Balthasarkreuz  ©weis/funk Februar 1996 

Das alte steinerne Hochkreuz steht als zweitältestes und zweitgrößte Kreuz in Flur 5 unmittelbar am Baumstamm einer mächtigen Linde von annähemd 18 Meter Kronendurchmesser an der Weggabelung des verlängerten Sandweges zur Mittelstraße, unmittelbar an der Bereichsgrenze der Feldfluren von Remagen und Kripp.
Dieses Hochkreuz steht auch heute noch 1,545 km von der Kripper Pfarrkirche entfemt, an seinem ursprünglichen Standort und symbolisierte seit eh und je optisch die Ortsgrenze zu Remagen und ab 1910 nach Erhebung Kripp zur Kapellengemeinde nachweislich, wie aus nachfolgender Urkundenabschrift zu ersehen ist, die nördlichste Bereichsgrenze der neuen Kripper Kirchengemeinde.


                                                                                                                      Foto Weis

Abschrift der

..Urkunde über die Errichtung der Kapellengemeinde Kripp. Pfarrei Remagen Kreis Ahrweiler. (KPA Kripp, Kopie Slg. Weis/ Funk)
Nach Anhörung und Zustimmung der zur Sache Berechtigten und an ihr Beteiligten wird hierdurch festgesetzt und verordnet wie folgt:
Unter Punkt 1. Die Filiale Kripp, Pfarrei Remagen, wird zu einer selbstständigen Kapellengemeinde mit besonderer Unterhaltung und Vermögensverwaltung erhoben
Unter Punkt 6. Als Grenze zwischen der Pfarrgemeinde Remagen und der Kapellgemeinde Kripp soll gelten der Weg welcher vom ,,Balthasarkreuz" in gerader Linie fast senkrecht zum Rhein führt, ferner der vom Balthasarkreuz führende ,,Zaunweg" (heute Mittelstr..) bis zu dem zweiten vom Zaunweg nach rechts im rechten Winkel abgehenden Feldwege, weiter diesem Feldweg bis zur "alten Straße" (heute Römerstraße), und endlich über die alte Straße der dem der dem letztgenannten Feldwege fast gegenüberliegenden, in derselben Richtung führende Feldweg bis über die Geleide der Eisenbahn Cöln-Bingerbrück an die Grenze der Sinziger Gemeinde.

Die gegenwärtige Verwendung wird in der Pfarrkirche zu Remagen und in der Kapelle zu Kripp am 30. September 1910 verkündigt und gilt damit als vollzogen.
Trier, den 29. August 1910
Der Bischof von Trier.
gez.
+ M. Felix          (mit bischöflichem Prägestempel Michael Felix Episcopus Treviren)


auf der gegenüberliegenden Urkundenseite die Bestätigumg unter IIa 2894 der kgl. Reg.zu Coblenz

,,Die nach der vorstehenden Urkunde vom 29. d Mts. von dem Bischof von Trier kirchlicherseits ausgesprochene Errichtung und
Umschreibung der der katholischen Kapellengemeinde Kripp wird auf Grund der von dem Minister der geistlichen Angelegenheiten mittels Erlasses vom 18. Juli d Jhr -G II 4740- uns erteilten Ermächtigung hierdurch von Staatswegen bestätigt
und in Vollzug gesetzt.
Coblenz, dem 26. September 1910
(Randstempel der Königl. Regierung Koblenz)
Königliche Regierung
Abteilung fir Kirchen- und Schulwesen
gez. Flurschüa o.ä"


                                                                                                                                                                                                              Foto Weis

Beschreibung

Nach dem späten Mittelalter präsentierte man bei den Feldprozessionen den Leib Christi in Form einer Hostie mittels einer Monstranz, die in der dortigen Rundnische Aufnahme fand.
Das 2,87 m hohe Gliederkreuz mit tiefer Halbrundnische im Mittelteil gründet sich auf einem oberhalb dem Erdreich 18 crn herausragenden quadratischen Sockel von 52 cm.
Auf diesen ruht ein quadratischer Steinquader von 33 cm und 60 cm Höhe, auf der sich eine 5 cm dicke gewulstete Steinplatte von 40 cm Breite befindet, die zur Vorderseite hin halbrund um 5 cm mittig vorsteht und optisch durch ein darunter befindliches steinemes Blatt gestützt wird.
Ein über dieser Platte befindlicher zweiter und dritter Steinblock gleichem Außenmaßes verjüngt sich ab 80 cm profilierend um weitere 10 cm nach oben auf 20 cm im Quadrat. In diesen Blöcken befindet sich eine Halbrundnische von 26 cm Breite und 63 cm Höhe, die im oberen Abschluss als 5 strahlige Muschel ausgebildet ist. Diese Nische diente zur Aufnahme der Monstranz. Durch diese Gegebenheit ist dieses Kreuz als Prozessionskreuz (Segenskreuz) einzustufen. Oberhalb des Muschelabschlusses befindet sich die Jahreszahl 1711 der Erstellung. Der Abschluss oberhalb des quadratisch profilierten Steinkörpers bildet ein aufstehendes 10 cm schlankes Steinbalkenkreuz von 93 cm Höhe und 73 cm Breite. Auf der Vorderseite des Unterteils ist in fünf Zeilen noch gut lesbar der Namen der Stifter eingemeißelt.

