Fischerei Rhein und Ahr ©

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Die gewerbsmäßige und teils im Nebenberuf ausgeübte Fischerei an Rhein und Ahr war im Erwerbsleben unseres Ortes ein nicht unbedeutender Aspekt und gehörte über zwei Jahrhunderte zum hiesigen Alltagsbild. Dabei stellte der traditionsreiche Berufsstand des Fischers neben der existentielle Bedeutung ein nicht zu verachtender Wirtschaftsfaktor des Ortes dar.
Um den gewerbsmäßigen Fischfang vor Ort recht lukrativ zu betreiben, musste man mit den einzelnen Fischarten und deren Eigenarten sehr vertraut sein, wovon das Fangergebnis und schließlich auch das Wohlergehen der zu ernährenden Familien abhing. Ein weiterer Vorteil der Ortsfischer war der Fischfang von anderen Fischarten in der Ahr, die im Rhein nicht beheimatet waren. Dabei setzten die Kripper Berufsfischer ihr ganzes Erfahrungswissen und jagdlichen Fähigkeiten eines traditionellen Berufsstandes zum Broterwerb ein.


                                                                                                                          Foto Archiv Weis

Bis Anfang des 20. Jahrhundert zählte der untere Mittelrhein wegen der ständig wechselnden Gestaltung des Flussgrundes und des Ufersaumes und der damit verbundenen Ansiedlung einer Vielfalt von Fischarten Fischereimäßig mit zu den interessantesten Flussgewässern. Besonders das Ahrmündungsgebiet war und ist ein bevorzugter Laichplatz auf Grund des flachen stets fließenden Mündungsgewässers auf steinigem Grund für See- und Flussfische wie Lachse und Finten.
Dabei bot das Kripper Rheinufer durch seine spätere Uferbebauung mit Buhnen und den hervorragenden Laichplätzen im Ahrmündungsgebiet optimale Bedingungen für viele Fischarten, die es abzufischen galt. In unserem Bereich wurde außer dem Angeln mit der Angelgerte bis zum Ausbruch des II. Weltkrieges vom Nachen aus mit Streichnetzen, Hebenetzen (Hebegarnen), ugs. als Trötsch oder Blitz benannt, sowie in Reusen und mit der Grundschnur waidgerechter Fischfang betrieben. Illegal betriebener Fischfang nannte man im hiesigen Bereich „Ströppe“. Die Kripper "Ströpper" bedienten sich einst auch der Schlinge.


Werkzeuge der Fischer am Rhein

Die Blütezeit der Fischerei im Rhein war um 1850 und reduzierte sich mit aufkommender Dampfschifffahrt ab 1880 Jahre drastisch. Als Gründe der sukzessiven Abnahme der Fischarten und des Fischreichtums dürften neben dem Rückgang der Kleinstlebewesen in ihren Biotopen und Vernichtung der Fischbrut an den Ufersäumen infolge starken Wellenschlag der Dampfschiffe sowie die zunehmende Wasserverschmutzung mit fortschreitender Industrialisierung wegen eingeleiteter ungeklärter industrieller, kommunaler und landwirtschaftlicher Abwässer zu suchen sein.

Die Fischarten, die sich bisher von diesen Kleinstlebewesen ernährten, suchten neue Standorte. Von den um 1800 nach hier vorhandenen 800 Kleinstlebewesen in den Wasserbiotopen waren um 1900 nur noch 100 existent. Um 1860 waren im Kreisgebiet noch 18 hauptberufliche Fischer und 4 Gehilfen verzeichnet. Mit dem Rückgang der Lohnfischerei endete 1939 in Kripp die traditionelle Rheinfischerei.

Ab 1955 wurde der in hiesigen Flussgewässern gefangene Fisch aufgrund der hohen Wasserverschmutzung wegen eines penetranten Beigeschmacks nach Phenol unverzehrbar. Ein großes Fischsterben ereignete sich im Juni 1969, als auf ungeklärte Weise ab Bingen eine größere Menge des Insektizides „Thiodan „ in den Mittelrhein gelangte und die Giftwelle am 20. Juni Kripp erreichte. Thiodan ist selbst bei größerer Verdünnung für die Fische noch toxisch.
Des Weiteren dezimierten im kalten Winter 1996/97 recht räuberisch 120 Kormorane die Fischbestände in unserer Flussregion. Durch die Verlegung ihres Nahrungsreservoirs dieser nichtheimischen Vogelart an Rhein und Ahr wurden die hiesigen Fischbestände, besonders die der Äsche, die auf der roten Liste besonders bedrohter Tierarten stehen, bedenklich reduziert.1)

Am 31.10.1986 dezimierte eine erneute Giftwelle die Fischbestände des Rheingewässers, was ein Massensterben durch in den Rhein gelangtes mit Chemikalien belastetes Löschwasser beim Brand im Sandoz-Chemiewerk in Basel verursachte.Trotz dieses Chemikalienunfalles regenerierte sich der Strom auf Grund neuer gesetzlicher Umweltmaßnahmen zusehends. Wurde noch am 12.1.1990 trotz intensiver Wasserverbesserungen von dem Verzehr von Rheinfischen von mehr als 300 g wöchentlich auf Grund erhöhter Quecksilber-und Bleibelastungen abgeraten, so konnte man ab 1991 wieder hiesigen Rheinfisch bedenkenlos verzehren. Der verschiedene Fischartenbestand wuchs wieder auf 40, gegenüber 47 um 1900 an. 2)  
Das nun angebrachte steigende Umweltbewusstsein förderte die Regeneration der Fließgewässer. Schärfere Umweltpolitik trug ab 1980 wieder zur Belebung des Fischbestandes bei, so dass 39 verschiedene Fischarten sich hier wieder ansiedelten.
Heute sind auf Grund verbesserter Wasserqualität in beiden Flüssen wieder verschiedene Arten der Standfische aufzufinden, was als Indikator für den ökologischen Zustand des Rheinflusses zu werten ist.


