Eheberedung

Die "Eheberedung" für Maria Christina von Meurers 1735 „an der Kripp gegen Linz über".
© weis/funk 1998

Eine rechtliche Absicherung zwischen Eheleuten mit irdischen Gütern ist keine Erfindung der heutigen Gesellschaft. Glei­ches wurde auch früher schon zwischen Eheleuten in Kripp praktiziert, wie in einer Urkunde " Im Namen der Aller- Heiligsten Drey Einigkeit" des Breisiger Pfarr­archivs zu entnehmen ist. 1)

Zur Zeit des Feudalismus galt die Ehe in der aristokratischen Gesellschaft und im Großbürgertum als politische und mit viel Be­dacht anzugehende Angelegenheit, die diplomatisches Geschick erforderte und bei der der wirtschaftliche Aspekt kein unbeachtlicher war. Bevor sich der zarte Keim der Liebe entwickelte und eine Ehe eingegangen wurde, ging in erlauchten Kreisen üblicherweise eine ausführliche "Eheberedung" zwischen den Brauteltern voraus, bei der die peinliche Erörterung beiderseitige Mitgift und vor allem die finanzielle Versorgung der Braut ausgehandelt und notariell mit der Anrufung Gottes eröffnet und beurkundet wurde.

Drei handgeschriebene und mit 11 Siegeln natariell beglaubigte Seiten geben Zeugnis von einer solchen, in Kripp stattgefundenen, "Beredung".



A
m Donnerstag, dem 10.4.1735 wurden in Anwesenheit des Notars v. Rupprecht die Bedingungen der Eheschließung zwischen allen sieben Anwesenden der beiden Familien festgelegt. Gegenwärtig waren das Brautpaar (Freiherr Johann Friedrich von Oeynhau­sen 2) und Maria Christina Theresia Rosa von Meurers 3)), die Eltern der Braut, die Witwe des Freiherrn Johann Friedrich Christoph von Oeynhausen, Nassau - Hadamarscher Obristhofmeister, Landeshauptmann und Kammerherr 3), Anna von Oeynhausen, genannt Schmiz,? und der Hochedelgeborene Hochgelehrte Ihrer Hochfürstlichen Durchlaucht zu Essen und Thorn Hofrat, Richter des Ländtleins Breisig, Sydici der Stadt und des Amtes Sinzig Johann Wilhelm von Meurers, beider Rechte Doctor sowie seine Frau Assuera Maria Margaretha von Meurers, geb. Baronese von und zu Metternich, Hei­merzheim, Nechtersheim und Holtmühlen.




Vergleichbar mit einer heutigen Verlobung hatten die Eheleute sich bereits bei der Hillich 4) unter dem 5. des Monats per "Handstreich" versprochen, "sich einander zur heiligen Ehe zu nehmen und christkatholischem Gebrauch nach durch priesterliche Copulation und Beilager fürderab bestätigen zu lassen und gegen- und miteinander in treuehelicher Pflicht und Liebe, wie es frommen Christgetauften zukommt, bis ans Ende ihres Lebens zu verharren." 5)


Natürlich wurde auch der Witwenstand rechtlich vorbedacht. Die wirtschaftliche Regelung des Ehevertrags sah vor, dass im Fall des Todes des Ehegatten die Frau und etwa geborene Kinder sich das Erbe teilten, wobei das beiderseitige Testamentsrecht unberührt blieb - diese Regelung entsprach der "Erzstift-Köllnischen Landverordnung".

