Hotel "Arte" in Kripp ©

© weis/funk 2011


Ein geschichtlicher Rückblick an eine schon immer beliebte Gaststätte am Kripper Rheinufer.

Was wäre ein Ort ohne seine zünftige Gastronomie, die auch ein Stück der örtlichen Sozialgeschichte mitprägt? Die Anfänge dieses im Mai 2011 wieder eröffneten Gastronomiebetriebes des ehemaligen traditionsreichen Hotel-und Gaststättenbetriebes „Rheingold“ gehen fast bis zur Ortsgründung zurück. Mit seiner fast 300 jährigen Tradition dürfte es nachweislich der älteste Gaststätten-und Beherbergungsbetrieb am Ort sein. Einen historisch belegten Nachweis eines bereits 1735 bestehenden örtlichen Gaststättenbetriebes ergibt sich aus einem Ehevertrag, der in einem Lokal „ahn der Kripp gegen Linz über, Ambt Sinzig, am 10ten Aprilis 1735 zwischen der Familie des niedersächsischen Geschlecht des Freiherrn von Oeynhausen aus Erpel und der Hochwohlgeborenen Familie des Johann Wilhelm von Meurers aus Breisig im Namen der Aller-Heilgsten-Drey-Einigkeit“ geschlossen und dort mit 11 Siegeln notariell beurkundet wurde. 1)
Des Weiteren fanden hier während des Kulturkampfes die Gerichtsverhandlung der Obrigkeit gegen die Kripper Bürgerschaft, sowie mehrmals das Kripper Bürgerbegehren zu Loslösungsbestrebungen von Remagen und Grundstücksverhandlungen zur Consolidierung im Umlegungsverfahren 1887/88 im Lokal der Familie Hertgen statt, die dieses Anwesen seit der Ortsentstehung über Generationen hin besaßen. 2)
Unseren bisherigen Recherchen zufolge besteht die berechtigte Annahme, dass diese Gaststätte von der nach Kripp übergesiedelten ehrgeizigen Familie des Linzhausener Schiffers Gerlach Hertgen (+ 1736) der 1718 mit seiner am 22.1.1693 geehelichten Frau Helene, geb. Pertzborn (+ 1741) sowie seinen 3 Söhnen, Johann (* 5.4.1695), Johann Adam (*1697) und Hermann (* 25. 3.1701) errichtet wurde, die sich 1718 an der Unterkripp niederließen und dieser wegen ihrer unternehmerischen Weitsicht zu großer Prosperität verhalfen. Blättert man in Kirchenbüchern oder in anderen älteren Protokollen, so wird recht auffallend der Familienname Hertgen über mehrere Generationen hinweg als hervorhebende Persönlichkeiten des Öfteren erwähnt.



Kupferstich Rheinfront um 1830

Einem colorierten Stich entnehmen wir, dass ab 1800 die neuzeitlichen größeren Steinhäuser die ehemaligen alten kleinen Fachwerkhäuser der Rheinfront aus der Pionierzeit, deren Ziegelsteine in den baustellennahen Lehmgruben der Niederterrasse zwischen beiden Fähranlegern in dortigen Meilern gebrannt wurden, verdrängten. Feldbrandöfen wurden nachweislich bereits dort vor 1850 in Höhe der heutigen Straße „Auf der Schanze“ von Josef Hertgen betrieben. 3)
Des Weiteren sind weitere Veränderungen in der Architektur des Gebäudes an Hand vorhandener Postkarten vor 1900 ersichtlich, wie unter anderem eine recht auffallende Dachstuhländerung mit einem Belvedere. Belegt ist, dass um 1890 dieses Hotel mit einem dazugehörenden großen Weinfeld zwischen Sandweg und Rheinufer im Besitz des Freimaurers Thomas stand. Vor 1900 gelangte das Gebäude in den Besitz eines Theodor Schumacher. Ein Großbrand vernichtete am 6. März 1903 das Hotelgebäude bis auf die Grundmauern.


