Tagebuch Kripp 1918

                                                  Das Tagebuch von Edward Inman

                                                                                      1918/1919 in Kripp

                                                              151th Machine Gun Brigade of the 42th Division
                                                                 Rang in der amerikanischen Armee: Hornist


                                                      (gefunden, übersetzt und überarbeitet von Horst Krebs)


Sonntag, 15.Dezember 1918
Habe erfahren, dass der heutige Marsch der letzte sein wird bis zu unserem Ziel. Bislang sind wir etwa 400 Km gegangen, über kurvige Straßen bergauf, bergab. Luftlinie waren es die Hälfte der Strecke. Noch 13 Km bis Waldorf, wo einige von uns in einer  Scheune einquartiert sind, jedenfalls ein Dach über dem Kopf. Wenn wir Glück haben, können wir in Wohnungen übernachten. Es sind nur 5 bis 6 Km von hier bis zum Rhein. Jeder Mensch hat den Wunsch, diesen alten Fluss zu sehen und dort für einige Tage hinzugehen. Heute bin ich zur Bewachung der Küche eingeteilt.

Montag, 16.Dezember 1918
Am Nachmittag die Pferdekarren gesäubert. Acht von uns konnten im Wohnzimmer einer Familie übernachten. Rasiert am Nachmittag. Bin eingeteilt für eine besondere Aufgabe. Ich soll lernen, wie man das Horn bläst, aber weit und breit kein Horn zu sehen. Aber Hörner sollen bald zugeteilt werden.

Dienstag, 17.-19. Dezember 1918
Der Unteroffizier schläft auf der Couch hier und der Rest von uns auf dem Boden. Unter oder auf dem Esstisch ist der beste Schlafplatz. Die Leute hier haben Äpfel zu verkaufen, und nach und nach schaffen wir uns einen kleinen Vorrat davon an. Ich bin mal wieder zum Wachgang eingeteilt. Es sollte aber nicht sein, da ich wegen meiner speziellen Aufgaben eigentlich heute nicht zu patroulieren hätte. Der 1. Sergeant hat den Fehler eingesehen und wollte sich beim nächsten mal daran erinnern. Heute haben wir endlich neue Schuhe bekommen, die wir dringend brauchten. Leutnant Andres hat hier eine Cousine, die in diesem Dorf wohnt. Heute ist Zahltag, das Geld für November wird ausgezahlt.

Freitag, 20.Dezember 1918
Wir bekommen Befehl, weiter in Richtung Rhein zu maschieren, da es hier zu wenig Quartiermöglichkeiten gibt. Man sagt uns, das sei ein Marsch von 9 Km. Wir kommen durch eine schmale Stadt, Sinzig, die mit deutschen militärischen Fahrzeugen vollgestopft ist. Gleich hinter der Stadt sind drei deutsche Flugzeuge, die von unseren Piloten inspiziert werden. Von hier sind es noch einen Kilometer bis zu einem großen Dorf, Kripp, am Ufer des Rheins gelegen, und die Quartierungen sind schon vorgenommen. Die meisten von uns werden in einem großen Schloss einquartiert, während der Rest des Bataillons in den Häusern einquartiert wird. Das Schloss ist bislang noch nie vom Militär besetzt worden und wurde 1914 zu Beginn des Krieges erbaut. Es trägt den Namen „Bethelm“. Es ist ein modernes Gebäude, mit fließendem Wasser in einigen Zimmern. Es gibt dort Bäder, Toiletten, heizbare Öfen und ein großes Solarium, ein Babybett aus Stahl mit Federn, alles wird uns zur Verfügung gestellt. Elf von uns, Corporal Herr und Caldwell, Pvts. Hanby Meiser, Sauer, Jones, Kirsch, Humphries, Childs, McKale und ich selbst besetzen einen Raum in der zweiten Etage, es gibt dort 3 Etagen. In einer Ecke steht eine große Porzellan Waschschüssel für kaltes und warmes Wasser. Neben unserem Zimmer gibt es noch einen kleineren Raum, der besetzt wird mit Corporal Holbrook, Mechaniker May und Frederek, Pvts. Anderson, Johnson, Knox und Ryan.
Von unseren Fenstern können wir den Rhein in 500m Entfernung sehen. Er windet sich mit Krümmungen zwischen den gegenüberliegenden Hügeln. Zwischen uns und dem Fluss gibt es einige Kilometer weiter eine größere flache Häuseransiedlung, die eine andere Stadt erkennen läßt. (Remagen hat circa 3000 Einwohner). Auf dieser Seite von Remagen überquert eine Eisenbahnbrücke den Rhein. Man sieht Erdarbeiten auf einem der Hügel auf der anderen Flußseite zwischen hier und der Brücke. Sieht aus wie eine Einlagerung der Big Bertha mit einer Reichweite von 75 Meilen. Direkt über dem Fluß von Kripp ist ein größerer Ort namens Linz. Kripp hat eine Bevölkerung von 1200. Die beiden Städte sind durch eine Fähre verbunden. Schlepper ziehen flache Boote, Lastkähne, viele hundert Meter in der Länge und geladen, bis nur noch ein paar Zentimeter von dem Schiff über Wasser herausragt. Die beladenen Boote fahren den Fluss hinunter, die leeren fahren den Fluß hinauf. Jeder Schlepper zieht 2-4 Lastkähne und immer im Tandem. Militärische Vorschriften verbieten diesen Verkehr.
Morgen ist Samstag, so werden wir den ganzen Nachmittag mit Waschen verbringen und unsere Patronengürtel und Rucksäcke in Ordnung bringen. Hoffe, wir bleiben hier, bis wir nach Hause zurückbeordert werden. Wir haben einen herrlichen Ausblick, können gut in den Betten schlafen, und der Ofen gibt uns die nötige Wärme. Als Packesel benutzt zu werden ist nicht angenehm, trotz der herrlichen Landschaft hier. Heute haben wir einen Ochsen, eine Kuh und ein Maultier gesehen. Sogar ein Pferd, welches mit einer Kuh zusammen auf dem Feld arbeitete. Nie haben wir 2 Pferde im Tandem gesehen, ein Zeichen, dass Pferde hier selten sind. Die deutschen Kinder hier haben sich genau so verhalten wie die französischen Kinder, sie sind neben uns her gelaufen und haben Pennies erbettelt. Die Leute haben uns höflich und mit offenem Herzen empfangen. Die Freundlichkeit und Unbeschwertheit traf uns im heiklen Gegenteil zu dem Verhalten der Franzosen, die immer Angst hatten, wir würden ihnen etwas wegnehmen. Die Franzosen haben eine feinere Art, eine liebevolle und sind emotionalere Menschen als die Deutschen. Die Deutschen sind fleißig, lieben ihre Heimat und sind ein gebildetes Volk. Ihre Ausbildung wird vollständig von Berlin geleitet und sie lernen ihre so genannte deutsche Kultur, deutsche Macht, ihr Recht und die Überlegenheit mit dem „Bündnis mit Gott“. Der französische Schimpfname für die Deutschen ist „Boche“, dem Sinn nach „Dummkopf“. Auf den Schulen der Deutschen steht immer“ Gott ist mit uns“ oder „Deutschland über alles“. Ich glaube nicht, dass unsere Kompanie diese Lieder gesungen hatte, bis wir hier ankamen. Der Grund war der, dass wir nicht dazu die Laune hatten. In der Kompanie habe ich den Ruf, der beste Maschierer zu sein. Heute ist Post für mich gekommen. 4 Briefe, sie waren Monate lang unterwegs.

