Die Schwedenschanze in Kripp 1632

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Schwedische Militäraktionen während des „ Dreißigjährigen Krieges“ im hiesigen Bereich.

Seinen eigentlichen Anfang nahm der „Dreißigjährige Krieg“ (1618-1648) durch die Erhebung der böhmischen Stände gegen die Herrscher der Habsburger mit dem legendären „Prager Fenstersturz“, der als Signal zum Widerstand gegen die Rekatholisierung am 23.5.1618 überregional entbrannte und sich durch die Einmischung außerdeutschen Staaten um die Hegemonie zwischen den Mächten Europas zum europäischen Krieg entfachte. Die militärischen Auswirkungen dieses Religionskrieges der hinter den Glaubensgegensätzen verborgener Machtinteressen der „Katholischen Liga“ und der „Protestantischen Union“, die die kirchliche Einheit des Heiligen Römischen Reiches spaltete, erreichten die Rheinlande um 1632.
So geriet unser Gebiet in die Wirrnisse eines wütenden nicht endenden Glaubenskrieges mit der Einnahme der gegenüberliegenden Stadt Linz am 30.10.1632 durch die Soldatesken des verwegenen Schwedengenerals Wolff Henrich Baudissin, der nach herkömmlicher unbekümmerter und brutaler Landsknechtsart die Protestantische Union vertrat. Mit dieser Eroberung und dortiger Verlegung seines Hauptquartiers schaffte er von Linz aus einen Ausgangspunkt für seine geplanten linksrheinischen Eroberungszüge zur Versorgnung seiner Truppen
 
                                                                                                                                    

Zur Sicherung der dortigen Rheinüberfahrt ließ Baudissin auf dem heutigen Kripper Gebiet im Fährbereich, wo sich ehemals im Burgundischen Krieg 1475 das Bollwerk befand, eine starke Schanze errichten, um von hier aus mit Feuer und Schwert brandschatzend und plündernd das Ahrtal heimzusuchen und in die linksrheinischen rheinanliegenden Orte einzufallen, die Feldmarschall Pappenheim durch Abzug seiner Truppen für den Beistand Wallensteins in der Schlacht bei Lützen dem schwedischen Feind schutzlos preisgegeben hatte.

Eine geplante Zerstörung dieser hier vorhandenen Schwedenschanze durch eine Abteilung von annähernd 300 „Kurfürstlich cölnischer“ Soldaten konnte vereitelt werden. „Damit nun die Schanze gegen etwaige erneute Angriffe auch stark genug wäre, ließ Baudissin dieselbe nicht allein bedeutend verstärken, sondern belagerte auch mit 6 Geschütze Andernach, welches nach kurzer Gegenwehr in der Nacht vom 16. zum 17. November erlag. Alles was mit Waffen in der Hand angetroffen wurde, wurde niedergehauen, die Stadt den Soldaten preisgegeben und ausgeplündert“. 1)
Obwohl der für unser Gebiet herrschende Herzog Wolfgang Wilhelm zur Schonung seiner Untertanen strengste wehrlose Neutralität dokumentierte, konnte er einen Einfall schwedischer Truppen in sein Territorium nicht verhindern.
Entgegen der schriftlichen Schutzgewährung Baudissins, der als Generalleutnant des kurz vorher bei der Schlacht von Tilsit gefallenen Schwedenkönigs Gustav Adolf II. und Kommandant der niederrheinischen Kreisarmee die Ämter Remagen, Sinzig, Oberwinter mit samt den dazugehörenden Dörfern durch die„Salveguardia" (Schutzbrief) schriftlichen Schutz garantierte, kam es jedoch durch seine marodierende Truppenabteilungen anders wie Archivunterlagen belegen.
„Des durchlauchtigsten Grossmechtigsten Fürsten und Herren, Herren Gustavi Adolphi, der Schweden, Gotthen vnd Wenden König, Grossfürsten in Finland, Hertzogen zu Ehsten vnd Carelen, Herrn vber Ingermannland, bestellter General: Lientenant vber dero Kön. May.Cavallrie vnd Commandant bey dero Niederrheinischen Craises Armée, Ich Wolff Henrich von Baudissin fuge hiemit zu wissen vndt thue kundt gegen meniglich, dass Ich die Embter Sintzig, Remagen vnd Oberwinteren sampt deroselbigen angehörigen Doerfferen vnd allen Adpertinentien, in sonderbahre Ihrer Kön.May. zu Schweden, meines gnedigsten Herren, Schutz vnd Protection genohmen vnd daruber diese schrifftliche Salveguardie ertheilt habe. Glangt hierauff an Alle vnd Jede der Königlichen Schwedischen Armée hohe vnd niedere Officirer, wie auch insgemein alle Soldaten zu Ross vnd Fuess, mein ernster scharffer Befelch, dass sie obermeldte Embter Sintzig, Remagen vund Oberwinteren sampt allen angehörigen Doerfferen vnd allen andern Adpertinentien vnd Zugehorungen an Menschen Viehe vnd Gütteren, beweglich vnd vnbeweglichen, wie die seyn vnd Namen haben mögen, nichts davon ausgenommen, frey vnd unmoglestirt, vund mit eigenwilligen Einquartierungen, Geldexactionen, Plünderung Viehraubung vnd dergleichen, allerdings vnbeschwerdt vnd verschont bleiben lassen, vnd diese Salveguardie gepürlich respectiren, auch deroselben Copeyen in obspecificirten Embtern, gleich dem Original selbsten achten vnd halten wollen, hieran vollbringen sie meinen ernstlichen schrffen Befelch, bey vnauspleiblicher hoher Straff, warnacher sich ein Jeder zu richtn vnd für Schaden zu hueten wissen wird.
Signatum Lintz, den 4./14. Novembris aô 1632. W.Baudissin“ 2)


