Feldpostkartengeschichte ©

© weis/funk 2011

Eine kleine Feldpostkartengeschichte des Musketier Franz Lohmer aus Kripp.

Viele Eindrücke hinterließ uns der Kripper Soldat Franz Lohmer als eifriger Schreiber im Ersten Weltkrieg von der Westfront. Durch unzählige Feldpostkartenkorrespondenz kam es fast täglich zu einem kurzen handschriftlichen Informationsaustausch zwischen ihm und seinem Vater - dem Landwirt Otto Lohmer zu Kripp ª/Rhein bei Sinzig, Hauptstr.75 - über Standortverlegungen, Freud, Leid und Wünsche oder sonstiger Ortsinterna, wie das Schicksal des in Russland gefallenen Josef Gries vom Zaunweg.(Mittelstraße)
So war man an der Front über das Geschehen in der Heimat stets informiert. Umgekehrt in Kripp über das Geschehen an der Westfront. Die Frontkarten enthielten jedoch überwiegend den Wunsch über die Zusendung eines Paketes mit Butter, da man sonst das harte „Kommißbrot“ nicht essen und man mit seinem Sold im Kriegsgebiet nichts kaufen könne. Vielfach wurde der Sold in die Heimat geschickt, zur Finanzierung von Päckchen an die Front.
Besondere Freude war aus den Zeilen zu entnehmen,wenn man im Frontgebiet überraschend Jugendfreunde und Bekannte aus Kripp wiedersah, wie z.B. Michael Gries, Fritz Lohmer, August Betzing, Willi Huth oder den kleinen Nepomuk Dahm. Dann wurden voller Eifer Neuigkeiten aus der Heimat ausgetauscht, wie unter anderem, das Schäfers Josef, Bernhard und Adolf, Josef Kanisius, Johann Hammer, Wahls Louis und Wolf (von Greiners Sett der Mann) nun in Russland sind.


Schreiben des Bruders Johann an Peter Lohmer vom 10.3.1915 mit dem Vermerk: „Auf dem Felde der Ehre gefallen“ an den Absender zurück gesandt.

Eine weitere Feldpostkarte direkt von der Front gab Einblicke aus dem Kriegsgeschehen sowie den Schreibort des Absenders bekannt, wie: „Schützengraben bei Tauheré, den 19.1.1915, ….wir liegen seit vier Wochen in den Schützengräben hier, ohne uns zu waschen...“ oder eine andere Mitteilung aus den hintereinanderliegenden Schützengräben des Stellungskrieges: „...wir liegen direkt am Fluss, 10 m davon, 30 m von den Franzmänner.“

Wie aus verschiedenen Feldpostkarten ersichtlich, erlitt Bruder Peter als freiwilliger Kriegsteilnehmer der Maschinengewehr- Kompanie einen Fußgelenkschuss, der stationär in einem Lazarett behandelt wurde. Nach der Genesung kam er wieder zum Kriegseinsatz, der ihm zum Verhängnis werden sollte.


Schreiben des Vaters Otto Lohmer an Sohn Peter vom 9.3.1915 mit dem Vermerk: „Auf dem Felde der Ehre gefallen“ an den Absender zurück gesandt.

Eine Nachricht aus der Heimat durch eine am 9.3.1915 in Kripp aufgegebene Feldpostkarte des Vaters, sowie einer Feldpostkarte des Bruders Johann vom 10.3.1915 erreichte den Grenadier Peter Lohmer nicht mehr. Beide Karten kamen mit dem Vermerk zurück: „ AUF DEM FELDE DER EHRE GEFALLEN“. Er wurde in West-Galizien im Dorf Tucholka auf dem dortigen Militärfriedhof begraben.

Hochmotiviert und voller Intusiasmus schrieb noch der Kripper Franz Lohmer zwei Jahre vor Kriegsbeginn während seiner Ausbildungszeit als Musketier des Infantrie-Regiment von Horn (3. Rheinisches) Nr. 29. im Schlusssatz seines Briefes am 17.11.1912 an seine Eltern in Kripp :


Brief des Kripper Musketier Franz Lohmer während der Ausbildungszeit in Trier vom 17.11.1912:
 „Gott verläßt die Preußen nicht, und besonders keine Rheinländer“


“GOTT VERLÄSST DIE PREUSSEN NICHT, UND BESONDERS KEINE RHEINLÄNDER“. Es kam jedoch anders als erwartet. Hier irrte sich Franz Lohmer gewaltig; und mit ihm eine ganze Nation!