FINTENFISCH –(zool. Alosa fallax)  (Kat. Maifische)     

Als  Schwarm-und Zugfisch auch ugs. als Süßwasserhering bezeichnet, kennzeichnet er sich durch seinen lang gestreckten, flachen Körper, dem silbrigen Bauch und blaugrünen Rücken aus. Sein heringsförmiger Körper ist mit Rundschuppen bedeckt. Recht auffallend sind seine vergleichsweise großen Augen in seinem recht kegelförmigen Kopf. Er gehört zur Ordnung der heringsartigen Fische (zool.Clupeidae) ebenso wie der Maifisch. Wegen seiner Laichzeit fällt er unter die Gattung der Maifische.
Besonderes Merkmal ist sein weit geschlitztes Maul, seine stark gegabelte Schwanzflosse und auffallende dunkle runde Tupfer hinter den Kiemendeckeln, die bis zu sechs parallel zur Körperlängsachse angeordnet sind und an Größe und Farbintensität zum Schwanz hin abnehmen.
Bei einer Größe bis 50 cm Länge weist er ein maximales Gewicht von 2 Kilogramm auf und wird wegen seines schmackhaften Fleisches trotz seines Grätenreichtums und penetranten Geruches geschätzt. Während der Laichreife im Altersbereich zwischen 2 bis zu 6 Jahren wandern die Finten alljährlich im Frühjahr von den Meeresküstengewässern flussaufwärts. Beim Aufstieg zu den stromaufwärts liegenden Laichplätzen der Flussunterläufe halten sie  sich stets im Oberflächenwasser auf und sind für den Fischer gut erkennbar. 3)
 
Über die Fintenzüge bemerkte der Kripper Zeitzeuge Friedel Valentin+:
„1908 war ein gutes Fintenjahr. Die im Ahrmündungsbereich spielenden Kripper Kinder waren meistens die ersten, die das Aufkommen der Fintenschwärme beobachteten und dies den hiesigen Fischern und Eltern meldeten. Der Ausruf „Bapp, de Finte kumme“ (Vater, die Finten kommen) war dann in Kripp in aller Munde. Nach dieser Bekanntgabe kam unter den Fischern Hektik auf, da es nun galt, in kürzester Zeit unermüdlich optimale Fangergebnisse zu erzielen, denn nach erfolgter Eiablage folgte die Abwanderung dieses Saisonfisches, jedoch spätestens am 20. Mai. Dabei wurde teils sogar mit breit flächigen Kohlengabeln die Rücken an Rücken im Wasser stehenden Finten aus der Ahr geschöpft und in runden Weidenkörben wegen des Überangebotes mit Pferdefuhrwerken bis zu den Großmärkten Bonn und Köln gekarrt und dort feilgeboten.“ 4)
 
Des Weiteren äußerte sich hierzu der Kripper Fischpächter Fritz Schäfer,+:
„Wenn im Mai die Laichzeit der Finten beginnt, ziehen diese zu den Laichplätzen zur Ahrmündung in einer Vielzahl, dass die Oberfläche des auf gepeitschten Flusswassers dicht gedrängt die Fischleiber aus dem Wasser heraus quollen. Der Fintenfisch trat in so großen Schwärmen seine Reise flussauf an, daß man den Fischzug vom Ufer aus mit bloßem Auge erkennen konnte und stellte bei seinem Erscheinen in der Ahr eine Attraktion dar. Dieses Naturspektakel wurde letztmalig zum Beginn des 2. WK beobachtet.
Während dieser Attraktion wurden die Finte vielfach mit breit flächigen Kohlengabeln aus der Ahr geschaufelt und auf Handkarren verladen“ 5)
 
Warum bevorzugten die Finten die Ahrmündung?

Für die Finten war mit dem Erreichen der Ahrmündung als maximale Entfernung vom Meer ihre Laichreise beendet. Nicht zu verwechseln mit den  artverwandten Maifischen, die zum Laichen noch weiter bergwärts zogen. Im Gegensatz zu den Finten mit sechs Punkten unterschieden sich diese nur durch einen dunklen Punkt hinter dem Kiemendeckel.                                                 

Das Ahrmündungsgebiet bot mit seinem flachen fließenden und kiesgründigen Gewässer optimale Voraussetzungen für den Laichvorgang der Fintenweibchen, dass sie für das Abrubbeln ihres Laiches von bis zu 200.000 Eiern bevorzugten.
Nach erfolgter Eiablage und Besamung durch die männlichen Finten wanderten diese wieder zurück ins Meer. Ein halbes Jahr später zogen die geschlüpften Jungfische ebenfalls ins Meer. Sie ernährten sich hier neben Insekten und Würmern auch von Kleinstfischen und Krebstieren. Das maximale Lebensalter betrug 8-10 Jahre.
 
FINTE, Fisch der armen Leute.

Während der Fangsaison sorgte der recht schmackhafte Fintenfisch in Kripp für „fleischlose Tage“.  Fast täglich gab es diesen Fisch in allen Variationen und in Kombination mit Kartoffeln und Salaten war er auf den Kripper Mittagstischen zu finden, sei es wegen seines Grätenreichtums tagelang in Essig eingelegt, gebraten oder gegrillt. Wegen seines hohen Fettgehaltes eignete er sich hervorragend zum Räuchern. Zur Reduzierung seines hohen starken Eigengeschmackes wurde er von einigen Hausfrauen sogar in Milch eingelegt. Auch als eine Art Brathering wurde er nach dem Braten fast eine Woche lang in einer gewürzten  Essig-Lake eingelegt.
Da es die Finten wegen eines fehlenden Laichplatzes in den umliegenden Orten nicht gab, wurde der Fintenfisch vermutlich aus Neid wegen angeblicher abträglicher Qualität und Quantität in den Nachbarorten als „arme Leute Fisch“ verschrieen.6)  
Zwischen den beiden Weltkriegen kam es bei den Finten zu einem erheblichen Bestandsrückgang, dessen Grund in der zunehmenden Gewässerverschmutzung durch industrielle Wasserverschmutzung zu suchen war. Der als stark gefährdet eingestufte Fintenfisch ist heute nach Anhang II der FFH- Richtlinie eine geschützte Fischart (EU- Code Nr.1103).  Seit 2010 verbreitet sich im Rhein wieder der 1940 fast ausgestorbene artverwandte Wanderhering „Maifisch“, ein beliebter Speisefisch der zuchtmäßig wieder im Rhein angesiedelt wurde.



