Erste Ordensschwestern 1917-1925  ©

© weis/funk Mai 2012

Die „Dienerinnen vom heiligsten Herzen Jesu“ von 1917 -1925 als erste Ordensschwestern“ im ersten Kloster von Kripp.

Bei unserem damaligen Bericht über die dringende Notwendigkeit einer organisierten gemeinsamen Wohlfahrtspflege durch Ordensschwestern in Kripp anlässlich der Einweihung des Schwesterndenkmals am 3. Oktober 2009 konnten wir wegen fehlender Hinweise lediglich nur etwas über die „Zeitspanne“ (1917-1925) des Wirkens der ersten Schwestern von Kripp, der „Dienerinnen des hlgst. Herzen Jesu“ berichten, die im Volksmund „Herz-Jesu-Schwestern“ benannt wurden und eine hervorragende Vorarbeit auf dem sozialen Gebiet leisteten. Mit dem Hinweis: „Genaueres vermag man jedoch wegen fehlender Hinweise nicht zu berichten!“ schlossen wir das Thema dieser Kongregation ab und berichteten recht ausführlich über die nachfolgenden Ordensschwestern der „Franziskanerinnen vom badischen Erlenbad“ und den „Schönstatt-Schwestern“. 1)

Eine neulich im Landeshauptarchiv Koblenz unter dem Signum LHAKo 635/611 aufgefundene Akte (Orden und Kongregation) ergab bezüglich der Besetzung von Ordensleuten in Kripp neue ausführliche Erkenntnisse für die Zeit von 1917-1925 über die Herz-Jesu Schwestern.
Angestellte Recherchen führten uns über ihre letzte Niederlassung in Gersweiler/Saar zum Mutterhaus der Kongregation der "Dienerinnen des hl. Herzen Jesu" nach Wien, wo wir bereitwillig Auskunft über das Wirken ihrer Schwestern in Kripp erhielten. Nun konnte man konkret den Weg und das Wirken dieser Schwestern ab 1917 in Kripp nach vollziehen und endlich einen lückenlosen Nachweis aller jemals in Kripp tätigen Ordensschwestern zum Abschluss bringen.

Die „Dienerinnen des heiligsten Herzen Jesu“ waren die ersten Ordensschwestern in Kripp. Demzufolge wurde auf Vorschlag des einst in Kripp wohnenden Grafen Taveggi das Mutterhaus in Wien 1917 durch Pfarrer Brückert ersucht, für die organisierte private Krankenpflege und der Leitung eines Kindergarten in Absprache mit dem hiesigen Kirchenvorstand, Schwestern anzufordern. Anhand einer „Nachweisung des Personalbestandes der zu Kripp, Kreis Ahrweiler, bestehenden Niederlassung der Genossenschaft der Dienerinnen des heiligsten Herzen Jesu aus dem Mutterhaus Wien2) des hiesigen Pfarrvikars Brückert wurden die nachfolgenden ersten Schwestern für ihre Tätigkeiten zur Ausübung der ambulanten Krankenpflege, Kinderbewahrschule und Handarbeitsschule am 15.7.1917 von Gersweiler an der Saar zur neuen Niederlassung in Kripp versetzt.


Ehemaliges Schwesternhaus in Gersweiler/Saar, Krughütter Str. (heute Nr. 43)

Die ersten Ordensschwestern waren demnach:

 Ordensname Bürgerlicher Name
 Tätigkeit Geburtsdaten letzte Niederlassung ab
Sr. Relinda
Sr. Friedberta
Sr. Dionora
Sr. Silveria
Maria Hennek
Josephine Axt
Martha Wiora
Magdalene Kirn
Oberin
Kindergärtnerin
Krankenpflege
Handarbeits-Sr
*17.11.1883 Preussen
*10.06.1888 Preußen
*09.09.1892 Preußen
*12.02.1886 Preußen
 12.09.1905 Gersweiler
 17.10.1910 Gersweiler
 17.06.1913 Gersweiler
 18.09.1913 Wien      3)


                   

