Tagebuch Gottfried Valentin ©

Diese nachfolgende Familienchronik ist ein von dem im Revolutionsjahr 1848 geborenen Kripper Bürger Gottfried Valentin vor über 135 Jahren angefangenes handgeschriebenes Buch, das von dessen Nachkommen wie ein Familienschatz über Jahrzehnte gehütet wurde.

Darin schildert ein Kripper Bürger glaubhaft Begebenheiten aus der Sicht der damaligen „Gemeinen“ in der Zeit von 1876-1920. Resigniert und verärgert beendete der Chronist als gläubiger Christ wegen dem nun fehlenden heimischen Glockenklang infolge der Entnahme der Kirchglocken für Kriegsmaterial fast demonstrativ die Familienchronik mit den letzten Sätzen:

„...unser Pastor hatte nichts eiligeres zu tun als.......? „.....wer trägt nun die Schuld??"

                                   

Diese Aufzeichnungen verdeutlichen, wie die damalige Weltpolitik, die Ortsgeschichte und die Politik mit den Augen des einfachen kleines Mannes gesehen wurde. Die bestechende Einfachheit dürfte hier wohl für die Richtigkeit dieser handschriftlichen Aufzeichnungen bürgen.Der Kripper Bürger Friedel Valentin (+2002) überreichte uns 1993 ein in Schutzpapier eingepacktes Buch von 14 cm x 30 cm mit einfachem Kartoneinschlag, in dem sein Großvater von 1876 bis 1920 auf 37 Seiten in gestochen schöner Sütterlinschrift eine 44jährige Dorfinterna aus der Sicht des einfachen Bürgers handschriftlich recht illustriert fixiert ist, um den damaligen Kampf um das tägliche Brot und des Daseins gegen das Vergesen der Nachwelt zugänglich zu machen.
Da wir der Sütterlinschrift, die um 1940-50 durch die lateinische Schrift abgelöst wurde, einiger Maßen mächtig sind, haben wir 1993 diese Chronik in heutiger Schriftform unter Beibehaltung der vom damaligen Verfasser Georg Valentin gewählten Orthographie transkribiert. Mit etwas Geduld und Fantasie kann der heutige Leser den Sinn des damaligen Geschriebenen deuten und erkennen.

Tagebuch

                               der Familie Gottfried und Theresia Valentin

                                                            Kripp 1876-1920


           Transkribiert von der Sütterlinschrift unter Beibehaltung der Orthographie im Mai 1993 von Willy Weis und Hildegard Funk

(Anmerkung: in Klammern versehene Texte stellen Vermerke, Erklärungen bzw. Ergänzungen dar. Die laufende Seitennummerierung erfolgte nach der Fassung von 1993)




- Seite 2-

Familien Chronick der Familie Gottfried und Theresia Valentin

getraut in der Pfarrkirche in Remagen den 18ten Februar 1876


Geburtsregister: Gottfried Valentin, geb. 15. Oktober 1848, Theresia Valentin, geb. Müller 25. August 1856


Kinder

Maria geb. 23. August 1876 gest. 18. Jan.1886
Joh. Georg „ 19. Sept. 1878 gest. 1958
Margaretha „ 16. Dezb.1880 gest. 9.2.1945 ( Bombenopfer)
Gottfried Johann „ 15. Januar 1883 gest. 1972
Joseph „ 26. Novb. 1885 gest. 28. Juni 1886
Anna „ 4. Febr. 1889 gest. 5.10.1977
Joseph „ 22. Mai 1890 gest. 24.6.1950
Peter „ 31. Jan. 1895 gest. 9.2.45 (Fährmann, Bombenopfer)
Helena „ 5.Novb.1896 gest. 3.8.1966



- Seite 3 -
Erlebnisse, Ereichnisse und Begebenheiten

Anfang März 1876 Hochwasser. Das Wasser stand bei Bäcker Wahl auf der Straße. Im Unterdorf musten die Leute alle mit Nachen ans Land kommen. Vom 12ten auf den 13ten März 1876 war ein furchtbarer Orcan welcher eine Masse Bäume und Telegraphenstangen umgeworfen hat. Das Wasser hatte den höchsten Stand erreicht und waren die Wellen so stark das Niemand in dem tobenten Element den hülferufenten Unterbewohnern am Rhein Hülfe bringen konnte und musten die Leute in Ihren Häusern die ganze Nacht in Angst und Schrecken zubringen. Die bereits 1 Meter dicke Hofmauer des Herrn Kolk (Kolk, später Villa Nagel) wurde von der gewalt des Sturmes und des Wasses umgeworfen. An der alten Landstraße in der Wiese stand eine mächtige große Weide mit sehr weitragenten Ästen, der größte Baum in der ganzen Umgegend auch sie wurde durch den Sturm umgerissen. Ueberall wo man hinsah war ein Bild der Zerstörung und Verwüstung.

- Seite 4 -
1879. im Frühjahr haben wir unser Haus gebaut. 1880 den Winter war es sehr kalt. Oberrhein und alle neben Flüße waren zugefroren. Durch vielen Schnee und später Regen bekamen wir wieder Hochwasser. Das Eis im Ober-rhein und Nebenflüße löste sich man sah bei bei dem Hohenwasserstande keine Lücke mehr im Rheine die vom Eise frei gewesen wäre alles Eis wo man hinsah. Die Eisschollen trieben dicht an unserem Hause vorbei. Mächtige Eisblöcke bedeckten nachher die Wiesen und Felder.

- Seite 5 -
Hochwaßer im Winter 1882 83. Durch sehr vielen und anhaltenen Regen bekamen wir sehr hohes Wasser. Alles muste geräumt werden, denn das Wasser stieg schnell, wir hatten es schon hoch im Hause da kamen die Meldung das die Mosel noch 7 Fuß gestiegen wäre und die folgende Nacht war der Rhein noch 2 Fuß gestiegen. Das Wasser hatte den höchsten Stand erreicht, es stand bei uns in den 2ten Fensterscheiben der Stube. Wir hatten alles nach Oben gebracht, konnten uns aber da auf die länge der Zeit nicht aufhalten und musten am Speicherfenster heraus in einen Nachen, damit ans Land kamen. Das Nothdürftichste wurde mitgenomen und bezogen eine andere Wohnung und zwar bei Heinrich Lohmer. Flurhüter im Gäßchen. Es war ein furchtbares Rauschen des Wassers zwischen den Häusern hindurch. Das Allerheilichste muste mit einem Nachen aus der Kirche geholt werden. Im Prinzendisch (westliche Flurbezeichng. „Prinzentisch“, nähe Godenhaus ) stand das Wasser so hoch auf der Schosee (Chaussee) das die Pferde bis an den Leib dadurch gehen musten. Der Wasserstand war so hoch wie 1845. Ueberal war Noth und Elend. Endlich fiel das Wasser wieder wech und zogen wir wieder in unser Haus

