Die Ahrbrücken in Kripp ©

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Flussregulierungen und Brücken im Ahrmündungsbereich.

Legende
Im Ahrmündungsbereich befand sich stets ein Flussübergang, der die Gemeinde Sinzig mit der Gemeinde Remagen am Ortsteil Kripp verband. Sie war und ist die letzte Brücke im Flussverlauf der Ahr, unmittelbar vor dem Einfließen in den Rhein gelegen und galt als Leinpfadbrücke an der Ahrmündung. Ganze Heerscharen von Treidelschiffern, die ihre Schiffe an Leinen vom Ufer aus mit Pferden bergwärts zogen, dürften über hunderte von Jahren diese damaligen Brückenstege passiert haben.

Die Pflege des Leinpfades und der Brücken waren aufgrund der Zolleinnahmen ein damaliges Muss der Treidelschiffer und militärisch gesehen gewährte die Brücke beim Rückzug napoleonischer Truppen nur kurzfristig „eine wichtige militärische Position; deshalb fanden auch bei dem Vorrücken der Verbündeten im Januar 1814 einige Scharmützel bei derselben Statt, als die Franzosen, nach dem Übergange der Verbündeten über den Rhein, noch einige Tage lang sich am linken Ufer der Ahr zu halten versuchten.“ 1)

Das sich nachweislich im Mündungsbereich über der Ahr schon eine Brücke befand ergibt sich aus der Tatsache, dass bereits schon 1830 zur Überwachung und Unterhaltung der Treidelpfade ein Strommeister eingesetzt und 1841 von Kripp aus der Neuausbau des Leinpfades bis hin zur Ahrmündung erfolgte. Der Anschluss an den Leinpfad im Ahrmündungsdelta erfolgte über die 3 Hauptarme der Ahr mit Holzbrücken von je 41,4 m, 54,5 m und 18,8 m in 3 m Höhe über dem Normalwasser, die nach der Ahrmündungsregulierung1855 durch eine neue 71 m lange Brücke mit massiven Widerlagern und hölzernem Oberbau mit erhöhten Leinpfad in Höhe von 5m Koblenzer Pegel und mit 3,80 m Kronenbreite bis zum Anschluss an den alten Leinpfad ersetzt wurde. 2)

Dabei dürfte nach dem Rückgang der Treidelschifffahrt diese Brücke den zukünftigen Bedürfnissen angepasst und einspurig für Pferde-und Ochsenfuhrwerke konstruiert worden sein. Hier sei angemerkt, dass sich vor dem I. Weltkrieg ein Unfall in der Form zugetragen hat, indem durch Unachtsamkeit eine Kutsche mit Pferd und Kutscher mittig von der Brücke in die Ahr gestürzt sein soll. 3)

Bevor jedoch die 1851 gegründete Rhein-Strombauverwaltung 1855 mit einem wasserbaulichen Eingriff die Ahr künstlich mit einem 565 m langen einbettigen Strombett von 33,90 m Sohlenbreite unter Anlehnung an das stromab gelegene Hochufer spitzwinklig zum Rhein verlagerte und mit einer 71 m langen Brücke überspannte, mündete die Ahr durch eine sumpfige Niederung recht­winklig in Deltaform gefächert mit drei Mündungsarmen in den Rhein. 4)



Das Ahrmündungsdelta bei Kripp um 1800
Tranchot-Karte, Linz 5409, „©GeoBasis-DE/LvermGeoRP2011-12-07“

Beim näheren Betrachten der Kartierung von Kripp wird deutlich das verwilderte Flussbett der Ahr im Mündungsbereich vor der Flussregulierung ersichtlich.
Deltaförmig fließt sie unweit der Gemarkungsgrenze mit abwechselnd verzweigenden und in sich wiedervereinigenden, teils gegen die Fußrichtung mäandrierenden Flussarmen in den Rhein.
Durch den Zustand der Mündungsverschleppung brachte das unkontrollierte Geröllgeschiebe des Ahrschwemmkegels im Rheinbett für die Schifffahrt stets zunehmende Probleme mit sich. Langjährige Hochwassergeschübe der Ahr drückten den Rhein gegen den Steilhang bei Linz und verursachten mit seiner dort eingeengten Fahrrinne und seinen verursachten Fehltiefen eine gefahrvolle Behinderung der Rheinschifffahrt.