BALTHA
SAR.VAS
BENDER
EVA.SCHV
LERS.



                                                                                                                                                       Foto Weis

Geschichte


1711 wurde dieses Hochkreuz von den Eheleuten Balthasar Vasbender (1722 Schöffenbürgermeister zu Remagen, + 7.9.1723), und der 1699 vermählten Eva Schuellers gestiftet. (gestorben 8.7.1751)
Beide ließen es 1711 an der südlichen Bereichsgrenze zu Kripp am Mittelwege errichten. Der Grund der Stiftung blieb bisher unbekannt. Obwohl diese von den Pfarrern eingesegnete Steinkreuze, deren Stifter überwiegend Privatleute waren und meist religiöse Hintergründe hatten, wurden diese jedoch nicht von der Kirche errichtet. Diese Annahme ist aus einem Ratsprotokoll und einem Schreiben des Remagener Pfarrers von 1863 über den Einsturz dieses Hochkreuzes ohne jegliche fremde Gewalteinwirkung infolge des ruinösen Zustandes zu entnehmen. (LHAKo 635/370)
Der Korrespondenz zu Folge bittet der Remagener Bürgermeister Beinhauer den amtierenden Pfarrer zwecks Herbeiführung des Eigentumsverhältnisses des Kreuzes Stellung zu nehmen, der dies mit Antwortschreiben wie folgt klärt (Abschrift)

,,Sehr geehrter Herr Bürgermeister !
Auf lhr gefälliges Schreiben in Betreff des sogenannten Balthasarkreuzes (...?.) habe ich noch zu erwiedern,daß daselbe von einem Privatmann, Balthasar Faßbender, errichtet, und zuletzt von dem verstorbenen Michel Joseph Schäfer restauriert worden ist. Wenn nun jetzt kein Wohltäter sich findet, welche daselbe aufseine Kosten wiederherstellt, so wäre es ratsam, daß die Gemeinde dieses thäte. Von meiner Seite ist keine Betheiligung nothwendig.
Freundschaftlichst zurück
Ihr ergebenster
Remagen, 10 März 1863

Knoeppel, Pfr."                                                                                                                                               (LHAKo 635/370, Kopie Slg. Weis/Funk)


Unter dem Tagesordnungspunkt VIII der Stadtverordnetenversammlung vom 12. März 1863 ist unter dem Betreff:
,,Die Wiedererrichtung des zusammengestürzten massiven Kreuzes des sogenannten Balthasarkreuzes am Wege von Remagen zur Kripp" folgendes zu veranlassen.
Nach Verlesung des von dem Herrn Pfarrer Knöppel dahier erhobenen Auskunftsschreiben vom 10 d-M. bezüglich der Gründung und Eigentumsverhältnissen des zusammengestürzten Kreuzes und da es nicht bekannt und nicht anzunehmen ist, daß der Zusammensturz des Kreuzes durch fremdelnde Hand und Gewalt verursacht worden ist, wird dem Bürgermeister anheim gegeben, die Wiederaufrichtung des Kreuzes sofort auf Rechnung der Gemeinde zu bewerkstelligen.
v.g.u.
Eingetragen in das Protokollbuch der Stadtverordneten den 16. März 1863.
gez. Beinhauer Bürgermeister "
                                                                                                                                                                                (Quelle= LHAKo 635/370- Abschrift)