Wegen der engen Verbundenheit unseres Ortes mit der Rhein-und Ahrfischerei halten wir es für angebracht, weitere hier befindliche Fischarten aufzuführen, wobei überwiegend der Fischbestand der Ahr aus Forellen, Äschen, Barben, Schleihen, Gründlinge und Elritze (Rümpchen) besteht. Letztere sind eine Eigenart des Ahrflusses, besonders der oberen Ahr.

Fischarten:

Grundsätzlich unterscheidet man bei hier aufkommenden Fischen in Kripp zwischen zwei Kategorien, die der WANDER- und der STANDFISCHE.
WANDERFISCHE sind Fischarten, die in den Gewässern regelmäßig zu ihren Laichplätzen stromaufwärts steigen (Salm, Maifische, Finte ) oder hinabziehen (Aal), um zu ihren Laichplätzen im Meer zu gelangen. Für die Fischer galten sie ugs. als Brotfische, da sie der massenhaften Anzahl wegen den Haupterwerb der Berufsfischer darstellten.
Als STANDFISCHE bezeichnet man die Fischarten, die sich hier in geeigneten Wasserregionen dauernd aufhalten , wo sie sich ernähren und laichen. Im Fischerjargon wird diese Fischart Weißfische oder Beifang genannt (Münne, Rotaugen, Barben) Sie lieben ruhige Wasserregionen und haben ihre Standorte zwischen den Kribben und im Ufersaum. Die damals am Rheinufer des Ahrmündungsbereiches befindlichen Kribben boten den Standfischen optimalen Lebensraum. Auf Grund dieser vorhandenen Lebensräume war Fischfang ohne größeren Aufwand hier problemlos möglich.
Im Volksmund benannte Weißfische sind die wenig beliebten grätenreiche Speisefische, wie der Döbel, besser im hiesigen Bereich auch als Münne bekannt, sowie die Barbe, erkennbar an den wulstigen Lippen und vier Bartfäden an der rüsselartigen Schnauze, die im Bereich der Unterahr als häufigste Fischart vorhanden ist.

SALM (Salmo salar)
Die im Rhein während des Jahres wandernden unterscheidbaren bergwärts ziehenden Altersgruppen des begehrten Edelfisches wurden von den hiesigen Fischern namentlich in Arten gruppiert.
Von Mai bis September kamen die kleineren, noch nicht laichreifen SOMMERSALME, wobei man diese speziell nach der Zeit ihres Auftretens unterschied in PFINGSTSALME und JAKOBSSALME (Jakobstag 25. Juli). Über diese kleine geschmackliche Differenz des Edelfisches urteilte ein altes Sprichwort. "Der SALM ist im April und Mai am besten und bleibt ein SALM bis St. Jakobstag (25.7.), alsdann wird er ein LACHS" 7) Ihnen folgten die großen SOMMERSALME von September bis Dezember.
Vereinzelt zog es schon den WINTERSALM im Oktober zu den Laichplätzen, obwohl die eigentliche Hauptzugzeit der Februar war. Sie waren durch Färbung und Größe gut zu unterscheiden. Ein fünfjähriger ausgewachsener Wintersalm erreicht ein Gewicht zwischen 10 bis 15 kg.
Er ist wegen seines hervorragenden Eigengeschmacks ein begehrter exklusiver Speisefisch, der aus den Meergewässern während der Laichzeit zu den Laichplätzchen drängt und dafür seichtes Fließgewässer, insbesondere das der Ahr bevorzugt. Wie der Aal gehört der Lachs zur diadromen Fischgattung, der seine Lebensbedingungen wechselweise dem Salz-oder Süßwasser anpassen kann.
Ein bevorzugter Ruheort des Salms während seiner Drangzeit in den Monaten Juni, Juli war das "Aufmeer", wie man in der Fischersprache das strömungsarme Flusswasser hinter der stromab gelegenen Kribbenseite bezeichnet. Eine Kribbe ist ein vom Ufer aus rechtwinklig mit Steinen in den Fluß gebauter Steindamm, der in diesem Abschnitt die natürliche Fließgeschwindigkeit des Hauptstromes aus wasserbautechnischen Gründen künstlich verändern soll.
Da Lachse während der Laichzeit keine Nahrung aufnehmen und somit auf keine Köder reagieren, wurde ihnen hier während ihrer Hochzeitsreise problemlos mit den Netzen während der Hauptfangzeit in den Ruhephasen im „Aufmeer“ zeitweise Tag und Nacht mit dem Setznetz nachgestellt.
Die Hauptfangstätte dieser Fischart an der Ahr lag jedoch an dem künstlich erstellten Wasserfall unterhalb der Sinziger Eisenbahnbrücke, der wegen der Lachswanderung mit einer Fischleiter versehen war, wo die Lachse mit einem mächtigen Satz in freier Luft versuchten, dieses Hinderniss zu überwinden. Unterhalb dieses Wehres, wo die zurückgetriebenen Lachse sich für den neuen Sprung ausruhten, hatten die Fischer ihren Stand mit dem Setznetz, der so genannten Trötsch, um aus dem bewegten Wechselspiel der steigenden Fische Tag für Tag ihren wirtschaftlichen Nutzen zu ziehen.

