"De Schnaaf ", ein Kripper "Orjinal"(Original)

© weis/funk 1994

Wenn auch die meisten Kripper zu der Masse der unauffällig Dahinlebenden gehörten, so gibt es jedoch auch Leute, die wegen ihrer Urwüchsigkeit aus dem Rahmen des Alltäglichen herausfallen. Man nennt sie ugs. „Orjinale“ (Originale). Meist sind es recht eigentümliche Persönlichkeiten, die sich positiv oder negativ von dem Normalbürger unterscheiden. Bei einer größeren Anzahl von Menschen eines Ortes bleibt es jedoch nicht aus, dass sich in verschiedenen Generationen auch einige Originale herausschälen, dessen Episoden hier kurz erwähnt und in Erinnerung gebracht werden.

Einer dieser Originale war um 1920 der Kripper Bürger Jakob Thelen, der im Bewusstsein der alteingesessenen Bürger als "Schnaaf" auch heute noch lebt.

Seinen Lebenserwerb sicherte sich "Schnaaf" mit allerlei handwerklichen Tätigkeiten in bester Ausführung. „Schnaaf“ vom Beruf her Anstreicher, betätigte sich später als städtischer Hilfspolizist und Nachtwächter. Zur Herbstzeit jedoch war er Nebenberuflich als Hausschlächter unterwegs. Auf Vorbestellung zog er in jedes Haus, um dem "Wuzzje" (ugs. für Schwein) beim Weg in die Einweckgläser zwecks Vorratshaltung behilflich zu sein. Als Kopfschlächter bediente er sich zu damaligen Zeiten der Hausaxt, indem er das Tier mit einem Strick am Hinterbein an irgendeinen festen Gegenstand band und bei geeigneter Kopfdrehung das Tier mit einem Axtschlag auf den Kopf tötete. Jedes Mal tätigte er beim Zuschlagen ausatmend den Ausruf "Schnaaf", wobei er die Betonung sehr lang gezogen auf den Buchstaben "a" legte.(Schnaaaaaf). Durch diese auffallende Besonderheit erhielt er von den Ortsbewohner den Necknamen "Schnaaf", der auch auf die nächste Generation überging.

Eine weitere Episode lässt uns heute noch schmunzeln. Wir möchten es mit "Chinesischer Nachtigall" überschreiben. Dank seinen handwerklichen Fähigkeiten war er bei der Bevölkerung beliebt; brauchte man seine Hilfe, war es gut ihn mit "Meister" anzusprechen, darauf legte er allergrößten Wert.

Eines schönen Tages hatte er einen Spatz eingefangen, sein Gefieder kunstvoll als exotischen Vogel bemalt und vor dem Haus in einem Vogelkäfig ausgestellt. Wissbegierigen erklärte er, dass es sich bei diesem Exoten um eine chinesische Nachtigall handele. Das Interesse der Dorfbevölkerung war natürlich groß - wo gibt es denn in diesen Rhein- Ahrgefilden schon eine chinesische Nachtigall zu sehen- und "Schnaaf" genoss das Schauspiel. 1) Der „Meister“ nun, ein krippbekanntes Original, wusste alles so trefflich vorzuführen oder auszumalen, als wäre es Realität.

1) Mündliche Erzählung Friedel Valentin, Kripp 1993