Ein Kripper und der Kaiser  ©

© weis/funk  Kripp 2014

Der am 10.November 1894 in Kripp geborene Adolf Apollinaris BREUER, 1) der als junger Soldat 1914 auf Grund damaliger Kriegswirren des Ersten Weltkrieges an die Westfront verschlagen wurde, wurde als sechstes von sieben Kindern des Kripper Tagelöhners Adolf Breuer II. 2) und Ehefrau Theresia, geb. Ulrich in Kripp geboren und am 14. Nov. 1894 in Remagen in Gegenwart der Taufpaten Apollinaris Hecken und Anna Maria Gries 3) getauft.

Seine Familie wurde aufgrund der recht umfangreichen Familiennamen der Breuers in Kripp offiziell unter der Ordnungszahl der Familienfolge als Breuer II. geführt. 4)
Laut Militärpass war der Vater bereits vor Beginn des Ersten Weltkrieges verstorben.

                          
Adolf Breuer                                                              Adolf Breuer, oben links mit Pfeife, mit seiner Truppe

Nach seiner in Kripp verbrachten Kindheit begann seine militärische Laufbahn als Ersatz-Rekrut am 15.Okt. 1914 beim 1.Ersatz Bataillon des Reserve Infanterie-Regiments 25. Nach einem Monat gelangte er durch Versetzung zum Feld-Infanterie Bataillon 37 an die Westfront nach Frankreich, wo er in der 11. Kompanie des Infanterie Regiments diente, was im berüchtigten Champagner Sektor als kämpferisch recht aktiv bekannt galt, insbesondere bei den Kampfhandlungen bei Souain, Perhes, les Hurlus und Beausejour.


Adolf Breuer links unten

Wegen einer bei einem Gefecht am 8. Juni 1815 erlittenen Gesichtsverletzung durch Granatsplitter am rechten Ohr und Wange erfolgte eine Notbehandlung im Feldlazarett von Donai mit nachfolgender stationärer Behandlung im Reserve-Lazarett Dörnhausen bei Bad Homburg v. d. Höhe bis 2. Juli 1915.
Zur anschließenden schonenden Genesung erfolgte bis zum 9. April 1916 eine Spezialausbildung beim Infanterieregiment 68, wo er nach Ausbildungsende zum Fronteinsatz als Elitekämpfer zur 4. Sturmkompanie des berühmten Sturmbataillon Nr. 5 (Rohr) des 35. Pionier Ersatz Bataillon zu Kampfeinsätzen abkommandiert wurde. 5)

Die Kompanie bestand ausschließlich aus 19-21 jährigen körpergestählten Musketieren mit stahlharten Nerven, die unter Führung des legendären Hauptmann Rohr ihre Ausbildung, insbesondere im offensiven Nahkampf mit Handgranaten und Bajonett, als flexible geschlossene offensive Kampftruppe erhielt. 6)

     






Das Geheimnis des militärischen Erfolges der Rohr-Kompanie lag in der Bildung eines neues Konzeptes in der Vorbereitungsphase mittels exakter Aufklärung feindlicher Stellungen und der praktischen militärischen Erfahrung entschlossener Männer. Ein jeder der Sturmtruppe konnte selbst bei Dunkelheit durch Positionierung der Angriffskolonnen mit der Taktik eines „modernen“ Sturmangriffes Verwirrung und Irritationen an der Feindfront stiften.

Bildnachweise: www.Kaiserscross.com



Aufgrund von erfolgreichen Kämpfen nach der neuen angewendeten Taktik von Juni bis August 1916 in den Kampfabschnitten Caillette-Wald, Fleury und Chapitre-Wald wurde die Oberste Heeresleitung in Berlin auf die Elite von Frontkämpfern aufmerksam. Der Kaiser mit seiner Entourage wollte den verwegenen Kompanieführer Wilhelm Rohr mit seinen neuen taktischen Ideen so realistisch wie möglich kennen lernen. Zu diesem Zweck stattete er am 14. August 1916 einen Besuch an der Westfront bei Doncourt ab, wo die 4.Sturmkompanie des Sturmbataillon Nr. 5 unter Hauptmann Rohr ihm eine Kampfdemonstration unter Einsatzmäßigen Bedingungen nach seiner Taktik zur vollen Zufriedenheit und Begeisterung des Kaisers vorführte und zum Lieblingsbataillon des Kaisers avancierte. 7)

                                                              Ordensverleihungszeremonie vom Kaiser an die Truppe 

Wegen voraus gegangenen hervorragenden militärischen Leistungen und Tapferkeit vor dem Feind wurde der Elitekämpfer Adolf Breuer aus Kripp nach dieser Vorführung persönlich durch den Kaiser Wilhelm II. am 16.August 1916 im Felde mit dem EK 2 ausgezeichnet. 8)
Ein persönlicher Kontakt und Händedruck mit dem fast Gott gleichgestellten Kaiser war für den damaligen Zeitgeist ein fast unvorstellbares Ereignis im Leben eines Normalbürgers. Annähernd ein Jahr danach wurde ihm wegen Tapferkeit vor dem Feind in unzähligen Kämpfen am 1. Juli 1917 das Eiserne Kreuz 1. Klasse verliehen. 9)

    

Wegen einer weiteren erlittenen Kriegsverletzung am 18. Juli 1917 erfolgte eine stationäre Behandlung im Lazarett von Pierrepont sowie in einem Trierer Krankenhaus, wo man ihn nach seiner Genesung für eine besonders kriegswichtige Arbeitsaufnahme bei den Düsseldorfer Rheinmetall-Werken abstellte.10)

Nach dem Kriegsende gründete Adolf Breuer in Düsseldorf um 1930 eine Familie, die er durch Arbeit als Oberfeuerwehrmann ernährte. 11)

  Adolf Breuer mit seinen beiden Kindern



Willy Weis & Hildegard Funk, Kripp

www.Geschichte-Kripp.de

Quellen:
1) Familienbuch der katholischen Pfarrei St. Peter und Paul, Remagen 1649-1899, Dr. Hentschel, S.114, lfd. Nr. 533.6
2) wie 1, lfd. Nr. 533
3) wie 1
4) wie 2, jedoch siehe dazu Vermerk 1
5) Militärpaß Adolf Breuer / www. Kaiserscross.com
6) Willy Martin Ernst ROHR (*19.5.1877 Metz,+ 8.3.1930 Lübeck) preußischer Offizier mit maßgeblichen Anteil an
der Entwicklung der Sturmbataillone im 1. WK, späterer Kommandeur der Sturmbataillone, Oberstleutnant
der Reichswehr. Quelle: „Ehrenbuch von Eberhard Graf von Schwerin“ (Wikipedia)
7) www.kaiserscross.com
8) wie 5, Orden und Ehrenzeichen
9) ebda.,
10) wie 5
11) www.kaiserscross.com

Bildnachweise: www.Kaiserscross.com