Bonner Pegel am 30.Novb.1882 9,30 Mt
Bonner Pegel am 30.Dez. 1882 8,60 Mt

- Seite 6 -
das Wasser war so weit weggefallen das der Leinenpfad vor Kolks Haus (spätere Villa Nagel) eben frei war, da fing es wieder zu steigen an, und wir bekamen es nochmals 2 Fuß hoch in die Stuben. Wir waren aber früh genug ausgezogen auch weil es zu feucht in unserer Wohnung war, und zogen bei Adolf Breuer gleich nebenan ins ober Stockwerk. Da haben wir so lange gewohnt bis unser Haus einichermaßen wieder trocken war. Beim 2ten Hochwasser ist viel mehr Wasser herrunter getrieben als das 1te mahl, denn es hat sehr lange gestanden und wollte gar nicht weichen manchmal fiel es in 24 Std höchstens 1 bis 2 Ctm. 2 kleine Häuser im Badenacker sind beim Hochwasser eingestürtzt das der Geschwister Wachendorf und der Familie Peter Adenacker. Sehr viel ist zur linderung der Noth geleistet worden fast aus allen Gegenden flossen
Gaben sogar aus Amerika und ist dem Herrn Bürgermeister von Lassaulx volles Lob anzuerkennen für die vielen Gaben welche Er durch seine vermittlung unserem Ort hat zukommen lassen. Leider sind dieselben aber durch das hierzu bestimmte Ortskomite nicht immer an den richtigen Mann gekommen. Es gab Familien welche nachher in besseren Verhältnißen gelebt haben wie vorher.

- Seite 7 -
Am 18ten Januar 1886 starb unsere Tochter Maria nach langjähricher Krankheit im alter von 9½ Jahren. In demselben Jahre am 28ten Juni starb auch unser Söhnchen Joseph im alter von 7 Monaten. Am 9ten März 1888 starb Kaiser Wilhelm, im Juni deßelben Jahres starb sein nachfolger Kaiser Friedrich. Am 9ten März 1889 starb mein Vater an Lungenenzüntung im alter von 67 Jahren.

- Seite 8 -
Witterung
1892. den 25. Dez. etwas Eis im Rhein den 26. stärker Ponte nicht mehr fahren: Vor Neujahr Schnee ziemlich kalt. 1893. den 5. Januar ½ Fuß hoch Schnee den 6. kalt 7.noch kälter die Kälte hielt an am 16. 20 Grad R (Remour=frühere Temperaturbezeichnung vor Celsius). Den 17. 18 Grad in der Nacht vom 17. zum 18. stand das Rheineis fest. Am 18. morgens ½11 Uhr wurde der Rhein von Johann Müller Schreinermeister von Linzhausen überschritten, um 12 Uhr von Kripp nach Linz am 19. 17 Grad R. Am 21. Termometer auf 0- Vom 22. auf 23.Schnee und Regen. Den 23. Regen,- den 24.leichter Regen, Tauwetter Ostwind, den 25. Nachmittags 4 Uhr setzte sich das Rheineis in Bewegung um 5 Uhr stand es am Ahrort und Unkelstein wieder fest. Die Ahr hatte viel Eis gebracht. In der Nacht vom 26. auf 27. 12¼ Uhr setzte sich das Eis wieder in Bewegung und ging ruhig ab um 6 Uhr Morgens kam das Moseleis vorbei kein Hochwasser. Vom 1. auf 2. Februar Wasser stark steigend, am 2. morgens kam das Oberrheineis in dicht getränkter Masse bis in die Nacht hinein.Das Wasser stand an Kolkseck auf der Straße. Den 3. morgens wieder Eis warscheinlich aus dem Main. Nachmittags nochmals ein Stoß Eis aus dem Neckar

- Seite 9 -
Am 11ten Juni 1900 bin ich nach 27½ jähricher tätichkeit als Metalldreher in der Sinziger Mosaikfabrik freiwillich ausgeschieden. Im Jahre 1900 wurde mit dem Bau einer neuen Kirche in Kripp begonen. Am 6ten Februar 1902 wurde dieselbe von Herrn Dechant Müller Eingeweiht. Es war dieses eine großartige Feierlichkeit. Das Hochwürdigste Gut wurde in Feierlicher Prozession aus der alten Kirche in die neue gebracht, sehr viele Geistliche Herrn welche auch zum Theil als Kapläne früher hier thätig waren, waren zu der Feierlichkeit erschienen sowie auch viele Leute aus der Umgegend. Es war an diesem Tage Schneegestöber.

Am 18ten Februar haben wir Silberne „ Hochzeit gefeiert. Am 28ten Oktober 1902 hat sich unsere Tochter Margaretha mit Wilhelm Schürheck aus Kendenich b.Köln verheirathet. Es war dieses das erste Brautpaar welches in der neuen Pfarrkirche in Remagen (gemeint ist Kripp) getraut wurde. Ihr Brautamt wurde in unserer Kirche gehalten und hat unser Sohn Joseph daßelbe gedient.

- Seite 10 -
Am 7ten Juli 1903 wurde vom Herrn Weihbischof von Trier unsere neue Kirche eingeweiht. Es waren zu dieser Feier viele auswärtige Geistliche Herrn erschienen namentlich solche die hier früher als Kapläne thätig gewesen sind. Es war eine großartige Feier. Am Aschermittwoch 1904 morgens gegen 4 Uhr ertrank der Schiffer Anton Kyll aus Linz bei der retourfahrt von Kripp nach Linz. Derselbe hatte das nächtliche überfahren von Linz nach Kripp zu besorgen. Es war Hochwaßer und zur benanten Zeit starker Ostwind mit Schneegestöber. Wahrscheinlich ist er durch den starken Ostwind nicht vor den Bugnachen hergekommen
und ist -weil er Allein im Nachen war- dagegen getrieben und untergegangen. Das Hülferufen von Ihm ist in Kripp von den am Rhein wohnenten Leuten gehört worden, aber sehen konnte durch die Dunkelheit und Schneegestöber keiner was. Die Leiche ist 3 Wochen später bei Bortz (Porz) von Kindern in den Weiden hängent aufgefunden worden und in Linz beerdigt.

- Seite 11 -
Im Frühjahr 1904 wurde mit dem Bau einer Wasserleitung hier im Dorfe begonnen. Anfangs November des nähelichen Jahres war dieselbe fertig. Am 14. Novb.1904 habe ich auf dem Dorn (Feldflur Ahrmündung) zwei junge Apfelbäume gesetzt. Sorte: Schöner von Boskoop. Am 14 Dez 1904 sind wir beim fischen mit dem Geil in höhe der Station 126,2 (heute Stromkilometer 628,2 ) zimlich weit ab vom Lande hängen geblieben und kamen nicht mehr los. Wir schickten zu Joh. Breuer um Hülfe welcher auch schnell mit Grundhaken und Leine zur Stelle war und suchten die Stelle um das Geil herum ab, beim 3ten mahl suchen brachten wir eine schwere Kette zu Tage. Wir ließen das Dreibord da liegen und fuhren mit Breuer nach Hause einen schweren Nachen und Hebezeug holen, nun holten wir die Kette an wie es mit der Hand nicht mehr ging, setzten wir einen Flaschenzug an und brachten nach vieler Mühe ein schweres Anker mit zirka 10 Mt Kabel und 10 Mt Oeringkette herauf. Wir kamen nun mit unserem Netz allmählig los, mit der beschädigung derselben hat es noch leidlich gut gegangen.

