Kriegsende 1918 ©

© weis/funk Juni 2012

Rückzug deutscher Truppen durch Kripp.

Der 1. Weltkrieg endete als verlustreicher und erschöpfender Stellungskrieg an der Westfront, wobei die Stellungen manchmal nur eine Handgranatenwurfweite entfernt waren mit einem Waffenstillstandsabkommen am 11. November 1918, auf Grund der aussichtslosen militärischen Lage Deutschlands mit Anerkennung der militärischen Niederlage .
Der Nymbus der Deutschen Unbesiegbarkeit war nun dahin. Mit der Abdankung des Deutschen Kaisers Wilhelm II. am 9. November 1918 und seinem anschließenden immerwährenden Thronverzicht am 28. gleichen Monats aus seinem holländischen Exil Doorn endete nach 503 Jahren die Hohenzollerndynastie und mit ihm als letzter Thronfolger der preußischen Königs-und deutscher Kaiserwürde die Monarchie in Deutschland.
Waffenstillstandsbedingungen Gemäß den am 11.11.1918 geschlossenen Waffenstillstandsbedingungen der Alliierten mit der deutschen Verhandlungsdelegation unter Leitung des Reichstagsabgeordneten Matthias Erzberger in einem Eisenbahncoupé im Wald von Compiegne in der französischen Picardie hatten sich die deutschen Truppen sofort aus den besetzten Gebieten Belgien, Frankreich und Luxemburg zurückzuziehen. Außerdem wurde das linke Rheinufer einschließlich der rechtsrheinischen Brückenköpfe bei Köln, Koblenz, Mainz und Kehl entmilitarisiert und musste bis zum 5. Dezember 1918 von deutschen Truppen geräumt sein, zusätzlich einer 50 km breiten entmilitarisierten rechtsrheinischen Zone, in der weder deutsche Wehrmacht noch militärische Befestigungsanlagen unterhalten werden durften.

November-Revolution
Für die Kripper brach nun politisch eine neue Zeit an, an die sie sich von nun an zu gewöhnen hatten. Es gab keinen Kaiser mehr! Die Bildung einer Räterepublik nach dem Kaiserreich vollzog sich im Kreisgebiet eher ruhig. Revolutionäre Exesse wurden im Ahrkreis nicht bekannt.
Die eher von der wilhelminischen Gesellschaftsprägung und der preußischen Tradition verhaftete Ortsbevölkerung standen der jungen Republik skeptisch gegenüber. Der Wunsch nach Frieden überwog dem revolutionärem Gedankengut.
Die Aufgabe der gebildeten Räte bezog sich hier nur auf den geordneten militärischen Ablauf der Waffenstillstands= vereinbarungen.

Rückzug
Die aus dem Kriegsgebiet zurück flutenden niedergeschlagenen Truppenteile der deutschen Armee überfüllten ab der dritten Dekade im November 1918 die Straßen Kripps, um vereinbarungsgemäß im geordneten Rückzug - wenn auch die Verbände teils schon in völliger Auflösung begriffen - auf das rechte Rheinufer zurückzuweichen.


Zurückweichende deutsche Truppen zum Uferwechsel in Kripp in Höhe der ehemaligen Villa Nagel.



Rückzug deutscher Truppenkontingente in Kripp, Höhe Rheinufer

Die Moral der auf dem Rückzug befindlichen deutschen Truppen war voller Bitterkeit über die Kapitulation auf dem Tiefstpunkt angelangt. Während des Durchzuges scharten sich Kripper um Soldaten, die zu Schleuderpreisen noch vorhandene Restgegenstände von brauchbaren Wehrmachtsgut zur Aufbesserung ihres Soldes illegal feilboten. Sie wurden vor dem Übersetzen auf das rechte Rheinufer von der Kripper Bevölkerung auf den letzten Metern des linken Rheinufers mit Girlandenschmuck und Fahnen in Höhe der Villa Nagel verabschiedet.


