Vorwort und Quellen

von A. Bohrer, 06.02.2012

Schon lange bevor die heutige Fährgesellschaft Linz-Kripp GmbH die Rheinfahrt aufnahm, gab es bereits Fährverbindungen zwischen Linz und Kripp. Durch die Jahrhunderte hindurch hat man diese Verbindung auch gerne als "Brücke zwischen Westerwald und Eifel" bezeichnet.
Die hier genannten Informationen und Belege wurden zum Teil von mir selbst recherchiert oder aus zuverlässigen Quellen übernommen. Dank der hervoragenden Recherchen für seiner Rede „Entwicklung der Rheinfähre Linz-Kripp“, gehalten zur Einweihung der Querseilfähre am 7. Juli 1948 im Lokal "Zur Fähre" in Kripp von Stadtbaurat i. a. Walter Fuchs, Geschäftsführer der Fährgesellschaft Linz Kripp GmbH in den 40er und 50 Jahren, und Josef Fuchs, die beide sehr viel über die Fähren dokumentiert haben.Auch Josef Siebertz hat mit seinem Bericht „Aus der Geschichte der Rheinfähre Linz-Kripp“,aus dem Buch „1100 Jahre Linz“ eine Menge an Material zur Verfügung gestellt, so das ein sehr großer Zeitlicher, wie auch umfassender Blick auf die Fähren und Fährleute aus der Vergangenheit bis heute möglich gemacht wurde.
Leider ist der Umfang des Materials so riesig, das ich mich bei der nachfolgenden Übersicht nur auf einen kleinen Ausschnitt konzentrieren kann, ein gesamter zeitlicher Abriss bis ins Detail würde den Umfang sprengen und auch keine klare Linie in meine Zusammenfassung über die Fähren und Fährleute der Fährverbindung zwischen Linz und Kripp bringen.
Meine Zusammenfassung gliedert sich in zwei Teilen, deren ersten Bereich umfasst eine Chronik, die den zeitlichen Ablauf von 1409 bis heute darstellt und die Zeitabschnitte zwischen einzelnen Geschenissen verdeutlichen soll, die nicht den Fähren oder den Fährleuten spezifisch zusortiert werden kann.
Darunter fällt zum Beispiel auch der Abschnitt über die Gründung von Kripp, die ja nur indirekt mit der Fähre zu tun hat, aber ohne deren Betrachtung einfach ein wichtiger Hintergrundbaustein fehlen würde, der vieles erklären kann.
Dazu gehört aber auch die „kleine Anektote“ von 1876, die den Zeitgeist wiederspiegelt oder „Die Begebenheit beim Kaiser= manöver 1912“, ohne sie würden wichtige Elemente der damaligen Zeit einfach fehlen und das Verständnis für getroffene Entscheidungen schwerer nachvollziebar machen.
Der zweite Teil befasst sich dann mit den eigentlichen Fähren, die ab 1893 auf der Verbindung Linz – Kripp eingesetzt wurden, Ihren technischen Daten und Ihre Geschichte und nicht zuletzt auch der Verbleib der Fährschiffe. Nicht selten kam es vor, das bei uns erstmals eingesetzte Fährschiffe noch an anderen Fährstellen Jahrzehnte lang im Einsatz waren.
Die Weiterentwicklung von der ersten Gierponte bis hin zur heutigen, modernen Großfähre, lässt sich gut anhand der verschiedenen, in Linz eingesetzten Fähren ablesen, vergleicht man sie dabei mit anderen, ebenfalls erfolgreichen Fährstellen, kann man feststellen, das die Linz' er Fähren eindeutig die Weiterentwicklung der Fährtechnik am Rhein und seinen Nebenflüssen mit geprägt haben.
An dieser Stelle auch meinen besonderen Dank an Frau Rönz vom Stadtarchiv Linz, die mir sehr hilfreich zur Seite gestanden hat, sowie an Herrn Langes (www.fjordfaehren.de), mit seiner privaten Webseite über Fähren und Herrn Krebs einem ehemaligen Bürger von Kripp  (Webseiten: www.Geschichte-Kripp.de und www.Kripp.de), sowie allen anderen, die mir mit Fotos und Informationsmaterial hilfreich zur Seite gestanden haben.



                                                                                        Auszüge aus den Quellen

Hermann Josef Fuchs:
"Seit 550 Jahren besteht zwischen der "Bunten Stadt Linz" und dem Remagener Ortsteil Kripp eine Fährverbindung über den Rhein, die in alten Unterlagen im Linzer Stadtarchiv und in der Chronik der Rheinfähre als Rheinfahrt bekannt ist.“
"Josef Siebertz stellt in seinem Beitrag zur Geschichte der Rheinfähre im Festbuch zur 1100 Jahrfeier von Linz fest, daß die Fährgerechtsame von je her im Linzer Besitz war. Sinzig lag an der drei Kilometer vom Rhein entfernten alten Römerstraße und hatte deshalb kein Fährrecht.“
"Im zurückliegenden halben Jahrtausend gab es für den Fährbetrieb bewegte Zeiten. Aus kleinen Anfängen entwickelte sich das Fährunternehmen zum heutigen Großbetrieb. Das Unternehmen Fähre ist für die Städte Linz und Remagen ein beachtlicher Wirtschaftsfaktor. Die Fährgesellschaft verfügt über zwei leistungsfähige Autogroßfähren, die jährlich rund 870.000 Personen und 830.000 Fahrzeuge von einem zum anderen Ufer des Rheins bei täglich durchschnittlich 150 bis 160 Fahrten befördern.
Die Fährverbindung Linz-Kripp ist die größte und modernste ihrer Art im hiesigen Raum als Brücke zwischen Westerwald und Eifel" so Hermann Josef Fuchs in seinem Artikel aus dem Heimatjahrbuch des Kreis Ahrweiler 1995.