Diesem war zum Jahresende 1916 ein „Gesuch der Kirchengemeinde Kripp um Genehmigung zur Niederlassung barmherziger Schwestern mit dem Mutterhause der Dienerinnen vom heiligen Herzen Jesu in Wien zur Übernahme einer Kleinkinderschule und eines ambulanten Krankenpflegedienstes“ 4) an den Bürgermeister zu Remagen vorausgegangen, der es wohlwollend mit folgender Bemerkung am 2. Januar 1917 an den Landrat weiterleitete: „...daß die Einrichtung einer Kleinkinderschule in Kripp im Allgemeinen und besonders jetzt in den Kriegszeiten sehr nötig und mit Freuden zu begrüßen ist, ebenfalls ist erwünscht, daß die Schwestern die ambulante Krankenpflege übernehmen.
Das die Errichtung einer Kleinkinderschule von den Bewohnern sehr willkommen geheißen wird, geht zu Lasten..( )..daß sich fast alle Familien, darunter 10 Familien Andersgläubiger...( )..zur Aufbringung der Kosten bewilligt haben. Die Schule wird voraussichtlich von mindestens 50 Kinder besucht. Das Schulgeld wahrscheinlich auf 1 Mark monatlich bezahlt werden“. 5)

Dem Kripper Gesuch wurde unter dem Aktenzeichen I b Nr.358 des Ministerium des Innern mit folgendem Wortlaut stattgegeben:
„Auf den Bericht vom 30. April d.Js. -IIb. 8 II Aug. wollen wir auf Grund des Artikels 6 des Gesetzes vom 14. Mai 1880 und des Artikels 13 des Gesetzes vom 21. Mai 1886 genehmigen, dass in Kripp, Kreis Ahrweiler, eine neue Niederlassung der Genossenschaft der Dienerinnen des heiligsten Herzen Jesu aus dem Mutterhaus Wien behufs Ausübung ambulanter Krankenpflege errichtet werde. Zugleich wollen wir der genannten Genossenschaft widerruflich gestatten, in Verbindung von Kindern mit dieser Konfession, welche sich noch nicht im Schulpflichtigen Alter befinden, in der daselbst neu zu errichtenden Kleinkinder- Bewahrschule, sowie die Leitung und Unterweisung in einer Handarbeitsschule, für Katholische Mädchen in nicht mehr schulpflichtigem Alter als Nebentätigkeit zu übernehmen.
Was die Berufung der einzelnen in der neuen Niederlassung bezw. bei Ausübung der Nebentätigkeiten zur Verwendung gelangenden Schwestern betrifft, so sind hierfür die hinsichtlich der Aufnahme und Verwendung von Ordensmitgliedern erlassene allgemeinen Bestimmungen gleichfalls massgebend.
Diejenigen Schwestern, welche sich mit der Krankenpflege beschäftigen, dürfen bei Ausübung der Nebentätigkeiten nicht Verwendung finden.
Euer Hochwohlgeboren ersuchen wir ergebenst das Erforderliche zu verfügen....

Der Minister der Geistlichen und         Der Minister des Innern.
Unterrichtsangelegenheiten                 Im Auftrage:
Im Auftrage: gez. Gerlach                     gez. Dr. Freund

An den Hern Regierungspräsidenten
zu Coblenz “ 6)

Damit für die Schwestern eine vertraglich verpflichtende Unterkunft vor Ort gewährleistet war, kaufte Pastor Brückert 1917 eigens für die Unterbringung der Schwestern formell, ohne jedoch Eigentumsinteresse zu zeigen, das Haus (heute Voßstr. 8) und ließ dort im Erdgeschoss ein Verbandszimmer einrichteten. Der Eigentumsverzicht des Seelsorgers ergibt sich aus dem Urkundentext der notariellen Kaufurkunde vor dem Sinziger Notar A. Molls vom 5. Mai 1917 zwischen der Verkäuferin Antonie Lambion, geb. Fiedler und Adolf Brückert, Vikar zu Kripp als Käufer, indem der Kripper Vikar erklärte, lediglich formeller Eigentümer zu werden mit der Verpflichtung ( ) „.. das Grundstück der demnächst juristische Persönlichkeit erlangenden Schwesternniederlassung katholischer Konfession“ nach Übernahme von Hypotheken, unter anderem auch eine zu Gunsten des Kripper Gastwirtes Johann Georg Lohmer über 2000 Mark sowie einem „sofort zahlbaren Restkaufpreis von 5000 Mark in deutscher Kriegsanleihe zweiter Ausgabe zum Nennwerte“, zu übertragen. 7)


Das ehemalige Schwesternhaus in der Voßstr.8
Damaliger Eigentümer: Pastor A. Brückert, Kripp

Schon einen Monat nach dem Einzug der Schwestern wurde von diesen im dortigen Hofe auf Grund des kriegsbedingten Lebensmittelmangels zeitweise eine allgemeine Kriegsküche für Bedürftige eingerichtet.
Gleichzeitig richtete man im Johannessaal eine Kinderbewahrschule (ein Kindergarten für die Kleinen, die noch nicht in die Schule gehen) ein, wo die Kleinkinder für einen kleinen Obulus zur Entlastung der Mütter gut aufgehoben unter fachgerechter Obhut standen, damit diese sich intensiver um ihre harte Alltagsarbeit kümmern konnten.