- Seite 12 -
Am 1ten Januar 1905 fing es an zu frieren am 3ten Jan: ging der Rhein mit Eis, dann gab es wieder Thauwetter und am 7ten Jan: war der Rhein wieder Eisfrei. In der Nacht vom 6ten zum 7ten Jan: hatten wir einen Orkanartigen Nord-West Sturm hiel auch am 7ten noch an. Die Nachen waren merstens unter Wasser geschlagen. Den 16ten Januar 1905 wieder Eis im Rhein. Am 25ten Januar 1905 war der Rhein wieder frei.
Am 5.März 1905 hat Johann den Joseph mit aufs Schiff genommen als Schiffsjunge. Am 30.März 1905 ist der Tauereidrath aus dem Rhein geholt worden. Am 8.April 1905 ist überall viel Schnee gefallen. Vom 8. auf den 9.April 1905 hat es stark gefroren. Termometer 4 Grad Cels: unter 0. Vom Juni bis 15.Oktb 1905 hat Joseph als Schiffsjunge auf der Dampfjacht Fürstenberg von Georg Caracciola in Remagen gefahren. Johann fährt auf dem Schiff Katarina von Koblenz Schiffer Zenns. Am 18ten Dezb 1905 zwei junge Apfelbäume in der Wiese gesetzt, nach dem Rhein zu ist ein Goldbaromene, der nach Sinzig zu ist ein Bunapfel. Am 5ten März 1906 Hochwaßer, es stand 10 ctm an Schons Ecke (Straßenecke spätere Villa Nagel) auf der Straße

-Seite 13 -
Am 25ten April 1906 hat Georg und Anna Wahl geheiratet. Am 26ten April war Kirchliche Trauung. Am 14ten Mai 1906 ist Joseph bei Herrn Richartz in Oberkassel auf ein Motorboot gekommen. Am 2ten August 1906 abends gegen 7 Uhr ist der Brückenmeister Gottf: Lütgen aus Kripp beim auffahren des ersten Döppers (Boje) ertrunken. Die Leiche wurde am 5ten Aug. in Remagen gelandet und nach Kripp gebracht.
Am 14ten Oktb:1906 ist in Leubsdorf die neu erbaute Kirche Eingeweiht worden. Es war dies eine erhabene Feier. Die Mutter und ich waren auch da. Vom 1.Sept: bis anfangs Dezeb: hatten wir sehr kleines Wasser. Linzer Pegel stand 0,65. viele Schiffsgesellschaften hatten ihre Fahrten eingestellt.
Weihnachten 1906
Am 23ten und 24ten Dezb:hatten wir morgens 11 Grad C:Kälte, am 24ten ging der Rhein mit Eis. Den ersten Feiertag hatten wir wieder Tauwetter. Unsere Jungen Joh:und Josef liegen mit dem Schiff auf mit welchen Sie in Dienst stehen in Antwerben (Antwerpen). Am 13ten Dezb 1906 wurde der Reichstag aufgelößt. Ende Dezb hatten wir Eis im Rhein, hat aber nicht lange angehalten. Ende Januar hatten wir wieder Eis im Rhein und zwar so stark das an einem Tage nicht übergefahren wurde, es hat zirka 8 Tage angehalten. Die Ponte hatte grade einen Tag gefahren, als am 21ten Febr:wieder Eis im Rhein war und mußte die Ponte am Lichtmeßtage wieder abgefahren werden. Am 23.Februar 1907 Hochwasser viel Sturm und Schnee.

- Seite 14 -
Am 7ten April 1907 ist Peter zu ersten heiligen Communion gegangen in der Pfarrkirche in Remagen. Wir sind mit Lurtz seinem Motorboot nach dort und zurück gefahren a Person 40 Pfg. es wahren 45 bis 50 Personen. Auf der Hinfahrt war schönes Wetter bei der returfahrt etwas Regen und starker Thalwind.
Johann und Josef lagen zu der Zeit in Mannheim. Am 6ten April 1907 hat Kripp Gasbeleuchtung erhalten. Anna hat mit Schiff Arenfels Bes: Joh.Breuer mit Joh: und Jos: eine Reise mit nach Antwerben gemacht und ist auf Kirmesdienstag den 21.Mai 1907 wohlbehalten hier angekommen.
Dieses Frühjahr und Sommer hatten wir immer guten Wasserstand. Ende August fiel es aber stark weg und blieb anhaltent klein. Bonner Pegel am 19 Novb 1907 0,67. Im Septb. 1907 war von Mannheim bis Cöln eine Motorboot Wettfahrt, Es war großartig wie verschiedene Boote mit einer fürchterlichen Schnelligkeit durch das Waßer schossen. Das Boot Zariza (Zarin) war das schnellste. Es durchlief die Strecke von Coblenz nach Köln (98 Kil) in 1¾ Stunden. Vom 3ten bis 11ten Novb 1907 hatten wir hier im Orth eine heil: Mission.

Unterschrift von Helene Valentin
Unterschrift von Peter Valentin
Unterschrift von Anna Valentin

- Seite 15 -
In der Neujahrsnacht 1907-08 fing es an zu frieren. Die Kälte nahm zu. 3 Tage nacheinander 13 Grad C:
Am 6=ten Januar morgens 12 Grad C: und abends Regen, es war alles Glateis geworden und sehr gefährlich gehen. Das Thauwetter hat ein par Tage angehalten dann gab es wieder Frost am 11=ten Januar 14 Grad C:, lies aber die folgenden Tage wieder nach. Josef besucht seit dem 3=ten Januar die Schifferschule in Coblenz. Am 16ten Januar 1908 Tauwetter. Am 20. Juli 1908 von Joh Gerhard Kirschbaum ein Grundstück neben unserem Hause von 2 Mt breit 66 Mt lang für den Preis von 200 Mark: und 15 Mark: für Entschädigung der ausfallenten Pflaumenbäume gekauft und gleich baar bezahlt. Die Bäume welche stehen bleiben und überhängen wird der Ertrag getheilt und zwar so lange bis die Bäume eingehen. Am selben Tage habe ich es im Katasteramt Sinzig zur vermeßung angemeldet.
In diesem Jahre hatten wir Glück im Fintenfischen wir haben 2 Salme gekricht eine von 13 (Pfd.) und einen in der Fronleichnamsnacht von 21 (Pfd.). Am Dreifaltigkeits „ Sonntag ist die Mutter die Treppe herunter gefallen und hat sich den linken Fuß verstaucht und die Sehne zerissen, hat 5 Wochen gelegen. Sie war in einem ¼ Jahre nicht mehr aus dem Hause gekomen.