Während der Wanderung beim Rogner die Eierstöcke von null Komma drei auf fast fünfundzwanzig Prozent des Eigengewichtes anwachsen, vergrößern sich die Hoden des Milchners von null Komma eins auf sieben Prozent! Und das alles ohne Nahrungsaufnahme, also auf Kosten der Fettvorräte und der Muskelsubstanz. Dadurch erreichen sie ihr Laichgebiet oft so geschwächt, dass sie nach der Ablage der Eier, beziehungsweise nach deren Besamung, kaum noch schwimmen können. Das herrliche Hochzeitskleid, das sie im Verlauf ihrer Wanderung anlegen, alte Milchner werden fast purpurrot, täuscht über ihren inneren Verfall hinweg. Hilflos treiben sie dann später dem Meer entgegen. Ein großer Teil von ihnen geht auf der Talfahrt zugrunde.22)
Früher stieg der Lachs zum Laichen so reichlich den Rhein und die Ahr hoch, dass er als Volksnahrung diente. Es gab Zeiten, in denen sich die hiesigen Dienstmägde und Knechte wegen des Fischüberflusses in ihren vertraglichen Verdingungen ausdrücklich auf die Klausel "...dass sie nicht mehr als zweimal wöchentlich Salm vorgesetzt bekämen", Wert legten. Dieser Salmüberfluss nahm nach 1900 rapide ab.
1908 wurden in Kripp zwei große Salme gefangen. Einer von 13 Pfund und in der Fronleichnamsnacht einer von 21 Pfund. 8)
Ein ungewöhnliches großes Lachsvorkommen wurde im Winter 1909 in der Ahr festgestellt, als dieser in seinem Laichzuge vom 15. November bis 15. Dezember in großer Fülle derart unverhofft auftretend für die Kripper Fischer und "Ströpper" eine Attraktion darstellte. Grund dafür waren Baggerarbeiten im 30 km stromabwärts gelegenen rechtsrheinischen Siegmündungsbereich bei Mondorf, einem weiteren geschätzten Laichplatz der Lachse. Zwangs halber suchten sie nun stromaufwärts den nächsten klaren Nebenfuß, die Ahr, die zu dieser Zeit auffallend viel Wasser führte. Auf Grund dieser exorbitanten Situation erteilte die Bezirksregierung in Koblenz ausnahmsweise trotz Winterschonzeit eine spezielle Fanggenehmigung nur unter der Bedingung, dass zur Vermehrung und Züchtung alle Rogen und alle Milchner der gefangenen Fische abgelaicht und an die Fischversuchsanstalt in Kruft zur Erbrütung von Sälmlingen abgeliefert werden mussten, um später die Jungfische nach dem Schlüpfen im hiesigen Flußwasser auszusetzen. Lachse von 10-12 Pfund Gewicht waren an der Tagesordnung, etliche sogar mit einem Gewicht von 20 Pfund, die nach dem Fang in einem Lattenbehälter in dem Ahrwasser solange verweilten, bis man sie herausnahm und durch sanftes Streichen unter dem Leibe den Laich abdrückte und sie erst danach ihrer Wirtschaftlichkeit zuführte. 9)



Postkarte anlässlich der Sondergenehmigung zum Lachsfang während der Schonzeit. Postalisch gelaufen am 24.12.1909 nach Dieren/Arnheim mit dem Vermerk des Absenders Jos.Cometz: „Diese Aufnahme ist vom Lachsfang in der Ahr zu Sinzig, der vor 3 Wochen stattgefunden hat und reiche Beute lieferte.“

Über den größten Lachszug aller Zeiten in der Ahr wurde im Winter 1928/ 29 berichtet. Die Ahrmündung war mit abgelagertem Geschiebe so erhöht, dass Lachse das Flachflüsschen nur bei außergewöhnlich günstigen Wasserverhältnissen annahmen. Dies geschah dann in einer derartigen Intensität, dass Rücken an Rücken aus dem Ahrwasser sichtbar herausquoll. An flachen Stellen "rubbelten" dann die Weibchen ihren Laich ab, indem sie mit ihrem Bauch über den Grund rutschten. 10)
Fangfrische Lachse im Mittelrhein bis zur Loreley gelten bei den Feinschmecker als besonders schmackhaft, da die Lachse auf dem Laichzug ohne Nahrungsaufnahme zusehends abnehmend vom Fettabbau zehren. Wenn dann der Lachs nach seinem langen Weg endlich zum Laichen an der Ahr eintrifft, ist der Wanderfisch in seinem besten Moment, in dem er auf seiner Reise bis zur Ahr sein Fett abgebaut hat und geschmacklich die optimale Präsentation darstellt. Sein Fleisch ist nun muskulöser als gewöhnlich und darum für die Gourmee´s von einem unnachahmlichen Geschmack. Sehnsüchtig wird die Fangsaison von diesen Genießern erwartet. Deswegen waren bei Kripp gefangene Lachse bei den Bonner Hoteliers eine begehrte Delikatesse. Der größte Lachs, der je hier aus dem Rhein gefangen wurde, wog 28 Pfund und wurde an das Hotel Kaiserhof in Bonn geliefert 11)
Der letzte 10 Pfünder Lachs wurde von einem Kripper Bürger nach abklingendem Hochwasser um 1960 in einem ehemaligen Bombentrichter der Unterkripp gesichtet. 12)

FLUSSAAL: Zum Betrieb der Nachtfischerei gehörte hier der recht gut florierende Aalfang bis annähernd 1950. Als Delikatesse ist der Rheinaal wegen seines kernigen, weißen und wohlschmeckenden Fleisches als Speisefisch sehr begehrt. Die Gattung dieses schlangenförmigen Knochenfisches gehört zu den diadromen Fische, die die Fähigkeit besitzt, zwischen Salz- und Süßwasser oder umgekehrt zu emigrieren. Die dunkle schleimreiche Haut dieses schlangenförmigen Fisches besteht aus unzähligen mikroskopisch kleinen Schüppchen. Zur seiner Fortbewegung dient am hinteren Körpersteil an Bauch und Rücken ein Flossensaum. Als katadrome Fischart schwimmt er entgegen anderen Fischarten zum Laichen mit dem Strom.
In der Atlantikregion, der Saragossasee und dem Golf von Mexiko geschlüpft, tritt der junge noch durchscheinende um 7 cm kleine unreife Aal (Glasaal) mittels Golfstrom instinktiv die Reise in die europäischen Flüsse an, verbringt ca. 6-8 Jahre ohne Vermehrung hier und verlässt uns dann, um im offenen Meer abzulaichen und zu sterben. Die Hochzeitsreise über den Atlantik wird vielen Aalen durch geschickte Fangmethoden der Fischer zum Verhängnis.