Hotel Thomas



Hotel Schumacher



Brandfoto

Unter seiner Ägide wurde noch im gleichen Jahr und an gleicher Stelle durch die hiesigen Bauunternehmer Christian Betzing und Anton Rick mit den Wiederaufbauarbeiten begonnen und im neoklassizistischen Baustil unter dem Namen „Rheingold“ geführt. Der Name „Rheingold“ stellte zur damaligen Zeit plakativ der Inbegriff der Solidität und Garant für Qualität dar. 4)

                    

Hotel Rheingold mit neoklassizistischer Fassade

Danach wechselte das Gebäude bis heute mehrmals die Besitzer. So wurde es zum Jahreswechsel zu 1909 von einen August Hanefeld an den Fährpächter Dörries verkauft, der die im Hinterhof liegende Remise mit Bauantrag vom 8.2.1909 durch den hiesigen Bauunternehmer Anton Rick zu einem Tanzsaal und Turnhalle mit integriertem Schießstand und Kegelbahn umbaute und eine hoteleigene Schiffslandebrücke unterhielt.5)






Eine auf einer Hauspostkarte als Betreiberin erwähnte Frau A. Meese konnte von uns zeitlich nur vage nach der Zeit von Dörries eingeordnet werden. Nach dem Verkauf an J. Meschede vor dem Zweiten Weltkriege erwarb das Rheingold-Hotel eine Anna Braun, die 1958 das durch Kriegseinwirkungen in Mitleidenschaft gezogene Hotel an Theo Kluth verkaufte.



Später erwarb er von einem Cornelius Lindlohr das kleine rechts nebenliegende abrisswürdige Fachwerkhäuschen. Es erfolgte ein Umbau und eine Erweiterung des Gebäudes nach damaligen modernen Gesichtspunkten der Nachkriegszeit. Zwei Jahrzehnte später erfolgte ein Eigentumswechsel an Rolf Stürmer bis 2008. Anfang 2011 gelangte das ehemalige traditionsreiche „Rheingold-Hotel“ in den Besitz des holländischen Staatsangehörigen Luc Janssen, der es im heutigen modernen, dem Zeitgeschmack entsprechenden angepassten Lounge-Stil als Hotel“Arte“ mit einer gepflegten Gastronomie betreibt und Künstlern in den Gasträumen die Möglichkeit zum Ausstellen ihrer Werke gibt. Gepflegte Gastronomie ist hier angesagt, bei Sommerwetter Außenbewirtung auf der großen gepflegten teils beheizten Außenterrasse.



 „Hotel Arte“ (siehe http://www.kripper.de/10.html)

Durch den Ausbau der Rheinallee als Bundesstraße 266 wurde das Bild der Rheinfront stark verändert. Die ehemals von der Wwe. Friedrich Hertgen als Eigentümerin des besagten Hotels an der damaligen Provinzialstr. 121 mit Bauantrag vom 6.Mai 1883 errichtete hoteleigene Rheinterrasse, die nur vom Gasthaus durch die gepflasterte Chaussee getrennt war, fiel um 1968 der neuen Straßenführung des Ausbaues der B 266 zum Opfer. Der Nachwelt blieben nur noch Fotos zur Erinnerung an eine beschauliche schöne Zeit. 6)



Rheinfront und Rheinterrasse

Gäste aus Java, Australien, Kanada, Niederlande und Belgien, etc., sowie am 31.8.74 der bekannte Schauspieler Walter Giller mit Ensemble oder Wolfgang Völz haben sich im Gästebuch des ehemaligen „Rheingold-Hotels“ verewigt.
In Anlehnung an dieses Hotel in der links neben liegenden Treidelherberge (Rheinallee 1), ein einfaches Gästehaus für Treidelhalfen mit derber Kost und Logis, die ebenfalls über Generationen bis kurz vor 1900 im Familienbesitz der Familie Hertgen stand, befand sich die Servicestation des Treidlergewerbes, eine Art Relaisstation, wo die erschöpften Treidelpferde zur Tageszeit durch frische Pferde ausgetauscht wurden. Hier wurde den Rheinhalfen neben dem Welleswein ihren beliebten Faustkäse verabreicht. Zur Nachtzeit bezogen hier vorbeiziehende Treidelknechte ihr preiswertes Quartier auf Strohsäcken, während in den hinteren Ställen ihre Treidelpferde getränkt, gefüttert und eingestallt wurden. Nach dem Untergang der Treidelschifffahrt infolge aufkommender Dampfschifffahrt wurde dieses Gebäude vor 1900 zu einer Dampfwäscherei umfunktioniert.