- Seite 16 -
In der Nacht vom 16ten zum 17ten Septb.1908 haben bei einem Manöver die Coblenzer Pionere eine Potonbrücke von Kripp nach Linz über den Rhein geschlagen. Morgens marschierten viele Truppen von Kripp nach Linz über dieselbe. Um 1 Uhr mittags wurde die Brücke geöffnet zum Durchfahren der inzwischen angesammelten Dampfer und Schiffe. Ein Schraubendampfer hatte die angegebene Fahrt nicht richtig eingehalten und ein Anhängeschiff desselben trieb nach der Linzerseite gegen die Brücke und riß zirka 20 Poton von der Brücke wech. Die Ankertaue waren alle gerißen und tauerte es bis Abend ehe dieselbe wieder hergestellt war, dann marschierte das ganze 8te Armekor von Linz nach Kripp über dieselbe. An beiden Seiten des Rheines hatte sich eine riesige Menschenmenge angesammelt und schauten zu. Der Schraubendampfer kam zu Thal gefahren. Das ganze Brückengeräthe war mit Wagen hierhin gefahren worden. Am 19ten Septb:wurde die Brücke wieder abgeschlagen und mehrere Schraubendampfer zogen die Potons mit Brückenmaterial beladen wieder nach Koblenz. Es ist kein Menschenunglück beim an und abbau der Brücke vorgekommen.

- Seite 17 -
Im Monat Januar 1909 haben wir 2x Eis im Rhein gehabt. Ende Januar fiel viel Schnee namentlich im Westerwald. anfang Februar hatten wir Nordweststurm mit mehrere Tage anhaltenem Regen was zur folge hatte das die Östlichen Nebenflüße des Rheines alle sehr schnell stiegen, und alles überschwemten. Das Waßer in der Lahn, Wied, Sieg stieg zu einer noch nie dagewesenen höhe. Die Eisenbahnbrücke in Oberlahnstein war unbasierbar die Wiedbrücke bei Irlich stürzte ein die bei Troisdorf über die Sieg war ebenfalls dem Einsturz nahe. Der Bahnverkehr für Güter war gänzlich unterbrochen, Passagiere wurden durch umsteigen befördert. Es hat fast den ganzen Monat Februar gedauert ehe der Verkehr wieder vollständich hergestellt war. Es kam viel Holz und Möbelstücke getrieben und haben wir sehr viel gelandet.
Josef hat diesen Winter die Oberstufe der Schifferschule wieder besucht hat ein schönes Zeugniß, und für gute Führung und Fleiß einen Preis (zwei schöne Bücher) erhalten. Am 1ten Mai waren die Bergkupen alle mit Schnee bedeckt, haben bis zum 15ten viele Nachtfröste gehabt Kartoffeln und Bohnen sind erfroren.
Am 15ten 1909. haben wir einen ständigen Vicar bekommen und wurde derselbe von Remagen koment feierlichst am Kirchhofe mit Prozesion abgeholt. Abends großer Fakelzug.

- Seite 18 -
1909. Heute den 16ten Mai haben wir Kirmes und waren unsere Kinder noch einmal alle zu Hause zum Andenken folgen ihre Unterschriften

gez. Georg Valentin Schlosser
gez. Margaretha Schürheck, geborene Valentin
gez. Johann Valentin Matrose
gez. Anna Valentin
gez. Josepf Valentin, Matrose
gez. Peter Valentin
gez. Helene Valentin


Heute den 19ten Juni 1909 ist unser Schwager und Bruder Joh:Müller in Linzhausen sein Sohn Theodor beerdigt worden. Derselbe stand in Zell asd.Mosel im Postdinst und ist am 7 Juni abends beim Baden ertrunken. Er war 23 Jahre alt.
Am 2ten August 1909 kam Graf Zepelin mit seinem Luftschiff von Frankfurt koment, über unsern Ort geflogen. Er wollte nach Köln, muste aber im Remagener Flur die weiterfahrt wegen plötzlich eintreten starken Sturmes (West Nordwest) aufgeben, und fuhr wieder nach Frankfurt zurück. Es war großartig wie derselbe so lange gegen den Sturm ankämpfte und hatten wir Zeit genug, denselben in seiner Fahrt zu beobachten. Auf vielen Bergkupen hatten sich hunderte Schaulustige am morgen schon eingefunden bis er gegen 4 Uhr erst ankam, Er hatte unterwegs viel mit wiedrigen Winden zu kämpfen. Am 5 August kam derselbe morgens 7 Uhr 15 wieder hier vorbei konnten aber wegen dem starken

-Seite 19 -
Nebel nichts sehen wohl hörten wir das Heulen der Motore. Er flog mit einer sehr großen geschwindigkeit denn ¼ nach 8 Uhr war. Er schon in Köln.

Ein Loth Glück wiegt mehr als ein Pfund Verstand.
--------------------------
Sich regen bringt Segen von selbst wächst nur Unkraut

Am 5ten Dezb 1909 hatten wir Hochwasser es stand auf dem Leinpfacht (Leinpfad) Am 1ten Januar 1910 stand es wieder so hoch. Am 23ten Januar 1910 wieder Hochwasser 30 ctm an Schons Ecke (Villa Nagel) auf der Straße. Am 10ten Febr:1910 wieder Hochwasser bereits an Schons Ecke auf der Straße. Am 6ten März wieder Hochwasser wieder an Schons Ecke auf der Straße. In der Nacht vom 13ten zum 14ten Juni
1910 ist in Schuld an der Oberahr ein furchtbarer Wolkenbruch niedergegangen. Viele grade am Bahnbau beschäftigte Arbeiter meist Croaten und Italiener sind dabei ertrunken. Durch das abgeschwemte Holz und Möbelstürke welches sich vor den Brücken staute, wurden die Brücken fast alle mitfortgerissen auch die alte Steinbrücke bei Altenahr. Die Ahr hatte ein bis jetzt noch nie dagewesenes Hochwasser. Die Ahrbrücke am Rhein ist stehen geblieben, doch war das Wasser so hoch das es oberhalb der Brücke überall über den Leinpfad lief ja sogar hier durch den Badenacker gelaufen kam

- Seite 20 -
Der ausnahmsweise schöne Graswuchs war durch den zurück Schlam alle verdorben. An der Sinziger Ahrbrücke lief das Waßer über die Schosee (Chaussee), aller Verkehr war gehemmt. Einen Riesichen Schaden hat das Hochwaßer angerichtet. Die Ahrkrippe am Rhein wurde auch mit fortgerissen, mit einer furchtbaren Gewald und Meterhohen Wellen kam das Wasser in den Rhein gestürtzt. Es kam viel Gehölz zu treiben und ist hier sehr viel gelandet worden.

Am Sonntag den 13 Novb:1910 hatten wir wieder Hochwaßer, der Rhein stand an Schons Ecke einen ½ Mt auf der Straße. Am Rhein war blos noch ein schmaler Streifen von der Straße frei. Auch wir hatten Wasser im Keller.
Am 28.Novb:1910 haben wir auf der großen Wiese 3 junge Apfelbäume gesetzt, nach dem Rheine zu ist ein Bohnapfel die beiden anderen sind Malmediener.