Somit fand auch unser damaliger Vermerk aus den Annalen der Katholischen Jungfrauenkongregation Kripp über einen erstmaligen Hinweis von 1921 einer angeblichen „Kinderverwahrschule“ in Verbindung mit diesen Ordensschwestern Bestätigung.

Ebenfalls begann man mit dem ambulanten Krankenpflegedienst. Zum 1. November 1920 wurde im Johannessaal (heute Haus Quellenstr. 34), wo sich der Kindergarten befand, eine Handarbeits- und Strickschule eröffnet. Wegen baulicher Mängel und Unbeheizbarkeit des Johannessaals wurde im Winter 1923 dort nur noch in einem oberen kleinen beheizbaren Raum Handarbeitsschule gehalten. Im Winter 1924/25 wurde in 2 Räumen der Villa Hettlage, heutiges Bürogebäude der Fa. Vito-Irmen, der Schwesternbetrieb abgehalten. Ab Sommer standen keine Unterkunftsräume mehr zu Verfügung, was die Kirchengemeinde, die für die Räumlichkeiten hätten aufkommen müssen, zur Aufhebung der Niederlassung zum 1.Juli 1925 veranlasste.

Hierzu wird im Einzelnen auf die nachfolgende Textabschrift der in Wien archivierten Schwesternchronik verwiesen, die von uns unter Beibehaltung der Orthographie transkribiert wurde.

Chronik des Schwesternhauses der Dienerinnen des hlgst. Herzens Jesu in Kripp a/Rh.