Samstag, 21.Dezember 1918
Inspektion am Nachmittag. Wir vom ersten Zug müssen es immer wieder ausstehen, weil unsere Ausrüstungen nicht den Anforderungen entsprechen. Wir müssen bei diesen Inspektionen immer am untersten Level beginnen. Gunner Ward von der 2. Schwadron hatte ein Problem, das uns umhaute. Corporal Herr schickte ihn ins Dorf, dort, wo die Wagen geparkt waren, und er kam zurück ohne Maschinengewehr. Er sagte, dass er es hatte nicht mehr finden können und das ein anderer es wahrscheinlich ergriffen hätte. Da ich dieser Schwadron nicht mehr angehörte, machte ich den Vorschlag, dass ich das Maschinengewehr abholen würde, derweil die anderen mit der Inspektion hätten weitermachen können, aber es wurde von der Schwadron abgelehnt, da die Inspektion anscheinend wichtiger war.
Heute Nachmittag schlendern wir hinunter zum Fluss um uns an der Rheinstrasse mit Hutchens in einem Cafe zu treffen. Es war schon eine Zeit lang her, dass wir miteinander geredet hatten.

Sonntag, 22.Dezember 1918
Schreibe Briefe heute. Man kann Schreibmaterial in jedem der Dörfer in Deutschland kaufen, aber das Limit ist damit schon erreicht.

Montag, 23-24 .Dezember 1918
Kompanie erledigt eine regelmäßige Übungseinheit, welche nur am Vormittag durchgeführt wird. Der Nachmittag ist frei, es sei denn, wir bekommen neue Wachinstruktionen, die jeden vierten Tag anfallen. Ich übe derweil mit meinem Horn, welches einer der Stipendiaten bei einer Wanderung hier gefunden hatte. Wir sind 8 Leute, die ein Horn haben, von jeder Kompanie zwei. Zum Üben gehen wir immer hinunter zum Ufer des Rheins.

Mittwoch, 25. Dezember 1918
Weihnachten, aber man fühlt es nicht richtig, obwohl es gestern etwas geschneit hatte. Wir fuhren heute morgen zum Kirchplatz. Dort in der Dorfschule haben wir Schokolade und Plätzchen bekommen. Gegen späten Nachmittag machten wir hier im Chateau ein Unterhaltungsprogramm mit Weihnachtsliedern. Wir hatten ein paar Hühner eingekauft, und so gab es heute Abend Chicken Dinner. Seitdem wir in Kripp sind, bekommen wir drei Mahlzeiten am Tag.

Freitag, 27. Dezember 1918
Für heute haben wir unser Treffen mit den anderen Einheiten verlegt in einen Stall mit langen Tischen und mit Stühlen bestückt. Am Ende dieser Halle gibt es eine Bühne und in der Tat muss es sich hier um den Unterhaltungstreffpunkt der Bevölkerung handeln. Ungefähr zwei Drittel unserer Kompanie hat heute ihre Weihnachtsgeschenke aus der Heimat erhalten mit vielen Briefen und Karten. Ich hatte leider kein Glück, meine Weihnachtsgeschenke von meiner Familie zu bekommen, eine Lastwagenladung dieser Geschenke ist in Frankreich verbrannt, und ich bin mir sicher, dass meine Geschenke dort auch dabei waren. Heute war der Schnee durch den Regen wieder weg.

Montag, 30. Dezember 1918
Die Zähne von all unseren Männern wurden heute von einer Gruppe von dafür ausgebildeten Offizieren kontrolliert. Meine Zähne sind erstklassig. Männer mit ganz schlechten Zähnen bekommen diese in den nächsten Tagen gezogen. Diese Maßnahmen sind schlecht bei uns angekommen, da viele Zähne bestimmt noch hätten repariert werden können, anstatt sie rauszuziehen. Aber Befehl ist nun mal Befehl. Das gesamte Bataillon traf sich heute wieder auf dem Dorfplatz. Es wurde eine Liste erstellt, um herauszufinden, welche berufliche Ausbildung jeder hatte, um sicher zu stellen, dass bei der Rückkehr in die Staaten die entsprechenden Arbeitsplätze vorhanden sind. Anschließend wurde auf dem Dorfplatz mit deutschen Musikern Lieder gespielt. Die meisten Deutschen können irgendein Lied spielen.

Mittwoch, 1. Januar 1919
Kein Training heute. Es ist ein klarer Tag für eine Veränderung, und ich mache einen Spaziergang am Fluss der zugewandten Seite Remagen. Die Flussufer sind bis unter die Wasserlinie mit Basaltsteinen ausgelegt. Der Flußpegel ist deutlich gestiegen, seit den Regenfällen der letzten Tage. Es ist die Zeit abends früh zu Bett zu gehen, wir bekommen keine Kerzen aus militärischen Gründen. Wenn es ein Unterhaltungsprogramm auf dem Dorfplatz gibt, dann wird es auch schon mal später. Viele von uns gehen ins Bett statt in die Cafes. Meiser ist ein ganzer Kerl, wenn es um das Essen geht. Er ist immer irgendwo im Dorf auf der Jagd nach etwas Essbarem in den Restaurants. Heute Nacht hatten wir ihm einen Streich gespielt. Wir hatten seine Bettsachen mit Stroh gefüllt und mit all dem Unrat, der hier rumlag. Er wird eine schöne Zeit haben, wenn er ins Quartier kommt und im Dunkeln seine Bettsachen ordnen muss.

Freitag, 3. Januar 1919
Auf dem Dorfplatz spielt heute die 166th Infantery Band

Sonntag, 5. Januar 1919
Schreibe Briefe und nehme am Gottesdienst gegenüber des Dorfplatzes teil. Unser Bataillion hat jetzt einen Kaplan, einen ehemaligen Sergeanten von der 166th Infantery. Der Fluß ist über die Ufer getreten, und die Uferstraße ist mit mehreren Stäben gekennzeichnet. Die Straße entlang des Ufers ist ein paar Meter unter Wasser und auch die Gebäude stehen im Wasser.

Montag, 6. Januar 1919
167th Infantery Octet am Dorfplatz. Nachricht vom Tod des ehemaligen Präsidenten Roosevelt. Bataillion in Formation zum Gruße um 04:00 Uhr zu Ehren von Roosevelt.

Dienstag, 7. Januar 1919
Filmvorführungen auf dem Dorfplatz. Die Stromversorgung der Filmmaschinen erfolgt über einen Lastwagen. Die Filme wurden an verschiedenen Orten des Dorfes gezeigt. Die Filmmanschaft zieht zu verschiedenen Orten mit amerikanischen Regimenter, um die Zeit für die Soldaten zu verkürzen.

