Der Auferstandene

© weis/funk 2009

Es war damals in Rheinorten durchaus üblich, das diese in ihren Leichenhallen auf dem Friedhof stets einen Sarg für eventuell unerwartet geländete Wasserleichen in Reserve zu halten hatten, damit jederzeit eine Einsargung gewährleistet war. In Kripp hatte Klaus Ronken als ,,Herr der Gräber" das Amt des städtischen Totengräbers inne.
Für ihn war es durchaus normal, in der hiesigen Leichenhalle, das den Friedhofsbediensteten  auch als Aufenthalts- und Geräteraum diente, während seiner wohlverdienten Mittagspause sein tägliches Mittagsschläfchen zu halten.
lnfolge fehlender Liegestatt bevorzugte er zu seiner Bequemlichkeit im vorhandenen offenen  Sarg auszuruhen. So auch in jener Sommerzeit 1960, wo infolge der grossen Hitze die  Eingangstüre offen stand. Nun lag da unser Ronken, vor Hitze und Erschöpfung friedlich eingeschlafen im Sarg, in den höchsten Tönen schnarchend.

Vorbeikommende auswärtige Friedhofsbesucher, die zufallig und ungewollt einen Blick in  den Sarg warfen, nahmen fluchtartig Reißaus und liefen von dannen. Eine schnarchende Leiche war ihnen derart ungeheuerlich, das sie der Erzählung nach nie mehr wieder in Kripp gesehen wurden.

1) Nach einer Erzählung von Heinz Gries, Kripp, 2009