1939, annähernd 75 Jahre später während der Naziherrschaft, ist einem empörenden Zeitungsbericht zu entnehmen, dass dieses Kreuz mutwillig einer Zerstörung zum Opfer fiel. ".....ehrwürdige alte Kreuz derartzerstört, daß nur noch der Sockel standhielt. Das Kreuz ist in mehreren Teilen zerbrochen. Man kann sichdenken, daß nur niedrigste Gesinnung und fanatischer Haß jemand verleiten kann, an solchen frommenZeichen christlicher Glaubensliebe sich zu vergreifen..." (Quelle= ZA: Rhein-und Ahr Zeitung v. 5.3.1939- Abschrift)
Über den Wiederaufbau ist uns derzeit nichts bekannt. Eine Restaurierung dürfte jedoch unmittelbar danach erfolgt sein, denn nach Angaben von Zeitzeugen hätte dieses Kreuz die unmittelbare Nachkriegszeit trotz geballter Menschenmassen infolge des dortigen Kriegsgefangenenlagers respektvoll behütet ohne Schaden überstanden.
Vermutlich dürfte es wohl damals als einziger Anhaltspunkt geholfen haben, Lebensmut und Kraft zum Überleben in der damaligen Not zu spenden.
Im Laufe der Nachkriegsjahre nagten schädliche Umwelteinflüsse an der Natursteinsubstanz des Kreuzes, so dass nach 1980 eine Kommission für dieses Bauwerk eine Denkmalwürdigkeit feststellte und die Restaurierungskosten mit 6.000 DM bezifferte, wovon der Kreis und das Land jeweils 1.700 DM bereit stellte.
Im Januar 1985 wurde das Kreuz in einer nächtlichen Aktion von Unbekannten schwer beschädigt. Das Kreuz wurde nun von Restaurator Gehring zur Restaurierung n Ort und Stelle zerlegt und nach Andernach verfrachtet, wo es in mühevoller und zeitraubender Arbeit restauriert wurde. Unzählige kleine Natursteinpartikel sowie kleine Löcher und Risse mussten mit "Mineros", einem Material das Stein verbindet und dessen Farbe annimmt, zusammengesetzt und geschlossen werden. Zwei Jahre nach Beginn der Zerlegung fand das Kreuz nunmehr im neuen Glanz zur Freude der Kripper wieder Aufnahme an seinem Stammplatz.
Die Flur, auf dem das Kreuz steht, erhielt die Bezeichnung "Am Balthasarkreuz". Das im Volksmund nach dem Vornamen des Spenders genannte Balthasarkreuz verdrängte mit der Zeit die dortige alte Flurbezeichnung "Am Herskaul", so daß bei Errichtung des neuen Katasters der neue Flurname "Am Balthasarkreuz" aufgeführt wurde.

Zur Familie der Stifter.

Es ist zu berichten das der Stifter Balthasar Vassbänder das erste Kind der Eheleute (oo vor 1680) Wemer Vassbänder von Oberwinter (+29.11.1708 in Remagen) und Anna Gertrud Roland von Niederbachem (+23.10.1723) war, die zwischen 1682 und 1693 nach Remagen verzogen.
Werner Vassbänder ist der Stammvater der in Remagen weit verzweigten Familie Faßbender. 1698 Ratsmandat, 1699 Ratsbürgermeister. (Langen, S.22)
Ab 1700 als Schrötermeister bekannt. (Nr. <961>,S.195 Familienbuch)
Der Stifter Balthasar Vassbänder vermählte sich vor 1700 mit Eva Schüller, gt.(genannt) Vassbänder, (+8.7.1751). Sie betrieben in Remagen erfolgreich den Gasthof ,,Zur Treppe". Dieser Nachweis ergibt sich aus Eintragungen im Remagener Familienbuch mit verschiedenen Vermerken: wie ,, Wirtin Zur Treppe",bzw. ,,Gastgeber Auff der Trappen". (Nr.: 462>, S.195 Familienbuch)
,,Fassbänder, Vassbender Balthasar, Gastwirt,(,,Gastgeber auff der Trappen", Schöffe und Bürgermeister, + 7.9.1723, oo yor 1700 mit Schüller, Eva, + 8.7.1751 Remagen", ,,gt. Vassbender, Wirtin ,,Zur Treppe")." (Nr.: <188,3>, S.37 Familienbuch)
Über die Stifter ist zu berichten, das sie als Wohltäter auffallend viele Patenschaften übernahmen, wie u.a. dem Kirchenbuch zu entnehmen ist teils als Eheleute, oder einzeln wie am 23.12.1103 bei Eva Schüller, genannt Vassbänder,,Wirtin zur Treppe" mit Halfmann b. Gudenaw (Godenhaus). <Nr.188.3>  S.37 Familienbuch)
Beide Familiennamen erscheinen unter anderem auch am 7.11.1727 bei der Taufe eines Heinrich Breuer, Sohn des Kripper Eheleute Heinrich Breuer und Christina Gerardt im Remagener Kirchenbuch als Paten.
(Eintrag: P= Heinrich Vasbänder (Bruder des Stifters) und eine Eva Schüller <492.3>, S.102 Familienbuch)

In den Amtslisten von Remagen ist der Stifter 1703 als Ratsbürgermeister, 1714 und 1722 als Schöffenbürgermeister aufgeführt. (Langen, S. 23-25)

Quellen:
1) LHKo 635/ 370 , Wiederaufrichtung des Balthasarkreuzes zwischen Remagen und Kripp
2) Amtslisten von Remagen von Wilhelm J. Langen, Renagen 1925
3) Familienbuch der katholischen Pfarrei Sankt Peter und Paul Remagen 1649-1899, von Dr. G. Hentschel, Sinzig. - Bad Bodendorf 2007,
(in dem Zeichen < > befindlichen Zahlen bedeuten die jeweilige lfd. Nummerierungen)
4) KPA Kripp=Kath. Pfarrarchiv St. Nepomuk Kripp


                                                                                                                                                                      Skizze Weis 1994