NEUNAUGE: Das bis zu 50 cm lange Flussneunauge, auch Pricke genannt, unterscheidet sich als fischähnliches schlangenförmigen Wirbeltier von einem Aal nur durch den stahlblauen Rücken mit weißlichen Bauch und besitzt eine kleine Schwanz-und zwei Rückenflossen. Der aus der Gattung der Rundmäuler stammende Fisch trägt seinen Namen wegen seinen punktförmigen Öffnungen seiner Organe wie Nase, Auge und 7 Kiemenspalten. In dem napfförmigen kreisrunden Maul befinden sich Hornzähne und eine spatelförmige Zunge. Als Beifang wird er wegen seines minderwertigen Fleisches ausschließlich als Köder für die Grundschnur beim Aalfang verwertet.

ELRITZE: 9-14 cm , kleiner Fintenähnlicher Fisch mit spindelförmigen Körper, stumpfer Schnauze, kurzen abgerundeten Flossen. Rücken und Seite sind hell-dunkel gefleckt, zur Laichzeit schmücken sie sich mit grünen Seiten, einer orangefarbenen Brust u. schwarzer Kehle. Eine Fischart, die meist an der Oberahr zu finden ist. 13)

Die GROPPE, ein am Grunde der Ahr lebender Fisch, der hier ugs. besser als Vadder bekannt ist, dürfte wohl jedem Hiesigen bekannt sein, der in der Ahr schon einmal Steine aufgehoben hat und ein Fisch zum Vorschein kam, der recht ungewöhnlich im Zick-Zack-Kurs -stoßweise schwimmt. Er ist ein ausgesprochener Grundfisch, der mit seinem breiten, flachem Kopf und weitem unterständen, von dicken Lippen umgebenen Maul vom Flussgrund Nahrung abschabt. Besonders auffällig wirken als Tentakeln der kurze, krumme Dorn an jedem Kiemendeckel.

Ein weiterer Artgenosse ist der GRÜNDLING, der trotz seiner Größe von nur 12 cm wegen seines exzellenten Geschmackes als Speisefisch geschätzt wird. Man erkennt ihn an seinem graugrünen Rücken mit schwarzen Flecken und seinen 2 Bartfäden.

Die SCHLEIE mit seinen breitkronigen Schlundzähnen und fleischigen Bartfäden ist ebenfalls ein geschätzter wohlschmeckender Speisefisch

Die HASEL, die wegen ihres eingedrückten Körpers auch ugs. als "Plättchen" bekannt ist, reiht sich ebenfalls in den Kreis der geselligen Ahrbewohner.

Die BACH,-LACHS-und REGENBOGENFORELLE, die das stromschnellenreiche Wasser liebt, ist hier in der Ahr zu Hause. Als Fang ist sie wegen ihres schmackhaften Fleisches sehr beliebt.
Die BACHFORELLE erkennt man an dem olivgrünen Rücken und den silbrig-gelb glänzend mit vielen rötlichen umrandeten Flecken gezierten Seiten, die sich jedoch durch Verfärbung jeglichem Untergrund anpasst. Wegen ihres kostbaren Fleisches ein begehrter Speisefisch.
Die LACHSFORELLE, die besonders im Mündungsbereich häufig vorkommt, übertrifft mit ihrem Gewicht von 2-3 Pfund die Bachforelle und fällt wegen ihres rosaroten Fleisches bei der Zubereitung auf.
Optisch recht auffällig wirkt dagegen wegen der opalisierenden Farbgebung ihrer Fischhaut die REGENBOGENFORELLE, die während der Laichzeit in Regenbogenfarben schillert und seitlich verwischte rötliche Streifen aufweist, das man als Hochzeitsgewand bezeichnet.

Als geselliger Spielgefährte der Forelle ist hier die ÄSCHE, ein silberglänzender Fisch mit goldgrünem Schimmer auf der Rückenseite zu erwähnen, bekannt und wegen ihres grätenarmen schmackhaften Fleisches sehr beliebt.

Der FLUSSBARSCH ist ein stachelflossiger bis zu 40 cm langer und bis zu 1,5 kg schwerer Knochenfisch, der je nach Flussgrund seine Farbe wechseln kann. Die Stacheln an der ersten Rückenflosse und stechende Kiemendeckeln setzt der Raubfisch als Waffe ein.

Der ZANDER aus der Familie der Barsche mit einer maximalen Länge bis zu 1,20 m stellt mit seinem grünlich-grau gefärbten Rücken und dem silberglänzendem Bauch wegen seines exzellenten Fleisches der wertvollste Fisch dar.

Der FLUSSKARPFEN stellt den wichtigsten Vertreter der Karpfenfamilie dar. An seinem seitlich eingedrückten Körper befinden sich mehrere Flossen, die ausgebreitet und zusammengefaltet werden können.

Die FLUSSBARBE, ein bis zu 70 cm langer Vertreter der Karpfenfamilie, zeichnet sich recht auffallend durch seine 4 Bartfäden an dem wulstigen vorstehenden Oberkiefer aus.

Das bis zu 30 cm lange ROTAUGE, auch PLÖTZE genannt, erhielt die Benennung durch seine rote Iris. Es ist ein silbrig glänzender echter Weißfisch mit recht auffallenden roten Flossen, waagerechter Mundspalte und einer abgerundeten Bauchkante.

