Kripper Respektlosigkeit
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Und da war noch damals Toni Becker, allseits eher unter dem Namen „de Beckkes Tünnes“ von der Mittelstrassse in Kripp (ehemals Haus Bögeholz) bekannt, der sich mühevoll seinen Lebensunterhalt als ambulanter Schrotthändler mit einem von einem Schimmel gezogenen Wagen verdiente.
In seiner Art war er ein echtes Urgewächs, woran sich so mancher im wahrsten Sinne des Wortes die Zähne ausbeissen sollte. So auch nach einer wahren Begebenheit der Bürgermeister aus Sinzig.

Auf der Sinziger Ahrbrücke begehrte dieser mit seinem Gefährt auf Grund seines Standes resoluten Vorlass beim Überqueren der dortigen Brücke, obwohl er wegen einer baulichen Straßenverengung den Gegenverkehr berücksichtigen und dort hätte warten müssen. Um sich jedoch den nötigen Respekt und somit einen Vorteil verschaffen zu wollen, rief er nach einem strengen Blickkontakt im barschen Ton seinem Gegenüber, einem Kripper aus echtem Schrot und Korn zu: „Wissen sie eigentlich wer ich bin?, ich bin der Bürgermeister von Sinzig“, worauf sein Gegenüber ihn scharf anschaute und noch dreister erwiderte: „ unn ich benn de Beckers Tünnes, Lompekrämer uss Krepp unn eesch fahre jezz zueesch wegge“.

1) Mündliche Überlieferung Friedel Valentin, Kripp 1993


Gräfliches Saloncoupe.
© weis/funk 1997

....und war einmal der genussfreudige italienische Graf und Grandseigneur Taveggi aus Kripp in irgendeiner Weise in Köln anwesend und wollte seine Heimreise antreten, so wurde dort für seine Heimfahrt auf seinen Wunsch hin gegen ein bestimmtes Honorar ein luxeriöses Extracoupe an den D- Zug angehängt. Dieses Luxuscoupe, indem er alleine während der Fahrt residierte, wurde speziell bei seiner Ankunft am Remagener Bahnhof wieder abgehängt.

Nach mündlichen Angaben von Friedel Valentin +, Kripp


Nobeltaxi um 1900
© weis/funk 1994

Einen recht noblen Fahrgast hatten die Fährleute bei ihrer morgendlichen Überfahrt auf der Ponte (Fähre) von Linz nach Kripp überzusetzen, wenn gnädiges Fräulein Maria-Luise Feith, Tochter des Linzer Burgbesitzers und spätere Besitzerin der Kripper Maria-Luisen-Quelle anspannen ließ und ihren Schulweg antrat. Die jeweiligen Überfahrten waren aus Zeit-und Sicherheitsgründen zuvor als Extrafahrten ohne weitere Fährgäste zwischen dem Linzer Burgherren und dem Fährpächter gegen ein Aufgeld ausgehandelt worden. Als fahrbarer Untersatz diente der Hautevolaute-Schülerin eine Kutsche, die vierspännig gezogen über die Kripper Hauptstraße (heutige Quellenstraße) zur Klosterschule der Insel Nonnenwerth fuhr. Das gleiches Spektakel wiederholte sich in Kripp bei der Rückfahrt. 1)

1)mündliche Angaben Friedel Valentin, Kripp 1994



"Kripp de Chine".

© weis/funk 1994

Aufgrund der Armut in der Nachkriegszeit herrschte in Kripp aus der Not heraus eine einheitliche Modefarbe. Wegen starker Bombardierung in den Städten im II. Weltkriege hatten die Heftpflasterindustrie ihr fleischfarbenes Basismaterial "Crèpe de Chine" Rollenweise in der Kripper Lederfabrik eingelagert. Nach Kriegsende wurden viele dieser Rollen von den Kripper organisiert und als Tuchstoff für jegliche Bekleidung vernäht. Im Kripper Jargon nannte man dieser in der Nachkriegszeit schicksalsbedingter unfreiwillige Modetrend spöttelnd "Kripp de Chine". 1)

1) mündliche Angaben Gottfried Valentin, Kripp 1994

Der Kripper 'Graf Rene`.

© weis/funk 1994

Nachfolgend eine Begebenheit zweier Kripper Lederarbeiter, die die Gunst ihres besten Zwirns und weißen Schuhgamaschen dazu verwerteten, um, wenn auch nur kurz, hochstaplerisch in den Adelsstand zu gelangen.

Als Ort des Geschehens wurde das Kurcafè in Bad Neuenahr gewählt, einer damals noblen Adresse der Hautevolee. Eigens für dieses Vorhaben hatten sich die zwei Kripper in besonders eleganter Oberbekleidung herausgeputzt, um mit einem Trick trotz begrenzter finanzieller Mittel in gehobener Atmosphäre die "große Welt" zu erleben.

Einer der beiden nahm im Cafè Platz, während der andere von außerhalb das Cafè anrief und verlangte, seinen Partner mit dem angedachten Rang und Namen ausrufen zu lassen, worauf ein Page mit einem Schild "Graf Rene zum Telefon" durch das Cafè ging.

Um den Gästen zu imponieren, erhob sich der Kripper "Möchtegraf" in seiner eleganten Bekleidung recht auffällig von seinem Stuhl und vernahm genießerisch das Raunen sowie die neugierigen Blicke der Damenwelt, während er genüsslich zum Telefon schritt.