Girlandenschmuck zum Abschied der deutschen Truppen
 
Laufende Einquartierungen der zurückziehenden deutschen Truppen nach dem Waffenstillstandsvertrag bestimmten vom 11.11. bis 3.12.1918 in Kripp den Tagesablauf. Der Schulunterricht wurde während dieser Zeit wegen Einquartierungen in den hiesigen Schulräumen zur Freude der Kinder eingestellt.

Die Quartiersentschädigungshöhe pro Tag betrug 1,46 Mark für Offiziere, 0,15 Mark für Mannschaften und 0,09 Mark für Pferde. Insgesamt waren 670,04 Mark an 73 Kripper Haushalte, davon 36 mit Pferdeunterkünften, von der Stadtkasse Remagen unter dem Titel II des Kriegsetats Art.2 für Quartierentschädigungen in Ausgabe zu stellen. Unter anderem auch der in Kripp wohnenden jüdischen Familie des Siegfried Cahn für die Einquartierung von Soldaten mit Pferden von insgesamt 6,63 Mark. 1) Des weiteren wurden nochmals gemäß einer Nachtrags-Quartierliste in der Stadtgemeinde Remagen-Kripp an Quartier-Entschädigungen für die abziehenden deutschen Truppen nach dem Waffenstillstand für den Zeitraum vom 13.11.1918 bis 3.12.1918 an nachfolgende Kripper vergütet, wovon alleine auf die Volksschule Kripp 2271,01 Mark entfielen. 2)

Schmitz, Karl Batterieweg 11 24,41 Mark Huth, Wilhelm Hauptstr.1 18,90 Mark Schneider, Matthias Hauptstr. 41 32,76 Mark Palm, Michael 15,54 Mark Breuer, Johann Rheinstr. 2 9,00 Mark Konservenfabrik Nagel, Emil Rheinstr.1 (Offiziere) 166,88 Mark Volksschule Kripp 2271,01 Mark 3)

Für die zurück flutenden demobilisierten deutschen Truppen von der Westfront wurde eigens mittels eines behelfsmäßigen Anlegers eine Notüberfahrt über den Rhein eingerichtet. Die letzten Feldgrauen waren am 4. Dezember in Kripp zu sehen. Dies war Bestandteil der Waffenstillstandsbedingungen der Alliierten.

Hierzu vermerkt der Kripper Bürger Valentin in seinem Tagebuch: "Nach dem Waffenstillstand kamen zuerst die Flieger in östliche Richtung an Kripp vorbei, dann die Fuhrparkskolonnen immer mehr und mehr. Die Straße stand voll von der Ponte (Fähre) bis an die Kirche, das hat sehr lange gedauert, eh die alle übergesetzt waren. Dazwischen kamen auch noch Fußtruppen, welche dann mit einem Köln-Düsseldorfer- Dampfer übergesetzt wurden. Bei der Gärtnerei Parkow (direkt an der Rheinallee ) war eine Landebrücke hergestellt worden und von mehreren kleinen Schiffen Pontons zurechtgemacht worden, wo die Wagen drauf fuhren und dann mit einem Schrauber nach Linz gezogen wurden.(...) An der Remagener Brücke waren die Auffahrtsrampen noch nicht ganz fertig und wurde Tag und Nacht an derselben gearbeitet, bis sie soweit hergestellt waren, das Fuhrwerk, Attlerie, Kavalerie und Fußvolk noch rechtzeitig hinüber konnten. Unsere Truppen waren am 4. Dezb alle auf der östlichen Seite. Die Westfront war also planmäßig am 5. Dezb geräumt...( )...“ 4)

Mit der Freiheit hatte es nun ein Ende. Die ersten Besatzungstruppen hielten planmäßig am 5. Dezember 1918 Einzug in Kripp und verblieben wechselweise bis zum 1. Januar 1926.


Einen Tag später (6.Dez. 1918) erfolgt die Besetzung von Kripp durch US-Truppen.
Hier Einquartierung im Gasthof Rhein-Ahr.


Willy Weis & Hildegard Funk, Kripp
www.Geschichte-Kripp.de

1) LHKO 635/ 593 2) LHKO 635/ 891