Der Monat Juli 1911 war ein sehr heißer Monat. Die Hitze war fast unerträglich, am 23ten Juli zeigte das Termometer 36 Grat Cels: es war der heißeste Tag, die Hitze hielt an bis halben August, währent der ganzen Zeit hat es nicht geregnet, es herrschte eine furchtbare Trockenheit. Es gab von der Sonne gebratene Aepfel auf den Bäumen. In unserem Garten waren die Bläter am Selerie vollständig verbrant. Die Wiesen

- Seite 21 -
sind fast alle Türr (dürr) geworden. Sehr viele Leute sind beim Baden im Rhein ertrunken. Das Strandbad bei Rodenkirchen wo sich 40000 Menschen in einem Tage abkühlung verschaften, ertranken am selben Tage 11. Ueberall hörte man wo Leute beim Baden ertrunken waren. Ende August haben wir dann endlich mal Regen bekomen. Die Hitze hielt an bis halben Septb: Da bekamen wir ein Gewitter mit tüchtig Regen. Ende Novb:1911 ist unser Sohn Johann Schiffer geworden bei Herrn Erlenbach. Im Novb:1911 auf dem Dorn 2 Nußbäume gepfanzt. Am 16 Febr.1912 in der Wiese 3 Stck Birnbäume gepflanzt. Vom 18ten auf den 19ten Septb:1912 haben die Koblenzer Pionire zwischen Kripp und Linz bei einem Cormanöver eine Brücke über den Rhein gebaut. Am 21ten Septb: ist dieselbe wieder abgebaut und am 22ten Septb das ganze Material und Manschaft mit 2 Schraubboote nach Coblenz gefahren worden. Ein Unfall hat sich nicht ereichnet.

1912
Im Monat Juli hatten wir wieder große Hitze und keinen Regen, umsomehr im Augst: hat fast den ganzen Monat nicht aufgehört. Der Septb: war sehr rauh und kalt hat anfangs ein parmahl tüchtig gefroren, ein morgen hatten wir 5 Grad C: In den Gärtnereien hat der Frost viel Schaden verursucht. Im Oktb. hat Josef sein Schifferpatent erhalten.

- Seite 22 -
1912
Am 14 Oktb: ist Jos: Soldat geworden. 6te Comp:3tes Eisenbahn Regiment in Hanau am /Main. Am 6ten Dezb: in der Wiese 2 Stck junge Apfelbäume gepflanzt Rheinischer großer Bonapfel. Am 16 Oktb: ist Peter bei Johann als Matrose aufs Schiff gekommen.

1913
Am 24ten Febr: kam der Erste Aeroplan den Rhein herunter geflogen ¼ vor 5 hier ½ 6 Uhr schon in Köln. Es war ein Doppeldecker besetzt mit einem Major und einem Leutnant. Diesen Winter 12 auf 13. haben wir kein Eis im Rhein gehabt.

1914
Am 15 Januar Eis im Rhein, hat gefroren bis zum 25 Jan: ein par mal 12 Grd;C: und 1 mal sogar 19 Grad C: In Bingen wars 17 Grad C. Am 12ten März Hochwasser ¼ Mt an Schonsecke (Villa Nagel) auf der Straße. Linzer Pegel 7,28. Den ganzen März war der Leinenpfaht (Leinpfad) unter Waßer.

Krieg! 1914
Am 1ten Augst: wurde der Bereich des 8ten Armekorps in Kriegszustand erklärt. Am 2ten Augst: erfolgte die allgemeine Mobilmachung der ganzen Deutschen Arme. Es hatten uns Krieg erklärt, Frankreich, Ruhsland und England. Die Deutschen Truppen musten durch Belgien marschieren und fanden dort heftigen Wiederstand. Es haben dort schreckliche Kämpfe statgefunden somit hatte Belgien auch

- Seite 23 -
den Krieg erklärt. Unsere Truppen sind überall Siegreich dort gewesen. Die Kämpfe sind dort sehr erbittert gewesen, da die Belgische Zivielbevölkerung aus dem Hinterhalt auf unsere Truppen geschossen haben und nachher auch unsere verwundeten Soldaten schrecklich verstümelt haben.
Georg mußte als Landwehrmann auch fort. Josef ist auch aus Hanau mit ausgerückt. Peter hat sich als Freiwilliger gemeldet ist am 16.8. eingetreten in Hanau und am 1ten Oktb ausgerückt. Alles Eisenbähner. Georg und Josef sind in Frankreich wo Peter ist wissen wir noch nicht. Peter ist am 6.10. von Hanau nach Ruhsland ausgerückt.
Am 2ten Oktb 1914 ist unser Hochwürdicher Herr Pfarrvikar Joh: Rossmann gestorben und am 5ten begraben worden.
Am 9ten 10.14. ist die Festung Antwerben (Antwerpen) von unseren Truppen genomen worden. Am 24ten Novb: 1914 hat Kripp wieder einen Hochwürdigen Herrn Pfarrvikar bekommen.

Die ganze Welt soll es wissen, das keinem Deutschen ungesühnt ein Haar gekrümt darf werden. Worte unseres Reichkanzlers Herrn von Behtmann- Holweg im Reichstag 1914 im Dezember.

Trotz neunmonatlichem Weltkampfe hat die Modethorheit des Weibervolkes noch nicht aufgehört.----

- Seite 24 -
In der Nacht vom 13ten zum 14ten Juni 1915 sind uns folgente Gegenstände aus der Werkstatt und Anbau gestohlen worden. Dem Peter seine Wasserstiefel, meine Sonntagsschuhe, Anna ihre Sonntagshalbschuhe, Lena ihre Sonntagshalbschuhe und ein paar Schnürschuhe verschiedene Leder und Zeugne Pantoffeln, 4 Arbeitshosen von dem Jungen , 1 Arbeitshemd und 2 paar Socken. Tags vorher haben sich 2 fremde Männer wahrscheinlich Vagabunden Oberhalb der Ahr in den Weiden aufgehalten, einer ist auch hier im Dorfe gesehen worden. Wahrscheinlich hatten Dieselben als wir Alle im Heu waren die Sachen ausgekundschaft. Zufällicherweise hatten wir den Abend nicht abgeschlossen. Wir habe es Polizeilich angemeldet, ist aber nichts mehr aufs Dapet gekommen. In Niederbreisig hat der Kerl die Stiefel einem Schiffer für 6 Mark verkauft die andere Schuhe hat er auch dort zum Verkauf angeboten. Der Niederbreisiger Schandarm* (Gendarm) hat ihn verhaftet weil er keine Papiere hatte, wuste aber nichts von dem Diebstahl. Die Remagener Behörde hat das ruhig für sich behalten und hat die Meldung nicht -wie dieselbe doch wohl verpflichtet gewesen wäre- in den Nachbarorten nicht weitergegeben. 8 Tage später hat der Remagener Schandarm es dem Nibreis: erzählt. Den Namen des Schiffers hat der Breisiger festgestellt.

28ten Augst 1915. Der Weltkrieg hält noch an. Im Monat Augst 1915 sind 10 Russische Festungen von Deutschen und Oestreichischen Truppen genommen worden.

