Weinanbau in Kripp  ©

© weis/funk Oktober 2012

Der Anbau der Weinrebe, nahezu zwei Jahrtausende seit der Römerzeit, ist einer der ältesten Kulturbegleiter unserer Region. Für die umliegende Weinregion jedoch blieb Kripp wegen seiner geringen Anbaufläche fast bedeutungslos. Nicht allzu viel ist über den Weinanbau in Kripp zu erfahren. Selbst das im Landeshauptarchiv Koblenz archivierte Weinstockverzeichnis von Remagen brachte keine Erkenntnisse über die Kripper Rebflächen.

Infolge eines verheerenden Unwetters mit Hagelschlages am 15. August 1736 wird erstmals der Weinanbau in Kripp durch einen amtlichen Eintrag vom 29. August 1736 „…der Weinstock nicht vor diß Jahr aus zehn Morgen einen Eymer Drauben zu bekommen seyn, und das newe Holz zerschlagen, dass auff zukommendes Jahr wenig zu hoffen noch geben kann…“ vermeldet und mit einer Größenordnung von 10 Morgen beziffert. 1)
Ferner findet sich ein weiterer Nachweis über einen Weingarten im Bereich der Straße „Auf der Schanze“, wo bereits 1781 ein Eintrag im Stadtarchiv „an den Schantzen ein Weingarten“ erwähnt wird. 2)
Erst eine um 1808/ 09 durchgeführte Kartierung unseres Ortes mit exakter Landvermessung im Dreieckpunktverfahren durch den Ingenieurgeographen Boutinol unter Leitung des französischen Militärgeometers Oberst Jean Joseph Tranchot gibt erstmals Aufschluss darüber, welche Gebiete in Kripp in welcher Größenordnung zu dieser Zeit bestockt waren, wobei die befindlichen Rebstöcke für den Eigenbedarf in den Hausgärten vermutlich wegen der geringen Menge nicht aufgeführt sind. 3)
Die in der Karte mit der Signatur V (für vignoble = Weingärten) ersichtlichen angelegten Weinkulturen (siehe Abbildungen) auf der Niederterrasse zur Alluvialterrasse des Rheins in Flur 35 (Flurstücke „Auf der Kaul“, „Im Feldwingert“) und Flur 6 (Flurstücke „Auf Hoppegarten“, „Auf der Schanz“, „Auf Fitze“) befanden sich in einem für diese Pflanzen geeigneten nährstoffreichen Lehmboden, der zwar zur Quantität erheblich beitrug, jedoch der Qualität und Güte abträglich war.
Auf dem nach Norden unmittelbar hinter dem großen Weingarten angrenzenden Flurstück „In der Steinreusch“ in Flur 34 konnten keine weiteren Bestockungserkenntnisse erlangt werden, obwohl anno 1331 eine solche Namensbezeichnung in Rheinbrohl aussagekräftig für eine kieshaltige Weingartenflur stand, bzw. noch 1723 in Heimersheim „steinreuschiges Land“ Erwähnung fand.
Ein weiterer Hinweis ergibt sich aus einer alten Flurbezeichnung „an den Linzer Weingärten 1366, 1670; die leider katastermäßig bis auf den Vermerk der ungefähren Lage: „an der Kripp, gegenüber Linz“ nicht mehr eingeordnet werden kann. 4)

Der in Kripp nachweisbare größte und ausgedehnte zusammenhängende Feldwingert (Feldweingarten) mit einer Ausdehnung von annähernd 800 m Länge und 200 m maximalster Breite befand sich in der Flur 35 der Niederterrasse im Fährbereich vom Sandweg bis zum Rheinufer mit 99.000 m². Dieses Messergebnis ergibt sich aus dem ersten Kartenwerk von Kripp, der Tranchot-Karte. Geringe Messungenauigkeiten sind auf Grund des zurückliegenden Zeitraumes und damalige Technik der  Vermessung unter Umständen möglich.