Als stärkster Raubfisch in heimischen Süßgewässern gilt der bis zu 1m lange HECHT (Esox lucius). Der lang gestreckte grünlich gefärbte Körper, der mit einem zugespitzten Kopf endet, ist mit schwarzen Flecken oder Streifen bedeckt und das weite entenschnabelartige Maul starrt von Zähnen. 14)

STÖR: Ein heute seltener Gastfisch, ist in unserem Gebiet letztmalig um 1990 gesichtet worden. Alten Überlieferungen zufolge wurde kurz nach 1900 ein Stör von zirka 150 kg Gewicht in Höhe der Ahrmündung gesichtet und mit einem Fährboot verfolgt. Infolge unsachgemäßem Netzgerät konnte dieser aber nicht gefangen werden. 15)

MÄRZENMAKRELEN: An einem sonnigen warmen Frühlingstag im März 1949 wurde ein Schwarm von hunderten Märzenmakrelen im flachen Ahrmündungsbereich gesehen, als diese durch heftige Bewegungen ihren Laich "abrubbelten" und ein seltenes grandioses Schauspiel dem Betrachter boten. Das Wasser fing in diesem Bereich an " zu sprudeln, zu schäumen. Es schien regelrecht zu kochen". Dieser Fisch, 2- 3 Pfund schwer, von bläulicher Färbung und auf dem Kopf kleine Warzen, wurde sowohl im Rhein und in der Ahr gefischt. 16)
Anmerkung: Unter den in Kripp bekannten Fischnamen „ Märzenmakrelen“ konnte keine Fischart gefunden werden. Es besteht die Annahme, dass es sich hier um die Fischart Aland ( Leuciscus idus) gehandelt haben könnte, zu denen alle diese Merkmale zutreffen. Sie unternehmen im Frühjahr schwarmweise ihre Laichwanderungen. Recht auffallend dabei ist das stürmisch plätschernde und Schwanzschlagende Verhalten. Dieser an Flußunterläufen auftretende Oberflächenfisch liebt zum Ableichen von bis zu 1000.000 Eiern sandig-kiesige Flachuferstellen.
Männchen haben zu dieser Zeit kleine Laichwarzen an Kopf, Rumpf-und Brustflossen. Ein 3sömmriger Aland hat eine Länge von 18-20 cm und kann bei einer maximalen Länge von 60 cm bis zu 4 kg wiegen.

Fangmethoden

Die Fangmethoden der Fischer richteten sich nach dem Verhalten der einzelnen Fische.
Der hauptberufliche Fischfang im Bereich der Ahrmündung wurde von Kripper Berufsfischer bis kurz vor dem 2. Weltkriege noch auf Finten, Aale, Makrelen, Döbel, Eschen, Barsche, Rotauge, Forellen Hechte, Bresen, Schleie, Lachs, Zander sowie Krebse und Süßwassermuscheln, teils mit 150 m langen und 2,50 tiefen Zugnetzen, Netzwippen (ugs. Trötsche) und Schnurborde mit bis zu 200 Angelhaken sowie Wurfnetze vorgenommen.
Um das zwischen zwei Kribben gelegene Buhnenfeld auszufischen, wurde ein Zugnetz längst einer Buhne ausgefahren, wobei Fischer als Landmannschaft das Netz am Ufer festhielten, während Fischer im Boot längs der Kribbenflanke fuhren und das Netz "abfieren" ließen.
Gewerblich gefischt wurde in der Ahr an tiefen Stellen ausschließlich mit dem Wurfnetz und mit der Wippe an engen flachen Stellen. An ruhigen Wasserstellen mit dem Stellnetz.
Von fischereiwirtschaftlicher Bedeutung sind die bis zu 1,5 m langen und bis zu 5 kg schweren weiblichen Aale, da die Männchen nur bis zu 45 cm groß werden. Während die flussabwärts sich treibenden Aale in der stärksten Strömung zu fangen sind, meiden die rheinaufwärts steigenden Salme (Lachse) diesen Bereich. Dieser bergwärts ziehenden Salm gilt es mit der Salmwippe oder Salmfalle abzufangen.
Eigens zum Aalfang lag bis zur Währungsreform 1948 ein spezielles Aalfangschiff (Aalschocker) des Herrn Feldmann aus Kripp im strömungsreichen Bereich des Rheines oberhalb der Ahrmündung, der dort am Rande des Hauptstromstriches den Weg der abwärts treibenden Aale mit einem Schockernetz sperrte.
Bei Dämmerung wird der am Tag in Ruhestellung vor Anker liegende motorlose Aalschocker in Fangstellung in die Strömung mittels einer "Spillbremse" (Winde) gebracht und die zwei 10 Meter langen Netzbäume ausgelegt, indem sich das sogenannte "Kuilnetz" befindet. Dieses Spannnetz von 10 mal 6m Länge sperrte den Strömungsbereich vom Grund bis zur Wasseroberfläche komplett ab, wobei der von der Strömung treibende Aal in das 30m lange nach hinten verjüngende engmaschige Netz der Schlußreuse getrieben wird. Bei Tagesanbruch wird der Schocker dann wieder aus der Strömung in Ruhestellung verbracht und der Fang geborgen. Nach Angaben der Aalfischer wurden besonders bei Halbmond und stürmischen Herbstnächten ergiebige Fangergebnisse erzielt.
Für den Kleinbedarf wird diese nachtaktive Fischart hier auch mittels einer mit Frischköder gespickten Grundschnur gefangen.


Baugleicher Aalschocker wie hier vor Remagen liegend, befand sich bis 1948 oberhalb der Ahrmündung.

Die Netze und das Fanggerät wurden bis vor dem II. Weltkrieg von den hiesigen Fischern teils mit speziellen Holznadeln selber hergestellt und zur Konservierung "geloht". Mit diesem uralten Konservierungsverfahren, das aus einem Teil Gerbstoff gemahlener Eichenrinde und einem Teil bestand, wurden die Netzteile in einem großen Kessel gekocht und braunfärbend gegen Fäulnis konserviert. In der Nachkriegszeit kam es aufgrund aufkommender Lebensmittelknappheit zum wilden Fischfang, der teils sogar mit aufgefundener Sprengmunition oder mit Karbid und Wasser gefüllten Flaschenbomben durchgeführt wurde, was sich jedoch ab 1949 durch eine ordnungsgemäße Verpachtung der Fischereirechte normalisierte.
Der Fischfang erfolgte meist hier auf dem Rhein mit einem breiten Rumpfnachen. Der wegen seiner Grundform aus drei Brettern bestehende Dreiplanknachen oder Dreibord (Bodenplanke und der zwei Bordplanken) genannt, eignete sich besonders für den Fischfang mit Kleingeräten.

