Skulptur "Kripper Fente"  ©

© weis/funk Oktober 2012

Zwei beeindruckende Skulpturen zieren seit September 2012 als Kunstwerk im öffentlichen Raum den Ortsmittenplatz des ehemaligen Treidelortes Kripp. Sie sind als „Station 21“ Teil eines touristischen Stadtrundganges, der zu rund 50 interessanten Punkten und Sehenswürdigkeiten im gesamten Remagener Stadtgebiet führt. In Kombination mit einem umfangreichen gastronomischen Führer ist der Stadtrundgang als Faltblatt kostenlos bei der Touristinformation der Stadt Remagen erhältlich und steht im Internet unter www.remagen.de zum Download bereit.
Die Skulpturen symbolisieren mit Blickrichtung die Beobachtung der alljährlich zur Laichzeit ankommenden ersten Fintenfischschwärme in vergangenen Zeiten durch die am Rhein spielenden Kripper Kinder, umgangssprachlich „Kripper Fente“genannt und deren Benachrichtigung an die Eltern mit dem Ruf: „Bapp! de Finte kumme!“ (Vater! die Finten kommen). Gewählt wurde dieser Standort auf Anfrage der Leihgeber durch das Votum des Kripper Ortsbeirates mit neun „Ja“ Stimmen und zwei Enthaltungen.

                             

Am 18.10. 2012 fand die offizielle Übergabe der Skulpturen in einer kleinen Feierstunde durch die Leihgeber an den Remagener Bürgermeister Herbert Georgi in Anwesenheit von Ortsvorsteher Heinz Peter Hammer statt. Zugegen waren auch der zuständige städtische Wirtschaftsförderer Marc Bors, Anke Schäfer als Vorstandsmitglied der namentlichen Karnevalsgesellschaft „Kripper Fente“, Uwe Schindler vom Rheinhotel „Arte“ als Kunstliebhaber sowie der Zeitzeuge Herbert Syberz.


„Bapp! De Finte kumme“
Diese Meldung, worauf sich die Bevölkerung von Kripp zu einem Massenfischen der Finten zur Ahrmündung begab, riefen alljährlich die am Rhein spielenden Kripper Kinder ihren Vätern zu, wenn sie das Spektakel der Laichzüge erblickten, denn im Mai, wenn deren Laichzeit begann, zogen diese zu den Laichplätzen zur Ahrmündung in einer solchen Vielzahl, dass die Oberfläche von dicht gedrängten Fischleiber aufgepeitscht wurde. Der Fintenfisch trat in so großen Schwärmen seine Reise flussauf an, daß man den Fischzug vom Ufer aus mit bloßem Auge erkennen konnte und stellte bei seinem Erscheinen in der Ahr eine Attraktion dar. Dieses Naturspektakel wurde letztmalig zum Beginn des 2. WK beobachtet.
Während dieser Attraktion wurden die Rücken an Rücken im Wasser stehenden Finten vielfach mit breit flächigen Kohlengabeln aus der Ahr geschöpft und in Weidenkörben wegen des Überangebotes mit Pferdefuhrwerken bis zu den Großmärkten Bonn und Köln gekarrt und dort feilgeboten.
Während der Fangsaison sorgte der schmackhafte Fintenfisch in Kripp, täglich in vielen Variationen und Kombinationen dargereicht, für viele fleischlose Tage und wurde von den umliegenden Nachbarorten wegen seiner Quantität und Qualität als „arme Leute Fisch“ verschrieen.