                                           Abb.1  Größter geschlossener Weingarten in Kripp (pink gerastert) von 99.000 m² ,
                                                        sowie 10 Einzelgärten (braun eingepunktet) mit insgesamt 16.000 m² .
                                                       Ausschnittsvergrößerung aus der Tranchot-Karte 1803-1820, M 
1:25.000,                                                        © GeoBasis-DE/LVermGeoRP2011-05-10 /  manuelle Kartenbearbeitung Willy Weis

Außerhalb dieses Großweingarten in dieser Flur befanden sich noch 10 einzelne parzellierte Wingerte (Weingärten) in den Größenordnungen zwischen von 700 bis 2.700 m². Es ist davon auszugehen, das diese kleinen Wingerte, außerhalb des großen geschlossen Ertragsweingartens von je 700, 900, 1300, 1400, 1500, 1700, 1800, 2200, 2300, 2700 m² gelegen, im Eigentum oder Bewirtschaftung verschiedener Krippener und Linzhausener Familien gestanden haben dürften und neben der Eigenversorgung einen ertragreichen Nebenerwerb darstellten. Sie summierten sich nochmals in Flur 35 zu einer Gesamtrebfläche von 16.000 m². 5)

                                                        

                                         Abb.2  Ausschnitt aus dem Handriss des Kripper Urkatasters von 1827, aus dem die
                                          vielen kleinen Besitzerparzellen als Folge des Realerbteilungsrechts sichtbar sind
                                                                           © GeoBasis-DE/LVermGeoRP2011-05-10       6)

Realerbteilung
Auf Grund der vielen kleinen Besitzerparzellen infolge des Realerbteilungsrechtes im Bereich dieses Großweingartens in Flur 35 kann jedoch angenommen werden, dass ähnlich wie in anderen Weinorten diese unrentablen Betriebsgrößen überwiegend pachtweise in der Bewirtschaftung durch die damaligen Hotelbetreiber (späteres Rheingold) gestanden haben könnten. Ein Nachweis dortiger Weinfelder bis annähernd 1892, wo sich noch 1907 die Thomas`chen Besitzungen (Hotelbesitzungen) befanden, ist dokumentiert. 7)


                                                                                                                                                                  Archiv Weis/Funk

Es besteht daher die Vermutung, dass man die Kripper Weine aus dem zusammenhängend geschlossenen Weingarten fast ausschließlich für den gewerblichen Bedarf der dortigen Hotelgastronomie benötigte. Inwieweit wieviel Wein aus der Güte abträglicher Trauben als Anfangsmaterial zur Weinessigbereitung der hiesigen Weinessigfabrik „Obermann & Sorgenfrei“ benötigt wurden, entzieht sich leider unserer Kenntnis
Hinzu käme noch in Flur 6 im Distrikt „Auf Fitze“ ein kleinerer geschlossener Weingarten mit 7.500 m², was eine insgesamte Größenordnung damaliger Kripper Rebstockflächen von 122.500 m² = 12,25 Hektar ergibt. (Siehe Abb.3)


              

Abb.3  Geschlossene Weingartenlage in Flur 6, „Auf Fitze“, mit 7.500 m2, davon 2.100 m² in der Sinziger Gemarkung. Diese Flur ist die südöstlichste Spitze der Gemarkung Remagen zwischen Rhein, Quellenstrasse, Badenackerweg und Sinziger Gemarkungsgrenze. (rote Strich-Punkt-Linie = Gemarkungsgrenze / (x) = vermeintliche Weingärten)

                                                Ausschnittsvergrößerung aus der Tranchot-Karte 1803-1820, M: 1:25.000,
                                          © GeoBasis-DE/LVermGeoRP2011-05-10 /  manuelle Kartenbearbeitung Willy Weis