Regulierungsmassnahmen
Um dieser stets wiederkehrenden Gefahr künftig entgegenzutreten, wurden im Ahrmündungsbereich 18 Buhnen (Kribben) rechtwinklig in den Strom hinein als Regulierungsbauwerke durch die Rhein-Strombauverwaltung errichtet. Diese nadelartige Querbauwerke als Strombrecher wurden erfahrungsgemäß an einer Stelle errichtet, um dort als künstliche Flussverengung den Stromdurchfluss zu beschleunigen und durch die veränderte Schubkraft des Wassers für das Abschwemmen des hier angelagerten Gerölles und dessen Weitertransportes rheinabwärts zu sorgen und somit die Sohle tief zu halten.
So wurden im Jahre 1856 und 1857 das linke Rheinufer oberhalb und unterhalb der Ahrmündung bis auf 282 m vom rechten Ufer durch den Bau von 18 Buhnen, deren Kopf auf +3,50 m Linzer Pegel und deren Wurzel am Leinpfade auf 5 m Linzer Pegel gelegt wurde, vorgeschoben. Davon lagen 13 Buhnen oberhalb und 5 Buhnen unterhalb der Ahrmündung. Der Abstand der Buhnen wurde auf 132 m bemessen und das an der Brücke befindliche Richtwerk an der Ahrmündung um 94 m verlängert.
Nach einer Abgrabung des linken Ufers im Jahre 1871 wurde dann im Jahre 1883 mit dem Bau von acht Grundschwellen vorgegangen, deren Kronen auf minus 6 m Linzer Pegel gelegt wurden.
Die Entfernung der Grundschwellen untereinander wurden auf 80 m, die Krone derselben auf 4 m bemessen. Die vorhandene Kiesbank an der Ahrmündung wurde bis minus 1 m am Pegel und bis auf 150 m vom rechten Ufer ab fort gebaggert und der vor dem Linzer Bach liegende Schuttkegel ebenfalls durch Baggerung beseitigt. Dabei wurden die gewonnenen Bodenmassen zum Ausbau des rechten Ufers, zur Ausfüllung der am linken Ufer gelegenen Buhnenintervalle und vor dem Dorfe Kripp verwendet.
Eine Beseitigung der Kiesbank vor der Ahrmündung bis auf 200 m vom rechten Ufer wurde im Jahre 1885 vorgenommen und die gebaggerten 146 596 m³ Kies zum Ausbau der Eisenbahn verwendet. 5)
Spätere gemeindebaulichen kleinere Ahrregulierungen oberhalb der Ahrmündung mittels Verwendung von Faschinen verringerten die Geschiebemassen der Ahr im Rhein.




Nach der 3 Meter breiten für Tiergespanne zugelassenen Brücke kam eine schmälere mit Holzbohlen beplankte aufliegende Eisenbrücke. Über das genaue Baujahr konnte bisher nichts in Erfahrung gebracht werden. Es dürfte jedoch kurz nach dem Ersten Weltkrieg vermutet werden. Die auf Fotos recht auffallenden der rechts und links überstehenden Balken der Auflagentraversen dürften jedoch von dem Auflager der ehemaligen Brücke zeugen. Genau wissen wir es aber nicht!



Diese Brücke hielt nur bis 1984 stand, nachdem ein extremes Novemberhochwasser Teile des Radwanderweges im südlichen Brückenbereich samt Baumbestand von der Größe eines Fußballfeldes wegschwemmte und die Brücke instabil wurde.
Der neu ausgebaute Radwanderweg des Leinpfades war somit jäh unterbrochen und die Benutzer mussten einen Umweg bis zum Sinziger Sportplatz unternehmen, um trockenen Fußes über die Ahr zu kommen. Eine Schadensbesichtigung vor Ort erfolgte am 25.1.1985 durch 18 Vertreter zuständiger Behörden - angefangen von der Unteren Wasserbehörde des Kreises bis hin zum Bundesmi¬nisterium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten - mit einer Abschlussbesprechung im Kripper Hotel "Fährhaus". Pro und Contra wurde dabei in die Waagschale geworfen.
Während die Wasser-und Schifffahrtsverwaltung des Bundes als Eigentümer der Ufergrundstücke unter dem Aspekt des Gefahrenhinweises für die internationale Schifffahrt ihr Veto einlegte, plädierten die Vertreter von Natur und Umweltschutz für den Abriss der beschädigten Brücke und einer Neuverlegung der Brücke oberhalb des Mündungsbereiches in Höhe des Sendemastes und des Klärwerks Sinzig, um das Naturschutzgebiet unberührt zu lassen.
Die Vertreter der Städte Sinzig und Remagen sprachen sich dagegen für den Neubau einer Brücke an alter Stelle aus. Diese Forderung könne sich auf ein Gewohnheitsrecht stützen, zudem solle die Naherholungsfunktion durch den kurz vorher ausgebauten Radwanderweg auf dem früheren Leinpfad erhalten bleiben. Dieses Anliegen wurde mit einer gemeinsam verfassten Resolution aller Fraktionen des Kripper Ortsbeirates unterstützt und den entsprechenden Behörden mit Dringlichkeitsvermerk zugeleitet. Eine in Sinzig gegründete Bürgerinitiative "Rettet den Brückensteg" unterstützte den Stadtrat mit über 1000 Unterschriften. Der emotionell geladenen Kripper Bürgerschaft fehlte ebenfalls jegliches Verständnis für eine Verlegung der Ahrbrücke und bekundete dies mit 500 Unterschriften. Nach zähem Ringen gab man dem Anliegen der Bürgerschaft nach. 6)