Unten rechts im obigen Bild: Die angelegte Schwedenschanze auf unserem Territorium (Rekonstruktionszeichnung des Verfassers nach Vorlage eines Flugblattausschnittes, Kupferstich 31 x 39 cm anno 1633, Inventar Nr: 13815, LA für Denkmalpflege Rhld.-Pfalz)
Infolge wechselnder militärischer Herrschaftsverhältnisse in unserem Gebiet, die manchmal nur tageweise andauerten, wurde unser Terrain von Soldatesken verschiedenster Uniformen, angefangen von den Kaiserlichen, Schweden, Ligisten, Spanier, Franzosen bis hin zu den Holländern durchstreift. So wurde Remagen 1633 von Spaniern unter Ernst von Isenburg den Schweden abgenommen.

Bildnis des Grafen Ernst von Isenburg

Ein Intermezzo von kurzer Dauer, da es einen Monat danach unter blutigsten Umständen wieder in die Hände der Schweden gelangte, wobei 106 Häuser und der Kirchturm in Brand gerieten und die Spanier niedergemacht wurden. 3) Oder 1642, als Remagen von Hessisch- Weimarischen eingenommen wurde, „wogegen Melander, der neuankommende kurcölnische General, im Dezember 1645 das Städtchen, worin Neuburgische Besatzung sich befand, petardiren ließ und seine Soldaten 300 einlegte“. 4)
Nach dem Ende des 30jährigen Krieges durch den Westfälischen Frieden (1648) wurde in Kripp zur Erinnerung an diese Schwedenschanze die ehemalige Flurbezeichnung „Am Bollwerk“ aus der Zeit des Burgundischen Krieges 1475 durch die neue Flurbezeichnung „Auf der Schanz“ (vnder der Schanzen 1670, an der Schanzen 1781) abgelöst. 5) Heute erinnert die Straßenbezeichnung „Auf der Schanze“ an den Bereich des einstigen wehrhaften militärischen Bauwerkes.


Willy Weis / Hildegard Funk, Kripp

Quellen:
1) Wilhelm J. Langen, Remagen 1705, „Remagen in den Kriegen des Mittelalters bis nach dem spanischen Erbfolgekrieg“, Remagen 1907. S.13-14. 2) wie 1, S.15ff. 3) Klaus Flink, Remagen 1977, „Zur Geschichte des Raumes Remagen“ Heft 1, S.17. 4) Stramberg, Rheinischer Antiquarius, Bd.II.,S. 157, desgl. Dr. Dr. Carl Müller, Schwedische Soldaten am Mittelrhein und im Ahrtal von 1632- 1635. In: Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler 1962, S.131ff., desgl. Bruno Zeitz, „Schweden am Mittelrhein ab 1632, In: Heimatjahrbuch Neuwied 1996. 5) Wilhelm J. Langen, „Die Flurnamen von Remagen“, Remagen 1925, Flur 6, S.17-18.