrum Remagen
Zeitzeugen: Beide Verfasser als langjährige Genossenschaftsmitglieder und heutige Eigentümer des ehemaligen Volksbankgebäudes


Kreisparkasse Ahrweiler (KSK) - Geschäftsstelle Kripp

© weis/funk 2006

Die heutige KSK wurde 1865 als sinnvolle Einrichtung gegen die Armut in einer Zeit des damaligen sozialen Elends als „Kreis-, Spar- und Darlehenskasse“ zu Ahrweiler gegründet.

1933 schloss sich die Stadtsparkasse Remagen dieser an und expandierte 1964 nach Kripp, wo sie am 1. Mai im Wohn- und Geschäftshaus der Schreinerei Ockenfels, heute Quellenstraße 79, unter dem Geschäftsstellenleiter Max Funk als erstes Geldinstitut nach dem 2. Weltkrieg eine Bankfiliale unter den damaligen modernsten Gesichtspunkten und Ausstattung eröffnete. Durch den stark expandierenden Kundenkreis mussten neue größere Schalterräume her. Die KSK erwarb das neben der Geschäftsstelle liegende Gebäude, heute Quellenstraße 81, und errichtete in diesem nach umfangreichen baulichen Aktivitäten eine neue Geschäftsstelle, die am 15.1.1978 ihrer Bestimmung übergeben wurde.


                                    Kreissparkasse Ahrweiler Zweigstelle Kripp Dezember 1964                     (Foto Sander)

Moderne durchdachte Geschäftsräume schufen die Vorraussetzungen für ein rationelles und erfolgreiches Arbeiten zum Wohle der Kunden. Heute, nach nochmaliger Modernisierung, wird die Kripper Zweigstelle selbst dem anspruchvollsten Kunden mit den neuesten EDVAnlagen und entsprechendem Bankniveau gerecht.
Die Kripper Geschäftsstelle stellt nach dem Fortgang der Kripper Volksbankfiliale seit November 2003 das einzigste Geldinstitut vor Ort dar. Neuer Geschäftsstellenleiter ist seit dem 8.März 2006 Frank Kremer aus Kripp.

Bisherige Geschäftsstellenleiter:

Max Funk 25. Mai 1964 bis Oktober 1968
Franz- Josef Kurth Oktober 1968 bis 30. Aug. 1974
Hans- Dieter Breuer 01. Sept.1974 bis 30. Juli 1983
Christa Verdegen 01. Aug. 1983 bis Ende Mai1990
Klaus Orth 28. Mai 1990 bis 07. März 2006
Frank Kremer 08.März 2006 -


Quellen:
KSK Ahrweiler, MA Robert Bitzen, Schreiben vom 12.5.06
Rhein- Zeitung, ZA vom 31.5.1964, „Nun auch ein Bankinstitut in Kripp“.
Bonner Rundschau, ZA vom 28.5.1964, „Kreissparkasse hat in Kripp eine Zweigstelle eröffnet“.
Zeitzeugen Max Funk +, Sinzig.(Onkel der Verfasserin)
Mündliche Angaben der ehemaligen Vermieter Erna und Heinrich Ockenfels der KSK Geschäftsräume im Haus Quellenstrasse 79 von 1964 bis 1978.

                  

                  So sieht die Sparkasse in Kripp im Jahre 2010 aus. Im Vergleich zu 1964 befindet sie sich nicht mehr im linken 
                  Gebäude, sondern im rechten Gebäude. (Foto Weis/Funk)