Im Jahre 1917 wurde das Mutterhaus in Wien, welches damals noch unter der Leitung der nun selig im Herrn ruhenden ehrw. Generaloberin Mutter F l o r a stand, ersucht, für die Gemeinde Kripp einige Schwestern zu überlassen. Der in dieser Gemeinde wohnende Graf Tawetschi (Taveggi) war gesonnen weltliche Schwestern für private Krankenpflege und zur Leitung eines Kindergartens nach Kripp zu erlangen. Da die Gemeinde durchweg aus Katholiken besteht, sprach dieselbe den Wunsch aus, hier katholische Schwestern zu haben, worauf sich der hochw. Herr Pfarrer Brückert bemühte, die selbe zu erhalten. Da jedoch die Kirchengemeinde damals nicht in der Lage war ein Haus zu erbauen, so erbot sich der hochw. Herr Pastor Brückert, dasselbe von seinem Privatvermögen zu kaufen, um es den Schwestern zur Verfügung zu stellen. Es wurde mit der Kirchengemeinde beschlossen, dass das Kapital einschließlich der Zinsen in monatlichen Sammlungen eingebracht werden soll und wenn dies geschehen ist, das Haus entweder als Eigentum der Kirche oder der Schwestern gelte. Nachdem die Vorgesetzten in Wien davon unterrichtet waren, wurden 3 Schwestern und die Oberin Schwester Relinda für diese Niederlassung bestimmt. Am 15. Juni 1917 wurden die Schwestern in die Gemeinde eingeführt. Da in dem Gebäude (heutiges Wohnhaus Voßstr. 8) noch manche Renovierungen vorgenommen werden mussten und diese beim Eintreffen der Schwestern noch nicht vollendet waren, hatten die Schwestern gleich Gelegenheit dem hlgst. Herzen Jesu durch manche Opfer und Entbehrungen in ihrem neuen Heim Sühne zu leisten. Das Jahr 1917 brachte über die ganze Bevölkerung einen großen Lebensmittelmangel und es wurden allgemeine Kriegsküchen errichtet. Am 10. Juli 1917 (10.7.1917 ist eröffnet) mussten auch die Schwestern die hiesige Kriegsküche für einige Zeit übernehmen, womit die erste Tätigkeit der Schwestern begann. Gleichzeitig fand eine zweite Schwester Beschäftigung in der Verwahrschule, wo sich die Kinder von morgens 8 Uhr bis abends 6 Uhr aufhielten. Zu bemerken ist, dass als Verwahrschule die frühere Pfarrkirche, jetzt Johannessaal genannt, eingerichtet wurde, da in dem Kloster selbst dafür kein Raum war. Mit demselben Tag konnten die Schwestern auch ihre dritte Tätigkeit, die Krankenpflege aufnehmen. Nachdem die Schwestern ungefähr 14 Tage in ihrem neuen Heim waren und sich bemühten dasselbe klösterlich wohnlich einzurichten, überraschte sie freudig der Besuch der lieben, unvergessenen Mutter Donata sel. und der jetzigen, sehr verehrten lieben Ehrw. Mutter Nicodema. Gleich am Anfang konnten die Schwestern nicht daran gehen eine Kapelle zu errichten, da ihnen der notwendige Raum fehlte. Dieses wurde ihnen erst nach einiger Zeit ermöglicht, da eine Frau, die sich erbot die Zinsen des Hauses abzutragen und noch den ganzen ersten Stock des Klosters bewohnte, auszog. Es wurde nun in einem Zimmer ein kleines Oratorium errichtet. (1.Etage, Straßenfront) Das Jahr 1919 brachte wieder eine Abwechslung. Das linke Rheinufer wurde von amerikanischen Truppen besetzt und alle Bewohner desselben mussten einige Soldaten beherbergen. Auch das Kloster musste einige für ungefähr 7 Monate aufnehmen. Dadurch entstand eine Störung in dem gewünschten Ausbau der Kapelle. Nach Abzug der Truppen konnte man weiter daran denken. Es wurde ein größerer Raum dafür genommen und durch die Güte unserer Wohltäter konnte die Kapelle in den jetzigen Zustand gebracht werden. Nun fehlte noch das Zentrum der Kapelle, der liebe Heiland. Der hochw. Herr Pastor Brückert tat die ersten Schritte um die Erlaubnis zur Aufbewahrung des Allerheiligsten zu erhalten. Im Mai 1920 hatten die Schwestern die Ehre den hochwürdigsten Herrn Weihbischof Dr. Mönch in ihrem Kloster (heute Haus Voßstr.8) zu empfangen. Sie legten dem hochwdgst. Herrn bei diesem Besuch nochmals die Bitte um Gewährung der Erlaubnis vor, worauf der hochwürdigste Herr Weihbischof dies freudig gestattete, jedoch mit der Bedingung, dass 5 Schwestern in diesem Hause wohnen müssten. Am 1. September 1920 traf die für die Handarbeitsschule bestimmte Schwester ein, womit sich die Zahl der Schwestern erhöhte. Das Fest der lieben Patronin des Ordens, der