Kripper Hungerstein ©

© weis/funk 2011

Aus aktuellem Anlass akuter Wasserknappheit im Rhein (0,51 m, Tagespiegel Andernach 28.Nov. 2011) weisen wir auf eine gefährliche Kripper Attraktion hin, die bis zur Strombettregulierung durch die Wasser-und Schifffahrtsdirektion Mitte des 19. Jahrhunderts für die hiesige Treidelschifffahrt neben der Gefahr auch ein Hinweiszeichen auf schlechte Zeiten darstellte. Diese steinerne Kripper Gefahr erhielt von den hiesigen Schiffsleuten schon zu damaligen Zeiten den Namen „Hungerstein“.


                                     Kripper Hungerstein am 20.8.1998 bei Rheinstromkilometer 629,9 (Fähre Kripp)                        ©Foto Weis 

Wenn die Silhouette des Hungerstein warnend aus dem Wasser ragt, was nur in Jahren großer Trockenheit geschieht, dann ist es bis zur Einstellung der Schifffahrt nicht mehr weit. Seine Bezeichnung soll aus früheren Zeiten resultieren, als die Wassergewerbler bei Niedrigwasser wegen Einstellung der Schifffahrt in Existenznot, Armut und Hunger gerieten.

Dieser gewaltige Felsbrocken im Strom befindet sich annähernd 25 m Oberstrom der Fährrampe am Kripper Rheinufer mit den Ausmaßen von 4,00 m Länge x 2,00 m Breite und 1,00 Meter Höhe, der nur in der Zeit von Niedrigwasser bei fallenden Pegelstand ab 0,96 Linzer Pegel zunehmend sichtbarer wird.


  

Hungerstein 2011 rechts Teile der alten Ahrbrücke                              Hungerstein 2011 links Teile der alten Ahrbrücke

Infolge des niedrigen Pegelstandes kam jetzt am besagten Hungerstein ein dort verheddertes Treibgut zu Tage. Dabei handelt es sich um ein Holzteil der Brückenpfählung der ehemaligen Ahrmündungsbrücke, die 1984 bei dem Ahrhochwasser beschädigt und 1988 durch eine neue Holzbrücke ersetzt wurde. 


Die Pfählung der originalen alten Ahrbrücke aus dem Jahre 1984

Diese, im Bild unten, mit Eisen verschraubten Holzbalken mit einer Länge von jeweils drei und zwei Meter und 30 x 30 cm Stärke wurden am Samstag den 26. November bei Niedrigwasser (Pegel Andernach 0,62 m) von zwei Vereinsmitgliedern zur eventuellen weiteren Verwendung für den Bürger-und Heimatverein Kripp geborgen.

  

Wilfried und Ingo Wolf mit privat eigenem Traktor bei der Bergung Samstagmorgen, den 26.11.3011 (Pegel Andernach 65)

Des Weiteren geben wir nachfolgende recherchierte Informationen und Pegelstände vergangener Niedrigwasser bekannt, die evtl. aber keine chronologische Vollständigkeit darstellen.

Bekannte Niedrigwässer des Rheines.

Nach verschiedenen handschriftlichen Unterlagen wurden in den Jahren 1793 und genau 100 Jahre danach, anno 1893, selten geringe Niedrigwasser ohne Pegelstände verzeichnet.
1793. Infolge eines trockenen Sommers und Herbstes war der Wasserstand des Rheines ein so selten niedriger, wie man seit Jahren nicht mehr beobachtet hatte. Des Weiteren im Sommer 1797 mit einen sehr niedrigen Wasserstand, sowie im März/ April 1800, der so niedrig war wie seit 30 Jahren nicht mehr.
1811 wird berichtet, das der niedrige Wasserstand die Schifffahrt erschwerte.
(W.J. Langen, Remagen in den Jahren 1793 bis 1817, S. 71)

Nachfolgende Niedrigwasser mit Pegelstand sind dokumentiert. (LHKO 635/ 657)

1845 12. Febr. Pegel Koblenz 0,86 m
1858 0,43 m Pegel Kaub
1886 30. August: Sehr niedriger Wasserstand (Bonner Jahrbücher, Band 82, Böhlau 1886, S.69)
1906 Vom 1. September bis Anfang Dezember sehr kleines Wasser. Der Linzer Pegel stand
auf 0,65 m. Viele Schifffahrtsgesellschaften stellten den Fahrbetrieb ein.
(Tagebuch Valentin.S.13)
1907 Anhaltendes Niedrigwasser von Ende August an. Pegel Bonn 19. Nov.0,67 m (Tgb.--Valentin, S.14)
1921 0,55 m ( genaues Datum und Pegel unbekannt)
1929 16. Februar 0,27 m Pegel Linz *
1947 0,43 m ( genaues Datum und Pegel unbekannt)
0,17 m, 4.November, Pegel Linz*
1949 war einer der trockensten Sommer. Die Schiffe mussten teilweise ankern oder durften
nur mit geringer Ladung fahren. Der Niedrigstand war zum Vorteil für die
Schiffshebungen der infolge Kriegseinwirkungen gefluteten oder durch Beschuss
versenkten Handelsschiffe im Rhein.
1971-1980 gemittelter Dekaden-Niedrigstand 67 cm Pegel Andernach
1981-1990 gemittelter Dekaden-Niedrigstand 75 cm Pegel Andernach
1991-2000 gemittelter Dekaden-Niedrigstand 75 cm Pegel Andernach, davon August 1998
tiefster Niedrigstand.
2003 wochenlanger Niedrigststand 0,32 m, Pegel Andernach
2009 Niedrigstand 7.Oktober, Pegel Andernach
2011 28.November, Niedrigstand, Pegel Andernach von 0,53 m

Anmerkung:
Der gegenüber von Kripp bei Stromkilometer 629,9 liegende Pegel Linz misst bei einer Nullhöhenlage von 47,958 m über NN die Rheinspiegelhöhe.*
Nullhöhenlage des Pegel Andernach 51,467m NN.

Vermerk:
Im August 1911 war die Ahr fast trocken, nur ein Rinnsal, was man „bloßen Fußes“ überqueren konnte (LHKO 635/ 738)

Willy Weis/ Hildegard Funk, Kripp



Quellen:

Mündliche Angaben Hans Klock, Kripp+ (ehem. Mitarbeiter der Strombau-Verwaltung, Außenstelle Brohl)
Angaben: RAR a.D. Erich Melchers (Dipl.-Ing.), Strombauverwaltung Außenstelle Brohl, Angaben: Herbert Lang, Wasserbaumeister, Strombauverwaltung Außenstelle Brohl, Remagener Chronik 1-2/ 95, „Oberwinterer Geschichten“, Handschriftliches Tagebuch von 1876-1920 der Kripper Eheleute Gottfried u. Theresia Valentin +
* = „Sinzig-und seine Stadtteile gestern und heute“. Hrsg. J. Haffke/ B. Koll 1983, S.20 Hydrologie von K.Heine
W.J. Langen, Remagen in den Jahren 1793 bis 1817, S. 73