FINTENFISCH – (zool. Alosa fallax) (Kat. Maifische) Als Schwarm-und Zugfisch auch ugs. als Süßwasserhering bezeichnet, kennzeichnet er sich durch seinen lang gestreckten, flachen Körper, dem silbrigen Bauch und blaugrünen Rücken aus. Sein heringsförmiger Körper ist mit Rundschuppen bedeckt. Recht auffallend sind seine vergleichsweise großen Augen in seinem recht kegelförmigen Kopf. Er gehört zur Ordnung der heringsartigen Fische (zool.Clupeidae) ebenso wie der Maifisch. Wegen seiner Laichzeit fällt er unter die Gattung der Maifische.
Besonderes Merkmal ist sein weit geschlitztes Maul, seine stark gegabelte Schwanzflosse und auffallend dunkle runde Tupfer hinter den Kiemendeckeln, die bis zu sechs parallel zur Körperlängsachse angeordnet sind und an Größe und Farbintensität zum Schwanz hin abnehmen.
Bei einer Größe bis 50 cm Länge weist er ein maximales Gewicht von 2 Kilogramm auf und wird wegen seines schmackhaften Fleisches trotz seines Grätenreichtums geschätzt.
Während der Laichreife im Altersbereich zwischen 2 bis zu 6 Jahren wanderten die Finten alljährlich im Frühjahr von den Meeresküstengewässern flussaufwärts. Beim Aufstieg zu den stromaufwärts liegenden Laichplätzen der Flussunterläufe hielten sie sich stets im Oberflächenwasser auf und waren für die Fischer gut erkennbar.
Für die Finten war mit dem Erreichen der Ahrmündung als maximale Entfernung vom Meer ihre Laichreise beendet. Nicht zu verwechseln mit den artverwandten Maifischen, die zum Laichen noch weiter bergwärts zogen. Im Gegensatz zu den Finten mit sechs Punkten unterschieden sich diese nur durch einen dunklen Punkt hinter dem Kiemendeckel. Das Ahrmündungsgebiet bot mit seinem flachen fließenden und kiesgründigen Gewässer optimale Voraussetzungen für den Laichvorgang der Fintenweibchen, dass sie für das Abrubbeln ihres Laiches von bis zu 200.000 Eiern bevorzugten.
Nach erfolgter Eiablage und Besamung durch die männlichen Finten folgte die Abwanderung dieses Saisonfisches, jedoch spätestens am 20. Mai. wieder zurück ins Meer. Ein halbes Jahr später zogen die geschlüpften Jungfische ebenfalls ins Meer. Sie ernährten sich hier neben Insekten und Würmern auch von Kleinstfischen und Krebstieren. Das maximale Lebensalter eines Fintenfisches betrug 8-10 Jahre. (www.Geschichte-Kripp.de/Zeitdokumente/Fischerei)

Künstlerportrait
Geschaffen wurden diese Skulpturen von dem international anerkannten spanischen Künstler Antonio Mari Sart der sich als Schöpfer und erfahrener Hersteller von geschmiedeten Formen durch die Förderung der UNESCO mit seinen erfolgreichen Ausstellungen in der Bandbreite abstrakter ausdrucksstarker Tier-und Menschenfiguren in New York, Paris, Amsterdam und Brüssel, insbesondere im Land Valencia es inzwischen zu Weltruhm gebracht hat.
Höhepunkt seines Schaffens war die Plastik “mirando al futuro“ für den spanischen Astronauten Pedro Duque als Hochzeitsgeschenk des spanischen Kronprinzenpaares Felippe und Letizia 2004.

Die Signatur von Antonio Mari Sart


Vermerk: Teile des ersten und letzten Buchstaben seines Namens sind seine Signatur
antonio mari. Der Punkt im a steht für das i. Der Beinamen Sart wird nur für offizielle Zwecke beigefügt.
Alle nennen ihn nur Antonio Mari


Die Kreativität des in Javea geborenen Künstlers entwickelte sich aus der Idee, dem starren Material Eisen durch seinen Eingriff mit seiner Hände Arbeit und seiner künstlerischer Kreativität Leben zu geben.
Die Faszination der Formbarkeit des starren Materials Eisen durch Erwärmen im erweichten Zustand nach seinen Ideen zu formen und in seinem Sinne zu beherrschen gab ihm die Inspiration zu seinem künstlerischen Schaffen. Die kulturelle Stadt Javea an der Costa Blanca ist stolz auf ihren bescheidenen und bekannten „Esculptor“.
Die Anfertigung dieser vom Künstler signierten Skulpturen wurde 2006 speziell für dieses Kripper Thema der Fintenfische von den Leihgebern bei dem spanischen Künstler Antonio Mari Sart in Auftrag gegeben und angefertigt.
Beabsichtigtes Ziel war es, diese als kulturellen und künstlerischen Beitrag in der Ortsmitte zur Erinnerung an eine Naturerscheinung zum Wohle und Freude aller Ortsbewohner aufzustellen.
Die Motivation und der Ausdruck und die künstlerische Herstellung dürften ein ausgesprochenes Highlight für unser Dorf, geschaffen aus der Idee einer ortsverbundenen Historie sein.

Im Fischereilexikon über die Rheinfischerei von Werner Böcking „Nachen und Netze“ ist unter dem Suchbegriff „Kripper Finten“ sogar der Begriff „Kripper Fenten“ als Necknamen für die Kinder, sowohl auch für die Einwohner von Kripp verzeichnet. (www.Geschichte-Kripp.de)

© Willy Weis/Hildegard Funk, Kripp