Bei einer zu damaliger Zeit geschätzten untersten Hektarertragslage von 10 hl/ ha dürfte sich für Kripp Summa sumarum ein jährlicher Weinertrag zwischen 12.000-13.000 Liter als Minimum errechnen lassen. Es gibt jedoch auch Schätzungen von damals üblichen doppelten Hektar-Ertragslagen in den Bereichen zwischen 20- 25 hl/ ha.
Was jedoch dort genau an Weinsorten gestockt wurde, konnte nicht mehr in Erfahrung gebracht werden.
Einer preußischen Karte von 1843 entnehmen wir einen fast vierzig prozentigen Rückgang des gesamten Rebflächenanbaues in Kripp von ehemals 122.500 m² auf 71.000 m² = 7,1 Hektar. Diese Feststellung ergibt sich aus der nachweislichen kartierten Reduzierung des Großweingartens von 99.000 m² auf 61.500 m², sowie einer Reduzierung der ehemals 10 Einzelweingärten mit 16.000 m² auf 5 Gärten mit insgesamt 10.000 m² bestockter Fläche. 8)
Der Grund dieses gravierenden Rückganges dürfte vermutlich durch den Beitritt Preußens 1833 zum Deutschen Zollverein zu suchen sein, deren Regelungen es erlaubten, pfälzische Weine nunmehr in Preußen zollfrei einzuführen, was in hiesiger Region einen drastischen Einbruch des Weinhandels auslöste.

Reblausbefall
Mit dem erstmaligen Befall der Rebstöcke in einem geschlossenen Weinbaugebiet der naheliegenden Landskron hielt die Reblauskrankheit 1881 Einzug in heimische Weingebiete.
Seitens der Reichsregierung schlug man durch rigorose Maßnahmen Alarm, um einen desaströsen Reblausbefall wie in Frankreich, der zwischen 1865 und 1881 rund 660.000 Hektar von den 2,5 Millionen Hektar Weinanbaufläche zerstörte und weitere 582.000 Hektar befiel, mittels „Feuer und Chemie“ entgegenzutreten.
Administrativ versuchte man auf Reichsebene den aus Amerika an Mehltau resistenten Rebsetzlingen eingeschleppten Schädling Reblaus ( Phyllocera) – eine erstmals 1874 in einer Bonner Weindomäne am Annaberg entdeckte und südlich ausbreitende Traubenkrankheit direkt nach Bekanntwerden 1875 gesetzmäßig entgegenzutreten. Mit dem Maßregelwerk des preußischen Reichsgesetzes Nr. 1067 gegen die Einschleppung und Verbreitung „der Reblauskrankheit betreffend“, wurde eine Basis für solide Vorschriften mittels lokaler Bekämpfung gelegt.
Dieser Erlass zwang nun die Weinbauern, geeignete Maßnahmen gegen die Traubenkrankheit zu ergreifen.
So musste bei Erkennen eines Seuchenherdes zur Prävention, um die Kalamität auf ihren derzeitigen engen Herd zu beschränken, dem Gesetz befolgend alle befindlichen Rebstöcke in einem gewissen Umkreis der befallenen Weinstöcke aus gehauen und mit Hilfe von Petroleum verbrannt werden. Des Weiteren wurden in den in Meter abständenn mittels Pfahleisen getriebenen 1,25 m tiefen Erdlöchern jeweils 200 Gramm Schwefelkohlenstoff eingebracht und mit Erde zugepfropft sowie die betroffene Erdoberfläche mit Petroleum übergossen.
Die Chemikalie Schwefelkohlenstoff bezweckte eine Vernichtung sämtlicher in der Erde befindlicher Rebläuse und deren Eier sowie aller im Boden stecken gebliebener Rebstockwurzeln, während das Petroleum alle auf der Erdbodenoberfläche sowie in den obersten Bodenschichten befindlichen Insekten abtötete, deren Vernichtung durch die Wirkung des eingebrachten Schwefelkohlenstoffs nicht gesichert war. 9)
Das Betreten des befallenen Distriktes wurde polizeilich untersagt und weiträumig abgesperrt, um die Weiterverbreitung des Insektes u. a. durch mechanisches Verschleppen (anhaftende befallene Erde an Schuhwerk und Gerätschaften) zu verhindern. Neben der unterirdischen Wanderung der Wurzelläuse oder Verpflanzung von Reben verbreitete sich der Schädling oberirdisch, insbesondere bei warmen klimatischen Verhältnissen geschlechtlich durch die geflügelten Reblausinsekten weiträumig fort.
Nach einer verpflichtenden Entseuchung des Bodens mit Schwefelkohlenstoff oblagen die verseuchten Weingärten einer 10-12 jährigen Brache. 10)
Die Rechtsgrundlagen der Maßnahmen des gesetzlich-administrativen Vorgehens gegen die Reblauskrankheit auf Reichsebene wurden neben der bereits erwähnten Maßregelwerk Nr. 1067 von 1875 in den Jahren 1883 mit der Nr. 1501 sowie 1904 mit Nr. 3058 ergänzt.
Diese bei den betroffenen Winzern unbeliebten gesetzlich vorgeschriebene Regelungen und Vernichtungsmaßnahmen erzeugten in Folge der Einkommenseinbußen vorerst Widerstand bei den hiesigen Weinbauern.
Zu Beginn des 20. Jahrhundert konnte man der Reblauskrankheit erfolgreich mit Experimenten von Kreuzungen begegnen, indem man gewünschte nicht „reblausresisstente“ europäische Rebsortenstecklinge auf amerikanische „reblaustolerante“ Unterlagsreben (Wurzelstöcke) aufpfropfte.