Stadtbaurat i.R. Walter Fuchs:
"Die Einrichtung einer Fähre oder einer Übersetzungsgelegenheit wird immer nur dort eingerichtet werden können, wo die Besiedlung an beiden Ufern gegeben ist. Eine beiderseitige Besiedlung lässt sich aus den früheren Ortsnamen der in Betracht
kommenden heutigen Städte Linz, Remagen und Sinzig nachweisen, und zwar aus dem römischen Namen der Städte.
Ortsnamen mit den römischen Endungen auf *lacum-lentiacum-Linz, *sentiacum-Sinzig und *agus rigemagus-Remagen deuten auf frühere keltische Siedlungen hin. Die Römer benutzten bei ihrem Vordringen ins Rheinland um 100 v.Chr. die vorhandenen keltischen Siedlungen zur Anlage ihrer Castelle und so entstanden Remagen und Sinzig. Linz selbst ist nie ein Castell gewesen, es lag ausserhalb des bei Rheinbrohl endenden Grenzwalls des Limes, aber aus der Ähnlichkeit der beiden Namen Lentiacum und Sentiacum ist wohl eine nähere Beziehung dieser beiden Siedlungen sehr wahrscheinlich. Hinzu kommt noch, dass der Name lentiacum von dem keltischen Wort linter, der Kahn, abgeleitet sein soll, also auf eine Kahnverbindung in keltischer Zeit hinzudeuten scheint.
Dass Handelsbeziehungen von Ufer zu Ufer in römischer Zeit vorhanden gewesen sind, ergibt sich daraus, dass die Römer die Kupfergruben bei Rheinbreitbach bereits ausgebeutet haben, während bei Sinzig Ziegeleien bestanden haben. Von der Mitte des 3. Jahrhunderts v. Chr. an beginnt der Zerfall des römischen Reiches am Rhein; es wird im 5. Jahrhundert von dem Reich der Franken abgelöst, das sich auf beiden Seiten des Rheines ausdehnte. In Sinzig entstand ein Palast der Frankenkönige, der auch im 8. Jahrhundert von Karl dem Großen des öfteren besucht sein soll.
Auf der rechten Rheinseite bestand in und bei Linz größere fränkische Siedlungen, wie aus umfangreichen Gräberfeldern nachzuweisen ist, und es ist wohl selbstverständlich, das zwischen diesen Siedlungen und dem fränkischen Hof in Sinzig Beziehungen bestanden haben.
Von den zahlreichen Siedlungen im hiesigen Rheintal entwickelten sich Linz, Remagen und vorallem die Königspfalz Sinzig zu mittelalterlichen Städten, die andere Siedlungen an Größe bei weitem übertrafen und zu einer gewissen Bedeutung gelangten.
Die ersten urkundlichen Nachrichten über diese Städte finden wir z. B. über Linz aus dem Jahre 873 und Remagen und Sinzig um das Jahr 1000. Im 13. Jahrhundert erhalten die 3 Orte Stadtrechte, und ungefähr zur gleichen Zeit entstehen in den 3 Städten verhältnissmäßig bedeutende Kirchenbauten, von denen die Kirche in Sinzig baugeschichtlich die bedeutendste ist. Auch diese gemeinsame Entwichklung der 3 Städte gibt uns die Gewissheit, das damals schon sicherlich ein reger Verkehr von Ufer zu Ufer
stattgefunden hat.
Kann man aus den geschichtlichen Zusammenhängen auch nur auf das Bestehen eines Fährverkehrs schliessen, so haben wir die ersten urkundlichen Nachrichten über ein Fährrecht der Stadt Linz in dem Stadtarchiv der Stadt Linz, das bis ins Jahr 1325 zurückgeht."
Quelle: Stadtbaurat i.R. Walter Fuchs in seiner Rede zur Einweihung der Querseilfähre am 7. Juli 1948 im Lokal "Zur Fähre" in Kripp.

Wilhelm Bretz: Festbuch zur 1100 Jahrfeier von Linz
Einen weiteren Hinweis auf eine bereits früher bestehende Fähre oder Übersetzmöglichkeit findet sich in der Geschichte der Pfarerei St. Martin, aufgeschrieben von Wilhelm Bretz, veröffentlicht 1974 im Festbuch zur 1100 Jahrfeier von Linz.
"Nach der Chronik von Krumscheid sollen die Linzer die St. Michaelskapelle neben der Pfarrkirche für die erste Linzer Kultstätte halten. Entspricht das der Wirklichkeit, dann war das jene Kapelle in Lensi (Linz), von welcher der Gerichtsschreiber Karls des Großen, Einhard, behauptet er habe die Kapelle verwüstet aufgefunden.
828 besichtigt Einhard ein Gut in Lohrsdorf und setzte bei Sinzig / Ahr über den Rhein. Die Nähe von Sinzig und Lohrsdorf läßt darauf schließen, das Lensi gleich ist mit dem damals in einer Urkunde genannten Linchesce."