heil. Marg. Marie, brachte den Schwestern den lieben Heiland ins Haus. An diesem Tage zelebrierte der hochw. Herr Pastor Brückert in der Kapelle die hl. Messe, welche eine Ansprache und eine nochmalige Einsegnung der Kapelle voranging. Am 1. Nov. d.J. wurde die Handarbeitsschule–und Strickschule eröffnet, welche ebenfalls im Johannessaal, wo sich der Kindergarten befand, eingerichtet wurde. Einige Monate hielt Sch. M. Eleutheria die Handarbeitsschule in diesem ungesunden Raume, wo man nicht lüften konnte, da die Fenster zu hoch waren. Bald erkrankte dieselbe und starb noch im Sept. d. nächsten Jahres an Tuberkulose. Schw. M. Serafika kam an diese Stelle. Das furchtbare Heimweh nach einer ordentlichen Schule lies die Schwester nicht in Kripp und somit kam Sch. Apollinaris als Kindergärtnerin dorthin. Es ging dasselbe Leiden an. Schw. Friedberta war in der Handarbeitsschule und Schw. Apollinaris war im Kindergarten. Beide Schwestern mussten in den Wintermonaten große Opfer bringen, da die Räume nicht zum erheitzen waren. Einmal fiel sogar ein Stück von der Decke herunter, da das ganze Haus schon ziemlich baufällig war. Herr Pastor sann auf einen Neubau, der schnell begann, aber ebenso schnell wieder endete, da die böse Inflation eintrat und alles Geld dafür verloren ging. Im Winter dieses Jahres wurde bloß die Handarbeitsschule gehalten, im kleinen oberen Raum, wo leider das Ofenrohr versagte und der ganze Rauch im Lokale blieb. Herr Pastor wollte dort kein Geld mehr hineinstecken und für den nächsten Winter waren bei der Familie Hettlage in einer schönen Villa (heutiges Bürogebäude der Fa. Vito -Irmen) 2 Räume in Aussicht genommen. Im Winter 1924/25 wurde dort auch Schule gehalten, doch im April kamen die Herrschaften, die im Winter in Düsseldorf sich aufhielten, nach Kripp, um hier ihren Sommeraufenthalt zu verbringen. Die Schwestern mussten ausziehen und saßen mit den Kindern auf der Straße. Laut Bericht über diese Schulverhältnisse bestimmten die ehrw. Vorgesetzten die Niederlassung aufzuheben, da die Gemeinde für die Räumlichkeiten hätte aufkommen müssen. Die Kündigung kam Ende Mai. Am 1. Juli sollte geräumt werden, das ging aber nicht so leicht. Es wurde noch von mehreren Einwohnern ein Brief mit Unterschriften nach Wien geschrieben, aber es half nichts mehr. Als nun die wiederholte Rückantwort eintraf, hatte Hochw. Herr Pastor den Kirchenvorstand zusammenrufen lassen und überall gesagt, die Schwestern holen alles mit. Auf Wunsch des Kirchenvorstandes wurde das Inventar von Seite der Schwestern dem Vorstand übergeben. Nachher war zwischen dem Kirchenvorstand und den Schwestern eine Aussprache, ohne den hochw. Herrn Pastor, und man wollte die Schwestern mit Gewalt zurückhalten. Was das Inventar anbelangt, wollte der Kirchenvorstand nicht zugeben, das die Schwestern es mitnehmen. Der Herr Pastor selbst äußerte in nicht sehr feiner Art: „da müsste das Gericht entscheiden!“ Er müsse das Recht der Gemeinde wahren. Die Schwestern wollten das Recht der Genossenschaft wahren. Nach diesem Wirrwarr musste auf Verlangen eine höhere Instanz entscheiden. Schw. Baldegundis und Schw. Floriberta fuhren zum hochwürdigsten Herrn Bischof Bornewasser (Vorher zum Herrn Visitator Christ, der uns den Rat gab den hochw. Herrn Bischof zu fragen). Inzwischen hatte man in Kripp bei den Schwestern schon das Amtsgericht verständigt und den Schwager des Herrn Nagel, welcher Rechtsanwalt war, kam zu den Schwestern. Es wurde die Wäsche, sowie alle Einrichtungsgegenstände aufgenommen mit der Bemerkung, „es darf nicht fortgeholt werden“. Als die Schwestern von Trier zurückkamen, teilten sie die Ansicht des hochwgst. Herrn Bischof dem Herrn Pastor mit und dieser Rechtsstreit wurde unterdrückt. Die Wohltäter wurden gefragt, wem sie die Sachen gespendet, dem Haus oder den Schwestern; mehrere sagten, was sie gespendet, haben sie den Schwestern gegeben. Es wurde nun mit dem Kirchenvorstande eine Besprechung vorgenommen und blieb der Kelch, Altar, Bänke, Kreuzwegstationen, Herz-Jesu-Statue und 6 Leuchter zurück. Alles andere wurde gemäß der Bestimmung der Ehrw. Mutter Nicodema, Generaloberin, nach Kelkheim und Kühr gebracht.“ 8)