 Reblaus (Phyllocera)
Was machte nun die besondere Gefährlichkeit dieses winzigen Insekts für den Weinbau aus? Dazu zunächst einige knappe Vorbemerkungen zur Biologie und zur Herkunft des Schädlings. In unseren Breiten tritt aufgrund der klimatischen Verhältnisses zumeist eine 1 bis 2 mm große, überwinterungsfähige Wurzellaus und nicht die Blattgallenlaus auf. Sie pflanzt sich nur parthenogenetisch, d. h. ohne Befruchtung, fort. Die unterirdisch lebende Wurzellaus legt dabei bis zu 40 Eier. Aus diesen schlüpfen nach einer Woche Jungtiere, die sich nach drei Wochen wiederum fortpflanzen, so dass in einem Jahr 6 bis 8 Reblausgenerationen entstehen können. Aus den Larven der Wurzelläuse können sich im Sommer bei sehr warmen Temperaturen auch in unseren Breiten sog. Nymphen (Weibchen) entwickeln. Diese kriechen am Stamm empor, häuten sich mehrmals und bekommen Flügel. Sie legen oberirdisch einige wenige geschlechtsdifferenzierte Eier ab, aus denen im Spätsommer ungeflügelte Geschlechtstiere (Sexuales) schlüpfen. Diese leben nur kurze Zeit und dienen allein der geschlechtlichen Fortpflanzung der Art. Die befruchteten Weibchen legen dabei jeweils nur ein einziges großes „Winterei“, das in der Rinde des Weinstockstammes abgelegt wird. Aus den Wintereiern schlüpfen im Frühjahr weibliche Rebläuse (Gründerinnen). Diese leben oberirdisch, rufen Blattgallen an den Reben hervor und produzieren parthenogenetisch zahlreiche Nachkommen, die im Herbst ins Erdreich zurück kriechen, wo sie wieder als Wurzelläuse leben. Die dort lebenden Rebläuse stechen mit ihren Saugborsten in die Rebwurzeln und saugen diese aus. An den frischen Trieben entstehen dadurch gallenartige Verdickungen. Später schwellen auch die stärkeren und dicksten Wurzeln an. Die befallenen Wurzeln gehen allmählich durch Fäulnis zugrunde. Oberirdisch wird dieser Prozess durch ein Kränkeln und Verkümmern der Blätter und Triebe sichtbar. Nach einigen Jahren ist das Zerstörungswerk der Reblaus vollendet. Die Pflanze stirbt ab und wird von den Schädlingen verlassen (U. Sedlag „Insekten Europas“ aus: Der „Krieg gegen die Reblaus im Ahrtal, S. 141-149 von Dr. Wolfgang Bender, Heimat-Jahrbuch Kreis Ahrweiler 1994)