Mit diesem flachbodigen großen Kahn, in hiesiger Fischerjargon "Schütt" genannt, war man sogar in der Lage den Ahrmündungsbereich zu befahren. In einem Hälterkasten, ugs. Kaar genannt, bewahrte man darin lebend die gefangenen Fische für begrenzte Zeit bis zum späteren Verkauf auf. Es war eine am Kahn oder sonstigem Festpunkt angebundene große Holzkiste von etwa 1 m x 1,50 m mit vielen Löchern und einem abschließbaren Deckel. 17)

Aufsicht

Die Fischerei, die seit alters her als Gerechtsame vom Landesherrn übertragen wurde, liegt heute nur noch mit einigen Ausnahmen fast ausschließlich in fiskalischer Hand, die gegen Entgelt zeit begrenzt verpachtet werden.
Dies resultierte aus der Franzosenzeit, in der durch ein Dekret Napoleons die herrschaftlichen Privilegien der Fischereigerechtsame für das linke Rheinufer, also auch für Kripp, in die Hand des Staates gelangten und von der preußischen Administration übernommen wurden.
Das schon damals die Aufsicht über das Fischereiwesen streng gehandhabt wurde, ist aus einer Eintragung des Amtsblattes vom 30. November 1832 zu entnehmen.
Durch die Königliche Hochlöbliche Regierung wurde für die 3 verpachteten Fischereidistrikte
"1.) in den Bereich von Sinzig bis Remagen, bisher verpachtet an Carl Franz Triacca dahier, jährlich für 7 Rthlr.
2.) von Remagen bis Oberwinter, verpachtet an Eberhard Lösch in Oberwinter für jährliche 10 Thlr. 25 Sgr. ...
3.) von Oberwinter bis Rolandswerth, verpachtet an Anton Michels zu Rolandswerth, jährlichs für 2 Thlr. 25 Sgr."
die bereits zugesagte Genehmigung zum Fischfang versagt und zugleich angeordnet, daß eine " anderweitige gleichmäßige Lizitation derselben in loco (vor Ort) Sinzig erfolgen soll". Als neue Verhandlungstag wurde der 20. 12.1832 in dem Geschäftslokal des Steuer-Einnehmers Neunerdt zu Sinzig anberaumt. 18)

Beklagt wurde schon zu damaliger Zeit ein Rückgang des Fischfanges, dessen Hauptursache jedoch in dem "bisherigen traditionellen irrationalen Betriebe des Fischfanges, welcher einer Schonung des Fischlaichs nicht kennt", zu suchen war.
Diesem Rückgang vorbeugend wurde bereits durch "Allerhöchste Cabinets-Ordre vom 5. Juli 1847" Einhalt geboten.
So war das "Wegfangen" der Forellen während der Laichzeit (Oktober und November), sowie "dasselbe Verbot wäre an der Ahr nöthig für die Monate April, Mai und Juni, in welchen die obengenannten Ahrfische laichen" untersagt.

VERMEHREN UND HEGEN - DEM SCHÖPFER ZUR EHRE - DEN MENSCHEN ZUM SEGEN

Unter dieser Prämisse wurde zur Schonung des Fischlaichs während der bezeichneten Monate auf Kreisebene behördlicherseits an die Vernunft der Fischer appelliert. 19)
Für die Fischerei benötigte man damals wie heute eine Erlaubnis, die dem Fischer und Angler gegen eine Gebühr die Berechtigung verleiht, in gewissen Flussabschnitten Fischfang zu betreiben.
Die Hege und Pflege der Fischbestände wird im Rahmen der Fischereiaufsicht aufgrund der Legitimation des Fischereigesetzes für das Land Rheinland-Pfalz vom Kreis als "Untere Fischerei-Aufsichtsbehörde" für alle fließenden Gewässer im Kreisgebiet gesichert. Neben den Fischereipachtverträgen werden von der Kreisverwaltung Ahrweiler die Bestellungen der Fischereiaufseher sowie die durchzuführenden Fischerprüfungen vorgenommen.

Das Fischereirecht hatte der Posthalter Gottfried Schäfer aus der Voßstraße über Generationen von der Ahrmündung bis Niederbreisig aufwärts für Netze, Angeln und sonstiges Fischereigerät gepachtet, wobei die Ahr bis zur Bodendorfer Grenze mit einbezogen war. Später übte der Fährmann Peter Valentin die Aufsicht über die Fischerei aus.



Erlaubnisschein des Kripper Gottfried Schäfer zum Fischen auf der Rheinstrecke
von Niederbreisig (Kirche) bis zur Ahrmündung in ganzer Strombreite.



Der Ort Kripp und sein historischer Bezug zum Fintenfisch

Zum Abschluss möchten wir anmerken, dass der Fintenfisch mit seinen sechs seitlichen dunklen Punkten der symbolträchtigste Fisch des im Gewässerwinkel von Rhein und Ahr liegenden Ort Kripp darstellte. Der historische Bezug liegt wohl in der über Generationen tradierten irreführenden Annahme, dass der Fintenfisch eine besondere spezielle Kripper Fischgattung sei. Aus diesem Grund wurde er über Jahrhunderte gerne als emblematisches Motiv für gesellige Zwecke verwendet. So findet man ihn in verschiedenen Varianten in der Ortsfahne, Vereinswappen,-Logos-Stempel, Karnevalskostümen oder als Namensträger einer hiesigen Karnevalgesellschaft wieder. Selbst die ehemalige Fähre „Zons“ erhielt auf Wunsch vieler Kripper von 1953-1960 den Namen „Finte“.