Hinweis!
Den Verfassern als ehemalige Eigentümer (1978-1999) dieses Hauses ist es noch erinnerlich, dass bei Umbauarbeiten im Wohnbereich der 1. Etage sakrale Verzierungen vorgefunden wurden.

Insgesamt im Einsatz waren folgende Schwestern der „Dienerinnen des hl. Herzen Jesu“:

Sr. Relinda (M.Hennek) Oberin, Sr. Friedberta (J. Axt), Sr. Dionora (M. Wiora), Sr. Silveria (M. Kirn), Sr. Floriberta (Anna Edel= hauser), Sr. Friediana (Margareta Degen), Sr. Quenburga (Helene Mathieu), Sr. Eulatheria, Sr. Serafika, Sr. Apollonaris, Sr. Baldegundis von 1917 bis 1925 in der Niederlassung Kripp, teils auch zeitweise, tätig. Die Schwestern verließen das Haus in der Voßstraße am 9. Juli 1925.

Verkauf des Schwesternhauses.

Die vertragliche Bindung einer Stiftung zum Wohle der Jugend war für unseren Geistlichen Herrn Brückert die Initialzündung für den Bau eines Katholisches Jugendheim als soziales Universalgebäude auf dem Batterieweg mit integriertem Kindergarten. Diese Entscheidung hatte später für ihn persönliche und finanzielle Folgen.
Brückert, der sich unter Einsatz von erheblichen persönlichen Vermögenswerten für den sozialen Gedanken engagierte, geriet mit der Finanzierung seines Jugendheimes aufgrund einer spekulativen Finanzierung mit einer ausländischen Bank derart in Bedrängnis, so dass das Bistum zur Rettung des Jugendheimprojektes finanziell einspringen musste.
Wie man aus dem Text der nachfolgenden notariellen Erklärung ersehen kann, muss es zwischen den Parteien zu Meinungsverschiedenheiten gekommen sein, was nun der zwischenzeitlich zur Kirchengemeinde Heckenmünster/ Wittlich versetzte Pastor Brückert zur Verwertung seiner Immobilie auf der Voßstraße (ehemaliges Nonnenkloster) zwecks Ausgleichszahlungen veranlasste, folgende Vollmacht vor dem in Trier amtierenden Notar Dr.jur W. Lamberty unter Az. 201/32 abzugeben:

„Ich bevollmächtige hierdurch mit der Befugnis zur Übertragung der Vollmacht, den zu Oberwinter wohnenden Gemeindevor= steher und Makler Herrn Bernhard Geisthoff, das mir zugehörige, in Kripp, Voßstr.3 (heute Nr.8) gelegene Hausgrundstück zu beliebigen Preise zu verkaufen, oder auf sonstige Art zu veräussern, die Kaufbedingungen zu vereinbaren, den Kaufpreis in Empfang zu nehmen und darüber rechtsgültig zu quittieren, denselben abzutreten, Eintragungen, Löschungen und Vermerke jeder Art in das Grundstück zu bewilligen und zu beantragen, überhaupt alles erforderliche vorzunehmen, was zum Verkaufe erforderlich ist.....gez. Brückert.“

Der Inhalt dieser obigen Urkunde mag die damalige Dissonanz zwischen der Kirche und Pastor Brückert widerspiegeln und „Selbstredend“ sein.

Der nachfolgende Kripper Pastor Halft erwarb von dem Bevollmächtigten das zur Verwertung stehende ehemalige Nonnenkloster 1932 als Wohnsitz zum Preise von 8507,70 Goldmark. Eine Goldmark entsprach damals einem Wert von 1/2790 Kilogramm Feingold. Aus diesem Verkaufserlös hatte Brückert seine persönlichen Verpflichtungen des aus dem Bankencrash entstandenen Schaden für das Jugendheim, zu dem er sich verbürgt hatte, auszugleichen. Gemäß Urkunde des Sinziger Notars Adams vom 3. März 1932 erlangten als Erlös aus diesem Verkauf, abzüglich der eingetragenen Aufwertungshypotheken zu Gunsten des Kripper Gastwirtes Johann Georg Lohmer 724,62 und 483,08 Goldmark nebst Zinsen“, etc… 9)



Willy Weis und Hildegard Funk, Remagen- Kripp


1) Zeitdokument www.Geschichte-Kripp.de/Ordensschwestern, dsgl. Heimatjahrbuch 2011 Kreis Ahrweiler, S.189 ff, „Vom
    segensreichen Wirken von Ordensschwestern in Kripp“, Willy Weis/ Hildegard Funk, Kripp
2) LHAKo 635/611 (Orden und Congregationen)
3) wie 2
4) wie vor
5) wie vor
6) wie vor
7) Notarielle Urkunde im Eigentum der Verfasser stehend
8) Chronik, Archiv des Mutterhauses der Schwestern des hl. Herzen Jesu in Wien
9) Notarielle Urkunden, etc., im Besitz der Verfasser

sowie im Allgemeinen der „Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichts= kunde, XII. Abtlg 1b Neue Folge, 11. Lieferung, / hier: Beiheft IX/5 „Ordensentwicklung seit dem 19. Jahrhundert“.

Fotonachweis:
1.) Schwesternhaus Gersweiler aus: „100 Jahre St. Michael Gersweiler 1886-1986“ 2) Ordenschwestern: Archiv der Dienerinnen des hlgst. Herzen Jesu Wien, Repro: Slg. Weis/ Funk 3.) Haus Voßstraße: PK- Archiv Weis/ Funk

Personalaktenauszüge über die in Kripp tätigen Schwestern.

