Wasserturmspitze

Bericht von Horst Krebs  (2003)


Wenn mich heute einer fragt:
"Was macht der Wasserturm?"
dann sage ich:
"Er steht noch"

Seit Jahren war ich nicht mehr in Kripp. Wöchentlich fahre ich mit dem Zug von Trier nach Dortmund und jedesmal, wenn der ICE durch den Sinziger Bahnhof fährt, stehe ich auf und schaue durch das Zugfenster. Für einige Millisekunden sehe ich den Ahrlauf, und dann ......... den Wasserturm von Kripp, alles überragend und dominant.


Für Sekunden immer die gleichen Gedanken, rechts vom Turm sind wir Schlitten gefahren, und links vom Turm die Kiesgrube Wahl, da sind wir auch Schlitten gefahren.

Dann sehe ich den Schornstein von der Lederfabrik und weiß, da war die Ziegelei, wo wir als Kind so oft gespielt hatten. Und gleich danach ist Kripp wieder zu Ende, die Züge fahren hier viel zu schnell.

Natürlich viel mir auf, dass dem Wasserturm irgendwann mal das eiserne Sahnehäubchen fehlte. Das hatte ich eigentlich schon vergessen, die metallene Spitze, bis eines Tages, im Januar 2003, der Zug fuhr mal wieder schnell, ich ihn nicht mehr sah. Das gewohnte Bild war weg. Vielleicht war es ja auch nur eine Täuschung, und zu Hause, im Sauerland angekommen, ging ich ins Internet und stöberte auf einigen Seiten, bis ich im Gästebuch der Kripper Magic Dancers las, dass ein Besucher es bedauerte, dass der Wasserturm jetzt weg war. Also doch!! Mein innerlichstes Imperium, da, wo ich alles über Kripp abgespeichert hatte, war leer.

Auf der Rückfahrt nach Trier stand ich schon seit Oberwinter am Zugfenster. Ich hatte keine Ruhe, und plötzlich, hinter Remagen ........ da sah ich ihn wieder.

Er war nur kleiner geworden, aber er stand noch da. Nach langer Zeit mal wieder ein Tränchen im Auge.

Später ließ ich mir die Geschichte des Wasserturmes der letzten 20 Jahre erzählen. Über die Entstehungsgeschichte des Wasserturmes gibt es auf dieser Homepage eine prima Chronik von Willy Weis und Hildegard Funk.

                                               

Das Erfahrene von der Turmspitze gebe ich hier wieder:
Ein wahres Zeichen unseres Wahrzeichens war stets nach starkem Regen oder Sturm zu beobachten. Auf dem Erdboden lagen kleine Steine von der Spitze des Wasserturmes. Im Winter 1988 war es dann soweit. Die Kreisverwaltung ordnete an, das Sahnehäubchen, die schadhafte Turmspitze zu entfernen. Zahlreiche Schaulustige säumten die Straße, als die Freiwillige Feuerwehr, Remagener Handwerker und ein gewaltiger Kran sich ans Werk machten.
Dachdeckermeister Mathias Röhrig und Schlossermeister Hans Kessel sicherten die Spitze und trennten sie vom Turmhelm ab. Per Kran wurde diese Turmspitze dann zum Boden abgelassen und für Jedermann wurden die enormen Schäden erkennbar.


Damit waren die Kripper zufrieden, das Wahrzeichen lebte noch 

    

Viel schneller als erwartet begann Ende Januar 2003 der Abriss unseres Wahrzeichens.Bauarbeiter machten sich daran, den Kopf des historischen Wasserturmes abzutragen, der mit 7.50 Meter Durchmesser, 80 Kubikmeter umfassende Stahltank, der einst der Wasserversorgung Kripps gedient hat. Noch in seiner jüngsten Sitzung hatte sich der Heimat- und Bürgerverein für den Erhalt des Kripper Wahrzeichens ausgesprochen. Nach Ansicht des Vereins ist mit dem Abbruch des Kopfes der Wasserturm als historisches Gebäude ruiniert und wird wahrscheinlich nie mehr in seiner schönen Form zu sehen sein.
Der stellvertretende Vereinsvorsitzende und Ortsvorsteher Jürgen Blüher, versprach noch, dass der Verein bereit sei, beim Erhalt des Turmes mitzuhelfen.

                                                

Auch wenn der Stumpf des Turmes aus dem Jahr 1904 jetzt erst einmal gesichert werden soll, wird in Kripp befürchtet, dass der Turm jetzt unrettbar verloren ist. Trotzdem forderte Helmut Kremer von der CDU-Ortsbeiratsfraktion die Stadt Remagen auf, alles daran zu setzen, ein Nutzungskonzept für den Turmschaft zu entwickeln, damit wenigstens dieser erhalten bleibt.