Hausinschriften und Hausmarken  ©

© weis/funk Oktober 2012 

Hausmarken
auch Hofmarken oder Merkzeichen, waren im Mittelalter bis zur Frühneuzeit übliche persönliche Rechtszeichen, die immer an eine Person oder an Hofbesitz gebunden zur Bestätigung von Rechtsgeschäften genutzt wurden, als die Kommunikation noch eine andere war. Neben den Unterschriftszeichen auf Urkunden und Quittungen dienten sie auch zur Kennzeichnung der festen und fahrenden Habe des damaligen Zeicheninhabers. Daher wurden Hausmarken häufig ins Fachwerk von Giebeln oder Türstürzen an Häusern und Scheunen eingeschnitten. Sie wurden erst um 1800 durch die persönliche Unterschrift, oder wie bei Schreibunkundigen durch die berühmten, jedoch der Verarmung darstellenden drei Kreuze ersetzt. 1)

Nebenher besteht noch die berechtigte Annahme, dass neben der eigentlichen Aussage über Besitztum diese Inschriften an den eher ärmlichen schmucklosen Fachwerkhausfassaden von der ländlichen Milieu geprägten Bevölkerung auch als Fassadenschmuck angesehen wurden.



Eine solche Inschrift, die neben der Hausmarke die Namen der Erbauer und die Jahreszahl der Errichtung angibt, befindet sich in einem stichbogenartigen Querbalken des ehemaligen Scheunentores des Fachwerkhauses Quellenstr. 56.


                                                                                                                                           obiger Balkentext  in Schriftdarstellung    Weis 2012


Das Datum der Balkeninschrift vom 3. November 1814 verkündet stolz das Ereignis der Vollendung des Neubaues oder den Einzug in demselben. Die eigentliche Spruchaussage fehlt jedoch. Ein kleiner Teil von unleserlichen Schnitzereien wurde in einem Balken an anderer Stelle gefunden.
Es kann davon ausgegangen werden, dass ein solcher, wie damals infolge Armut üblich, wegen Umbau als brauchbarer Balken an anderer Stelle in Teilen Wiederverwendung fand.

Anhand des Kirchenbuches konnte nachvollzogen werden, dass der Erbauer dieses Hauses Heinrich SIEBERZ, SIBERZ, SIBERTZ aus Leubsdorf stammte. Sein Geburtsjahr ist im Kirchenbuch nicht vermerkt, jedoch anhand des eingetragenen Sterbetages 31.12.1846 (Kripp) und des Sterbealters von 84 Jahren konnte das Geburtsjahr 1762/63 ermittelt werden.
Folglich konnte in Erfahrung gebracht werden, dass Heinrich S. dieses Haus als 52jähriger mit seiner zweiten Frau Eva (55 Jahre) für seine Familie errichtete.

In erster Ehe heiratete er am 7.2.1792 im Alter von 30 Jahren eine Gertrud KIRSCHBAUM aus Kripp, die am 6.12.1795 verstarb. (Trauzeugen: Matthäus Rick/ Johann Braun)
Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor. (Lorenz,*18.11.1792 / + 1842) und (Elisabeth, *9.11.1794 bis + 23.10.1869)
Vier Jahre danach heiratete der Witwer in zweiter Ehe eine Anna Eva BRANDENBERG, BRANGENBERG aus Hohn, die am 6.5.1827 im Alter von 68 Jahren in Kripp verstarb. Das Geburtsjahr wurde um 1759 ermittelt.
Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor, die jedoch leider schon im Kinderalter starben. (Maria Gudula,*16.9.1797, +19.3.1800, Maria Gudula, *30.8.1800, +3.11.1806 und Helene, *9.11.1804, +10.8.1806)