 Sr. M. Silveria, Magdalena Kirn:
 geboren: 12. Februar 1886 in Faha, Kreis Saarburg Eintritt: 18. September 1914 Profess 30. März 1916 Einkleidung: 19. März 1917 Ewige Gelübde: 21. August 1923 verstorben: 16. April 1963 (Osterdienstag) in Kelkheim Wirkungsbereich: Krankenpflege, Hausarbeit, Assistentin, Oberin 1913 – 1916 Wieden 1916 – 1917 Landesgericht 1917 – 1925 Kripp 1925 – 1928 Lorchhausen 1928 – 1930 Weberherrn 1930 – 1930 Mutterhaus 1930 – 1949 Kelkheim 1949 – 1952 Fischbach (als Oberin) 1952 – 1963 Kelkheim

 Sr. M. Friedberta, Maria Josefine Axt:
 geboren: 10. Juni 1888 in Petersberg, Fulda Eintritt: 17. Oktober 1910 Einkleidung: 24. August 1911 Profess: 23. September 1913 Ewige Gelübde: 28. August 1920 verstorben: 20. August 1972 (Sonntag) in Gondorf Wirkungsbereich: Kindergarten, Handarbeitsschule, Oberin 1910 – 1910 Mutterhaus 1910 – 1911 Rudolfspital 1911 - 1913 Mutterhaus 1913 – 1914 Altenkessel 1914 – 1917 Gersweiler 1917 – 1925 Kripp 1925 – 1926 Landsweiler 1926 – 1927 Hatzenport
1927 – 1931 Hallwang 1931 – 1934 Kirchheim 1934 – 1938 Reisweiler (als Oberin) 1938 – 1946 Kirchheim 1946 – 1952 Steinbach 1952 – 1956 Haselstein 1956 – 1958 Kirchheim 1958 – 1963 Kelkheim (als Oberin) 1963 – 1972 Gondorf


 Sr. M. Relinda, Maria Hennek:
 geboren am: 17. November 1883 in Oppeln Einkleidung: 19. März 1906 Profess: 7. Juli 1908 Ewige Gelübde: 7. Juli 1914 Verstorben: 27. August 1935 in Beuthen Wirkungsbereich: Krankenpflege, privat und im Spital 1905 – 1906 Mutterhaus 1906 – 1909 Franz Josef Spital 1909 – 1914 Altenkessel 1914 – 1917 Gersweiler 1917 – 1922 Kripp (als Oberin) 1922 – 1928 Gleiwitz 1928 – 1935 Beuthen

 Sr. M. Floriberta, Anna Edelhausen
 geboren am: 12. Juli 1886 in Hohenruppersdorf, Bez. Matzen, Öst. Eintritt: 9. März 1905 Einkleidung: 10. Oktober 1905 Profess: 15. Oktober 1907 Ewige Gelübde: 7. Juli 1914 verstorben: 23. Juli 1967 (Sonntag) in Unter St. Veit, Wien Wirkungsbereich: Handarbeitsschule, Spital, Hausarbeit, Oberin 1905 – 1907 Mutterhaus 1907 - 1907 Unter St. Veit (Wien) 1907 – 1908 Mutterhaus 1908 – 1908 Unter St. Veit und Allgemeines Spital (Wien) 1908 – 1910 Mutterhaus 1911 – 1915 Hütteldorf (Wien) 1915 – 1918 Dietrichgasse (Wien) 1918 – 1918 Schwarzau und Zöbern 1918 – 1919 Theresianum 1919 – 1920 Preyer-Spital 1920 – 1922 Altenkessel 1922 – 1925 Kripp (als Oberin) 1925 – 1926 Mutterhaus 1926 – 1929 Bommersheim 1929 – 1934 Gaweinstal 1934 – 1945 Niederhollabrunn 1945 – 1951 Hütteldorf (Wien) 1951 – 1955 Salzburg 1955 - 1962 Auersthal (als Oberin) 1962 – 1967 Hütteldorf (Wien) 1967 – 1967 Unter St. Veit (Wien)

 Sr. M. Fridiana, Margarete Degen:
 geboren am: 4. Jänner 1886 in Weibern, Kr.Adenau Einkleidung: 19. März 1906 Profess: 7. Juli 1908 Ewige Gelübde: 7. Juli 1914 verstorben: 22. Dezember 1929 in Kühr
Wirkungsbereich: Krankenpflege, Hausarbeit 1905 – 1906 Franz Josef Spital in Wien 1906 - 1911 Allgemeines Krankenhaus in Wien 1911 – 1917 Niederfell - Kühr 1917 – 1925 Kripp 1925 – 1929 Niederfell – Kühr