Neue Ahrmündungsbrücke
Nach den immer wiederkehrenden Hochwasserdesastern sollte nun eine Brücke gebaut werden, die auch auf Dauer hielt, um die bisherigen jährlichen Folgekosten von 30.000 bis 50.000 DM für aufwendige Brückenreparaturen auszuschließen. Der Rat der Stadt Sinzig beschloss daher den Bau einer Ahrbrücke in "schwerer" Ausführung aus tropischen Bongossiholz, die Ahr überspannend sich harmonisch in das Landschaftsbild einfügen sollte. Bauwerk, Natur und Landschaft waren in Einklang zu bringen.
Mit den Gründungsarbeiten des mittigen Strompfeilers und der beidseitigen Uferlager in Betonausführung mit Bruchstein= verblendung wurde bei günstigem Wasserstand begonnen.
Über die Kripper Quellenstraße wurden die von der Sinziger Holzbaufirma Schmickler in achtwöchiger Bauzeit vormontierten 2 Brückenteile von je 20 Tonnen Gewicht und 20 m Länge, 2,6 m Breite und 3,05 m Höhe wurden mit Spezialtiefladern bis zur Ahrmündung transportiert, wo ein 40 t Kran sie in die endgültige Positionen der vorbereiteten Aufnahmelager hievte. Über 3.500 Edelstahlschrauben sorgten für den nötigen konstruktiven Zusammenhalt. Nach kurzer Montagezeit wurde der Holzboden eingearbeitet und ein Satteldach aus kanadischen Holzschindeln diente als Regenschutz.
Am 10.8.1988, nach fast dreijährigem Umweg, konnte die direkte Verbindung des Leinpfades zur Freude der Radfahrer, Wanderer und Kripper Bevölkerung wieder benutzt werden. Die Kosten beliefen sich auf 708.722,- DM, von denen 641.750,- DM zuwendungsfähige Kosten waren. Die 70% ige Hilfe des Landes betrug 449.225,- DM und der 15% ige Kreisanteil 96.262,- DM. Der Zuschuss von der Stadt Remagen betrug 25.000,- DM. Somit verblieb der Stadt Sinzig noch ein Anteil von 138.285,- 7)





Willy Weis und Hildegard Funk, Kripp

Quellen:
1) „Eifla Illustrat“, J.F. Schannat, Leipzig 1852, S. 566
2) "Der Rhein aus der Sicht des Kreises Ahrweiler", H. Schmalz, Sinzig 1967, Manuskript Kreisarchiv Ahrweiler
3) mündliche Überlieferung durch Josef Marx, Kripp
4) Tranchot Karte Nr. 5409 (Linz a/ Rhein), „© GeoBasis-DE/L vermGeoRP2011-12-07“
5) Mündl. Angaben RAR Melchers Strombauverwaltung, Aussenstelle Brohl nach Unterlagen von Jasmund
6) Rhein-Zeitung Nr. 27 vom 1.2.1985, Rhein-Zeitung vom 4.5.1985, sowie Einsichtnahme in die Handakte des
damaligen Ortsvorstehers Christian Iven, Kripp
7) Einsichtnahme Handakte des damaligen Ortsvorstehers Christian Iven, Kripp

Besichtigungsteilnehmer 25.1.1985
1.) Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ( Bonn)
2.) Ministerium für Soziales, Gesundheit und Umwelt (Mainz)
3.) Landesamt für Umweltschutz und Gewerbeaufsicht Rheinland-Pfalz (Oppenheim)
4.) Wasser-und Schifffahrtsamt (Bingen )
5.) Wasserwirtschaftsamt (Koblenz)
6.) Obere Landesbehörde der Bezirksregierung Koblenz
7.) Stadt Sinzig
8) Kreisverwaltung Bad Neuenahr-Untere Wasserbehörde-Untere Landespflegebehörde-Referat Fremdenverkehr-