Die gehörnte Mutter

© weis/funk 1998

Um die hungrigen Mäuler der Familienmitglieder zu sättigen, waren manche Kripper Bürger  infolge des kargen Lohnes, Arbeitslosigkeit oder Lebensmittelmangels gezwungen, bis in den schlechten Tagen der Nachkriegszeit des II. Weltkrieges den Nahrungsmittelkonsum neben dem Ackerbau noch durch intemen Viehbestand zu decken. Des hohen Kaufpreises wegen waren aber nur wenige in der Lage, sich eine teure Kuh zu kaufen.
Als Ersatz dieses krummgehörnten Buttertieres war die weiße Edelziege als Kuh des "Kleinen  Mannes" in unserer Region sehr vertreten. Die meist angekauften Zicklein wurden als Kapital  gehegt und gepflegt. Im Normalfalle hatte man zwei dieser kleinen paarhufigen Wiederkauer. Um die Fortpflanzung zu gewährleisten, wurde die Geis während der Körzeit zum Bock  zwecks "Belegung" geführt.
Auf Grund des extremen penetranten scharfen Bockgeruches, wurden Böcke außerhalb des  Wohngebietes gehalten und von der Stadt bezuschusst.
Hierzu gibt es eine lustige Episode, die sich vor dem 2. Weltkiieg in Kripp zugetragen hat. Mutter Wahl erkannte eines Tages am dauernden Meckem und lebhaften Schwanzwedeln, dass ihre Ziege in der Brunst war und schickte ihre Kinder mit selbige zum Bock. Das mitgegebene Deckgeld juckte in der Hand gar sehr, war es doch ein heißer Tag und Limonade und Eis lockten doch so verführerisch. Also beriet man sich, die Ziege gar nicht erst dem Bock zuzuführen und das Deckgeld zu "versaufen und verschleckern", zumal die Mutter von dieser Missetat nichts erfahren würde. Eine Schwellung und Errötung im Schambereich der
Ziege wurde von den Kindem durch Manipulation vorgetäuscht.
Als nun die "Geis" im Laufe der Zeit nicht runder wurde und die erboste Mutter den Bockbesitzer wegen angeblicher Zeugungsunfahigkeit des Bockes aufsuchte, konnte der sich natürlich an keinen "Paarungsakt" ihrer Ziege erinnern. Ein Donnerwetter war das Nachspiel, nachdem die Mutter herausfand, dass die Kinder ihr die "Hörner" aufgesetzt hatten, das Geld
vernascht und sie um den fruchtbaren Erfolg und dem zur damaligen Zeit lebensnotwendigen Kapital gebracht hatten.1)

1) Nach einer Erzählung von Helma Laux, Kripp 1998