Spottverse der Nachbarorte über die Kripper Finten wie: „Faul Fisch und Finte, nun ruch ens wat se stinke“ oder Necknamen wie: „ Faul Fisch und Finte, dat esse die Kripper im Winter“ entstanden vermutlich aus dem Neid heraus, da sie in ihren Fangregionen nicht über Finten verfügten. Diese Spottverse wurden früher beim „Beiern“ mit festlichen Glockenspiel gesungen.
Dieser Fisch war wegen der Ahrmündung und ihrem Laichgebaren nur den Krippern „en Mass“ vorbehalten.


Die „Kripper Finte“

Die tradierte Vorstellung der hiesigen Bevölkerung, die „Kripper Finten“ seien eine besondere Fischart der Ahrmündung, dürfte als unrichtig angesehen werden. Sie dürfte vermutlich aus dem Necknamen der am Rhein und Ahr spielenden Kripper Kinder und Jugendlichen, ugs. „Kripper Fente“ resultieren, die beim an der Wasseroberfläche erkennbaren Laichzug der Finten ins Dorf liefen und die Eltern über die Ankunft der Finten berichteten. Ein „Fent“ ist im hiesigen Jargon ein Jugendlicher im heranwachsenden Alter. Als „Kripper Fente“ bezeichnet man ugs. die Jugendlichen des Ortes.
Zu „Kripper Finten“ ist im Fischlexikon angemerkt: „Kripper Fenten war ein Necknamen für die Kinder, wohl auch für die Einwohner von Kripp an der Ahrmündung. Kinder beobachteten im Frühjahr den Fluß und meldeten den ersten Fischschwarm mit dem Ruf: „Die Finten sind da!“ 20)

Im Klartext sei deshalb nochmals wiederholt erinnert! Es gibt zwar Fische namens „Finte“, aber eine Fischart „Kripper Finte“ gibt es nicht!

Zukunftsplanungen:

Geplant ist vom Kripper Bürger-und Heimatverein 2012 im Springbrunnen an der Rheinfähre symbolisch eine Fintendekoration fertigen lassen. Des Weiteren erwägt man sogar Ideen für die Abhaltung eines eventuellen zukünftigen Fintenfestes, um den historischen Bezug auf die bisher irriger Weise angenommen sogenannte Kripper Fischart der „Kripper Finten“ nicht in Vergessenheit kommen zu lassen. Speziell für Kripp schuf der weltbekannte spanische Künstler Antonio Mari Sart, der auch für die spanische Königsfamilie tätig war, Stahlskulpturen an, die unter der Nennung „Bapp, de Finte komme“ (Vater, die Finten kommen) in Zukunft den Ortsmittenplatz zieren werden.
Der Name „Kripper Finte“ ist auch heute noch im Ort in aller Munde.


Berufsfischer:

Als Berufsfischer bis 1899 konnten noch namentlich folgende Kripper ermittelt werden:

Betzing, Christian *1772-1837 † Kirchenbuch lfd,Nr. 293
Betzing, Joh. Josef *1777-1852† Kirchenbuch lfd,Nr. 294
Betzing, Christian *1795-1863† Kirchenbuch lfd.Nr. 295
Breuer, Hermann *1785-1855 † Kirchenbuch lfd.Nr. 507
Breuer, Hilarius *1791-1854 † Kirchenbuch lfd.Nr. 511
Breuer, Hilarius I verm. * 1859-?† Einwohnerbuch 1899
Breuer, Johann *1825-1887† Kirchenbuch lfd.Nr. 524
Valentin, Georg um *1825-1889† Kirchenbuch lfd.Nr.3997 21)

Willy Weis/Hildegard Funk, Kripp


1) ZA= Rhein-Ztg. Nr.14 vom 17.1.1997
2) Heinz Schmalz, „Der Rhein und die Goldene Meile“, maschinenschriftl. Manuskript, 1993, Kreisarchiv Ahrweiler
3) Fischlexikon in „Nachen und Netze“,Werner Böcking, Band 12, Rhld.Verlag Köln, Anhang Fischlexikon, Seiten 304-337
4) mündliche Angaben des Zeitzeugen Friedel Valentin, Kripp + (ehemaliger Fischereipächter)
5) mündliche Angaben des Zeitzeugen Fritz Schäfer, Kripp + (ehemaliger Fischereipächter)
6) Fritz Schäfer, Kripp + (ehemaliger Fischereipächter)
7) Heinz Schmalz, „Beschaffung und Verzehr von Speis und Trank im Ahrtal“, maschinenschriftl. Manuskript,
    1995, s. 23 ff., Kreisarchiv Ahrweiler
8) wie 5
9) ZA= Kölner Local-Anzeiger, Nr. 353, Samstag, 18. Dezember 1909, „ein seltener Fang an der Ahr“
10) wie 3, siehe S.56
11) Sinziger Zeitung 51/ 52. 90, "Vermehren und hegen", Fischereigeschichte an Rhein und Ahr von Fritz Schäfer
12) Fritz Schäfer, "Die Lachsfischerei in den 20er und 30er Jahren an Rhein und Ahr" i.d. Zeitschrift der Club der Köche e.V. "Festival
der Kochkunst an Rhein und Ahr"
13) Paul Löffler, "Fische in der Ahr und ihren Nebenbächen“ in Heimatjahrbuch Kreis Ahrweiler 1957
14) wie 3 (alle Fischarten)
15) wie 12
16) wie 5 , sowie in www. Fischereilasner.de ( Fischarten)
17) mündl. Angaben Zeitzeuge Josef Marx, Kripp
18) Königliches Amtsblatt 62/1832, Seite 547. Privatarchiv Wingen +, Bad Bodendorf)
19) Kreisstatistik 1860
20) wie 3, siehe S.320
21) Familienbuch der kath.Pfarrei St. Peter und Paul Remagen 1649-1899, Gerhard Hentschel, 2007,
sowie das Einwohnerbuch des Kreis Ahrweiler 1899, Ortsteil Kripp, Landesbibliothek Koblenz
22) Nebel im Fjord der Lachse, C.C. Bergius, 1947, S.49 und 147