Militärmanöver in Kripp ©

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Pontonbrücke 1908

Vom 16. bis 19. September 1908 schlugen die Koblenzer Pioniere bei einem Manöver zwischen Linz und Kripp eine Pontonbrücke über den Rhein, um Truppenbewegungen über fließende Gewässer zu üben. Dabei stieß ein talwärts fahrender Dampfer gegen die Pionierbrücke und riss 20 Pontons von der schwimmenden Brücke ab.
Über diesen Zwischenfall berichtet Valentin in seinem Tagebuch:

„In der Nacht vom 16 ten zum 17 ten Septb. 1908 haben hier bei einem Manöver die Coblenzer Pioniere eine Pontonbrücke von Kripp nach Linz über den Rhein geschlagen. Morgens marschierten viele Truppen von Kripp nach Linz über dieselbe. Um 1 Uhr mittags wurde die Brücke geöffnet zum Durchfahren der inzwischen angesammelten Dampfer und Schiffe. Ein Schraubendampfer hatte die angegebene Fahrt nicht richtig eingehalten und ein Anhängerschiff daselbe trieb nach der Linzerseite gegen die Brücke und riß zirka 20 Pontons von der Brücke weg. Die Ankertaue waren alle gerissen und es dauerte bis zum Abend, ehe dieselbe wieder hergestellt war. Dann marschierte das ganze 8 te Armeekorps von Linz nach Kripp über dieselbe. An beiden Seiten des Rheines hatte sich eine riesige Menschenmenge angesammelt und schauten zu. Der Schraubendampfer kam zu Thal gefahren. Das ganze Brückengeräth war mit Wagen hierhin gefahren worden. Am 19 ten Septb. wurde die Brücke wieder abgeschlagen und mehrere Schraubendampfer zogen die Pontons mit Brückenmaterial beladen wieder nach Koblenz. Es ist kein Menschenunglück beim An-und Abbau der Brücke vorgekommen".1)

Pontonbrücke 1912. (Kaisermanöver)

1912 fand in Kripp die Abhaltung eines großes Kaisermanövers statt. Das gesamte Feld zwischen Remagen und Kripp diente als Manövergebiet, einschließlich des Ortes Kripp. Zu diesem Zweck waren vorher alle abgedeckten und nicht mehr benötigten Brunnen in den ehemaligen Ziegelgruben im Krippe Feld mit einer großen Fahne zu kennzeichnen, um Unfälle durch einbrechende Pferde –wie bereits schon geschehen - zu vermeiden.



Pioniere mussten zur Sicherung eines Überganges auf die andere Rheinseite manövermäßig einen Brückenkopf in Fährnähe errichten. Im Pfahlbauverfahren wurden Rampen an beiden Flussufern angelegt werden, um die Pontons daran zu befestigen zu können. Ein eigens mehrerer Zentner schwerer Hammerkopf wurde an im Flußwasser angelegten senkrechten Laufschienen von ca. 20 Soldaten an Seilen hochgezogen, der dann auf Kommando "Leinen los" durch sein Eigengewicht auf den Pfahlkopf herabsauste und diesen in der Rheinufersohle mit vielen Schlägen einrammte. Der gesamte rhythmische Arbeitsablauf lief im Takt durch ein von den ausführenden Pionieren nachfolgendes Lied singend selbst bestimmt und so lange wiederholt, bis der Pfahl in Fertigtiefe eingerammt war. Das Kommando "Hau ruck" stand für das anziehen der Seile und "eins, zwei, drei" für das loslassen derer. " Hau Ruck! Er muss hinein, durch Stein, eins, zwei, drei" (Im melodischen Fluss)



In einem Manövergefecht sollte dieser Brückenkopf von den im Kripper Feld herannahenden Infantriesoldaten gestürmt und eingenommen werden. Ein großes Scheingefecht fand am Kripper Rheinufer und der Unterkripp zwischen den rivalisierenden Manöverteilnehmern mit Platzpatronen vor den Augen der dort schaulustigen Kripper Bürgergesellschaft statt, die sich aus neugierigen Kindern, ehemaligen Gedienten und der Honoration zusammensetzte. Eine Gruppe von Soldaten, hoch zu Ross, die unübersehbar hohe Ränge bekleideten mit einem hohen Offiziersstab inspizierte die Kampfhandlungen in Feldflur und Ufernähe. Der Sieg war an diesem Tage gewiss! 2)



Zu dem militärischen Ereignis vermerkt Valentin lediglich lapidar und nur Schiffahrtsbezogen:

"Vom 18 ten auf den 19 ten September 1912 haben die Coblenzer Pioniere zwischen Kripp und Linz bei einem Korpsmanöver eine Brücke über den Rhein gebaut. Am 21 ten ist dieselbe wieder abgebaut und am 22 ten das ganze Material und Mannschaft mit 2 Schraubboote nach Coblenz gefahren worden. Ein Unfall hat sich nicht ereignet". 3)



Zur allgemeine Wehrpflicht damaliger Zeit bleibt anzumerken, dass diese eingeschränkt war. Gehobenes und vermögendes Bürgertum sowie Adlige unterlagen zwar nicht der allgemeinen Wehrpflicht, man konnte es aber für die nachfolgende Söhne des Adels– da der erstgeborene Sohn den Landbesitz erbte - es als eine gesellschaftliche Pflicht ansehen, dass diese unter gewissen Bedingungen dem Berufsmilitär beitraten. So bestand die Möglichkeit, sofern man Obersekunda-Reife hatte, sich als „Einjährige Freiwillige“ unter Investition von Ausrüstung, Ausbildung, sowie Kost und Logis sich zum Reserveoffizier ausbilden zu lassen. Mittels des militärischen Dienstgrad eines „Sekond-Lieutenant“ hatte man Anspruch mit den Titel „Hochwohlgeboren“, der sonst Adligen vorbehalten war, angesprochen zu werden. „Sekond-Lieutenant“ war der unterste Offiziersdienstgrad. 4)

Willy Weis und Hildegard Funk, Kripp

Quellen:
1) Tagebuch der Familie Georg Valentin, Kripp 1876-1920, Seite 16
2) mündl. Angaben Michael Schumacher, geb. 1902, Kripp+
3) Tagebuch der Familie Georg Valentin, Kripp 1876-1920, Seite 21
4) mündliche Angaben des Kripper Kiesgrubenbesitzers Balthasar Wahl+