Mittwoch, 8. Januar 1919
Boxkämpfe auf dem Dorfplatz für uns Männer

Donnerstag, 9. Januar 1919
Ringkämpfe auf dem Dorfplatz für uns Männer

Freitag, 10. Januar 1919
Auf dem Dorfplatz werden Süßigkeiten und Kekse verkauft, aber das hält nicht den ganzen Tag an. Rainbow Sheldon hat sich mit Rotwein betrunken. Die Patrouillen haben ihn verhaftet, aber sie ließen sich viel Zeit dabei.

Samstag, 11. Januar 1919
Inspektion am Vormittag. Am Abend spielt die 168th Infantery Band auf dem Dorfplatz. Wurde heute zum Hornisten ernannt.

Sonntag, 12. Januar 1919
Schönes Wetter, noch kein Schnee. War in der Kirche gewesen am Dorfplatz und anschließend einen Kuchen gekauft. Wenigsten heißt es Kuchen aber ich würde es eher einen verkrusteten Tortenboden nennen mit Marmeladenfüllung. Es ist mit der einzige essbare Artikel, den man hier unbedenklich kaufen kann. Zuckerbrot mit Marmelade, Möhren mit schwarzen Beeren, die hier in einer Fabrik hergestellt werden. Die ersten Tage, wo wir hier waren, gab es einen kleiner Metzgerladen. Das meiste Fleisch dort war gewöhnungsbedürftigt und das Fleisch war stets mit Blut gemischt. Wir hatten es versucht, zu essen, aber unser Magen streikte. Kurze Zeit später wurde der Verkauf von Fleisch an uns von den Deutschen verboten, auch andere Lebensmittel durften an Soldaten nicht mehr verkauft werden. Der Grund war der Mangel an Lebensmittel für die Deutschen selbst.

Dienstag, 14. Januar 1919
Seit langer Zeit wieder Post bekommen. Alfred ist sehr krank und Roma ist gestorben.

Mittwoch, 15. Januar 1919
Ein Bischof aus New York war heute auf dem Dorfplatz. Nach der Predigt brachte ich Parks nach Ahrweiler zum dortigen Hauptquartier. Parks ist eigentlich der Chauffeur vom Major und fuhr einen alten Ford. Auf dem Weg nach Ahrweiler kam ich durch Neuenahr, wo die Divisional Supply Base stationiert ist.

Donnerstag, 16. Januar 1919
Heute vormittag mit dem Horn geübt, anschließend einen Spaziergang nach Sinzig gemacht. Wir durften eigentlich ohne einen Passierschein dort nicht hin, aber wir hatten uns nie die Mühe gemacht, einen zu beantragen. Kaufte dort drei Ringe als ein Souvenier. Auf dem Rückweg, am Ortsrand von Sinzig, kam plötzlich eine Kompanie auf mich zu. Ich duckte mich hinter einer Hecke an der Seitenstraße. Ich ging duckend hinter dieser Hecke entlang, die ein Feld von 3 bis 4 ar umspannte. Ich kam dann wieder auf die Straße zurück, und an der Ecke der Hecke stand dann plötzlich der Anführer der Kompanie neben mir, der mit seinen Leuten etwas besprach. Ich konnte mich gerade noch abwenden und an der Hecke warten, bis die Truppe in Richtung Sinzig weiterging.
Aus obiger Zeichnung sieht man die verschiedenen Positionen einzelner Armeen und die neutrale Zonen die entlang des Rheins von den Alliierten ausgekleidert sind. Die Brückenköpfe werden aus den drei großen Städten Köln, Koblenz und Mainz mit einem Durchmesser von 30 Km überspannt. Die neutralen Zonen haben auch einen Durchmesser von 30 Km. Keinen deutschen oder amerikanischen Truppen ist es erlaubt, in diese neutralen Zonen zu gehen. Bei Widerständen und Kampfhandlungen ist es den Alliierten allerdings erlaubt, überall hinzugehen. Dieses entspricht den Bedingungen der Besatzung. Jede Kompanie in allen Divisionen haben bestimmte Positionen ausgewählt für einen plötzlichen Angriff. Im Falle eines Angriffs, unser Major General Bn. wird sich auf die vorher festgelegten Positionen zurückfallen lassen auf die Höhen nahe der Stadt Sinzig, dort, wo die Infantry ihre Positionen aufgebaut hat. Jedes Bataillion und Regiment ist so einquartiert, dass sie in kürzester Zeit zu Stelle ist, wenn es irgendwo mal Ärger gibt. Natürlich glauben wir alle nicht, dass es dazu mal kommen wird.
Vor einigen Tagen hatten die Infanterie und die Artillerie eine Schein Attacke angesetzt. Die Artillerie von einem Hügel zwischen hier und Remagen, ein Stück weg vom Fluss, vorangetrieben von ihren Positionen über die Felder in Schlachtordnung bis Kripp zum Flussufer. Der Deutsche wusste nicht, was los war, die Hände ringend weinten die Frauen und die alten Leute hatten Angst. Es war Sport für uns. Verdammt, lasst sie einmal Angst haben, sollen sie ihre Medizin nehmen. Wenn es sie nicht geben würde, bräuchten wir nicht hier zu sein, wären zu Hause bei unseren Familien. Aber so wie es ist, wir sind hier in diesem Gott verlassenen Nest, wo man nichts kaufen kann, nichts essen und wo es keinen Platz gibt, wo man sich amüsieren kann. Wir müssen diese Zeit vorbei gehen lassen. Ein neues Lied wurde hier geboren „Alles was wir haben ist eine Heimat am Rhein“. Es ist für uns ein populäres Lied, weil wir so fühlen, und wir singen es mit trauriger Melodie. Meiser, der Kerl, startet jeden Tag nach dem Aufwachen mit dem Spruch “ Einen Tag näher an Zuhause“. Obwohl wir abends früh zu Bett gehen und morgen um 07:00 Uhr aufstehen, mögen wir nicht aufstehen. So singen wir denn das Lied von dem gekillten Trompeter, ein sehr beliebtes Lied. Ich brauche morgens an den Drillübungen nicht teilnehmen. Meine Kameraden hassen diese Übungen, auch wenn sie nur einen Teil des Vormittages ausmachen. Wir haben Sehnsucht etwas zu essen, etwas Süßes. Wenn man uns nur zum Dorfplatz schicken würde, es würde uns helfen. Man brachte uns Schreibpapier, Zeitungen und Bücher. Die Zeitungen sind voll mit dem Kriegszeug, wir wollen das nicht mehr lesen. Natürlich müssen wir hier in unseren Quartieren die Kriegszeit überstehen, aber es gibt hier nichts mehr zu erzählen, es sei denn, es kommen neue Gerüchte. Vor einigen Tagen kamen Unmengen an Pferde hier nach Kripp von Divisionen, die ihre Heimatreise antraten. So denken wir, dass auch unsere Heimreise bald kommt, sobald die Pferde weg sind. Aber nun wird unsere Artillerie neu ausgestattet mit Traktoren zum Transport unserer Waffen, und wir bleiben hier bis zum Rest unseres Lebens.
Sehr oft bekommen wir auf dem Dorfplatz die Zeitungsausgaben des New York Herald und der Chicago Tribune, die für uns als Kontakt zur Außenwelt dienen. Die Deutschen haben aufgehört, uns zu unterstützen, keine Musik auf dem Dorfplatz, ich weiß nicht warum, aber ich weiß, dass es für die deutschen Jungen und Männer kaum noch Platz auf dem Dorfplatz gab. Neulich hatten wir die älteren Jungen auf dem Dorfplatz mit Stöcken geärgert, und jetzt geht keiner der Deutschen mehr dort hin. Nun, wir leben mehr nach den Armeeregeln und dürfen mit den Deutschen keine Verbindungen aufbauen, jedenfall so wenig wie möglich. Bei den gleichen Regularien ist es den Deutschen verboten, nächtliche Treffen abzuhalten, egal welcher Art. Auch tagsüber dürfen sie es nicht, außer der Besuch in der Kirche. Mehr als drei Deutsche zusammen auf der Straße ist verboten, und sie bekommen Passierscheine von unseren Büros, wenn sie das Dorf verlassen wollen in Richtung der neutralen Zone. Absolut alle Waffen müssen den Alliierten abgegeben werden während der Besatzungszeit. Jeder Haushalt hat eine Liste, wo draufsteht, welche Personen in dem Haus wohnen. Wir haben keine Probleme mit den Deutschen, da sie diese Vorschriften beachten. Ich glaube nicht, dass der Krieg einen Einfluss auf die „Kinderbettelei“ hatte, aber du kannst mir glauben, sie brauchen und suchen Schuhe. Während die Kinder spielen in den Pausen habe ich alle Arten von Schuhwerk bei ihnen gesehen. Jungen und Mädchen, im alter von 8-10 Jahren, tragen die Schuhe ihrer Mutter oder des Vaters. Alte, abgenutzte mit schweren dicken Sohlen aus Holz mit Oberteil aus Leder. Schuhe von ihren älteren Brüder und Schwester, unpaarige Schuhe vielleicht von demselben Fuss, die Fersen meist abgenutzt. Kein Kind trug Holzschuhe in der Schule und auch ältere Menschen hier tragen keine Holzschuhe.
Jeden Freitagnachmittaggehen die Lehrer mit den Kindern wandern, immer in geordneten Reihen. Sowohl die Jungen als auch die Mädchen singen beim wandern. Selbst ihre Spiele haben den Anschein einer militärischen Formation. Schon von Geburt an werden sie gelehrt an eine Ordnung und um ihr Vaterland zu verteidigen. Das hatte den Ursprung der alten Regierung unter Kaiser Wilhelm, wo ein uneheliches Kind kostenlos eine Ausbildung erhielt, als Säugling schon, später mal ein guter Soldat zu sein. Die Jungen wurden erst freigegeben, wenn sie ein bestimmtes alter erreicht hatten. Uneheliche Mädchen wurden auf die gleiche Weise aufgenommen. Sie wurden gelehrt in Näh-, Pflege- und Reinigungsservice. Alles Militarismus nach dem Motto „Deutschland über alles“. In Kripp werden die Nachrichten und die Verordnungen der alliierten Armee durch einen Ausrufer bekannt gegeben, statt Zeitungen. Er geht durch das Dorf, läutet seine kleine Glocke an jeder Ecke, um seine Nachrichten zu erzählen. Wie ich hier ankam, hatte ich eine Kripper Frau, die mir die Wäsche machte, aber ich glaube nicht, dass sie diese Wäsche gekocht hat oder irgendein Seifenstück verwendet hatte. So wasche ich meine Wäsche jetzt selber. Jeder Offizier wird, wenn er an der Reihe ist, nach Frankreich für drei Wochen in ein Trainingslager gesteckt. Ein Leutenant von der S.O.S wurde uns geschickt uns taktische militärische Dinge in Trainingseinheiten zu unterrichten, aber er war nicht sehr geeignet für so etwas. Er war nie an der Front, und er hatte den gleichen Level wie unsere Kameraden hier. Major Winn hat seinen Auftrag als Oberstleutenant erhalten und Captain Peacock von einer anderen Kompanie des Bataillions.