- Seite 25 -
Peter war erst in Ruhsland dann in Galizien und jetzt wieder in Warschau. Jos: ist auch jetzt in Ruhsland. Peter am 2ten Oktb von Warschau nach Serbien. Am 29ten Septb 1915 von Eichmeister Küpper aus Linz eine Dezimalwage von 3 Zt tragkraft gekauft 23 Mk. Novb:1915. Der Krieg hält noch immer an. Jos: ist von Ruhsland 14 Tage in Urlaub gekommen. In Serbien geht es gut vorwärts die Bulgaren helfen uns mit. Der Weg Berlin, Wien, Konnstandinopel ist frei. Am 14ten Dezb. Hochwaßer 10 cm auf der Straße.
Mai 1916. Der Krieg hält noch immer an. Peter ist aus Serbien auf 14 Tage in Urlaub gekommen. 4 Tage u Nächte gefahren. Ostern 1916 haben wir hier den Kanonendonner von der Westfront gut hören können. Alle Lebensmittel sehr knap und rießig theuer. Fleisch gibts fast gar keins mehr, die Metzgerläden sind fast alle leer. Preis des Rindfleisches 2-50 bis 3 Mark das (Pfd). Am 31 Mai 1916. Die erste große Seeschlacht des Weltkrieges in der Nordseee vor dem Skagerak. Großer Sieg der Deutschen über die Engländer.
Septb:1916. Peter war wieder 14 Tage in Urlaub hier. Der Weltkrieg hält noch an. Josef ist mit seiner Comp: von Frankreich nach dem Balkan ausgerückt. Peter ist jetzt in Constanza am Schwarzenmeer.
Georg noch immer in Frankreich.

- Seite 26 -
Am 6ten Dezb:1916 Bukarest (die Hauptstsadt von Rumänien) eingenomen. Januar 1917. Peter ist von Constanza wieder wech. Josef ist am 2ten Januar aus Siebenbürgen in Urlaub gekommen. Neujahrstage Hochwaßer ½ Mt an der Wohnung Nagel auf der Straße. In der Neujahrsnacht mußten wir den Keller räumen. Georg war Weihnachten 1916 einige Tage hier in Urlaub. Anfang Januar 1917 leichter Frost dann gabs 5 ctm hoch Schnee und gegen den 20ten Januar setzte starke Kälte ein 10,12,14,16 Grad C:,heute den 4ten Feb: sogar 20 Grad C. In der Eifel waren schon bis 24 Grad. Es hat lange gedauert eh Treibeis im Rhein war. Es muß am Oberrhein wenicher kalt gewesen sein. Heute geht der Rhein stark mit Eis. Die Nachen in unserem Hafen sind alle eingefroren. Am 10ten Febr an der Holländischen Grenze hat sich das Rheineis festgesetzt. Mosel ist auch zu. Laagersee (Laacher See) ebenfalls. Johann liegt in Senden im Kanal eingefroren. Die Kälte hielt an bis zum 15ten Febr: am 17ten leichter leichter Regen almähliges Tauwetter.
Am 18ten kam das Moseleis, am 20ten das Ahreis, Brocken von ½ Mt dick es ist aber Nachts abgetrieben.
Am Freitag den 23ten Febr: Nachmittags 3 Uhr ist unsere Lena in der Waschanstalt mit der rechten Hand und Unterarm bis an den Ellenbogen, in die Dampfmangel zwischen die Walzen gekommen. Der Arm ist schrecklich verbrant und gequetsch.

- Seite 27 -
Sie wurde gleich nach Sinzig ins Krankenhaus gefahren und am 7 März nach Bonn in die Klinik fand aber dort keine Aufnahme und kamen wieder zurück. Am 8 März bei schrecklichem Schneesturm wieder nach Bonn ins Herz Jesu Hospital wo sie Aufnahme fand. Fast jeden Tag fährt Anna zu Ihr, mit der Hand und dem Arm sieht es nicht gut aus. Am 22ten März ist dem Lena sein rechter Arm
abgenomen worden. Am 23 war Lena sehr schlecht, am 24 hat Sie die Sterbesakramente empfangen, am 25 war Sie wieder etwas besser. Den 30 März Lena ist auf der Besserung. Am 28 März 1917 in Bodendorf eine Ziege gekauft für 120 M. Hornlos weiß 3x gelambt. Am 30 März 1917 in der Bodendorfer Mühle eine Ziege gekauft für 110 M: Hornlos weiß trachbar. 6x gelambt.
Den 9ten April Lena ist auf der Besserung. Am 1 Mai ist Lena aus dem Hospital entlasen worden. Anna hat Sie geholt ist jetzt wieder zu Hause. Der Arm ist noch nicht zugeheilt. Behandelnter Arzt D.Leydecker.
Ende Juni ist Peter aus Rumänien in Urlaub gekomen am 4.Juli wieder abgefahren. Jos: kam zur nähmlichen Zeit von der Westfront in Urlaub und hat geheiratet (Kriegstrauung). Seine Frau Marg: Büchler aus Limburg. Der Krieg tobt weiter, ein entsetzliches Menschenmorden. Die Lebensmittel werden immer knaper und schrecklich theuer. Weihnachten 1917 war Josef in Urlaub. Peter ist von Rigga nach der Westfront hat in Rigga das E.K. II bekommen. Am 15 Jan: 1918 war die Brücke in Remagen soweit fertig gestellt, das die Schiffahrt wieder frei war.

- Seite 28 -
1 Mann ist bei dem Pfähle ausziehen abgestürtzt kam zwischen die Eisschollen und eh Hülfe da war ging Er unter. Lena besucht seit 1.Dezb 1917 die Handelsschule in Bonn ½ Jahr lang. Am 16 Jan 1918. hatte die Ahr in Folge der warmen Witterung 10 G.C. Und Schneeschmelze furchtbares Hochwaßer Dieselbe hat ganz schrecklich gehaust. An der Mosel und Nahe hat es noch schlimmer gegangen. Daß Waßer im Rhein stand am 16.1. ¼ Mt unten auf der Rampe des abends schon auf dem Leinenpfat und anderen Morgen 8 Uhr schon auf der Straßenecke von da ab stieg es langsam, hat ¾ Mt auf der Straße gestanden. Da kamen Nachen Floßstämme Bäume Sträucher Fäßer Bretter und alles mögliche zu treiben. Vom Brückenbau Engers waren 160 Stämme ohne das kleine Gehölz abgetrieben. Von der Firma Noll in Valendar 1000 Faß rohe eingekochte Marmelade. alles Fäßer von 15 bis 20 Zt schwer hier in Kripp sind auch vieleicht 1 Dutz: gelandet worden. Anna mein Steuermann und ich haben auch viel Holz gelandet, aber nur was oben in den Weiden hing, denn für heraus zu fahren reichte unsere Kraft nicht. Am 24ten Jan:1918 haben ich und Joh. Zihs als wir mit der Koppel fischen fuhren ein fremdes Mädchen welches absichtlich in den Rhein gegangen war, grade aber den hohen Haken vor dem Ertrinken gerettet. Habe daßelbe in Niederbreisig bei Herrn Simon gebracht wo es Aufnahme fand. Bis jetzt haben wir nichts mehr von Ihr gehört. Dieselbe hies Grütefin
und war aus Berlin.