Die noch lebenden beiden Kinder aus erster Ehe waren beim Einzug 22 Jahre (Lorenz) und Elisabeth 20 Jahre alt. Der Sohn Lorenz heiratete erst 1828 eine Maria Magdalena Schäfer und die Tochter Elisabeth 1826 einen Peter Josef Dahm. 2)
Auf Grund der Größe des Hauses kann davon ausgegangen werden, dass die Kinder bis zu ihren Hochzeiten im Elternhaus logierten.
Dieses liebevoll gepflegte Haus, das vormals dem ehemaligen Zeitzeugen Michael Schumacher (*1902, +2000) als Elternhaus diente, blieb bis heute nach fast 200 Jahren im großen und ganzen äusserlich im Original der Urform erhalten.
Bei diesem Haustyp handelt es sich um ein giebelseitig zur Straße hin ausgerichtetes rationelles, den kleinbäuerlichen Lebensformen und landwirtschaftlichen Notwendigkeiten angepasstes Wohn- und Wirtschaftsgebäude in Fachwerkausführung mit einer nach Osten hin rechtwinklig angebauten Scheune. Ein damals ortstypisches und zweckmäßig ausgerüstetes Ackerbürgerhaus in etwas größerer Ausführung, das als Ausdruck eines gewissen behäbigen Ortswohlstandes der damaligen unteren Sozialschicht, deren Lebensverhältnisse die Kripper Normalität darstellte.
Viele dieser Fachwerkhäuser, insbesondere auf der Quellenstraße, angefangen von der Mittelstrasse Richtung Rhein, existieren zwar heute noch im Grundriss der einzelnen Bauepochen, haben jedoch stilistisch ihr äußeres Aussehen ursprünglicher Form durch laufende Aus- und Umbaumaßnahmen zur zweckmäßigen Anpassung an die Neuzeit stark verändert. So wurden z. B. im Laufe der Zeit die ehemaligen Fachwerkfassaden wegen der laufenden Pflege einfachheitshalber unter Putz versteckt, obwohl die Gestaltung einiger Häuser äußerlich die typische Stilform des 18. bzw. 19 Jahrhundert erkennend wiedergeben oder verschiedenartigster (heterogener) Baubestand aus mehreren Entwicklungsperioden erkennen lassen. Die meisten Inschriften gingen dadurch der Nachwelt verloren.
Nur wenige Fachwerkhäuser haben es durch intensive Renovierung über die Zeit gebracht. Noch so manches Fachwerkhaus wartet geduldig auf seine Freilegung.

Hausmarken.
Des Weiteren war es in den vorigen Jahrhunderten bis zur Anlegung des Katasters üblich, seine Revieransprüche durch Grenzsteine kenntlich zu machen. Um den Besitztum zuzuordnen wurden die Grundstücke mit damaligen Hausmarken versehenen Grenzsteinen an den Eck-bzw. Messpunkten durch „Steingeschworene“ im Beisein eines Schöffen abgesteckt. Diese vereidigte Personen hatten ihr Amt wie geschworen, bei Grundstücksstreitigkeiten und Vermarkung verantwortlich auszuüben.

Eine solche Abbildung von Hausmarken auf Grenzsteinen ist unter einem Testament von 1777 der Kripper Eheleute Hermann TEMPEL (Gastwirt und Schiffer, + 8.1.1778), der am 27.9.1729 die Tochter Elisabeth des Kripper Pioniers Johann BREW(U)ERS heiratete, ersichtlich.
Elisabeth TEMPEL, geb. Brewers, die als „Erstgeborene“ von Kripp 1795 im Johannessaal bestattet wurde, hatte mit ihrem Ehemann als Hausmarke den Kapellengrundriss mit ihren Initialien gewählt. 3)
EB steht für Elisabeth Brew(u)er, HT für Hermann Tempel.
Unter dem Testament findet sich ein Hinweis auf die Hauszeichen „Die zwey Felder seyens gezeichnet mit zwey Merkstein (Markstein?) worauf gehauen“.

                            
                                                                                                                                                             Archiv Weis/Funk

Eine weitere Hausmarke wurde in einer Archivalie des Landeshauptarchives Koblenz unter 635/179 gefunden. Unter einem Visitationsprotokoll vom 17. September 1739 hatte der Kripper Pionier Moritz Lang seine Anwesenheit mit Unterschrift und Hausmarke dokumentiert. 4)

                              
                                                                                                             LHAKO635/179  - nach Zeichnung Willy Weis



© Willy Weis & Hildegard Funk, Kripp
(www.Geschichte-Kripp.de)

Quellen:
1) HJB Kreis Ahrweiler „Hausmarken von Bodendorf“, Dr. K. August Seel)
2) Familienbuch der kath.Pfarrei Skt. Peter und Paul Remagen 1649-1899, Dr. Hentschel, 2007. S.698
3) Familienbuch der kath.Pfarrei Skt. Peter und Paul Remagen 1649-1899, Dr. Hentschel,. 2007, S.719
4) LHAKo 635/179