Willy Weis und Hildegard Funk, Kripp



Quellen: © Stich (Repro), Original-Postkarten und Originalfoto: Archiv Weis 1) www.Geschichte Kripp.de/Anekdoten/Ehebredung 2) Heimatjahrbuch 1999, S. 93-95, „Das Kripper Gericht zur Zeit des Kulturkampfes“, von W.Weis u. H.Funk/ desgl. www.Geschichte Kripp.de/Zeitgeschichte/Kripper Ortsgericht 3) Heimatjahrbuch Kreis Ahrweiler 2007. S.179“...und dann ab ins Strandbad“, von W.Weis u. H.Funk/ desgl. www.Geschichte Kripp.de/Anekdoten/Badespass 4) Bauakten Stadt Remagen (Altakte, Provinzialstr.121 1883-1920) 5) wie 4 6) Bauakten Stadt Remagen (Altakte, Provinzialstr.121 von 1883)



Wirte in Kripp (Quelle: Familienbuch der katholischen Pfarrei Sankt Peter und Paul Remagen 1649 bis 1899)
Tempel, Hermann + 1778 (Schiffer und Gastwirt) S. 719 <3848>
Hertgen, Joseph Adam +1871 S. 301 <1512,4>
Hertgen, Heinrich Josef +1875 S. 301 < 1512,3>
Derichsweiler, Johann Josef +1834 S.167 <792>
Derichsweiler, Theodor +1858 S.167 <793>
Betzing, Johann +1888 S.61 <299>
Eulenberg, Johann (Maurer, Wirt) S.193 <942>


Verzeichnis der in der Bürgermeisterei vorhandenen concessionierten Gastwirtschaften in Kripp, angefangen 15.4.1870 (wo das Gewerbe betrieben wird) (Quelle: LHAKo 635/ 446)
lfd. Nr. 14 Eulenberg, Johann Nr. 65
lfd. Nr. 15 Lohmer, Johann Nr. 17
lfd. Nr. 27 Saget, Carl Anton Nr. 40 (10.5.1870)
lfd. Nr. 37 Saget, Carl Antan Nr. 40 (Gast + Separat..ionen Verzeichnis ?)
lfd. Nr. 38 Hertgen, Josef Nr. 62
lfd. Nr. 39 Honnef, Andreas Nr. 37
lfd. Nr. 40 Schlößer, Hermann Josef Nr. 99
lfd. Nr. 41 Volk, Johann Wilhelm Nr. 161
lfd. Nr. 53 Beckmann, Jakob Nr. 37
lfd. Nr. 54 Obermann, Peter Josef Nr. 80
lfd. Nr. 55 Schmitz, Johann Joseph Nr. ? (9.4.74)

„Verzeichnis derjenigen Krämer oder Handelstreibende, welche die mit geistigen Getränken über die Straße vertreiben (und bereits vor Publikation) vor 7. Febr.1845 betrieben haben“

Wirte 1845
Breuer, Hilarius
Eulenberg, Johann
Hertgen, Heinrich
Hertgen, Joseph
Hüllen, Johann
Oellig, Gottfried
lfd. Nr. 7 Honnef, Johann Andreas (Krämer) und in Besitz einer polizeilichen Erlaubniß ist.


Gemäß damaliger Polizeiakten mit Stand Juli 1943 sind in Kripp 5 Gaststätten mit folgenden Ruhetagen ersichtlich:
Montag: Gastwirtschaft “Rhein-Ahr“, Kripp, Hermann-Göring- Str. 67, (Ignaz Lohmer)
Dienstag: Schankwirtschaft „Aquarium“, Kripp, Rheinstraße 23, (Albert Doerris)
Mittwoch: Gaststätte „Zur Traube“, Kripp, Hermann-Göring- Str.78 (Heinrich Hirzmann)
Donnerstag: „Rheingold“, Kripp, Rheinstraße 5 (Anna Braun)
Freitag: Kaffeewirtschaft u. Weinausschank, Kripp, Hermann- G.- Str.(Wwe.L.Valentin)