- Seite 29 -
Am 6ten Novb:1917 eine Weckeruhr von Uhrmacher Gisch in Linz gekauft. Am 10 Febr:1918 ist zwischen den Verbündeten und der Ukraine Frieden geschlossen worden. Niemand gelangt zum Ziele, der: Erst aufsteht, wenn andere schon in voller Tätigkeit sind.
Etwas über Lebensmittelpreise:
Ein Huhn 12 Mk. Für 28 Mark ist kein Litter Rüboel mehr zu Haben. 1(Pfd) Butter 3 und 4 Mk, 1 (Pfd) frischer Käse 1 Mk, 1 Schinken 100 Mk, ein junges Schweinchen 5 bis 6 Wochen alt 180 bis 200 Mk Kleider sind fast nicht mehr zu haben, die Preise gehen in das unerhörte, ebenso mit Schuhwerk.
Juni 1918: Der Krieg geht immer noch weitert. Im Monat Mai haben wir tüchtig heiß gehabt aber keinen Regen, Juni war sehr kalt, Die Erde war furchtbar ausgetrocknet infolge dessen sehr schlechtes Wachstum der Feldfrüchte. Am 17ten Juni bekamen wir in der ganzen Zeit zum erstenmahl Regen, von da ab immer Regenschauern Sturm und kalt. Man fühlte sich wohl in einer gut geheizten Stube. Den 22ten Juni war abends ein ganz entsetzliches Unwetter Sturm und Regen. Das spärliche Obst hat der Sturm noch vielfach
abgeschlagen. Man meint wir wären in den Spätherbst versetzt.
Vom 12ten Augst 1918 bis 31ten Aug: war Peter in Urlaub hier. Im Okt:1918 ist Bulgarien von den Mittelmächten ausgeschieden und hat Frieden mit den Alligierten geschlossen was für die Deutschen nicht gut war.

- Seite 30 -
Ende Okt. fiel Oestereich ,Ungarn auch ab und dann die Türkei. Nun waren die Deutschen noch allein gegen eine Welt voll Feinde die nicht mehr zu bezwingen waren. Allmählig mußte die Westfront zurück weichen und die Disziblin der Truppe lockerte sich. Am 7.Novb: wurde die Volksregierung proklamiert. Die Sozialdemokratischen Truppen von der Marine besetzten Kiel und andere Seestädte es wurden gleich Soldaten und Arbeiterräte gebildet Die Militär und Polizeigewald ging an dieselben über. Am 8 Novb: waren die Marinetruppen schon in Köln besetzten gleich den Hauptbahnhof alles ankomente Militär wurde entwaffnet Gewehre u.d.g. Wurde auf Haufen geworfen und die Entwaffneten konnten nach Hause fahren, die Zuchthäuser wurden gewaltsam geöffnet, alles strömte heraus, leider kamen auch die Spitzbuben und Verbrecher mit in Freiheit. Zu derselben Zeit fuhren Deutsche Deligierte nach der Westfront und verhandelten mit den Feinden über Waffenstillstandsverhandlungen welche dann auch am 11.11. vormittags 11 Uhr perfeckt wurden. Aber für die Deutschen ganz schreckliche bestimmungen aber besser die als das entsetzliche weitermorden. Die Kanonen schwiegen. Unsere Truppen müssen das besetzte Gebiet räumen alles strömt haufenweiße

- Seite 31-
zurück zu Fuß per Wagen und per Bahn. Es muß ein schrecklicher Rückzug sein für die Millionenheere. Unser Jos ist noch mit seinem Bauzug zurück gekomen. Unser Georg kam Heutemorgen Sonntag den 17.11. nach 5tägigem Fußmarsch und eine Nacht Bahnfahrt Todmüde hier an. Von Peter haben wir noch nichts gehört. Peter ist in der Nacht vom 14ten auf den15ten an Linz vorbei mit dem Bauzug nach Hanau gefahren und kam am Montag den 18ten von Hanau hier an. Von Jos: erhielten wir eine Karte von Limburg das Er dort sei. Kaiser Wilhelm ist nicht mehr, Er ist in Holland interniert. Der Kronprinz sitzt auf einer Insel im Zuytersee, ob er da seinen Sport betreiben kann wie an der Westfront ist fraglich. Nach dem Waffenstillstande kamen zuerst die Flieger hier in Östlicher richtung vorbei, dann die Fuhrparkskolonnen immer mehr und mehr. Die Straße stand voll von der Ponnte (Fähre) bis an die Kirche, das hat sehr lange gedauert, eh die alle übergesetzt waren. Dazwischen kamen auch noch Fußtruppen welche dann mit einem Köln Düßeldorfer- Dampfer übergesetzt wurden. Bei der Gärtnerei Parkow war eine Landebrücke hergestellt worden und von mehreren kleinen Schiffen Potonns zurecht

- Seite 32 -
gemacht worden wo die Wagen drauf fuhren und dann mit einem Schrauber nach der Linzerseite gezogen wurden. Alles sah furchtbaar heruntergekommen von der langen Reise und vielem Regen aus. In Mehlem und Neuwied waren Potonnbrücken geschlagen worden. An der Remagenerbrücke waren die Auffahrtsrammpen noch nicht ganz fertig und wurde Tag Nacht an denselben gearbeitet bis sie soweit hergestellt waren, das Fuhrwerk, Attlerie Kavalerie und Fußvolk noch rechtzeitig hinüber konnten. Unsere Truppen waren am 4 Dezb. alle auf der östlichen Seite. Die Westfront war also planmäßig am 5 Dezb. geräumt. Die feindlichen Truppen kamen dicht hinterher. In hiesiger Gegend liegen Amerikaner, hier im Ort liegen 700 Mann es sind aber gute Leute, wir haben 2 Mann. Am 1ten Advendssonntag 1918 ist Kripp zur Pfarrgemeinde ernant worden. Zu Weihnachten waren hier in der Kirche Exezitien. Neujahr 1919 Hochwaßer 30 ctm an Nagelsecke auf der Straße. Wir mußten den Keller räumem. Schlechtes Waßer für Fischfang. Im Monat
Januar kein Eis, bis halben Febr: Frost viel Eis im Rhein. Am 16ten Febr: warder Rhein wieder frei von Eis.
Am 5ten April 1919 ist die bisherige Amerikanische Besatzung durch andere

- Seite 33 -
Amerikanische Truppen abgelößt worden erstere sind nach Amerika. Es ist von den bisherichen Truppen recht viel Annoliert worden. Die Lebensmittelpreise sind noch weiter in die höhe gegangen. Die zweite Besatzung ist am 24ten Mai auch wieder weg, die beiden die wir hatten hießen Amik und Lorenz. Am 24ten Mai 1919 hat unsere Tochter Anna Hochzeit gefeiert mit Fritz Schäfer aus Kripp. Die erste hälfte des Monats Mai war sehr kalt, die zweite hälfte sehr heiß aber keinen Regen. Den 24ten Juni bekamen wir Regen, von da ab bis anfangs Juli wurde es wieder ungemütlich kalt, man fühlte sich behaglich in einer gut geheizten Stube. Die Amerikaner haben den ganzen hohen Dorn vom Leinpfat bis alte Straße einschließlich Ahr rechtes Ufer und von der alten Straße einschließlich Mühlenteig bis zur Eisenbahn linkes Ahrufer eingezäumt für Pferdeplätze. Zirka 25.000 Pferde sind da eingebracht wovon 2 x Wöchentlich Pferde versteigert werden und kommen immer wieder andere dazu. Kein Graßhälmchen sieht man mehr auf diesen Plätzen. Am 28ten Juni ist endlich nach langem hin und herfeilschen der für uns klägliche Friedensvertrag in Versailles bei Paris unterzeichnet worden. Mit schwerem Herzen und zitternder