Donnerstag, 16. Januar 1919
150. Artillerie-Saxophon Sextett auf dem Dorfplatz. Höre das Lied „Jada“ zum ersten Mal.

Freitag, 17. Januar 1919
Na, wenn wir heute auf dem Dorfplatz keine Süßigkeiten bekommen, dann werden sie liberal

Samstag, 18. Januar 1919
Heute ist Zahltag und das obligatorische Trinken. Einige von uns machen den Tag zur Nacht, wenn Zahltag ist. Aber es gibt hier nicht viel zum Trinkgelage. Ich habe noch nie gesehen, dass hier Soldaten alkoholische Getränke dabei hatten, wenn sie zur Front gingen. Französische, Britische und Deutsche werden meistens mit Bier versorgt. Habe ich überhört, das sie nicht betrunken werden, wie die amerikanischen Soldaten. Wir bekommen unser Geld in Deutsche Mark statt Franc. Vor dem Krieg war die Mark noch 24 cents wert, jetzt sind es nur noch 8 cents. Einige von uns haben Passierscheine um einige Meilen rheinabwärts mit dem Zug zu fahren, nach Bonn. Bonn ist ein britischer Brückenkopf und wird von Kanadier besetzt. Die kanadische Division befindet sich neben der 42th Dvision auf der linken Seite.

Sonntag, 19. Januar 1919
Auf dem Dorfplatz führt Chaplin eine Singschule vor.

Montag, 20. Januar 1919
Teile unserer Kompanie fahren mit Passagierschein nach Koblenz. Unser Bataillion bekam heute neue Maschinengewehre und Pistolen der Marke Browning. Diese Waffen haben noch die alten Stempel des 339th Machine Gun Regimentes und der 85th Division. Ein Teil unserer Männer mag die neuen Waffen, aber für die meisten von uns sind sie zu kompliziert.

Dienstag, 21 Januar, 1919
Teile unserer Kompanie mit Passagierschein nach Bonn. Heute bekam ich meine Box mit den Weihnachtsgeschenken. OK.

Mittwoch, 22 Januar, 1919
Hornist Walker ist krank. Regierung startet jetzt regelmäßig die Lieferung von Süßigkeiten, Kaugummi, Tabak und Cookies.  Diese Lieferungen sollen jetzt öfter die Woche durchgeführt werden. Einge Sergeanten von uns werden den Verkauf jetzt besser organisieren, und wir freuen uns, jetzt diese Sachen hier zu bekommen.

Donnerstag, 23. Januar, 1919
Wir üben eine Bataillion Parade für den Besuch des Generals in einigen Tagen. Wir haben nun einen neuen General bei S.O.S., einer, der von unserem alten General vorgeschlagen wurde und hier bei uns die Sachlage überprüfen möchte.

Freitag, 24. Januar, 1919
Post ist heute gekommen. Unsere Kompanie erhält eine Ausgabe von Kaugummi, Kekse und Marmelade. Die Sergeanten teilen die Sachen gruppenmäßig auf, und jeder zahlt dann seinen Anteil.