Ein kleiner Seuchenherd mit 6 Reblaus infizierten Weinstöcken in einer Größenordnung von ca. 2 ar und 10 m² ist 1891 in Kripp in Flur 6 im Distrikt „Am Kirschbaum“ dokumentiert. (Denkschrift Nr.14) Um die Kalamität auf ihren derzeitigen engen Herd zu beschränken, wurde präventiv eine großräumige Absperrung um den detektierten Ort gezogen und dem Gesetze nach entseucht. 10)

Niedergang hiesiger Weinkulturen.
Mehrere ungünstige Faktoren veränderten die wirtschaftliche Situation völlig.
Starke Fröste im Februar 1827, 1844/ 45 und April 1854, die in der unmittelbaren Umgebung eine Unmenge von Weinreben vernichteten, dürften - wenn auch keine speziellen Anmerkungen für unseren Ort aufgefunden wurden- auch an den Kripper Weinkulturen nicht spurlos vorübergegangen sein. Gleiches dürfte auch für die produktionslosen Jahre 1798 und 1814, wo in den Herbstnächten des Oktobers im hiesigen Bereich gänzlich alle Weintrauben erfroren sowie für den unfruchtbaren Jahrgang 1805, wo der Ernteertrag im Bereich Remagen mit Null dokumentiert ist, entsprechend für den Kripper Bereich gegolten haben. 11)
Genauere Angaben erwiesen sich auf Grund der dürftigen Quellenlage als äußerst schwierig.
Weitere Unwetterkatastrophen, Schädlingsbefall, Missernten und drastische Einbußen im Weinhandel durch Regelungen des deutschen Zollvereins sowie Veränderungen der Trinkgewohnheiten mittels Tee und Kaffee durch aufkommenden Kolonialismusses sorgten für die zunehmende Bedeutungslosigkeit des Kripper Weinbaues, der sich letztendlich annähernd ab 1892 sukzessive mit der Rodung der Weinstöcke im Fährbereich vollzog. 12)
Die letzten für Kripp größeren Weinlesen dürften demnach in Kripp zwischen 1890 und 1892 stattgefunden haben. Der örtliche Weinkultur ging somit um 1900 zur Neige.
Ein letzter Hinweis auf eine hiesige Weinkultur ergibt sich aus einer alten Karte, worauf die katasterliche Einmessung eines 1890 gebauten Kelterhauses eines Jacob Neu, Auf dem Zaunweg 55 (heute Mittelstr. 30) in der Größenordnung von 9,30 m x 6,30 am 1. Mai 1891 dokumentiert ist.
Badenackerhang Lediglich die Straßenbezeichnung „Weinbergstraße“ soll heute noch an ehemalige Wingerte im Badenackerhang erinnern, obwohl wir keinen Bestockungsnachweis für dortiges Gebiet, weder aus dem im Landeshauptarchiv Koblenz archivierten alten Weinstockverzeichnis von Remagen noch aus der Tranchot-Karte finden konnten. Selbst im Handriss des Urkatasters des Weilers Kripp von 1827 sind im Badenackerbereich nur zwei kleinere Parzellen als „Wingerte“ (Weingarten) ausgewiesen. Dabei handelt es sich um die Parzelle Nr. 19 einer Witwe Roth aus Sinzig sowie die Parzelle 20 eines Edmund Breuer aus Kripp.
Jedoch beim Betrachten dieser Südhanglage drängt sich ungewollt die Annahme auf, dass dort die Römer, die die Weinkultur ins Rheintal brachten, den Anbau von Weingärten am prädestinierten Badenackerhang als eine der Sonne zugeneigte Weinlage in der Nähe der ehemals dortigen „Villa Rustica“ pflegten. Diese Vermutung ist jedoch nirgends dokumentiert bzw. keine alten aufgefundenen Rebkerne bezeugen eine dortige ehemalige autochthone Weinkultur. -Denkbar ist es, wir wissen es jedoch nicht!-
Bevor jedoch keine neuen Erkenntnisse vorhanden sind, ist es erlaubt, diese These aufzustellen. Hinweise werden stets dankbar entgegen genommen.
Des weiteren wird angemerkt, dass die zwei auf der Tranchotkarte in der Mitte des Badenackers im Verlauf des dortigen gleichnamigen Weges „grün“ eingezeichneten Langparzellen von annähernd 8.000 m² (300 m x 27 m) und annähernd 1900 m² (70m x 27 m) nicht wie bisher von vielen Ortsansässigen angenommen, Weingärten darstellen. Ein dort von den damaligen Geometern in der Kartierung eingezeichnetes „T“ steht für „Terres labourables“ und bedeutet neben der grünlichen Farbunterlegung Ackerland.  (siehe Abb.3, Kennzeichnung (x))