Außerdem erhielt die Ehefrau "um die Bürde des Ehestands zu erleichtern", insbesondere für Ausstaffierung "standesmäßiger Kleidung und Leibzierde" einen Betrag von zweitausend Florin Rheinisch zur selbsteigenen Disposition, wovon der Brautvater und der Bräutigam je 52 Albus Köllnischer Währung Anzahlung leisteten und sich verpflichteten, den Rest verzinslich in ratierlichen Teilbeträgen auszugleichen. Nach der Unterschriftsleistung der beiderseitigen 7 Familienangehörigen, sowie der 3 Zeugen, dem Pfarrer Peter Mürll von Erpel und dem dortigen Frühmesser Anton Hütig und dem Breisiger Frühmesser Mattias Ulrich wurde die Richtigkeit des Contractes durch die Unterschrift des Notars beglaubigt und eigens für jede Signatur die Echtheit mit einem Siegel bekräftigt.


Als Zeit und Ortsangabe sind beurkundet : "so geschehen an der Kripp Linz über, Ambt Sinzig, den 10ten Aprilis 1735". 6)

Der Grund, aus welchem Grund die Brauteltern für den Abschluss dieses Ehevertrages ein Gasthof „an der Kripp gegenüber Linz" wählten dürfte vermutlich in der Annahme nahe liegen, das die begüterte Breisiger Familie Meurers mit der Familie Oeynhausen, die vermutlich in Erpel in direkter Rheinlage wohnten, Kripp als neutraler Ort zwischen den beiden Wohnlagen Breisig und Erpel wählten. Diese Vermutung des Wohnsitzes Erpel resultiert aus einer noch heute befindlichen Wappensteinplatte in der rheinseitige Begrenzungsmauer sowie einer wappenverzierten Grabplatte des bekannten niedersächsischen Geschlecht des Freiherrn Ludwig von Oeynhausen, der durch seine Frau Grundbesitz in Erpel erhielt.7)

                                   

1) Carl Bertram Hommen, Von Hexen, Schiffern und Papiermachern am Rhein, Ahr und Eifel, Bad Breisig 1991.

2) Sohn der begüterten Familie niedersächsiches Geschlechts mit Grundbesitz in Erpel

3) Tochter der begüterten Familie Meurers aus Breisig

4) Hillich= altes rhein. Wort für eheliche Versprechung, Verlobung. Nach der damaligen Volksauffassung legte bereits die Verlobung die Treuepflicht auf und wurde als bindendes Eheversprechen bewertet. Auf dem Tridenter Konzil (1563) erhielt die kirchliche Trauung den Rechtssinn unter Zuziehung von 2 Brautzeugen einen Rechtssinn der eigentlichen Eheschließung.(Peter Weber in Heimatjahrbuch Kreis Ahrweiler 1991,S.155, Hochzeit im Wandel der Zeit) Ab der franz. Revolution wurde die Zivilehe durch die Code Civil geregelt, die auch ab 1876 für das Deutsche Reich obligatorisch wurde.

5) Frauenzimmerlexikon 1715 : "Morgengabe ist ein ansehnliches Praesent, welches ein neuer Edelmann vonAdel seiner Braut den anderen Hochzeits- Tag früh Morgens nach dem ersten Byschlaf und beschlagener Decke statt eines Lohnes und einiger Ergötzlichkeit vor die verlorene Jungfernschaft zu verehren pflegt.
(Heimatjahrbuch Kreis Ahrweiler 1987, S.202-203, Fußnote 2 „Eine Reifferscheider >>ehelige Heiratsverschreibung<< aus dem Jahre 1744“, von Peter Weber)

6) wie 1

7 Rheinische Kunststätten, Heft 29, S.14, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Köln 1981)

Anmerkung zu 1): Die nach Angaben von Hommen im Bad Breisiger Katholischen Pfarrarchiv befindlichen Originalurkundenkonnten laut schriftlicher Auskunft des Bad Breisiger Pfarrers Hoellen wegen Personalknappheit nicht nachgesucht werden. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass von uns, aus diesem Grund die Urkundenabdrucke aus dem Bericht von Carl Bertram Hommen, „Von Hexen, Schiffern und Papiermachern am Rhein, Ahr und Eifel,“ Bad Breisig 1991, für diesen Beitrag reproduziert Verwendung fanden.