Freitag, 31. Januar, 1919
Heute war die Parade für den neuen General. Das 150th Machine Gun Bataillion wurde überprüft und von Generalmajor Fauser bewertet.

Donnerstag, 6.Februar, 1919
Die Zeit geht schrecklich langsam voran. Die Veranstaltungen auf dem Dorfplatz werden weniger und die Abstände zwischen den Veranstaltungen werden immer länger. General Pershing hat eine Liste aller Divisionen aufgestellt, die mit Schiffspassagen nach Hause transportiert werden und auch die Monate, wann diese Rückkehr stattfinden soll. Der Monat für unsere Division ist April. Wird April jemals kommen? Nun, jetzt werden sicher die Gerüchte verstummen, wann die Rückkehr erfolgen wird. Aber erst in zwei Monaten? Muss darüber nachdenken.
Einige meiner Kameraden sagten, sie würden lieber wieder in die Schützengräben gehen, so wie damals in der Ausbildung im vergangenen Winter an der lothringischen Front, als in diesem Loch in Kripp. Es gibt kaum einen Mann hier, der nicht müde, krank und einsam ist, von dem Leben hier. Natürlich wissen wir, dass wir nicht alle gleichzeitig nach Hause kommen können. Da sind wir uns alle einig, wir sind vereint, bis auf den letzten Mann hier bei der AFE. Von Beginn an mit der Armee zu leben war ein Aussonderungsprozess. Zuerst werden die Drückeberger aussortiert, dann die, die nicht wollen, dann diejenigen, die vorgeben kranke Füße zu haben, nicht marschieren zu können. Aber jetzt wissen wir, dass es bald nach Hause gehen wird.
Heute ist das Fußballspiel unserer Division gegen die Mannschaftder vierten Division bei Koblenz. Ein Dutzend von uns, mich eingesclossen, erhalten Passierscheine, um mit dem Lastwagen, der unsere täglichen Rationen transportiert, in Richtung Koblenz zu fahren. Wir verließen Kripp um 08:30 Uhr aber einige Kilometer hinter Sinzig brach unser Lastwagen zusammen. Ich hatte das Glück, auf einen anderen Lastwagen umzusteigen, und so erreichte ich Koblenz. Koblenz ist 32 Kilometer von Kripp entfernt. Am Vormittag ging ich mit Knox noch etwas durch die Stadt und am Nachmittag gingen wir zum Fußballfeld südlich der Stadt am Flußufer. Ein Sergeant unser Kompanie hat in der Manschaft mitgespielt, aber wir haben das Spiel verloren. Am Abend haben wir auf dem Platz unser Abendessen bekommen. Wir wurden von deutschen Kellnern bedient. Anschließend haben Knox und ich noch die Räume des Roten Kreuzes besucht, und wir erhielten dort einen Pullover mit Aufdruck. Um 22:00 war das Fest dann zu Ende und wir bekamen gerade noch den letzten Lastwagen, der uns nach Sinzig fuhr. Von dort gingen wir dann zu Fuß zu unseren Quartieren nach Kripp.

Freitag, 7 Februar, 1919
Die Hälfte unserer Kompanie, mich selbst eingeschlossen, machen heute eine Bootsfahrt auf dem Rhein. Auch die drei anderen Kompanien erhielten Passagierscheine und circa die Hälfte aller nahmen an der Bootsfahrt teil. Jeder Offizier hat die Verantwortung für seine eigene Kompanie. Es gibt keine Anlegestelle in Kripp, so dass wir bis Remagen marschierten mussten. Abfahrt des Bootes ist 08:30 und wir mussten uns beeilen, da wir uns vorher noch für das Mittagessen eintragen lassen mussten. Das Boot ist ein Ausflugsboot, wo man das Deck aufschieben konnte , gedacht für Touristen, die hier in großer Zahl solche Fahrten genießen, vor allem ausländische Touristen. Das Schiff wird von einer deutschen Besatzung betrieben und für unsere Tour sind einige amerikanische US Mariners an Bord um zu sehen, dass die alliierten Sicherheitsvorschriften ausgeführt werden.
Alle zwei bis drei Kilometer sehen wir Ortschaften auf jeder Seite des Flusses, Brücken gibt es nur in irgendwelchen Städten. Eine Eisenbahn gibt es auf jeder Seite des Flusses. Der Fluss ist einige hundert Meter breit und hier und da gibt es eine kleine Insel in der Mitte des Stromes. Wir sehen viele malerische und historische Sehenswürdigkeiten, aber am meisten interessierte uns der mittelalterische Prinz auf seinem Pferd und die alten Stellungen der Schlacht von Napoleon, wo er gezwungen wurde über die alte Festung Ehrenbreitstein wieder zurückzukehren, direkt gegenüber des Rheins in Koblenz, wo die Mosel in den Rhein mündet. Obwohl, es tat gut die amerikanische Flagge dort im Wind wehen zu sehen, vor allem durch die Prahlerei von Kaiser Wilhelm. An der Einmündung der Mosel steht an der alten Festung dieses Monument des Kaisers Wilhelm mit seinem Pferd. Ein amerikanischer Soldat bewacht dieses Monument, da einige Tage zuvor ein amerikanischer Soldat schüße auf den Kopf des Kaisers abgegeben hatte um die Härte des Materials zu prüfen.
Eine amerikanische Ponton Brücke über den Rhein verbindet beide Ufer und der Verkehr ist auf Soldaten beschränkt.
Ein paar Kilometer hinter Koblenz dreht unser Boot und wir fahren an dem steilen Berghang westlich des Ufers zurück, an eine der vielen Burgen des Kaisers. Diese Burg heißt Stolzenfels. Ein gutes Mittagessen wurde uns im Speisesaal von deutschen Kellnern serviert, mit Fleisch belegte Brötchen, Kekse und Kakao. Gegen 15:30 kamen wir wieder in Reamgen an. Es war ein klarer Tag mit etwas rauhem Wind.

Eine amerikanische Armee Platoon Brücke verbindet die Festung Koblenz mit derzeit wird der Verkehr auf Soldaten beschränkt. Ein paar Kilo über Koblenz unser Boot dreht sich um und zurück, bis an einem steilen Berghang am westlichen Ufer ist eine der vielen Burgen Kaisers, wird dieser ein Stolzenfels genannt. Ein gutes Mittagessen mit Fleisch belegte Brötchen und Kekse und Kakao wird von den deutschen Kellner im Speisesaal serviert. Kommen Sie zurück in Remogen auf 15.30 Uhr Es war ein klarer Tag, aber mit ein rauer Wind.

Samstag, 8.Februar 1919
Inspektion wie gewohnt. Es war Zahltag heute. Die Armeevorschriften besagen, dass vor dem 10. eines jeden Monats die Bezahlung der Soldaten zu erfolgen hat. Jeder hat ein Soldbuch, und wer am Zahltag nicht anwesend ist, bekommt seinen Sold später unter Vorzeigen des Soldbuches von einem Officier oder Sergeanten ausgezahlt, egal wo man sich gerade befindet. Seargent Deets bekam heute einen Orden von der Regierung für seine Tapferkeit im Einsatz in Belgien. Captain Means hat diese Ehrung vor der Division vorgenommen.