Im Bereich dieser bisher vermuteten ehemaligen Stätten des Weinanbaues haben Mitglieder des Traditionsvereins 2008 in der Weinbergstraße hinter dem Wasserturm zur Erinnerung an die Vergangenheit der dortigen vermeintlichen kleinen Weinkultur symbolisch ein Fass aufgestellt und fünf Weinstöcke der Rebsorte „Regent“, eine pilzresistente Ess- und Weintraube, angepflanzt.
                                                                                                                                                                  © Willy Weis und Hildegard Funk, Kripp


1) Rheinischer Antiquarius Abt.III, Bd.9, S. 258)
2) W.J. Langen, „Remagen in den Kriegen des Mittelalters bis nach dem spanischen Erbfolgekrieg“, Remagen 1907, S.13, Fußnote 1
3) Erste Kartenaufnahme der (französischen) Rheinlande (1803- 1814), Ausschnitt aus Blatt 112, das zur Deckung mit modernen
Darstellungen um 2,5° nach Osten gedreht ist.
4) Die Flurnamen von Remagen, W.J.Langen, S.32, 34
5) Eigene Messung mit CD-ROM „Landschaft im Wandel“, TK25, Linz am Rhein 5409 1808-1997, (Tranchot-Karte), Landesamt für Vermessung und Geobasisinformation Rheinland-Pfalz)
6) Handriss des Kripper Urkatasters von 1827
7) W.J. Langen, „Remagen in den Kriegen des Mittelalters bis nach dem spanischen Erbfolgekrieg“, Remagen 1907, S.13, Fußnote 1
8) wie 5, jedoch preuß. Kartenaufnahme von 1843
9) Der „Krieg“ gegen die Reblaus im Ahrtal, Dr. Wolfgang Bender, Heimatjahrbuch Kreis Ahrweiler 1994, S. 141 ff
10) Heimatchronik des Kreises Ahrweiler 1968, Reg. Dir. K. Broicher, S. 328
11) wie 9, siehe lfd. Nr.4 des Herdes 205, S.42, Denkschrift Nr.34 , 1981 kleiner Herd von 6 Rebstöcken infiziert, Umfang gesunder Stöcke 206 des Herdes 2 a 10 m²
12) W.J. Langen, Remagen in den Jahren 1793- 1817, S.72-74)

Bemerkungen:
Wingerte= alte Bezeichnung für Weingärten
Morgen =
a) altes regional unterschiedliches Flächenmaß um die 25 ar.
b) Fränkischer Morgen = 20 a, oder 1 Morgen = Fläche die 1 Person an einem Morgen mähen kann
c) Ab dem 20. JH ist der Morgen des ehemaligen Norddeutschen Bundes mit 2.500 m² = 25 ar aktuell
d) Der damalige Morgen um 1700 in Remagen betrug 150 Ruten, daraus ergibt sich 1 Morgen = 4 Viertel, 1 Viertel = 4 Pinten,
1 Pinte = 9 Ruten 6 Fuß, 1 Rute = 16 Fuß (Klaus Flink, Heft Nr. 2, „Zur Topographie der Stadt Remagen)
e) 1 Hektar = 10.000 m²
Hohlmaße=
1) regional unterschiedliches früheres Flüssigkeitsmaß, besonders für Weine. 1 Eimer = 32,5 Liter (33-35 Liter), 4 Eimer =
1 Ohm, 1 Ohm = 130 Liter, 1 preußisches Ohm = 137,4 Liter (Landes-Lehr-Anstalt Walporzheim, Herr Lawnik)
2) 1 HL(Hektoliter =100 Liter