Rheinische Bauernschläue

© weis/funk 1995

Vor dem Zweiten Weltkrieg war es Usus, dass fast jede zweite Kuh auf dem Lande einem jüidischen Viehhändler gehörte und man diese auf Ratenzahlung abstotterte.
So konnte ein Kripper Bäuerlein, der auf Grund wirtschaitlicher Ereignisse in eine soziale Notlage geraten war, seinen finanziellen Verpflichtungen nicht nachkommen. Der Gläubiger, ein Sinziger Viehhändler jüdischer Abstammung, beabsichtigte nun, um an sein Geld zu  kommen, kurzum die Kuh des Bauem zu pfänden.
Kraft Gesetzes war dieses jedoch nicht möglich, weil 1 milchgebendes Tier zum notwendigen  Lebensunterhalt der Familie gehörte. Daher war die Kuh als einziges milchgebendes Tier rechtlich gesehen nicht pfändbar. Um diese Rechtsprechung zu umgehen und an das ihm zustehende Geld zu gelangen, ersann der Viehhandler eine List und schenkte dem armen Bauer eines Tages, angeblich aus  wohltätigen Gründen, eine milchgebende Ziege.
Das noch listigere Kripper Bäuerlein erkannte die vorgetäuschte Wohltat und schlachtete abends die schenkweise erworbene Ziege.
Tags darauf zeigte der Sinziger Kaufmann sein wahres Gesicht und erschien zwecks Pfändung  der Kuh in Begleitung eines Gerichtsvollziehers, in der Annahme, der Bauer hätte nun durch seinen Schenkungsakt 2 milchgebende Tiere.
Spöttelnd überzeugte das listige Bäuerlein den Gerichtsvollzieher von der Schlachtung seines zweiten Milchlieferanten, und dieser musste, um dem Gesetz genüge zu tun, unverichteter Dinge wieder abziehen.
Eine nicht nachahmenswerte Selbstüberlistung, die dem Gläubiger neben dem eigentlichen Verlust der Ziege auch noch eine gesalzene Pfändungsgebühr kostete 1)

1) In Sinzig bekannte mündliche Überlieferung der Altvorderen, mündliche Angaben von Heinz Schmalz, Sinzig 1995 und Friedel Valentin +, Kripp 1995