Sonntag, 9.Februar 1919
Briefe geschrieben. 168th Infantery Band spielt auf dem Dorfplatz

Dienstag, 17.Februar 1919
Der Kaplan erzählte uns heute die Geschichte von einem Soldaten in Toul und Nancy, der dort sein Gepäck hatte liegen gelassen. Er kämpfte dort am 22. Februar im Schützengraben. Meiser wusste die Details.


Donnerstag, 27.Februar 1919
Wir erhalten Passagierscheine für einen Ausflug nach Köln am Rhein. Der Grund für diesen Ausflug ist, uns etwas die Zeit zu vertreiben und uns die Monotonie des Alltags etwas vergessen zu machen. Statt der vielen Sehenswürdigkeiten wollen wir lieber unsere Freiheitsstatue wieder sehen. Wir wollen das ganze Land hier noch nicht mal als Geschenk, Frankreich auch nicht. Was immer wir auch machen, diese schönen historischen Sehenswürdigkeiten interessieren uns nicht so sehr. Es ist nichts zum Vergleich des Elends, der Qualen, Verwüstung, des Schreckens und des Todes beim Anblick des Krieges. Diese historischen Sehenswürdigkeiten aus längst vergangener Zeit haben keinen Einfluss auf uns alle hier, da die Wirklichkeit der Krieg ist. Vielleicht sehen wir unsere Rolle in dieser historischen Welt etwas anders, später, wenn wir wieder Zuhause sind.
Wir passieren Rolandseck , wo die 166th Infanterie einquartiert ist. Hier beginnt das britische Territorium mit den kanadischen Soldaten. Bad Honnef und das Wunder der sieben Berge, Bonn, eine große Stadt, das Zentrum der riesigen Zeigelschornsteine säumen den Fluß. Hier gibt es private Schulen und viele Landhäuser. Hier gibt es Aktivitäten aller Art, viel mehr als unten in Koblenz.
Dann Köln, eine große Stadt mit flachen Häusern, unterbrochen von Kathedralen, Kirchen und öffentlichen Gebäuden. Vor allem die Kathedrale mit ihren steilen Spitzen fesseln uns für einige Minuten.
Gegen 16:00 Uhr sind wir wieder zurück in Kripp. Meiser hat einen Brief von zu Hause bekommen, war nur 2 Wochen unterwegs, Rekordzeit, das war noch nie.


Sonntag, 9.März 1919
Heute hatten wir ein Basketballspiel unseres Tems gegen das 168th Bataillion für die Meisterschaft unserer Division. Wir haben 28-10 verloren. Am Abend konnten wir uns das Spiel auf der Leinwand auf dem Kripper Dorfplatz nochmal anschauen.

Dienstag, 11.März 1919

Den schönen sonnigen Tag haben die Landwirte genutzt, um ihre Felder zu pflügen. Kurz nach dem Abendessen kam Sergeant Drawbaugh auf unser Zimmer, auf der Suche nach Wegbegleiter für das Basketballspiel in Andernach zwischen unserem Team und einer Abteilung der 3.Division. Ein Lastwagen voll mit unseren Leuten gehen dorthin. Die 42th Division gewann das Spiel mit 26:28. Albert Cunningham ist in der 7th Infantery der 3. Division, und ich hatte gehofft, ihn beim Spiel zu treffen, da er in Andernach stationiert ist. Wir hatten uns nicht gesehen, zumal wir nach dem Spiel gleich wieder zurück nach Kripp fuhren.

Mittwoch, 12.März 1919

Zahltag

Donnerstag, 13.März 1919

Auf dem Dorfplatz in Kripp das Bataillion Minstrel Show Tweet-TWA. Meiser ist hingegangen

Sonntag, 16..März 1919

Seit einigen Tagen bringen wir unser Quartier auf Vordermann. Wir haben Reinigungs- und Poliermittel bekommen, um in Bereitschaft für eine Inspektion des Generals John J. Perching zu sein.
Unsere Ausrüstung soll einer Inspektion unterwofen werden und alles wird gesäubert, damit alles in bester Ordnung ist, wenn „Black Jack“ durch die Quartiere geht. Die größte Aufmerksamkeit soll aber unserer Kleidung gelten. Der Major versucht alles, dass die Präsentation erfolgreich wird, alle unsere Uniformen und Mäntel wurden gebügelt. Des weiteren wird sichergestellt, dass alle Armstreifen, Abzeichen und Bereichsleiterinsignien ordnungsgemäß vorhanden sind. Viele dieser Überprüfungen haben auch in anderen Bataillionen in den letzten Tagen stattgfunden, um ein einheitliches Bild abzugeben.

Nun endlich, der Tag ist gekommen, wo General Pershing nach Kripp kommt. Ein kalter, feuchter und kühler Tag, aber wir haben Glück, dass die Empfangstruppe hier an den Wohnungen entlang des Rheinufers stehen muss, und so haben wir nur einen kurzen Weg im Gegenzug zu anderen Bataillionen, die einen längeren Weg machen müssen. Es wurden keine Pferde oder zu ziehende Geräte überfrüft, es gilt nur die Inspektion des Soldaten. Bis 10:00 sind wir alle positioniert, der Empfang ist für 11:00 angesagt, soweit die Gerüchte es sagen.
Seit 08:00 Uhr sind die Truppen unterwegs zu ihren Empfangsstellungen. Unser Bataillion ist schon um 09:00 aufgestellt und marschiert über den Paradeplatz um sich als letztes Bataillion zu positionieren. Die Gesichter der ersten Reihe sind nach vorne gerichtet, links die Reihen stehen in einem Abstand von zwei Meter gegenüber. Am Ende der Reihe kommt dann Generaql Pershing, der Kommandeur der amerikanischen Besatzungsarmee gefolgt vom kommandierenden General des gesamten Army Corps, dem General unseres A rmy Corps sowie die Kommandoführer der Regimenter und Bataillione und den Captains. In der Wartezeit dürfen wir uns bewegen und uns umdrehen, aber nicht die Position verlassen. Die Truppen der Hauptquartiere stehen etwas höher zum Fluß, da wo die Wohnhäuser stehen. Es ist 11:00, es ist 12:00 und kein General Pershing. Wir bewegen uns etwas, um uns warm zu halten. Warum in der Welt kommt er denn nicht, und wenn er am Nachmittag kommt, warum stehen wir denn schon so früh hier. Dieser Besuch des Generals soll der erste Schritt unserer Heimreise sein, und wenn dieser Tag schon so schlecht in der Zeit organisiert ist, wie wird das denn aussehen, wenn wir den Rückzug aus Deutschland antreten sollen.

Mehrere kleine Gruppen von Zivilisten sind hier und da auf den höher gelegenen Flächen versammelt um General Pershing persönlich zu sehen. Um 13:00 ertönt ein Hornsignal von der HDG Truppe, welches jetzt unsere Aufmerksamkeit erfordert. Wir hören die Stimmen der Kompaniechefs und sehen, wie eine Limousine vor uns auf der Straße erscheint. Der Trompeter bläst den Ruf: „DerGeneral“. General Pershing montiert sein Lieblingspferd, einen weißen Schecken, genau, wie es die anderen Generäle auch tun. Dann reitet er im schnellen Galopp um die Außenseite der Division, während die HDG Band Musik spielt. Dann beginnt am anderen Ende die Inspektion. Insgesamt gibt es elf Musikeinheiten, es wird ohne Unterbrechung gespielt.