- Seite 34 -
Hand musten unsere Delegierden den für Deutschland vernichtenten Vertrag unterzeichnen. Währentessen ging in Deutschland die unerhörte Streikerei und Revoldieren immer weiter, in den Großstätten Berlin und Hamburg ist ganz entsetzlich gehaust worden, fast jeder wollte viel Geld verdienen aber nicht viel arbeiten. Es waren ganz entsetzliche Zustände. Der Monat Juli war fast Regenlos und kalt. Im Monat August hatten wir 8 Tage heiß sonst kalt und keinen Regen. Bis halben Sept: hatten wir ganz gewaltiche Hitze 30,31,32 Grd
C im Schaten und immer noch keinen Regen eine ganz schreckliche Trockenheit. Ganze Wolken von Staub, verursacht durch die Pferde und Mios zogen jenachdem der Wind kam durch die Luft, nichts wie Stau überall. Bäume, Futter, Bohnen, Gemüße alles voll Staub. Kirmessen und Tanzbelustigungen aller Orts und dabei noch im besetzten Gebiet. O, welche Zustände.---- Das Geld wird mit vollen Händen zum Fenster hinaus geworfen, und erst die Sittlichkeit, o, Sodoma Gomorra. Vom 1ten auf den 2ten Novb 1919 ist hier
10 ctm hoch Schnee gefallen am 11 wieder viel Schnee, am 13, 14. und 15ten Novb viel Schnee am 16ten lag er 28 ctm hoch. Am 16ten Novb: starb meine Schwester Marie im Alter von 72 Jahren an Lungenenzündung u Rippenfeldentz:

- Seite 35 -
Weihnachten 1919 Hochwaßer ! Das Waßer stieg sehr schnell und haben viele Leute ihre Sachen nicht aus den Kelern und unteren Stuben retten können. Wir hatten noch 10 ctm ehe es im Hause war, dann fiel es wieder 16 ctm und stieg wieder von neuem und bekamen es 30 ctm hoch ins Haus. Neujahr 1920 stand es am höchsten von daab fiel es ganz langsam wieder wech. Eine unmenge Zeug kam getrieben. Fässer gefüllte Amerikanische Benzinfäßer, Eichen und Buchenstämme sehr viel anderes Holz Möbelstücke ein Badehaus hängt noch am Leinpfat. Von Weihnachten bis 4ten Januar fuhren keine Dampfer mehr, alles lag still. Joh. war hier, Schiff lag in Coblenz. ist heute Sonntag d 4ten wieder auf der Thalfahrt herausgefahren. Jos: auf der Bergfahrt in Köln gelegen. Seit 1882-83 ist der Rhein nicht mehr so hoch gewesen. Das Waßer hat ganz entsetzlich gehaust, am mersten hat es die Firma Nagel betroffen, wie es den betroffen hat ist gar nicht zu beschreiben. Joh und Peter haben auch viel gelandet. Am 5ten Januar war das Waßer wieder so weit gefallen das die Straße an Nagelsecke wieder frei war. Am 9ten Jan: stand das Waßer 30 ctm unter dem Leinpfad, dann stieg es wieder am 10ten abends 25 ctm auf dem Leinpfad, am 11ten mittags wieder auf der Straßenecke, steigt weiter. Am 14ten wieder Waßer im Hause, steigt weiter.

- Seite 36 -
15 auf 16ten stillstand. 16 etwas gefallen, 17ten stark fallend. Coblenzer Pegel am 16ten 8,88, Trier 7,74.
Am 18 Waßer aus dem Hause. O welche zerstörung es ist nicht zu beschreiben. Wege ausgetrieben Haufen Kitz (Kies) an anderen Stellen angetrieben und erst die Gärten. Die Firma Nagel und auch Schmitz tragen die merste Schuld an der Zerstörung weil dieselben ohne Strompolizeiliche Erlaubniß ihre Werke nach dem Dorfe zu größer gebaut haben und in folge dessen der Hauptstrom nicht mehr die Straße herunter konnte. Sie haben aber auch mahl Hochwaßer gekostet. Das Waßer war kaum auß den Häusern kam schon gleich von der Behörde die aufforderung Schäden angeben, ist dann auch geschehen. Nach 14 Tagen kam dazu eine Coms: mit dem Stadtbaumeister an der Spitze fanden alles zu hoch angegeben und was hats gegeben, bis heute 22/3 noch nichts. Die Leute können sich ihre Sachen wieder selbst herstellen, das ist dann die groß versprochene Hülfe. Es sind tüchtige freiwillige Summen geflossen, aber die sind in noch größere tüchtigere Löcher hinab gefallen. 1882 hat es genau so gegangen. 12/3 hat die Mutter in Leubsdorf eine Ziege z. P. v. 450 M. gekauft. Beim 2ten Hochw: war in Benndorf ein Amer: Oehllager abgetrieben. 1000 und abertausente volle und leere Faß und Kisten kamen wie die Eisschollen den Rhein herunter getrieben. Da gabs zu landen. Aber alles abgegeben nichts erhalten.

- Seite 37 -
Am 20 Ap: 1920 ein Schweinchen gekauft für 350 M. von Terporten. Im Jahre 1917 oder 18 ist die Kaiserglocke aus dem Kölner Dom in Stücke geschnitten und herunter geholt worden. Ein Kunstwerk von 504 Zt: wer weiß ob in 1000 Jahren noch mal so eine Glocke hergestellt wird. Nun hatten die Fanatiker doch ruhe. Mit unseren Kirchenglocken hat es ebenso gegangen. Unser Herr Pastor hatte nichts eiligeres zu tun als ebenfalls die Glocken herunter holen zu lassen (weil nach Verordnung) und teilweiße weil es kein Harmonisches Geläute gewesen sein soll. Die Geistlichen Herrn aus den Nachtbar Städten und Dörfer die hatten es nicht so eilich, die haben ihre Glocken noch Alle, was ist das für ein herrlicher Genuß, wenn man die Glocken läuten hört, blos wir sind die Dummen und hören nichts, zu keiner Messe zu keinem Hochamt zu keinem Begräbniß rundum zu nichts, nur ein par dumpfe Urschläge auf ein altes stück Blech (Glockenersatz) tröhnen (dröhnen) vom Turm der Katedralle (Kirche). Ist das nicht traurig so lange ohne Kirchliches zeichen zu sein.
Wer trägt nun die Schuld ??