Kripper Malaria ©

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„Krepper Malaria“

Wie aus alten Karten ersichtlich , verliefen die Mündungsarme der Ahr wild ohne eigentliches Flussbett unkontrolliert in den Rhein. Im unteren Mündungsbereich bis Sinzig mäandrierte das kleine Eifelflüsschen stark auf Grund ihres Gefällmangels, teils gegenläufig zur Flussrichtung fließend und hinterließ naturbezogen eine aus vielen Biotopen und Sümpfen bestehende Flussuferlandschaft, in der sich kleine Seen und Sümpfe bildeten. 1)
Neben seltenen Pflanzen bargen diese stehenden Gewässer auch Brutstätten für allerlei Mikroben und Tiere, insbesondere einer damaligen unbekannten giftigen Fliegenart.
Vermutet wurde zu damaligen Zeiten, dass diese giftige Fliegenart und / oder der ausströmende Dunst der Sümpfe wohl die Ursache einer bösen, fast ausnahmslos hier auftretenden häufigen Krankheit sein könnte, deren Symptome mit Wechselfieber wie Sumpf-oder Tropenfieber bis kurz vor 1900 auftraten. 2)


Das Ahrmündungsdelta bei Kripp um 1800
Tranchot-Karte, Linz 5409, „©GeoBasis-DE/LvermGeoRP2011-12-07“

Glaubt man den mündlichen Überlieferungen der Altvorderen, so wurden von dieser im Volksmund benannten Krankheit „Freese“, wohl von frieren herrührend, fast ausschließlich Personen befallen, die sich im Ahrmündungsbereich aufgehalten hatten.

Hierzu wurde folgendes dokumentiert: „Gesund gingen unsere Leute zur Arbeit an oder über die Ahr, um dort urplötzlich von heftigem Schüttelfrost befallen zu werden, der dann in wenigen Minuten einer großen Hitze wich, um mit ihr bald wieder zu wechseln.“ 3)

Betroffene Bürger berichteten von einem über Wochen- oft monatelangen andauernden Zustand der „quälenden Übelkeit, Mattigkeit in den Beinen, die sie zwang, sich ins Bett zu legen“, die, wenn man einen Heißhunger oder großes Verlangen nach einer besonderen Speise gehabt und diese bekommen hätte, im gleichen Augenblick verschwunden sei. Man hätte sich diese Krankheit sprichwörtlich im wahrsten Sinne des Wortes regelrecht „abessen“ können. 4)

Nach den erfolgten einbettigen Regulierungsarbeiten der Ahr und dem größtenteils zunehmenden Verschwinden der Sümpfe nach 1880 verschwand auch eigenartiger Weise die sogenannte Ahrmündungskrankheit “FREESE“, über die man wegen den Fieberschüben im Volksmund ab der Kolonialzeit mit der spöttelnden Bemerkung „Krepper Malaria“ witzelte. 5)

Der richtige Name dieser damaligen Krankheitserscheinung konnte nicht in Erfahrung gebracht werden.

Nachtrag:
In der Kreisstatistik 1860 von Ahrweiler finden wir hierzu unter "Sümpfe" noch folgenden Hinweis:
"Sümpfe, wenn auch vom geringen Umfang und Tiefe, trifft man noch immer an der Unterahr in Umgebung eines Flusses. Außer dem Nachteil, daß dieselben Land und Cultur entziehen, äußern sie eine schädliche Wirkung auf den Gesundheitszustand, indem ihre Ausdünstungen die Entstehung der Intermittens begünstigen. Ihre Beseitigung (... ) wodurch dann allmälich auch die Sümpfe mit ihren schädlichen Ausdünstungen gänzlich verschwinden". 6)

Des weiteren wird noch auf einen Beitrag "Moose des Ahrtales" von Ruprecht Düll hingewiesen, indem nachfolgender interessanter Hinweis vermerkt ist:
"Das Delta der Ahrmündung und seine Nachbarschaft waren bis nach der Mitte des 19. Jahrhunderts regelmäßigen Überschwemmungen ausgesetzt und entsprechend versumpft. Damit waren sie ideale Brutplätze für die Malaria-Mücke (Anopheles). Als Folge waren sie bis nach der Mitte des 18. Jahrhunderts ständig wiederkehrenden Malariaepidemien ausgeliefert (GROMMES,G 1930). Bei langwährender Sommerwärme führte das regelmäßig auch zu Neuinfektionen". 7)


Willy Weis und Hildegard Funk, Kripp


Quellen:
1) Tranchot-Karte 1803-1820
2) mündl. Überlieferung Franz Breuer, Kripp+
3) Heimatkalender 1928, „Etwas von den ehemaligen Sümpfen an der Unterahr“, J. Mies, S. 118-119
4) wie 3
5) mündliche Überlieferung Franz Breuer und Friedel Valentin, Kripp +
6) Kreisstatistik Ahrweiler 1860, S.4/5)
7) duell.kilu.de/Ahrtal/Ahrtalmoosflorakorr22 3 11.pdf