Um 15:30 erfolgt die Inspektion bei uns. General Pershing beeilt sich, es gibt bei jedem Regiment nur ein oder zwei kurze Stopps, um den Männern Fragen zu stellen, wie schnell sie antworten und wie qualitativ die Antworten sind. Der General lobt die Ordentlichkeit des Machine Gun Bataillions und erklärte dem Captain, dass es das ordentlichste Bataillion gewesen ist, dass er bislang gesehen hatte. Die Inspektion ist um 4:00 beendet. General Pershing steigt auf die Ballustrade eines Gebäudes und hält eine 10 minütige Rede. Er lobte unsere Division und bekräftigte unseren Anteil, diesen Krieg gewonnen zu haben, und er versprach, dass wir alle bald nach Hause kommen werden. Wir bedankten uns bei dem General und sagten ihm, das es das gewesen ist, was wir hörten wollten. Oh, boy, wir waren glücklich. Was für ein wunderbarer Tag. Damit löste sich die Ansammlung auf, alle traten den Heimweg an. Manche hatten nur ein bis zwei kilometer zu marschieren, so wie wir, andere kamen erst gegen morgen an. Und waren sie alle glücklich? Ja, der General sagte, wir kommen jetzt alle nach Hause, nur das zählt für uns. Jetzt haben wir Hunger wie ein Bär, und es tun uns diejenigen leid, die erst morgen früh etwas zu essen bekommen.

Montag, 17..März 1919

Heute ist unsere Division der S.O.S übertragen worden, als Vorbereitung für den Rückzug. Wir sind zwar nur „technisch“ in der S.O.S eingegliedert, aber das hindert uns nicht zu sagen:“ Wer gewann den Krieg – die S.O.S.“ In den Zeitungen lesen wir, dass die Bevölkerung von Frankreich, England und den Vereinigten Staaten jeder für sich beansprucht, den Krieg gewonnen zu haben. Sogar hohe Regierungsbeamte dieser Staaten kommen mit irgendeiner Aussage daher, diesen Krieg gewonnen zu haben. Das ist eigentlich zu einfach und dümmlich. Tatsache ist, dass keine von zwei Nationen die Möglichkeit hatte, den Krieg zu gewinnen, ohne eine dritte Nation. Es darf wahrlich bezweifelt werden, dass die Franzosen und die Engländer es ohne die Amerikaner alleine geschafft hätten. Die deutschen Truppen waren gute Kämpfer im Stellungskrieg bei Massenangriffen, aber auch bereit, gerne ihren eigenen Hals zu retten. Was uns Amerikaner angeht, da sollen andere richten.
Saver und ich gingen zum Dorfrand um zu helfen, die Esel und Pferde von Läusen zu befreien. Dazu standen Bottiche voll Wasser bereit, und wir schrubbten sie ab. Die Tiere konnten an die belgische Regierung verkauft werden, und deshalb wurden alle Tiere unserer Division nach hierher gebracht.
Die Bottiche sind so schmal, dass sich die Tiere darin nicht drehen können. Hinter dem Bottich müssen sie eine Rutsche runter und bis an das andere Ende schwimmen. Die Rutsche ist an beiden Seiten eingezäunt, damit sie nicht entfliehen.


Dienstag, 18.März 1919

Seit einiger Zeit hat sich Ahrweiler, wo unser Hauptquartier ist, als Sonderstelle für unsere Division entwickelt. Jeden Tag bekommen einige von uns Passagierscheine, um mit den Versorgungswagen einzelne Stellen anzufahren. Letzte Nacht wurde ich von Knox geweckt. Knoy kam gerade von Ahrweiler zurück. Die Schießerei fand in dem Moment statt, wo er in Kripp ankam. Als ich dann heute morgen wach wurde, wusste ich nicht, ob ich geträumt hatte oder nicht, deshalb sprach ich mit meinen Kameraden über den Vorfall. Niemand wusste etwas von der Ankunft Knox in der Nacht. Ich ging zu Knox an das Bett, weckte ihn, um herauszufinden, was geschehen war. Kieth starb in dem Ambulanzwagen auf dem Weg ins Krankenhaus nach Ahrweiler. Wir waren noch am essen, als die Wache Spangler nach unten in die Küche brachte. Er fragte:“ Was haltet ihr jetzt von mir?“ und niemand hatte die geringste Symphatie für ihn. Kieth hatte ihn geärgert wegen eines alten, rothaarigen deutschen Weibes, dem er freundlich gesonnen war und Spangler, ungebildet und voller Temperament schoß ihn nieder. Das rothaarige Weib hatte ihren Mann im Krieg verloren.
(Spangler wurde von einem Gericht zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Spangler wurde von dem Wachpersonal unseres Bataillions gefangen gehalten, bis wir Brest in Frankreich erreichten, wo er übergeben wurde an die Leitstelle in Fort Leavensworth, Kanas.)
Heute hatte es geschneit. Der erste Schnee seit Weihnachten.


Freitag, 21.März 1919

Die letzten drei Tage hat es ständig geregnet und geschneit. Der Schnee schmolz, sobald er den Boden berührte. Heute gab es in Kripp eine Hochzeit. Man konnte frei seinen Kaffee trinken, alle waren heute etwas unbekümmerter als sonst. Man kann hier eine Beerdigung sehr schwer von einer Hochzeit unterscheiden. Natürlich fehlt der Sarg, aber die Leute tragen alle schwarze Kleidung. Nach der Hochzeit wurde ausgiebig getrunken.

Samstag, 22.März 1919

Statt einer Inspektion wurde heute vormittag geprüft, woran es den Soldaten fehlt und was wir nicht mehr gebrauchen.

Sonntag, 23.März 1919

Ein schöner sonniger Tag. Ein Teil unserer Truppe auf einer Flußfahrt auf dem Rhein. Heute Nachmittag hat ein älterer deutscher Fotograf ein Bild von mir gemacht. In einem Gebäude mit Duschen und Badewannen konnten wir uns heute mit warmen Wasser baden. Wir mussten unsere Pistolen und Munition abgeben, wegen der Schießerei mit Kieth. Red Layman hatte vor einigen Tagen in betrunkenen Zustand fast einen Deutschen erschossen. Die Alabahma Jungs in Sinzig haben wild um sich geschossen, nur um einige Deutsche in heißem Wasser zu halten. In Koblenz kamen einige Amerikaner mit Deutschen in Streit, und einige Deutsche wurden erschossen. Unsere Leute werden langsam ruhelos, da sie wissen, dass sie ohne die Deutschen schon Zuhause sein würden, aber wenn man die Umstände betrachtet, kommen die Truppen und die Deutschen gut miteinander aus.
Die Provinz zwischen dem Rhein, Frankreich und Belgien heißt Rheinland. Hier haben die Menschen weniger Sympathie für den Kaiser und seinen Anhang, als in jeder anderen Provinz. Es gibt ernsthafte Gespräche, Rheinland zu einer separaten Republik zu machen, nachdem der Kaiser nach Holland geflohen ist. „Deutschland über alles“ und ihr Hass gegen die Franzosen ist immer noch akut, sie sind arme Verlierer, und sie warten sicher auf eine Chance, in Frankreich wieder einzufallen. Eine Republik ist nie eine Kriegsmaschine, so, wie es eine Monarchie ist. Wir haben die Friedenskonferenz mit Neugierde verfolgt. Wilson verhandelt hart, um die Freidensbedingungen anzuerkennen. Wir wissen nicht, wie die Friedensbemühungen Einfluss haben werden, für unsere Rückkehr in die Heimat, und wir werden das Gefühl nicht los, dass es eher länger dauern wird, als kürzer.
Kirche und Filmabend auf dem Dorfplatz.

