Kripp "Am Bakerloch" ©

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Geschichtliche Hintergründe eines Straßennamens

Kies und Sandvorkommen


Kripp ist, was die Bodenbeschaffung angeht, besonders reichlich gesegnet mit einem Erbe, das teilweise bis in die Eiszeit zurückverfolgt werden kann. Außer Lehmvorkommen zeichnen sich dank alluvialer Auflandungen in dieser Niederung besonders ergiebige Stellen wertvollen Baustoffes von Sand und Kies aus. Diese unterschiedlichen Vorkommen in Kripp, teilweise meterdicke Kies- und Sandbänke sind, wie aus geologischen Nachweisungen der königlichen Regierung zu Coblenz von 1858 hervorgeht, "unterhalb der Ahrmündung bei Kripp Ablagerungen von feinem, scharfkantigen Rhein- und Ahrsand im großen Maße vorhanden, die auf Kripper Grundstücken liegen, den man mit einem Theil Kalk zu 2 I/2 Theil Sand für alle Maurerarbeiten benutzen kann. Die Schachtruthe kostet in Kripp I Thlr und 15 Sgr, die Fracht beträgt 15 bis 25 Sgr. mit dem Schiff'. (LHKO 441123979)".

Diese reichhaltigen Kies- und Sandvorkommen galt es im Tagebau auszubeuten. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts herrschte in Kripp auf Grund dieser geologischen Gegebenheit eine rege Betriebsamkeit, indem unsere Vorfahren in 10- stündiger Arbeitszeit den Lehm, Sand und Kies ausschließlich durch die schwere körperliche Arbeit per Schaufel mit der Hand abbauten. Diese recht mühevolle Arbeit hielt überwiegend bis zum 2. WK noch an.

Eine Ausnahme bildete jedoch im Sommer 1918 aus einer militärischen Notwendigkeit heraus der maschinelle Einsatz eines riesigen Eimerkettenbaggers in Kripp. Im Rahmen der von uns bereits 1994 angestellten Aufarbeitung der Ortsgeschichte berichtete der Zeitzeuge Michael Schumacher (1902-2000) recht detailliert über den Einsatz eines riesigen monströsen Eimerkettenbaggers zu Ende des Ersten Weltkrieges am westlichen Ortsausgang, der zu damaliger Zeit die Kripper in Erstaunen versetzte. 16 Jahre später gelangten wir per Zufall im Teamworkverfahren mit dem Internet erfahrenen ehemaligen Kripper Bürger Horst Krebs in dieser Angelegenheit an ein archiviertes Fotodokument, das 93 Jahre lang im Archiv der Mannheimer Firma Bilfinger Berger schlummerte.



Archivfoto des Unternehmens Bilfinger  Berger mit freundlicher Unterstützung von Dr. Martin Krauß (Bilfinger Berger SE)

Hintergründe

Um die damalige festgefahrene militärische Situation im Ersten Weltkrieg an der Westfront zu lösen, wurde eigens nur für den Krieg von 1916-1918 die Remagener Ludendorffbrücke gebaut, um somit die Front auf dem kürzesten Wege mit Munition und Kriegsmaterial zu versorgen. Dazu plante man aus logistischen Gründen eine Eisenbahnlinie vom Ruhrgebiet aus bis zum Anschlussgleis des Ahrtales bei Kripp, um in Richtung Westfront zu gelangen. Für die Rheinüberquerung war der Bau einer Brücke bei Erpel sowie füir die Anbindung an das rechtsrheinische Schienennetz ein Tunnel durch die Erpeler Ley geplant. 1916 wurde mit dem Brückenbauwerk begonnen, wobei auch russische Kriegsgefangene eingesetzt wurden. Ausführende Firma des 4.642 t schweren zweigleisigen Brückenbauwerkes war die Mannheimer Firma Bilfinger Berger S.E.

Für die Anlegung eines im Kripper Feld liegenden Schienennetzes waren ungeheure Mengen Auffüllmaterial für den Bahndamm erforderlich. Diese enormen Erdbewegungen waren zu damaliger Zeit rentabel nur mit einem auf Schienen gelagerten Eimerkettenbagger zu bewältigen, der bei zusammenhängenden Abbauflächen mit Grubenfronten von mehr als 100 m Länge sowie einer Abraumhöhe von mehreren Meter ein theoretisches Ladevolumen von weit über 100 qbm/h Abraum und Kies, selbst bei ungünstigsten Abraumverhältnissen schaffte. Ein solcher Riesenbagger befand sich im Flurdistrikt ,,Im Bruch" an der Römerstraße am jetzt befindlichen Baggersee der ehemaligen Kiesgrube der Firma Beton-Union. Der auf einem langen Gleisstück befindliche Bagger tätigte seine Vorwärtsbewegung von selbst, in dem er sich in die dort befindlichen Kiesbänke ununterbrochen hineinfraß. Musste der Bagger wegen seiner vollendeten Ausbeutung seitlich an eine neue Schürfstelle herangeführt werden, so wurde dieser zur Entlastung des neu zu verlegenden Schienenstranges auf das gegenüber liegende Schienenende befördert. Das unbelastete Gleisende wurde mittels schweren Brechstangen soweit wie möglich an die neue Abraumstelle gewuchtet, den Bagger zum anderen Gleisende gefahren und die gleiche Prozedur wiederholte sich, bis der Bagger in der neuen richtigen Abräumposition stand.

Dabei kamen auch die 2 Riesenfindlinge von annähernd je 50 Zentner, die heute rechts und links den Friedhofsparkplatz begrenzen, zu Tage.

Das teils mit Lehm der oberen Abraumbänke gemischte Abraummaterial wurde für die Aufschüttung der Bahndämme, der im Zuge der Anbindung im Kripper Feld befindlichen Eisenbahntrasse, direkt mittels Loren zum Zielort transportiert.

Von 1920 bis in die sechsziger Jahre des vorigen Jahrhunderts war der Bereich um dieses Baggerloch als ugs. Ortsbezeichnung ,,Bakerloch" (steht für Bagger, ugs. Baggeloch) bekannt für die Kripper Kinder der Inbegriff eines unvergessenen Spielparadieses.

2009 wurde im dortigen Neubaugebiet eine in diesem Bereich von der Römerstraße abzweigende neu angelegte Straße durch Beschluss des Ortsbeirats auf Vorschlag des Ortsbeiratsmitgliedes Klaus Kupp ,,Am Bakeloch" benannt, obwohl der eigentliche historische Hintergrund dieser Namensbezeichnung dem politischen Gremium bis heute unbekannt war.