Sein Partner erschien kurz darauf an seinem Tisch, und beide genossen beim Tanz die ihnen zu Füßen liegende Damenwelt. 1)


1) mündliche Angaben Gottfried Valentin, Kripp 1994

Balthasarkreuz

© weis/funk 1997

An der heutigen Mittelstrasse in Höhe des Balthasarkreuzes an der Bereichsgrenze zu Remagen lauerten bis vor dem 2. Weltkrieg gerne die Kripper Dorfjugendlichen auf dem damals unbeleuchteten Weg zwischen Remagen und Kripp ahnungslose weibliche Passanten auf, um sie durch ihr plötzliches Erscheinen in Gestalt eines Gespenstes mit übergeworfenem weißen Bettlaken und einem gespenstigen Lichtlein hinter dem dicken Stamm der dortigen Linde hervortretend einen gehörigen Schreck einzujagen, worauf die letzten 500 Meter bis zum Ort Kripp in einer schnelleren Gangart die Entfernung und Zeit gänzlich verschwinden ließen. Der makaberen Spaß der damaligen männlichen Jugend wird für viele Kripper heute noch schmunzelnd in Erinnerung sein. 1)

An gleicher Stelle, die für die Kripper als Eingangspforte des Ortes angesehen wurde, erhielten oft die auswärtigen Liebhaber von der eifersüchtigen männlichen Dorfjugend eine ugs. "Fahrt Riss" (gehörige Tracht Prügel), wenn sie ihre Angebetete im "Kripper Rosengarten" besuchen wollten.



1) mündliche Erzählung Balthasar Wahl, Kripp 1995 2) mündliche Erzählung Ignaz Jüssen, Kripp 1996


Tierische Zwillingsgeburt

© weis/funk 1997

Ein recht seltenes Ereignis in Kripp war von so herausragender Bedeutung, dass es in der Presse veröffentlicht wurde. So war in der Mittwochsausgabe der Rhein- Ahr- Zeitung Nr.95 vom 28.11.1894 als außergewöhnliches Ereignis in Kripp folgender Text zu finden:
,,Kripp, 26. Nov. 1894.
Gestem brachte eine Kuh Zwillingskälber zur Welt. Es hat sich hiermit um dasselbe Naturspiel im Zeitruum von paar Jahren bei demselben Stück Vieh wiederholt." 1)

1) Landeshauptarchiv Koblenz, Bestand 635/ S22 (ZA)
Vermerk! Eine Zwillingsgeburt bei einer Kuh gleicht fast einer Sensation.


Arbeitsunfall

© weis/funk 1997

"Am 2 ten August 1906 abends gegen 07.00 Uhr, ist der Brückenmeister Gottfried Lüttgen aus Kripp beim Auffahren des ersten Döppers (ugs. Boje) ertrunken. Die Leiche wurde am 5 ten August in Remagen gelandet und nach Kripp gebracht" 1)

1) Tagebuch der Familie Georg Valentin, Kripp 1876 - 1920, Seite 13


Bootsrennen

© weis/funk 1996

Im September 1907 wurde eine große Motorbootwettfahrt von Mannheim bis Köln durchgeführt. Voller Begeisterung notierte Valentin unter diesem Datum in sein Tagebuch:
Es war großartig wie verschiedene Boote mit einer fürchterlichen Schnelligkeit durch das Wasser schossen. Das Boot ”Zariza" war das schnellste. Es durchlief die Strecke von Koblenz bis Kéln (98 Kilometer) in 1 3/4 Stunden" 1)

1) Tagebuch der Familie Georg Valentin, Kripp 1876— 1920, Seite 14


Früher Winter

© weis/funk 1994

Vom 1ten auf den 2ten Novb. 1919 ist hier 10 cm hoch Schnee gefallen, am 1 lten wieder viel Schnee, am 13., 14. und 15ten Novb. lag er 28 cm hoch 1)


1) Tagebuch der Familie Georg Valentin, Kripp 1876- 1920,


Lebensrettung

© weis/funk 1994

Am 24ten Januar 1918 wurde von den Krippem Gottfried Valentin und Johann Zihs, als sie mit der Koppel fischen fuhren, ein fremdes Mädchen mit einem Bootshaken vor dem Ertrinken gerettet. Das Mädchen, was absichtlich in den Rhein gegangen war, hieB Grütefin und stammt aus Berlin. Es wurde nach Niederbreisig zu einem Herrn Simon gebracht, wo es Aufnahme fand. 1)


1) Tagebuch der Familie Georg Valentin, Kripp 1876- 1920,


Das erste Flugzeug über Kripp

© weis/funk 1993

Am 24. Februar 1913 vernahmen die Kripper zum ersten Mal in ihrem Leben ein mechanisch angetriebenes vogelähnliches Gerät in der Luft.
Der erste Aeroplan 1) überflog Kripp um viertel vor 5 Uhr und war um halb 6 Uhr schon in Köln. Es war ein Doppeldecker, besetzt mit einem Major als Aviateur 2) und einem Leutnant. 3)

1) damalige Bezeichnung für Flugzeug
2) alte Name für Pilot
3) Tagebuch der Familie Georg Valentin, Kripp 1876- 1920,