Montag, 24.März 1919

Überprüfung unserer Halfter. Körperliche Überprüfung unten in einem Gebäude an der Straße am Fluss. Es schneit fast den ganzen Tag, aber der Schnee schmizt so schnell, wie er gekommen ist. Aus irgendeinem Grunde wurde unser Quartier die letzten Tage nicht beheizt. So gehen wir ins Dorf, um etwas Koks zu sammeln und Treibstoff zu kaufen. Treibstoff ist knapp und wurde pro Haushaltsvorstand knapp ausgeteilt.
In Kripp gibt es einen kleinen geschrumpften Engländer mit einer kleinen geschrumpften deutschen Frau, die hier seit 9 Jahren miteinander leben. Sie haben ein Kind, ein Junge, 4 Jahre alt, der Liebling unserer Soldaten. Er kann nicht englisch sprechen, aber wir bringen es ihm bei, als würde ein Papagei englisch sprechen. Der Vater ist so eine Art Hauptbuchhalter und Manager in einer Kripper Fabrik.

Dienstag, 25.März 1919

Heute wieder Schnee, vermischt mit Regen. Teile des Battaillions gehen in andere Orte, um dort Vorstellungen zu geben. Meiser ist heute geimpft worden, andere kommen morgen dran. Wir müssen alle hier geimpft werden, bevor wir nach Hause können. Meiser ist durch die Impfung krank wie ein Hund geworden, und Jones macht sich lustig über ihn.

Mittwoch, 26.März 1919

Schon wieder Schnee und Regen. Die Truppe wird heute nach der Größe der Männer gerichtet. Die größten stehen an der Spitze die Kleineren dahinter. In dieser Formation werden wir bald nach Hause marschieren. Viele bekommen noch vor dem Zubettgehen ihre Impfungen, viele sind krank einschließlich Jones, der am meisten belächelt wird.

Donnerstag, 27.März 1919

Fast jeder ist krank an diesem Morgen. Vielleicht ein Dutzend fühlen sich ok, mich eingeschlossen. So haben wir heute das gesamte Frühstücksbuffet für uns alleine. Humpreys und ich gehen heute alleine nach Sinzig, um uns einige Souvenirs zu kaufen.

Freitag, 28.März 1919

Schneeregen, Platzkonzert auf dem Dorfplatz. Heute bekomme ich meine bilder, die der Fotograf für mich entwickelt hatte.

Samstag, 29.März 1919

Schnee und Inspektion. Wir können es kaum erwarten, bis der Startschuss fällt für den Antritt unserer Heimreise. Wir wissen nicht, wie bald es sei wird, aber jeden Tag mehr verspüren wir anzeichen, dass es bald los gehen wird. Unruhe und Angst sind allgegenwärtig, dass noch etwas Unvorgesehenes passieren könnte. Es wimmelt überall von Gerüchten. Unsere Abteilung wird die Erste sein, die den Rhein verläßt, dann die 32th, 89th, 90th, 4th, 2nd, 1st, 3rd.

Sonntag, 30.März 1919

An diesem Morgen gehen Meiser und ich zur evangelischen Kirche. Kirche am Abend ist gegenüber dem Dorfplatz. Auch heute wieder Schnee. Die Armee hat gerade eine große Kantine hier in Kripp errichtet. Warum das organisiert wurde, ist uns nicht verständlich, da unsere Rückkehr doch vor der Tür steht. Ja, wir hätten sie früher gebraucht, den ganzen Winter haber wir draußen gesessen, sie sagen jetzt, dass es sich durch den Mangel an Holz verzögert hätte. Oft hatten wir in der kleinen Küche gesessen, oder in der kleinen Scheune auf dem 2 ha großen Garten, wo der Hausmeister des Schlosses Sträucher, Blumen, Gemüse und Rasen verwaltet. Der Hausmeister hat den Boden umgegraben, den ganzen Winter lang, wenn der Boden nicht zugefroren war. Einige von uns hatten seinem Hund eine Blechdose an den Schwanz gebunden, aber der alte Mann nahm nie seinen Kopf aus der Tür. Wir hatten ihn im Verdacht, dass er uns einige Decken und Schuhe aus dem Quartier geworfen hatte.

Montag, 31.März 1919

Am Nachmittag ging ich alleine nach Sinzig. Am Abend hatte unser Batallion einen Kostümball. Viele der Kameraden hatten sich Frauenkleider ausgeliehen, so richtig zum Lachen. Drei kleinere Männer sahen in den Mädchenkleider ganz schön cool aus. Zur Musik spielte das 165th Infanterieregiment.

Mittwoch, 2.April 1919

Befehl erhalten, dass unsere Heimkehr am Samstag um 09:00 in Sinzig beginnt. Wir werden der erste Zug sein und wir werden in amerikanischen Lastwagen transportiert, besser als die kleinen, fremden Wagen. Jeder bekam einen leeren Strohsack, für eine komfortable Heimreise. Heute Unterhaltungsshow und Cabaret. Einige von uns waren als Frauen verkleidet, das war wirklich lustig, und es war eine Tradition in der A.F.E.

Donnerstag, 3.April 1919

Noch 2 Tage, oh boy. Inspektion des Batallions unten am Rheinufer. Salisbury überprüft unsere Messer, Gabel und Löffel. Wenn wir meckern, schreit er lauter. Wenn es auf dem Dorfplatz candy oder cookies geben sollte, dann wird jeder von uns einen Anteil bekommen.

Freitag, 4.April 1919

Wenn der Befehl nicht geändert wird, dann geht es morgen los. Kücheninspektion, Inspektion der Männer unten auf der Strasse am Rheinufer. Dann haben alle von uns noch ein Bad genommen und unsere Quartiere gesäubert.

Samstag, 5.April 1919

Um 05:00 in der Frühe sind wir alle beschäftigt, unsere Rucksäcke zu packen und zu verschnüren. Um 08:30 ergeht der Marschbefehl. Wir schauen nicht mehr zurück auf unser Quartier. Wir gehen singend durch Kripp, die meisten Bewohner stehen an den engen Straßen, um uns zu verabschieden, und viele Kripper haben Tränen in den Augen. Wir gehen über Felder, wo die Ahr in den Rhein mündet, Richtung Sinzig. Dort stehen die Trucks bereit, um uns nach Brest zu bringen, zu unserem Schiff.