 Sr. Dionora, Martha Wiora
 geboren am: 9. September 1892 in Wilcza, Kr. Rybnik (POLEN) Eintritt: 16. Juni 1913 Einkleidung: 19. März 1914 Profess: 30. März 1916 Ewige Gelübde: verstorben: 15. Jänner 1919 in Kühr / Niederfell an der Mosel (Dienstzeit in Kripp aus der Archivalie nicht nachvollziehbar, vermutliche Abordnung)

 Sr. M. Quenburga, Helene Mathieu
 geboren am: 16. Juli 1888 in Ottenhausen, Kr. Saarbrücken Eintritt: 19. Juli 1915 Einkleidung: 4. Mai 1916 Profess: 13. August 1918 Ewige Gelübde: 21. Juli 1925 verstorben: 8. Jänner 1959 in Kühr / Niederfell Wirkungsbereich: Spital, Privatpflege, Hausarbeit 1915 – 1924 Rudolfspital in Wien 1924 - 1925 Überherrn 1925 – 1932 Rudolfspital in Wien 1932 – 1959 Niederfell – Kühr (Dienstzeiten in Kripp aus der Archivalie nicht nachvollziehbar, vermutliche Abordnung)


Caritas und Krankenpflege-Verein.

Auch wenn das genaue Gründungsdatum leider nicht ermittelt werden konnte, so könnte die Idee und Gründung dieses örtlichen Sozialvereins aus der Einrichtung der ambulanten Krankenpflege der „Dienerinnen des hl. Herzen Jesu“ zurück zu führen sein. Ein Nachweis über eine Vereinstätigkeit ergibt sich aus einer undatierten Eintragung in deren Kassenbuch, demzufolge sich die erste Mitgliederzahl von anfangs 212 auf 154 im Jahre 1926 reduzierte. Der Grund dieser recht auffälligen Rückläufigkeit dürfte vermutlich auf einen Protest der Ortsbevölkerung gegen den amtierenden Kirchenrat beruhen, der sich in streitbaren Verhandlungen gegen die in der Bevölkerung beliebten Schwestern stellte und zu einer Auflösung der Kripper Niederlasung der Dienerinnen vom hlgst. Herzen Jesu führte.
Diesem vorgenannten Eintrag zur Folge dürfte die Vereinsgründung mit dem Eintreffen der ersten Ordensschwestern, der „Dienerinnen vom heiligsten Herzen Jesu“ (1917-1925) in Kripp erfolgt und von den 1926 nachkommenden Franziskanerinnen vom badischen Erlenbad weitergeführt worden sein. Des weiteren dürften selbstredend für die rege Tätigkeit dieser ersten Schwestern sein, dass während ihrer Anwesenheit in der Zeit 1923/24 in Kripp über 603 Mitglieder von 1.000 Einwohnern in katholischen Vereinen unter dem Seelsorger Brückert als Präses aktiv waren.
Die Mitglieder hatten für sich und ihre Familienangehörigen die Berechtigung zur kostenfreien Krankenpflege durch die Krankenschwestern von Kripp. Medikamente waren nicht mit einbegriffen. Den Mitgliedern wurden Beitragskarten, die zum Beitragsnachweis mit monatlichen Beitragsmarken beklebt werden mussten, ausgegeben. Auf diesen Karten wurden Vermerke über Besuche der Krankenschwestern zum Nachweis eingetragen.

Für die Nichtmitglieder wurde ab 1926 eine Tariftaxe erarbeitet. Demnach kostete eine medizinische Behandlung im Schwesternhaus 0,50 RM, ein Hausbesuch zur Tageszeit 1,00 RM / Nachtzeit 2,00 RM, eine Krankennachtwache 3,00 RM und eine Tagespflege 2,50 RM.
Auf Antrag wurden der Kripper Krankenpflegestelle vom Kreiswohlfahrtsamt ein jährlich unterstützender Zuschlag von 200 RM angewiesen.
Über die Beendigung dieses Vereines als sogenannte „Kripper Krankenkasse“ konnte leider bisher nichts in Erfahrung gebracht werden.

Mitgliedskarten jüngeren Datums

  

Rückseite:

 

Willy Weis und Hildegard Funk, Kripp



Quellen: (allesamt Kath. Pfarrarchiv Kripp) 1. Kassenbuch des Caritas u. Krankenpflegevereins Kripp a/Rhein von 1926-1933. 2. Mitgliedsausweis Nr.17 von 1928 (Schumacher) 3. Mitgliedsausweis Nr.49 von 1932 (Pastor Halft)
4.Schreiben der LVA  Rheinprovinz Düsseldorf v.17.10.1932, XA 93/25